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Full text of "Die Voelker des oestlichen Asien : Studien und Reisen"

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DIE  VOELKER 


DES 


OESTLICHEN  ASIEN. 


STUDIEN  UND  REISEN 


VON 


Dr.  ADOLF  BASTIAN. 


SECHSTER   BAND. 


-^%^- 


JEXA, 

HRF^MANN  COSTENOBLP:. 

1871. 


REISEN  IN  CHINA 


VON 


PEKING 


ZUR 


MONGOLISCHEN  GRENZE 


UND 


RIKCKKKHR   NACH   EUKOPA. 


VON 


Dr.  ADOLF  BASTIAN. 


Das  Recht  der  Uebeisetzung  ist  vorbehalten. 


JENA, 

HERMANN    C  0  S  T  R  N  0  B  L  E. 
1871. 


3)S    ■ 


Einleitendes  Vorwort. 


Schon  in  Cicero's  Gesprächen  wird  als  einer  der  Gründe  für 
das  Dasein  der  Götter  der  allgemeine  Glaube  an  dieselben  an- 
geführt, und  es  ist  seitdem  vielfach  Gegenstand  der  Discussion 
gewesen,  ob  sich  Völker  auf  der  Erde  finden,  oder  finden  könnten, 
die  jeder  Religion  entbehrten.  Die  Hauptschwierigkeit  dieses 
Gegenstandes,  über  den  so  Vieles  geschrieben  und  nie  das 
Mindeste  entschieden  ist,  liegt  wie  gewöhnlich  in  der  Frage- 
stellung. Man  stellt  Objecte  der  Untersuchung  auf,  ohne  die 
Natur  derselben  genau  zu  formuliren,  und  der  Fragende,  der 
im  Grunde  selbst  nicht  weiss,  wonach  er  eigentlich  fragt,  wird 
immer  erst  durch  die  Antwort  zu  einem  schärferen  Nachdenken 
über  den  Gegenstand  veranlasst,  an  dem  er  dann  beständig  neue 
Seiten,  neue  Veranlassungen  zu  Erwiderungen  aufdeckt.  Je 
mehr  sich  unsere  Begriffe  von  den  scharf  umschriebenen  Bildern 
der  Sinnesauffassuugen  entfernen,  desto  mehr  verschwimmen  sie, 
wenn  sie  die  letzte  Steigerungsfähigkeit  der  Denkkraft  über- 
fluthet  haben,  in  ein  unklares  Gefühlsmeer,  und  die  Wogen 
desselben  haben  ein  leichtes  Spiel  mit  den  Begriffen  von  der 
Gottheit,  den  höchsten  und  letzten  für  das  Sehnen  der  Menschen- 
brust. Hume's  Kritik  der  Causalvorstellung  liegt  der  nach- 
folgenden Philosophie  zum  Grunde,  und  die  physiologische  Psy- 

3016Ö4 


Vi  Vorwort. 

chologie  wird  den  dadurch  gelieferten  Boden  ohne  Mühe  in  ent-* 
sprechender  Weise  vorbereiten  können,  um  auf  ihm  mit  dem  ge- 
sammelten Material  einen  inductiven  Autbau  beginnen  zu  dürfen. 
In  Folge  der  Ideenassociation  muss  jeder  Eindruck  der  Aussen- 
welt  eine  innere  Reaction  hervorrufen,  die  je  nach  den  bereits 
vorhandenen  Erfahrungen  (und  also  je  nach  der  Weite  oder  der 
Enge  derselben)  ihre  Completirung  finden  wird.  Nachdem  es 
möglich  gewesen,  eine  Thatsache  des  Seins,  als  Gewordenes, 
zu  erkennen,  in  den  Wirkungen  die  Ursache  zurück  zu  verfolgen, 
wird  in  jedem  Seienden,  das  weiter  entgegentritt,  die  Ursache 
aufgesucht  werden,  aus  der  es  geworden  ist.  Die  Länge  der 
Denkreihen  bleibt  von  der  Empfänglichkeit  des  psychischen 
Nervensystems  abhängig.  Bei  hoher  Sensitivität  desselben 
mögen  schon  auf  leichten  Anstoss  mächtige  Schwingungen 
nachzittern,  während  die  massiven  Nervenstränge  in  dem  thierisch 
robusten  Körper  eines  Macusi  selbst  einen  für  Europäer  unerträg- 
lichen Grad  des  Schmerzes  (wie  im  Macarri-Tanz)  als  eine  Art 
Lustgefühl  auffassen  könnten.  Der  gewöhnliche  Wilde  wird  die 
äussere  Welt  mit  Gleichgültigkeit  betrachten;  dass  der  Baum 
neben  seiner  Hütte  wächst,  interessirt  ihn  nur,  sofern  derselbe 
essbare  Früchte  trägt,  in  seinem  Holz  oder  seiner  Rinde  nutzbar 
ist,  dass  die  Sonne  Morgends  auf  und  Abends  untergeht,  dass 
Nachts  die  Sterne  hervorleuchten,  sind  Dinge,  die  ihn  nichts  an- 
gehen, Dinge,  die,  wie  die  Missionäre  von  südamerikanischen 
Indianern  hörten,  immer  so  gewesen  sind,  immer  so  sein  werden, 
und  worüber  ihnen  ihre  Vorfahren  nichts  Weiteres  hinterlassen. 
Aber  auch  unter  den  Wilden  sind  uns  schon  verschiedene  Reise- 
berichte erhalten  von  Schamanen  und  Fetizeros,  die  erzählten, 
wie  sie  bei  mehr  oder  weniger  zufälligen  Veranlassungen 
sich  dem  Nachdenken  über  die  Entstehung  der  Welt,  über  die 
Ursache  dessen,  was  sie  um  sich  sahen,  hingegeben,  und  bei 
diesen  Priesterklassen  werden  die  Candidaten  schon  von  früher 


Vorwort.  VII 

Jugend  an  einem  regelmässig:  gescliulten  Cursus  unterworfen, 
um  ihrem  Nervensystem  die  für  Weissagungen*)  erforderliche 
Reizbarkeit  zu  geben,  so  dass  dasselbe  (nach  den  von  Gmelin 
gegebenen  Beispielen)  oft  völlig  zerrüttet  wird  (wie  bei  den 
Hysterischen  und  Sonambulen)  und  jedes  normale  Gleichgewicht 
mit  dem  Leiblichen  aufhebt.  Da  also  die  Sensibilität,  die  wei- 
tere Anschauungen  ermöglicht,  bei  den  höheren  Gesellschafts- 
schichten der  Wilden  nur  als  krankhafte  Verstimmung  auftritt, 
bleibt  sie  ohne  weitere  ßiickwirkung  auf  die  grosse  Masse  des 
Volkes,  die  kaum  in  seltenen  Anstössen  aus  ihrem  Stumpfsinn 
aufgerüttelt  wird.  Empfindet  der  Neger  den  Schmerzensstich 
einer  Entzündung,  den  Schuss  des  Krampfes,  fühlt  er  sich  vom 
Fieberfrost  geschüttelt,  so  interessirt  ihn  das  allerdings  nahe 
genug,  dass  er  sich  um  die  Ursache  davon  kümmere.  Wer  ihm 
Stiche  zu  versetzen  vermag,  vielleicht  schon  versetzt  hat,  ist  sein 
Feind,  auch  dieser  gegenwärtige  Stich  wird  davon  heiTühren, 
und  wie  er  jetzt  voll  Schrecken  erkennt,  ist  dieser  Feind  ein 
unheimlich  dämonischer  Gegner,  der  selbst  aus  der  Ferne  zu 
schaden  weiss,  in  einer  Weise,  die  der  Getroffene  weder  zu  ver- 
meiden noch  zu  erwidern  versteht.  Der  Schuss  ist  also  ein 
Hexenschuss,  und  jetzt  folgt  jene  Hexenriecherei  der  Kaffern, 
jenes  Aufschnüffeln  der  bösen  Zauberer,  die  in  Afrika,  Amerika, 
Polynesien,  Asien  unter  grausamsten  Qualen  ermordet,  die  in 
Europa  bis  in  dieses  Jahrhundert  gesetzlich  verbrannt,  bis  heut- 
zutage heimlich  abgemacht  werden.  Dass  sein  Nebenmensch 
ihn  in  ein  Fieber  zu  schütteln  vermöchte,  darüber  besitzt  der 
Wilde  keine  Erfahrung,  und  fühlt  er  sich  also  von  demselben 
gepackt,  so  hat  er  seinen  geschlossenen  Ideeukreis  durch  Auf- 
nahme eines  Hülfsgliedes  zu  erweitern  und  püegt  er  in  dem 
Fieber  einen  von  menschlicher  Existenz  abgelösten,  aber  immer- 


'')  Medicinae  atque  divinationnm  consociatae  sunt  disciplinae  (Macrob.). 


VIII  Vorwort. 

hin  (weil  am  nächsten  liegend)  in  menschlicher  Form  erscheinen- 
den Dämon  zu  erkennen,  der  anf  den  Bäumen  der  Malaria- 
Wälder  lauert.  Diese  halbmenschliche,  aber  doch  nicht  körper- 
lich menschliche  Wesenheit  quadrirt  nun  auf  das  Trefflichste  mit 
den  Vorstellungen  von  der  abgeschiedenen  Seele,  die  den  todten 
Körper  (wie  früher  so  häufig  den  schlafenden  in  den  Träumen, 
als  Leipya)  verlassen  zu  haben  scheint,  und  auch  bei  dem  Ver- 
modern desselben  doch  irgendwo  *)  übrig  bleiben  muss,  weil  früher 
vorhanden.  Solch  umherschweifender  Gespenster  (der  Laren  als 
Divi  Manes  oder  Lemures  und  larvae  nocturnae)  giebt  es  bei  dem 
ununterbrochen  fortdauernden  Sterben  nun  aber  eine  grosse  Zahl, 
und  wie  man  den  feindlichen  unter  denselben  jeden  bösen  Un- 
fall zur  Last  legt,  so  wird  man  umgekehrt  die  befreundeten  Ver- 
wandten als  Schutzgeister  betrachten,  sie  auch  im  Leben  nahe 
wähnen,  und  von  ihnen  dann  im  Besondern  gegen  jene  unsicht- 
baren Gegner  Hülfe**)  hoffen,  die  sie  am  besten  auf  ihrem 
eigenen  Terrain  zu  bekämpfen  vermögen.  So  entwickelt  sich 
jener  vielgestaltige  Heroendienst  der  Inkosi  und  Chao,  jener 
Ahnencultus,  der  den  Schamanen  bei  ihren  Beschwörungen,  den 


*)  Das  Gefühl,  irgendwo  zu  sein,  verlässt  die  Seele  nie;  wenn  wir  uns  den 
Raum  denken,  so  denken  wir  nns  nicht  ausser  demselben,  sondern  in  demselben 
(s.  Baumann).  Aus  der  Continuatio  existentiae  oder  der  Dauer  des  Ich's  floss 
nicht  die  Idee  der  Zeit,  sondern  vielmehr  die  der  Ewigkeit,  als  die  natürliche. 
,.So  lange  wir  sind,  so  lange  das  Ich  die  Vorstellungen  (diese  im  weitesten  Sinne 
verstanden ,  so  dass  Gefühle  und  Begehrungen  mit  darunter  begriffen  sind ,  die 
nach  einander  in  ihm  auftreten)  mit  sich  verknüpft  und  auf  sich  bezieht,  so  lange 
ist  uns  von  da  aus  die  Vorstellung  der  Ewigkeit  näher,  als  die  der  Zeit,"  und  in 
der  That  ist  den  Naturvölkern  nicht  nur  die  Vernichtung,  sondern  schon  die  Idee 
des  Sterbens  undenkbar,  so  dass  jeder  Todesfall  aussergewöhnlichen  Ursachen  zu- 
geschrieben werden  muss.  Indem  der  menschliche  Geist  mit  dem  menschlichen 
Körper  nicht  vernichtet  werden  kann,  bleibt  etwas  von  ihm  übrig,  was  ewig  ist 
(nach  Spinoza). 

**)  Unsere  Todten  sind  uns  gewiss  näher  und  gegenwärtiger,  als  wir  meinen, 
ist  die  Meinung  J.  H.  Fichte's,  und  den  Amakosa-Kaflern  sind  sie  so  nahe,  dass 
sie  selbst  in  die  Schlachtreihen  eintreten,  wie  bei  den  Lokrern. 


Vorwort.  IX 

Chinesen  zur  Befestigung  der  Kindespflicht  dient,  und  der,  mit 
den  Anschauungen  der  Metampsychose  verknüpft,  bei  Fanti  und 
Hellenen,  bei  Australiern  und  Malayen  den  Vorfahren  im  Enkel 
wieder  erscheinen  lässt.  Ist  aber  einmal  der  Begriff  des  un- 
körperlichen Dämon*)  gewonnen,  so  wird  der  Wilde  auch  ohne 
das  Zwischenglied  der  entkörperten  Seele  mit  demselben  operiren 
können.  Sieht  das  Auge  im  Halbdunkel  jene  Ungethüme,  die 
die  Eucalyptus-Wälder  durchschleichen,  säuselt  es  schreckhaft  in 
den  Wipfeln,  streicht  es  geisterhaft  über  die  Prairien,  so  verlangt 
dieses  Tad  nicht  erst  eine  umständliche  Speculation  über  den  Ver- 
storbenen, als  dessen  Larva  es  in  diese  Oeden  gebannt  sein  möchte, 
die  Keflexion  ist  bereits  mit  dämonischen  **)  Existenzen  vertraut 
mit  den  Wandelgöttern  der  Fetische  quotquot  sunt  (wie  der 
des  einst  durch  zugestutzten  Stock  repräsentirten  Vertumnus), 
und  creirt  sie  nach  Bedürfniss,  besonders  unter  dem  Eindruck  des 
Furchtbar-Erhabenen,  wenn  das  Echo  von  den  Felswandungen 
wiederhallt,  wenn  die  Lawinen  von  den  Schneegipfeln  stürzen, 
wenn  die  Meeresfluth  sich  zum  Festlande  heranwälzt.  Dann 
richtet  sich  auch  zum  Himmel  der  Blick,  dann  wird  der  Blitz 
aus  Götterhänden  geschleudert,  die  Sonne,  der  Mond  von  Götter- 
rossen  geführt,  dann   spielen  in   Morgen-   und  Abendröthe   die 


*)  Die  Seelen  bilden  nicht  nur  eine  bestimmte  Gestalt  und  Figur,  sondern 
zeigen  auch  eine  lüftähnliche  Farbe  (nach  Tertullian).  Fechner  lässt  den  Mensch 
auch  nach  dem  Tode  auf  der  Erde  weilen,  aber  in  anderer  Weise  als  vorher. 
Cyriacus  nahm  die  sphärische  Form  als  die  vollkommenste  an  für  den  Auf- 
erstehungsleib (X.  Jahrhd't.  p.  d).  Die  buddhistischen  Engel  der  Asanchi-Phrohm 
(Asanchi-sata-Phrom)  nehmen  in  dem  ihnen  zugewiesenen  Himmel  eine  hohl  ge- 
rundete Form  an. 

**)  Ueber  der  menschlichen  Wesenheit  schwebt  ihr  Ferner,  der  Kvan,  der 
auf  dem  Scheitel  wohnt.  Bei  den  Siamesen  war  das  Ohr  dem  Gedächtniss,  das 
Kinn  dem  Mitleid ,  die  Finger  der  Minerva ,  wie  die  Stirn  bei  den  Römern  dem 
Genius  geweiht,  und  auch  der  Yornbenser  opfert  seiner  Stirn,  sie  verehrend. 
Nicht  der  Knochen  und  nicht  der  Nerv  empfindet,  sondern  die  demselben  ein- 
wohnenden Geister  (Marcus).  Nach  Berkeley  ist  jede  Idee  ein  von  Gott  geredetes 
Wort. 


X  Vorwort. 

göttlichen  Gestalten,  die  in  des  Nordlichts  Glänze  am  polaren 
Himmel  tanzen.  Auf  den  Himmel  wird  die  Aufmerksamkeit 
auch  bald  durch  praktische  Rücksichten  gefesselt.  Dem  Bechuanen 
in  seinem  dürren  Lande  ist  Flu  (Regen)  der  Ausdruck  alles 
Guten  (wie  umbrisch  fons  in  Faunus  von  faveo)  und  aller  Herr- 
lichkeit, denn  von  ihm  hängt  die  allgemeine  Wohlfahrt  ab,  und 
wenn  man  sich  bei  den  tückischen  Angriffen  des  Krankheit 
sendenden  Feindes,  —  wenn  Mars,  die  Streitrosse  geisselnd,  pest- 
sendend umheiTast  (nach  dem  Gebetliede  der  Fratres  Arvales),  — 
an  den  Medicinmann  wandte,  der  allein  gegen  diesen  unsichtbaren 
Dämon  Hülfe  zu  leisten  vermag,  so  concentriren  sich  bei  drohen- 
der Missernte  alle  Hoffnungen  in  den  Regenmachern,  die  mit 
Glück  und  Geschick  leiciit  das  volle  Vertrauen  des  Volkes  zu 
gewinnen  verstehen,  wenn  sie  wie  Wakadahhahee  (s.  Catlin)  die 
Wolken  mit  ihrem  Pfeile  zu  entleeren  vermögen,  also  den 
Dämon  der  Dürre,  wie  Vritra  mit  dem  Donnerkeil,  erschlagen. 
Ist  in  derartiger  Weise  die  Atmosphäre  mit  Göttei-wesen  be- 
völkert, so  werden  den  aus  der  Luft  herabkommenden  Vögeln 
die,  von  Formosa  und  Borneo  bis  Rom  und  Araucanien  benutzten. 
Anspielen  entnommen  werden,  wie  man  auch  aus  Begegnungen 
der  Landthiere  Omen  vielerlei  Art  zu  lernen  vermag,  bald  wieder 
den  Alligator  in  Luzon,  die  Löwen  in  Indien  als  Oheim  begrüsst, 
bald  den  Wehrwolf  flieht  oder  den  Tiger  in  Bengalen,  die  Hyänen 
in  Abyssinien.  L'appetit  vient  en  mangeant,  und  der  im  Lernen 
wissbegierigere  Geist  wird  sich  jetzt  über  mancherlei  Processe 
Rechenschaft  zu  geben  suchen,  die  ihn  früher  kalt  Hessen.  Das 
erwärmende  Feuer  verdient  heissen  Dank,  wie  es  aufsprüht  aus 
dem  Holze,  seiner  Mutter,  wie  es  knattert,  züngelt,  umhergreift. 
Hier  ist  BcAvegung  und  Leben,  eine  Wesenheit,  keine  menschliche 
zwar,  weil  unsichtbar,  aber  eine,  obwohl  göttliche,  doch  wahr- 
scheinlich in  menschlicher  Form  gedachte,  um  sie  den  übrigen 
bereits  geschaffeneu  anzureihen.    Auch  der  Fluss,  der  dem  Berg- 


Vorwort.  XI 

bewohner  aus  geheimnissvoller  Quelle  hervorbricht,  der  in  der 
Ebene  scheinbar  selbst  bewegt  dahinströmt,  bekundet  sein  Leben 
oder  das  seines  Flussgottes,  und  ebenso  der  Wind,  der  ohne  ein 
Warum  dahinfährt,  ohne  dass  man  weiss,  woher  oder  wohin. 
Bald  bewohnt  die  Dryade  den  Baum,  blüht  die  Eiche  durch  die 
Querquetulanae  Virae,  bald  wird  vor  Allem  zur  Ceres  oder 
Tellus  Mater  gebetet,  zur  Centeotl,  zur  Roggenmuhme  oder  (in 
Wasserleben)  zum  Kornwif,  zur  Phibi  Yau  der  Karen  (die  den 
allen  Dingen  innewohnenden  Kela  auch  für  den  Reis  herbeirufen), 
als  Spenderin  der  Fruchtbarkeit  der  Felder,  und  dann  zur 
ephesischen  Diana,  zum  Lingam,  zur  Yoni,  zum  Phallus  und 
jenen  anderen  Symbolen,  die  von  Aegypten  bis  Japan  die  Frucht- 
barkeit der  Nachkommenschaft  verbürgen.  Wie  sich  in  diesen 
Conceptionen  des  Naturmenschen  die  Unterschiede  zwischen 
Göttern  und  Teufeln,  zwischen  guten  und  bösen  Gottheiten  neben 
indifferenten  Dämonen  gliedern  mögen,  liegt  auf  der  Hand,  und 
eben  so  erklärlich  ist  es,  dass  vor  Allem  die  schwarzen  Aus- 
geburten der  Unterwelt  von  den  Opfern  das  beste  Theil  erhalten 
werden,  da  sie  vor  Allem  Sorgen  bereiten  und  gesühnt  werden 
müssen.  Alle  solche  Operationen  liegen  ohnedem  in  der  Hand 
des  Schamanen,  der  allein  die  Künste  kennt,  die  etwaige  Ge- 
neigtheit wohlwollender  Geister  in  seinem  Kampfe  mit  dem 
Bösen  auszunutzen,  während  dem  Laien  nur  diese  furchtbar, 
da  sie  angreifen,  jene  dagegen,  mit  denen  er  nicht  zu  com- 
municiren  versteht,  indifferent  sind.  Auch  die  Schamanen  selbst 
indessen  fassen  die  gute  Natur  ihrer  Hülfsgeister  nur  in  dem 
Liebte  eines  persönlichen  Wohlwollens  auf,  denn  im  Grunde  sind 
sie  eben  so  rachsüchtig  und  jähzornig,  wie  die  durch  sie  aus  dem 
Patienten  vertriebenen  Plagegeister  (wie  dieser  bald  zu  seinem 
Schaden  erfahren  würde,  wenn  er  mit  der  Zahlung  des  Honorars 
oder  dem  Kauf  der  empfohlenen  TtegiaTira  zögern  sollte).  In 
diesen  Vorstellungen  begreift  sich  die  Weltanschauung  für  die 


Xn  Vorwort. 

grosse  Masse  der  Naturvölker.  Nur  einzelne  Grübler  erbeben 
sich  noch  zu  der  Idee  einer  oberhalb  dieser  Gegensätze  schweben- 
den Gottheit,  die  zwar  gütiger  Natur,  aber,  gleich  den  Göttern 
des  Epikur,  gleichgültig  gegen  die  Erde  und  ihre  Angelegen- 
heiten ist,  in  unerreichbarer  Ferne  weilend,  wie  Yankupong  an 
der  Goldküste  oder  Num  der  Samojeden.  Das  bei  den  Chi.- 
nesen  das  All  (gleich  dem  Jupiter  des  Ennius)  abrundende 
Himmelsgewölbe  ist  dagegen  durch  den  Staatscultus  auf  astro- 
nomisch-meteorologischer Grundlage  des  Kalenderwesens  in  eine  _ 
magische  Verknüpfung  mit  den  Geschicken  des  unterhimmlischen 
Keiches  gebracht. 

Das  dämonische  Heer,  das  die  Priester  in  Folge  der  an  sie 
gestellten  Ansprüche  in  ihre  Gewalt  zu  bannen  gezwungen  wurden, 
kann  nun  später  noch  auf  mancherlei  andere  Weise  benutzt 
werden.  Die  Negerpotentaten  finden  es  am  billigsten,  die  Po- 
lizei *)  durch  Fetische  üben  zu  lassen,  die  sie  den  Tempeln  ent- 
nehmen, und  eben  so  wirksam  hüten  die  Atua  in  Polynesien  das 
Tabu,  wo  immer  es  auferlegt  ist.  Hiermit  tritt  zuerst  die  Idee 
einer  moralischen**)  Verurtheilung  hervor.  Wer  das  Tabu  bricht, 
ist  ein  Kakini,  ein  schlechter  Kerl.  Was  er  sonst  thut,  küm- 
mert Niemand.  Schlägt  er  seinen  Nachbar  todt,  so  mag  er  es 
thun;  er  thut  es  aber  freilich  auf  seine  eigene  Gefahr  und  wird 


*)  Expedire  igitnr  existimat  (Scävola)  falli  In  religione  civitates,  quod  dicere 
etiam  in  libris  reram  divinarum  ipse  Varro  nou  dubitat  (August).  Varro  utile 
esse  civitatibus  dicit,  ut  se  viri  fortes,  etiamsi  falsum  sit,  ex  diis  genitos  esse 
credant. 

**)  Die  vermögenslosen  Armen  werden  von  den  slavonischen  Gemeinden  als 
Böse  (chudy)  ausgestossen.  Der  Gute  ist  der  Begüterte.  Nur  den  Höchststehen- 
den wurden  bei  den  Persern  Staatsgeheimnisse  anvertraut  (nach  Aram  Marc.), 
weil  eine  weniger  edle  Natur  der  Verschwiegenheit  nicht  fähig  sein  würde  (die 
man  auch  den  Frauen  abspricht).  Dem  gemeinen  Volke  ist  (nach  einem  von  Pris- 
cus  auch  bei  den  Hunnen  gefundenen  Unterschiede)  nur  Meth  erlaubt,  während 
der  (esthnische)  Dorfkönig  (mit  den  Rachimburgi  oder  Reichen  im  Burg)  in 
Kumys  schweigt,  und  so  trinkt  Odin  allein  Wein  (in  der  Edda). 


Vorwort.  XIII 

höchst  wahrscheinlich  wieder  todt  geschlagen,  entweder  in  Folge 
der  Blutrache,*)  oder  von  der  Gemeinde,  die  erbittert  ist,  ein 
nützliches  Mitglied  verloren  zu  haben.  Im  Uebrigen  wird  seine 
That  keinen  Tadel**)  finden,  da  er  einen  Grund  für  dieselbe 
gehabt  haben  wird,  denn  umsonst  regt  der  Wilde  weder  Hand 
noch  Fuss.  Das  Stehlen***)  ist  ein  Geschicklichkeitsspiel,  das 
indess  nicht  leicht  unentdeckt  bleibt,  besonders  wenn  man  das 
Orakel  zu  Rathe  ziehen  kann,  und  das  deshalb  wegen  der 
höheren  Strafe  für  den  Verüber  meist  unprofitabel  endet.  Ueber 
den  Ehebruch  heri'schen  die  verschiedensten  Ansichten  bei  den 
wilden  Stämmen.  Oft  hütet  der  Gatte  auf  das  Eifersüchtigste 
seine  Frau  und  würde  gegen  jeden  Eindringling  von  seinem 
Hausrecht  Gebrauch  machen,  oft  dagegen  wird  sie  leihweise  über- 
lassen!) oder  Andem  abgetreten,  oft  besteht  überhaupt  kein 
Ehezwang.  Wie  wechselnd  die  Ideen  über  Anständigkeit  sind, 
beweist  ein  Besuch  im  (un-)gesitteten  Japan.  In  Travancore  galt 
(zu  Forbes'  Zeit)  das  Bedecken  der  Brüste  für  unanständig  und 
wurde  an  den  Frauen  streng  bestraft.  In  Tidore  durften  die 
Frauen  nur  mit  völlig  entkleidetem  Körper   vor  die  Augen  des 


*)  Das  Gesetz  der  Friesen  erklärte  den  Vatermörder  nur  der  Erbschaft  ver- 
lustig, und  auch  der  Mord  der  nächsten  Verwandten  blieb  gewissermassen  un- 
bestraft, da  keine  Composition  angesetzt  war,  wo  es  sich  nicht  über  Ausgleich  mit 
anderen  Familien,  sondern  um  innere  Angelegenheiten  handelte.  In  Athen  erklärte 
man  später  das  Fehlen  eines  Gesetzes  gegen  den  Vatermord  aus  der  Unmöglich- 
keit desselben.  Dem  alemannischen  Gesetz  fügte  die  christliche  Zeit  den  Tadel 
hinzu  über  das  Sündhafte,  das  in  diesem  Vergehen  gegen  Gottes  Gebote  läge. 

**)  L'id^al  de  la  vertu  c'^tait  ce  dölire  furieux,  oü  le  guerrier  (Berseker)  se 
precipitait  l'^p^e  ä  la  main  sur  ces  compagnons  comme  sur  ces  ennemis  (Ozanam). 
***)  In  Hatra  {er  "Äroois)  werden  Diebe  gesteinigt,  bei  'den  Kaschanen  an- 
gespieen, bei  den  Römern  gegeisselt,  aber  jenseits  des  Euphrat  und  im  Osten 
zürnt  man  nicht  über  den  Schimpf  als  Dieb  oder  Mörder,  wohl  aber  rächt  man 
den  des  Männerschänders  (Bardesanes). 

x)  Wie  in  Kongo,  Arracan  u.  s.  w.  „Bei  den  Rakamäern,  Edessenern  und 
Arabern  trifft  nicht  nur  den  Ehebruch  der  Tod,  sondern  schon  der  Verdacht  des- 
selben.'' 


XIV  Vorwort. 

Fürsten  treten.  Die  Berauschung  im  Somatrank  ist  oft  religiöse 
Vorschrift,  anderswo  verpönt,  und  ^wie  die  Skythen  verboten  die 
Nervier  die  Einfuhr  von  Wein,  obwohl  eben  so  vergeblich,  wie 
die  Irokesen  den  des  Branntweins  und  die  Chinesen  den  des 
Opium.  Die  Lüge  *)  würde  als  ein  grosses  Verbrechen  erscheinen, 
wenn  sie  vorkäme,  ist  aber  den  auf  sich  beschränkten  Natur- 
völkern eigentlich  unbekannt,  da  sie  eine  viel  zu  grosse  Combi- 
nation  der  Gedankenarbeit  verlangt,  um  den  etwa  erreichbaren 
Vortheil  zu  compensiren,  und  es  weit  bequemer  ist,  den  wirklichen 
Thatbestand,  also  das  Wahre,  einfach  wiederzugeben.  Nicht  zu 
tödten,  nicht  zu  stehlen,  nicht  zu  huren,  nicht  zu  berauschen,  nicht 
zu  lügen  sind  die  fünf  Normalverbote  in  fast  sämmtlichen  Re- 
ligionssystemen, und  aus  Utilitätsrücksichten**)  in  complicirteren 
Staatsverhältnissen  ist  ihr  Bruch  dann  meist  auch  mit  weltlichen 
Strafen  belegt  neben  moralischer  Verdammung.  Die  letztere  ist  in 
diesem  Sinne  dem  Naturmenschen  fremd.  Kakini  ist  derjenige, 
der  das  Tabu  bricht***),  der  das  dem  Atua  geweihte  Thier  isst, 
das  unter  seinen  Schutz  gestellte  Feld  bestiehlt,  die  in  seinem 
Tempel  weilende  Jungfrau  berührt.  Das  Stehlen  an  sich  hätte 
nichts  auf  sich,  wenn  es  sich  unbemerkt  verüben  Hesse;  das  aber 
mit  dem  Tabuzeichen  bemerkte  Feld  ist  gegen  jede  Gefahr  ge- 
sichert, denn  Niemand  ist  so  unbesonnen,  dasselbe  zu  betreten, 
weil  er  sogleich,  vom  Zorne  des  Atua  getroffen,  todt  niedersinken 


*)  To  x^ariaxov  rcop  ayad'wv  fj  d?,TJSsia,  y.al  o  ea^arog  6qo£  t^s  novTjQias 
rb  ipevSos  (Basil).  Homo  cui  incumbit  necessitas  mentiendi  diligenter  attendat, 
ut  sie  Qtatnr  ihterdam  mendacio,  qnomodo  condimento  et  medicina  (Orig.).  Ovx 
kv  Tols  TtoMfiois  fiSvov ,  aXXa  xal  ev  eioijvr]  •jtoX7.,7jv  xal  avayxalav  evqoi  Tis 
av  rr/s  cbtdrijs  trjv  x^eiav  (Chrys.). 

**)  La  lettre  d'Ardeshyr  Babegan  (ä  Djenfeshah  roi  du  Fershwad  et  du  Dey- 
lem),  remarque,  que  (sous  les  Parthes)  beaucoup  des  delits  etaient  puuis  des 
crimes,  taudisque  que  des  manquements  inflniment  plus  graves  n'etaient  atteints 
par  ancune  pönalitö  (Gobineau). 

***)  Der  Perser  verfiel  in  Sünde,   wenn   er   durch   seine  Handlungen  aufhörte 
ein  Tränier  zu  sein,  sonst  war  seine  Seele  rein,  wie  ihr  Feruer. 


Vorwort.  XV 

oder  doch  von  ähulicheu  Plagen  getroffen  werden  würde,  wie 
der  Verrücker  der  Grenzsteine  in  dem  an  Amins  Veltymnus 
gerichteten  Orakel  ex  libris  Vegoiae.  Wie  lebendig  und  uner- 
schütterlicli  fest  gewurzelt  dieser  Glaube*)  in  dem  Herzen  der 
Polynesier  war ,  davon  haben  wir  aus  den  Berichten  der  ersten 
Entdecker  und  Missionäre  Beispiele  die  Hülle  und  Fülle.  Die 
Verletzung  des  Tabu  war  geradezu  undenkbar.  Schon  bei  einer 
Andeutung  der  Möglichkeit  schien  die  Einbildung  so  mächtig  zu 
wirken,  um  alle  gefürchteten  Folgen  sogleich  hervorzurufen.  Die 
Tabu-Plätze**)  waren  Sacra,  kein  Profaner  wagte  ihnen  zu  nahen. 
Wenn  es  nun  aber  doch  geschah?  und  vielleicht  gar  ohne  das 
instantane  Gottesgericht  ?  Nun,  dann  war  dieser  Missethäter  eben 
ein  Kakini.  Jeder  mied  ihn,  der  Priester  hatte  ihn  verflucht,  der 
beleidigte  Atua  hielt  nur  deshalb  mit  der  Rache  zurück,  um 
ihn  desto  furchtbarer  zu  treffen,  und  vielleicht  mit  ihm  die  ge- 
sammte  Gemeinde,  der  er  angehörte.  Im  Laufe  der  Zeit  musste 
immer  der  eine  oder  andere  Unglücksfall  eintreten,  der  sich  in 
entsprechender  Weise  deuten  Hess,  und  wenn  durch  irgend  ein 
Wunder  der  Kakini  auch  geheimen  Nachstellungen  entging,  so  war 
die  Strafe  für  seine  Kinder  ***)  aufbewahrt,  bis  in's  dritte  Glied, 
oder  für  seine  Seele  nach  dem  Tode.  Jetzt  wurde  den  Priestern 
der  ganze  Umfang  ihrer  Gewalt  j)  erst  klar.  Sie  hatten  ja  die 
Mantra  in  ihrem  Besitz,  denen   die  Götter  des  Jenseits fi)  ge- 


*)  Als  Wächter  der  Sittlichkeit  jwird  die  Gespensterfarcht  aufgestellt  (Rosegger) 
bei  den  steirischen  Bauern  (1870). 

**)  Unstätten   (Mayer),   von  denen  das  Lept.  Conc.  spricht:  de  incertis  locis 
quae  colunt  pro  sacris. 

***)  Der  athenische  Jüngling  hatte  das  Wesen  der  sXavd'eQia  in  sich  aufzu- 
nehmen, als  das  Werk  der  äoEXt]^  während  die  Schlechtigkeit  {y.ay.ozTjs)  nur  rrjv 
SovXeiav  brachte.  Deshalb  sei  ein  Eoher  und  Schlechter  nur  zum  Dienen ,  ein 
Gebildeter  und  Tugendhafter  dagegen  nur  zur  Freiheit  berufen  (s.  Krause). 

f)  Clavibus  (ecclesiae)  quodcunque  ?iu  terra  solvitur,  etiam  in  coelo  solutum 
promittitur  (A.ug.). 

it)  Cyprian  fordert  zum  Bekenntniss  der  Sünden  auf,  weil  der  Tod  ungewiss 


XVI  Vorwort. 

horchen  mussten,  sie  vermochten  also  zu  lösen  und  zu  binden, 
sie  hatten  unbedingte  Verfügung  über  das  ewige  Seelenheil  aller 
ihrer  Pfarrkinder,  und  rasch  wurde  nun  Himmel  und  Hölle*) 
ausgebaut  in  all'  der  bunten  Mannigfaltigkeit  wohnlicher  Einrich- 
tungen und  Folterkammern,  wie  sie  die  dogmatischen  Architekten 
am  besten  innerhalb  des  jedesmaligen  Grundrisses  von  Weltgebäu- 
den anzubringen  vermochten. 

Wie  das  menschliche  Nervensystem  das  thierische  in  sei- 
ner feineren  Organisation  übertrifft,  so  vermag  der  mensch- 
liche Geist  nicht  bei  den  Sinneseindrücken  als  solchen  stehen 
zu  bleiben,  sondern  wird  durch  die  Anregung  derselben  zum 
Weiterdenken  gezwungen.  Er  completirt  sich  deshalb,  um 
eine  harmonische  Einheit  der  Auffassung  zu  gewinnen,  die  zer- 
stückelte Erscheinung  der  sichtbaren  Welt  durch  Zwischen- 
fügung unsichtbarer  Wesenheiten,  in  denen  er  die  verborgenen 
Ursächlichkeiten  der  hervorgetretenen  Wirkungen  zu  erkennen 
glaubt,  und  ein  weiterer  Fortschritt  wird  diese  vielfachen  Kräfte 
auf  eine  gemeinsame  Quelle  zurückführen,  als  deren  Ausfluss  sie 
erscheinen,  so  dass  sich  der  Polytheismus  zum  Monotheismus 
vereinfacht.  Ob  in  einem  Volke  die  polytheistische  oder  mono- 
theistische Richtung  vorwiegt,  hängt  von  leicht  nachweisbaren 
Einflüssen  der  Umgebung  ab,  und  in  jedem  Polytheismus  wird 
die  eine  oder  andere  Energie  mit  einer  Suprematie  betraut  sein, 


und  jenseits  keine  Beichte  und  Vergebung  mehr  möglich  sei  (Schwane).  Die 
Reconciliation  der  Sünder ,  die  keine  wahre  Busse  gethan  haben,  gilt  nicht  vor  Gott. 
*)  Vidi  multa  saepe  picta,  quae  Acherunti  fierent  crnciamenta  (Plaut.).  Car- 
cer  et  horribilis  de  saxo  jactus  deorsum,  verbera,  carnifices,  robur,  pix,  lammina 
taedae  (Lucret).  In  der  vom  glühenden  und  kochenden  Strom  des  Phlegethon 
umkreisten  Burg  der  Tisiphone  foltert  Rhadamanthus  die  schuldigen  Seelen,  bis 
sie  nach  dem  Geständniss  in  die  Schlünde  Scylla's  in  der  Hölle  hinabgestossen 
werden  (s.  Virgil).  Aus  den  Gefilden  der  Seligen  kehren  die  Todten  nach  dem 
Trunk  aus  dem  Lethe-Quell  an  die  Oberwelt  zurück.  Dulcedinis  una  hora  suo 
spatio  terminatur,  poenae  vero  una  hora  triginta  dierum  vira  possidet,  qnot  dies 
perceperit  quisque  voluptatem,  totidem  annis  crucietur  (Herm.  Fast.). 


Vorwort.  XVII 

der  gegenüber  die  übrigen  in  die  Stellung  von  Dienern  zurück- 
treten, wie  sie  wieder  in  keinem  Monotheismus  fehlen. 

Indem  nun  das  Denken  seine  Götter  in  die  Aussenwelt  proji- 
cirt  und  sie  sich  nach  dem  mythologischen  Geschmack  des  jedes- 
maligen Volksgeistes  ausmalt,  so  wird  es  sich  einer  Rückwirkung 
derselben  auf  das  eigene  Innere  nicht  entziehen  können  und 
ihre  Macht  mit  jeder  Generation  wachsen  sehen,  die  dieses  Erb- 
gut der  Traditionen  weiter  verpflanzt.  Der  Mensch  fühlt  sich 
auf  seiner  eigenen  Erde  in  unbekannter  Fremde.  Fremd  ist  für 
ihn  die  Pflanzenwelt,  die  um  ihn  spriesst  und  treibt,  fremd  das 
Thier,  das  scheu  vorüberflieht,  fremd  jeuer  Himmel,  an  dem 
an  jedem  Morgen  ein  goldener  Ball  emporsteigt,  um  sich  all- 
abendlich im  Dunkel  zu  versenken.  Die  wunderbare  Natur  um 
ihn,  sie  bleibt  sich  gleich  in  allen  ihren  Wechseln,  doch  stumm 
auf  seine  Fragen.  Dem  Staunen  folgt  die  verzweiflungsvolle 
Qual  des  Nichtwissens,  rathlos  schaut  der  Geist  umher,  und  vor 
seinen  ermüdeten  Augen  verwirren  sich  dieRäthsel,  die  er  nicht 
zu  lösen  vermag,  zu  düsteren  Geheimnissen.  Doch  zwischen  den 
Maschen  blicken  hie  und  da  vertraute  Gesichter  hervor:  die  der 
Götter,  die  er  selbst  dorthin  gestellt,  und  die  er  jetzt  freudig  als 
alte  Bekannte  begrüsst.  Sie,  die  in  der  für  ihn  fremden  und 
unbekannten  Umgebung  heimisch  zu  sein  scheinen,  müssen  ihm 
nun  dazu  dienen,  das  Verständniss  dieser  zu  eröffnen.  Die  Na- 
tur hat  seine  Fragen  nicht  beantwortet,  und  er  wendet  sich  des- 
halb an  die  subjectiven  Götter,  aus  und  durch  deren  Gegenwart 
es  gelingen  könnte  die  Natur  zu  erklären.  '  Diesen  Göttern  gegen- 
über fühlt  er  sich  deshalb  auch  unter  der  Pflicht  hoher  Verbind- 
lichkeit. Die  Oede  in  seinem  Innern,  das  Gefühl  des  Fremdseins 
-und  der  Verlassenheit  in  dieser  starren  und  majestätischen  Natur, 
die  ihn  mit  der  erdrückenden  Wucht  ihres  Pompes  umgiebt,  das 
ahnungsvolle    Sehnen   nach    Aufl^lärung,    Alles    führt    ihn    den 

Göttern  zu,  die,  wenn  auch  oft  wild  grausam,  doch  dem  Mensch- 
Bastian,  Reise  VI.  B 


XVin  Vorwort. 

liehen  näher  zu  stehen  scheinen  und  eher  gerührt  werden  mögen, 
als  die  Natur,  die  sich  in  kaltem  Hohne  jedem  Mitleid  unzugäng- 
lich zeigt.  Aus  Liebe  und  Zuneigung  zu  diesen  Göttern,  die 
(nach  den  Versicherungen  der  Priester)  seinen  Bitten  Gehör  ge- 
währen werden,  strebt  jetzt  auch  der  Mensch,  sich  ihnen  in  jeder 
Hinsicht  dankbar  und  erkenntlich  zu  beweisen.  Er  sucht  aus- 
findig zu  machen,  was  ihnen  gefallen  könnte.  Er  tibernimmt  Mo- 
kisso  jeder  Art,  schont  die  Thiere,  die  sie  bevorzugen  sollten, 
enthält  sich  der  ihnen  geheiligten  Pflanzen,  bestimmter  Farben, 
Worte,  er  bringt  ihnen  die  Erstlinge  seiner  Früchte,  oder  Opfer, 
um  die  Felle  an  den  Bäumen  aufzuhängen  und  Torom's  Mund 
mit  Speck  zu  schmieren. 

Sobald  nun  der  Geist  durch  accumulirende  Erfahrungen  in 
die  Natur  eindringt  und  die  Vorgänge  in  derselben  zu  begreifen 
versteht,  werden  die  provisorisch  dorthin  gestellten  Götter  ihren 
Platz  räumen  müssen.  Wenn  man  erkannte,  dass  auch  auf  der 
Ebene  der  Fluss  zum  tieferen  Meere  abglitt,  so  bedurfte  es  nicht 
länger  des  Flussgottes,  der  ihn  bewegte;  die  organisch  fortwach- 
sende Pflanze  konnte  keine  Dryade  länger  beherbergen;  für  die 
in  Kadoi  umhergetriebenen  Gestirne  waren  die  Wagen  über- 
flüssig. So  zieht  sich  überall  im  Fortgang  der  Geschichte  die 
Gottheit*)  mehr  und  mehr  aus  der  Natur  zurück  und  enthält 
sich  der  früher  bei  jeder  Gelegenheit  supponirten  Eingriffe  in 
den  Gang  derselben.  Dennoch  zeigte  sich  die  Hypothese  auch 
ferner  nothweudig,  zur  Erklärung  der  letzten  Gründe,  da  die 
Kenntniss  der  Natur,  so  sehr  sie  sich  auch  erweitert  haben 
mochte,  nichtsdestoweniger  auf  allen  Seiten  lückenhaft  und  un- 


*)  11  n'y  a  qn'iine  chose,  qni  ruerite  et  qui  ait  par  excellence  le  nom  de 
science,  c'est  la  religion.  La  religion,  daus  son  vaste  cercle,  embrasse  tout,  car 
eile  est  l'expression  de  l'universalitö  des  volontös  de  dieu.  Appuy^  fermement 
sur  cette  id^e,  sur  cette  vne  de  concentration  generale,  Mahomet  a  imprimö  par- 
tout le  seing  religieux  (s.  Perron).  Zufriedenheit  mit  sich  selbst  ist  (nach  Spi- 
noza) das  Höchste,  das  erhofft  werden  kann. 


Vorwort.  XIX 

vollständig  blieb.  —  Die  raschen  Erfolge  der  Naturwissenschaft 
in  den  letzten  Jahren  übertreffen  die  aller  früheren  Jahrhunderte ; 
aber  trotz  aller  Partialsiege,  die  wir  hie  und  da  erfochten  haben, 
steht  uns  doch  die  Natur  im  Grossen  und  Ganzen  noch  eben  so 
schroff  und  starr,  noch  eben  so  stumm  gegenüber,  wie  unseren 
Vorfahren  und  den  culturlosen  Wilden.  Diese  Hoffnungslosigkeit 
würde  zermalmend  für  das  Bewusstsein  sein,  wenn  sich  nicht 
hie  und  da  einige  Durchblicke  auf  Harmonien  ewiger  Gesetze  er- 
öffnet hätten.  Die  Civilisation  steht  an  dem  Rande  eines  ge- 
fährlichen Absturzes.  Gelingt  es  ihr  nicht  bald,  sich  aus  der 
Naturforschung  eine  neue  Grundlage  ihrer  moralischen  Welt- 
anschauung zu  bilden,  so  ist  sie  rettungslos  verloren,  denn  die 
Götter,  die  wiederholt  in  ihre  subjective  Entstehung  zersetzt  sind 
und  in  der  Dehnbarkeit  ihres  Begriffes  längst  die  äusserste 
Grenze  erreicht  haben,  könnten  ihr  diesmal  nicht  wieder  helfen. 
So  weit  uns  die  Natur  gegenwärtig  bekannt  ist,  so  weit  wir 
sie  nach  allen  Richtungen  durchschaut,  mit  Fernröhren  und  Mi- 
kroskopen erweitert  haben,  können  wir  uns  im  Grossen  und 
Ganzen  ein  einheitliches  Bild  von  ihrem  Gesammtcharakter  ent- 
w^erfen ;  denn  obwohl  die  verschiedenen  Reiche  und  Gebiete  noch 
nirgends  genügend,  meistens  nur  in  äusserster  Oberfläche  er- 
forscht sind,  so  lässt  sich  doch  von  ihren  Berührungspunkten  und 
gegenseitiger  Lage  zu  einander  ein  ungefährer  Rechenschafts- 
bericht ablegen.  Das  eigentlich  Unbekannte  beginnt  für  uns 
nicht  mehr  innerhalb  der  Natur,  sondern  jenseits  derselben;  alle 
Theile  der  Natur  vermögen  wir  in  relative  Gleichungen  zu 
einander  zu  bringen,  und  so  bis  zu  einem  gewissen  Grade  zu 
erklären,  aber  die  Natur  als  solche  verhüllt  sich  noch  in  einen 
undurchdringlichen  Schleier,  in  Räthsel  nach  wie  vor.  Die  Lö- 
sung desselben,  die  früher  als  Gottheiten  oder  höchste  Gottheit 
innerhalb  der  Natur  gesucht  wurde,  könnte  für  uns  nur  ausser- 
halb derselben  liegen,  ausserhalb  jeder  Conception  von  derselben, 

B* 


XX  Vorwort. 

also  nicht  in  begreifbarer  Weise,  und  Überhaupt  in  ihrer  Mani- 
festation so  von  den  früher  mit  gleichem  Wort  bezeichneten 
verschieden,  dass  Verwendung  Eines  Namens  nur  Missverständ- 
nisse erzeugen  müsste.  Auch  ohnedem  werden  durch  Nicht- 
beachtung dieser  Verschiedenheit  des  Standpunkts  mancherlei 
Missverstäuduisse  hervorgerufen.  Man  überträgt  (durch  Leibnitz' 
trügerisches  Continuitäts-Gesetz  verleitet)  die  Vorstellungen  von 
Entwicklungsprocessen ,  wie  sie  innerhalb  der  Natur  vor  sich 
gehen,  auch  auf  die  transcendentale  Betrachtung  der  Natur,  als 
solcher,  und  sucht  mit  relativen  Rechenoperationen  Probleme 
zu  lösen,  die  in  das  Absolute  verlaufen.  Wenn  der  Regressus 
in  infinitum  für  di<^  Entstehung  der  Welt  zu  langweilig,  der 
Calcul  mit  dem  unendlichen  Fortgang  des  Vermehrens  oder  Ver- 
minderns  zu  verwickelt  scheint,  scheut  man  sich  nicht,  mit  den 
Gedankenreihen  kurzen  Process  zu  machen  und  sie  zur  Setzung 
eines  Anfangs  zu  verstümmeln,  da  die  subjective  Zeitconstruction 
sich  a  parte  ante  im  Weitergange  gehemmt  fühlt.  Innerhalb  der 
Natur  sind  alle  unsere  Vorstellungen  nach  den  Beschränkungen 
von  Raum  und  Zeit-  den  nothwendigen  Formen  der  Sinnesauf- 
fassung, geordnet.  Ehe  wir  also  aus  der  Natur  hinaustreten,  die 
Schranken  von  Raum  und  Zeit  überschreiten,  muss  sich  das  Den- 
ken Rechenschaft  ablegen  von  der  Methode,  die  zu  befolgen 
sein  wird.  Wir  kennen  mit  genügender  Genauigkeit  die  Processe, 
die  die  Pflanze  in  ihrem  Wachsthum  durchläuft,  von  dem  Samen 
bis  zur  Frucht  und  zurück  zum  Keim.  Diese  von  einem  räumlichen 
Ortsobject  in  regelmässiger  Zeitfolge  durchlaufenen  Vorgänge 
bezeichnen  wir  mit  dem  Namen  der  Entwicklung,  bis  sie  ihre 
Akme  erreichen,  müssen  aber  (zum  Gesammtbilde  der  Durchwick- 
lung) die  Rückbildung  zufügen.  Wir  sind  nun  auch  vielleicht 
im  Stande,  mancherlei  Transmutationen  dieser  Pflanze  zu  er- 
klären, Veränderungen,  die  zu  völligen  Umänderungen  werden 
mögen,  Verbindungen,  Kreuzungen,  Krümmungen;  aber  alle  die 


■^  Vorwort.  XXI 

hier  gültigen  Regeln  versagen  uns,  wenn  es  sich  nur  um  die  Ur- 
zeugung der  Pflanze  als  solcher  handeln  sollte.  Die  geologischen 
Schichtungen  der  Erde  geben  uns  in  ihrem  räumlichen  Vorhan- 
densein mancherlei  Anhalte,  eine  zeitliche  Ablagerung  zu  con- 
statireu;  aus  den  noch  jetzt  möglichen  Beobachtungen,  ihren  Ein- 
schlüssen und  wechselsweisen  Beziehungen  nach.  Sobald  aber 
diese  gegenseitige  Controle  aufhört,  dürfen  wir  in  dem  gleichen 
Gedankengang  auch  nicht  ein  einziges  Wort  weiter  über  Ur- 
bildung  aussprechen.  Die  Entstehung  der  Welt  aus  der  so- 
genannten Nebeltheorie  erklären  zu  wollen,  ist  ein  Abfall  von 
den  primärsten  Vorschriften  der  Inductionsmethode.  Dem  nach 
Decimalstellen  wägenden  Chemiker  wird  ein  solcher  Brei  Hundert- 
tausende von  Jahren  durcheinander  gährender  Elemente  wenig 
munden,  und  die  hie  und  da  abgerissenen  Vermuthungen  über  Ab- 
plattung, Abschleuderung  u.  s.  w.  sind  etwas  schwache  Spinnen- 
fäden, um  den  Koloss  des  Erdballs  in  ein  wissenschaftliches 
Formelnetz  zu  spannen,  so  dass  er  fruchtbringend  analysirt 
werden  könnte.  Und  bliebe  es  selbst  möglich,  die  Erde  auf  die 
Sonne,  diese  auf  eine  Central-Sonne  u.  s.  w.  zurückzuführen ,  so 
wären  wir  mit  alledem  der  Entstehung  noch  um  keinen  Deut 
näher.  Diese  wird  sich,  wenn  überhaupt,  im  Kleinen  eben  so 
gut  verstehen  lassen,  als  im  Grossen,  so  dass  wir  die  reinlichen 
Resultate  der  Naturwissenschaft  besser  von  dem  Wust  ungeord- 
neter Phantasiebilder*)  frei  halten  werden.  An  den  Grenzen  der 
Natur  endigen  Raum  und  Zeit,  so  dass  darüber  hinaus  nur  jene 
Negationen  möglich  bleiben,  die  im  Nirwana  der  Buddhisten 
der  trügerischen  Scheinwelt  (dem  Mä  oder  Nichts  in  Mäya)  gegen- 


*)  Märchen  scheint  mir  Jeder  (der  Sophisten)  zu  erzählen,  als  ob  wir  Kin- 
der wären.  Der  sagt,  dass  das  Seiende  dreierlei  sei;  eins  aber  kämpfe  zuweilen 
mit  dem  andern,  zuweilen  würden  sie  auch  befreundet,  schlössen  Ehen,  zeugten 
Kinder  und  zögen  sie  auf.  Der  Andere  aber  spricht  von  zweien,  von  Nass  und 
Trocken,  oder  Warm  und  Kalt,  und  bringt  sie  zusammen  und  verheirathet  sie, 
und  so  erzählt  Jeder  unbekümmert  seine  Geschichte  zu  Ende  (s.  Plato), 


XXII  Vorwort. 

Über  das  Reelle  constituiren.  Uns  bleibt  indess  die  Aussicht,  einen 
Uebergang-  zu  gewinnen,  wenn  die  fortgehende  Geistesentwick- 
lung die  Umgebung  der  Natur  in  ein  bewusstes  Verständniss 
hinübergeführt  haben  wird,  und  zunächst  müssen  die  psycho- 
logischen Gesetze  des  Bewusstseins  selbst  erforscht  werden,  auf 
Grund  der  ethnologischen  Thatsachen,  die  das  für  den  inductiven 
Aufbau  nöthige  Material  liefern.  Erst  wenn  diese  herbeigescliafTt 
sind,  kann,  wie  es  schon  Bacon  erkannte,  das  Operiren  mit  ihnen 
oder  (nach  Leibnitz)  das  Rechnen  (calculus  ratiocinator)  beginnen. 
Der  Monotheismus  bezeichnet  eine  demokratische  Reform 
(wie  sie  Julian  gegenüber  Cyrill  verlangt),  die  jeden  Menschen 
in  directe  Communication  mit  dem  höchsten  Wesen  setzt,  und 
der  Unterschied  des  Polytheimus  von  demselben  reducirt  sich  bei 
den  Mohamedanern  (den  Strengsten  der  Monotheisten)  auf  die 
ssabäische  Lehre  über  die  Verehrung  der  Behausungen,  die  Di- 
meschqi  allen  Götzendienern  (von  Rom  bis  Indien)  beilegt.  „Be- 
merkend, dass  die  Welt  einen  heiligen  Schöpfer  hat,  der  frei 
ist  von  der  Eigenschaft  der  geschaffenen  Dinge,  musste  sie  die 
Unmöglichkeit  erkennen,  zur  Majestät  Gottes  zu  gelangen,  und 
sie  suchte  sich  daher  ihm  durch  Solche  zu  nähern,  die  ihm  nahe 
stehen,  nämlich  die  geistigen  Wesen  (Engel  oder  Dämone),  als 
Fürsprecher  und  Vermittler"  (s.  Chwolsohn).  Am  weitesten  ist 
diese  letzte  Ursache  vom  Menschen  entfernt  im  Buddhismus,  wo 
sie  gänzlich  verflüchtigt  wird  und  jede  Fassbarkeit  verliert, 
weshalb  auch  in  allen  Ländern  dieser  Religion  ein  magischer 
Zauberdienst  vielfältigste  Ausbildung  gewonnen  hat.  Hier  aber 
ist  der  Bereich  dieser  Cultus-Handlungen  durchaus  vom  Moral- 
gebiet getrennt,  indem  die  Naturkräfte,  die  sich  zum  Dienste 
(durch  sympathische  Hülfsmittel  statt  durch  die  rationellen  der 
Wissenschaft)  zwingen  lassen,  nur  irdische  Vortheile  zu  verleihen 
vermögen  und  in  keiner  Weise  zur  Vermittlung  mit  der  letzten 
Ursache  dienen   können.    Wer   zu   dieser   gelangen  will,  muss 


Vorwort.  XXIII 

den  Weg,  so  weit  er  auch  ist,  aus  eigener  Kraft  betreten,  dem 
vorangegangenen  Führer  Tathagata  folgend.  Zu  des  Patriarchen 
Abraham  Zeit  unterscheidet*)  Shahrastani  die  beiden  Parteien 
der  Ssabier  und  der  Hanafa  (in  der  wahren  Religion),  in  denen 
jene  geistige  Wesen,  diese  menschliche  (Propheten)  als  Ver- 
mittler anerkannten.  Die  (vermeintlichen)  Propheten  der  Ssabier 
waren  (nach  Ibn  Chordadbeh)  geläuterte  Heilige.  Porphyrius 
lässt  die  durch  die  Theurgie  Gereinigten  sich  nur  bis  zu  den 
Aether-Gottheiten  (nicht  bis  zum  Vater  selbst)  erheben  und  deo 
inconveniens  erit,  Alles  selbst  zu  besorgen,  meint  Apulejus.  Der 
Dämon  dolmetscht  den  Göttern  (nach  Plato),  und  Hermes  (in 
Poemander)  lässt  seinen  Sohn  Tat  den  Verstand  zum  Alkater 
senden  (s.  Chwolsohn).  Die  Rechtgläubigkeit  besteht  (nach 
Shahristani)  in  der  Annahme,  dass  Vollkommenheit  in  der  Hülle 
der  Menschlichkeit  vorhanden,  der  (abweichende)  Ssabismus, 
dass  sie  im  Ablegen  jener  Hülle  liegt.  Die  Ssabier  erwarten  die 
Offenbarung  nicht  in  fleischlichen  Gestalten  (nach  Ibn  Sina), 
sondern  von  den  Sternen.  Das  einfache  Denken  belebt  alle 
Gegenstände  der  Natur  durch  Elementargeister,  oder  (nach  Varro) 
durch  Animae  sowohl,  wie,  im  Sinne  der  Römer,  durch  schützende 
Genien,  deren  Herleitung  sich  (bei  Servius)  im  directen  An- 
schluss  an  die  mehrfach  aufgefasste  Seele  (besonders  nach  ihrem 
Abscheiden  im  Tode  verwendbar,  als  dann  körperlos)  zeigt.  Auch 
bei  Städten  und  Gemeinden,  sowie  bei  den  Göttern  selbst, 
dachten  die  Römer  einen  Genius,**)    ein   nothwendiges  Product 


*)  Scävola  »nterscheidet  (in  der  Religion)  tria  genera  tradita  deorurn,  unum 
a  poetis  (die  Mythologie,  als  genus  nugatorinm,  quod  multa  de  diis  flngaiitnr  in- 
digua).  alterum  a  poetis,  tertium  a  principibus  civitatis.  Varro  führt  auf  (in  der 
Religion)  genus  physicon  (quo  philnsophi  utuntur),  genus  civile  (quo  populi  utun- 
tur)  und  genus  mythicon  (quo  maxime  utuntur  poetae) ,  in  eo  sunt  multa  contra 
dignitatem  et  naturam  immortalium  Acta  (s.  August). 

**)  Die  Ized  (Ezat)  erhielten  (bei  den  Persern)  alle  Naturwesen  im  Wohlsein, 
ebenso  die  Provinzen,  die  Städte,  den  Staat  u.  s.  w.  neben  den  Feruern,  als  Typen 


XXIV  Vorwort. 

psychologischer  Thätigkeit.  Neben  dem  specifisch  gesehenen 
Gegenstande  (z.  B.  der  besondern  ßaumart)  wird  derselbe 
(nach  der  Wortbildung  in  der  Sprache)  allgemein  gedacht  (als 
Baum),  und  diese  letztere  "Wesenheit  (die  sprachlich  gebildete) 
wird  dann  selbst  wieder  personificirt ,  aber  unbestimmter  und 
weniger  greifbar,  als  die  optisch  gesehene,  und  so  in  der  luftigen 
Natur  eines  Genius,  gleich  der  der  Seele  zukommenden.  Ebenso 
bei  allen  übrigen  Objecten. 

Die  Gebete  der  Römer  zu  den  nach  ihren  Functionen  be- 
nannten Göttern  folgten  aus  der  magischen  Kraft,  die  im  Gebet 
vorausgesetzt  wurde,  und  deren  Verwendung  man  deshalb  auch 
wieder  für  den  guten  Erfolg  nöthig  hielt.  Hatte  man  aus 
Beobachtung  rhachitischer  Kinder  die  Wichtigkeit  der  Knochen- 
härtung erkannt,  so  suchte  man  sie  nun  durch  Gebete  zu  unter- 
stützen. Die  Wirkungsweise  derselben  ist  für  die  menschliche 
Auffassung  eben  so  unverständlich,  ob  man  sie  an  eine  die  ge- 
sammte  Welt  durchwaltende  oder  beherrschende  Gottheit,  die 
schon  Alles  vorgesehen  und  angeordnet  hat,  richtet,  oder  an  einen 
Partialgott,  der  diesem  besondern  Amt  vorgesetzt  ist.  Statt  zu 
sagen,  „betet  zu  Gott,  dass  er  die  Knochen  des  Embryo  härte", 
zog  es  die  römische  Religion  vor*  (um  alle  möglichen  Missver- 
ständnisse, die  Schaden  statt  Nutzen  stiften  würden,  zu  ver- 
meiden), dem  Volke  die  einfache  Anrufung  der  Juno  Ossipaga 
zu  empfehlen,  mit  deren  Namen  dann  bereits  alles  Erforderliche 
ausgedrückt  war.  Aehnlich  bei  Porrima  und  Postverta  (über 
glückliche  Kopf-  und  Steissgeburten),  Fluvonia  (der  Menstruation), 
Cuba  (die  Wiege  für  das  Bett  vertauschend),  Iterduca  und  Domi- 


des Lebens.  Nach  deu  existirerden  Typenformen  ist  die  Zahl  der  Seelen  eine 
gegebene,  wie  bei  deu  Fanti ,  die  sie  im  Umschwung  der  Geburten  und  des  Er- 
löschens immer  wieder  zeitweis  in  der  Menschenexistenz  auftauchen  lassen. 
Drossbach  lässt  nur  eine  bestimmte  Zahl  ursprünglich  geschaffener  Seelen-Atome 
zn,  wogegen  die  Creatinisten  den  Tradiicianern  gegenüber  für  die  selbstständige 
Schöpfuugskraft  aus  dem  Nichts  einstehen. 


Vorwort.  XXV 

duca  (beim  ersten  Trippeln),  ünxia  (bei  der  Heiratb)  und  Cinia, 
Deus  Subigus  (ut  viro  subigatur),  Prema  (ut  subacta  ne  se 
comraoveat  prematur),  Dea  Pertunda  (quae  praesto  est  virginalem 
scrobem  efifodientibus  maritis),  Dea  Perfica,  Carna  (herzstärkend), 
Dea  Clivicola  (die  beim  Treppensteigen  liilft),  Diva  Fessonia 
(bei  Ermüdung),  Deus  Arculus  (der  Gott  der  Kisten  und  Kasten), 
Deus  Vergitanus,  Locutius  u,  s.  w.  So  war  in  den  Indigita- 
menta  gleichsam  durch  Gelegenheitsengel  (s.  Preller)  für  alle 
Verhältnisse  des  Lebens  gesorgt.  Abraham  tadelte  (nach  Mai- 
monides)  die  Ssabier,  die  statt  zum  Schöpfer  zur  Sonne  beteten, 
denn  sie  sei  nur  wie  „ein  Beil  in  der  Hand  des  Zimmermanns", 
und  der  Zimmermann  in  Yoruba  verehrt  das  Beil;  mit  dem  er 
arbeitet. 

Der  erste  Fortschritt  des  Geisteslebens  markirt  sich  mit  der 
Abstraction,  in  einer  selbstständig  dieser,  als  solchen,  angebörigen 
Schöpfung.  Die  Gedankenthätigkeit  des  Naturvolks  ist  eine 
passive,  auf  Anschauungen  beschränkt,  die  sich  auf  ihrer  Seh- 
fläche reflectiren,  wie  die  Objecte  in  einem  Spiegel,  und  dort 
wieder  verbleichen,  ohne  Neues  hinzuzufügen,  abgesehen  von 
einem  kürzeren  oder  längeren  Haften  in  der  Erinnerung,  als  ob 
auf  einer  photographisch-präparirten  Fläche.  Mit  fortgeschrittener 
Organisation  ist  aber  diese  Glasfläche  des  Gedankenspiegels 
gleichsam  optisch  geschliffen,  um  die  Sehstrahlen  zu  concentriren 
und  eine  selbstthätig  fern  wirkende  Kraft  aus  ihnen  hervor- 
zulocken,  um  die  Gegenstände,  von  denen  sie  ausströmen, 
weiter  zu  zersetzen  und  alle  die  denselben  angehörigen  Eigen- 
thümlichkeiten  erkennbar  aus  ihnen  zu  entwickeln.  Der  Kaffer 
hütet  seine  Heerden  durch  die  Reproduction  eines  jeden  Thier- 
bildes  neben  dem  andern  und  dem  mechanischen  Bewusstwerden 
ihrer  Vollständigkeit  oder  eines  Mangels.  Diese  lange  Eeihe 
schwerfälliger  Associationen  vereinfacht  sich  mit  der  Zahl,  und 
die  so  neu  gewonnenen  Einheiten  können  wieder  zur  Grundlage 


XXVI  Vorwort. 

weiterer  Operationen  dienen,  in  fernerer  Vereinfachung  des 
Addirens  zum  Multipliciren  (wie  es  Hobbes  im  Denken  findet), 
dann  Extrahiren,  Potenziren  u.  s.  w.  In  ähnlicher  Weise  mangelt 
dem  Südafrikaner  die  Generalisationsfähigkeit,  einen  zurück- 
gelegten Weg  aus  allgemeinem  Beschreiben  der  umrisse  zu 
verstehen,  er  würde  aber  jede  einzelne  Stelle,  im  Gedächtniss, 
wiedererkennen,  so  weit  eben  sich  solche  Einzelnheiten  neben 
einander  aufhäufen  lassen,  ohne  durch  ihre  eigene  Masse  un- 
deutlich zu  werden.  Durch  die  Abstraction  tritt  also  die  Geistes- 
thätigkeit  in  die  Reihe  selbstständig  neuer  Kraftschöpfungen 
ein,  in  ihren  Erzeugnissen  nicht  nur  unzerstörbar,  wie  überhaupt 
alles  gewordene  und  werdende  Sein,  sondern  eben  auch  in  der 
ihr  selbst  zukommenden  Specifität  (also  für  den  Menschen,  im 
Bewusstsein)  fortexistirend.  Auch  die  Reflexion  eines  Spiegel- 
bildes, das  (für  das  Auge)  auftaucht  und  erlischt,  kann  im 
Grossen  und  Ganzen  nicht  ohne  ihre  Wirkung  bleiben.  Sie 
wirft  Gestaltungen  in  die  Aetherschwingungen  zurück,  die  dort 
ihren  Einfluss  äussern  müssen,  die  sich  aber  in  den  kleinsten 
Molecularwirkungen  ausgleichen,  und  also  für  uns  eben  so  be- 
deutungslos, wie  unerkennbar  sind.  Das  Verstäudniss  des  Be- 
wusstseins  selbst  dagegen  sichert  die  beständige  Dauer  desselben. 
Der  Fortschritt,  der  mit  Annahme  eines  monotheistischen  Systems 
tiberall  anerkannt  wird,  beruht  auf  der  Herstellung  einer  einheit- 
lichen Weltanschauung  und  dem  harmonischen  Gleichgewicht, 
das  die  Basis  für  weitere  Schöpfungen  des  Wissens  zu  geben 
hat,  obwohl  es  selbst  freilich  zunächst  nur  durch  einen  religiösen 
Glauben  gewonnen  zu  werden  pflegt.  Die  Missionäre  einer 
neuen  Religion  sind  fast  immer  zugleich  die  Vertreter  einer 
höheren  Bildung  in  dem  Volke,  von  dem  sie  ausgegangen  sind, 
und   befreien   dadurch   die   Bekehrten*)   von    mancherlei   Aber- 

*)  The  Upper  classes  of  the  Moondahs   (who  aspire   to   be   Zemendars)   have 


Vorwort.  XXVII 

glauben,  in  dessen  Banden  sie  in  Folge  vererbter  Tradition 
lagen,  während  die  Augen  des  Fremden  den  Trug  leicht  er- 
kennen, aber  eben  so  leicht  auch  den  Trug,  in  dem  ihre  eigenen 
Augen  befangen  sind,  an  die  Stelle  setzen.  Das  Percipiren  des 
Steins  trägt  eine  Frage  involvirt,  und  die  volle  Antwort  wird 
durch  die  Vorstellung  von  demselben  gegeben,  das,  um  klar  zu 
sein,  je  nach  dem  Bildungsgrade  einen  mehr  oder  weniger  schroffen 
Begriff  verlangt,  bis  zu  den  rein  naturwissenschaftlichen.  So 
lange  indess  der  nur  als  fragend  auf  das  Auge  einwirkende 
Gegenstand  noch  nicht  die  beseitigende  Antwort  seiner  Erklärung 
gefunden  hat,  verknüpfen  sich  mit  dem  unbestimmt  suchenden 
Streben  nach  der  Beantwortung,  die  aus  dem  Unbekannten  her- 
vorquellenden Gefühle  der  Mystik,  die  in  diesem  Zwischenstadium 
des  Ahnen  und  Denkens  das  Aussenobject  mit  dem  Nebelschleier 
des  Heiligen  umziehen  und  unter  gegebenen  Umständen  zum 
Fetisch  erhoben  werden.  Die  Einwürfe  des  Skepticismus  gegen 
aprioristische  Constructionen  sind  heutzutage  eben  so  unwider- 
leglich, wie  in  der  Zeit,  als  sie  von  Pyrrho  und  später  in  der  Aka- 
demie von  Arcesilas  formulirt  wurden,  und  wenn  damals  aus 
praktischen  Rücksichten  die  stoische  Dogmatik  einer  scheinbar  in 
unfruchtbarem  Nihilimus  verlaufenden  Schule  gegenüber  treten 
durfte,  so  bleibt  diese  Nothlüge  nicht  länger  zu  entschuldigen,  seit 
die  Induction  in  der  objectiven  Naturanschauung  den  zum  Ziele 
führenden  Weg  gezeigt  hat. 


assumed  the  Poita  and  taken  to  Bramins  and  Kali,  but  the  mass  of  the  people 
adore  their  „mad  gads"  still,  after  tlieir  own  primitive  fashion  (s.  Dalton).  Con- 
Terts  to  Christianity  assert  they  were  flrst  indaced  to  turn  to  that  religion ,  be- 
cause  sorcery  had  apparently  no  power  over  those  who  were  baptized,  —  It  is  oue 
religion,  yet  how  can  we  join  it,  when  each  party  (Roman-Catholics,  Protestants, 
Mormons)  thrpatens  us  with  hell,  if  we  agree  with  the  other,  and  there  is  none  to  decide 
between  tbem  (klagt  der  siamesirhe  Buddhist)  1870  (s.  Alabaster).  Les  priores,  les 
intercessions,  les  fetes  religieuses  rapprochent  les  populations  des  Mias  ou  Yashiras 
(les  temples  du  Sineto),  tandisque  les  cöremonies  funebres  r^clament  les  bonzes  Bud- 
dhistes  aupres  des    defuuts   et  remplissent  leurs  temples ,    (jui   se  nomment  Teras. 


XXVni  Vorwort. 

Aus  Gewohnheit  an  räumlicher  Form  haftend,  bildet  sich 
das  Denken  meist  das  Unendliche  (obwohl  die  Negation  des 
Endlichen  und  Räumlichen)  wieder  zur  räumlichen  Vorstellung 
aus  (und  so  das  Ewige  zum  Zeitlichen).  Seit  Proctor  das  Welt- 
gebäude Herschel's  eingeengt  hat,  glaubt  man  vielleicht  jenseits 
der  fernsten  Sterne  schon  in  den  unendlichen  Raum  hinaus  zu 
blicken,  und  gestaltet  also  die  Unendlichkeit  gleichsam  zu  einem 
weiteren  Raum,  der  den  inneren  einkapselt.  Das  Unendliche  und 
Ewige  beginnt  aber  jenseits  der  Erscheinungen,  und  wir  stehen 
ihm  in  uns  selbst,  in  dem  Stein  vor  uns,  in  jedem  Dinge  eben  so 
nahe,  als  am  äussersten  Fixstern  oder  uuaufgelössten  Nebelfleck. 

In  einheitlicher  Wesenheit  stehen  alle  Processe  in  gegenseitig 
ergänzender  Correlation  zu  einander,  um  das  Gleichgewicht  zu 
erhalten,  und  nach  unserer  objectiven  Vorstellung  aufgefasst, 
sagen  wir  von  derartig  abgeschlossenem  Ganzen,  dass  es  nach 
einem  Plan  angelegt  sei.  Einen  solchen  vermögen  wir  auch 
zum  Theil  in  der  Constitution  des  Weltalls  *)  zu  erkennen.  Sehen 
wir  die  dünneu  Gliederanhänge  der  Fliege  und  das  aufgehängte 
Netz  der  Spinnen,  das  gerade  für  ihre  Verwicklung  die  geeig- 
neten Maschen  bietet,  so  tritt  uns  daraus  (wie  aus  der  Beziehung 
zwischen  Nectarien  der  Orchideen  und  Saugrüssel  der  Motten, 
Schönheit  der  Blumen  und  befruchtenden  Insecten,  Farbe  des  Vo- 
gels und  dem  Baume,  auf  dem  er  nistet),  eine  Wechselbeziehung 
entgegen,  und  ebenso  in  der  Lebensweise  jedes  andern  Thieres 
auf  dem  ihm  adäquaten  Boden.  Aus  dieser  für  uns  verständ- 
lichen Wechselbeziehung  folgt  aber  noch  nicht  eine  teleologische 
Zweckeinrichtung,  schon  deshalb  nicht,  weil  wir  nur  die  Erde 
zu  überschauen  vermögen,  ein  beschränktes  Theilganze,  woran 
sich   die  Fäden   weiterer  Beziehungen  anheften,   ohne   dass  wir 


*)  Dessen  organische  Natur  (nach  Laycock)    das  Gesetz  der  unbewussten  In- 
telligenz durchdringt. 


Vorwort.  XXIX 

diese  aiisverfolgen  können.  Der  Physiologe,  der  die  Lungen 
allein  seiner  Betrachtung  unterzöge,  würde  die  Bildung  des 
Lungengewebes  aus  dem  nach  der  Zuströmung  oxydirten  Blute 
verstehen,  müsste  aber  in  dem  fortgehenden  Abfluss  einen  zweck- 
losen Verlust  sehen,  wenn  er  jenen  nicht  bis  zu  den  neuen  Ca- 
pillar-Verzweigungen  im  Auge  behielte.  Der  Intestinaltraet  ab- 
sorbirt  nur  einen  Theil  der  aufgenommenen  Speisen  und  ent- 
fernt den  Rest  als  Auswurf,  der  wieder  (nach  den  Erfahrungen 
der  Agricultoren)  dem  Pflanzenwachsthum  zu  Gute  kommt.  Bei 
unserm  Ueberblick  über  das  Weltgebäude  wäre  es  deshalb  un- 
genau, von  einem  Plan  zu  sprechen,  da  wir  denselben  nicht  als 
•solchen  zu  durchschauen  vermögen  und  uns  nur  aus  einzelnen 
Theil  en  ein  Schein  herüberschimmert,  der  eine  trügerische  Spiegelung 
sein  könnte.  Die  Idee  eines  Planes  gewinnen  wir  überhaupt  aus  der 
Operationsweise  unserer  eigenen  Denkprocesse.  Indem  wir  in  einer 
bestimmten  Masse  der  äusseren  Phänomen  Ursache  und  Wirkung 
vor  uns  sehen,  d.  h.  in  bestimmter  Folgereihe  des  Geschehens 
nothwendige  Etfecte  des  Geschehenden  und  Geschehenen,  so  be- 
nutzen wir  die  daraus  abgeleiteten  Gesetze  bei  unseren  eigenen 
Handlungen,  um  wünschenswerthe  Ziele  auszufolgen.  Aus  den 
auf  erreichbare  Zwecke  zusammenarbeitenden  Naturvorgängen  ent- 
nehmen wir  die  für  Herstellung  unseres  Wohlseins  nutzbaren  Lehren, 
und  lassen  die  grössere  Hälfte  des  für  uns  (als  nicht  gesetzlich  be- 
weisbaren) Ungesetzlichen,  weil  unzweckmässig  und  ohne  prak- 
tische Bedeutung,  ausser  Beachtung.  Es  wäre  ein  Denkfehler,  wollten 
wir  nun  aus  Analogien  weiter  schliessen,  den  in  unsern  beschränk- 
ten Gesichtskreis  hineinfallenden  Zweck,  als  jenseits  desselben  er- 
füllt, supponiren,  und  dann  dabei  bleiben,  für  die  Anlage  des 
Weltalls  das  Planmässige  beizubehalten.  Das  Fehlerhafte  läge 
zunächst  in  der  Setzung  des  Plans,  da  dieser  nur  eine  subjectiv 
menschliche  Idee  ist,  also  für  seine  Existenz  eine  Menschenuatur 
voraussetzt.    Unser  Begriff  von  Menschen  kann   sich  indess  nur 


XXX  Vorwort. 

nach  den  terrestrischen  Verhältnissen,  unter  welchen  er  für  uns 
entstanden  ist,  verstehen  lassen,  und  die  excentrische  Stellung 
der  Erde  negirt  von  vornherein  die  Möglichkeit,  den  harmoni- 
schen Zusammenhang,  eines  einheitlichen  Planes  im  All  durch 
directe  Kechnuugsoperationen  zu  bestimmen.  Eine  kosmische  Er- 
weiterung in  den  Proportionsverhältnissen  der  Menschennatur*) 
anzunehmen,  so  dass,  was  sich  für  uns  planetarisch  als  Plan  zu- 
sammenorduet,  auf  der  Gesammtbasis  des  Seins  gleiche  Geltung 
hätte,  würde  nur  auf  ein  central  Geistiges  anwendbar  sein, 
und  da,  was  wir  als  Geistiges  auffassen,  aus  einer  Wesenheit 
excentrischer  Bildung  abgeleitet  ist,  so  verbietet  sich  die  un- 
mittelbare Ausdehnung  der  Grössenverhältnisse,  obwohl  sich  jcr 
doch  vielleicht  Rechuungsmethoden  auffinden  lassen,  um  die  in's 
Unendliche  verlaufenden  Functionen  zu  benieistern.  Eine  kos- 
mische Menschennatur,  als  personificirte  Gottheit,  in  irgend  einem 
Theil  des  Universums,  wäre  ein  Unding,  da  sich  der  Begriff  der 
Menschennatur  nur  unter  dem  partiell  kosmisch  influencirten 
Plauetar- Verhältnisse  der  Erde  gebildet  hat,  und  derselbe  Name 
auf  andere  Verhältnisse  augewendet,  ein  bedeutungsloser  Schall 
sein  würde.  Von  einem  Plane  zu  reden,  würde  schon  in  sofern 
unstatthaft  sein,  als  das  Wort  erst  bei  einem  deutlich  erkannten 
Anfang,  bei  einem  Endpunkt,  dem  entgegengestrebt  wird,  seinen 
Sinn  hat  und  sonst  uuanweudbar  bleibt.  Die  Vorstellung  des 
Planes  rührt  daher,  dass  wir  das  Zweckmässige  erkennen,  und 
dieses  Erkennen  des  Zweckmässigen  beruht  auf  einem  aus  steter 
Succession  derselben  Folgenreihen  erlaubten  Schluss,  der  Ur- 
sache und  Wirkung    durch   einen  Causalnexus   verknüpft.    Die 


*)  Non  immerito  itaque  preceptores  nostri,  Sulpirius  atque  Istius,  hominem 
niuiidi  minoris  noaiine  censuerunt,  quippe  qui  in  se  ipso  habet  omiiia,  ex  quibus 
innndus  coustat  visibilis ,  terra  euim  in  corpore,  ignis  in  animo,  aqua  in  frigidi- 
tate,  mare  quoque  undosum  belluosuinque  in  turbinosa  cordis  profunditate  et  in 
ipsa  ratione  (Virg.  Mar.). 


Vorwort.  XXXI 

psychischen  Functionen  bilden  auf  der  Stufenleiter  terrestischer 
Natur  die  letzte  Destillation  der  sonst  materiell  verlaufenden 
ProcessC;  und  zu  den  Gesetzen,  unter  denen  jene  selbst  weiter 
schaffen,  gehört  das  der  Causalität,  das  deshalb  aus  den  zur 
geistigen  Ernährung  dienenden  Körperwurzeln  abstrahirt  sein 
muss  und  in  ihnen  auch  überall  in  Einzelnfällen  nachweisbar 
ist,  aber  trotzdem  in  der  Zusammenfassung  des  Grossen  und 
Ganzen  eine  durchaus  verschiedene  Gestaltung  annehmen  mag. 
Wie  das  jüngst  geborene  Kind  verwundert  die  sinnliche  Welt  an- 
schaut und  erst  allmälig  mit  den  durch  das  Auge  zugeführten 
Phäenomenen  vertraut  wird,  so  blicken  wir,  wenn  das  geistige  Be- 
wusstsein  erwacht,  aufs  Neue  staunend  und  blöde  in  eine  Welt 
des  Unbekannten*)  hinaus,  und  werden  uns  bald  gewiss,  dass  es 
noch  einer  langen  Uebung  des  spirituellen  Auges  bedürfen  wird, 
ehe  wir  zu  einem  Urtheil  über  die  vor  demselben  ablaufenden 
Processe  berechtigt  sein  werden.  Gewiss  ist  nur  die  Aufgabe 
des  unablässigen  Fortdenkens  in  Verwerthung  der  Zeit. 

Kant  sucht  die  Antinomie  der  reinen  Vernunft  bei  kosmo- 
logischen  Ideen  zu  erklären,  aber  er  hat  sie  nicht  wegerklärt, 
und  auch  der  Standpunkt  des  Naturforschers  schützt  nicht  vor 
unklaren  Verwirrungen.  Wem  die  Theorie  der  Abstammung  wahr- 
scheinlicher scheint,  als  die  der  Schöpfung,  der  glaubt  an  die- 
selbe und  sieht  sich  leicht  veranlasst,  ihre  Vertheidigung  zu  über- 
nehmen. Wer  sich  deutlich  klar  ist,  dass  durch  all'  solches 
Glauben  an  Abstammung  oder  an  Schöpfung  noch  nicht  ein 
Tüttelchen  dem  Wissen  zuzufügen  ist,  wird  sich  auch  im  Grunde 
nicht  viel  darum  kümmern,  während  die  eifrigen  Gläubigen  selten 
Respect  gegen  die  Wissensgrenze  haben,  und  dieselbe  mit  ihren 


*)  Gleich  dem  Sperling  durch  die  erwcärmte  Stube  de  hieme  in  hiemem  regre- 
diens  ,  fliegt  das  menschliche  Leben  dahin  in  völliger  üngewissheit ,  quod  autem 
sequatur  quidve  praecesserit  (Beda),  nach  dem  Sprecher  im  Rathe  Edwy's  von 
Northumberlaud. 


XXXTI  Vorwort. 

Glaubensartikeln  tiberselireitend;  allzu  oft  die  Wissensoperationen 
fälschen.  In  unseren  Forscbuugsformeln  haben  wir  bereits  man- 
ches X  in  der  Natur  aufgelöst;  das  der  Entstehung  bleibt  noch 
eine  völlig  unbekannte  Grösse,  und  so  lange  sie  solche  ist,  nützt 
es  nicht  viel,  über  ihren  möglichen  Werth  herumzurathen,  da  man 
sich  veranlasst  sehen  möchte,  die  eine  oder  andere  Fiction  als 
reale  zu  betrachten  und  so  zu  verwenden.  Wir  werden  auch  diese 
Frage  lösen^  wenn  die  Rechnungscombinationen*)  so  weit  gediehen 
sind;  aber  vorher  ist  mit  Eathen  nichts  gedient  und  viel  ge- 
schadet. Kaut  nennt  Sinnlichkeit  und  Vernunft  zwei  Stämme  der 
menschlichen  Erkenntniss,  die  vielleicht  eine  gemeinsame  Wurzel 
hätten,  während  einheitliche  Induction  den  Stamm  der  Vernunft 
als  einen  Zweig  auf  dem  Stamme  der  Sinnlichkeit  anzusehen 
hat,  als  ihren  letzten  Blüthenzweig ,  der  deshalb  wieder  auf  das 
Ganze  zurückwirkt ,  und  in  seiner  Frucht  bereits  den  Keim  ein- 
schliesst,  dem  eine  neue  Wurzel  entsprossen  wird.  Der  Satz 
nihil  est  in  intellectu,  quod  non  prius  fuerit  in  sensu  ist  falsch, 
wenn  auf  das  Individuum  bezogen  und  wenn  die  Sinnlichkeit 
auf  die  Weite  und  Art  der  menschlichen  Sinne  beschränkt  wird. 
Er  ist  dagegen  richtig,  wenn  in  solcher  Weise  verstanden,  dass 
erst  aus  der  Wechselwirkung  des  Innern  und  Aeussern,  des  Ma- 
krokosmos und  Mikrokosmos,  das  Bewusstsein  in  letzterem  zum 
Selbstabschluss  gelangen  wird.  Bei  der  in  den  verschiedenen 
Systemen  (auch  ohne  die  Extravaganz  der  Notional  Beings)  un- 


*)  C'est  ä  Tabus  de  l'induction ,  c'esl-ä-dire  ä  l'indnction  appuyee  snr  un 
trop  petit  iioinbre  d'expt^riences  ou  sur  des  experiences  trop  legeres,  qu'il  faut 
rapporter  le  paralogisme,  qu'on  appelle  dans  l'^r.ole  le  denombrement  imparfait 
(eiiunieratio  imperfecta)  et  le  passage  d'un  genre  ä  nn  autre  (argumentum  a 
genere  ad  genus).  Wer  durch  Induction  oder  Analogie  redet,  fällt  in  Irxthnm 
(hinsichtlich  der  Ursachen  ausser  der  durch  das  Bewusstsein  gegebeneu)  durch 
drei  Paralogismen,  non  causa  pro  causa,  post  hoc  ergo  propter  hoc,  fallacia  acci- 
dentis  (s.  Garnier).  Wahrnehmung  ist  eine  besondere  Art  von  Verwandlung  und 
Verwandlung  ist  Bewegung  (Aristotl.). 


Vorwort.  XXXIII 

bestimmt  schwankenden  Verwendung  der  Bezeichnung  Idee  würde 
der  Streit  der  Ideae  innatae  auf  einen  Wortstreit  hinauslaufen, 
je  nachdem  man  Idealbilder  oder  die  Modi,  die  Modi  rerum  oder 
Modi  cogitandi,  in's  Auge  fasste.  Jedenfalls  Hessen  sich  die 
Ideen,  wenn  im  weitesten  Sinne  gefasst,  bei  dem  als  Theil  der 
Menschheit  geborenen,  und  je  nach  seiner  mit  der  höheren  oder 
niederen  Phase  derselben  zusammentreflende  Zeugung  verschie- 
dentlich begabten  Individuum  nicht  auf  ideae  adventitiae  inner- 
halb seines  Special-Lebens  beschränken.  Was  wir  durch  die 
Thore  unserer  Sinne  von  der  Welt  aufnehmen ,  ist  ein  nach  un- 
serer relativen  Stellung  zu  derselben  nothwendig  bedingter,  aber 
auf  dem  Standpunkt  des  Absoluten  rein  zufälliger  (und  deshalb 
gern  als  nichtig  täuschend  aufgefasster)  Theil  derselben ;  nicht  also 
diese  Sinnesempfindungen  vermögen  zur  Wahrheit  zu  führen,  son- 
dern erst,  indem  aus  ihnen  allen  die  gesetzlichen  Causalitäten  har- 
monisch zusammenklingen,  klärt  sich  die  Erkenntniss  subjectiv 
in  idealen  Objecten.  —  Seit  Leibnitz  hat  das  Gesetz  der  Continui- 
tät  durch  seinen  trügerischen  Schein  viel  unbestimmt  verworrene 
Systeme  über  den  Fortschritt  in  der  Weltentwicklung*)  hervor- 
gerufen, und  besonders  die  in  inductiver  Schule  erzogenen  Ur- 
heber der  Descendenztheorie  sollten  wissen,  dass  vielmehr  dahin  ge- 
strebt werden  muss,  statt  durch  rhetorischen  Wortqualm  die  Grenz- 


*)  Wenn  es  in  den  Naturwissenschaften  gelingt,  eine  Reihe  von  Entwick- 
lungen, die  bisher  getrennt  schienen,  zu  einer  continuirlichen  zu  machen,  so  ist 
die  überwiegende  Stimmung,  als  ob  damit  alle  Schwierigkeit  geschwunden  sei, 
indem  man  die  Leichtigkeit,  ein  geometrisches  Continuum  zu  erzeugen,  wie  es 
scheint,  auf  Alles,  was  eine  Reihe  ausmacht,  überträgt,  während  im  Grunde  Alles 
bleibt  wie  vorher  (Raumann).  Im  dialektischen  Process  ist  das  Gesetz  der  Con- 
tinuität  (dass  Eins  sich  aus  dem  Andern  zu  ergeben  schiene ,  in  einem  höheren 
Fortschritt)  vielfach  für  den  vollen  Beweis  einer  Welterklärung  genommen  (Bau- 
mann), wogegen  (nach  Trendelenburg)  das  Auseinanderherleiten  in  reinem  Denken 
nur  Schein  wäre.  Tawallad  bedeutet  Fortpflanzung  (bei  Bisr),  indem  eine  von 
einem  Agens  bewirkte  Thätigkeit  sich  weiter  fortpflanzen  und  neue  Yeränderungeu 
au  anderen  Objecten  bewirken  könne. 

üustiau,  Keise    VI.  C 


XXXIV  V^orwort. 

scheiden  zu  verundeutlichen,  jedes  einzelne  Object  möglichst  scharf 
und  genau  in  seiner  Eigenthümlichkeit  zu  erfassen.  Auf  die  Ge- 
staltung der  unorganischen  Körper  übt  die  Wärme  einen  (den 
Aggregatzustand  modificirenden)  Einfluss,  auf  die  der  pflanzlichen 
bereits  das  Licht  (in  der  Färbung),  und  man  kann  diese  Wir- 
kungen von  den  ersten  Regungen  der  Sinnesempfindungen  (bei 
niederen  Thieren)  weiter  verfolgen  bis  zu  den  Geistesthätigkeiten 
der  Menschen  und  mit  der  Vervollkommnung  der  Organisation 
einen  einheitlichen  Zusammenhang  festhalten.  Diese  Auffassung 
bewegt  sich  dann  aber  nur  in  einer  ähnlichen  Hypothese,  als 
wenn  mau  aus  graduell  vermehrter  Geschwindigkeit  der  Schwin- 
gungen die  Entstehung  des  Schalls,  der  Wärme,  des  Lichtes  ab- 
leitet, und  kann,  eben  so  wenig  wie  hier,  zu  einer  weiteren  Er- 
klärung dienen,  da  die  Physik  noch  immer  den  Schall,  die  Wärme, 
das  Licht  als  selbstständige  Manifestationen  festzuhalten  hatte,  wie 
gleichfalls  das  Denken  eine  solche  bildet  gegenüber  den  unbewuss- 
ten  Empfindungen.  Wollte  man  den  theoretisch  hinzustellenden  Ab- 
schluss  als  einen  realen  auffassen,  so  würden  wir  uns  nur  selbst 
durch  subjectiv  kurzsichtige  Verstümmelung  den  Weg  zu  weiteren 
Enthüllungen  aus  der  unendlichen  Quelle  des  noch  Unbekannten, 
und  dem  Walten  harmonischer  Gesetzlichkeit,  verrammeln. 

Darwin's  Beobachtungen  begründen  eine  Transmutations- 
theoriC;  und  die  Ausdehnung  dieser  Lehre  zu  einer  Descendenz- 
theorie  ist  eben  so  sehr  eine  in  Widersprüche  verwickelnde  (weil 
nicht  auf  Thatsachen  gestützte)  Erweiterung,  wie  Oken's  Ver- 
allgemeinerung *)  der  in  den  elektrischen  Erscheinungen  nachweis- 
baren Polaritäten  auf  die  übrigen  Naturprocesse.  Vermischt  man 
die    stattfindenden   Veränderungen    zu   einem   ununterbrochenen 


*)  Ignis  conversiones  primum  mare  ,  maris  autem  dimidium  qaidem  terra, 
dimidium  vero  fulgur  (Empedocles).  Ignem  per  aerem  coDverti  in  humidum, 
quod  est  veluti  seinen  dispositionis  mundi,  quod  vocat  mare,  ex  Se  zovrov  av&is 
yivExui  yq  xal  oi^avoi  (s.  Cleui.  AI.). 


Vorwort.  XXXV 

Fluss,  SO  entschwindet  jeder  Anhaltspunkt  gesetzlicher  Ordnung 
der  Erkenntniss.  Die  geregelten  Verhältnisse,  die  in  organischer 
Natur  eben  so  nothwendig  sind  wie  in  der  unorganischen,  bleiben 
ausser  Acht,  wenn  jede  Zelle  im  Organismus  als  gleichwerthig  gilt. 
Die  chemischen  Grundstoife  stammen  nicht  von  einander  aus 
einer  gemeinsamen  Urform  ab,  sie  gehen  ebensowenig  in  einan- 
der über,  wenn  nicht  ihr  Variiren,  unter  gesetzlichen  Verhält- 
nissen, bis  zu  Arten  selbstständiger  Neubildung  fortschreiten 
kann.  Der  Schwefel  zeigt  dimorphische  Kristalle,  ob  er  über  111^ 
oder  bei  einer  niedrigeren  Temperatur  anschiesst.  Allzu  stark 
erhitzt,  wird  der  Schwefel  verdampft  (relativ  vernichtet),  nach 
geringer  Erwärmung  kehrt  er  beim  Kaltwerden  in  den  früheren 
Aggregat-Zustand  zurück,  über  200"  geht  er  in  einen  zähen  brau- 
nen (von  dem  spröden  verschiedenen)  Körper  über.  So  mag  eine 
organische  Species  in  stürmischen  Umänderungen  gänzlich  zu 
Grunde  gehen,  unter  leichten  Modificationen  vielfach  variiren  und 
nach  Aufhören  der  ablenkenden  Einwirkungen  in  die  eigentliche 
Normalform  zurückfallen,  bei  gesetzlich  regulirter  Accummulation 
der  Umgestaltungen  dagegen,  als  neues  Product  daraus  hervor- 
gehen. Ueberall  liegt  ein  Gesetzliches  zu  Grunde,  das  indess 
nur  durch  unklare  Nebenbedeutungen  überladen  wird,  wenn  es 
sich  Wille  (biei  Schopenhauer)  oder  Unbewusstes  (bei  v.  Hart- 
mann) benennt,  oder  wenn  man  (nach  Malebranche)  die  Seele 
als  Centralpunkt  des  Lebens  (s.  Wedekind)  durch  innewoh- 
nende Anlagen  den  Körper  bilden  lässt  in  einer  Welt  vorstellen- 
der Monaden,  wo  für  Leibnitz'  Spiritualismus  alle  Daseinsformen 
nur  Abstufungen  des  mehr  oder  minder  deutlichen  Vorstellens. 
Die  Transmutationslehre  im  Kampf  um's  Leben,  oder  (nach 
Hobbes)  im  Krieg  Aller  gegen  Alle,  zeigt  die  Abhängigkeit  der 
Organismen  von  der  Umgebung,  und  auch  in  anorganischer  Natur 
kann   der  Einfluss  der  Temperatur  in  Krystallen,  die  nicht  dem 

regulären  Systeme   angehören,    selbst    bis    zu  Aenderungen  der 

C* 


XXXVI  Vorwort 

Winkelneigimgeu  (nach  Mitscherlich)  führen.  Partialverän- 
derungen  treten  ein;  durch  polarische  Hinwegnahme  der  Rhom- 
boeder-Scheitel  des  Rauten-Dodekaeders  ergiebt  sich  das  Te- 
traeder, aber  das  Ebenmaass-Gesetz  (und  das  Gesetz  der  Gleich- 
heit der  Dimeusions-Verhältnisse)  erhält  in  den  Correlationen 
den  einheitlichen  Zusammenhang.  Eine  Mineralspecies  setzt 
gleiche  chemische  Zusammensetzung  und  gleiche  Krystallisation 
voraus,  sie  mag  sich  isomorphisch  oder  dimorphisch  verhalten,  sie 
mag  sich  aus  Rothkupfererz  durch  Aufnahme  von  Kohlensäure 
und  Wasser  zu  Malachit  (aus  Octaeder  zu  schiefer  rhombischer 
Säule),  aus  Kupferlasur  durch  Verlust  eines  Theils  der  Kohlen- 
säure zu  Malachit  umbilden;  die  gegenseitige  Abhängigkeit  von 
äusserer  Gestalt  und  innerer  Zusammensetzung  wird  dadurch 
indessen  nicht  gestört.  Jede  Krystallform  hat  eine  gewisse  Weite 
möglicher  Veränderungen,  und  mag  sich  durch  Entrandung, 
Entkantung,  Euteckung  u.  s.  w.  manchmal  für  den  ersten  An- 
blick dem  Spielräume  anderer  Kernformen  nähern,  sie  wird  aber 
stets  auf  die  ihr  zukommende  reducirbar  bleiben,  ausser  wenn 
sie  auch  ihre  chemische  Zusammensetzung  ändert,  also  über- 
haupt ein  neues  Art-Ding  wird.  Aus  dem  Mangel  scharfer 
Unterscheidung  zwischen  dem  Sein  und  dem  Schein  liiesst  der 
Grundfehler,  der  die  Vorstellung  der  Desceudenztheorie  fälscht. 
Natron  vermag  im  stumpfen  Rhomboeder  oder  im  Würfel  aufzu- 
treten, aber  im  ersten  Falle  bildet  sich  mit  Salpetersäure  der 
Salpeter,  im  letzten  mit  Salzsäure  Steinsalz.  Der  Rolle  der 
analysirbaren  Elemente  in  der  anorganischen  Natur  entsprechen 
in  der  organischen  nicht  die  dort  immer  gleichen  Grundstoffe, 
sondern  die  wesentlichen  Eigenschaften  des  jedesmaligen  Or- 
ganismus. Wollte  man  nun  eine  Entwicklungsreihe  der  Mine- 
ralien, etwa  vom  Würfel  (des  Steinsalz)  zum  stumpfen  Rhomboeder 
(des  Salpeter),  der  schiefen  rhombischen  Säule  (des  Glaubersalz), 
dann  Salmiak  (in  Octaedern),    Anhydrit   (in   geraden  rektangu- 


Vorwort.  XXXVIl 

lären  Säulen),  Borazit  (in  Tetraedern),  Sodalit  (in  Raiiten-Dodeka- 
edeni) ,  Leucoit  u.  dgl.  aufstellen ,  so  wäre  damit  Alles  um- 
geworfen, was  die  Induction  aufzubauen  sucht.  Die  Chemie 
gewann  ihre  Stützpfeiler  eben  dadurch,  dass  sie  sich  aus  der 
unbestimmten  Verschwommenheit  der  Alchemie  losrang,  dass 
sie  die  so  weit  festgestellten  Grundstoffe  als  unantastbare  hei- 
ligte und  denjenigen  als  Ketzer  ausstosseu  müsste,  der  auch  heute 
noch  von  einer  Umwandlung  der  Elemente  in  einander  träumen 
wollte,  weil  ihm  solche  Hypothesen  ein  glatteres  und  bequemeres 
System  herstellen  würden.  So  weit  uns  Partialveränderungen 
an  den  Krystallen  bekannt  sind,  nehmen  wir  sie  an,  aber  durch 
jeden  Schritt*),  mit  dem  wir  über  die  factisch  gesicherte  Basis 
hinausschreiten,  verletzen  wir  die  exacte  Naturwissenschaft.  Ist 
es  uns  in  der  organischen  Natur  noch  nicht  möglich  gewesen, 
die  wesentlichen  Bestandtbeile  jeder  Species  in  so  fest  um- 
schriebene Formeln  zu  fassen,  wie  in  den  Atomgewichten  der 
Stöchiometrie,  so  haben  wir  doch  zu  versuchen,  dahin  zu  ge- 
langen,  und  uns  nicht  von  vornherein  den  Weg  dadurch  abzu- 


*)  „Die  Induction  fordert  Vollständigkeit  der  Beobachtungen,  wenn  sie  zu 
sicheren  Ergebnissen  führen  soll  (eine  Induction  aus  einzelnen  Fällen  ist  nach 
Bacon  eine  Kinderei).  Der  Gegenstand  muss  von  allen  Seiten,  nach  allen  Ge- 
sichtspunkten, mit  allen  Sinnen,  in  jeder  Lage"  und  Zeit  beobachtet  werden" 
(s.  Harms).  Wenn  die  Induction  ihre  Rohmaterialien  zusammenträgt,  bedarf  sie 
allerdings  eines  ungefähren  Planes  des  Risses,  nach  dem  sie  bauen  will,  und  dies 
ist  ihre  Hypothese.  Sie  darf  dann  aber  nicht  die  Bausteine  dem  entsprechend 
zuschneiden,  um  ihre  subjective  Idee,  wie  die  künstlerische  Architektonik,  zur  Aus- 
führung zu  bringen ,  sondern  da  sie  mit  den  umhergeworfenen  Stücken  eines 
schon  seit  dem  Beginn  des  Seins  fertigen  Kosmos  baut  (um  ihre  Idee  vom  Mikro- 
kosmos neu  anzuschauen),  so  muss  sie  je  nach  der  Art  der  sich  an  Material  dar- 
bietenden Formen  den  Gang  der  Arbeit  stets  entsprechend  modiflciren,  bis  sich 
schliesslich  das  Ganze  vollkommen  harmonisch  in  einander  geschlossen  zeigt.  Erst 
dann  verschwindet  die  Hypothese  vor  dem  Gewussten ,  das  dann  später  weiter 
als  eigene  Stütze  des  Ferneren  verwendet  werden  kann.  Zur  Controle  muss  auf 
die  Synthesis  der  Induction  die  zersetzende  Analyse  der  Deduction  folgen,  die 
von  der  Speculation  aus  dem  Einen  wieder  auf  das  constituirende  Viele  zurück- 
geht. 


XXXVni  Vorwort. 

schneiden,  dass  wir  statt  scharf  zu  differenziren ,  möglichst  ver- 
schwimmend generalisiren.  Wird  dann  überhaupt  eine  un- 
bedingte Verfügung  über  die  Zeit  beansprucht,  wird  es  selbst 
als  Grundsatz  aufgestellt,  den  Hypothesen  über  die  Dauer  geolo- 
gischer Perioden  eine  möglichste  Ausdehnung  zu  geben,  so  ist 
es  von  vornherein  mit  jedem  Denken  vorbei,  denn  in  langer 
Zeit  ist,  wie  schon  der  gute  Herodot  es  wusste,  Alles  möglich, 
ist  Alles  geschehbar,  aber  deutlich  gewusst,  als  wirklich  ge- 
schehen, ist  dann  Nichts  mehr.  Die  Fortzeugungsfähigkeit  in 
der  organischen  Natur  begründet  zwischen  ihr  und  der  anorga- 
nischen nur  einen  relativen  Unterschied.  Allerdings  vermag  die 
Einwirkung  des  Milier  im  Organismus  (wie  bis  zu  einem  ge- 
wissen Grade  auch  im  Krystall)  Transmutationen  hervorzurufen, 
die  zur  Erwerbung  neuer  Eigenschaften  und  zur  Fortpflanzungs- 
fähigkeit derselben  befähigen,  immer  aber  nur  innerhalb  der 
Spielweite  möglicher  Existenzfähigkeit.  Wird  diese  überschritten, 
so  tritt  uns  damit  eine  neue  Existenz  entgegen,  die  wir,  wenn 
mit  diesem  Worte  überhaupt  ein  Sinn  verknüpft  werden  soll, 
als  gesondert  erfassen  müssen.  Die  von  uns  in  die  Natur  hinein- 
getragenen Eintheilungen  sind  subjective,  nicht  objective,  und 
würden  wir  zwei  bisher  als  getrennt  aufgefasste  Existenzen  ver- 
schwimmen sehen,  so  hätten  wir  unsere  subjective  Scheidung  als 
unrichtige  anzuklagen  und  durch  weitere  Auffassung  zu  ver- 
bessern, nicht  aber  in  dem  objectiven  Bestehen  einen  Zusammen- 
hang zwischen  Erscheinungen  zu  vermuthen,  um  deren  Getrennt- 
heit auszudrücken,  wie  eben  den  Species-  oder  (wenn  man  will) 
den  GeuusbegriflP  in  der  Sprache,  und  also  im  Denken  ge- 
schaffen haben.  Da  wir  inmitten  der  Naturentwicklungen  stehen, 
muss  für  unser  Räsonniren  darüber  stets  der  subjective  Stand- 
punkt festgehalten  werden,  da  für  die  objective  Betrachtung  die 
Frage  nach  dem  jcov  gtcö  noch  nicht  beantwortet  ist.  —  In  der 
Descendenztheorie  wird  ein  Inductionsschluss  gefunden,  der  seine 


Vorwort.  XXXIX 

Wahrheit  mit  dem  ergänzenden  Deductionssehluss  der  Pitho- 
coidentheorie  deutlich  in  sich  trägt  (Haeckel),  und  allerdings  ist 
diese  Theorie  der  allgemeinen  Descendenz  einer  jener  Inductions- 
schlüsse,  wie  sie  die  Philosophie  von  jeher  bei  Hunderten  ge- 
bildet hat,  aber  gewiss  kein  naturwissenschaftlicher  Inductions- 
schluss,  der  scharfes  Eindringen  in  die  kleinsten  Detailverhältnisse 
verlangen  würde,  wogegen  jene  sich  mit  den  ungefährsten  All- 
gemeinheiten begnügt,  und  im  Gegentheil  unsicher  wird,  wenn 
sie  bei  der  Genealogie  auf  Einzelnheiten  eingeht.  Als  Hypothese 
könnte  diese  der  Descendenz  unter  Umständen  so  gut  wie  jede 
andere  sein  und  auch  ohne  die  Möglichkeit  einer  stricteu  Be- 
weisführung ihre  vorläufige  Verwendung  verlangen  können,  wenn 
dadurch  der  Gewinn  praktischer  Resultate  in  Aussicht  stände, 
ähnlich  wie  sich  die  Physik  der  Theorie  der  Aetherschwingungen 
bei  dem  Licht  bedient.  Während  aber  in  dem  letzten  Falle 
diese  Theorie  für  Erleichterung  der  zur  Erklärung  führenden 
Rechnungen  sich  empfiehlt,  greift  die  Descendenztheorie  nirgends 
in  praktische  Erörterungen  ein,  sondern  kann  nur  speculativ 
verwandt  werden,  während  gerade  durch  den  speculativen  Ge- 
brauch solche  an  sich  unschädliche  Aushülfstheorien  erst  gefähr- 
lich werden  und  auch  die  Aethertheorie  in  den  Köpfen  physika- 
lischer Laien  manchen  Wirrwarr  augestiftet  hat. 

Für  den  Naturforscher  kann  kein  Atom*)  der  Materie  ver- 
nichtet werden,  da  es  im  Kreislauf  der  Veränderungen  in  einer 
neuen  Modification  wiedererscheint;  aber  indem  wir  schliesslich 
nicht  den  Stoff  als  solchen,  sondern  nur  die  in  demselben 
waltenden  Kräfte  verstehen,  würde  die  Schöpfung  des  Aristoteles 


*)  Das  Molecul  im  stabilen  Gleichgewicht  ist  einem  Wechsel  der  Form  durch 
die  attrartiven  oder  repulsiven  Einflüsse  von  verschiedenartig  constitnirten  Mole- 
culen  ausgesetzt,  worin  die  Phänomene  der  chemischen  Veränderungen  liegen  und 
neue  Molecularformeu  in  grösserer  oder  geringerer  Complication  und  grösserer 
oder  geringerer  Stabilität  bewirkt  werdeu  (Bayma). 


XL  Vorwort. 

zur  Geltung  kommen,  als  Verwirklichuug  des  Möglichen,  und 
bliebe  dann  die  Frage,  ob  das  absolut  Reale  im  Wirklichen 
(dem  relativ  Realen)  oder  im  Möglichen  liege.  Die  Unter- 
suchung nach  der  Schöpfung*)  der  Materie  (oder  den  Kraft- 
centren, worin  die  Atome  aufgehen)  bleibt  dem  Naturforscher, 
der  mit  seinen  exacten  Forschungen  über  den  Planetarkreis 
nicht  hinausgehen  kann,  verschlossen,  denn  schon  die,  als  von 
der  Materie  befreite,  verfeinerte  Existenzform  der  Gase  berührt 
an  den  Grenzen  ihres  Seins  ein  für  uns  relatives  Nichtsein, 
und  wie  der  Raum  vom  leeren  Raum  oder  Raumlosen,  wäre  die 
Zeit  vom  Zeitlosen  eingeschlossen  zu  denken,  wobei  dann  für 
das  letzte  Aufgehen  der  Materie  in,  oder  ihr  erstes  Hervorgehen 
aus  diesen  Negationen  keine  Anhalte  gegeben  sind.  Je  nach 
dem  Standpunkt  der  Kenntnisse  vermag  der  Mensch  einen 
weiteren  oder  engeren  Umkreis  der  Dinge  seines  Horizontes  zu 
verstehen,  indem  er  die  dortigen  Vorgänge  in  ihre  wechselseitigen 
Ursächlichkeiten  auflöst.  Stets  gelangt  er  aber,  bald  früher, 
bald  später,  an  das  Räthsel  des  Seins,  das  sich  nur  aus  den 
Knotenverschlingungen  des  eigenen  Bewusstseins  wird  erschliessen 
können.  Die  ideal  unbegrenzte  Theilbarkeit  der  Materie  führt 
zu  einem  ähnlichen  Paradoxon,  wie  der  Satz,  dass  ein  weiteres 
Sandkorn  den  Rücken  des  überladenen  Kameeis  bräche.  Es 
giebt  eine  Last,  die  das  Kameel  zu  tragen  vermag,  eine  andere. 


*)  Nach  Athanasins  könnte  Gott  nicht  Schöpfer  genannt  werden  ,  wenn  er 
nicht  auch  die  Materie  geschaffen,  aus  der  die  Dinge  gemacht  sind  (s.  Schwane). 
Dens  est  quidam  divinus  spiritus  qui  per  quattuor  infusus  elemeuta,  giguit  uni- 
versa.  Igitur  si  de  eleicentis  et  deo  nascuntur  omnia,  unam  originem  habent  et 
par  est  natura  omnium  (Servius) ;  to  itäv  mundum  non  possumus  dicere,  nam 
mundus  non  est  totum.  Nach  Hisam  ben  Ainr  darf  man  sich  beina  kosmologischen 
Beweis  nur  an  die  Körper  (»gsam)  selbst,  nicht  an  ihre  Zustände  und  Ver- 
änderungen halten,  denn  diese  (die  arad)  seien  gar  kein  Reweis  für  das  Dasein 
eines  Schöpfers  (s.  Steiner).  Nach  Ihn  Israil  sind  alle  entstandenen  Dinge  Ein- 
bildung (und  Schein),  die  vielfachen  Potenzen  (des  einfachen  Absoluten)  dagegen 
die  Wirklichkeit    (Realität)  des  iu's  Dasein  getretenen  Existirenden  (s.  Fleischer). 


Vorwort.  XLI 

die  es  erdrückt,  aber  die  Grenze  lässt  sich  nicht  auf  ein  vSand- 
kora  reduciren,  *)  indem  mit  Annäherung  der  höchsten  Trag- 
möglichkeit die  Widerstandsfähigkeit  des  Kameeis  in  seinen 
Muskeln  sich  verringert,  und  es,  nach  Erreichung  einer  be- 
stimmten Last,  Frage  der  Zeit  bleibt,  ob  das  Kameel  (oder  ein 
graduell  in  den  Fugen  seiner  Stützpfeiler  splitterndes  Gebäude) 
von  selbst  zusammen  sinkt,  oder  rascher  bei  fortgehender  Ver- 
mehrung der  Last.  Die  Auffassung  der  Materie  ist  an  die 
Sinnlichkeit  geknüpft,  und  da,  wo  dieselbe  an  der  Grenze  der 
optischen  Hülfsmittel  durch  die  feinsten  Instrumente,  wie  sie  die 
Hände  zu  führen  vermögen,  sich  nicht  mehr  theilen  lässt,  dort 
liegt  die  Grenzlinie  ihrer  Theilbarkeit,  indem  die  darüber  hinaus- 
gedachte Materie,  als  ideale,  keine  Materie  mehr  sein  würde, 
weil  ihrer  wesentlich  nothwendigsten  Stütze,  der  in  sinnlicher  Auf- 
fassung begründeten,  entbehrend.  Bei  flüssiger  Vertheilung  stellt 
sich  gleichfalls  aus  den  Grössen  der  neben  einander  verschobenen 
Atome  eine  Grenze  her,  wenn  der  in  der  Verdünnung  vermuthete 
Bestandtheil  durch  keine  sinnlichen  Hülfsmittel  mehr  zu  ent- 
decken ist,  und  durch  keine  Reagentien,  denen  sich  zuletzt  auch 
das  noch  in  Minimalgrössen  antwortende  Jod  entzieht.  Wollen  wir 
über  die  Grenze  des  Materiellen**)  hinaus  die  ideale  Betrachtung 
fortsetzen,  so  muss  sich  dieser  neuen  Umgebung  gemäss  auch  die 
gesammte  Rechnungsmethode  ändern.  —  Durch  Einfall  von  Wärme 
in  chemische  Substanzen  können  neue  Verbindungen  hervor- 
gerufen werden,  und  empfindliche  Elementar-Combinationen  mögen 
schon   durch  diejenige  Modification  der  kosmischen  Kraft,   die 


*)  Nnr  ein  idealer  Achill  ist  ausser  Stande,  die  Schildkröte  einzuholen,  denn 
ein  Achill  mit  Fleisch  und  Rlnt  wird  bald  an  den  Platz  kommen,  wo  seine  Fuss- 
länge  die  berechnete  Differenz  überragt  und  also  nach  der  Ueberholung  keine 
neue  Trennung  des  theilenden  Unterschiedes  gestattet. 

**)  Nach  Huxley  sind  die  Gedanken  der  Ausdruck  der  molecularen  Ver- 
änderungen in  jener  Lebensmaterie ,  die  der  Quell  der  übrigen  vitalen  Phäno- 
mene Ist.     Mia  voe^d  y-'v^t]  (Marc.  Aur.). 


XLll  Vorwort. 

nur  als  Licht  (ohne  materielle  Wärme-Ausströmung)  in  die  Er- 
scheinung tritt  ^  Aenderungen  erleiden.  Eine  durch  Licht  an- 
geregte Schwingungsbewegung  tritt  mittelst  des  Auges  (durch 
den  optischen  Apparat  desselben  ermöglicht)  in  die  empfängliche 
Bikhmgsmasse  des  Gehirnes  ein  und  regt  dort  Gestaltungen  an, 
deren  wir  uns  als  aus  dem  dunkeln  Gefühlsmeer  hervortretender 
Gedanken  bewusst  werden.  Diejenigen  Empfindungen  des  All- 
gemeinbefindens, die,  als  Ueberschuss  der  auf  das  Nervensystem 
reflectirten  Assimilationsprocesse  des  in  jedem  Momente  des 
Wachsthums  umgebildeten  Körpers,  beständig  in  den  Central- 
organen  der  Ganglien  und,  von  ihnen  weiter  geführt,  im  Hirn 
schwebend  erhalten  werden,  werden  durch  den  natürlichen  Trieb 
der  Selbsterhaltung  (sofern  diese,  und  also  überhaupt  ein 
Seiendes,  seine  Existenzbedingung  voraussetzt)  zu  harmonischer 
Abgleichung  (in  der  einen  oder  andern  Weise)  mit  dem  Ganzen  des 
Organismus  gezwungen,  und  stellen  in  einer  fortgeschrittenen 
Wesenheit,  die  befähigt  ist,  kosmische  Agentien  aufzufassen, 
diese  Einheit  in  der  durch  klare  Gedanken  zusammengefassten 
Persönlichkeit  her,  die  sich  in  ununterbrochener  Verjüngung 
durch  geistige  Thaten  erneut  und  die  vorhandene  Schöpfung 
vermehrt.     Was  von  diesen  psychischen  Gestaltungsprocessen  *) 


*)  Siad  die  Ansichten,  die  wir  haben,  nicht  von  unserem  Denken,  sondern 
nur  von  der  Ernährung  des  Gehirns  und  der  Einwirkung  der  Dinge  auf  die 
Sinne  abhängig,  so  ist  jede  Ansicht  gleich  wahr  und  gleich  irrig  [d.  h.  halb  wahr 
und  halb  irrig,  wie  gewöhnlich,  aber  die  harmonischer  im  Denken  entwickelte 
ist  deshalb  auch  eben  die  dem  Wahren  nähere  und  somit  für  den  Fortschritt 
richtigere]  Ein  .Streit  darum  ist  unzulässig.  Es  würden  aber  auch  gar  keine 
verschiedenen  Ansichten  eutstehen  können ,  sondern  Alle  müssten  dieselben  Ge- 
danken haben  [durchaus  nicht,  da  die  an  sich  freilich  gleichartig  wirkenden  Ursachen 
auf  die  verschiedenen  Resonanzboden  der  jedesmaligen  Individualität  fallen,  näm- 
lich dem  bei  den  Einzelnen  verschiedenen  Product  aus  dem  Früheren],  Wenn 
der  Mensch  ein  sittliches  Wesen  ist,  so  muss  er  auch  denken,  wie  die  Sittlichkeit 
seines  Lebens  es  fordert.  Sittlichkeit  ist  aber  nicht  möglich  ohne  Freiheit  als 
Bedingung  derselben,  denn  jedes  sittliche  Urtheil  findet  nur  über  eine  freie  Hand- 
lung statt.     [Die  Freiheit   ist    allerdings    eine  scheinbar  vorhandene    und  kann  im 


Vorwort.  XLIII 

zum  Bewusstsein  kommt ,  sind  nur  die  äusseren  Abdrücke  der- 
selben an  den  Geliirndecken ,  als  Basis  ihre  Tbätigkeit  und 
der  körperlicbe  Wurzelboden  derselben,  auf  welchem  sich  auch 
im  normalen  Zustande  der  Zusammenhang  des  schon  Ver- 
laufenen in  der  Erinnerungsreihe  mit  ungleichmässiger  Deutlich- 
keit festzuhalten  pflegt.  Sollte  indess  auch  hier  die  Ordnung 
pathologisch  gestört  sein,  so  wird  trotzdem  das  harmonische 
Wachsthum  psychischer  Persönlichkeit,  wie  aus  der  Anlage  der 
Menschennatur  hervortretend,  ungestört  weiter  gehen,  so  lange 
überhaupt  das  irdische  Leben  fortdauert.  Schon  bei  der  Geburt 
wird  der  Keim  zu  einer  besondern  Richtung  der  Persönlichkeit 
aus  der  Vererbung  her  mit  zur  Welt  gebracht,  es  ist  aber  der 
Erziehung,  d.  h.  der  Herstellung  und  Erhaltung  eines  gesunden 
Zustandes  in  der  Geistesthätigkeit,  möglich,  etwaige  Mängel  zu 
verbessern  und  ein  vollendeteres  Resultat  zu  gewinnen,  wogegen 
moralisch  krankhafte  Verstimmung,  die  zu  mit  sich  selbst  un- 
harmonischen Handlungen,  zu  Verbrechen,  zu  Missethaten  und 
Missklängen  führt,  den  angeerbten  Charakter  verschlechtern  oder 
völlig  zu  Grunde  richten  mag.  Eine  Unordnung  in  der  geistigen 
Thätigkeit  dagegen,  die  aus  den  Störungen  körperlicher  Zu- 
stände resultirt,  bleibt  auf  die,  nach  einwohnenden  Gesetzen  aus 
irdischer  Wurzel  im  Jenseits  fortgebildete,  Persönlichkeit  ohne 
Einfluss,  da  hier  gewissermassen  die  Naturheilkraft,  wie  bei 
körperlichen  Krankheiten,  das  pathologische  Gebilde  einzukapseln 
und  zu  isoliren,  von  sich  abzuhalten  strebt,  damit  es  (wenn  auch 
keine  restitutio  in  integrum  ausführbar  sei)  doch  möglichst  wenig 
oder  gar  keinen  Einfluss  auf  das  Leben  der  übrigen  Organe  aus- 


Gegensatz zum  physischen  Gesetze  anch  als  solche  aufgefasst  werden,  ist  aber  nur 
eine  lebendigere  Entwicklung,  ähnlich  wie  die  organische  Natur  der  anorganischen 
gegenübersteht.  Nicht  die  freie  Wahl  ist  der  Zweck  im  Sittlichen,  sondern  die 
harmonisch  gesunde  Erfüllung  durch  richtiges  Verständniss,  so  dass  der  Schleclite 
zugleich  ein  Dummer  ist.]  Die  Freiheit  ist  die  objective  Bedingung  für  die  Exi- 
stenz einer  sittlichen  Welt  (Harms). 


XLIV  Vorwort. 

üben  raög-e.  Die  bei  Geisteskrankheiten  nur  auf  der  Oberfläche 
verworrenen  Bilder  vermögen  um  so  weniger  auf  die  Wesenheit 
des  psychischen  Wachsthums  zu  influenciren,  als  eben  der  Wille 
(die  allein  hier  das  Innere  und  Aeussere,  in  der  Sphäre  des 
Geistigen  verbindende  Brücke)  aufgehoben,  und  also  jede  Passage 
abgeschnitten  ist.  Die  durch  das  kosmische  Licht  eingetretene 
Erweckung  des  Geistes  liegt  schon  potentia  in  der  Eigenthüm- 
licTikeit  des  Menschen^  ist  dort  zu  einer  untrennbar  innewohnen- 
den Qualität  geworden,  und  wenn  sie  sich  auch  in  jedem  Augen- 
blicke des  Sehens  und  daraus  resultirender  Gedanken-Erhaltung 
oder  -Umbildung  wiederholt,  so  ist  das  gewissermassen  nur 
als  das  bedeutungslose  Nachzittern  einer  Schöpfungsbewegung 
aufzufassen,  die  sich  schon  vollzogen  und  in  ihren  schliesslichen 
Resultaten  gesichert  ist,  die  allerdings  (nach  dem  inneren  Zu- 
sammenhang aller  Dinge  im  All)  durch  accumulirende  Er- 
schütterungen während  der  Spanne  des  Lebens  noch  vollendeter 
umgestaltet  (oder  auch  abnorm  verdorben)  werden  kann  (und 
dadurch  für  die  jedesmalige  Persönlichkeit  ein  besonderes  Ver- 
dienst, oder  Verluste,  accreditiren  würde),  die  aber,  wenn  durch 
Zufälligkeiten  die  Wechselwirkung  unterbrochen  ist  (wie  oft 
schon  beim  Schreck  oder  andern  Wahnsinn  zeugenden  Einzel- 
ereignissen durch  plötzlichen  Wechsel  des  gerade  vorhandenen  und 
auf  das  Hirn  einströmenden  Gesichtsbildes),  nichtsdestoweniger 
ihren  eigenen  Gesetzen  nach  regelrecht  sich  weiter  bildet.  Der 
organische  Zusammenhang  der  in  jedem  Acte  des  Selbstbewusst- 
seins  aus  gleichem  Erdkörper  gebildeten  Persönlichkeit  besteht 
dann  (nach  dem  Zerfallen  jenes)  im  Ewig-Unendlichen  ohne 
Raum-  und  Zeitbeschränkung  fort. 

Die  Fragen  nach  dem  Bösen  *)  und  seinem  Ursprung  haben  von 


*)  Das  Böse,  das  nicht  von  Gott  (als  alleiniger  Ursache)  kommen  kann,  setzt 
(nach  Plutarch)  zwei    eutgegeugesetzte  Principieu    voraus.     Nach  Pjthagoras  liegt 


Vorwort.  XLV 

jeher  das  experimentum  crucis  der  Religionen  gebildet  und  mit 
Theorien  darüber  pflegten  sich  die  Moralisten  ihren  eigenen  Kopf 
nicht  nur,  sondern  auch  jeden  gesunden  Menschenverstand  zu  zer- 
brechen, wenn  die  sonderbaren  Launen  eines  allmächtigen  und  all- 
gütigen Schöpfers*)  erklärt  werden  sollten,  der,  ohne  durch  einen 
gleichstarken  Ahriman  in  seiner  Herrschaft  beeinträchtigt  oder  zum 
Kampf  am  dieselbe  gezwungen  zu  sein,  dennoch  aus  eitler  Liebe 
für  die  armen  Menschenkinder  dem  Teufel  seine  bösen  Spässe 
zu  treiben  erlaube I  Allerdings  hat  es  dieser  Autokrat**)  dann 
wieder  in  seiner  Hand,  seine  Auserwählten  durch  Special- Vor- 
rechte zu  schützen  oder  seine  priesterlichen  Diener  mit  unbe- 
schränkter Vollmacht  zu  bekleiden,  aus  Hölle  oder  Fegefeuer 
und  allen  Netzen  des  Widersachers  zu  befreien.  Die  Ausübung 
der  Tugend  wird  hier  zur  servilen  Augendienerei,  es  kommt  vor 
Allem  darauf  an,  die  Ceremonien  des  Cultus  genau  zu  erfüllen, 
die  vorgeschriebenen  Gebete  zu  sprechen  oder,  noch   bequemer, 


das  Böse  in  der  Materie ,  nach  Plato  in  der  Ananke  (der  Vernunft  gegenüber). 
Plotin  setzt  das  Böse  in  die  Negation  des  Sein,  Proclns  in  das  Gestaltlose,  Philo 
in  den  Gegensatz  zu  Gott.  Nach  den  Ssabiern  (bei  Shahristani)  ist  der  Stoff  die 
Wurzel  des  Bösen  (s.  Chwolsohn).  Nach  Spinoza  ist  nichts  gut  oder  böse,  .son- 
dern der  differente  Charakter  tritt  erst  in  Beziehung  zum  Menschen   hervor. 

*)  Nach  Ibrahini  beu  Sajjär  an  Nazzäm  (unter  den  Mutaliziten)  widerspricht 
es  dem  Begriff  der  Gerechtigkeit  Gottes,  dass  er,  sofern  er  wollte,  auch  das  Un- 
recht thun  könnte  (s.  Steiner).  Gott  hat  nicht  die  Macht,  gegen  solche,  die  mit 
Bewusstsein  und  Vernunft  handelten,  Ungerechtigkeit  zu  üben  (nach  AI.  Iskafl). 
**)  Gott  leitet  nicht,  wen  er  irre  führen  will,  und  sie  haben  keinen  Bei- 
stand (im  Koran).  Gott  hat  ihr  Gehör  versiegelt  und  auf  ihren  Blicken  liegt  eine 
Decke  und  es  trifft  sie  gewaltige  Strafe  (als  praedestinirt).  Neque  enim  quia 
bonum  est,  idcirco  auscultare  debemus,  sed  quia  Deus  praecepit  (TertulL).  Unde 
videndum  est,  ne  forte  etiam ,  si  quid  boni  operis  apnd  illos  (haereticos)  geri  vi- 
detur,  quia  non  fit  ex  fide ,  convertatur  in  peccatum  (Orig.).  Nach  Augustin 
übertrifft  Sdes  rationem.  Liberum  arbitrium  ad  malum  sufficit,  ad  bonum  autem 
parum  est,  nisi  adjnvetiir  ab  omnipotenti  bono  (Aug.).  Opera  misericordiae 
nihil  prosunt,  sive  Paganis,  sive  Judaeis,  qui  Christo  non  crednnt  (Aug.).  Omne 
bonum  ac  malum  non  uobiscum  oritur,  sed  agitur  a  nobis,  war  die  (ketzerische) 
Lehre  des  Celestius  (Genosse  des  Coluber  Britannus).  Animae  in  corpore  seu 
cordis  perenni  ustione  puniri,  seusit  Orpheus. 


XLYI  Vorwort. 

erst  in  der  Todesstunde  die  gesetzmässige  Beichte  abzulegen, 
und  wenn  auch  zugleich  die  Ausübung  tugendhafter  Handlungen 
verlangt  wird,  so  ist  es  doch  eine  parteiische  Scala*),  die  zwischen 
Gut  und  Böse  unterscheidet,  oftmals  den  Mord  um  des  Glaubens 
willen  der  höchsten  Belohnungen  für  würdig  erachtend.  Auch 
der  Buddhismus  ist  durch  die  hierarchischen  EinHüsse  späterer 
Zeiten  in  den  meisten  Ländern  zu  einem  leeren  Formel-Dienst 
geworden,  doch  ist  es  bei  ihm  möglich,  durch  abstrahirte  Be- 
trachtung seiner  Grundzüge  einen  logisch-natürlichen  Zusammen- 
hang auszuverfolgen ,  während  man  bei  den  mit  einem  deus  ex 
machina  subjectiver  Schöpfung  in  die  Geschichte  eintretenden 
Religionen  plötzlich  zu  dem  schroffen  Abfall  eines  Anfanges 
kommt,  wo  alle  die  verwickelten  Fragen,  auf  deren  Lösung  man 
hofft,  in  einen  mysteriösen  Knoten  durcheinander  gewirrt  liegen 
und  eben  als  ein  wunderbares  Mysterium  gläubig  übernommen 
werden  müssen. 

Abgesehen  von  dem ,  was  wir  die  (zum  Theil  auf  egypti- 
scher  und  chaldäischer  Unterlage  ruhenden)  Religionen  der 
Griechen  und  Römer  zu  nennen  ptiegen,  was  aber  unter 
nur  beiläufiger  Berührung  des  religiösen  Elementes  in  der 
Hauptsache  die  mythologischen  Vorstellungen  der  Hellenen  be- 
greift, abgesehen  ferner  von  den  Versuchen,  durch  welche  die 
verschiedenen  Naturstämme  den  indi%äduellen  Bedürfnissen  reli- 
giösen Dranges  Genüge  zu  leisten  sich  bemühen,  handelt  es  sich 
(ausser  den  beiden  auf  historische  Stifter  zurückführbaren  Re- 
ligions-Systemen des  aus  mosaischer  Volkslehre  fortentwickelten 
Christenthums**)  und  des  Islam)  bei  einem  Ueberblick  der  auf  der 


*)   Den  aBiy.a  (widerrechtlichen)  wird  (bei  Aeschylns)  öaia  (was  den  Göttern 
lieb  ist)  entgegengesetzt  (s.  Dronke),  nicht  bixaia. 

**)  Est  et  alia  magices  factio  a  Mose  et  Janine  et  Josape,  Judaeis,  pendens  (Cel- 
sus).  Porro  furentes  adersarii  Hilarionem  maleficum  Christianornm  ad  supplicium 
poscunt  (wegen  Lecanomantie).     Athauasius   wurde   wegen   seiner  Prophezeiungen 


Vorwort.  XLVn 

Östlichen  und  (bei  den  Ciilturstaaten  der)  westlichen  Hemisphäre 
herrschenden  Gotteside&n  zunächst  um  die  mit  altiranischen  (viel- 
leicht auch  skythischen)  verbundenen  ßeligionen  Indiens  und 
weiterhin  Ost-Asiens ;  unter  welchen  (im  Gegensatz  zu  den  mit 
der  politischen  Stellung  der  Brahmanen  bedingten  Religions- 
theorien dieser)  vor  Allem  der  Buddhismus  hervortritt.  In  der 
langen  Reihe  seiner  Stifter  aus  einer  anfangslosen  Vorzeit  her- 
vorquellend, hat  diese  Religion  tiefer  als  eine  andere  ihre 
Wurzeln  in  die  Menschennatur  hineingesenkt  und  zeigt  sich 
auf    das   innigste    mit  deren   Wesenheit  verwachsen,   den   lei- 


(s.  Sozomen.)  für  einen  Zauberer  gehalten  (Aoim.  Marc.).  TertuUian  giebt  jedem 
Christen  Macht  über  die  Dämone  durch  Anblasen.  Nach  Eusebius  gaben  sich  gnos- 
tische  Zauberer  für  Christen  aus.  Ausi  sunt  elementa  turbare  die  von  Const.  M.  be- 
straften Magier.  Der  von  den  Christen  herbeigerufene  Regensturnj  (im  Kriege  mit 
den  Quaden)  wurde  dem  egyptischen  Magier  Arnuphis  zugeschrieben.  Im  Evangelium 
des  heiligen  Thomas  erscheint  das  Kind  Jesus  (nach  Walion)  als  ein  boshafter  Magier. 
Der  Magier  Jesus  quält  die  Frau  des  Pilatus  durch  einen  Traum  (im  Evangelium  des 
Nicodemns).  Praeter  nocturnas  enim  visiones  per  dies  qnoque  impletur  apud  nos 
Spiritu  sancto  puerorum  inuocens  aetas,  quae  in  ecstasi  videt  oculis,  et  audit  et 
loquitur  ea  quibus  nos  dominus  monere  et  instruere  dignatur  (Cypriau.).  Dans 
les  peintures  (ayx  ratacombes),  le  Christ,  Moi'se  tiennent  la  baguette,  alors  qu'ils 
accomplissent  des  miracles,  et  figurent  ainsi  tels  que  les  gentils  avaient  coutume 
de  representer  les  magiciens  (Le  Blant).  Les  trois  missi<>naires  avaient  descendu 
le  Rhin  jusqu'ä  une  bourgade  d'Alsace,  quand  Maternus  mourut.  Les  conipagnons 
(Eucharius  et  Valerius)  reprirent  tristement  le  chemin  ä  Rome  ,  ils  en  revinrent 
40  jours  apres  avec  le  bäten  de  St.  Pierre,  et  lorsqu'ils  l'eurent  post?  sur  le  tom- 
beau  du  mort ,  le  mort  se  leva.  Apres  autant  d'annees  de  pontificat  (couime 
eveque  de  Cologne  et  de  Tougres),  qu'il  avait  passe  de  jours  dans  le  tombeau, 
comme  il  lisait  l'evangile  du  fils  de  la  veuve  de  Naim ,  c'est-ä-dire  celui  de  sa 
propre  resurrection,  Maternus  mourut  une  troisieme  fois,  pour  ne  plus  ressusciter 
qu'au  deruier  jour  (Ozanam).  Den  Kuchen  (des  Weihnachten)  buk  der  heilige 
Geist  im  Leibe  der  Jungfrau  Maria,  indem  sich  der  Zucker  seiner  Göttlichkeit 
mit  dem  Teige  unserer  Menschlichkeit  vereinigte.  Dort  im  Leibe  der  Jungfrau 
bereitete  der  heilige  Geist  auch  den  Math  aus  Gewürzen  und  aus  Wein,  das  Ge- 
würz ist  die  göttliche  Tugend,  der  Wein  das  menschliche  Blut,  auch  hat  der  hei- 
lige Geist  das  Ei  zersprengt,  aus  dem  der  heilige  Kapaun  hervorging  (s.  Bartsch), 
La  Pistola  que  es  desotz  escricha  fon  tramessa  a  sa  cara  seror  frayre  Matfre 
Frayres  Menre  la  festa  de  Nadal  et  apres  a  totz. 


XLVIII  Vorwort. 

densvoUen  Schmerz*)  des  Daseins,  das  Unglück  des  Seins  (nach 
Schelling),  zu  mildern  strebend. 

Als  Kern  des  buddhistischen  Moralsystems  liegt  seine  lei- 
tende Idee  darin,  dass  die  Menschennatur  verwandelt  und  ge- 
läutert werden  müsse,  um  sie  geschickt  zu  macheu,  die  Aether- 
regioueu  des  Psychischen  zu  bewohnen,  während  das  Ueber- 
wiegeu  sinnlicher  Strebungen  immer  fester  mit  der  Erde  zu- 
sammenklebe und  die  von  der  ürweisheit  Abirrenden  in  ihre 
Tiefen  hinabführe.  Ein  conventioneller  Maassstab  für  Gut  und  Böse, 
Gebote  und  Verbote,  giebt  es  im  Uebrigen  weiter  nicht.  Jeder 
kann  handeln**),  wie  es  ihm  beliebt,  aber  es  wird  ihm  gelehrt, 
dass  gewisse  seiner  Handlungen  verdienstliche  oder  Verdienst 
erwerbende  sein,  andere  dagegen  unverdieustliche,  dass  er 
also  mit  den  ersteren  ein  gutes  Geschäft  machen  würde,  und  dass 
sein  eigener  Vortheil*'^*)  ihre  Ausübung  verlange,  wenn  er  schon 
verständig  genug  ist,  dieses  einzusehen.  Der  Unverstand,  die  Un- 


*)  Hpgesias,  den»  Todesredner  {Tteiai&ävaTOs),  bei  dessen  Vorträgen  über  das 
irdische  I.tiden  und  das  im  Jenseits  zu  suchende  Glück  viele  Selbstmorde  vor- 
kamen, wurde  es  von  Ptolomäos  verboten  seine  Lehre  vorzutragen.  'O^fivg: 
Snb  Jiidaeornm  Judicibus,  snblato  Atheniensium  regno,  Orpheus  rlarus  erat  vir 
sapientissimus  et  mnltorum  mysteriorum  peritissimus.  Hiijns  etiam  feruntur  libri 
de  cognitione  dei,  in  quibus  praeter  alia  has  posuit  sententias ;  Aetherem  principio 
a  deo  conditum  fuisse,  ab  utraque  aetheris  parte  chaos ,  noctem  terribilem  omnia 
tennisse  et  occultasse  qnae  sub  aethere  erant ,  signiflcans  noctem  esse  priorem 
(dixit  summum  Aetherem  comprehendi  non  posse).  De  genere  humano  dixit,  ipsum 
itidem  ab  omnium  rerum  opiflce  deo  formatum  fuisse,  et  animam  accepiose  ratione 
praeditam.  secutus  Mosis  scripta.  Dixit  etiam  genus  humanum  esse  misernm  et 
multis  auimi  corporisque  calamitatibus  obnoxium  et  bonorum  malorumque  operum 
capax,  et  miseram  vitam  vivens  (Suidas).  Orpheus  lernte  in  Egypten  die  Lehre 
des  Moses  (Justin). 

**)  Nach  Hobbes  sind  Tugend  und  Laster  Regriffe  ,  die  nur  durch  die  will- 
kürliche Entscheidung  des  Staates  entstehen.      Tvftfia  rvfifiart  tlaat. 

***)  Nicht  durch  Moralpredigten  werden  die  Menschen  besser,  sondern  dadurch, 
dass  mau  sie  gesunder  macht  (v.  Holbach),  indem  ihnen  ihr  eigener  Vortheil  ge- 
zeigt wird.    Was  der  Natur  gemäss  wirkt,  ist  gut  (M.  Aur.). 


Vorwort.  .    XLIX 

wissenheit*)  (der  Zustand  der  Heiden  in  den  Zeiten  der  Gbä- 
hilija  nach  dem  Islam)  oder  die  Av^ixa  ist  folgerichtig  für  den 
Buddhismus  die  Wurzel  alles  Uebels.  Die  sich  zuerst  aus  dem 
Thierischen  zur  Menschenexistenz  erhebende  Seele  tritt  unwissend 
in's  Leben,  unwissend  und  stupide,  wie  die  unverständigen 
Tbiere,  die  Bruta.  Wenn  sich  allmälig  im  Laufe  neuer  Existenzver- 
änderungen der  Verstand  des  Menschen  aufzuhellen  beginnt,  wenn 
er  ein  geistiges  Auge  gewinnt,  die  Wahrheiten  der  Religion  zu 
verstehen,  dann  wird  es  ihm  bald  augenscheinlich  und  klar,  wie 
sein  offenbarer  und  handgreiflicher  Vortheil  darin  liegt,  in  der 
kurzen  Lebensfrist  die  als  verdienstliche  bezeichneten  Handlungen 
zu  üben,  um  dadurch  hunderttausend  von  Freudenjahren,  statt 
eben  so  langer  Epochen  der  Leiden,  zu  gewinnen  und  überhaupt 
dem  letzten  Ziele  näher  zu  rücken.  In  wieweit  es  sich  hierbei 
nur  um  Gutes,  das  des  Guten  wegen  geschähe,  handle,  hängt 
von  subjectiver  Interpretation  ab,  und  jedenfalls  betont  es  der 
Buddhismus  gerade  als  eine  natürliche  Folge  der  zunehmenden 
Läuterung**),  dass  es  der  veredelten  Natur***)  allmälig  zur  an- 
dern Natur  wird,  nur  gut  zu  handeln,  während  allerdings  die  in 


*)  Die  böse  Handlang  heisst  Sünde  oder  afia(>ria  oder  Abirrnng  d.  h.  von 
der  Regel  (s.  de  Wette).  Nach  Plato  ist  Niemand  freiwillig  böse,  indem  aller 
Frevel  aus  Unverstand  entsteht. 

**)  Eben  die  Bahn,  nach  der  das  Menschengeschlecht  zu  seiner  Vollkommen- 
heit gelangt,  muss  jeder  einzelne  Mensch  (der  früher,  der  später)  erst  durchlaufen 
haben ,  bemerkt  Lessing  in  der  Seelenwanderungs-Hypothese  (s.  Rössler).  Die 
Algonkin  meinen ,  vor  ihrer  Geburt  Thlere  bewohnt  zu  haben.  Non  solum  cum 
rationis  expertium  animantium  appetionibus  et  visioribus  conjunctionem  ineunt  et 
familiaritatem ,  sed  etiam  plantarum  aemulantur  motus  et  pulchritudines ,  prop- 
terea  quod  plantarum  quoque  adjunctas  habeant  proprietates,  habere  autem  etiam 
habitus  proprietates,  utpote  duritiem  Adamantis  (nach  Basilides)  die  Seelen; 
Sov  yaQ  St]  ymxas  VTtOTiSsrai  xal  ovrcos  cbv  rjfiiv ,  xad'a.TteQ  ol  UvSayo^eoc 
(s.  Cl.  AI.). 

***)  Es  ist  leichter  gut  zu  handeln,  als  sich  des  Bösen  zu  enthalten,  denn  das 
Gute  ist  dem  Menschen  eigeuthümlich  und  seine  Ausführung  ergiebt  Freude  (nach 
Bardesanes).    Belehrung  macht  den  Menschen  gut  (nach  Confutsius). 

Bastian,    Reise   VI.  ^ 


L  Vorwort. 

die  Menschennatur  erst  eintretenden  Wesen,  noch  wie  Kinder 
durch  Hinweisung  auf  Belohnungen  angereizt  werden  müssten, 
oder  überhaupt  unter  den  allegorischen  Ausmalungen  der  Himmel 
und  Höllen  zu  erziehen  sein.  Wenn  von  irgend  einer  Religion, 
würde  es  sich  gerade  von  der  buddhistischen  sagen  lassen,  dass 
das  Gute  seiner  selbst  willen  zu  üben  sei,  denn  die  sonst  immer  mit- 
wirkende Verführung  der  himmlischen  Belohnungen  kann  im 
Buddhismus  um  so  weniger  in  Frage  kommen,  da  die  wirklich 
Tugendhafteil  absichtlich  dahin  streben,  dieser  nicht  theilhaft 
zu  werden,  sie  vielmehr  zu  vermeiden,  um  desto  ungestörter  im 
Guthandeln  zu  verharren  und  desto  rascher  das  erstrebte  Ziel 
des  vollkommenen  Gutseins  zn  erreichen.  Hier  kann  insofern  von 
einem  Guten  um  des  Guten  willen  geredet  werden,  da  hier  allein 
der  sonst  stets  störende  Zwiespalt  gleichzeitiger  Belohnungen, 
mit  denen  man  liebäugelt,  fortfällt,  obwohl  natürlich  auch  dann 
das  Gute  nur  deshalb  des  Guten  wegen  geschieht,  weil  es  die 
Belohnung  in  sich  selbst  findet  (oder  zugleich  geistige  Freu- 
den, die  den  an  sinnliche  allein  Gewöhnten  unverständlich  sind, 
in  Aussicht  stellt).  Jene  rettende  Weisheit*)  des  Buddhismus, 
die  die  Avixa  oder  Dummheit  vernichtet,  begreift  aber  nicht 
etwa  die  Gelehrsamkeit,  deren  mit  irdischem  Tand  beschäf- 
tigtes Vielwissen  der  nach  Abstraction  strebenden  Seele  viel- 
mehr mancherlei  Hindernisse  in  den  Weg  legt,  sondern  einfach 
die  normale  Gesundheit  des  Menschenverstandes,  die  dem  Grössten 
und  Kleinsten,  für  den  Armen  leichter  für  als  den  Reichen,  zu- 
gänglich ist.    Die   Scala  der   guten  und  bösen  Handlungen**), 


*)  Mangel  an  Belehrung  (neben  Vernachlässigung  des  Guten  und  Hinneigung 
zum  Bösen)  führt  nach  den   Triaden  in  den  Strudel  der  Prüfungen  zurück. 

**)  Laotse  leitet  das  Böse  aus  der  p;rkennti!iss  des  Guten  ab,  die  Abgrenzung 
des  Guten  lässt  das  Laster  erst  hervortreten  (Plänckuer).  In  Leibuitz'  bester  Welt 
stützt  sich  das  Böse  nicht  auf  positive  Ursache,  sondern  auf  einen  Mangel  (causa 
deflciens).  Dem  damaligen  Weltsystem  gemäss  lag  für  Plato  das  Gute  in  der 
massvoll  beschränkten  Idee  gegenüber  dem  Bösen  des  Apeiron  oder  Unbegrenzten, 


Vorwort.  LI 

oder  der  verdienstlichen  und  verdienstwidrigen,  gliedert  sich  nun 
im  Buddhismus  nach  der  natürlichen  Anlage  der  Menschennatur, 
nach  dem  Widerstreit  des  sexuellen  und  psychischen  Poles,  der 
schon  im  Embryo  hervortretenden  Doppelheit  der  Geschlechts- 
organe und  der  Gehirnentwicklung,  die  nach  der  Geburt  mit  den 
Jahren  der  Mannbari^eit  in  eine  neue  Phase  eintritt.  Die  Hand- 
lungen der  Thiere  werden  vorwiegend  aus  der  Geschlechtssphäre 
regiert,  und  den  sinnlichen  Trieben,  die  mehr  oder  weniger  eng 
damit  zusammenhängen.  Aehnlich  verhält  sich  die  eben  erst 
aus  dem  Thierischen  abgelöste  Menschenexistenz  auf  ihrem  un- 
tersten Stadium,  wo  geistige  Ueberlegung  noch  ziemlich  macht- 
los ist,  eine  Determination  zu  erzwingen,  wenn  ihnen  gegenüber 
auf  der  andern  Seite  die  schwerer  wiegenden  Gründe  materieller 
Sinnlichkeit  die  Wagschale  hinabziehen.  Die  ganze  Erziehung 
des  Menschengeschlechts  beruht  darauf,  die  Entwicklung  und 
Ausbildung  des  psychischen  Poles*)  möglichst  zu  fördern  und  zu 
begünstigen,  so  dass  die  Wesenheit  in  jeder  neuen  Existenz**) 
mit  abgeschwächter  Sinnlichkeit  und  dagegen  mit  stärkerer  und 
vermögenderer   Geistesthätigkeit  geboren   wird,  um   schliesslich 


während  später  im  Ewig-Unendlichen  die  Gottheit  gesucht  wurde.  Wir  werden 
uns  des  Guten  als  sittlicher  Anforderung,  als  Pflicht  und  Gesetz  immer  nur  an 
seinem  Gegensatz  (dem  Bösen)  bewusst  (s.  Zeller). 

*)  Bonas  enim  animas  (xaza  Uldrcova)  supercoelesti  loco  relicto,  sustinuisse 
venire  in  hunc  tartarum  et  corpore  suscepto,  malorum  omnium ,  quae  ex  genera- 
tione  contrahuntur,  fuisse  participes  existimant  (Cl.  AI.).  Animae  per  angelos  in 
Uterum  immittuntur. 

**)  Res  autem  hapc ,  quae  mors  vocatur,  non  est  mors,  quippe  quae  nihil 
perire  facit,  sed  resolutio  (Servius).  Plato  betrachtet  den  als  Gewinn  zu  ersehnen- 
den Tod  als  einen  traumlosen  Schlaf.  Auch  das  im  Laufe  der  geistigen  Fort- 
bildung erworbene  Denken  ist  wieder  zu  überwinden,  denn  qui  äuget  scientiam, 
äuget  et  dolorem  (Koheleth).  In  Leibnitz'  Optimismus  besteht  die  grösste  Stei- 
gerung der  Thätigkeit  and  also  das  höchste  Glück  und  die  Vollkommenheit  des 
Menschen  darin ,  dass  sie  zu  einer  erhabeneren  Erkenntniss  gelange.  Des  que 
l'äme  a  re^u  l'instruction  par  l'iutelligence,  eile  desire  se  detacher  des  biens  mon- 
daius  (El-Chathibi)  nach  den  Uarrauiten  (Schmölders). 

D* 


LII  Vorwort. 

immer  mehr  und  mehr  durch  psychische*)  Motive  allein  zum  Han- 
deln bestimmt  zu  werden.  Die  Sinnlichkeit  centrirt  im  Geschlechts- 
system und  in  den  von  diesem  direct  ausgeübten  Functionen, 
von  diesem  Mittelpunkt  weitere  Sphären  umgreifend:  die  mit 
Wollust  verbundene  Grausamkeit,  die  gierige  Befriedigung  ma- 
terieller Genüsse,  welche  durch  üppige  Ernährungssäfte  das  Körper- 
liche kräftigen  und  zugleich  von  dieser  Basis  aus  den  zu  Ver- 
brechen führenden  Affecten  des  Hasses,  des  Zornes,  der  Rache, 
des  Neides  u.  s.  w.  Stütze  und  Macht  verleihen.  Es  muss  also 
dahin  gestrebt  werden,  den  Eiuüuss  dieser  animalischen  Regungen 
(der  Moho,  Lobo,  Toso,  des  Dummen,  Begehrlichen  **)  und  Leiden- 
schaftlichen) zu  brechen,  um  dem  Geistigen  freien  Spielraum  zu 
gewähren.  Excentrische  Richtungen  im  Buddhismus  haben  nun 
allerdings,  zur  consequenten  Ertödtung  aller  im  Sexuellen  wur- 
zelnden Laster,  gänzliche  Enthaltsamkeit  zur  Pflicht  gemacht, 
die  oft  ganze  Städte  in  die  Klosterbehausungen***)  ehelos  lebender 
Mönche  und  Nonnen  verwandelt  hat.  Eine  verständige  Mittel- 
richtung t)  wusste  indess  diese  Uebertreibungen  zu  vermeiden, 
ebenso    wie   schon    Gautama  die    des    ausmergelnden   Fastens 


*)  Der  üebergang  von  den  physischen  Kräften  des  Gehirns  zu  den  ent- 
sprechenden Thatsachen  des  Bewusstseins  ist  nicht  denkbar  (nach  Tyndall).  In 
Betreff  der  Zusammenziehung  der  thierischen  Muskel  ist  einerseits  die  chemische 
Thätigkeit,  andererseits  die  mechanische  gegeben  (s.  Beruard),  aber  das  verbindende 
Glied,   die  Art  der  Verwandlung  der  einen  in  die  andere,  fehlt. 

**)  Thomas  von  Kempen  betrachtet    die  Begierde    als  die  Wnrzel  aller  Sünde 
(in  den  sieben  Hauptlastern). 

***)  Paulus'  Ansichten  über  die  Ehe  müssten,  festgehalten  und  ernst  genommen, 
nothwendig  zum  Kloster  führen  (s.  Lang). 

f)  Die  Indier  leiten  putra  (puttra)  von  put  (Hölle)  und  trä  (schützen)  her, 
da  durch  Erzeugung  des  Sohnes  der  Vater  vor  der  Hölle  bewahrt  wird.  Nach 
Lassen  reinigt  der  Putra  (Sohn)  den  Vater,  den  er  von  der  Pflicht,  Kinder  zu 
zeugen,  befreit.  Liberum  a  liberamento  appellatum  volnnt,  quod  quasi  mares  in 
coeundo  per  ejus  beneflcinni  emissis  seminibus  libereutur,  quod  idem  Liber  mn- 
liebri  et  delicato  corpore  pingitur;  dicunt  enim  mnlieres  ei  attributas  et  vinum 
propter  excitendam  libidinem  (Isid.). 


Vorwort.  LIII 

brahmantische  Büsser,  die  dadurch  die  Geistesoperationen  selbst 
beeinträchtigten,  indem  nur  in  einem  gesunden  Körper  ein  ge- 
sunder Geist,  als  auf  physiologischer  Grundlage  wurzelnd,  zu 
leben  vermag.  Der  Buddhismus  verlangt  unumgänglich  ein 
aufrichtiges  Arbeiten  am  eigenen  Besserwerden.  Ein  Fehler, 
der  einmal  gemacht  ist,  kann  nicht  wieder  zurückgerufen  wer- 
den. Der  Schaden  ist  geschehen  und  muss  ausgebessert  werden, 
die  strafenden  Folgen  *).  können  nicht  ausbleiben,  sie  werden  zu 
erdulden  sein,  —  diesem  prädestinirten  Naturgang  vermag  Niemand 
zu  entlaufen,  aber  da  solche  Folgen  vorübergehende  sind,  so  muss 
der  ihren  Eintritt  Voraussehende  nun  sich  rasch  daran  machen, 
das  Gefehlte  durch  Besseres  zu  ersetzen  und  weiterem  Verderben 
vorzubeugen,  da  er  sich  dann  unter  den  ihn  unvermeidlich  tref- 
fenden Leiden  damit  trösten  kann,  dass  ihre  Dauer  nur  eine  kurze 
sein  wird,  verglichen  mit  der  der  Freuden,  die  nicht  ausbleiben 
werden.  Sonstiges  Klagen**),  jammervolle  Reue,  Entschuldigungen, 
Vorwürfe  sind  nicht  nur  nutzlos,  sondern  direct  schädlich,  da  sie 
die  besser  zu  verwendende  Zeit  ohne  Zweck  vergeuden,   denn 


*)  Was   der   Mensch    säet,    das    wird   er   ernten   oder   (buddhistisch)    dessen 
Frucht  wird  er  essen. 

**)  In  der  Selbsterkenntniss  (der  Busse)  giebt  es  nur  eine  Sünde,  das  „Fleisch- 
lichgesinntsein", die  Selbstsucht,  in  welcher  das  Individuum  sich  selbst,  die  Be- 
friedigung seiner  particnlaren  Wünsche  und  Neigungen,  seine  Lust  und  Glück- 
seligkeit zum  Angelpunkte  seiner  Bestrebungen  macht;  und  nur  eine  Tugend,  das 
„Geistiggesinntsein"  oder  die  Liebe,  welche,  das  eigne  Selbst  vergessend  und  ver- 
leugnend ,  das  ewig  Wahre  und  allgemein  Vernünftige  zum  einzigen  Zwecke  und 
Beweggrund  des  Willens  macht  (Lang).  Jesus  fasste  die  Sünde  seiner  Mörder 
unter  dem  Gesichtspunkt  der  Unwissenheit  auf  (sie  wissen  nicht,  was  sie  thun). 
„Die  Wahrheit  wird  euch  frei  machen."  Nach  Basilius  kann  für  die  nach  der 
Taufe  begangenen  Sünden  die  Vergebung  erst  nach  beschwerlichen  Bussübnngen 
erlangt  werden  (Schwane).  Es  kommt  keine  Gnade  in  irgend  eine  Creatur,  es 
sei  denn  durch  den  heiligen  Geist  (Basil.).  Mit  der  heiligenden  Gnade  beginnt 
die  Vergöttlichung  {d'ecaais)  der  Seele  (s.  Maximus).  Rene  ist  nie  ohne  Buss- 
gefühl,  also  der  erste  Schritt  zur  Besserung  (s.  Wuttke).  Die  Reue  hat  den  Eut- 
schluss  der  Erneuerung  zu  begründen  ,  aber  die  Busse  beginne  dann  sogleich  da- 
mit, activ  am    Besserwerdeu   zu  arbeiten. 


LIV  Vorwort. 

vielleicht  könnte,  wie  der  Buddhist  meint,  eine  Accumulation 
von  Tugenden,  wenn  man  eifrig  und  unermüdlich  dabei  ist,  noch 
vor  der  Ankunft  der  verfolgenden  Erinnyen  eine  solche  Fülle 
von  Verdienst*)  aufhäufen,  dass  dieselbe  als  eine  Schutzwehr 
gegen  jene  zu  dienen  vermöchte.  Eine  andere  wäre  jedenfalls 
nicht  denkbar.  Nur  der  im  Uebergang  zur  Buddhavollendung 
stehende  Weise  vermag  beim  Eintritt  in's  Nirwana  den  Zusam- 
menhang des  Alles  genügend  zu  durchschauen,  um  dergleichen 
Winke  zu  ertheilen.  In  dieser  Harmonie  zwischen  dem  Erleuch- 
teten, vor  dem  der  Trug  der  Maya-Welt  zerfliesst,  und  dem  Sein 
der  Dinge  gewinnt  der  Buddha  die  Bedeutung  der  Gottheit, 
durch  seine  harmonischen  Kräfte  das  All  erhaltend,  und  schon 
der  Heilige**)  auf  Erden  beeinflusst  wohlthätig  seine  Umgebung. 
Wer  durch  eifrige  Uebung  der  Kammattan  ***)  sich  von  der  Nich- 
tigkeit des  Irdischen  überzeugt,  die  immer  frisch  keimende 
Wurzel  desselben  in  sich  ertödtet  hat,  der  steigt  auf  den  Stufen  der 
Contemplation  zu  den  Pfaden  (Megga)  empor,  die  zu  den  Früchten 


*)  Die  Früchte  des  Tittham  Wetanija-kam  erwachsen  in  der  gegenwärtigen 
Existenz  (sonst  würde  es  als  Ahoiikam  ueutralisirt  werden),  die  des  üpacha  We- 
tanija-kam in  der  nächsten,  die  des  Oprapara  Wetanija-kam  nach  der  dritten 
Existenz.  Dnrch  Erlangung  von  Upakhathaka-kam  mögen  die  Verdienste  das 
Wirken  des  geschehenen  üebels  abschneiden. 

**)  Die  göttlichen  Menschen  (die  schwer  zu  erkennen  sind)  bedürfen  Nichts, 
denn  sie  haben  alles  zum  vollkommenen  Eigenthum  gewonnen  (Wäre  Alles  mein, 
was  Gott  je  geschaffen  hat,  das  gäbe  ich  Alles  den  Menschen  auf  einmal  dahin, 
um  es  zu  verzehren,  und  ich  thäte  es  mit  Fug  und  Recht,  denn  Alles  ist  sein). 
Dieser  Leute  Wirken  bringt  das  höchste  Heil  [Buddha's],  ihr  Wirken  aber  ge- 
schieht innerlich  im  Grunde  der  Seele.  Selig  das  Königreich,  in  welchem  diese 
Menschen  immer  weilen,  sie  schaffen  mehr  ewigen  Heiles  in  einem  Augenblick, 
als  alle  äusseren  Werke,  die  jemals  äusserlich  gewirkt  haben  (Meister  Eckhart). 
Der  geheiligte  Mensch  ist  das  Eude  des  absoluten  Processes,  in  ihm  und  durch 
ihn  kehrt  die  Gottheit  aus  ihrer  Offenbarung  in  sich  selbst  zurück  (s.  Lassen). 

***)  Cum  ad  mensam  accunibis  sit  tibi  ipsa  commestura  acerbae  illius  mensae 
recordatio,  cum  vermes  in  sepulcro  depascentur  artus  tuos  et  minus  voluptatis 
capies  (Gr.).     Beim  Zubettgehen  betrachte  das  Lager  als  Sarg  u.  s.  w. 


Vorwort.  LV 

(Phala)  fuhren,  mit  deren  Geuuss  sich  das  Nirvana  dem  Vollen- 
deten öflPnet. 

Ehrlich  contrastirt  mit  dem  buddhistischen  Mitleid,  als  pas- 
siver Liebe,  die  active  Liebe  des  Christenthums ,  die  sich  auf 
Freude  in  den  von  Gott  vollkommen  geschaffenen  Dingen  be- 
gründe, aber  wenn  auch  die  letztere  durch  edlere  Gefühlsströ- 
mungen*) das  Gemiith  erheben  würde,  so  muss  sie  doch  immer 
nur  auf  einzelne  Auserwählte  beschränkt  sein  (und  sich  dann 
unter  einer  philosophischen  Anschauung  moduliren),  wie  es  die 
Geschichte  des  Christenthums  beweist,  wogegen  die  des  Bud- 
dhismus für  ihre  bescheideneren  Anforderungen  auch  die  grosse 
Masse,  auf  die  die  Religion  zu  wirken  bestimmt  ist,  fähig  fin- 
det und  als  erstes  Zeichen  der  Gesittung  die  Barbarei  zu  mildern 
pflegt. 

Die  geistige  Thätigkeit  wird  unterbrochen  in  zwei  Arten, 
einmal  durch  den  Schlaf  (der  indess  zur  Erholung  dient  durch 
Ersatz  des  verbrauchten  Sauerstoffes),  und  dann  durch  die  sinn- 
liche **)  Lust  (die  die  Nerve'nkräfte  an  dem  dem  Gehirn  entgegen- 
gesetzten Pole  für  irdische  Fortzeugung  verbraucht),  so  dass  ein 
neuer  Kreislauf  der  Existenzen   die  Erlösung   aus   der  Leidens- 


*)  Ein  göttUcher  Geist  lehrte  die  Menschen  nachahmen  das  Göttliche,  so 
wissen  sie  nun  zwar,  was  sie  thnn,  aber  wissen  nicht,  was  sie  nachahmen  (nach 
Heraklit).  Auf  Sokrates'  Frage,  ob  der  Mensch,  der  ungerecht  handelt,  aaxfQovslv, 
gesunden  Sinnes  zu  sein,  scheine,  dass  er  unrecht  thut,  antwortet  Protagoras, 
dass  die  Meisten  dafür  hielten.  Das  Gerechte  ist  das  Zuträglichere  des  Stärkereu 
(nach  Thrasymachos). 

**)  Der  Eudämonist  macht  den  Geiiuss  des  Angenehmen,  der  Stoiker  dagegen 
Selbstveredelung  und  Befolgung  des  Pflichtgesetzes  zur  Bestimmung  des  Menschen. 
Als  Glückseligkeit  versteht  Helvetius  die  gröstmögliche  Summe  an  physischer  Lust. 
Alles  was  von  dem  lebendigen  Sein  der  Vernunft  in  der  Organisation  zu  der 
Gesammtwirksamkeit  der  Vernunft  im  irdischen  Sein  hingeht,  ist  (nach  Schleier- 
macher) das  Werden  des  höchsten  Gutes.  Aristones  finem  dicebat  esse  aZiacpo^iav, 
ex  scientia  vivere  posuit  Herillus  finem.  Avy.os  6  TTs^iTtazrjrixos  rrjv  a.Xi^d'ivfjv 
Xa^äv  Tr;s  yj^v/rje  relos  eleyyv  sivat,  Critolaus  perfectionem  viae  recte  fluentis 
xaza  fvaiv  (Cl.  AI.) 


LVI  Vorwort. 

weit  desto  weiter  hinausrückt.  Im  Auge*)  regen  sich  die  freien 
Denkoperationen  an,  während  diese  in  den  übrigen  Sinnesauf- 
fassungen mehr  oder  weniger  an  materielle  Stoflfumsetzungen 
und  daraus  fliessende  Empfindungen  geknüpft  werden.  Musika- 
lischer Rhythmus  wirkt  durch  seinen  Einklang  fördernd  auf  die 
Gemüthsstimmung  des  Allgemeinbefindens,  auch  leicht  aus  Muskel- 
bewegungen überspringend,  während  erst  aus  den  Gesichtsbildern 
der  deutliche  Gedankenbau  aufsteigt. 

Der  Buddhismus  unterscheidet  scharf  und  bestimmt  zwischen 
guten  und  schlechten  Handlungen,  zwischen  Tugend  und  Laster, 
zwischen  Recht  und  Unrecht.  Unter  beiden  giebt  es  kein  Com- 
promiss,  die  weissen  Wege  führen  nach  Rechts,  die  schwarzen 
nach  Links.  Das  Böse,  das  verübt  ist,  verlangt  seine  Sühne, 
der  Sünder  hat  jede  Hoffnung  auf  etwaige  Amnestie  hinter  sich 
zu  lassen,  für  ihn  giebt  es  keine  Gnade,  keine  Aussicht  auf  gut- 
müthige  Nachgiebigkeit,  die  sich  durch  zudringliche  Bettelei  und 
Geplärr  rühren  lasse  und  die  verdienten  Strafen  mildernmöchte. 
Von  dem  Bösen,  das  er  gesäet  hat , '  wird  der  Sünder  auch  die 
Frucht**)  zu  essen  haben,  wie  der  buddhistische  Spruch  es  be- 
sagt. Er  hat  gefasst  und  männlich  seinem  Verhängniss  ent- 
gegenzublicken,  das  ihn  unvermeidlich  erreicht,  keine  Macht  im 
Himmel  und  auf  Erden  vermag  des  Schicksals  eisernen  Gang  zu 
durchbrechen,  der  Urtheilsspruch  steht  fest,  ohne  Appellation, 
ohne  Ablass.     Doch  wenn  der   sündige  Mensch  jeder  Hoffnung 


*)  In  der  Wirkung  des  Lichtes  auf  photographische  Salze  geht  (in  der  Actine- 
scenz)  eine  physikalische  (nicht  eine  chemische)  Veränderung  vor  sich,  indem  die 
Molekülen,  auf  welche  das  Licht  gewirkt  hat,  ihre  Vibrationsbewegungen  (ihre 
lebendige  Kraft),  durch  Sympathie  mit  den  Lichtvibrationen  gesteigert  haben,  wie 
tönende  Körper  durch  einen  Ton  angeregt  werden,  der  in  Harmonie  steht  mit 
dem,  welchen  sie  anzugeben  fähig  sind  (s.  Lea). 

**)  Jede  Seele   haftet    für   das,    was    sie   gethan  hat    (im  Koran).     An    ihren 
Früchten  sollt  ihr  sie  erkennen. 


Vorwort.  LVII 

auf  specielle  Gimstbezeugimgen  *)  zu  entsagen  bat,  so  wird  ihm 
dagegen  in  dem  Vertrauen  auf  das  Walten  unbeugsamer  Gerech- 
tigkeit **)  eine  festere  und  sichere  Hoffnung  gewährleistet,  die  ihn 
vor  der  Verzweiflung  hülfloser  Vernichtung,  vor  der  Ewigkeit  der 
Strafen,  dieser  entsetzlichsten  Ausgeburt  religiöser  Verstandes- 
verwirrung, bewahren  muss.  Seine  Rettung  ist  nicht  durch 
Opfergaben  erkäuflich,  nicht  durch  Spruchgeplapper  erflehbar***), 
aber  eine  Rettung  liegt  in  seiner  Hand,  wenn  er  sie  ernstlich 
will;  ihn  belebt  die  Hoffnung  sich  zu  retten  durch  eigene  Kraft 
und  eigene  Tüchtigkeit  in  Ausübung  der  Tugend,  sobald  er,  ohne 
die  kostbare  Zeit  mit  Winkelzttgen  und  trügerischer  Selbsttäu- 
schung zu  verlieren,  durch  Anhäufung  guter  Handlungen  die 
schlechten  überwiegt  und  schliesslich  durch  zunehmende  Läute- 
rung reiner  und  tugendhafter  Gesinnung  die  Entstehung  jedes 
bösen  Gedankens  in  seinem  Naturell  zur  Unmöglichkeit  macht, 
ihn  anfangs  im  Keim  erstickt  und  ihm  dann  den  Boden  nimmt, 
auf  dem  er  überhaupt  keimen  könnte.  Eine  solche  Vollendung 
wird  nie  innerhalb  des  Cyclus  einer  einzigen  Lebensexistenz 
erreicht  werden.  Die  zuerst  in  der  Menschenwelt  ihre  Erschei- 
nung machende  Wesenheit  taucht  eben  auf  aus  den  tiefen  Schich- 
tungen  der  Thierreiche,  wo  sie  in  langen  Zeiten   dunkler  Un- 


*)  Debetar  bona  merces  operibns   hominum   bonis,   sed   non   debetur  gratia, 
qnae  ipsos  homines  operatur  bonos  ex  non  bonis  (Aug.). 

**)  The  holy  religion  of  Buddha  is  perfect  justice  ,  springing  from  a  man's 
own  meritorious  disposicion,  wie  es  der  Praklang  ausdrückt  (s.  Alabaster).  Die 
Brahmanyang  (im  Gegensatz  zu  den  Samanyang)^  begreifen  all  those  who  pray 
for  assistance. 

***)  Der  Determinismus  widerspricht  dem  christlichen  Begriff  des  Menschen, 
indem  „Begriffe,  welche  Sünde,  Busse,  Wiedergeburt,  Selbstverantwortlichkeit  auf- 
heben, dem  christlichen  Princip"  (s.  Lang)  widersprechen,  aber  nicht  dem  bud- 
dhistischen, das  nicht  Reue  will,  sondern  ein  Bessermachen,  das  allein  die  aus 
früheren  Ursachen  fehlerhafte  Natur  in  ihren  Handlungen  verbessern  kann ,  die 
durch  Entschuldigungen  eines  Nichthelfeukönnens  vor  den  bösen  Folgen  des  Bösen 
nicht  bewahrt  bleiben  würde. 


LVIII  Vorwort. 

wissenheit*)  ihre  Seelenwauderungeu  durchlaufen  hat.  Jetzt  zu- 
erst mit  einem  menschlichen  Körper  bekleidet,  ist  es  ihr  jetzt  zu- 
erst ermöglicht,  in  weiterer  Ausdehnung  Verdienst  zu  sammeln 
und  sich  für  Ersteigung  höherer  Stufen  vorzubereiten,  aber  das 
erste  Debüt  wird  meist  nicht  besonders  glänzend  ausfallen  und 
nur  einen  geringen  Nettogewinn  an  Tugendverdienst  übrig  lassen. 
Nun  folgt  eine  Vielfachheit  neuer  Einkörperungen,  deren  Natur 
stets  durch  den  vorwiegend  tugendhaften  oder  lasterhaften  Cha- 
rakter des  vorangegangenen  Lebens  bestimmt  wird**).  Jedes 
Böse  erhält  seine  Strafe,  jedes  Gute  seine  Belohnung,  wie  es 
der  gesetzliche  Zusammenhang  in  der  Harmonie  des  Dharma 
fordert.  Dieselbe  Wesenheit,  die  schon  so  weit  in  Tugeudan- 
sammlungen  fortgeschritten  sein  mochte,  um  das  beglückte  Leben 
eines  Fürsten  oder  das  heilige  eines  Priesters  auf  Erden  zu  führen, 
mag  dennoch  plötzlich  wieder  durch  eine  schwere  Sünde  so  tief 
gestürzt  werden,  um  nach  dem  Tode  in  einem  der  Höllenräume 
wiederum  aufzuleben  oder  sich  aufs  Neue  in  einem  Thierkörper 
eingekerkert  zu  finden.  Durchschnittlich  arbeitet  sich  die  Men- 
schennatur mühsam  und  beschwerlich  empor.  Der  geplagte  Leib- 
eigene oder  Sclave,  dem  seine  Herrendienste  nur  wenig  Zeit 
übrig  lassen,  seinen  Geist  und  somit  seine  Moralität  zu  cultiviren, 
kann  nur  verstohlen  hier  und  da  ein  Stückchen  Tugendverdienst 


*)  L'imperfection  des  organes  ue  permettant  pas,  dans  l'enfance,  iin  grand 
developpement  d'idees,  cet  äge  est  celui  d'une  sorte  d'imbecillite  folätre,  mais 
c'est  pr^cisement  de  la  legerste  des  id^es,  qne  produisent  dans  les  premiers 
temps  de  la  vie  les  impressions  venant  de  l'ext^rieur,  que  la  raison  humainc 
acquiert  par  la  suite  sa  plus  grande  force,  de  ce  qoe  l'eufant  est  oblig^  de  leve- 
uir  un  grand  nombre  de  fois  sur  les  memes  choses',  pour  se  les  inculquer  il  les 
sait  mleux,  quand  sa  memoire  est  parvenu  ä  se  les  appropier,  et  de  lä  ces  babi- 
tudes,  qu'on  a  tres  ä  propos  appel^es  une  seconde  natura ,  mais  qu'on  a  eu  tort 
de  regarder  comme  dötermin^es  uniquement  par  l'instinct  (Dumeril). 

**)  Der  empirische  Charakter  ist  unfrei,  der  Mensch  aber  ist  verantwortlich 
(nach  Kant),  indem  der  empirische  Charakter  nur  die  endliche  Erscheinung  des 
intelligibileo  ist  (s.  Rössler). 


Vorwort.  LIX 

bei  Seite  legen,  aber  er  hütet  diesen  Schatz  um  so  sorgsamer 
und  eifriger,  je  mehr  er  den  Trieb  in  sich  fühlt,  seine  qualvolle 
Existenz,  die  Prüfungszeit  des  Lebens  (nach  Kant),  los  zu  wer- 
den und  im  nächsten  Leben  *;  mit  einer  besseren  zu  vertauschen 
(obwohl  er  dieses  erwünschte  Ziel  nicht  etwa  durch  den  Selbst- 
mord**), der  alle  seine  früheren  Tugendverdienste  aunulliren 
würde,  beschleunigen  könnte).  Mitunter  mag  selbst  dieser  vom 
Leben  ungünstig  Gestellte  Gelegenheit  haben,  eine  so  besonders 
verdienstvolle  Handlung  zu  üben,  dass  er  sich  nach  dem  Hin- 
scheiden in  einen  der  Freudenhimmel  versetzt  sieht  und  dort 
längere  Zeitepochen  der  Seligkeit  geniessen  kann.  Mit  solch 
sinnlicher  Ergötzung  ist  aber  natürlich  seine  geistige  Ausbildung 
nicht  abgeschlossen,  vielmehr  im  Gegentheil  manchmal  gehindert, 
denn  die  nach  Erschöpfung  des  Tugendverdienstes  aus  dem  Himmel 
auf  die  Erde  zurückkehrenden  Menschenseelen,  bewahren  manch- 
mal noch  Reste  ***j  göttlichen  Stolzes  und  Anmassung,  wodurch 
sie  sich  das  nächste  Mal  beim  Existenzwechsel,  statt  zu  den 
Palästen  der  Maharaja  aufzusteigen,  in  die  Folterkammern   der 


*)  Im  Zusammenhang  mit  der  Lehre  von  der  Seelenwanderung  (tanäsuh) 
unterschied  Ahmad  ben  Habit  fünf  Stufen  des  überirdischen  Lebens,  wovon  zwei 
dem  Paradies,  drei  der  Hölle  angehören  sollten ,  nnd  das  Schauen  Gottes  wurde 
auf  das  Schauen  der  ersten  Vernunft  bezogen  (s.  Steiner).  Die  Religion  der  Ui- 
guren  war  die  der  Kames  oder  Zauberer,  bis  'dieselben  durch  die  vom  Khan  von 
Khitay  gesandten  Lamas  überwältigt  und  zum  Buddhismus  bekehrt  wurden.  „Sie 
sagen,  dass  ihre  Seelen  Tausende  von  Jahren  lebten  und  durch  Leiber  von  Thieren 
hindurchgehen"  (Atta-melik  Djouveini).  Die  Lehre  der  Seelenwauderung  bestand  bei 
den  Mazdakijah  (unter  den  Magus),,  bei  den  Brahmanen  (unter  den  Indern)  und  bei 
den  Ssabiern  unter  den  Philosophen  (nach  Shahrastani).  Ebenso  bei  Kelten, 
Preussen,  Geten  u.  s.  w.  Jeder  Mensch  kommt  so  oft  wieder,  bis  er  die  höchste 
Stufe  der  Speculation  durch  eigene  Anstrengung  oder  Leiden  erlangt  (Guhrauer). 
**)  Die  Selbstmörder,  die  Aeneas  (bei  Virgil)  vor  den  traurigen  Feldern  um- 
herschweifen sieht,  sehnen  sich  vergebens  in  das  Leben  zurück ,  das  sie  unüber- 
legt verlassen. 

***)  Gewissermassen  in  Folge  eigener  Sünden  hereditär  belastet,  wie  es  bei  den 
Geistesstörungen  von  Griesinger  im  Sinne  der  Abstammung  und  Vererbung  ausgedrückt 
wird.    Nach  Neumann  sind  mehr  die  Membranen  erkrankt,  als  die  Hirnsubstanz. 


LX  Vorwort. 

Naraka  geführt  sehen.  Verständige  Denker  vermeiden*)  deshalb 
auch  lieber  die  unter  Maras'  Einfluss  stehenden  Sinnenhimmel 
und  suchen  sich  durch  exstatische  Uebungen  sogleich  in  eine  der 
philosophischen  Brahmanenterrassen**)  zu  versetzen,  wo  sie  besser 
an  ihrer  endlichen  Erlösung  (die  mit  völliger  Reife  in's  Nirwana 
eintritt)  weiter  arbeiten  können.  Die  Einheit  der  mit  den  Seelen- 
wanderungen wechselnden  Existenzen  sind  im  Kamma***)  oder 
Karma  (dem  Handeln)  zusammengehalten,  und  nach  dem  Ueber- 
wiegen  des  Guten  oder  Bösen  in  demselben  günstig  oder  un- 
günstig gestaltet.  Auch  dem  Buddhisten  ist  die  Seele  eine  im 
eigenen  Bewusstsein  verantwortliehe,  aber  sie  ist  nicht  Substanz 
(im  Sinne  Spinoza's),  sondern  eine  unter  dem  Zwang  der  morali- 
schen Verantwortlichkeit  stets  neu  entwickelte  Entelechie. 

Insofern  als  Aufgabe  des  Menschen  die  Ausbildung  seines 
Geistes  zu  betrachten  ist,  wird  die  absichtliche  oder  fnach  bud- 
dhistischer Ansicht)  in  Folge  früherer  Verkettung  stattfindende 
Vernachlässigung  desselben,  ihre  Strafe  zu  empfangen  haben, 
und  dem  Dummen  also  keine  Klage  zustehen,  wenn  der,  wie 
Schlangen,  Kluge,  der  seine  Pflichten  f)  emsiger  erfüllt  hat,  über 
ihn  herrscht.  Ist  der  Kluge  in  seinen  Rechnungen  perfect,  so 
mag  er  die  von  ihm  verwendbaren  Vortheile  in  vollster  Ausdeh- 


*)  Et  si  quis  potentior  hoc  in  muudo  vel  per  honorem  superior  in  ordine, 
hie  gravius  peccata  emendet  et  omnia  malefacta  carius  compenset  (Conc.  Cleuhaui. 
Wilk.).  If  a  thane  had  higher  privileges,  he  was  in  consequence  obnoxious  to 
severer  punishments,  than  a  ceorl  (Heywood). 

**)  Le  latin  crimen  est  un  correlatif  da  Sanscr.  karman  (oeuvre  en  general), 
bonne  ou  mauvaise ,  de  la  rac.  kr,  kar,  facere  au  passif  kriyate  et  conservee  dans 
creo  (facinus  de  facto,  et  le  sacr.  äpas,  pechö,  etait  religieux,  äpas,  opus).  Kar 
devient  kri  ä  la  flu  de  quelques  compos^s  (s.  Pictet). 

***)  Per    contemplationem   velut    in    coelo  sunt,    et    descendunt,    cum    doceiit 
(Greg.)  doctores  Ecclesiae. 

f )  The  true  path  of  safety  will  be  found  in  educating  the  people,  in  teaching 
them  to  discriminate  between  evils  referable  to  the  imperfection  of  human  insti- 
tutioDs,  and  therefore  remediable ,  and  such  as  arise  in  the  order  of  Providence 
(Porter). 


Vorwort.  LXI 

nung  benutzen,  da  sie  nur  zu  seinem  Besten  und  dem  seiner 
Nebenmenschen  ausschlagen  werden.  Ein  klares  Verständniss 
wird  stets  zu  einem  harmonischen  Einklang  mit  dem  Weltganzen 
streben,  also  die  Wahrheit  verlangen  und  deshalb  den  Charak- 
ter*) des  vollkommen  Verständigen  oder  Klugen,  als  Weisen, 
mit  dem  des  Guten  verknüpfen.  Die  gewöhnliche  Sorte  der 
Weltklugen  freilich  sind  die  kurzsichtigen  Superklugen,  die  sich 
durch  ihre  Rechnungsfehler  selbst  zu  Grunde  richten,  saving  pennies 
and  loosing  pounds.  Sie  sind  verständig  genug,  Verbrechen  zu  ver- 
meiden, da  sie  ihre  Schwäche  fühlen,  dem  Staat  gegenüber,  der 
solche  verbietet,  und  also  wissen,  dass  sie  dem  Stärkeren  (wenn 
es  auch  möglich  wäre,  sich  seinen  Augen  eine  Zeit  lang  zu  ent- 
ziehen), schliesslich  doch  immer  unterliegen  müssen.  Dagegen  mag 
es  ihnen  in  Privatangelegenheiten  oft  erlaubt  scheinen,  ein  kleines 
Profitchen  zu  machen.  Zu  einem  solchen  Verständigen  komme 
ein  Unverständiger,  um  ihn  in  einer  Angelegenheit  um  Rath  zu 
fragen,  die  mancherlei  Gefahren  für  ihn  einschliesst,  zugleich  aber 
Vortheile  für  den,  der  sie  zu  benutzen  versteht.  Der  Klügere 
verhehlt  ihm  die  Bedenken  nicht  ganz,  er  deutet  an,  was  folgen 
könne,  aber  doch  in  einer  Weise,  dass  der  Unverständige  aus  sei- 
nem eigenen  Verstand  aufsteigende  Besorgnisse  wieder  beschwich- 
tigt und  sich  in  die  Gefahr  begiebt,  in  der  er  umkommt.  Direct 
und  rechtlich**)  könnte  der  Rathgeber  nicht  zur  Verantwortung 
gezogen  werden,  und  obwohl  Solche,  die  die  Verhältnisse  genau 
kennen,  sich  verpflichtet  fühlen  mögen,  solche  doppelte  Zweideu- 


*)  Je  heller,  reiner  nnd  deutlicher  die  Wissenschaft  eines  Menschen  ist,  je 
mehr  Vergnügen  giebt  sie  der  Seele,  und  je  stärker  ist  sie,  den  Willen  zu  lenken 
und  von  Abwegen  abzuhalten  (Mosheim),  aber  „Selig  sind,  die  arm  an  Geist  sind." 

**)  Schon  sind  wir  der  Zeit  nahe,  wo  Diebstahl  und  gesetzwidriger  Betrug 
als  pöbelhaft,  gemein  und  ungeschickt  verachtet  werden  von  dem  gewandteren 
Spitzbuben,  der  seine  Verbrechen  an  fremdem  Eigenthum  mit  dem  Buchstaben 
des  Gesetzes  in  Einklang  zu  bringen  weiss  (s.  Hartmann). 


LXTI  Vorwort. 

tigkeit*}  als  unmoralisch  zu  brandmarken,  mag  es  Anderen 
doch  scheinen,  dass  Alles  ganz  vernünftig  abgelaufen  sei,  da 
sieh  das  Geld  des  Unverständigen,  dessen  Verlust  ein  gleich- 
gültiger sei,  jetzt  in  besseren  Händen  befinde.  Hätte  sich  der 
Kluge  noch  auf  so  niedriger  Stufe  des  Verständnisses  befunden, 
dass  seine  überlegene  Klugheit  von  ihm  dazu  benutzt  wäre,  dem 
Anfragenden  alle  Gefahren  zu  verdecken  und  ihn  geradezu  in 
das  Verderben  zu  senden,  so  würde  er  in  Folge  kluger  Feinheit 
ausnehmend  unklug  **)  gehandelt  haben,  denn  (abgesehen  von  dem 
Zweifelhaften,  ob  der  als  möglich  vorausgesehene  Ausgang  über- 
haupt einträte),  läge  er  jetzt  den  Gefahren  offen,  dass  durch 
Mittheilungen  der  Betheiligten  oder  andere  Zufälligkeiten  seine 
schändliche  Falschheit  an  das  Licht  träte  und  er  einer  allge- 
gemeinen  Verachtung  anheimfalle,  für  die  der  Erwerb  von 
Glücksgütem  nur  eine  schwache  Recompensation  sein  würde. 
Doch  auch  im  ersteren  Falle  hat  der  Kluge  nur  mit  einem  sehr 
geringen  Grade  des  Verständnisses  gehandelt,  indem  er  seinen 
innigen  Zusammenhang  mit  der  Natur,  die  einzig  natürliche 
Grundlage  der  Existenz  (sein  ewiges  Heil  in  der  Sprache  reli- 
giöser Anschauung),  für  immer  (oder  doch  auf  so  lange  Zeit 
hinaus,  dass  sie  nach  unserer  Zeitauffassung  als  ein  Immer  er- 
scheinenmag) zerrissen  hat,  eines  temporären***)  Vortheils  wegen, 
dessen  Erlangung,   an  und  für  sich   schon   unbestimmt,  jeden 


*)  Keine  sehr  strenge  Strafe  erfolgt  auf  ünwahrhaftigkeit.  Zu  allen  Zeiten 
und  in  allen  Ländern  ist  Unwahrheit  in  der  Liebe  für  erlaubt,  im  Kriege  fast 
für  lobenswerth  gehalten ,  und  heutzutage  ist  sie  bei  der  Mehrzahl  der  Menschen 
im  Handel,  in   Geschäften  und  in  der  Speculation  gestattet  (Wallace).   1870. 

**)  As  the  working  people  get  more  Information,  they  get  better  habits  (Place). 
Kvery  class  above  another  teaches  that  below  it,  the  .journeyman  tradesman  is 
above  the  common  labonrer,  and  manners  descend  from  class  to  class. 

***)  Wäge  gegen  den  irdischen  Verlust,  der  dir  durch  die  Erfüllung  eines  Ge- 
botes ersteht,  den  dadurch  erworbenen  himmlischen  Lohn  ab  und  den  durch  eine 
üebertretnng  erlangten  Gewinn  gegen  die  ihm  folgende  Strafe  (heisst  es  in  der 
Mischnah  des  Talmud). 


Vorwort.  LXIII 

Augenblick  wieder  genommen  oder  durch  den  eigenen  Tod,  über 
dessen  Eintritt  Niemand  Controle  besitzt,  gänzlich  abgeschnitten 
werden  kann.  Dieser  Riss  ist  aber  eingetreten  durch  ein  Han- 
deln, das,  als  mit  sich  selbst  unwahr,  einen  quälenden  Wider- 
spruch hervorruft.  Allerdings  war  von  ihm,  indem  er  seinen 
vorsichtigen  Rath  abgab,  keine  directe  Ltige*)  ausgesprochen. 
Er  hat  Alles,  was  ihm  der  Verstand  eingab,  consultirt,  und  seine 
Antwort  in  solcher  Weise  gefasst,  dass  er  für  jeden  in  derselben 
gebrauchten  Ausdruck,  seine  Erklärung  und  Entschuldigung  be- 
reit hat,  von  Niemandem  ihretwegen  zur  Rechenschaft  gezogen 
werden  kann.  Der  Verstand  macht  aber  nur  einen  Bruchtheil 
der  menschlichen  Wesenheit  aus,  die  ihrer  grösseren  Hälfte  nach 
von  dem  Gemüth  dominirt  wird,  dessen  unklare  Eindrücke  aller- 
dings mehr  und  mehr  durch  deutliche  Zergliederung  in  die  be- 
stimmten Vorstellungen  des  Verstandes  übergeführt  werden  sollen, 
das  indess  noch  immer  den  Schwerpunkt  der  grösseren  Masse 
auf  seiner  Seite  hat  und  also  vor  Allem  um  seine  Zustimmung 
befragt  werden  muss,  wenn  der  Mensch  in  seinen  Handlungen 
sich  einheitlich  wahr  zu  bleiben  wünscht.  Das  Gefühl  würde 
nun  aber  aus  den  überall  die  Natur  durchwaltenden  Gesetzen 
der  Mitleidenschaft  denRathgeber  dazu  geführt  haben,  mit  allen 
ihm  zu  Gebote  stehenden  Argumenten,  mit  der  ganzen  Kraft  der 
Ueberzeugung  seinen  unvorsichtigen  Freund  zu  warnen  und  die 
Ausführung  der  Pläne   desselben   zu  hindern.     Er  hat  sich   nun 

*)  Je  nach  dem  Znstande  des  Geistesverkehrs  leidet  die  Wahrhaftigkeit  Still- 
stehnng  oder  Beschränkung,  entweder  durch  Stillschweigen  oder  Leugnen  (falsilo- 
quium)  oder  Lüge  (mendacium) ,  womit  die  Verstellung  zusammenhängt.  Mehr 
oder  weniger  kann  sie  stillgestellt  werden  da,  wo  der  Sprachverkehr  durch  fremde 
Schuld  gestört  ist,  in  Fällen  des  Krieges  oder  der  Nothwehr  oder  Solchen  gegen- 
über, welche  die  Wahrheit  feindselig  oder  übelwollend  oder  unzart  oder  unklug 
missbrauchcD,  oder  auch,  wo  der  Sprachverkehr  durch  die  Schwäche  der  Erkennt- 
niss  und  Gemüthskräfte  Anderer  nicht  vollständig  statthat  (mendacium  offlciosum). 
Hieran  schliesst  sich  die  Anbequemung  im  Unterricht  und  in  der  Erziehung, 
welche  theils  negativ  (verschweigend)  ist,  theils  positiv  (De  Wette), 


LXIV  Vorwort. 

nicht  nur  des  Genusses,  der  in  solcher  Selbstgenug-thuung  liegt, 
beraubt;  sondern  sich  auch  für  alle  spätere  Zeit  seines  Lebens  den 
Peinigungen  reuiger  Gewissensbisse  *)  hingegeben,  die  zwar  mit- 
unter durch"  geräuschvolle  Lebensereignisse  unterdrückt  werden 
können,  aber  dann  immer  gerade  in  solchen  stillen  Augenblicken 
der  (Jedem  möglicherweise  bevorstehenden)  Krankheit  oder  des 
Elendes,  wo  sie  am  quälendsten  sind,  wieder  hervorbrechen. 
Und  alles  dieses  für  die  vorübergehende  Lust  sinnlicher  Befrie- 
digungen ,  die,  wenn  überhaupt  im  verwickelten  Gange  mensch- 
licher Geschicke  zu  erhaschen,  für  ihre  mehr  als  momentane 
Dauer  nicht  die  geringste  Garantie  geben  können. 

Der  Gewohnheitsverbrecher  wird  die  Erinnerung  an  ein 
Capital-Verbrechen  mühelos  abschütteln  und  völlig  fühllos  sein 
für  den  Stachel  kleinerer  Vergehen,  die  einen  sensitiver  Organi- 
sirten  **)  bis  an  sein  Lebensende  martern  mögen.  Eine  Verglei- 
chung  zwischen  den  hier  zugefügten  Strafen  ist  eben  so  wenig 
zu  ziehen,  wie  zwischen  den  Freuden,  für  die  der  Eine  oder  der 
Andere  empfänglich  ist,  und  die  Beide  mit  durchaus  verschie- 
denem Maassstabe  messen.  In  ihrem  eigenen  Existenzkreis  ge- 
nommen, mag  die  rohe  Natur  eine  relativ  glücklichere  erscheinen, 
während  sie   auf  der  Scala   der  Veredlung   eine   tiefere   Stufe 


*)  Der  (religiöse)  Mensch  im  Sinne  des  Christenthums  ist  (nach  Lang)  der- 
jenige, welcher  den  Geist  als  das  Göttliche ,  als  sein  wahres  Wesen  erkannt  hat 
und  darnm  seine  sittliche  Aufgabe  darin  sucht,  dieses  geistigen,  unendlichen  Ge- 
haltes seiner  Persönlichkeit  durch  Befreiung  desselben  aus  den  trübenden  Um- 
hüllungen der  Sinnlichkeit  und  Natürlichkeit,  also  durch  Selbstverleugnung,  Busse 
und  Wiedergeburt  habhaft  zu  werden ;  es  ist  derjenige,  dem  es  vor  Allem  darum 
zu  thun  ist,  seine  Seele  zu  retten,  der  diesen  Gewinn  für  höher  und  wichtiger 
ansieht,  als  den  Gewinn  der  ganzen  Welt  ausser  ihm,  der  darum  Alles,  was  welt- 
lich, zeitlich  und  irdisch  ist,  die  Schicksale  seines  Lebens,  die  Güter  und  Leiden 
der  Erde  nur  auf  dasjenige  ansieht,  was  sie  ihm  als  Mittel  für  die  Erfüllung  sei- 
ner höchsten  menschlichen  Aufgabe  leisten  können ,  dem  daher  als  einem  Gott- 
liebenden  Alles  zum  Guten  ausschlagen  muss. 

**)  „Ein  grosser  Kopf  hat   grosse  Sorgen,"    wie    das  ?agataiische    Sprichwort 
sagt  (s.  Vambery). 


Vorwort.  LXV 

einnimmt,  von  der  aus  sie  noch  zu  den  höheren  aufsteigen  und  also 
mit  zunehmender  Empfänglichiieit  auch  alle  die  dort  fühlbar  wer- 
denden Schmerzen*)  zu  erdulden  hat.  Je  heftiger  und  reissender 
sie  wühlen,  desto  näher  steht  das  heiss  ersehnte  Ende.  —  Die  ge- 
sundheitsmässige  Entwicklung  des  Normalmenschen  führt  im 
Einklang  mit  den  allgemeinen  Gesetzen  zum  Guten  und  Schönen, 
in  der  vollendeten  Eeife  des  Wachsthums,  nicht  also,  wie 
Shaftesbury  meint,  weil  die  Triebe  selbst  gut**)  seien,  da  diese 
vielmehr,  im  Gegensatz  des  Unvollkommenen  zum  Vollkommenen, 
als  böse  aufzufassen  sein  würden.  Der  Entwicklungsgang,  den 
der  menschliche  Geist  in  den  verschiedenen  Culturkreisen  ge- 
nommen, wird  uns  das  Richtige  lehren,  nicht  als  subjectiv  be- 
liebte Ansicht,  sondern  als  noth wendiges  Resultat  eines  Calculs, 
das  (nach  J.  Bernouilli's  Auffassung)  die  Kenntniss  als  Grösse  setzt, 
die  Gewissheit  als  das  Ganze  dieser  Grösse  und  die  Wahrschein- 
lichkeit als  Bruchtheil,  Wie  die  Constanten  astronomischer  For- 
meln müssen  die  numerischen  Werthe  der  Rechnungsmethoden 
den  Beobachtungen  entnommen  werden,  und  setzen  also  eine 
bestimmte  Masse  angesammelter  Materialien  in  der  Psychologie 
voraus,  wie  sie  nur  die  ethnologischen  Thatsachen  zu  liefern  ver- 
mögen. In  einer  Zeit,  wo  wir  den  Durchschnittsmenschen  als 
Maassstab  nehmen,  bedürfen  wir  einer  Methode,  gleich  der  Theorie 
des  probabilites,  qui  n'est  au  fond  que  le  bon  sens  reduit  au 
calcul,  und  in  allen  Inductionswissenschaften,***)  in  der  Pflanzen- 


*)  Wachsen,  sich  entwickeln,  körperlich  und  geistig,  heisst :  leiden ,  denn  es 
setzt  ein  Abwerfen  von  verbrauchten  Stoffen  voraus,  die  bisher  einen  Bestandtheil 
des  Körpers  oder  des  Geistes  aTisgemacht  haben,  und  dies  ist  immer  mit  Schmerz 
verbanden.  Die  geistige  Entwicklung  setzt  ein  Bekämpfen  und  Wegwerfen  von 
Leidenschaften  oder  Vorurtheilen  voraus,  jeder  Kampf  aber  ist  ein  Leiden  (Lang). 

**)  Wie  Rousseau  ging  die  Schule  der  Humanisten  oder  Philanthropisten  von 
der  natürlichen  Güte  des  Menschen  aus.  lÄXXd  firjv  dyad'ol  ye  xal  onovSatoi 
yrjvovrai  Sid  xqlwv,  t«  TQia  Se  zavra  iari  yvais,  e-d'os,  ^oyos  (Aristoteles). 

***)  In  kritischer  Sichtung  führt  die  Induction  zu  den  Naturgesetzen- 
J.  Herschel   vergleicht   den  Sprung  von  hoher  Wahrscheinlichkeit  zur  bestimmten 

Bastian,   ßeise     VI.  £ 


LXYT  Vorwort. 

Physiologie  sowohl,  die  von  den  Kryptogamen  zu  den  Schmnck- 
blumen  aufsteigt,  wie  in  der,  im  kindischen  Gefasel  der  Natur- 
völker bereits  die  Keime  der  höchsten  Cultur-Ideen  entdeckenden, 
Ethnologie*),  wiederholt  sich  der  Weg,  qu'une  science,  qui  a 
commence  par  la  consideration  des  jeux  se  soit  elevee  aux  plus 
importans  objets  des  connaissances  humaines. 

Die  Frage,  ob  die  Leiden  eines  Unglücklichen  die  Folgen 
eigener  oder  elterlicher  Sünde  seien,  verliert  im  buddhistischen 
System  den  Stachel  der  Verletzung,  die  pharisäische  Schein- 
heiligkeit für  den  Betroffenen  involvirt.  Es  ist  zunächst  nur  die 
factische  Anerkennung  eines  bestehenden  Defectes,  der  als  sol- 
cher überhaupt  nicht  weggeleugnet  werden  kann,  so  wenig  wie 
ein  Kranker  sich  gesund  zu  stellen  vermag,  wenn  man  ihn  früge : 
war  es  deine  Schuld,  die  dir  diese  Erkältung  oder  diesen  Sturz 
zugezogen  hat,  oder  war  es  die  Schuld  der  Eltern,  die  dich  als 
Kind  fallen  Hessen  oder  eine  aus  Unvorsichtigkeit  in  ihnen  ein- 
gewurzelte Krankheit  auf  dich  vererbten.  Diese  Schuld**)  auf 
moralischem  Gebiete  erscheint  dem  Buddhisten  als  Sünde,  gleich- 
falls als  eine  Störung***)  in  der  Weltordnung,  von  deren  harmoni- 
schem Zusammenhang  sie  eben  deshalb  zeugt,  weil  sie  im  Gegen- 


Gewissheit    mit   dem  Uebereinanderschieben    angenäherter    Bilder   im   binocularen 
Sehen. 

*)  Si  nous  Youlons  acqu^rir  la  counaissance  des  lois  generales  auxquelles  las 
facultes  morales  sont  soumises,  nous  devons  reunir  des  observations  an  assez  grand 
nombre  ponr  que  tont  ce  qui  n'est  pas  purement  accidentel  s'en  trouve  elimin^ 
(Quetelet).  Nous  devons  perdre  de  vue  l'homme  pris  isol<?ment ,  et  ne  le  consi- 
dörer  que  comme  une  fraction  de  l'esp^ce. 

**)  Der  rächende  Geschlechtsdämon  (o  Saifiwv  yevpas),  welcher  durch  die 
grauen-voUe  Schuld  des  Ahnherrn  auf  ein  ganzes  Geschlecht  herabgernfen  wurde, 
war  (bei  Aeschylos)  der  Ausdruck  für  die  Vorstellung,  dass  aus  der  Schuld  des  Ur- 
ahns her  die  Neigung  zum  Frevelhaften  sich  in  allen  Nachkommen  fortpflanze 
(s.  Dronke). 

***)  Dass  man  von  den  Störungen  (in  Folge  der  Sünden  der  Menschheit)  ver- 
schont bleiben  kann  durch  ein  rechtschaffenes  Leben,  lehren  die  Serer  (Recogn. 
Clem.). 


Vorwort.  LXVR 

satz  als  Defect  auffassbar  bleibt;  so  dass  dann  erst  möglicb  ist 
von  einer  Gerechtigkeit  zu  sprechen,  wenn  in  der  That  jedes 
Glück  und  jeder  Unglücksfall  seine  natürliche  Wurzel  hat.  Die 
Anerkennung  etwaiger  Sünde  und  deshalb  folgenden  Unglücks  hat 
für  die  Buddhisten  in  sofern  nichts  Beschämendes  oder  Beleidigen- 
des, weil  eben  jeder  Andere  in  dem  gleichen  Falle  ist,  und  der 
in  diesem  Leben  in  grösster  Pracht  Schwelgende  deshalb  keine 
Sicherheit  besitzt  nach  dem  Tode  vielleicht  nicht  unter  den  elen- 
desten Verhältnissen  wiedergeboren  zu  werden,  als  Sühne  für 
Etwas,  was  nicht  gerade  jetzt  begangen  ist,  sondern  schon  in 
früheren  Generationen,  aber  trotz  aller  folgenden  Tugendhand- 
lungen noch  nicht  völlig  getilgt  war.  Wird  die  ganze  Anschauung 
menschlicher  Wechsel  auf  einen  einzigen  Lebenslauf  zusammen- 
gedrängt, so  kann  die  Ausgleichung  nur  schwer  in  einen 
Himmel  verlegt  werden,  in  dem  sich  keine  Abstufungen  finden 
(doch  aber  vielleicht  viele  Wohnungen),  die  Buddhisten  dagegen 
fühlen  sich  alle  an  dem  Rade  des  Kreislaufes  umherschwingen, 
das  sie  morgen  nach  oben,  heute  nach  unten  führt,  ehe  die  Be- 
freiung erlangt  ist.  Ihre  Conception  hat  sich  nirgends  Grenzen 
gesetzt,  da  sie  in  den  steten  Erneuerungen  nicht  nur  den  An- 
fang vermieden,  sondern  auch  jene  Zurückschiebuug*)  von  dem 
die  Erde  tragenden  Elephanten  auf  die  Schildkröte,  von  dieser 
auf  das  Wasser ,  dann  auf  die  Luft  und  weiter  bis  der  Frager 
ermüdet,  sondern  ihre  Kaipen  nach  Zeiten  rechnen  gleich  der- 
jenigen, die  einen  mächtigen  Diamantfels  **)  durch  das  alltausend- 


*)  Mariner  asked ,  why  the  hock  (kept  in  cnstody  of  the  Tooi-tonga)  of  the 
god  Tongaloa  did  not  break,  when  hanling  up  so  enormous  a  weight  (as  the 
Tonga-islands)  and  was  told,  that  it  was  a  god's  hook  and  therefore  could  not 
break.  Being  asked  how  it  happened,  that  the  line,  which  was  also  the  property 
of  a  god,  broke,  his  interlocutor  declined  to  pursne  the  sobject  any  further  saying 
that  so  he  had  been  told ,  and  there  was  no  necessity  for  further  inquiries 
(s.  Wood). 

**)  The  rock  (so  large  that   it  wonld  have  taken  a  hundred  oxen  to  drag  it) 

E* 


LXVIII  Vorwort. 

jährige  Vorüberfliegen  eines  Schmetterlings  zu  Staub  reibt.  Die- 
jenige Keligionsauffassung,  die  sich  in  das  Dunkel  der  Myste- 
rien*) zurückzieht,  um  unbequemen  Interpellationen  zu  entgehen, 
muss  deshalb  einer  Aufklärung  **)  abgeneigt  sein,  die  leicht  zum 
Gebrauch  der  angezündeten  Lichter  verleitet. 

Der  menschlichen  Constitution  gemäss  erscheint,  in  Folge  der 
feindlichen  Umgebung,  das  Göttliche  zunächst  als  dämonisch  Böses. 
Tritt  ein  Volk  indess  in  politische  Beziehungen  zu  seinem  Nachbar, 
als  Gegner,  so  gewinnen  die  eigenen  Götter,  im  Gegensatz  zu 
den  andern,  eine  für  ihre  Verehrer  günstige  Färbung,  und  zeigen 
sich  dann  als  gute  Gottheiten,  die  bei  gleichzeitiger  Fortbegehung 
des  erkannten  Bösen  oder  Aufnahme  dieses  aus  der  Fremde,  zur 
Ausbildung  des  dualistischen  Systems  führen.  Die  Perser  ver- 
standen den  Himmel  ihres  Nationalgottes  Ormuzd  als  einen 
guten,  obwohl  derselbe  in  den  schrecklichen  Wandlungen  der 
Amschaspands  furchtbare  Elemente  genügend  bewahrte,  aber  wenn 
sich  dann  eine  göttliche  Hierarchie  gliederte,  so  blieb  das  Ab- 
schreckende der  strafenden  Executivgewalt  an  den  unteren  Klassen 
haften,  während  die  in  unerreichbare  Abstände  zurücktretende 
Spitze  der  Regierung  einen  gütigen  Ausdruck  gewann,  wie  im 
obersten  Gott  der  Schamanen  (neben  den  Teufeln,  mit  denen  sie 
täglich  verkehrten)  und  im  Himmelsgott  der  Neger,  die  freilich 
zu  sehr  mit  den  stündlich  quälenden  Fetischen  beschäftigt,  nur 
selten  Zeit  haben  an  ihn  zu  denken,  und  auch  die  Wirksamkeit 


has  never  been  worn  (to  a  rock  not  larger  than  a  man  can  carry  in  one  of  bis 
hands)  save  by  the  ousel  drying  its  beak  upon  it  once  every  night  and  by  stro- 
king  the  tip  of  the  wing  against  it  in  rising  in  the  morning  (Borrow) ,  im  Mär- 
chen aus  Wales  über  die  Eule,  die  noch  älter  ist. 

*)  Selbst  den  Katechumenen  gegenüber  beobachtete  die  Kirche  die  Arcan- 
disciplin ,  indem  sie  dieselben  im  Anfange  mit  Milch  nährte  und  erst  kurz  vor 
der  Tanfe  mit  allen  Geheimnissen  des  Glaubens  bekannt  machte  (s.  Schwane). 

**)  Nihil  novandnm  nisi    qiiod  traditum    est   (Lirinens.  comm  ).     Relinquamus 
Doxiam  sapientiam,  discamus  laudabilem  fatiiitatem   (Gregor). 


Vorwort.  LXlX 

eines  bis  in  solche  Femen  fortsendbaren  Gebetes  bezweifeln. 
Die  Zaparos  mögen  ihr  dualistisches  System,  in  dem  dem  bösen 
Mung-ia  ein  guter  Dämon  gegenübergestellt  wird  (zugleich  Schöpfer 
als  Piatzo)  seit  den  Missionen  am  Napo  ausgebildet  haben,  und 
vertilgen  jetzt  (gleich  den  Anhängern  Zoroaster's)  die  Reptilien, 
als  Aufenthaltsort  feiger  Seeleu,  während  die  tapferen  (wie  bei 
den  Azteken)  in  bunten  Vögeln  wohnen.  Aus  dem  moralischen 
Einfluss  civilisirender  Propheten  (wie  im  indischen  Guru,  im  Gegen- 
satz zu  den  früher  allein  imponirenden  Heroen)  löst  sich  dann 
der  Begriff  einer  an  sich  guten  Gottheit  los.  Im  nachgiebig 
träumerischen  Indien  trat  diese  Richtung  am  reinsten  hervor,  zu- 
nächst im  Buddhismus,  mit  Ergebung  an  das  allgemeine  Welt- 
gesetz, wie  es  auch  die  Brahmanen  pantheistisch  auffassten,  in 
einem  für  höhere  Kasten  berechneten  Esoterismus,  der  der  grossen 
Masse  des  Volkes  unverständlich  bleiben  musste.  Um  auch  den, 
im  Westen  lauterem,  Ansprüchen  der  Demokratie  zu  gentigen, 
verbinden  sich  die  gleichen  Ideen,  bei  der  Verbreitung  dahin, 
mit  der  Vorstellung  eines  persönlich  fasslichen  Gottes,  aus  der 
die  Lehren  der  monotheistischen  Systeme  erwuchsen. 

Der  Islam,  für  den  die  Orientalen  schon  in  Oghuz-Khan 
einen  Vertreter  fanden,  war  der  einfache  Himmelsdienst  (mit 
dem  patriachalischen  Cultus  der  Athrava,  gleich  dem  indischen 
Atharvan  neben  den  Rischi  oder  Sehern)  der  chinesisch-mon- 
golischen Hionnu-Stämme,  wie  ihn  Herodot  bei  den  Persern  be- 
schreibt. Als  nach  Gründung  der  neuen  Monarchie  die  wechsel- 
vollen Bedürfnisse  des  Stadtlebens  zur  Geltung  kamen,  erstand 
aus  dem  Chaldäerthum  (das  neben  der  von  den  Eroberern  mit- 
gebrachten Religion  verblieb,  wie  au  der  Seite  des  mohamedani- 
schen  Chalifats  der  sabäische  Götzendienst  in  vielfachen  For- 
men, auf  die  Imamat-Lehre  der  Schiiten  Einfluss  übten)  ein  in 
einsamer  Abgeschlossenheit  durch  eine  Offenbarung  begünstigter 
Prophet   in  Zoroaster  (uuter  Hydaspes  oder  Gustasp),   der  nun 


LXX  Vorwort. 

(trotz  der  Warnungen  des  turaniscben  *)  HeiTsehers")  einen  ver- 
wickelten Cultus  zur  Geltung  brachte,  mit  genau  gegliederter 
Hierarchie  im  Hofstaat  des  Ormuzd  und  der  daraus  fliessenden 
Vielfachheit  der  Vorschriften.  Das  Böse  erschien  anfangs  nur 
als  die  Unordnung  heiTorrufende  Störung,  als  die  Lüge  auf  den 
Keil-Inschriften.  Mit  der  Zeit  indess  stiegen,  wie  im  Christen- 
thume,  Zweifel  auf,  warum  ein  persönlich  gedachter  Gott  trotz 
seiner  Allmacht  nicht  stark  genug  sei,  den  bösen  Feind  zu  ver- 
nichten, und  zur  Ausgleichung  bildete  sich  dann  durch  gnostische 
Grübeleien  (von  der  den  Abschluss  des  eigenen  Volkes  gegen 
anarische  Nachbarn  begünstigenden  Regierung  unterstützt)  die 
schon  von  Plutarch  gekannte  Lehre  eines  ursprünglichen  Gegen- 
satzes in  Ahriman  (gleich  dem  Dualismus  des  Manes),  der  dann 
ebenso  mit  einem  vielgestalteten  Hofstaat  umgeben  war.  Der 
Buddhismus,  als  auf  Naturgesetze  in  seinem  Religionssystem 
basirend,  hatte  in  dem  relativ  vorübergehenden  Eingreifen  des 
Bösen,  als  temporärer  Unordnungen  des  Erkranktseins,  keine 
Schwierigkeit  finden  können ,  aber  seine  complicirte  Mythologie 
bedurfte  eines  Ueberblickes  ihres  ganzen  Zusammenhanges,  um 
eine  logische  Richtigkeit  zu  bewahren,  und  ferner  Stehende,  die 
nur  mit  herausgerisseneu  Stücken  derselben  bekannt  wurden, 
mochten  bei  Mara,  dem  höchsten  Gott  der  Sinneshimmel,  seine 
trotzdem  untergeordnete  Stellung  aus  den  Augen  verlieren,  und 
die  schrecklichen  Wandlungen  der  Bodhisattwa  als  selbststän- 
dige Wesenheiten  auffassen,  da  man  vergass,  sie  in  die  an  sich 
gute  Quelle  rückwärts  wieder  aufzulösen. 

Von  den  Aleuten  auf  ihren  abgelegenen  Inseln  bemerkt  Wen- 
jaminoff,  dass  an  einem  so  lasterfreien  **)  Volke  eigentlich  Nichts  zu 


*)  (Bei  Firdnsi).     Auch  Idanthyrsus  rühmt  sich  (b.  Herod.),  nur  den  Himmel 
als  Gott  nnd  das  Feuer  anzuerkennen. 

**)  The  truth  is  by  a  vSantal  held  sacred  (Sherwill).     Die  Pnharries  (bei  Raj- 
mahal)  hassen  die  Lüge ,   und  vor  dem  Gerichtshof   in  Baglipur  gilt  die  Aussage 


Vorwort .  LXXI 

bekehren  wäre,  und  auch  bei  anderen  Missionären,  als  den 
russischen,  fehlt  es  nicht  an  Beispielen,  dass  die  Eingeborenen 
günstig  auf  die  Ansichten  derjenigen  Männer  zurückgewirkt 
haben,  die  sie  zu  belehren  kamen,  und  aus  solcher  Gegenseitig- 
keit wird  der  beste  Erfolg  zu  gewinnen  sein.  Meistens  bildet 
indess  gerade  der  Contact  mit  der  Civilisation  *)  den  Moment,  wo 
die  Naturvölker,  denen  unter  der  einbrechenden  Fluth  neuer  Ideen 
ihre  bisherige**)  Weltanschauung  mit  dem   dadurch  bisher  ge- 


eines  Puharri  immer  so  viel,  wie  die  eines  halben  Dutzend  Hindus.  It  is  a  com- 
mon saying:  A  Kuruhar  always  speaks  the  truth  (EUiot).  The  Santals  are  the 
most  truthful  (Jervis).  The  absolute  trnthfulness  (of  the  Sowrah  in  India)  is 
the  result  from  their  want  of  capacity  to  invent  a  lie  (according  to  Hooper).  The 
honesty  of  the  Samoans  is  really  wonderful. 

*)  The  subjugated  tribes  about  Lake  Ngami  (so  completely  enslaved,  that 
they  cannot  even  conceive  the  notion  of  possessing  property)  are  honest,  because 
there  would  be  no  use  in  stealing.  But  when  white  men  come  and  take  them 
under  their  protection,  when  they  begin  to  find,  that  they  are  paid  for  their  Ser- 
vices and  allowed  to  retain  their  wages,  the  idea  of  property  begins  to  enter  their 
minds  and  they  desire  to  procure  as  much  as  they  can.  Therefore  from  being 
honest,  they  become  thieves  (s.  Wood). 

**}  La  Moralit^  depend  tellement  chez  ces  peuples  de  l'ordre  social,  que  tonte 
d^sorganisation  politique  est  immediatement  suivie  d'une  perversion  profonde  ä 
laqnelle  le  retablissement  de  l'ordre  accoutume  peut  seul  remedier.  C'est  ainsi 
que  dans  les  montagnes  du  Lessouto  et  de  la  Natalie ,  on  a  vu  des  populations 
habituellement  douces  et  humaines,  se  plonger  tete  baissee  dans  toutes  les  horreurs 
du  cannibalisme  pendant  une  ^poque  de  confusion  universelle ,  puis  renoncer 
simultan^ment  et  comme  d'elle-memes,  ä  ce  genre  de  vie  ,  des  qu'un  chef  bien- 
veillant  s'est  mis  en  devoir  de  reconstruire  l'ediflce  sociale.  L'introduction  brusqne 
et  pr^matur^e  des  lois  et  des  habitudes  nouvelles,  l'imposition  d'une  autorite  etran- 
gere  sont,  pour  la  meme  raison,  ^galemeut  fatales  aux  moeurs  [Mongolen].  Elles 
soustraient  l'indigene  au  seul  motif  qu'il  puisse  avoir  de  mod^rer  ses  passions, 
ä  savoir  au  desir  de  maintenir  dans  son  int^gritö  l'ordre  des  choses  qui  rösume 
toutes  ses  idees  de  bien-etre  et  de  biensöance.  Le  christianisme  snbstitue  d'^ter- 
nelles  colonnes  [auch  im  Alterthum ,  wie  jede  ethische  Religion  oder  Philosophie 
gegenüber  der  nur  socialen  des  Irdischen]  aux  freies  ötais  qu'il  abat  (s.  Casalis). 
Les  d^hors  de  moderation  et  de  d^cence  constituent  aux  yeux  des  Bechuanas  ce 
qu'ils  appellent  „Botou",  le  titre  ou  la  dignite  d'homme  par  Opposition  ä  „Bopofolo" 
(vie  de  brüte)  qualiflcation  qu'ils  appliquent  ä  tonte  acte  immoral,  excessif  et 
grossiferement  scandaleux  (s.  Casalis).  Qnatremere  ,  dans  sa  charite  pour  les  pau- 
vres,    n'avait   eu    en   vue    que   sou  Dieu   et  non  les  sansculottes  et  il  meritait  la 


LXXII  Vorwort. 

währten  Halt  verloren  geht,  in  Sünden  versinken  und  die  sie 
darüber  tadelnden  Missionäre  staunend  fragen,  warum  diese 
guten  Lehren  nicht  zunächst  bei  ihren  eigenen  Landsleuten*) 
zur  Geltung  gebracht  würden,  von  denen  durchschnittlich  nicht 
sehr  moralische  Charaktere  als  die  einzigen  Repräsentanten  be- 
kannt sind.  Ueber  erlaubte  oder  unerlaubte  Handlungen**)  wech- 
seln die  Ansichten  in  jedem  Lande,  die  durchgehende  Wurzel  alles 
Bösen  ist  immer  nur  (wie  schon  Darius  auf  Stein  verkündete) 
die  Lüge,  der  Zwiespalt  mit  sich  selbst  und  seiner  Weltanschau- 
ung, der  Widerspruch  gegen  das  besser  Gewusste.  Das  Essen 
von  Schweinefleisch  oder  Trinken  von  Wein  ist  an  sich  gleich- 
gültig, wer  es  indess  thut  nach  Ablegung  eines  religiösen  Gelüb- 
tes  der  Enthaltung,  der  isst  und  trinkt  in  Sünde.  Der  christliche 
Matrose,  der  den  Polynesier  betrügt,  sündigt  schwer,  da  ihm  das 
Stehlen  und  Betrügen  religiös  verboten  ist,  der  letztere  dagegen 
mag  jetzt  erst,  bei  gegebener  Veranlassung,  das  Stehlen  er- 
lernen, wozu  auf  seinen  besitzlosen  Inseln  nie  Gelegenheit  ge- 
wesen, und  woran  er  also  nie  gedacht,  wovon  er  gewiss  nicht 
das  Rechte  oder  Unrechte  abgewogen  hat.  Dann  werden  alle 
seine  bisherigen  Taxationsideen  |durch  die  in  seinen  Augen  un- 


mort,  pour  avoir  hnmilie  le  peuple  par  ses  bienfaits ,  heisst  es  in  dem  über  den 
Vater  des  Etienne  Marie  Qnatremere  vom  Revolutionstribunal  gesprochenen  ür- 
theil  1794  (hingerichtet  Jan.  21).  Die  Rajputen  zollen  der  Sacha  (Aufrichtigkeit) 
die  grösste  Verehrung,  und  der  Hof  von  Jeypur  hiess  zum  Schimpf  Jutha  Durbar 
(Lügenhof). 

*)  In  England  and  Wales  the  number  of  persons  committed  for  trial  is  now 
(1851)  more  than  five  times  as  great,  as  it  was  at  the  beginning  of  the  Century 
(Porter).  The  increase  of  crime  has  far  outstripped  the  increase  of  our  popu- 
latlon. 

**)  La  notion  du  crime  (dans  le  sens,  que  nous  attachons  aujourd'hui  ä  ce 
mot)  ^tait  absolument  etrangere  ä  l'ancien  droit  germanique  (cf.  Jareke),  dans  ces 
temps  recul^s,  on  comptait  pour  rien  la  volonte  de  celui  qui  s'etait  rendu  cou- 
pable  da  crime,  on  se  bornait  ä  apprecier  purement  et  simplement  le  tort  qui  en 
ötait  rösultö  pour  les  tiers  (De  Coursou).  Adelung  erklärt  Wehrgeld  von  Werth. 
Verbrechen  jeder  Art  sind  gebilligt  worden,  wenn  nützlich  (nach  Helvetius). 


Vorwort.  LXXIII 

schätzbaren  Reichthümer  umgestossen,  die  er  vor  sieh  ausgebreitet 
sieht,  und  von  denen  er  sich  vielleicht  mit  leichter  Hand-  oder 
Zehenbewegung  ein  MetallstUckchen  aneignen  kann,  das  ihn 
für  immer  zum  reichen  Manne  machen  wird.  Solch'  grosse 
Diebereien  sind  auch  anderswo  erlaubt,  da  man  nur  die  kleinen 
Diebe  hängt.  Als  Träger  der  Bildung  sind  die  Missionäre, 
wenn  nicht  in  civilisirten  Staaten,  so  doch  unter  Naturvölkern 
stets  eines  Erfolges  gewiss,  indem  sie  zur  Abschaffung  barbari- 
scher Gebräuche  beitragen  können;  aber  diese  würden  mit  der 
Aufklärung  von  selbst  fallen,  da  sie  aus  Unverstand  hervor- 
gehen, nicht  aus  verderbtem.  Gemüth.  Wenn  der  Fürst  von 
Dahomey  Sclaven  schlachtet  auf  dem  Grabe  seiner  Ahnen,  so 
erfüllt  er  eben  die  ihm  heilige  Kindespflicht,  die  ihm  die  Ge- 
beine der  Dahingeschiedenen  mit  Menschenblut  zu  waschen  be- 
fiehlt. Weit  entfernt,  eine  Sünde  zu  begehen,  würde  er  sich  in 
seinen  Augen  einer  grossen  Sünde  schuldig  machen,  wenn  diese 
Schlächterei  unterbliebe.  Die  Suttee,  die  man  verhindert,  sich 
mit  ihrem  Gemahl  zu  verbrennen,  siecht  gramvoll  dahin,  da  ihr 
jetzt  die  Hoffnung  genommen  ist,  je.  in  den  Himmel  einzugehen, 
der  Dayak,  dem  das  Handwerk  des  Kopfabschneidens  gelegt 
wird,  glaubt  sich  für  immer  verloren.  Diese  wahnwitzige»  Ver- 
wirrungen der  Menschennatur  verschwinden  Stets  von  selbst  in 
geläuterten  Staatsverhältnissen  (meistens  rascher  als  in  Rom, 
wo  dem  Vergraben  der  Gallier  das  der  Griechen  folgte),  und  die 
Aufgabe  des  Missionärs  liegt  nur  eben  darin,  die  bei  ihrem 
Wegfall  in  dem  Geiste  des  Wilden  leer  gelassene  Stelle  durch 
reine  Morallehren  auszufüllen,  nicht  aber  in  zweiter  Auflage 
durch  den  abstrusen  Wust  symbolischen  Aberglaubens. 

Das  Bewusstsein  bildet  sich  stets  im  Gleichgewicht  der  aus 
den  gesammten  Nervenzuströmungen  des  Körpers  hergestellten 
Einheit.  Die  ohne  den  Eingriff  des  Willens  zur  Ausführung 
kommenden  Reflexthätigkeiten  gelangen  zu  keiner  primären  Auf- 


LXXIV  Vorwort. 

fassung  und  bilden  die  zwar  mitwirkende,  aber  nicht  in  dieser 
Mitwirkung  unterschiedene  Basis  der  Gemeinempfindungen.  Ge- 
schieht es  durch  krankhafte  Verstimmung,  dass  die  Zuleitung  aus 
einzelnen  Sphären  des  Körpers  so  langsam  erfolgt,  dass  sich  schon 
in  der  Zwischenzeit  ein  Abschluss  des  Bewusstseins  hergestellt  hat, 
so  werden  diese  exceutrisch  auftreffenden  Reize  als  fremdartige 
verstanden  und  rufen  jene  psychopathischen  Zustände  hervor,  in 
denen  dem  Wollen  das  Können  fehlt,  da  eben  der  Wille  seinen 
directen  Zusammenhang  mit  den  zur  Ausführung  dienlichen 
Mitteln  aufgehoben  findet,  während  die  Fortbildung  dieses  ab- 
normen Verhältnisses  bis  zu  dem  Gefühl  einer  doppelten  Persönlich- 
keit in  den  Vorstellungen  von  einer  Besessenheit  führt.  —  Aus 
der  Anomalie,  dass  viele  Wilde  eben  so  viel  Gehirn  haben 
sollten,  als  die  Durchschnitts-Europäer,  meint  Wallace  den  Ein- 
druck „eines  Ueberschusses  an  Kraft,  eines  Instrumentes,  das 
mehr  leistet,  als  die  Bedürfnisse  seines  Besitzers  erfordern",  zu 
empfangen.  Im  Gehirn  sind  indessen  die  Gedanken  nicht  actu 
verwirklicht,  sondern  nur  potentia  einwohnend,  und  es  hängt 
eben  von  den  umgeb^den  Verhältnissen  ab,  ob  sie  und  bis  zu 
welcher  Vollendung,  die  Entwicklung  angeregt  wird.  Die  idioti- 
sche Verminderung  des  Gehirns  äussert  sich,  weil  einen  vitalen 
Theil  desselben  betreffend,  wie  bei  Verletzung  des  Herzens  der 
Körper  stirbt,  während  er  den  Verlust  anderer  Glieder  (wie  das 
Gehirn  grosse  Massenverluste)  überdauert  und  unbeschadet  fort- 
lebt, wenn  auch  unbehülflicher. 

Alles  Bestehen  in  anorganischer  oder  organischer  Natur 
ist  nur  das  Resultat  eines  Zusammentreffens  aus  Ursache  und 
Wirkung,  aus  Action  und  Reaction  als  das  aus  abgewogener 
Gleichung  hervorgehende  Product,  das  in  dieser  gesetzlichen 
Erzeugung  die  Basis  seines  selbstständigen  Bestehens  überhaupt 
findet.  Derselbe  Schöpfungsprocess ,  wie  in  den  verschiedenen 
Naturwesen,  wiederholt   sich  in   allen  einzelnen  der   ihn  con- 


Vorwort.  LXXV 

stituirenden  Theile,  die  in  Gesammtsumme  erst  in  jenen  jedes 
herstellen.  Bestimmte  Mischungsgewichte  von  Schwefelsäure 
und  Calcium  rufen  stets  denselben  chemischen  Körper  her- 
vor, der  sich  mit  dem  Verändern  der  Proportionen  entsprechend 
ändert,  oder  bei  ungeregelten  Störungen  wieder  in  die  Grund- 
stoffe zurückfällt.  Wenn  ein  äusserer  Stoss  von  der  Haut  em- 
pfunden wird  und  vielleicht  eine  abwehrende  Geberde  hervor- 
treten lässt,  so  können  wir  hier  auf  den  erforschten  Bahnen 
sensitiver  und  motorischer  Nerven  den  Vorgang  mit  ziemlicher 
G'enauigkeit  verfolgen,  und  eine  Dosis  Chinin,  die  periodische 
Fieberanfälle  producirt,  muss  in  gleicher  Weise  ihre  festen  Wege 
wandern,  wenn  diese  auch  auf  den  dunkleren  Gebieten  des 
Sympathicus  sich  bis  jetzt  noch  grösstentheils  der  Beobachtung 
entziehen.  Je  nachdem  das  Licht  in  seinem  Strahlungsgesetze 
von  mathematischen  Körpern  zurückgeworfen  wird,  muss  es  auf 
der  Retina  ein  Dreieck,  Viereck,  Polygon  u.  s.  w.  abzeichnen, 
und  obwohl  das  Bild  des  Baumes,  das  im  Auge  erscheint,  weder 
so  mechanisch  hingemalt  ist,  wie  es  die  Materialisten  auffassen, 
noch  (nach  spiritualistischer  Ansicht)  auf  eine  völlig  abgelöste 
Seele  überspringt,  so  setzt  es  doch  (neben  dem  Abdruck  seiner 
Linien)  ein  Conception  voraus,  die  (ohne  dass  dieser  Ausdruck 
Missverständnisse  zu  erzeugen  braucht)  psychisch*)  genannt 
werden  muss,  die  aber,  weil  psychisch,  noch  nicht  spiritualistisch 
transcendirt ,  sondern  nur  in  die  höher  terrassirte  Sphäre  psy- 
chischer Nerven-Regioneu  übertritt.    Das  Augenbild**)  des  Bau- 


*)  Das  Etwas  (das  zn  den  erregten  Nerven  hinzutreten  mnss,  damit  sich  die 
Empfindung  bilde)  entzieht  sich  der  physiologischen  Forschung  (ülrici). 

**)  Das  auf  der  Netzhaut  abgemalte  Gesichtsbild  ist  damit  noch  nicht  perci- 
pirt.  Es  enthält  die,  aus  der  im  Gehirn  freien  Nerventhatigkeit  gebildete,  Gedankeu- 
reihe,  die  in  fester  Verknüpfung  mit  dem  Körperlichen  das  Bewusstsein  abschliesst, 
und  nur  das  in  ihre  Glieder  aufgenommene  Gesichtsbild  kommt  dann,  als  in  den 
Organismus  assimilirt,  zur  deutlichen  Vorstellung.  Die  Aufnahme  hängt  deshalb 
von  dem  Grade  der   durch   grosseres  ode^   geringeres  Streben   zu  Association   be- 


LXXVI  Vorwort. 

mes  ist  also  eine  Compositioii;  einmal  aus  den  physikalisch  offen 
zu  legenden  Brechungen  des  Lichtes  und  dann  einer  psychischen 
Action  (oder  hier  Reaction) ,  die  wir  freilich  noch  nicht  in  ihrem 
Detail  zu  durchschauen  vermögen,  die  sich  aber  aus  physiolo- 
gischen Gründen  als  Fortsetzung  der  übrigen  Folgewirkuugen  im 
Nervensysteme  nachweisen  lässt,  da  der  Zusammenhang  überall 
vorliegt  (wenn  auch  so  weit  nicht  mathematisch  deducirbar). 
Bei  Mangel  numerischen  Werthes  kann  sie  zunächst  nur  als  ein 
X  in  die  Rechnung  hinübergenommen  werden,  und  zwar  als  ein 
X,  für  dessen  weitere  Lösung  die  Hülfsmittel  der  Physiologie,  die 
an  der  Trennungslinie  des  Psychischen  ihre  Grenze  erreicht,  nur 
wenig  Aussicht  gewähren.  Die  mikroskopische  Betrachtung 
verliert  sich  hier  in  die  Processe  der  Zeugung  und  Entstehung, 
deren  Vorgänge  allerdings  die  lehrreichsten  Aufschlüsse  gewähren 
werden,  aber  erst  dann,  wenn  sie  sich  an  fassliche  \'orstellungs- 
bilder  anschliessen,  und  deshalb  allen  ihren  Mittelgliedern  nach 
überschaubar  sind.  Die  auf  dem  zweifelhaften  Zwischengebiete 
der  niederen  Pflanzen  und  Thiere  spielenden  Zeil-Entwicklungen 
würden,   so  wichtig  sie  auch  jetzt  geworden  sind,   doch  schwer 


dingten  Affinität  ab ,  und  das  Empfundenwerden  dieser  in  ihrem  Hervortreten 
wird  als  Wille  gefasst.  unsere  Vorstellungen  zwingen  uns,  die  Kräfte  mit 
ihren  materiellen  Grundlagen  zu  verbinden,  und  Freiheit  derselben  ist  nur  relativ 
denkbar,  so  weit  sie  in  Fernewirkungen  auftreten.  Bei  solchen  sind  indess  stets 
zwei  Punkte  der  Ausstrahlung  gegeben,  deren  Spannungen  sich  im  indifferenten 
Pole  abgleichen.  Im  Menschen  finden  wir  die,  wie  im  Vegetativen  auch  ani- 
malisch wirkenden,  Gesetze  eines  in  chemischen  Zersetzungen  neu  bildenden  Wachs- 
thums  auf  der  einen  Seite,  die  mit  den  physikalischen  Agentien  der  Aussenwelt 
communicirenden  Sinnesorgane  auf  der  andern,  und  indem  die  von  ihnen  zu- 
sammenströmenden Wahlverwandtschaften  sich  durchkreuzen,  springt  das  Bewusst- 
sein  einer  einigen  Persönlichkeit  hervor,  das,  weil  im  Selbst,  und  dort  allein, 
empfunden,  jeder  Vergleichungen  und  deshalb  einer  weiteren  Aufklärung  im  ob- 
jectiven  Verständniss  entbehrt.  Bei  reducirter  oder  längerer  Suspension  der  Aussen- 
beziehungen  des  Körpers  sinkt  das  Bewusstsein  in  Schlaf,  unter  alleiniger  Fort- 
dauer der  vegetativen  Operationen,  aus  denen  sich  mit  erneutem  Spiel  der  Sinnes- 
thätigkeiten  auch  neu  das  Bewusstsein  schafft. 


Vorwort.  LXXVII 

ihrer  eigentlichen  Bedeutung  nach  gewürdigt  werden  können, 
wenn  wir  nicht  von  Thier  und  Pflanze  ihre  feste  Auffassung  be- 
sä ssen,  sie  bestimmt  eingereiht  hätten,  und  die  Bedeutung  jener 
Zellvorgänge  in  ihnen,  den  Partialwerthen  derselben  nach,  regi- 
striren  könnten.  In  der  Sprache  (der  nothwendigen  Reflexaction) 
treten  nun  die  psychischen  Regungen  durch  das  Wort  nach 
aussen  und  verkörpern  sich  dort  in  mythologische  Gestaltungen, 
so  lange  bildliche  Phantasieschöpfungen  noch  nicht  durch  die 
Denkanalyse  zersetzt  sind.  Finden  wir  also  das  Bild  des  Bau- 
mes, als  psychisches  Product,  in  anderer  Gestaltung  wieder,  bei 
deren  Erzeugung  jenes  x  in  voller  Manifestation  und  Aussenver- 
körperung  gleichsam  hinausgetreten  ist  (in  jenen  mythologischen 
Vorstellungen  vom  Baume  die  in  allen  ethnologischen  Kreisen 
wiederkehren),  so  wird  es  uns  vielleicht  durch  verfeinerte  Rech- 
nungsmethoden  gelingen,  die  Werthe  desselben  in  einzelnen  seiner 
Phänomene  zu  fixiren  und  dadurch  erklärendes  Licht  nicht  nur 
auf  ethnologische  Geschichtsbewegungen,  sondern  auch  auf  jene 
psycho-physiologischen  Schwingungen  des  Sehens  zu  tragen,  die 
in  den  Hirnhemisphären  vor  sich  gehen.  Das  psychische  Sehen, 
das  nicht  in  den  Retina-Verzweigungen  des  Optikus  statthat, 
sondern  in  seinem  centralen  Stamme,  gewinnt  das  Aufrechtsehen 
aus  Kreuzungen,  gleich  denjenigen  der  Medulla  oblongata,  in 
Folge  welcher  eine  Gehirn-Laesion  sich  auf  die  Partien  des 
Rumpfes  in  entgegengesetzter  "Weise  äussert  (denn  wiewohl  der 
kreuzende  Verlauf  der  Sehnerven  nur  theilweis  nachweissbar  ist, 
wird  es  von  Vervollkommnung  der  Instrumente  abhängen,  ob  er 
noch  länger  in  den  Vierhügeln  sich  ihnen  entzieht). 

In  sofern  ist  die  Seele  keine  Entität,  als  nur  aus  den  Er- 
scheinungen freier  (nicht  molekularer,  sondern  fernwirkender) 
Kräfte  hervortretend,  aber  von  den  beiden  Stützpunkten  dersel- 
ben ist  der  eine  (der  der  physikalischen  Agentien)  ein  wech- 
selnder, der  andere  (der  des  organischen  Chemismus)  ein  stetig 


LXXVm  Vorwort 

bleibender,  und  mit  dem  letzteren  stellt  sich  deshalb  die  Form 
der  Seelenactionen  in  gewobnheitsmässige  Harmonie.  Obwohl  ihrer 
eigenen  Natur  nach  nicht  selbstständig^  ruft  sie  doch  selbstständige 
Schöpfungen  hervor  in  der  Sprache  und  verwirklicht  die  in  ihr 
latenten  Fähigkeiten  in  dem  geschichtlich  emporwachsenden  Or- 
ganismus der  Menschheit.  —  Mit  dem  periodischen  Wiederer- 
wachen des  Bewusstseins  wird  auch  die  Erinnerung  jedesmal 
neu  erweckt,  d.  h.  die  Folgereihe  stattgehabter  Eindrücke,  die 
sich  mit  der  körperlichen  Seite  des  Lebens  in  dauernden  Counex 
gesetzt  hat  und  je  nach  der  auf  sie  einwirkenden  Thätigkeit  in 
mehr  oder  weniger  Ausdehnung  hervorgerufen  werden  kann. 
Mit  dem  Absterben  des  Körperlichen  (mit  dem  Trunk  aus  dem 
Lethe  der  Todten)  muss  deshalb  auch  die  Erinnerung  unter- 
gehen, aber  nur  die  zeitlich  gedachte  und  von  uns  auf  Erden 
zeitlich  allein  denkbare,  denn  das  vom  Körperlichen  unabhän- 
gige Bewusstseinsgefühl  selbst  ist  schliesslich  nur  aus  Factoren 
der  Erinnerung  zusammengesetzt,  die  als  integrirende  Theile 
desselben  Alle  zugleich  und  Alle  miteinander  leben. 

Die  philosophische  Betrachtung  begriff"  früher  (mit  oder  ohne 
Compensation  der  Keligion)  die  gesammte  Weltauffassung,  verlor 
aber  einen  Zweig  des  Wissens  nach  dem  andern,  wie  sich  ein 
jeder  durch  Hülfe  der  Induction  auf  dem  festen  Boden  der  Er- 
fahrung zu  innerlich  gegliedertem  Abschluss  ausbildete.  Auf 
das  der  inductiven  Behandlung  noch  nicht  zugängliche  Geistige 
zurückgeworfen,  verblieb  der  Philosophie  ein  rastloser  Wechsel 
ihrer  Systeme  in  dem  schwer  controlirbaren  Gedankenreich, 
und  erst  dann  wird  auch  hier  die  gesetzlich  dauernde  Form 
hergestellt  werden,  wenn  die  Psychologie,  aus  den  Beweisen 
ethnologischer  Thatsachen  ihre  Schlussfolgerungen  zusammen- 
kettend, als  Schlussstein  in  den  Bau  der  Naturwissenschaften 
eingefügt  ist. 

In  der  Welt  treten   aus  einem  unseren  Blicken  unzugäng- 


Vorwort.  LXXIX 

liehen  Urgnind  Typen  in  die  Erscheinung*),  die  wir  nicht  von 
einem  ausserweltlichen  Standpunkt,  also  nicht  im  Ersten  und 
Letzten,  zu  überschauen  vermögen,  sondern  nur  (als  mitten- 
innestehend)  in  ihren  relativ  ablaufenden  Phasen.  Die  Aufgabe 
jeder  Existenz  liegt  darin,  ihren  Typus  herzustellen  und  dann  zu 
erhalten,  weshalb  bei  Würmern  die  Reproductionsfähigkeit  selbst 
bis  zur  Ersetzung  der  Sinnesorgane  gehen  kann.  Bei  höher 
aufsteigender  Dignität  bilden  sich  indessen  in  ein  und  derselben 
Existenz  (die  dann  als  aus  Sammelwesen  bestehend,  angesehen 
werden  könnte,  .wie  der  Baum  gegenüber  den  einjährigen 
Pflanzen)  vielerlei  Vorstufen,  die  sich  übereinander  aufbauen 
und  zum  Theil  bereits  absterben  mögen,  bis  der  eigentlich  letzte 
Zweck  zur  Entfaltung  kommt.  Wie  beim  Baum  deshalb  grosse 
Theile  der  Rinde  und  selbst  des  Stammes,  ganze  Blätterzweige 
ohne  Schaden  für  das  Ganze  verloren  gehen  können,  so  mögen 
die  höher  complicirten  Organismen  der  Thierwelt,  deren  Zweck 
in  einem  seelischen  Instinctleben  gipfelt,  grosse  Anhänge  ihres 
Körpers  (Beine,  Flügel  u.  s.  w.)  ohne  Reproduction  verlieren,  so 
lange  der  Verlust  nicht  ein  derartig  eingreifender  ist,  dass  der 
eigentliche  Zweck  der  Existenz  unmöglich  werde,  und  also  diese 
zu  Grunde  gehen  müsste.  Das  menschliche  Ziel  liegt  in  dem 
auf  dem  Körpersystem  emporblühenden  Gedankenleben,  und  die 
Entwicklung  dieses  selbst  wird  ebenfalls  innerhalb  eines,  und 
zum  Ausdruck  eines,  gegebenen  Typus  stattfinden,  obwohl  für 
uns  die  einzelnen  Phasen  willkürlich  erscheinen,  da  wir  sie 
nicht  in  ihren  Ein-  und  Ausgängen  nach  fest  bedingter  Gesetz- 
lichkeit zu  verfolgen  vermögen.  Dies  Gedankenleben  wächst 
aber  nicht  individuell,  sondern  in  (staatlichen)  Gesellschaften, 
die  wir  bald  im  regelmässigen  Fortschritt  sich  vervollkommnen, 


*)  Aristoteles  hatte    in    der  Bewegnng,  im  Heraustreten    des    Möglichen    zur 
Wirklichkeit,  den  Schlüssel  zum  Verständniss  des  Universum  gesucht  (Steiner). 


LXXX  Vorwort. 

bald    (wenn   von    Krankheiten    gefasst)  in  wilden  Entztindungs- 
fiebern  sich  selbst  zu  Grunde  richten  sehen. 

Eine  in  irdische  Existenz  eingetretene  Species  ist  der  Va- 
riationen nur  bis  in  eine  bestimmte  Spielweite  fähig ,  da  mit 
U.ebersch reitung  dieser  Grenze,  wie  die  Harmonie  auch  das  Dasein 
zerstört  wird.  Wie  sich  indess  nach  dem  buddhistischen  System 
die  Seele  ihren  neuen  Körper,  sei  es  im  Götter-,  sei  es  im 
Menschen-,  sei  es  im  Thier-  oder  Preta-Eeiche  bildet,  so  könnte 
die  jener  innewohnende  Selbstbildungskraft*)  in  dem  neu  for- 
mirten  Körper  die  durch  Uebung  erworbene  und  potentiell  vor- 
handene Eigenschaft  real  zur  Durchbildung  bringen  und  in 
der  Wiedergeburt  als  ein  neuer  Typus  erscheinen.  Die  Manni- 
faltigkeit  der  Modificationen  beruht  dann  aber  auf  unendlicher 
Fülle  der  Gesetze  und  würde  durch  Zurückführung  auf  eine 
einzelne  Reihe  sich  jämmerlich  anthropomorphisch  verstümmelt 
zeigen.  —  Den  Buddhisten  scheint  die  durch  ihre  alle  drei  Welt- 
reiche verknüpfende  Seelenwanderung  gegebene  Stufenleiter,**; 
die  nach  den  Palästen  der  verschiedenen  Himmel***),  nach  den 
vielfachen  Kammern  der  Höllen,  nach  den  thierischen  f)  Charak- 


*)  Der  Auferstehnngskörper  bildet  sich  (nach  Origines)  durch  die  der  Seele 
verbleibende  Keimkraft  {^oyos  aneQ/naros). 

**)  Fromme  Frauen  leben  als  Männer  -wieder  auf.  A  la  fln  du  XI  siecle  Dien 
avait  change  de  sexe  et  la  Vierge  etait  devenue  le  veritable  Dieu  du  monde  (in 
Robert  d'Abrissel's  Kloster  zu  Fontevrault. 

***)  Les  Habitans  de  Venus  ressemblent  anx  Mores  Grenadins,  un  petit  peuple 
noir,  brüle  du  Soleil,  plein  d'esprit  et  de  feu,  toujours  amoureux,  faisant  des  vers» 
aimant  la  Musiqne,  inventant  tous  les  jours  des  Fetes,  des  Danses  et  des  Tour- 
nois  (s.  de  Fontenelle).  Les  gens  (dans  Saturne)  ne  s^avent  ce  que  c'est  que 
de  rire  et  prennent  toujonrs  un  jour  pour  r^pondre  ä  la  moindre  question  qu'on 
leur  fait.    Nach  Antoinette  Bourignan  dienen  die  Sterne  zur  Läuterung  der  Seelen. 

f)  On  peut  soutenir,  que  toutes  les  betes  deviendront  un  jour  animaux  rai- 
sonnables.  Leurs  ämes  passeront  peut-etre  aux  rangs  des  intelligences  (Helwing). 
Aussitot  qn'une  bete  passe  apres  la  mort  dans  un  corps  neuf,  eile  entre  dans  une 
uouvelles  connexion  et  Situation  dans  ce  monde.  Bruno  findet  im  Nachklang  des 
früheren  die  Hindeutung  auf  den  künftigen  Stand,  wenn  Menschengeschlechter  an 
thierische  erinnern.     In  seinem   systematischen  Denken   sah   sich    Lessing  zurück- 


Vorwort.  LXXXI 

teren  variirt,  notliwendig,  der  moralischen  Verantwortlichkeit 
wegen,  die  der  Seele  stets  die  .  ihrem  Wesenswerthe  entspre- 
chende*) Formerscheinung  anbilden  müsse.  Die  Lehre  von  der 
Seelenwanderung-**)  bildet  deshalb  einen  integrirenden  Theil  im 


geleitet  zu  dem  System  der  Uranfänge  philosophischer  Speculation,  wie  sie  In  der 
Lehre  von  der  Praeexistenz  der  Seele  und  von  der  Metempsychose  begegnen 
(Stahr).  Nach  Leibnitz  unterscheidet  sich  die  menschliche  Unsterblichkeit  von  der 
thierisihen,  die  gleichfalls  eine  individuelle  ist,  dadurch,  dass  sie  ausserdem  eine 
persönlich  moralische.  Bei  den  Eweerri  kehren  die  Guteu  sogleich  in  Menschen- 
körper zurück,  während  die  Bösen  in  der  Luft  oder  in  Wanderungen  durch  Thier- 
köiper  vorher  gereinigt  werden.  Beseelte  Wesen  haben  drei  Zustände  des  Da- 
seins, den  Zustand  des  Anfangs  (abred)  in  der  grossen  Tiefe  (annwn),  den  Zustand 
der  Freiheit  (rhyddyd)  in  der  Menschheit  und  den  Zustand  der  Liebe  (cariad), 
das  ist  die  Glückseligkeit  (gwynfyd)  in  dem  Himmel  (nefj  nach  den  Trioedd 
Barddas  oder  Tryaden  des  Bardii^mus  (s.  Walter). 

*)  Irenäus  hält  die  heidnische  Vorstellung  von  der  Seelenwanderung  für 
thöricht,  weil  zu  Jeder  menschlichen  Seele  auch  nur  Ein  menschlicher  Leib 
gehöre.  Auima  in  utero  seminata  pariter  cum  carne,  pariter  cum  ipsa  sor- 
titur  et  sexnm,  ita  pariter  ut  in  causa  sexus  neutra  substantia  teneatur 
(TertuU.).  How  is  it  possible ,  that  those  who  have  not  cleared  away  the  evil 
disposition  from  their  soul  thould  attain  the  most  excellent  heaven  and  live  eter- 
nally  with  God  tbe  Creator,  and  of  those  who  are  to  remain  in  hell  for  ever, 
many  have  made  merit  and  done  much  good,  shall  that  be  altogether  lost?  fragt 
der  Buddhist  (s.  Alabaster).  Octo  pondera  de  quibus  factus  est  Adam:  Pondus 
limi,  inde  factus  est  caro,  pondus  ignis,  inde  rubens  est  sauguis  et  calidus,  pon- 
dus salis,  iude  sunt  salsae  lacrymae,  pondus  ruris,  unde  factus  est  sudor,  pondus 
nubis,  inde  varietas  est  mentium  (Rit.  Eccl.  Dunelm.).  Neque  enim  quaero  in- 
telligere  ut  credam,  sed  credo  ut  intelligam  (Ans  ).  Non  enim  intelligendum  prius 
est,  quam  ut  postmodum  credas,  sed  prius  credendum  ut  postmodum  intelligas 
(Guitm.). 

**)  Warum  könnte  jeder  einzelne  Mensch  auch  nicht  mehr  als  einmal  auf 
dieser  Welt  vorhanden  gewesen  sein?  fragt  Lessing,  gegen  die  vermeintliche 
„Lächerlichkeit"  dieser  „ältesten  Hypothese"  Verwahrung  einlegend ,  und  ebenso 
trug  sich  Lichtenberg  mit  dem  Gedanken,  gestorben  zu  sein,  ehe  er  geboren  war. 
Das  Wissen  davon,  wie  es  Pythagras  sich  zuschreibt,  erwacht  erst  im  Buddha, 
wenn  er  auf  der  Schwelle  des  Nirwana  die  Beihe  seiner  Vorexistenzen  durch- 
schaut, und  Reynaud  zieht  aus  der  Veigesslichkeit  der  Menschenseele  den  Schluss, 
dass  sie  sich  noch  auf  einer  niederen  Stufe  ihrer  Entwicklung  befinde.  Um  die 
absolute  Form  zu  gewinnen,  muss  sich  der  Geist  in  Allem  versuchen  (nach 
Schelling). 

Bastian,  Reise    VI.  F 


LXXXII  Torwort. 

System  des  Buddhismus  und  ergänzt  sich  mit  der  von  den 
steten  Welterneuerungen  *). 

Da  die  Erfahrung  stets  und  eomparativ  allgemeingültige 
Urtheile  geben  könne,  miissten  (nach  Kantj  die  Allgemein- 
gültigkeit und  Nothwendigkeit  der  Urtheile  einen  inneren  festen 
Grund  in  unserm  Denken  haben,  also  als  sichere  Kriterien  des 
Aprioristischen  erscheinen  (J.  B.  Meyer),  Naturwissenschaft- 
liche Sicherheit  jedoch  besitzt  ein  jedes  ürtheil  eben  nur  in 
der  Controle  gegenseitiger  Relationen,  und  obwohl  man  in 
den  jedesmaligen  TTendep unkten  gereifter  Forschung  hypothe- 
tische Allgemeingültigkeit  beanspruchen  darf,  so  gewinnt  diese 
doch  nie  absolute  Gewissheit,  sondern  muss  in  ihrer  ephemeren 
Herrschaft  immer  wieder  durch  vollendetere  Schöpfungen  ersetzt 
werden,  wenn  das  Wissen  nicht  selbst  zum  Stillstand  gelangen 
und  so  sein  eigenes  Leben  ertödten  will. 

Hume  zeigte,  dass  der  Causalbegriff  nicht  aus  der  Erfah- 
rung gewonnen  werden  kann,  aber  er  ergiebt  sich  als  das  natür- 
liche Resultat  der  durch  die  Erfahrung  angeregten  Denkthätig- 
keit  in  gesetzKcher  Manifestation  derselben.  Der  Horizont  der 
Naturvölker  ist  mit  ursachlosen  Wundern  gefüllt,  zwischen  denen 
die  Blödheit  des  sympathischen  Denkens  den  Causalnexus  schnör- 
kelhaft verworren  zusammenknüpft,  während  für  ein  schärfe- 
res Auge  solch  willkürlich  construirte  Monstra  unverträglich 
sein  würden. 

Wenn    gleich   alle   unsere   Erkenntniss   mit   der  Erfahrung 


*)  Die  Allnatur  briugt  (nach  den  Harranitem)  in  jedem  Klima  von  den  be- 
wohnten Klimaten  am  Anfang  von  je  36425  Jahren  ein  Paar  von  jeder  Art  der 
Thiergpschlechter ,  ein  Männchen  und  Weihchen,  von  Menschen  u.  s.  w.  hervor. 
Nach  Ablauf  der  Periode  hörte  die  Fortpflanzung  und  Forterzeugung  auf,  und  es 
entsteht  ein  neues  Geschlecht  (s.  Schahristani).  Nach  den  Chaldäern  würde  die 
nach  je  einem  grossen  Weltjahre  von  9977  Jahren  untergehende  Welt  wieder  er- 
neuert werden  (Sext.  Empir.).  Die  Saecula  der  Etrurier  liefen  in  kürzerer  Periode 
ab,  wogegen  die  Zahlen  der  Jainas  noch  die  der  Buddhisten  übertreffen  möchten, 
wenn  das  an  sich  Zahllose  einen  weiteren  Superlativ  erlaubte. 


Vorwort.  L  XXX III 

beginnt,  so  entspringt  sie  darum  docli  nicht  alle  aus  der  Er- 
fahrung, bemerkt  Kaut,  der  dann  das  Aprioristiscbe  aus  dem 
Empirischen  abzusondern  sucht.  Immer  indessen  ist  dies  Em- 
pirische der  Erfahrung  als  der  Keim  anzusehen,  aus  dem  die 
Erkenntniss  hervorwachsend  sich  entfaltet.  Wie  der  Same  in 
nuce  schon  die  ganze  Pflanze  einschliesst,  obwohl  die  Pflanze 
eine  Menge  Organe  enthält,  die  im  Samen  nicht  nachzuweisen 
sind,  so  bildet  die  Erfahrung  die  empirische  Grundlage,  aus  der 
sich  die  Erkenntniss  organisch  entwickelt.  Indem  wir  denken, 
stehen  wir  eben  inmitten  dieses  Wachsthumsprocesses,  oder  viel- 
mehr das  Denken  bildet  selbst  diesen  Wachsthumsprocess,  und 
das  aprioristisch  Abgeleitete  giebt  die  zum  Bewusstsein  gelangen- 
den (das  Bewusstsein  selbst  darstellenden)  Entwicklungsgesetze. 
Insofern  erstrebt  das  an  die  Erfahrung  anknüpfende  Denken  ein 
weitaus  jenseits  der  Erfahrung  Liegendes,  aber  dieses  Ziel 
bildet  doch  nur  die  schon  von  vornherein  als  nothwendiges  Er- 
gebniss  angelegte  Vollendung,  die  sich  im  Gange  des  Fort- 
schrittes durch  weitere  Aufnahmen  ernährt,  wie  die  Pflanze  aus 
Luft  und  Erde.  Da  in  unserer  Erkenntniss  noch  über  die  Erfah- 
rungswelt hinausliegende  Ideen  (von  der  Seele,  dem  Weltall  und 
Gott)  sich  finden,  die  aus  der  Erfahrung  nicht  gewonnen  sein 
konnten,  aber  doch  nothwendig  zu  sein  schienen,  so  müsste  der 
Grund  dieser  Nothwendigkeit  gleichfalls  in  unserer  Vernunft  liegen 
(nach  Kant).  Aber  diese  Ideen  sind  immer  nur  das  entspre- 
chende Product  der  jedesmaligen  Erfahrung,  und  die  ethnolo- 
gischen Thatsachen  beweisen  es  ja  eben  überall,  dass  die  Ideen 
von  der  Seele,  von  dem  Weltall,  von  Gott,  jeder  Zeit  und  jeden 
Ortes,  den  aus  der  Erfahrung  gegebenen  Anschauungen  gemäss 
verschiedentlich  und  in  den  mannigfaltigsten  Richtungen  der 
Gestaltungen  ausgebildet  sind.  —  Descartes  erklärte  (Ende  des 
XVIL  Jahrh.)  den  Raum  materiell  (objectiv),  Kant  (100  Jahre 
später)  als  Anschauung  (subjectiv),   und  auf  diese  gefeierte  Ent- 


LXXXIV  Vorwort. 

deckung  basirte  sich  die  ganze  nachfolgende  Literatur ,  so  volu- 
minös; um  Häuser  und  Städte  zu  füllen,  aber  heute  (nach  einem 
andern  Jahrhundert)  streiten  wieder,  als  die  besten  Autoritäten 
anerkannte,  Philosophen,  ob  der  Raum  subjectiv  oder  objectiv, 
oder  nicht  vielleicht  beides,  subjectiv-objectiv  sei.  Um  was  sind 
wir  also  in  den  300  Jahren  (um  nicht  den  langen  Weg  bis 
Aristoteles  zurückzugehen)  weiter  gekommen,  und  was  würde  in 
der  Gesammtheit  der  philosophischen  Literatur  überdauern,  wenn 
mit  der  Schneide  scharfen  Denkens  geprüft?  Die  naturwissen- 
schaftliche Behandlung  der  Physiologie,  die  erst  seit  wenigen 
Decennien  kaum  begonnen  ist,  hat  die  Fragen  über  Raum  und 
Zeit  noch  nicht  erreicht,  aber  eines  Tages  wird  sie  dahin  kom- 
men, die  Aufgabe  untersuchen,  sie  lösen,  und  damit  für  immer 
ein-  und  allemal  entschieden  haben. 

Die  Natur  ist  nicht  so  ärmlich  beschränkt,  um  nur  in  der 
einfachen  Reihe  eines  indianischen  Gänsemarsches  zu  operireu; 
sie  ist  reich  und  weit  genug,  um  das  Gewühl  volkreicher  Städte 
zu  umfassen,  in  allen  ihren  Varietäten  und  Nüancirungen  neben 
und  zwischen  einander.  Für  menschliche  Schöpfungen  des  in 
Zeit  und  Raum  entstandenen  Geistes  werden  wir  uns  stets  sche- 
matisch einen  Anfang  entwerfen  müssen,  mit  dem  sie  begonnen; 
für  die  Schöpfungen  des,  weil  ausser  Raum  und  Zeit,  unbegrif- 
fenen Gesetzes  dagegen  haben  die  innerhalb  unseres  Gedanken- 
ganges nothwendigen  Begrenzungen  keine  Geltung.  —  Wenn 
die  Natur  nur  die  einfache  Fortbewegung  in  der  geraden  Linie 
kannte,  wenn  sie  im  vervollkommnenden  Stufeugang  vom  Wurm 
bis  zum  Menschen  fortschritte,  so  wäre  damit  auch  ein  zeitliches 
Ziel  gesetzt  und  sie  hätte  das  Schicksal  aller  Entwicklung  zu 
durchlaufen,  nach  erreichter  Höhe  der  Mannheit  im  schwach- 
sinnigen Alter  hinzusiechen.  Aber  die  Natur  altert  nicht,  ihre 
Productionen  sind  ewig  neu  und  jung,  in  den  physikalischen. 
Charakteren  der  Völker  ebensowohl,  wie  in  ihrer  Sprache,  bei 


Vorwort.  LXXXV 

denen  man  gleichfalls  von  einem  Altern  sprach,  indem  man  die 
Fülle  allseitiger  Grestaltung  auf  einen  schematischen  (und  für 
die  Theorie  immerhin  nützlichen}  Strich  zusammenzwängt.  Wollen 
wir  die  uns  gewohnheitsmässige  Anschauung  eines  Zieles  fest- 
halten, so  ist  dasselbe  wenigstens  über  die  Grenzen  von  Raum 
und  Zeit  hinaus  zu  versetzen. 

Während  die  alten  Sagen  der  Völker  von  einem  goldenen 
Zeitalter  ausgehen,  das  der  Götter  bei  den  Indern,  der  Heroen 
bei  den  Griechen  u.  s.  w.,  hat  man  neuerdings  statt  dieses  Herab- 
sinken ein  allmäbliges  Aufsteigen  aus  dem  Standpunkte  tiefster 
Uncultur  angenommen,  aber  hier  gleichfalls  bei  Ausziehung  der 
Geschichte  der  Menschheit  in  eine  einzige  Zeitreihe  den  Fehler 
schematischcr  Verallgemeinerung  begangen,  ehe  man  sich  mit  der 
Masse  der  Details  genügend  bekannt  gemacht  hatte.  Dem  Zu- 
stande des  umherschweifenden  Nomaden  gegenüber  bildete  die 
Civilisation  den  auf  verschiedenen  Wegen  erreichbaren  Fort- 
schritt, zunächst  in  dem  gesetzlich  geregelten  Leben  des  Bürgers, 
in  der  Civilitas  Theoderich's  M.,  bei  dem  Uebergang  der  Gothen 
zu  festen  Ansiedelungen,  und  im  Hinblick  auf  solche  Civilitas 
stehen  z.  B.  die  alten  Gallier  mit  ihren  Duumvir  in  cisalpini- 
schen  Städten,  mit  ihrem  Vergobret  und  Brennus  (dem  rex  und 
princeps  der  Germanen),  mit  ihren  Doppelkönigen  (wie  sie,  ausser 
bei  Spartanern,  bei  Siamesen  wiederkehren,  und  ähnlich  bei  den 
Kru)  auf  ziemlich  gleicher  Stufe  mit  den  alten  Römern,  denen 
gegenüber  man  sie  gerne  als  Barbaren  betrachtete.  Ein  anderes 
ist  dann  die  unter  besonders  begünstigten  Umständen  (bei  Hel- 
lenen, bei  Assyrern  und  Egyptern,  bei  Chinesen  und  Japanern, 
bei  Peruanern  und  Mexicaneru,  sowie  in  der  Neuzeit  Europas) 
aufblühende  Cultur,  gleichsam  der  Luxus  eines  Schmuckgartens, 
der  vorhanden  sein  oder  fehlen  mag,  nicht  aber  die  nothwendige 
Grundlage  der  Gesittung  darstellt,  wie  jene  weiten  Saatfelder 
der  Civilitas. 


LXXXVI  Vorwort. 

Als  von  dem  Range  einer  eigentlichen  Naturwissenschaft  ent- 
fernt und  unfähig  zur  systematischen  Zergliederungskunst,  kann 
die  empirische  Psychologie  „niemals  etwas  mehr  als  eine  histo- 
rische und  als  solche  so  viel  möglich  systematische  Naturlehre 
des  inneren  Sinnes,  d.  h.  Naturbeschreib;mg  der  Seele,  aber  nicht 
Seelenwissenschaft,  ja  nicht  einmal  psychologische  Experimental- 
lehre werden."  Kant  möchte  sie  deshalb  aus  der  Metaphysik 
ganz  verbannt  sehen,  und  sie  ist  dort  nur  zu  betrachten  als  ein 
vorläufig  „aufgenommener  Fremdling,  dem  man  auf  einige  Zeit 
einen  Aufenthalt  vergönnt,  bis  er  in  einer  ausführlichen  Anthro- 
pologie seine  eigene  Behausung  wird  beziehen  können.'^  Dann 
eben,  nach  genügender  Beschaffung  des  ethnologischen  Mate- 
riales*)  (da  es  sich  nicht  um  die  Gedanken  des  Einzelnen,  son- 
dern um  den  Völkergedanken  handelt),  wird  die  Psychologie  als 
die  echte  Wissenschaft  von  der  Natur  hervortreten,  als  im  vollen 
Sinne  Naturwissenschaft,  zu  der  sich  eine  (psychologisch  ge- 
schulte) Philosophie  verhalten  würde,  wie  die  reine  Mathematik 
zu  den  auf  ihr  basirenden  Zweigen  angewandter  Technik,  die 
erst  die  für  das  Leben  geniessbaren  und  dieses  durch  verjün- 
gende ErhaltUDg  zu  weiteren  Schöpfungen  befähigenden  Früchte 
tragen.  Wer  die  Psychologie  ihrer  selbst  willen  treibt,  wird  mit 
leeren  Formeln  spielen,  die  dem  fernstehenden  Laien  als  my- 
steriös allegorische  Symbole  aufgezeigt  werden  können,  die  aber 
einen  realen  Werth  nur  so  weit  gewinnen,  als  sie  in  thatsächlich 


*)  An  extensive  snrvey  of  the  regions  'of  fancy  and  their  productions  will 
incline  ns  rather  to  consider  the  mental  powers  of  man  as  having  an  uniform 
Operation  nnder  every  sky  and  uuder  every  form  of  political  existence  and  to  ack- 
nowledge  that  identity  of  invention  is  no  more  to  be  wondered  at  than^identity 
of  actioii  (Keiglitley).  L'esprit  humain,  place  dans  les  memes  circonstances,  se 
d^veloppe  ä  peu  pres  de  la  meme  maniere,  anx  memes  dangers  il  oppose  toujours 
les  memes  remfedes,  autant  qua  le  lui  permettent  les  moyens  dout  il  peut  dis- 
poser  (Armandi).  Vingt  ou  trente  si&cles  ecoules  depuis  lors  n'ont  apporte  pres- 
que  aucune  difiference  dans  la  conduite  des  Operations  et  dans  les  bases  de  la 
Strategie,  les  applications  mames  et  les  formes  se  ressemblent. 


Vorwort.  LXXXVU 

constatirten  Manifestationen  der  Denkgesetze  zu  Tage  treten, 
so  dass  hier  (wie  in  jeder  Erfahrungswissenschaft)  die  Beobach- 
tung dem  daraus  abgeleiteten  Allgemeinen^  das  sich  wieder  zur 
regelmässigen  Anordnung  des  objectiv  Vorhandenen  benutzen 
lässt,  vorhergehen  muss. 

Während  man  die  empirische  Psychologie  als  Erfahrungs- 
wissenschaft den  Naturwissenschaften  annähert,  soll  die  ra- 
tionelle Psychologie  ein  Theil  der.  Philosophie,  und  im  Be- 
sonderu  der  Metaphysik  sein,  obwohl  auf  welchem  Forschungs- 
gebiete immer  die  Philosophie  Gegenstände  der  Betrachtung 
unterwirft,  sie  nach  psychologischen  (also  nur  aus  der  Psy- 
chologie verständlichen)  Gesetzen  handelt,  und  alle  die,  die 
Empirie  überschreitenden,  Constructionen  für  sie  Schöpfungen 
der  in  ihrem  Sinne  verstandenen  Psyche  sein  müssen,  also  psycho- 
logische, und  zwar  noch  reiner  psychologische,  als  die  empi- 
rischen. So  macht  Kant  die  Kritik  des  Erkenntniss Vermögens 
zum  Ausgangspunkt  der  Philosophie.  Wenn  die  rationelle  Psycho- 
logie meint,  nachdem  sie  durch  Erfahrung  das  Wesen  der  Seele 
erfasst  habe,  nun  aus  diesem  weitere  und  alle  möglichen  Ver- 
änderungen auf  dem  Wege  der  Speculation  ableiten  zu  können, 
so  beraubt  sie  den  Menschen  seines  erhabensten  Trostes,  den  ihm 
ewige  Fortentwicklung  im  Unendlichen  bietet.  Die  Erfahrung  lernt 
nie  aus,  sie  kann  und  darf  nie  auslernen  in  dieser  dem  Menschen 
noch  unverständlichen  Welt,  und  es  wäre  der  Hohn  wilder  Ver- 
zweiflung, wenn  wir  uns  in  düsterer  Klausur  für  immer  mit 
jenem  jämmerlichen  Bettelbrote  zu  begnügen  hätten,  das  die 
Philosophie  als  ihre  speculativ  zusammengebackene  Seele  an- 
bietet. Lieber  noch  länger  durch  Feld  und  Wald  gebirscht,  der 
Meereswelle,  den  Stürmen  getrotzt,  den  Flüssen  gefolgt,  den  tiefen 
Schacht  geprüft,  bis  wir  der  Natur  genug  von  ihrem  Gaben- 
reichthum  abgerungen  haben,  um  bei  einem  glänzenderen  Mahl, 
an  der  mit  Wissensschätzen  beladenen  Tafel  zu  schwelgen. 


LXXXVm  Vorwort. 

Im  Hirnstamm,  in  dem  die  im  Rückgrat  bereits  vereinigten 
Nerven  unter  vielfachen  Durchkreuzungen  mit  den  Strängen  der 
Sinnesorgane  zusammeutreifen,  concentrirt  sich  das  Allgemeinge- 
fühl (neben  der  Vitalempfindung  des  Körpers),  das  dann  in  wei- 
ter angeregter  Geistesthätigkeit  die  Windungen  der  Gewölbtheile 
durchzieht.  Wir  wissen,  dass  beim  Sehen  die  Linse  bricht,  das 
Trommelfell  beim  Hören  bebt,  und  dies  ist  die  Grenze  der  physi- 
kalischen Wirksamkeit,  jenseits  welcher  die  Nervenfimction  in 
Kraft  tritt.  Wir  wissen,  dass  diese  Nerven  in  Drüseuorganen 
Secretion,  im  Muskelgewebe  zuckende  Bewegung  hervorrufen, 
wir  bezeichnen  dagegen  ihre  in  weisser  und  grauer  Hirnsubstanz 
nicht  weiter  veranschaulichbare  Thätigkeit  als  Denken.  Die 
Secretion  ist  mit  chemischer  Zersetzung  verbunden,  die  Bewegung 
von  elektrischen  Strömen  begleitet,  das  Denken  erfüllt  sich  in 
Kräften*),  für  die  in  der  raum-zeitlichen  Welt  keine  Analogien 
geboten  sind.  Auf  dem  Resonanzboden  der  Gefühle  **)  bilden  sich 
anregende  Reize  der  Wahrnehmungen  und  Vorstellungen,  die 
je  nach  ihrer  Stärke  in  Begehrungen  übergehen,  oder  latent  bleiben 
im  Hervorrufen  von  Verstandesbegriffen. 

Der  Buddbismus  lehrt  die  Identität  des  Denken  und  Sein, 
wie  in  der  Psychologie  desselben  im  Einzelnen  ausgeführt  wird 
und  diese  begnügt  sich  nicht  damit,  das  in  der  Logik  innerlieh 


*)  Wenn  wir  eine  Kraft,  wie  klein  auch  immer,  bis  zu  ihrem  Ursprung  ver- 
folgt haben  in  unserem  eigenen  Willen,  während  wir  keine  Kenntniss  irgend  einer 
anderen  primären  Ursache  der  Kraft  haben,  so  scheint  es  kein  unabweisbarer 
Schluss  zu  sein,  dass  alle  Kraft  Willenskraft  sein  mag  (Wallace).  Kant  nennt 
denjenigen  frei,  in  dem  die  Gebote  des  sittlichen  Vernunftwesens  die  Sinnenreize 
bewältigen. 

**)  Indem  die  Leidenschaften  auf  die  Körperorgane  zurückwirken,  der  Zorn 
auf  die  Brust  und  den  Blutumlauf,  die  Furcht  auf  den  Unterleib  u.  s.  w.,  so 
wollte  man  ihren  Sitz  in  denselben  suchen,  während  hier  umgekehrt  der  Fall  ein- 
tritt, dass  eine  besonders  starke  Aufregung  des  Psychischen  sich  bis  auf  Nerven- 
organe bemerkbar  macht,  die  unter  gewöhulichen  Verbältnissen  seinem  Einflüsse 
entzogen  sind. 


Vorwort.  LXXXIX 

G-ewordene  als  äusserlich  fertiges  Dasein  zu  betrachten,  denn 
jenseits  des  Denken  steht  das  Eeale,  als  Res  externa,  die  als 
res  cogitans  durch  die  Willenskräfte  des  Verklärten  in  die  na- 
tura naturata  zurückkehrt. 

Die  Gesetzlichkeiten  der  Organismen,  die  der  Mensch  in  der 
Natur  vor  sich  sieht,  deuten  auf  einen  einheitlichen  Zusammen- 
hang, in  den  er  selbst  eingeschlossen  ist,  ohne  dass  sich  indess 
die  Localisirung  temporeller  Gliederung  bei  einer  Raum  und 
Zeit  aufhebenden  Abstraction  festhalten  Hesse.  Der  Mensch  mag 
von  den  geistigen  Thatsachen,  wie  sie  ihm  klar  vor  Augen 
stehen,  den  Ausgang  nehmen,  um  ihre  Analogien  in  die  Thier- 
reiche  hinab  zu  verfolgen,  aber  es  bleibt  nicht  rathsam,  Aus- 
drücke wie  Willen  (die  Bestimmung  zur  That)  oder  Unbewusst- 
sein  (im  Accord  bewusster  Gedanken)  auf  Vorgänge  in  vege- 
tativen Processen  zu  übertragen,  da  sie  im  Menschen  seihst  neben 
solchen  bestehen  und  ihnen  gegenüber  ihre  specifische  Werth- 
bezeichnung  verlangen. 

Die  philosophische  Discussion,  ob  die  Aussenwelt  real  oder 
ideell,  objectiv  oder  subjectiv  sei,  ist  an  sich  ein  bedeutungsloser 
Wortstreit*).  Man  hat  die  Beziehungsweise  der  Aussenwelt  zum 
Subjectiven  als  Reales  bezeichnet  (man  hätte  ihm  jeden  andern 
Namen  geben,  oder  es  auch  ideell  auffassen  können),  und  jetzt 
ist  diese  gleiche  Relation  zwischen  Aussen  und  Innen  beizu- 
behalten, wenn  nicht  durch  Spielen  mit  den  Ausdrücken  Alles 
verwirrt  werden  soll.  Die  Versuche,  gewisse  Processe  des  Sub- 
jectiven auch  im  Objectiven  wiederzufinden,  dürfen  nie  (die  Welt 
der  Vorstellungen  und  der  Stofibewegung  in  einander  mengend)  bis 
zur  Verwechslung  beider  gehen,  obwohl  man  im  Hinblick  auf 
das  Absolute  für  Reales  und  Ideelles  den  gemeinsamen  Urgrund 


*)  Ueber  die    Universalia    iu  re    (der   Nominales)    oder   die    Universalia    ante 
rem  (der  Reales). 


XC  Vorwort. 

eines  Tertium  comparationis  finden  mag,  in  dem  sieh  die  Gegen- 
sätze vermitteln. 

Die  Lehren  der  Mysterien  besitzen  die  Anziehimg  des  my- 
steriös Verschleierten,  das  seine  Candidaten  für  Eleiisis  gewann, 
wie  für  die  Logen-Satzungen.  Jetzt  vermag  kein  Siegel  mehr 
dem  forschenden  Zeitgeist  ein  Räthsel  zu  verschliessen,  dem 
Wissen  sind  die  Mysterien  hohl  und  leer,  obwohl  ihre  symbo- 
lischen Schöpfungen,  die  poetischen  Auffassungen  der  tiefsten  Fra- 
gen des  Lebens  stets  ihren  Reiz  und  ihren  Werth  bewahren.  In  ähn- 
lichen Hierogljqjhen  bewegen  sich  die  Schöpfungen  der  dialek- 
tischen Philosophie,  die  weite  Gedankengebäude  aufführen,  höher 
und  höher  emportreiben,  ohne  dass  der  einfache  Menschenverstand 
auch  nur  einen  Grund  für  die  Fundamentlegung  einsieht  und  bei 
dem  durchsichtigen  Mangel  desselben  die  ganze  Structur  als  luf- 
tige fortbläst.  Dennoch  sind  die  mit  der  ferneren  Ausführung  be- 
schäftigten Gedankenarbeiten  in  ästhetischer  Hinsicht  nicht  ohne 
Bedeutung,  und  obwohl  sie  dem  realen  Wissen  kein  Tüttelchen 
zufügen*),  erproben  sie  doch  die  Spannkraft  des  Geistes,  um 
ihm  für  Bewältigung  schwieriger  Aufgaben  die  nöthige  Uebung 
zu  verleihen. 

Die  Ethnologie  kann  keine  Völker  kennen,  sondern  nur 
Volksmomente,  d.  h.  Typen,  die  sich  unter  dem  Einfluss  der 
geographischen  Umgebungen,  unter  den  geschichtlich  zusammen- 
geführten Materialien  mehr  oder  weniger  gleichartig  heraus- 
bilden. Schon  ein  unverändeii  auf  demselben  Wohnsitz  bleiben- 
bendes  Volk  wird,  wenn  in  den  Geschichtsfluss  **)  hineingezogen, 


*)  Nach  Michelet  wird  jedem  Neuling,  der  in  das  Collegium  logicum  eines 
Hegelianers  tritt,  sogleich  eingeschärft,  dass  die  Wahrheit  sich  nicht  in  Form  der 
Verstandeslogik  erhärten  lässt,  dass  sie  nicht  in  Einem  Satz  gefasst  werden  kann, 
sondern  zwei  Verstaudssätze  nöthig  sind,  um  eine  speculative  Wahrheit  auszu- 
sprechen. 

**)  Soll  die  Geschichtskunde  immer  mehr  ein  Verstandenes  werden,  so  muss 
sie  zuerst  ihrer  Basis  nach  auf  die  entsprechenden  Zweige  der  Naturkunde,  näm- 


Vorwort.  XCI 

nach  einigen  Jahrhunderten  eine  ganz  neue  Physiognomie  zeigen, 
so  dasS;  ohne  zufällig  gegebene  Reihenfolge  historischer  Docu- 
mente,  ein  Zusammenhang  kaum  vermuthet  werden  würde,  wenn 
er  sich  auch  manchmal  (aber  durchaus  nicht  immer)  aus  der 
Sprache  constatiren  sollte.  Wissen  wir,  dass  in  einem  Lande 
Kreuzungen  der  Eingeborenen  mit  Eroberern,  Einwanderern,  Ein- 
geführten oder  sonstigen  Eindringlingen  stattgefunden  haben, 
so  hört  jede  Möglichkeit  auf,  von  einer  Identität  des  einen  oder 
andern  Stammes  zu  reden,  da  um  solche  zu  verificiren  oder  zu 
negiren  die  exacte  Forschung  eine  viel  genauere  Kenntniss  der 
Procentverhältnisse  in  den  Blutmischungen  verlangen  würde,  als 
wie  sie  jemals  gegeben  sein  kann.  Völlig  heterogene  Mischungen 
von  scharf  getrennten  Völkereigenthümlichkeiten  würden  nur 
lose  Conglomerate  bilden,  die,  ähnlich  den  affinitätslos  in  der 
Chemie  gebildeten,  rasch  wieder  auseinanderfallen  und  zu  ihren 
natürlichen  Verwandtschaften  zurückkehren  (wobei  zu  beachten  ist, 
dass  sich  im  Anorganischen  das  Entgegengesetzte  am  festesten 
verbindet,  im  Organischen  das  Aehnliche).  Treffen  dagegen  zwei 
Völkertypen  zusammen,  die  in  dem  richtigen  Spannungsverhält- 
niss  mit  einander  stehen,  so  wird  gerade  aus  ihnen  eine  neue 
Verbindung  hervortreten,  die  weit  besser  geschlossen  ist,  als  eine 
andere  der  sie  umgebenden,  und  die  also  fortan,  als  solche 
(unter  Verdrängung  der  übrigen),  fortzeugen  wird.  Jede  nume- 
rische Berechnung  hört  hier  auf,  da  bei  der  schwierig  contro- 
lirbaren  Accuraulationsfähigkeit  mancher  organischen  Gebilde 
mitunter  eine  scheinbar  verschwindende  Quantität  grösserer 
Effecte  erzeugen  kann,  als  im  andern  Falle  eine  massenhafte. 
Da  ausserdem  die  Namen^*)   der  Völker  meist  Generalisationen 


lieh  auf  die  physi'sche  Erdkunde  und  auf  die  geographische  sowohl  als  physio- 
logische Ethnographie  zurückgeführt,  dann  aber  in  den  grossen  Zügen  ihres  Ver- 
laufes ethisch  geschätzt  werden  (Schleiermacher).    1830. 

*)  Der  Zufall  ist  in  der  Geschichte  ebensowenig  zulässig,  wie    in  der  Natur- 


XCII  Vorwort. 

darstellen,  die  an  Localitäten,  Lebensweise,  Kangverhältnissen, 
gegenseitigen  Beziehungen  haften,  da  der  physische  Habitus 
durch  selbstständige  Entfaltung  (selbst  bei  Abschluss  jeder 
Kreuzung)  sich  mit  der  psychischen  Fortbildung  ändern  würde 
und  die  Entwicklung  dieser  letzteren  auch  die  der. Sprache  nach 
allerlei  politisch  heiTorgehobenen  (aber  nicht  aprioristisch  be- 
stimmbaren) Richtungen  mit  sich  zieht,  so  ermangelt  die  Ethno- 
logie in  diesem  Fluthen  aller  äusserlich  fassbaren  Kennzeichen 
jedes  festen  Haltpuuktes,  wenn  sie  ihn  nicht  in  den  Gesetzen 
organischer  Gestaltung  zu  ergreifen  vermag.  In  dem  gegebenen 
Volke  sind  (in  der  Mehrzahl  der  Fälle)  alle  constituirenden  Ele- 
mente unbekannte  Grössen,  so  weit  sie  die  Eingeborenen  betreffen 
sowohl,  als  wie  die  Zugewanderten.  Bekannt  sind  nur  die  phy- 
sikalischen Ageutien,  die  in  der  geographischen  Umgebung  zur 
Formation  eines  Typus  tendiren.  und  andererseits  die  geschicht- 
lich hineinfallenden  Reize,  die  die  einwohnende  Entwicklung  nach 
ihrer  eigenen  Neigung  abzulenken  suchen  und  (je  nach  grösserem 
oder  geringerem  Widerstände)  abzulenken  vermögen  (vielleicht 
auch   in   eine  ganz  neue  Bahn).     Aus  diesen  Elementarwerthen 


Wissenschaft.  Sieht  mau  eine  Blume,  die  einer  andern  an  Farbe  der  Blüthen 
gleicht,  so  mag  äussere  Betrachtung  dies  einen  Zufall  nennen,  wer  aber  in  die 
inneren  Wachsthumsgesetze  der  Pflanzen  und  die  Beziehungen  des  Lichtes  auf  die 
Farbenentwicklung  eingeht,  weiss,  dass  in  beiden  Fällen  ein  (wenn  auch  in  den 
Einzelnheiteu  nicht  immer  nachweisbares  und  unter  sich  in  den  Causalitäten 
differirendes)  Gesetz  obwalten  muss.  Aus  solcher  Farbengleichheit  lässt  sich 
dann  ebenso  wenig  Weiteres  folgen,  wie  aus  gleicher  Zahl  der  Staubfäden,  wenn 
man  diese  nicht  etwa  zur  Herstellung  eines  künstlichen  Systems  verwenden  will. 
Treten  aber  zu  der  gleichen  Staubfädenzahl  andere  Uebereinstimmungen  in  der 
Morphologie  hinzu,  so  mag  daraus  eine  natürliche  Classification  berechtigt  werden. 
Ebenso  ist  Nameiisgleichheit  zweier  sonst  getrennter  Völker  zwar  immerhin  kein 
Zufall,  weil  bei  beiden  aus  bestimmten  Ursachen  resultirend,  aber  doch  für  weitere 
Folgerungen  unbrauchbar,  wenn  nicht  ausserdem  sonstige  Gleichheitsmomente  ge- 
geben sind,  die  zwei  für  Berechnungen  geeignete  Formelreihen  herzustellen  er- 
lauben. Systeme  hindern  den  Fortschritt  (wie  Gruppe  bemerkt),  wenn  zur  künst- 
lichen Simulirung  eines  Abschlusses  hingestellt,  während  sich  dieser  erst  aus  der 
Natur  des  Fortschrittes  von  selbst  ergeben  muss. 


Vorwort.  XCIH 

sind  dann  erst  mühsam  und  sorgfältig  die  Proportionsverliältnisse 
aufzusuchen;  die  zu  den  complicirteren  Grössen  hinüberführen 
können. 

Die  Nationalitäten  bilden  sich  im  Laufe  der  Gesebichtsent- 
wicklung  aus  vielfach  zuströmenden  Flüssen,  deren  Gewässer 
sich  zwar  zu  ihren  getrennten  Quellen  verfolgen,  aber  nach 
stattgehabter  Confluenz  nicht  wieder  von  einander  abscheiden 
lassen ;  da  der  neubenanute  Hauptstrom  erst  aus  den  vereinig- 
ten Theilen  als  ein  Ganzes  entstanden  ist  und  die  in  seinem 
Laufe  mehr  und  mehr  gemischten  Wellen  dem  Meere  zuführt. 
Man  mag  darüber  streiten,  ob  es  nicht  richtiger  gewesen,  im 
Ucayali  den  Hauptarm  des  Maranon  zu  sehen,  in  der  Saale  (bei 
Tacitus)  den  der  Albis,  im  Inn  den  der  Donau,  nachdem  jedoch 
die  Namen  einmal  vertheilt  sind,  darf  die  Yergleichung  der  Arme 
keine  Rückwirkung  üben  auf  den  Stamm,  der  sich  noch  durch 
viele  andere  Beiflüsse  bis  zu  seiner  Mündung  vergrössert,  —  Die 
Nationalität  wird  durch  die  Gleichartigkeit  der  Interessen  herge- 
stellt und  erhält  ihre  Bedeutung  in  der  Geselligkeit  der  Men- 
schennatur eben  dadurch,  dass  die  durch  das  Zusammenwirken 
Vieler  ausgeführten  Werke  um  so  höheren  Werth  und  Bedeutung, 
als  von  hoher  Schwere  und  Gewicht,  für  die  menschliche  Wesen- 
heit in  sich  schliessen.  Im  Allgemeinen  wird  mit  der  Gleich- 
heit der  Interessen  auch  Gleichheit  der  Sprache  verbunden  sein, 
oder  diese  doch  rasch  durch  jene  herbeigeführt  werden ;  die  auf 
einem  geographisch  umschriebenen  Areal  Zusammenlebenden 
werden  an  sich  einen  gleichartigen  Typus,  in  Folge  gleichartiger 
Umgebung,  tragen,  und  sich  in  Folge  dessen  einem  (weil  aus 
fernerer  Fremde  verschiedenem)  Eindringlinge  gegenüber  auch 
als  Einheit  fühlen,  während  sie,  sich  selbst  überlassen,  gewöhn- 
lich in  eine  Unzahl  von  Stämmen  zersplittert  werden,  von  denen 
jeder  nur  seine  Partialinteressen  kennt  und  diese  im  Kampfe  mit 
den  Andern  aufrecht  hält,  auch  zu  besserer  Abscheidung  von  den 


XCIV  Vorwort. 

Übrigen  vielleicht  absichtlich  die  Sprache  dialektisch  verändert. 
Tritt  dann  ein  Allen  gefährlicher  Feind  hervor^  so  vergessen  sie 
ihre  Privatstreitigkeiten  vor  nöthigem  Schutze  gegen  jene,  wie 
die  Hellenen  die  inneren  Kriege^  wenn  ein  Perser  die  Freiheit 
bedrohte.  Je  enger  der  gesellige  Kreis  gezogen  ist^  desto  leichter 
tritt  dann  der  Mythus  zusammengehöriger  Abstammung  hinzu^ 
wie  bei  den  Hellenen  in  Hellen  und  jeder  Stamm  von  einem 
seiner  Söhne,  oder  die  Istävonen,  lugävonen,  Hermionen  bei 
den  auf  Mannus,  Sohn  des  Tuisco,  zurückführenden  Germanen. 
Den  Istävonen  gegenüber  hielt  der  Ingävone  gewiss  seine  par- 
tielle Nationalität  erbittert  aufrecht,  wenn  er  auch  im  Existenz- 
kampf mit  Rom  über  polche  Streitigkeiten  als  private  hinweg- 
sehen mochte,  aber  wo  solche  Motive  fehlten,  konnte  innerhalb 
gemeinsamer  Abstammung  die  unübersteiglichste  Barriere  aufge- 
richtet sein,  wie  zwischen  Semiten  und  Hamiten,  obwohl  beide 
(nebst  den  Japhiten)  auf  Noah  zurückführten,  als  gemeinsamen 
Ahn  der  ganzen  für  sie  bekannten  Welt.  Innerhalb  der  Semiten 
zersplittern  sich  w^eiter  die  Scheidungen  der  nahverwandten  und 
doch  feindlichen  Kachkommen  des  Isaak  und  Ishmael,  des  Esau 
(Aysh)  und  Jakob  u.  s.  w.  Im  Fortgange  der  Entwicklung  nimmt 
der  Strom  der  Nationalität  eine  Menge  Seitenarme  in  sich  auf, 
die  nach  der  stattgehabten  Mischung  der  Wässer  nicht  weiter 
abzuscheiden  sind  und  für  sich  selbst  integrirende  Theile  der  aus 
ihnen  und  durch  sie  erst  gebildeten  Nationalität  darstellen,  wie 
finnische,  serbische,  illyrische,  permische  und  andere  consti- 
tuirende  Elemente  in  der  Nationalität  des  Slawenthums.  Wie 
sich  ein  Volk  die  mythologische  Vorgeschichte  zurechtlegt,  hängt 
von  den  Causalitäten  seiner  Charakter-Eigenthümlichkeiten  ab. 
Bald  glaubt  es,  der  Erde  entsprossen  zu  sein  (wie  Libyer  und 
Moxos),  bald  leitet  es  sich  von  Thieren  ab  (wie  die  Indianer), 
bald  von  Heroen  (gleich  den  Hellenen)  oder  Göttern,  und  im 
letztern  Falle  wird  das  volle  Licht  der  Bildung  (als  himmlische 


Vorwort.  XCV 

Offenbarung)  unter  den  Ahnen  leuchten  (wie  in  Indien)^  wogegen 
der  betriebsame  Chinese,  der  sich  seiner  Hände  Arbeit  freut, 
auch  in  seinem  ganzen  Stamme  ein  mühsames  Heraufarbeiten 
zur  Civilisation  mit  allmähliger  Aneignung  ihrer  Segnungen  ver- 
muthet  und  ebenso  der  rodend  in  den  Bergen  Cambrieus  sie- 
delnde Brite  von  der  Zeit  erzählt,  wo  seine  zuerst  anlangenden 
Vorväter  diese  Wälder  noch  unter  der  Herrschaft  der  wilden 
Thiere  gefunden.  Auch  in  Polynesien  sprechen  Wandersagen 
von  dem  Auffinden  von  noch  (oder  doch  derzeit)  unbewohnten 
Ländern,  und  als  verhältnissmässig  unbewohnt  sind  Gegenden 
wie  Californien,  anzusehen,  wo  die  verkümmerten  Indianerstämme 
selbst  nicht  das  Gold  entdeckten,  sonst  der  mächtigste  Anreiz  der 
Begierden.  Solche  oberflächliche  Lagerungen  des  edlen  Metalles, 
wie  dort  oder  in  Australien,  können  bei  statthabender  Einwan- 
derung ihren  Reichthum  nicht  lange  bewahren,  und  auch  die  spa- 
nischen Silberminen  wurden  seit  dem  phönizischen  Handelsverkehr 
rasch  erschöpft,  müssen  also  vorher  in  längerer  Isolirung  (welche 
trotz  der  alten  Cultur  der  Turdetani  dort  periodisch  bestehen  mochte, 
wie  in  Japan,  bis  die  Ausführung  der  Goldkobang  die  europäischen 
Kaufleute  bereichert)  Zeit  zur  Accumulation  gehabt  haben  (gleich 
den  Schätzen  Perus).  Ein  bedeutsames  Ereigniss  in  der  Vorge- 
schichte Europas  war  jedenfalls  die  Epoche,  als  der  syrische 
Kiel,  den  Wogen  und  Stürmen  trotzend,  das  Meer  durchschnitt  und 
der  bisher  in  Egypten  vorwaltend  continentalen  Cultur  eine  mari- 
time Verbreitung  gab.  Es  war  dies  ein  Anfangs-  oder  doch 
ein  Wiedererneuerungspunkt  der  Geschichte  durch  gegenseitige 
Verknüpfung  der  Völker  und  Länder,  aber  nach  einem  Anfange 
der  Völker  wird  man  ebenso  vergebens  suchen,  wie  nach  dem 
der  Länder. 

Je  nach  dem  von  dem  Beschauer  eingenommenen  Standorte 
ändert  sich  die  Perspective,  unter  denen  der  betrachtete  Gegen- 
stand erscheint  und,  um  ein  Gesammtbild  von  der  Menschheits- 


XCVI  Vorwort. 

entwicklung-  zu  entwerfen,  müssen  wir  durch  den  Wechsel  un- 
seres specifischen  Beobachtungspunktes  die  für  diesen  richtigen 
Proportionen  in  gegenseitiger  Vergleichung  auf  eine  allgemein 
gültige  Scala  projiciren.  Unsere  geschichtlichen  Vorstellungen 
sind  genährt  von  denen  der  classischen  Völker,  die  in  dem  ra- 
schen Aufschwünge  ihrer  Cultur  auf  die  vom  Massstalie  dieser 
in  ihrer'Bildung  abweichenden  Völker  stolz  hinunterblickten  und 
sich  als  die  Träger  der  Erleuchtung  betrachteten,  obwohl  sie  im 
nördlichen  Europa  nicht  weniger  als  in  Asien  mit  selbstständig 
entwickelter  Civilisation  in  Berührung  kamen,  und  im  letztern 
Erdtheil  sowohl  wie  in  Afrika  das  Vorangehen,  zu  ihrer  eigenen 
Blüthezeit  bereits  erloschener,  Bildungsherde  anerkennen  mussten. 
Das  Entdeckungsalter  der  Neuzeit  führte  in  den  abgelegeneren 
Theilen  des  Globus  meist  zu  Völkern,  die  in  ihrer  Isolirtheit  einfache 
Geisteserfassüng  zeigten,  obwohl  auch  dort,  in  Amerika  einestheils 
und  andererseits  in  Polynesien,  in  manchen  Punkten  complicirtere 
Cultusverhältnisse  sich  vorfanden.  Wenn  ein  auf  der  Höhe  der  Zeit 
stehendes  Culturvolk  die  übrigen  nach  sich  bemisst,  kann  es  in 
ihnen  nur  niedrigere  Vorstufen  sehen,  obwohl  das  Sinken  solcher 
Culturvölker  dem  objectiven  Beobachter  zeigt,  dass  dieselbe  Treppe, 
wie  zum  Aufsteigen,  auch  zum  Niedersteigen  dienen  mag. 

„Der  Uebergang  von  den  physikalischen  Vorgängen  im  Ge- 
hirn zu  den  entsprechenden  Thatsachen  des  Bewusstseins  ist  un- 
denkbar" (nach  Tyndall)  und  kann  von  der  Physiologie  nicht 
weiter  gelöst  werden,  wenn  ihr  nicht  die  Psychologie  ein  neues 
Beobachtungsmaterial  in  den  ethnologischen  Thatsachen  liefert. 
Die  durch  die  Sonne  angeregten  Lichtgestaltungen  fallen,  von 
den  Umrissen  des  Baumes  zurückgeworfen,  auf  einen  brechenden 
Körper,  der  das  Bild  jenes  reflectirt  und,  wenn  als  Augenlinse 
mit  einem  Nerven-Ganglion  verbunden,  in  diesem  weitere  Erzitte- 
rungen hervorrufen  muss.  Wir  haben  also  eine  in  der  Natur  be- 
stehende Form  neu  geschaffen,  die  Existenz  dieses  Aussendinges 


Vorwort.  XCVII 

prägt  sicli  dem  subjectiven  Organismus  ein.  Diese  Erkenutniss 
des  Daseins  wird  sich  zunächst  etwa  nur  mit  Bewegungs- 
combinationen  associiren,  um  den  (materiell  empfundenen^  An- 
stoss  zu  vermeiden,  aber  in  einer  höher  organisirten  Wesenheit 
weiterer  Stufe  dann  bereits  mit  den  Anlagen  zu  dieser  erworbenen 
Erfahrung  geboren  werden.  Dadurch  ergiebt  sich  sogleich  eine 
Thätigkeitsäusserung,  die  mit  keiner  anderen  aus  der  objectiven 
Natur  in  directe  Correlation  mehr  gesetzt  werden  kann,  deren 
Zusammenhang  mit  dieser  aber  dennoch  festzuhalten  bleibt.  Indem 
sich  dann  mit  fortschreitender  Vollendung  die  geistigen  Concep- 
tionen  verfeinern  bis  zu  denen  des  Menschen,  erhalten  wir  schliess- 
lich unter  Zutritt  der  Sprache  die  nach  x\ussen  projicirten  Ideen- 
bilder, die  wieder  in  ihrem  klaren  Verständniss  (unter  der  Coutrole 
ihrer  bei  allen  Völkerstämmen  wiederkehrenden  Analogien)  einen 
testen  Ansatzpunkt  erlauben,  um  von  ihnen  rückwärts  den  Weg 
bis  zu  jenem  Punkte  zu  durchmessen,  wo  die  Physik  an  der 
Grenze  der  Physiologie  stehen  blieb.  Die  so  gewonnenen  Kesultate 
würden  dann  weiter  als  Führer  benutzt  werden  müssen,  um  die 
Geistesthätigkeit  tiefer  abwärts  in  die  Thierreiche  hinunter  zu  ver- 
folgen, bis  sie  mit  den  ersten  Erscheinungen  der  Lebensäusserung 
zusammenfällt.  Wenn  wir  das  schematische  Bild  einer  allmäligen 
Vervollkommnung  in  der  Wesenslinie  entwerfen,  wenn  wir 
Tausende  und  Millionen  von  Jahren  zusammenreihen,  um,  Stein- 
chen auf  Steinchen  zufügend,  die  Uebergangsbrücken  derSpecies, 
der  Gattungen  und  Familien  zu  einander  zu  bahnen,  so  muss 
der  rein  hypothetische  Charakter  dieser  subjectiven  Aushilfe  nicht 
vergessen  und  im  Auge  behalten  Averden,  dass,  was  wir  durch 
mühsames  Aneinanderreihen,  durch  das  Zusammenaddiren  un- 
übersehbarer Summen  herauszurechnen  suchen,  einer  höheren  In- 
telligenz vielleicht  durch  eine  instantane  Multiplications-Operation 
das  gesuchte  Resultat  ergeben  würde.  Dem  Wilden,  der  nur  bis 
drei  zu  zählen  vermag  (wie  der  Zaparo),   wird  es  n^e  gelingen^ 

Bastian,   Keise    VI.  Ci 


XCVm  Vorwort. 

2  mal  1000  zusammen  zu  addiren  und  er  wird  im  Laufe  solcher 
Versuche  g-ar  bald  in  ebenso  heillose  Verwirrung  gerathen  wie 
die  Naturphilosophen,  die  die  dem  Naturvolk  gezogenen  Mark- 
linie scharfer  Beobachtung  unbedacht  überschreiten  und  dafür 
mit  den  Fieberphantasien  wüster  Delirien  geschlagen  sind. 

Erst  die  Aeusseruugen  der  nicht  unmittelbar  sinuenfälligen 
Seele  fallen  in  das  Eäumliche,  erst  auf  sie  kann  deshalb  die 
naturwissenschaftliche  Methode  Anwendung  finden  und  die  Hoff- 
nung hegen  dürfen,  aus  ihnen  den  (bei  ihrem  Entstehen  ein- 
geschlagenen) Rückweg  in  das  Nicht-Ausgedehnte  zu  finden. 
Die  gleichartigen  Erscheinungen  des  Organischen  im  Pflanz- 
lichen und  Thierischen  mögen  auf  eine  letzte  Wechselwirkung 
mit  dem  Milieu  zurückgeführt  werden,  aber  im  Einzelnen  daraus 
nie  erklärt  werden,  da  die  Wurzel  des  Entstehens  ausserhalb 
des  Bereiches  unserer  Sinueswelt  liegt.  Bei  den  geistigen  Er- 
scheinungen dagegen,  die  in  jedem  Individuum  innerhalb  der 
Körperwelt  mit  einem  neuen  Beginne  ihres  bunten  Spieles  aus 
der  Genesis  in  Wirksamkeit  treten,  mag  es  der  Beobachtung 
einst  vergönnt  sein,  den  Process  im  Statu  nascenti  zu  erfassen. 
Das  Naturell,  als  der  habituelle  Zustand  des  Leibes  in  seinem 
Einfluss  auf  die  Geistesverfassung,  kann  (in  ethnologischen 
Klassen),  wie  zur  erklärenden  Construction  der  Gedanken,  so  zu 
ihrer  Aufhellung  aus  den  Ursächlichkeiten  führen. 

Die  Vorstellungen  als  Seelenzustände  sind  durch  äussere- 
Eindrücke  im  Innern  geweckte  Thätigkeiten ,  die  sich  bei  der 
den  Menschen  als  Gattung  gleichartigen  Organisation  gleichartig 
manifestiren.  Ob  das  An-Sich  der  Dinge  von  deren  Sinnes- 
empfinduug  ein  verschiedenes  sei,  ist  eine  von  der  Grundursache, 
auf  welche  das  Sein  zu  reagiren  habe,  abhängige  und  unsere 
Auffassungsweise  nicht  berührende  Frage,  wohl  aber  lässt  sich 
bis  zu  einem  gewissen  Grade  die  Verschiedenheit  der  Auflassung 
bei  den  Thieren  erörtern,  da  sie  in  manchen  Fällen  (wie  bei  den 


Vorwort.  XCIX 

vergrössernden  Augen  der  Pferde,  den  Facetten  der  Insecten 
u.  s.  w.)  schon  die  mechanische  Auifassung  des  Lichtbildes,  das 
Auftreffen  des  Schalls,  das  in  der  Tastpapille  berührende  Gefühl 
u.  s.  w.  betrifft.  Auch  die  im  Grossen  und  Ganzen  einheitliche. 
Auffassung  bei  dem  Menschen  als  Gattung  wird  bei  schärferer 
Zersetzung  in  Speciestheilungen  mannigfache  Differeuzirungen 
erlauben,  und  vielleicht  lassen  sich  bei  tieferem  Eindringen 
in  ethnologische  Thatsacheu  kleine  Differenz-Werthe  berechnen, 
die  es  mit  der  Zeit  ermöglichen  werden,  aus  den  erfassten  Mo- 
menten der  Natur  im  Werden  den  Fluss  derselben  in  gesetzliche 
Bahnen  zu  leiten.  Alle  Wissengegenstände  bieten  nichts  als 
blendende  Scheiben,  von  deren  Oberfläche  die  nach  dem  Darunter 
gerichteten  Fragen  hUlflos  abgleiten,  und  mit  ihnen  wird  ringsum 
der  eiserne  Schicksalsring  der  Existenz  geschlossen.  Da  nur,  wo  in 
der  Wechselwirkung  des  Inneren  und  Aeusseren  die  Psychologie 
die  Fugen  zusammengefügt  hat,  federt  das  Gelenk  der  ver- 
gleichenden Ethnologie,  und  dort  mag  es  Beharrlichkeit  und  un- 
ermüdlichem Fleiss  allmälig  gelingen,  in  das  Geheimniss  der 
Identität  hineinzudringen. 

Anfänge  auf  der  Erde  sind  tiberall  nachweisbar,  und  in 
ihren  relativen  Beziehungen  mehr  oder  weniger  deutlich  zu  sta- 
tuiren,  um  dagegen  für  den  Anfang  der  Erde  als  solcher  den 
richtigen  Sehwinkel  zu  erlangen,  wäre  jener  Standpunkt  er- 
forderlich, den  Archimedes  für  Aufstellung  seines  Hebels  ver- 
langte. Aus  dem  in  dunkelster  Nacht  des  Nichtwissens  hie 
und  da  zerstreuten  Beobachtungsfunken  auf-  oder  absteigende 
Curven  für  die  Erdschöpfung  herauszurechnen,  bleibt  ein  waghal- 
siges Unternehmen,  das  in  der  Praxis  wenig  Liebhaber  finden 
und  ohne  ausgedehntere  Vorlagen  die  darauf  verwendete  Mühe 
schwerlich  lohnen  wird.  Man  häuft  unnöthiger  Weise  die  Schwie- 
rigkeiten eines  bereits  schwierigen  Themas,  wenn  die  Menschen- 
geschichte schon  jetzt  an  die  Geschichte   der  Säugethiere  ange- 

G* 


C  Vorwort. 

knüpft  wird,  oder  an  frühere  Formen  des  Thierreichs  bis  zu 
den  Proteisten  oder  anderen  Proteiiswandlimgen.  Der  Mensch 
sei  uns  zunächst  gegeben  als  Bürger  seiner  geographischen  Pro- 
vinz, da  wir  hier  ein  Spiel  von  Causalitäten  vor  uns  haben,  die, 
aus  der  Peripherie  der  Umgebung  im  Centrum  zusammenstrahlend, 
dort  ein  neues  Product  erhellen.  Was  von  fossilen  Resten  des 
Menschen  aus  unteren  Schichtungen  ausgegraben  wurde,  kann 
erst  dann  seine  richtige  Einordnung  finden,  wenn  es  möglich 
geworden  ist,  aus  der  noch  gegenwärtig  auf  der  weiten  Oberfläche 
der  Erde  enfalteten  Fülle  des  Menschenlebens  das  Bild  eines 
normalen  Durchschnittsmenschen  zu  entwerfen.  In  den  Völker- 
kreisen der  verschiedenen  Länder  werden  verschiedene  Arten  und 
(je  nach  dem  Massstabe)  verschiedene  Grade  der  (in  einem  künst- 
lichen System  nach  dem  Material  der  gebrauchten  Geräth Schäften 
classificirten)  Cultur  beobachtet,  und  wenn  man  hier,  wie  die 
Naturphilosophie  in  der  Pflanzenkunde,  eine  Evolutionstheorie 
vom  Niederen  zum  Höheren  einführt,  so  wird  der  Horizont  des 
Wissens  durch  solche  Bequemlichkeitshypothesen  eingeengt,  statt 
erweitert.  Die  Cryptogamen  fahren  fort,  ihre  gesonderte  Existenz 
neben  den  Phanerogamen  zu  bewahren,  hier  lockt  die  Sonne 
Moose  oder  Farrn,  dort  Compositen  und  Umbelliferen  hervor, 
und  so  wird  auch  die  ganze  Vielgestaltigkeit  der  Geistesproduc- 
tionen  im  Nebeneinander  bestehen  können,  wenn  sich  auch  oft- 
mals einzelne  Gruppen  zum  Nacheinander  verbinden.  Als  Gegen- 
stand der  Beobachtung  bietet  sich  hier  die  Gesetzlichkeit  der 
Erscheinung  und  der  Einfluss  der  historischen  oder  geographi- 
schen Agentien,  unter  deren  Abhängigkeit  sie  stehen.  Das  ganze 
Volk,  das  den  natürlichen  Ausdruck  seiner  Umgebung  darstellt, 
also  als  ein  eingeborenes  zu  betrachten  sein  würde,  wird  in  der 
Entfaltung  seiner  Bildung  zu  harmonischer  Ausgleichung  ein 
gewisses  Niveau  erlangen  und  auf  demselben  verharren,  bis  hi- 
storische Einwirkung  weitere  Anregung  giebt,  deren  Erfolg  eben- 


Vorwort.  CI 

.falls  unter  bestimmten  Gesetzesformen  (je  nach  den  Affinitäten 
der  zusammentreffenden  Kräfte)  in  die  Ersel) einung  treten  wird. 
Ein  auf  fremden  Boden  verpflanztes  Volk  wird  (bis  zu  völliger 
Acclimation)  dort  im  Vergleich  zum  eingeborenen  verschiedene 
Phänomene  zeigen,  aber  immerhin  solche,  wie  sie  gesetzlich  aus 
seinen  momentanen  Eigenthümlichkeiten  und  denen  des  Milien 
resultiren,  und  ebenso  wird  ein  historischer  Anstoss  auf  eine  nach 
Umständen  wechselnde,  jedoch  immer  durch  solche  gesetzlich  be- 
stimmte, Bahn  einlenken.  Es  werden  aus  allen  diesen  Verhält- 
nissen, und  dem  je  nach  Gegensätzen  oder  Verwandtschaften 
resultirenden  Gesammtresultat  derselben  mannigfaltige  Phasen 
zu  Tage  treten,  deren  Besonderheit  sich  jedesmal  um  einen  ty- 
pischen Kern  gruppiert  und  aus  dem  Triebgesetze  desselben  in 
nothwendigen  Bildungen  hervorwächst.  Für  die  Supposition  eines 
zeitlichen  Nacheinander  fehlt  es  aber  an  jeder  Begründung, 
schon  weil  wir  mit  solchen  teleologischen  Entstehungsfragen  in 
das  Zeitlose  hinaustreten  würden. 

Die  Evolutionshypothese  meint,  den  Dictaten  der  inductiven 
Methode  gemäss,  sich  mit  ihren  Erklärungen  im  Umkreise  be- 
kannter Erscheinungen  zu  halten,  und  kommt,  jede  ausserwelt- 
liche  Hülfe  ablehnend,  zu  jener  primären  Aetherwolke  aufgelöster 
Elemente,  aus  denen  dann  graduell  die  Erde  und  später  das  or- 
ganische Leben  auf  ihr  hervorgetreten  sei,  Dass  damit  dem 
philosophischen  Streben  nach  einem  Verständnisse  des  Seins 
nicht  genug  gethan  sei,  liegt  auf  offener  Hand,  da  auch  die 
weiteste  Entfernung  des  Anfangs  nie  die  Frage  nach  dem  An- 
fang des  Anfangs  aufheben  kann.  Indess  sündigt  jene  Theorie 
zugleich  gegen  die  Vorschriften  der  Induction,  und  deshalb  muss 
ihr  auch  die  Fähigkeit,  wenn  nicht  das  Absolute,  doch  die  Rela- 
tionen im  Absoluten  zu  erklären,  abgesprochen  werden.  Eine 
isolirte  Betrachtung  der  Erde  schliesst  die  Augen  gegen  mächtige 
Factoren,   die  von   allen  Seiten   auf  sie  eingreifen,   als  integri- 


Cn  Vorwort. 

render  Theil  des  Planetensystems,  und  jeder  Moment  lebendiger 
Bewegung  im  Tellurischen  setzt  den  Einfluss  der  Sonne  voraus, 
die,  wenn  sie  auch  ursprünglich  mit  einem  allgemeinen  Chaos  ver- 
schwiramend  gedacht  wird,  doch  mit  dem  Hervortreten  ihr  solares 
Centrum  bewahren  mlisste.  Carpenter's  und  Thomson's  Boden- 
untersuchungen sollen  nach  Ansicht  Einiger  die  Gesammtheit  der 
geologischen  Darstellungen  wieder  in  Frage  stellen,  aber  auch  wenn 
diese  ihre  bisherige  Gültigkeit  bewahren  würden,  so  müsste  doch 
immer,  ehe  wir  überhaupt  von  Entstehung  im  Planetensystem 
reden,  die  Kenntniss  von  der  Sonne  (dann  die  der  hypothetischen 
Centralsonne)  wenigstens  ebenso  weit  fortgeschritten  sein,  wie 
die  jetzige  von  der  Erdrinde  (und  das  wäre  noch  wenig  genug). 
Die  Untersuchung  der  Sonnensubstanz  hat  aber  jetzt  mit  den 
Spectralanalysen  erst  ihren  untersten  elementaren  Anfang  ge- 
macht, und  vorläufig  kann  also  von  uns  nichts  anderes  geschehen, 
als  schon  jetzt  einige  Materialien  derjenigen  Wissenschaft  vorzu- 
bereiten, in  der  unsere  Nachkommen  nach  etlichen  Jahrtausenden 
vielleicht  etwas  klarer  sehen  werden.  Wenn  wir  noch  nicht  weit 
genug  sind,  die  Rechnung  zum  Abschluss  zu  bringen,  so  theilen 
wir  nur  das  Schicksal  unserer  Vorgänger,  aber  es  ist  schon  ein 
Grosses  gewonnen,  nicht  nur  zu  wissen,  dass  man  nichts  weiss, 
sondern  auch  das  Warum  dieses  Nichtwissens. 

Darwin  suchte  in  seiner  Transmutationslehre  zu  erklären, 
wie  die  verschiedenen  Arten  von  Thieren  und  Ptianzen  entstan- 
den, und  er  hat  scharfsinnig  diejenigen  Naturvorgänge  nachge- 
wiesen, welche  durch  Ernährung  und  Fortpflanzung  in  der  Anpas- 
sung und  Vererbung  wirksam  aus  den  Beziehungsverhältnissen 
zur  Aussenwelt  die  Selection  in  Folge  mechanischer  Ursachen 
bedingen.  Es  war  dies  eine  echt  naturwissenschaftliche  Aufgabe, 
innerhalb  fest  umschriebener  Relationen  aus  deutlich  Gesehenem 
und  veränderlich  Beobachtbaren  die  Resultate  zu  verfolgen,  die 
sich  wieder  ebenso   scharfer  Untersuchung   unterwerfen   Hessen. 


Vorwort.  CHI 

Die  Frage  nach  Entstehung  der  Species,  d.  h.  der  zwischen  den 
normalen  Durchschnittsraassen  auftretenden  Variationen  darf  des- 
halb naturwissenschaftlich  gestellt  und  kann  inductiv  gelöst  wer- 
den. Ganz  anders  dagegen  verhält  es  sich  mit  der  von  Büchner 
angeknüpften  Frage:  „wie  entstand  das  Leben?"  also  die  Frage 
nach  der  Entstehung  als  solcher,  denn  diese  überschreitet  nicht 
nur  die  Grenzen  der  Naturwissenschatt,  sondern  auch  die  der 
Philosophie,  wie  sie  von  Kant  verständiger  Weise  gezogen  sind; 
und  njuss  sich  in  nutzlose  Träumerei  verlieren,  so  lange  uns 
nicht  die  Psychologie  geeignete  Materialien  für  ihre  Lösung  an 
die  Hand  gegeben  hat.  Haeckel  macht  dann  aus  der  Abstam- 
mung des  Menschen  von  den  Wirbelthieren  einen  Deductions- 
schluss,  der  durch  den  Inductionsschluss  der  Abstammung  aller 
Wirbelthiere  von  einer  gemeinsamen  Stammform  gesichert  würde, 
aber  dieser  Inductionsschluss  muss  dem,  der  es  mit  der  Induc- 
tion  streng  und  ernst  meint,  als  eine  trügerische  Illusion,  wenn 
nicht  als  directer  Trug,  erscheinen,  und  dass  der  Mensch  seinem 
körperlichen  Verhalten  nach  den  Säugethieren  beizuordnen  sei, 
versteht  sich  zoologisch  ohnehin  von  selbst,  auch  ohne  jenen  hohlen 
Wortbombast.  Das  Wort  Abstammung  in  solcher  Theorie  anders  als 
figürlich  zu  fassen,  ist  ebenso  unbedacht,  als  wenn  ein  Physiker 
meinen  würde,  mit  Anziehung  die  Vorstellung  von  einem  Ziehen 
an  Stricken  verbinden  zu  müssen.  In  der  Urzeugung  soll  die 
erste  Entstehung  des  Lebens  auf  der  Erde  aus  chemischen  und 
physikalischen  Kräften  bewirkt  sein,  obwohl  sich  zunächst  würde 
erörtern  lassen,  weshalb  unsere  bis  jetzt  nur  solche  begreifende 
Kenntniss  zur  Negirung  anderer  berechtigen  sollte,  da  der  all- 
mählige  Zuwachs  unerwarteter  Entdeckungen  niemals  offenkun- 
diger war,  als  gerade  in  unserer  Zeit.  Indess  ist  auch  hier  die 
Fragestellung  schon  eine  an  sich  unrichtige.  Der  Chemiker  er- 
klärt die  Entstehung,  die  Zusammensetzung,  Veränderung  und 
Neubildung  der  Körper  aus  den  Verwandtschaften  anorganischer 


CIV  Vorwort. 

Elena ente^  um  die  Entstehung  dieser  selbst  dagegen,  der  Materie 
als  solcher,  kümmert  er  sich  nicht  (ausser  etwa  in  den  Neben- 
stunden philosophischer  Träumereien,  die  dem  sonst  so  wohlbe- 
griindeten  Ruf  der  Chemie  aber  immer  mehr  geschadet  als  ge- 
nützt haben).  Ebensowenig  darf  der  Physiologe,  so  lange  er 
im  Bereiche  naturwissenschaftlicher  Induction  zu  bleiben  wünscht, 
nach  der  Entstehung  des  Lebens  als  solchem  fragen,  da  es  sich 
hier  um  metaphysische  Rechnungen  handelt.  Für  controlirende 
Experimente  mit  den  gegebenen  Objecten  ist  er  in  der  organischen 
Natur  weit  ungünstiger  situirt,  als  der  Chemiker  in  seinem  La- 
boratorium, denn  während  der  letztere  die  zersetzten  Körper  aus 
ihren  bekannten  Bestandtheilen  wieder  herstellen  und  so  dop- 
pelter Probe  unterwerfen  kann,  ist  Alles  dieses  in  der  organischen 
Natur  eben  nicht  möglich,  und  es  muss  auf  den  Naturforscher 
einen  sonderbaren  Eindruck  machen,  wenn  er  von  dem  alleinigen 
Wirken  chemischer  und  physikalischer  Körper  reden  hört  bei 
Objecten,  die  eben,  weil  sie  noch  andere  Manifestationen  zeigen, 
jenem  nicht  allein  unterworfen  sind.  Die  Herstellung  des  Harn- 
stoffes und  anderer  organischer  Substanzen  ist  kaum  überraschen- 
der, als  die  der  auch  in  Organismen  vorkommenden  Salze;  aber 
der  Kern  der  Frage  wird  dadurch  nicht  berührt,  denn  das  Charak- 
teristische des  Lebendigen  liegt  im  Leben,  und  bisher  hat  man 
weder  einen  homunculus  in  der  Retorte  hergestellt,  noch  einen 
Bathybius  Haeckelii.  Allerdings  ist  das  Ei  des  Menschen,  wie  das 
aller  anderen  Thiere,  eine  einfache  Zelle,  aber  gerade  diese  That- 
sache  beweist,  dass  es  sich  hier  nicht  um  die  Zelle  allein  und  ihre 
chemisch  darstellbaren  Bestandtheile  handeln  kann,  sondern  um 
die  specifisch  in  ihr  wirksamen  Kräfte,  denn  sonst  könnte  nicht 
die  Eine  das  Ei  des  Menschen,  die  Andere  das  der  Thiere  sein. 
Bei  Anknüpfung  an  das  Absolute  kann  von  keinem  Welt- 
process,  der  immer  innerhalb  der  Relationen  einen  Anfang  und 
ein  Ende  bedingen  würde,  die  Rede  sein;  und  die  Bewusstseins- 


Vorwort.  CV 

entwicklung  zum  Mittelpunkt  zu  machen,  verbietet  schon  die 
exeentrische  Stellung,  die  der  Mensch  im  All,  so  weit  er  das- 
selbe durchschaut  hat,  einnimmt.  Die  Dinge  sind,  weil  er  sie 
denkt,  und  er  denkt  sie,  wie  sie  sind.  Wer  diese  Schlusskette 
des  Bewusstseins  mit  dem  Aussen  durchbricht,  der  betritt  eine 
phantastisch  verworrene  Gedankenwelt,  die  Streifzüge  nach  jeder 
Richtung  erlaubt,  aber  dem  verständigen  Wissen  nie  ein  Plus 
hinzufügen  wird.  Was  das  Erkennende  und  das  Erkannte  ein- 
heitlich vermittelt,  ist  das  Gesetz,  das  die  Natur  im  Innern  des 
Menschen  und  draussen  von  ihm  nach  gleichen  Regeln  regiert. 
Das  Gesetz  manifestirt  sich  also  in  einer  bunten  Mannigfaltig- 
keit von  Erscheinungen,  die  mit  und  zwischen  einander  in  par- 
tielle Wechselwirkung  treten  in  verschiedener  Weite  oder  Enge 
der  Ausdehnungskreise,  die  bald  Viele,  bald  Wenige  der  Neben- 
dinge umfassen,  beim  Bewusstsein  aber  Alle,  und  ob  es  diesem 
nun  je  gelingen  wird,  aus  den  ihm  bekannt  gewordenen  Relativ- 
grössen  einen  absoluten  Werth  zu  berechnen,  bleibt  von  dem 
weitern  Fortschritt  der  exacten  Inductionswissenschaften,  die  bis 
jetzt  die  Grenzen  der  Psychologie  kaum  erreicht  haben,  ab- 
hängig, und  bis  dahin  ist  alles  Speculiren  darüber  müssige 
Tändelei,  Die  Aufgabe  des  Menschen  kann  nur  darin  liegen, 
sich  in  Uebereinstimmung  mit  der  ihm  näher  oder  entfernter 
verwandten  Umgebung  zu  entwickeln,  vor  Allem  also  in  har- 
monischem Einklänge  innerhalb  seines  eigenen  Gesellschaftskreises, 
und  verständige  Einsicht  wird  leicht  die  deutlich  niedergeschrie- 
benen Pflichten  lesen,  die,  auch  ohne  religiöse  Vorschrift,  das 
Interesse  des  Selbst  zu  befolgen  gebietet.  So  wird  es  sich 
schliesslich,  wenn  die  bisher  nothwendigen  Aushülfsmittel  nach- 
einander überflüssig  geworden  sind,  nur  noch  um  die  Aufklärung 
handeln,  denn  der  wahrhaft  Gebildete  *)  folgt  dem  Guten,  um  seine 


*)  Eine  verstäudige  Einsicht  wird  zunächst  die  Wahrheit  herstellen,  den  Trug 


CVI  Vorwort, 

geistige  Gesundheit  zu  bewahren.  Und  obwohl  es  immer  Krank- 
heiten geben  wird,  hat  doch  noch  Keiner,  dessen  Vernunft  un- 
getrübt ist,  das  Kranksein  mit  Absicht  der  Gesundheit  vor- 
gezogen. Die  Moralprediger  werden  in  die  Ferien  gehen  können, 
wenn  der  Knabe  schon  auf  der  Schulbank  das  Verständniss  des 
Guten  als  des  Naturgemässen^ingesogen  hat.  Liegt  auch  solch' 
goldene  Zeit  zu  ferne,  als  dass  unserer  Generation  ihrer  Genüsse 
theilhaft  werden  könnte,  so  lohnt  es  sich  doch  der  Mühe,  schon 
jetzt  an  ihrer  einstigen  Herbeiführung  mitgearbeitet  zu  haben. 

Die  Buddhisten  erkennen  den  Schmerz  als  der  Menschen- 
natur inhärirend,  und  somit  die  Nothweudigkeit  des  Leidens, 
ohne  sieh  indess  deshalb  mit  dem  pessimistischen  Zerrbilde  einer 
im  hoffnungslos  Schlechten  möglichst  bessten  Welt  zu  befassen, 
denn  wenn  die   heilende   Ruhe   nur  im  Nichtsein  winkt,   wird 


weil  thörirht,  verächtlich  machen.  Der  gebildete  Kaufmann  anerkennt  den  Sprnch: 
Ehrlichkeit  währt  am  längsten,  und  während  sein  Schutzgott  früher  zugleich  der 
Gott  der  Diebe,  jeder  kleine  Vortheil  erlaubt  war,  weiss  er  jetzt,  dass  nur  ein 
makelloser  Ruf,  die  strengste  Rechtschaffenheit  seinen  Credit  an  der  Börse  auf- 
recht erhält.  Auch  der  Handwerker  muss  aufgeklärt  genug  werden,  um  einzn- 
sehen,  dass  ein  schlecht  genähter  Rock,  ein  brüchiges  Schuhleder  ihm  für  den 
Augenblick  einige  Ausgaben  erspart,  aber  ihn  durch  den  Verlust  eines  Kunden  be- 
straft, von  dem  er  noch  auf  Jahre  hinaus  auf  einträgliche  Einnahmen  hätte  rechnen 
können.  Es  ist  ein  kurzsichtiger  "U'irth,  der  an  dem  Gericht  verdorbenen  Fleisches 
einige  Groschen  spart,  aber  jetzt  seinen  Gast  verscheucht,  der  ihm  noch  viele 
Thaler  zugetragen  haben  würde.  Und  ist  die  bessere  Einsicht  nicht  eine  mecha- 
nisch angelernte,  sondern  selbstbewusst  als  wahrhaft  erkannte,  so  macht  sie  den 
Organismus,  in  dessen  Fleisch  und  Blut  sie  übergegangen  ist,  mehr  und  mehr 
unfähig  fehl  zu  gehen,  sie  macht  sein  sensitiveres  Nervensystem  empfindlich  gegen 
Vergehen,  sie  entnervt  ihn  völlig  gegen  schwere  Verbrechen,  und  diese  feinere 
Veredlung  erhält  sich  dann  durch  erbliche  üebertragung  mehr  oder  weniger  in 
dem  fortgeborenen  Geschlecht.  Der  erste  Schritt  liegt  darin,  die  Triebe  wilder 
Sinnlichkeit,  aus  der  indirect  oder  direct  alle  Verbrechen  fliessen,  wenn  nicht  zu 
unterdrücken,  doch  zu  bezähmen,  und  den  Genuss  in  geistigeren  Freuden  zu 
suchen.  Aber  das  wird  nicht  durch  das  Vorsprechen  von  Morallehren  erreicht 
werden,  sondern  dadurch,  dass  der  denkende  Geist  seinen  eigenen  Vortheil  ver- 
stehen lernt,  und  ihn  dann,  bis  zum  Verschwinden  ^er  Angewöhnung  im  Unbe- 
wussten ,  als  sein  Reste.«,  dieses  Besten  wegen,  sucht,  nach  dem  natürlichen 
Priucip  des  Selbsterhaltungstriebes. 


Vorwort.  CVII 

dieses  eben  als  die  Glückseligkeit  erstrebt,  und  zwar  von  dem 
allein,  dessen  geschärfter  Intellect  die  gebotenen  Illusionen 
zerreisst,  während  die  grosse  Masse  des  Durchschuittmenschen 
bei  dem  Wohlgefühl  gesunder  Existenz  die  zwischenlaufenden 
Schmerzen  leicht  mit  in  den  Kauf  nimmt.  Dem  auf  der  Höhe 
geistiger  Entwicklung  Stehenden^  wird  das  Treiben  der  Menge 
eben  so  unbefriedigend  scheinen,  wie  dem  Manne  das  des 
Kindes,  aber  das  letztere  ist  deshalb  nicht  weniger  glücklich, 
und  in  seiner  Sorgenlosigkeit  weit  glücklicher  als  der,  wenn 
auch  froh,  doch  nicht  unbesorgt  herniederschauende  Vater,  Die 
schwellende  Jugendkraft,  die  mit  jedem  frischen  Morgen  neu 
gestärkt,  sich  aller  ihrer  Bewegungen  und  körperlicher  Em- 
pfindungen freut,  muss  schon  im  Gegensatz  zu  den  krank  und 
schwächlich  Geborenen  als  positives  Lustgefühl  aufgefasst  werden, 
und  bei  Jedem,  der  sich  einen  seiner  Kräfte  angemessenen 
Wirkungskreis  zu  schaffen  vermochte,  dauert  die  active  Lust  am 
Leben  fort,  bis  sie,  wenn  das  Tagewerk  als  beendet  angesehen 
werden  kann,  in  die  passive  des  Greisenalters  übergeht,  das 
ungetrübt  dem  Herannahen  des  Todes  entgegenblickt,  ohne  ihn 
zu  fürchten  oder  zu  wünschen.  Die  Durchschnittsumme  des 
Volkes  ist  überall  gesund  und  freut  sich  seiner  Gesundheit,  trotz 
der  nimmer  fehlenden  Plackereien  des  Lebens  und  trotz  der 
romantischen  Weltschmerzler,  die,  durch  den  guten  Geschmack 
aus  der  Dichtkunst  vertrieben,  auf  das  Gebiet  der  Philosophie 
retirirt  sind,  und  dort  sich  in  eine  Conspiration  der  Menschen- 
willen zum  Umsturz  der  Welt  durch  gleichzeitig  gemeinsamen 
Entschluss  verschworen  haben.  Die  hohle  Nichtigkeit  der 
leeren  Abstractionen,  iii  denen  sich  die  Gedanken  der  Philo- 
sophen umherdrehen,  ermüdet  durch  ihre  langweilige  Einförmig- 
keit, so  dass  sie,  des  Lebens  überdrüssig,  dem  Tode  entgegen- 
gähnen. Wer  dagegen  seine  Geisteskräfte  in  praktischer  Thätig- 
keit  erprobt,  —  der  Staatsmann,  der  Kaufmann,  der  Fabrikant, 


CVin  Vorwort. 

—  der  haftet  freudig  am  Leben,  wie  der  körperlich  Gesunde,  und 
wer,  von  den  stets  neuen  Entdeckungen  der  Naturwissenschaft 
genährt,  seinen  Geist  dadurch  beständig  erquickt  und  verjüngt, 
der  wird  zwar  von  dem  grossen  Geheimuiss  des  Todes  wunder- 
bare Enthüllungen  ahnen,  aber  ihn  nicht  herbeiwünschen,  so 
lange  es  auf  der  Erde  noch  Geheimnisse  zu  enträthseln  und  so 
Vieles  zu  thun  giebt. 

Eine  Vorstellung  des  Lebens  können  wir  nur  aus  der  Ver- 
gleichung  erhalten,  indem  wir  das  relativ  Lebendige  mit  dem 
relativ  Todten,  das  Organische  mit  dem  Unorganischen  ver- 
gleichen. Wer  von  den  im  Letztem  herrschenden  Kräften  (Ab- 
gleichung  im  Gegensatz  erstrebender  Affinitäten)  ausgeht,  findet 
dann  aber  die  jenes  charakterisirende  Entwicklung  in  der 
steten  Ablenkung  beruhen,  in  den  mit  stets  erneuter  Anregung 
einfallenden  Reizen  und  der  Empfänglichkeit  für  dieselben,  wie 
sich  das  Anschiessen  des  Krystalles  vom  Wachsen  der  Zelle 
untej-scheidet.  Die  Pflanze  assimiliii;  in  solcher  Weise  die  aus  der 
Umgebung  mit  ihr  in  Beziehung  tretenden  Theile,  so  weit  dieselben 
mittelst  ihrer  Organe  in  Pflanzensubstanz  überführbar  sind.  Das 
Thier  assimilirt  ausserdem  kosmische  Agentien  nicht  nur  als 
Wärme  (die  erst  mit  dem  Einfallen  der  Strahlen*)  in  die  plane- 
tarische Atmosphäre,  und  also  in  den  Tiefen  am  stärksten,  her- 
vorgerufen wird),  sondern  auch  in  der  Form  des,  transplane- 
tarische  Räume  des  relativ  Leeren  durchsetzenden,  Lichtes.  Auch 
hier  wird  versucht,   dass  äusserlich  Berührende  durch   die  Assi- 


*)  Die  im  Gasznstande  befindlichen  Stoffmassea  der  Sonne  sind  durch  Hitze 
gehindert  chemische  Verbindungen  einzugehen  (s.  Fay),  wie  schon  bei  der  Ein- 
wirkung der  Sonne  auf  die  Erde  nicht  eine  strömende  Wärme  (durch  den  kalten 
Raum  hindurch)  anzunelimen  wäre  (da  auch  bei  der  weiten  Entfernung  fii  die 
verhältnissmässig  kleine  Distanz  zwischen  Bergspitze  und  Meeresniveau  der  Tem- 
peraturunterschied nicht  Proportionen  zu  setzen  sein  würde),  sondern  eine  aus 
der  Oberfläche  der  Erde  anregende.  Nach  Kant  ist  man  zur  äussersten  Grenze 
der  Naturwissenschaften  gelangt,  wenn  man  den  letzten  unter  allen  Erklärungs- 
gründen braucht,  der  noch  durch  Erfahrung  bewährt  werden  kann. 


Vorwort.  CIX 

milations-Organe  in  die  eigene  Substanz,  also  die  tliierisclie  (oder 
menschliche)  überzuführen.  Wie  bei  der  Pflanze  bewahren  Erden 
und  Metalle  ihre  stöchiometrischen  Verhältnisse,  entsprechen 
Nitrate,  Kohlenhydrate,  Fette  den  proportionalen  Modificationen 
im  Thier-Organismus,  die  äussere  Wärme  der  thierischen,  und  in 
gleicher  Weise  zeugt  das  Licht  sein  Aequivalent  in  dem  Ge- 
danken, der,  weil  kosmischen  Ursprungs  entsprossen,  im  Ter- 
restrischen kein  Correlat  tindet  und  also  nicht  durch  weitere 
Vergleichungen  aufzuklären  ist.  So  saugt  der  Mensch  die  freie 
Willenskraft  aus  einer  im  Jenseits  sprudelnden  Quelle  und  führt 
sie  als  immer  neu  verjüngendes  Agens  in  die  mechanisch  treibende 
Maschinerie  planetarischer  Kreisungen  hinab.  Das  Thier  '(und 
in  seinem  _  höchsten  Ausdruck  der  Mensch)  ist  also  als  ein  E«- 
eeptaculum  des  Lichtes  zu  betrachten ,  oder  der  äussersten  Er- 
scheinungsform, unter  welcher  die  von  der  Sonne  auf  die  Erde 
strömenden  Kräfte  von  der  Sinnlichkeit  auffassbar  sind.  Indem 
die  zunächst  auf  Lichtbilder*)  basirenden  Gedanken  durch  die 
Sprache  wieder  nach  Aussen  treten,  rufen  die  im  Schall  zurück- 
kehrenden Ideen  in  der  Wechselwirkung  geselligen  Austausches 
den  Entwicklungskeim  der  Bildung  in's  Leben,  dessen  Wachs- 
thumsphasen  sich  in  dem  Verständniss  der  Weltgesetze  historisch 
manifestiren. 

Während  in  der  Jugendzeit  der  Völker  die  Gedanken  auf 
die  Zukunft  gerichtet  waren,  in  der  Ausmalung  eines  über- 
irdischen Jenseits  schwelgend,  während  sie  mit  voller  Entfaltung 
sinnlicher  Kraft  nur  in  den  Ansprüchen  der  Gegenwart  be- 
schäftigt wurden  und  dann,  dem  Greisenalter  entgegengehend, 
aus  den  Erinnerungen  an  eine  goldene  Vergangenheit  allein 
ihren  Trost  zu  schöpfen  wussten  für  die  Schrecken   des   heran- 


*)., Hören  ist  Glauben,  Sehen  ist  Wahrheit,"  war  der  Wahlspruch  des  Barden- 
stuhls  Bryn  Gwyddon  (in  Wales). 


ex  Vorwort. 

nahenden  Weltenendes,  so  ist  es  heute  die  freie  Thätigkeit  des 
denkenden  Geistes ;  die  unbeirrt  und  ungefesselt  von  den  Auf- 
gaben des  politischen  Lebens  die  Vergangenheit  und  Zukunft 
forschend  durchschaut,  um  aus  ihr  das  Verständniss  der  Gegen- 
wart zu  gewinnen.  Sinnend  senkt  sich  der  Sinn  in  die  Tiefen 
des  Ursprungs  hinab,  das  Käthsel  des  Entstehens  zu  lösen  und 
sich  im  Seienden  zu  verstehen  aus  dem  Gewordenen  und  weiter 
Werdenden,  Dieses  Suchen  nach  dem  Anfang  des  Menschen- 
geschlechts Uüd  dem  Anfang  des  organischen  Lebens  führt  auf 
den  Anfang  der  Erde  und  hat  uns  jene  eigenthümliche  Ver- 
webung von  Geologie,  Palaeoutologie  und  Ethnologie  geschaffen, 
die  nian  neuerdings  als  Anthropologie  qualificirt.  In  der  Frage: 
„Wie  ist  Natur  selbst  möglich  ?'^'  erkennt  Kant  den  „höchsten 
Punkt,  den  transcendentale  Philosophie  nur  immer  berühren  mag," 
und  er  spricht  dann  den  „befremdlichen,  aber  nichtsdestoweniger 
gewissen"  Satz  aus :  „Der  Verstand  schöpft  seine  Gesetze  (a  priori) 
nicht  aus  der  Natur,  sondern  schreibt  sie  dieser  vor".  So  weit 
also  der  Verstand  seine  Umgebung  durchdringt,  so  weit  versteht 
er  dieselbe,  und  da  „die  Erfahrung  zwar  lehrt,  was  da  sei  und 
wie  es  sei,  niemals  aber,  dass  es  nothwendiger  Weise  so  und 
nicht  anders  sein  müsse,"  so  „kann  sie  die  Natur  der  Dinge  an 
sich  selbst  niemals  lehren,"  so  viel  synthetische  Sätze  a  priori 
man  auch  mit  „hyperbolischen  Objecten"  construirt.  Die  HeiT- 
schaft  der  dogmatischen  Metaphysik  hat  unsere  Inductionswissen- 
schaft  zwar  abgeschüttelt,  aber  „noch  immer  baut  sich  der  Ver- 
stand unvermerkt  an  das  Haus  der  Erfahrung  ein  viel  weitläu- 
figeres Nebengebäude  an,  welches  er  mit  lauter  Gedankenwesen 
anfüllt,  ohne  es  einmal  zu  merken,  dass  er  sich  mit  seinen  sonst 
richtigen  Begriffen  über  die  Grenzen  ihres  Gebrauchs  verstiegen 
habe,"  indem  das  Urtheil  den  Massstab  der  Kritik  vernachlässigt, 
„wodurch  Wissen  von  Scheinwissen  mit  Sicherheit  unterschieden 
werden  kann".   Innerhalb  der  Natur,  „dem  Inbegriff  aller  Gegen- 


Vorwort.  CXI 

stände  der  Erfahrung/'  verstehen  wir  die  Processe  in  den  Reihen 
derjenigen  Vorgänge^  die  mit  dem  Namen  der  Entwicklung  be- 
zeichnet sind  und  die,  von  einem  gegebenen  Anfang  aussetzend, 
über  den  Höhepunkt  der  Akme  zu  einem  individuellen  Ende 
verlaufen,  das  je  nach  seinen  Relationen  den  Keim  wiederholter 
oder  fortschreitender  Erneuerung  in  sich  tragen  mag.  Sobald 
wir  über  die  Natur,  den  Inbegriä  der  Erfahrungen,  hinaustreten, 
so  geht  uns  auch  die  Vorstellung  der  Entwicklung  verloren,  da 
dieses  Wort  nur  geschaffen  war,  um  Zustände  oder  Geschehendes 
innerhalb  jener  zu  denken.  Die  Phänomene  des  organischen 
Lebens  sind  experimentell  controlirender  Forschung  zugänglich 
und  deshalb  vergleiehungsweise  verständlich,  für  die  Entstehung 
desselben  dagegen  müssten  wir  auf  das  Anorganische  zurück- 
gehen und  an  die  Entstehung  der  Erde  anknüpfen.  Die  für 
diese  von  der  Geologie  gelieferten  oder  vielmehr  aus  der  Geo- 
logie, ohne  deren  directe  Bestimmung,  von  Aussenstehenden  ent- 
nommenen Data  sind  (unbeschadet  ihres  hohen  Werthes  für  die 
eigentlich  geologischen  Zwecke)  noch  viel  zu  neu  und  ungeklärt, 
in  ihren  vorläufigen  Generalisationen  allzu  schwankend  und  un- 
bestimmt, als  dass  die  auf  möglichste  Erforschung  jeder  Einzeln- 
heit hingewiesene  Induction  schon  jetzt  zu  fortleitenden  Fol- 
gerungen berechtigt  sein  würde,  und  ausserdem  führen  sie  im 
Anschluss  an  kosmologische  Probleme  über  die  Erde  hinaus  auf 
ein  vorbereitendes  Chaos  im  planetaren  Raum  unseres  Sonnen- 
systems überhaupt,  und  dieses  selbst  wird  bereits  durch  die 
Astronomie  zunächst  in  den  Bewegungen  als  Gewordenes  (und 
dann  vielleicht  in  denen  des  Werdenden)  mit  anderen  Fixstern- 
himmeln verknüpft,  innerhalb  eines  Alles,  in  dessen  Unendlich- 
keit der  Faden  endlicher  Forschung*)  immer  früher  oder  später 


*)  Je  mehr  mau  es  sucht,  desto  mehr  Ist  es  eutfernt,  es  kennt  keine  Grenze, 
es  kehrt  zurück  in  das  Haus  des  Wissens  und  vertieft  sich  immer  mehr  hinein 
(Laotse).     Es  genügt,  es  im  Herzen  des  Menschen  zu  suchen. 


CXII  Vorwort. 

abreissen  muss,  so  lange  diese  von  endlichen  Prämissen  aussetzt. 
Es  ist  also  ein  leeres  Spiel  der  Phantasie  (nicht  besser  oder  nicht 
schlechter  als  alle  früheren  auf  dem  vermeintlich  überwundenen 
Standpunkte  religiöser  Mythologien  und  philosophischer  Meta- 
physik), wenn  man  aus  den  vor  den  Augen  spielenden  Phasen 
der  bunten  Maya-Welt^  unter  den  unzählbar  möglichen  Combi- 
nationen,  eine  Reihe  als  allein  gültig  herausgreift  und  mit 
künstlicher '  Supponirung  des  nicht  absehbaren  Anfangs  eine 
Eutwicklungshypothese  zusammenklebt,  die  unter  naturwissen 
schaftlicher  Terminologie  die  barocken  Ungethüme  aus  Berosus' 
Schöpfungstheorie  für  gläubige  Erbauung  wiedergebiert.  "Wäre 
das  das  Ziel  unseres  Forschens  und  Strebens,  wäre  uns  auch 
heute  noch  nichts  besseres  beschieden,  als  staunendes  Begaffen 
jener  chimärischen  Ungethüme,  wie  sie  im  Verfolge  der  Bildungs- 
geschichte hundertmal  durch  zügellose  Träumereien  geschaffen 
und  hundertmal  belacht  sind,  so  stände  es  böse  um  unsere  Zu- 
kunft, die  in  der  Wissenschaft  ihren  moralischen  Halt  wieder- 
zugewinnen hoffte,  nachdem  die  zersetzende  Kritik  jener  ihr 
die  übrigen  Stützen  entzogen.  Und  woher  wird  das  fra- 
gende Sehen  eine  Antwort  erwarten  dürfen,  wenn  nicht  von 
der  naturwissenschaftlichen  Induction,  dem  letzten  Hoffnungs- 
anker heutiger  Weltanschauung?  Gewiss  von  ihr,  nur  von 
ihr  allein,  wenn  sie  mit  klarem,  scharfem  Blick  'den  richtig 
angezeigten  Cours  der  Erfahrungen  steuert  und  so  die  Klippen 
meidet,  an  denen  so  manche  in  den  Sturmesnächten  der  Ge- 
fühlswallungen verschlagene  Irrfahrer  gescheitert.  Der  mensch- 
liche Geist  muss  zunächst  die  Ueberzeugung  festhalten,  dass 
er  durch  oljective  Betrachtung  des  Naturganzen,  das  ihn  (ein 
verschwindendes  Pünktchen  mit  schon  auf  kurze  Entfernung 
erbleichender  Lichtsphäre  der  Erkenntnisslielle)  als  Unendliches 
umgiebt  (also  ohne  Ansatzpunkte  für  ihre  Analyse),  dass  er 
durch   die  stets  nur    in   allgemeinsten  Umrissen   mögliche  Ge- 


Vorwort.  CXTII 

sammtauffassung  des  All  nie  jenes  Mysterium  durchdringen  wird, 
das  ihm  in  der  Entstehung  entgegentritt.  Die  bisher  eingeschla- 
genen Wege,  die  nach  verschiedenartigen  Kreuzzügen  in  kos- 
mologische  Ideen  verliefen,  und  dieselben  bald  mit  mythologischer, 
bald  mit  metaphysischer,  bald  mit  angeblich  „exacter"  Phra- 
seologie herausputzten,  mussten  deshalb  auch  alle  erfolglos  bleiben 
und  in  öder  Wüste  des  Nichtig-Leeren  enden.  Wie  die  Induction 
ein  Wissensgebiet  nach  dem  andern  für  sich  erobert,  hat  sie 
dasselbe  für  ihre  Theorien,  und  also  auch  für  die  höchste,  für 
die  der  Entstehung,  zu  verwerthen  gesucht,  und  da  sie  jetzt  an 
die  Grenzen  der  Psychologie  gelangt,  auch  diese  letzte  Festung 
des  Aprioristischen  bald  in  ihre  Gewalt  gebracht  haben  wird, 
so  steht  zu  erwarten,  welche  Hülfe  sie  aus  dieser  Bundesgenossin 
zu  ziehen  vermag,  wenn  sich  auf  Grund  der  von  der  Ethnologie 
gelieferten  Materialien  die  Erscheinungen  des  Seelenlebens  gleich- 
falls in  fest  umschriebenen  Formeln  fassen  lassen  würden.  Eine 
günstige  Vorbedeutung  liegt  darin,  dass  sich  hier  sogleich  ein  An- 
fang präsupponiren  lässt,  als  eine  bis  dahin  freilich  noch  un- 
bekannte Grösse,  aber  unter  solche  Combiuationen  gestellt,  dass 
die  baldige  Substituirung  eines  bestimmten  Werthes  in  Aussicht 
zu  stehen  scheint.  Dieser  in  den  unbegrenzbaren  Keihen  kosmo- 
logischer  Causalitäten  umsonst  gesuchte  Anfang  ergiebt  sich  bei 
dem  Mikrokosmos  des  Menschen  aus  der  Wechselwirkung  zwischen 
Aussen  und  Innen,  deren  Resultat  im  Bewusstsein  hervortritt. 
Hat  dann  der  Mensch  aus  sorgsam  sinniger  Betrachtung  des 
Pflänzchens  psychischen  Wachsthums,  wie  es  in  seinem  Innern, 
im  Volksgedanken,  keimt,  einen  Durchblick  in  Entstehungs- 
gesetze  gewonnen,  dann  mag  er  die  daraus  gesicherten  Resultate 
auch  wieder  als  Factoren  für'umfassendere  Rechnungen  verwenden, 
um  im  Subjectiven  das  Objective  und  beider  Wurzel  zu  erklären. 
Die  regere  Theilnahme,  die  sich  seit  Kurzem  der  ethnologischen 
Anthropologie  zuzuwenden  beginnt^  wird  es  möglicherweise  schon 

Bastian,  Keise  VI.  H 


CXIV  Vorwort; 


unserer  Geueration  gestatten,  die  ersten  Fundamente  dieser 
hofifnungsreiehen  Wissenschaft  zu  legen,  den  Keim  zu  pflanzen 
eines  Weltenbaumes,  an  dem  die  Erkenntnissfrucht  dem  Menschen- 
geschlechte  reifen  wird,  im  einstigen  Umlauf  der  Zeiten. 


Die  Anhäufung  des  Stoffes  nöthigte  zu  mehrfacher  Ver- 
kürzung des  angelegten  Planes  in  dem  vorliegenden  Buche,  und 
rausste  die  beabsichtigte  Behandlung  des  Buddhismus  ganz  zu- 
rückgestellt werden.  Ebenso  die  ausftthrlicliere  Fortführung  der 
ßeise  durch  die  nicht  mehr  dem  östlichen  Asien  angehörigen 
Länder.  Bis  zur  Anfertigung  eines  Registers,  das  auch  die  frü- 
heren Bände  zu  umfassen  hat,  entbehren  die  vorläufig  zusammen- 
gestellten Materialien  eines  vergleichenden  Ueberblickes  der  ver- 
schiedenen Gesichtspunkte,  nach  denen  sie  anzuordnen  sind.  Zu- 
nächst kann  es  sich  indess  nur  um  Herbeischaifung  der  Bausteine 
handeln  in  der  Ethnologie,  wofern  es  mit  dem  wissenschaftlichen 
Ausbau  derselben  ernstlich  gemeint  ist  und  eine,  wenn  auch 
späte  und  ferne,  Aussicht  dazu  überhaupt  vorhanden  sein  soll. 


Inhalt. 


Seite 

Einleitendes  Vorwort V 

Anknnft  in  China 1 

Peking 9 

Kaigan  und  die  Grenze 354 

Rückkehr 552 

Beilagen 592 


Ankunft  in  China. 

Am  17.  Juli  erreicliteii  wir  auf  dem  am  18.  Juli  aus  Yoku- 
hama,  am  Vulcaii  Okosimas  vorbei,  abgefahrenen  Dampfer 
Ganges,  nachdem  Saddle-island  gesichtet  war,  die  Mündung  des 
Yantzekiang  und  fanden  uns  bald  in  seinen  trüben  Wassern. 
Zu  einer  naheliegenden  Djonke  wurde  ein  Boot  abgesandt,  um 
uns  mit  frischen  Fischen  zu  versehen,  während  in  der  Ent- 
fernung niedrige  Ufer  sich  zu  zeigen  begannen.  Der  an  Bord 
gekommene  Lootse  zeigte  uns  die  Wrack  der  in  dem  letzten 
Typhon  zertrümmerten  Schiffe,  jetzt  eine  gute  Beute  der  Um- 
wohner. Nachdem  wir  in  den  Shanghaytiuss  eingetreten  waren, 
wurde  für  die  Nacht  geankert,  von  Djonken  und  Schiffen  um- 
geben. 

Am  nächsten  Morgen  legten  wir  die  noch  übrige  Strecke 
bis  Shanghay  zurück  und  nahmen  unsern  Platz  unter  den  dort 
liegenden  Schiffen,  der  europäischen  Häuserreihe  gegenüber. 
Am  Lande  wurde  ich  von  Herrn  Heintzen  (dem  Vertreter  des 
Handelshauses  Siemsen  &  Co.)  und  seiner  Frau  Gemahlin  gast- 
freundlich aufgenommen  und  lernte  bald  Herrn  von  ßadowitz 
kennen,  den  preussischen  Consul,  sowie  später  Dr.  A.  Meier, 
Herrn  Probst,  Herrn  Bret,  Herrn  Muirhead  und  andere  der 
dortigen  Europäer.  Besonders  interessant  war  die  Bekanntschaft 
des  französischen  Missionärs  Herrn  Cazenave,  der  sich  längere 
Zeit  auf  den  Lieukieu-Inseln  aufgehalten.  Sir  HaiTy  Parkes, 
damals  englischer  Consul  dort,   an  dessen  Tafel  ich  den  wegen 

Bastian,   Reise.  VI.  1 


2  Erstes  Kapitel. 

seiner  Verwuiulung-  in  Shangay  verweilenden  Capitäu  Gordon 
kennen  lernte,  erwies  mir  viele  Freimdlicbkeiteu  und  die  Gefällig- 
keit mancher  Mittheilung  aus  seiner  reichen  Kenutniss  des  chi- 
nesischen Lebens. 

In  einiger  Entfernung  von  den  europäisch  -  amerikanischen 
Quartieren  liegt  die  chinesisclie  Stadt,  von  einer  Mauer  umgeben. 
Wir  durchschritten  das  Thor  und  ihre  engen  Strassen,  von  Läden 
mit  lang  herabhängenden  Wimpeln  rother  Farbe  und  Koch- 
häusel'n  besetzt,  bis  wir  die  Gänge  erreicliten,  die  zu  dem  Tempel- 
hofe Sing-wong's,  des  Schutzgottes  der  Stadt,  führen.  Im  Innern 
der  Halle  sass,  mit  Mandarinencostlim  bemalt,  eine  schnurr- 
bärtige Figur,  die  wir  bekleidet  in  einem  Hinterzimmer  wieder 
fanden ,    nachdem  wir  die  für   die    Polizisten  *)   (Za-sching)    be- 


*)  Als  Titel  der  MaDdaririen  in  der  Provinz  Kwan-tnnp  giebt  Meadows: 
Tsung-tn  (Governor  General)  oder  Chitai,  1.  Klasse.  Hsun-fu  (Govemor), 
2.  Kl.  Pu  cheng  si  (Superintendent  of  Finances),  2.  Kl.  An  cha  si  (Trovincial 
jndge),  3.  Kl.  Yen  yan  si  (Collector  of  the  Salt  Gabel),  3.  Kl.  Leaug  chn  tan 
(Graiu  Collector),  4.  Kl.  Shou  hsun  tan  (Intendant  of  Circuit),  4.  Kl.  Chi  fu 
(Prefect  of  Department),  4.  Kl.  Chi  li  chi  chou  (Prefect  of  inferior  Department), 
5.  Kl.  Chi  li  tnng  chi  (Independant  Snhprefect),  5.  Kl.  Tung-chi  (Snbprefect), 
5.  Kl.  Tuug-pan  (deputy  Snbprefect),  6.  Kl.  Chi  chou  (destrict  Magistrate),  5.  Kl. 
Chi  hsien  (destrict  Magistrate).  7.  Kl.  Hsien  cheng  tso  tsang  (Assistant  destrict 
Magistrate),  8.  Kl.  Chn  pu  (Township  Magistrate),  9.  Kl.  Hsun  chien  (Township 
Magistrate),  9.  Kl.  lA-mu  (Inspector  of  Police),  9.  Kl.  Tien-sbi  (Inspector  of 
Police),  unklassificirt.  Gho  po  so  (Inspector  of  River  Police),  nuklassificirt. 
Chingli  (Secretary),  6.-8.  Kl.  Chaiimo  (Secretary),  8.-9.  Kl.  Kutaski  kn  ting 
(Treasnrer),  8—9.  Kl.  Si  yu  (prison-master),  9.  Kl.  Ghwai  kwan  (Superintendent 
of  customs),  3.  Kl.  Der  Yamun  (mit  den  Polizisten  und  sonstigen  Officianten  in 
der  äusseren,  den  Bureaus  der  Beamten  in  der  zweiten,  dem  Mandarin-Zimmer 
in  der  dritten  und  der  Privatwoliuung  des  Mandariti  in  der  innersten  Abtheilnng) 
enthält  Shi-she  (Rechtsbeistände),  Yeraun  (Begleiter),  Shu-Pan  (Schreiber),  Chai  yu 
(Polizisten).  Ausser  dem  Ti-Pan  (dem  Constabler  über  einige  Strassen)  bestanden 
früher  der  Pai  ton  (über  10  Familien)  und  der  Chia  ton  (über  100  Familien), 
den  lleadborough  und  High  constable  (unter  Alfred  M.)  vergleichbar  (nach  Mea- 
dows). Die  Tai-shu  (Anwälte)  erhalten  (nach  stattgehabter  Examination)  ihre 
Siegel  von  dem  vertretenden  Mandarin.  Die  Mandarinen  (bürgerliche,  literarische, 
militärische),  in  das  Rothbuch  eingetragen,  zerfallen  in  jeder  Klasse  in  neun 
Ordnungen  (oft  mit  Zugabe  der  Pfauenfeder  als  persönliche  Auszeichnung),  als  ; 
des  einfach  rothen  Knopfes,  des  blumig  rothen  Knopfes,  des  durchsichtig  blauen 
Knopfes,    des   milchig    blauen  Knopfes,    des    farblos    gläsernen  Knopfes,  des  weiss 


Ankunft  in  (Ihina.  3 

stimmten  Räume  hindnrchgeg'ang'en  waren.  Dieser,  Ziug-jü-po 
genannte  Mandarin  war  nach  seinem  Tode  zu  dem  Rang-  eines 
Schutzgottes  der  Stadt  erhoben  worden  und  über  ihm  stand  ge- 
schrieben: Hü  we  sü  bieug  (Zeit  des  ewigen  Friedens).  Am 
Ende  der  Polizistenreihe  stand  im  Corridor  eine  Sonne  und  Mond 
darstellende  Metallplatte,  einem  Spiegel  gleich,  mit  der  Ueber- 
schrift :  Zo-nung  sieng  teh  (Menschenspicgcl  für  Herz  und  Leber). 
Die  administrirenden  Priester  waren  Taosse  mit  einem  Zopf 
(während  die  Bonzen  geschoren  gehen).  Im  Hofe  sass  ein  alter 
Mann,  der  einer  zuhorchenden  Menge  vorlas.  In  dem  Hofe  des 
andern  Tempels  sahen  wir  Schafe  angebunden,  die  für  Opfer 
geschenkt  waren.  Silbernes  Goldpapier  war  aufgehängt,  um  für 
die  Ahnen  verbrannt  zu  werden. 

Mit  Herrn  Heintzen  besuchte  ich  das  französische  Colleg  in 
der  Nähe  Shanghays,  ohne  indcss  dort,  wie  es  meine  Absicht 
gewesen,  einen  chinesischen  Diener  engagiren  zu  können,  und 
durch  Herrn  von  Radowitz  mit  einem  preussischen  Pass  ver- 
sehen (da  der  hanseatische  nicht  direct  an  die  kaiserlichen  Be- 
hörden in  Peking  gerichtet  werden  konnte),  schiffte  ich  mich  am 
28.  Juli  auf  dem  Dampfer  Nantzing  ein,  der  noch  denselben 
Nachmittag  weiter  den  Fluss  hinabfuhr  und  im  lehmigen  Wasser 
ankerte.  Am  nächsten  Tag  fanden  wir  uns  im  grünen,  am 
darauf  folgenden  im   blauen  Wasser  und   sahen   am   1.  August, 


gläsernen  Knopfes,  des  einfach  vergoldeten  Knopfes,  des  blumig  vergoldeten  Knopfes, 
des  blnniig  verzierten  vergoldeten  Knopfes,  und  ebenso  (wie  diese  9  Klassen) 
sind  die  unklassificirten  (Wi  ju  lieu,  die  noch  nicht  in  den  Strom  Eingetretenen) 
bezeichnet  (neben  den  sonst  im  Yamun  und  als  Clerk  Angestellte).  A  Chinese 
Mandarin  is  snpposed  to  bo  able  of  transacting  all  kinds  of  public  affairs,  at  least 
such  of  them  as  have  attaiued  the  second  literary  grade  of  Chu  jeu.  Die  Man- 
darinen werden  für  alle  Verbrechen  verantwortlich  gemacht,  wie  the  hundred 
(s.  Blackstone)  for  all  robberies  (unless  they  thake  the  felon),  was  (wie  Meadows 
bemerkt)  nur  dazu  führt,  das  Vorgefallene  zu  verheimlichen  oder  Unschuldige  zu 
strafen.  Die  Mandarinen  wieder  suchen  die  Gemeinden  verantwortlich  zu  machen, 
statt  sie  durch  Polizei,  für  welclie  bezahlt  wird,  zu  schützen.  In  the  department 
of  Chauchou  a  Substitute  may  be  procured  to  confess  himself  guilty  of  a  felony 
and  snffer  certain  capital  punishment,  for  about  flfty  taels  of  silver.  Les  lettres 
de  noblesse,  dont  les  trois  premiers  donuent  le  pas  sur  les  plus  hauts  fonction- 
naires,  sout  designes  par  les  termes  Kong,  Hao,  Poh,  Tse,  Nan  (de  Courcy). 

1* 


4  Erstes  Kapitel. 

nachdem  einer  unserer  chiuesischeu  Passagiere  gestorben,  das 
Cap  des  Golfes  von  Petcheli,  mit  grünen  Feldern,  die  sieb  hinter 
einem  sandigen  Strande  an  dem  kahlen  Illigel  von  Chefoo 
hinaufzogen.  In  der  Nähe  einiger  Häuser  wurde  geankert,  aber 
noch  am  selben  Tage  die  Fahrt  fortgesetzt.  Chefoo  liegt  in  der 
Provinz  Chantung,  wo  in  der  Nähe  der  Hauptstadt  sich  das 
ummauerte  Grab  des  Confucius  findet,  neben  den  Gräbern  seiner 
Söhne  und  Enkel.  Nachdem  wir  am  nächsten  Tage  eine  Zeit 
lang  an  der  Barre  in  Taku,  wo  sich  ein  Bad  nehmen  Hess,  ge- 
ankert hatten,  fuliren  wir  in  die  grünen  Ufer  des  Peiho  hinein, 
zwischen  den  Lehmhütten  der  Dörfer,  die  auf  Lehmbänken 
standen.  Die  kurzen  Krümmungen  des  Flusses,  die  beständiges 
Wenden  nöthig  machten,  verzögerten  die  Fahrt,  bei  Nacht  wurde 
ge.nnkert  und  am  nächsten  Abend  (o.  Aug.)  Tientsin  erreicht,  wo 
ich  in  dem  am  Kai  (Sicliilin)  gelegenen  Hause  des  Heri-n  Aliscb 
gastliche  Aufnahme  fand  und  in  Abwesenheit  desselben  durch 
Herrn  Negelsberg  empfangen  wurde.  Ausserdem  lernte  ich  Herrn 
Stammann  kennen,  der  sein  Comptoir  und  Wohnung  in  der 
chinesischen  Stadt  hatte,  sowie  Herrn  Copland,  Herrn  Baker 
u.  A.  m.  Die  Hauptstrasse  ist  thurmartig  überbrückt  in  der 
Mitte,  an  dem  Gerichtshaus.  Ueber  den  schmutzigen  Fluss  führt 
eine  Schiffbrücke.  Alles  starrt  von  Schmutz,  der  lehmige  Boden, 
die  Leinnwände  der  Häuser,  die  darauf  stehen  (oder  die  lehmigen 
Kegelgräber),  und  die  in  den  Strassen  zusammengedrängten 
Menschenmengen,  die  die  Luft  verjiesten.  In  den  Kuchenbuden 
zieht  der  Kauflustige  aus  einem  Bündel  Holzstäbchen,  die  in 
einem  Gefäss  stecken,  und  dari',  wenn  glücklich  im  Loos,  eine 
Gebäckart  wählen,  während  sonst  sein  Einsatz  verloren  ist.  In 
der  Halle  eines  durch  Löwen  am  Hofeingang  bewachten  Tempels 
sass  die  bemalte  Figur  eines  Mandarin  mit  einer  Picihe  von  drei 
Kriegern  zu  jeder  Seite.  Im  oberen  Stock  fand  sich  eine 
flachmützige  Figur,  auf  einem  Lotus  sitzend.  Herr  Stam- 
mani)  fuhr  mich  in  seinem  Wagen  durch  die  Umgebungen  der 
Stadt,  während  man  sich  in  dieser  meist  in  Palankinen  tragen 
lässt. 

Durch  Herrn  von  Bützow,  den  russischen    Consul,   der  in 
demselben  Dampfboot  aus  Shangay  herübergekommen  war,  wurde 


Aiikiiiift  in   China.  5 

ich  mit  dem  Agenten  des  rnssisclien  Handelshauses  Sabashnikow 
und  anderen  Russen  bekannt^  die  mir  mancherlei  Auskunft  über 
die  beabsichtigte  Ueberlaudreise  geben  konnten.  Nach  Ordnung 
der  nöthigen  Geldangelegenheiten  brach  ich  am  11.  Aug.  mit 
einem  chinesischen  Diener  aut",  in  zwei  verdeckten  Karren^  die  für 
Peking  gemiethet  waren. 

Nachdem  wir  die  Stadt  und  ihre  Befestigungen  verlassen 
hatten,  fülirte  der  oft  nut  Häuserreihen  oder  mit  Verkäufern  von 
Erfrischungen  zu  beiden  Seiten  besetzte  Weg  durch  Felder,  die 
weiterhin  in  Folge  einer  Ueberschwemmung  so  tief  unter  Wasser 
standen,  dass  das  Gepäck  aus  dem  Wagen  herausgenommen 
und  von  dafür  gemietheten  Lastträgern  hindurch  getragen  werden 
musste.  Die  Fahrt  wurde  dadurch  verspätet  und  der  Mond 
schien  auf  die  buschigen  Felder,  über  die  wir  weiter  fuhren  bis 
zum  Dorfe  Nimpoka.  Auf  dem  Hofe  der  Schenke,  in  der  wir 
abstiegen,  ging  es  aber  noch  rührig  zu.  Die  Kutscher  zäumten 
ihre  Pferde  ab,  brachten  die  Wagen  unter  Dach  und  Fach,  oder 
holten  sich  ihr  Abendessen  aus  der  vom  Herdfeuer  beleuchteten 
Küche,  neben  der  Diele  an  der  Eiugangsthür.  Das  Mandarinen- 
zimmer befand  sich  auf  der  Rückseite  des  viereckigen  Hofes, 
und  rings  umher  eine  Anzahl  von  Schlafkämmerchen  für  die 
Reisenden. 

]Mit  Sonnenaufgang  waren  wir  am  nächsten  Morgen  (3.  Aug.) 
unterwegs.  Auf  welligem  Grund  passirten  wir  Dörfer,  in 
denen  Ziegelhäuser  mit  Lehmhütten  gemischt  standen,  Felder 
und  Baumgruppen.  Nach  kurzer  Mittagsrast  in  dem  Wirthshaus 
des  Dorfes  Tschaoussey  fuhren  wir  zwischen  Lehm  wällen  hin 
und  sahen  einen  Tempel,  der  indess  verschlossen  war.  Von  den 
begegnenden  Wagen  waren  einige  mit  zwei  Maulthieren  be- 
spannt, das  eine  vor  dem  andern.  Als  wir  Nachts  im  Dorfe 
Mato  anlangten,  war  das  Gasthaus,  wo  wir  vorfuhren,  bereits 
überfüllt,  da  die  Ueberschwemmung  dort  eine  Menge  Reisender 
zusammengedrängt  hatte.  Auch  der  Wirth  des  zweiten,  das 
nach  längerem  Klopfen  geöffnet  wurde,  wollte  uns  abweisen, 
sah  sieb  indess  auf  energische  Ansprache  und  einfiiessende 
Drohungen  veranlasst,  eine  schon  besetzte  Stube  ausräumen  zu 
lassen,  indem  er  die  Insassen  bei  anderen  Chinesen  einciuartierte. 


ß  Ersfes   Kiipil.-l. 

Auch  gelang-   es  noch ,  ein  erträglicbes  Abendbrocl  zu   erhalten, 
ehe  wir  uns  niederlegten. 

Ein  zeitiger  Aiin3ruch  am  nächsten  Morgen  führte  uns  durcli 
den  ausserhalb  des  Fleckens  abgehaltenen  Markt,  Es  hiess 
jetzt,  dass  das  Wasser  auf  den  überschwemmten  Flächen  zu 
hoch  stünde,  als  dass  Wagen  die  Passage  wagen  dürften,  und 
obwohl  einige  der  gleichzeitig  mit  uns  ausgefahreneu  den  Ver- 
such zu  machen  beschlossen,  hielt  ich  es  doch  für  besser,  ein 
Boot  zu  miethen,  und  setzte  es  auch  nach  längeren  Verhand- 
lungen durch,  dass  uns  nur  der  gewöhnlich  l)ezahltc  Preis  dafür 
angerechnet  wurde.  Als  die  Wagen  eingeschifft  wurden,  ging 
das  eine  der  Maulthiere  durch,  und  wir  waren  schon  ohne  das- 
selbe abgefahren,  als  der  Kutscher  noch  auf  ihm  nachgeritten 
kam  und  in  das  Boot  aufgenommen  wurde.  Die  Schifter 
schleppten  uns  am  Ufer  hin,  bald  riss  der  Strick  und  musste 
neu  geknotet  werden,  bald  sassen  wir  fest,  bald  gab  es  Collision 
mit  den  am  Ufer  liegenden  Böten.  Die  Sonne  war  schon  unter- 
gegangen, als  wir  eine  scheinbar  trockene  Stelle  erreichten,  wo 
die  Wagen  ausgeladen  wurden.  Der  mitgenommene  Wege- 
kundige führte  uns  beim  Mondlicht  durch  eine  baumreiche 
Gegend,  bald  aber  sassen  wir  wieder  im  Wasser  drin,  jede 
Andeutung  einer  Strasse  war  verloren,  und  nur  durch  Zufall 
wurde  ein  Platz  erreicht,  wo  mehrere  Schiffe  befestigt  lagen. 
Einer  der  Wachtmänner,  den  wir  dort  engagirten,  führte  uns 
den  Rest  der  Nacht  auf  allerlei  Kreuz-  und  Querwegen  in  der 
In-e  umher,  bis  die  anbrechende  Dämmerung  einen  deutlicheren 
Ueberblick  gestattete  und  die  Richtung  uacli  Tounjen  angab. 
Die  Strassen  dieser  betriebsamen  Stadt,  mit  offenen  Läden  ein- 
gefasst,  waren  ti-otz  der  frühen  Stunde  schon  belebt.  Der  In- 
haber des  Hotels,  w^o  wir  vorfuhren,  kam  uns  mit  ceremonieller 
Höflichkeit  entgegen  und  bereitete  uns  ein  Frühstück,  nach 
dessen  Einnahme  die  Fahrt  fortgesetzt  wurde.  Nachdem  wir 
das  Stadtthor  verlassen  hatten,  rasselte  unser  Wagen  über  einen 
gepflasterten  Steindamm  hin,  der  wegen  seiner  Unbequemlichkeit 
oft  mit  den  am  Fusse  der  Brüstung  hinlaufenden  Sandwegen 
vertauscht  wurde.  Auf  der  Strasse  begegneten  uns  berittene 
Mandarinen  im  Flachhut  mit  dem  au  einem  Knopf  herabhängen- 


Aiikiiiitf  in   riiiiia.  '^ 

den  Busch  und  von  Gefolge  umgeben.  Läden  und  Schenken 
zeigten  sich  überall,  und  an  einem  Brunnen  wurde  Halt  gemacht 
zur  Tränke  und  zur  Rast.  Beim  Weiterfahren  kamen  bald  die 
überbauten  IMauern  Pekings  in  Sicht,  und  wir  fuhren  in  ein 
breites  Thor  hinein,  das  durch  einen  Hof  zu  einem  andern  Thor- 
weg führte.  Die  breite  Strasse  war  mit  Gräben  eingefasst,  die 
Häuser  mit  Aushängeschildern,  Namen  oder  Sentenzen  bedeckt, 
und  zwisclien  ihnen  ragten  Stangen  hervor  mit  vergoldetem 
Knopf  darauf.  Als  ich  für  weitere  Erkundigung  bei  der  eng- 
lichen Gesandtschaft  (in  den  Baulichkeiten  eines  früher  prinz- 
lichen Palastes)  vorfuhr  (da  die  preussische  in  Folge  der  Ab- 
reise des  Baron  von  Rehfuss  temporär  suspendirt  war),  hatte  Herr 
Wade,  der  in  Abwesenheit  Sir  Frederick  Bruce's  stellvertretende 
Secretär,  die  Freundlichkeit,  mir  ein  Zimmer  anzubieten,  und 
nahm  mich  nach  dem  Mittagsessen  mit  auf  einen  Spaziergang  nach 
der  Stadtmauer,  wo  uns  ein  Wächter  das  Thor  zum  Hinauf- 
steigen öffnete.  Auf  der  einen  Seite  blickte  man  auf  die  Ta- 
tarenstadt, die  den  in  hohen  Bauwerken  emporsteigenden  Palast 
(dessen  Hauptthor  nicht  geöffnet  wird)  umgiebt,  auf  der  andern 
Seite  der  Backsteinmauer  breitet  sich  mit  Bäumen  zwischen 
den  Häusern  die  chinesische  Stadt  aus,  die  dann  wieder  durch 
eine  Lehmmauer  umzogen  ist.  In  der  Ferne  erschien  die  Spitze 
des  Himmelstempels,  und  am  Horizont  zeichneten  sich  die  Um- 
risse einer  Hügelkette  ab.  Aus  den  Böschungen  über  den  Thoren 
sahen  die  Mündungen  gemalter  Kanonen*)  heiTor.    Das  mittlere 

*)  An  der  bei  Ponte  dell'  Ahbadia  gefundenen  Vase  (des  Giganteukanipfes) 
fliegen  auf  den  mit  dem  Schlaugenscliilde  Bewaffneten  drei  tlauiniensprüliende, 
rautenförmig  gestaltete  und  ausgeschweifte  Stücke  glühenden  Metalls  mit  laugen 
Spitzen  zu,  welche  der  ihn  verfolgende  Vuloau,  mit  Zangen  bewaffnet,  abgeschleudert 
hat  (s.  Levezaw).  Die  Elephantea  des  indischen  Heeres  schleuderten  gegen 
Timur  Eisenkugeln,  die  verschiedentlich  explodirteu.  Ihnen  wurden  Ochsen  mit 
Feuern  an  den  Hörnern  oder  Kameele  mit  brennbaren  Stoffen  entgegengeschickt. 
Wie  der  Malleolus  war  der  von  den  Hispaniern  erfundene  Falarica  ein  flammender 
Pfeil.  Im  Rammeisberg  wurde  (XII.  Jalirh.)  eine  Art  Schiesspulver  zur  Sprengung 
des  Gesteins  verwandt  (s.  Humboldt).  The  four-wheeled  car  (a  babyloniau  cy- 
liuders)  is  probably  not  a  war-chariot  but  a  sacred  vehicle,  like  the  „tensa  er 
thensa'-  of  the  Romans  (s.  Rawlinson).  Die  Söhne  Constantin  des  Grossen  ritten 
in  ihren  Kriegen  zuerst  gesattelte  Pferde.     Der  bali) Ionische  König  steht  am  Kreuz- 


8  Erstes  Kapitel.     Ankunft  iu  China 

Thor,  (las  zum  Tempel  iiilirt,  wird  nur  dann  geöffnet,  wenn 
der  Kaiser  in  feierlicher  Processiun  für  die  Opferhandlungen 
auszieht. 


weg.  über  die  Strasse  des  Zuges  zu  entsclieiden  (hei  Ezecliiel),  wie  es  \oii  Xi- 
coati,  dem  Erbfürst  der  Chiehimeken,  erzählt  wird.  Vehitur  eniui  siuiulacrum  dei 
Heliopotani  ferculo,  uti  veliuntur  in  ponipa  ludoruui  Circeusiuui  deoruni  simu- 
lacra  (Maerobius).  The  deus  lleliopolitanus  is  the  Sun-Gad  of  f^ippara.  Les 
aunales  chinoises  mentionnent  avant  le  X.  siecle,  l'usage  des  feux  d'artiflee  et 
des  fuse'es  d'artillerie ;  mais  Marco-Polo,  qul  fut  employe  au  siege  de  Siang-yaug- 
fou  (1273)  apprit  aux  Chiuois  l'art  de  construire  la  baliste  (s.  de  Courcy).  Notre 
poudre  de  guerre  eoutient  75  de  nitre,  15,  5  de  charbou,  et  9,  5  de  soufre  pour 
lOU,  ces  proportions  daus  la  poudre  chiuolse  sout  75,  7;   14,  4  et  9,  9. 


i 


I*  e  k  i  II  <». 

Am  andern  Tai^e  lernte  ich  den  Missionär  Herrn  Edl^ins 
kennen,  einen  der  besten  Kenner  chinesischer  Literatur,  der  mir 
vielfach  behiilflich  war,  die  Sehenswürdigkeiten  Pekings  in  Augen- 
schein zu  nehmen.  Der  nächste  Tag  war  dem  Aufsuchen  der- 
selben gewidmet,  und  nachdem  wir  bei  einigen  Gauklern  ver- 
weilt hatten,  die  in  einer  Bude  an  der  Strasse  ihre  Künste 
zeigten,  wurde  das  hochverzierte  Thor  des  tibetischen  Lama- 
Tempels  Yung-ho-kung  erreicht,  zu  einem  schattigen  Hofe  lei- 
tend, der  in  Wiesen  ausgelegt  war ;  dann  folgte  ein  gepflasterter 
Hof,  von  dem  Treppenstufen  zu  einem  langen  Froutgebäude  führ- 
ten mit  seitlichen  Verzweigungen.  In  gleicher  Weise  stiegen 
wir  durch  andere  Höfe  empor,  bis  wir  zuletzt  ein  langes  Front- 
gebäude erreichten,  das  in  der  Mitte  durch  einen  reich  verzierten 
Thurm  geschmückt  war  und  damit  die  stehende  Kiesenfigur  des 
Buddha  Maitreya  deckte.  In  einem  Seitenhofe  fand  sich  auf 
einem  Chihm  die  Figur  des  Puchen-Pusa,  mit  der  des  Kwan- 
yin-Pusa  (auf  einem  Elephanten)  links,  und  der  des  Wanju- 
Pusa  (auf  einem  Löwen}  rechts,  alle  auf  Lotus.  Davor  fand 
sich  ein  Altartisch  mit  Opfergabeu  und  Weihrauch.  Ueber  einem 
Bilde  Buddha's  stand  chinesisch  geschrieben:  Hiang  hin  pao  yö 
(der  kostbare  Mond  im  Weihrauchwalde).  In  einer  nahegelegenen 
Capelle  fand  sich  die  dicke  Figur  Kwanti's,  des  schnurrbärtigen 
Kriegsgottes,  den  Krieger  umstanden,  während  in  einem  abge- 
schlossenen Kaume  sein  Pferd  von  Einem  des  Gefolges  gehalten 


■\Q  Zweites  Kapitel. 

wurde.  Vor  eleu  drei  Bodliisattwas  standen  24  Kostbarkeiten 
(Pa-pao),  acht  vor  jedem.  In  den  Höfen  fanden  sich  Kiiueher- 
vaseu,  vor  den  Tempelthüren  Löwen,*;  die  Kugeln  unter  ihren 
Füssen  rollten  und  damit  spielten,  indem  jedes  Thier  durch 
Buddha's  Gegenwart  gezähmt  wurde.  Ein  Stein  unter  einer 
Ueberdachuug  enthielt  eine  vierfache  Insclirift,  im  Chinesischen, 
Mandschu,  Mongolischen  und  Tibetischen,  besagend,  dass  Lama 
aus  Indien  den  Buddhismus  in  Tibet  eingeführt  hätten,  wo  der 
Titel  des  Dalai-Lama  und  Banjing-Lama  seit  der  Ming-Dynastie 
aufgekommen  wäre,  dass  Lama  bedeute  ohne  (ma)  Oberer  (La), 
dass  die  Mongolen**)  (Mongou)  grösstentheils  der  Hwang-tscheou 
(gelben  Religion)  anhingen  und  dass  der  Kaiser  (1795)  deshalb 
es  für  recht  gehalten  habe,  sie  zu  schützen,  obwohl  er  durchaus 
nicht  dem  Aberglauben  hukligte,  dem  sich  die  mongolischen 
Kaiser  während  ihrer  Kegierung  ergeben  hätten.  Ueber  den 
Tempelthüren  und  längs  der  AYände  war  im  Sanscritcharakter 
die  Formel:  Om  padme  huni  geschrieben.  In  engen  Gässchen, 
die  zu  den  Höfen  ausliefen,  lebten  die  Mönche  zusammen,  1400 
an  Zahl,  einige  aus  Shana  selbst,  andere  aus  Sifan,  alle  unter 
sich  verständlich.  Der  Dalai  -  Lama  existirt  jetzt  seit  zwölf 
Generationen***)  in  Tibet,  wo  der  Buddhismus  vor  lOUO  Jahren 


*)  Of  the  4  kinds  of  lious  (triiia,  wliicli  eats  grass,  kala  which  eats  grass, 
paudri,  wliicli  eats  flesli  aiid  kesara)  in  lliiiiala,  the  roaring  of  the  kesara-liou 
friglitens  all  beings. 

**)  Like  their  spiritual  chiefs  the  Uutukhtu  are  Leid  to  be  hubilhan 
or  re-embodiments,  and  in  their  several  localities  they  are  veuerated  with  slavisb 
adoratiou.  The  Sheng-Wu-ki  gives  IGO  as  tlie  total  number  of  lamas,  baviug  the 
glft  üf  re-embodiment  (Mayers).  For  the  wliole  of  these  persouages,  excepting  the 
Nomon  Han  of  Kokouor  (whose  office  is  hereditary)  the  Imperial  system  of  drawing 
lots  is  enforced  ,  wheu  a  new  embodiment  is  declared  to  have  taken  place  (seit 
174G  in  Tibet).  Nach  dem  Tanz  der  fliegenden  Geister  lässt  der  Dalai-Lama 
seine  Dispntation  mit  dem  ausgekleideten  Geisterköuig  durch  die  AVürfel  entscheiden. 
***)  Meng  Pao,  der  kaiserliche  Ikvolhnächtigte  in  Tibet  (1840— 4G),  berichtet 
(bei  Mayers)  über  die  Installation  des  neuen  Dalai-Lama,  indem  ans  zwei  Kin- 
dern, bei  deren  (Jeburt  wunderbare  Zeichen  gesehen  waren  am  Himmel  und  auf 
Erden  (Luftglanz.  Milihquelle,  Blumeuwagen  u.  s.  w.),  die  eine  frühreife  (leistes- 
entwickelung  gezeigt  und  die  von  dem  verstorbenen  Dalai-Lama  gebrauchten 
Gegenstände  erkannten,  das  Loos  für  den  vierjälirigen  Namukiomutourhsi,  den  8ohu 


Peking  11 

eingeführt  wurde,  mit  der  Verehrung  des  Ho  Fa  oder  lebenden 
Buddha.  Loben-Baima  predigte  zuerst  den  Buddhismus  in  Tibet. 
Shekiamuui's  Mutter  wäre  eine  chinesische  Prinzessin ,  zur  Zeit 
der  Tang-Dynastie.  Die  Sprache  Tibets  (Boba)  ist  hauptsächlich 
die  von  Lansa.  In  den  Zellen  der  geschorenen  Priester,  in  lange 
Gewänder  rother  oder  gelber  Farbe  gekleidet,  fanden  sich  polirte 
Stühle  und  Tische.  Auf  hohe  Stangen  waren  Gebeträder  gestellt 
und  ebenso  mit  Gebeten  beschriebene  Flaggen,  die  der  Wind  zu 
bewegen  hatte.  In  einem  Zimmer  sangen  die  um  einen  Tisch 
sitzenden  Mönche  (zeitweis  unterbrochen  durch  das  Klingeln  eines 
Glöckchens  oder  das  Rasseln  von  Stahlringen),  während  Einer 
kreuzbeinig  an  einem  mit  Lichtern  und  Opfergaben  gefüllten 
Seitentische  sass.  Es  wurde  uns  Thee  präsentirt,  und  liatten 
wir  Gelegenheit,  Bücher  anzusehen.  Zwei  Knaben  spielten  Würfel. 
In  den  Gärten  waren  in  Bambuskäfigen  Esssachen  aufgehängt. 
Auch  Pferdeställe  gehörten  zu  diesem  Kloster. 

In  der  Nähe  der  Stadtmauer  findet  sich  in  weiter  Einfassung 
der  Tempel  des  Confucius,  dessen  Hof  mit  Wagen  gefüllt  war, 
da  gerade  eine  Examination  Statt  hatte  und  die  Verwandten  der 
Betheiligten  in  ihren  Festtagskleidern   dort  warteten  oder  auf- 


eines  Holzhauers  (als  A-waiig-ko-le-saiig-taii-pei-cliuii-mei-kai-cliu-pii-cliia-ui'-tso), 
entschied.  Bei  seinem  Besuche  Tashi  Lumbo's  (1783)  war  Turner  über  das  ver- 
ständige Benehmen  des  aehtzehnmonatlichen  Kindes  erstaunt.  Die  (Separatisten 
der  deutschen  Colonie  in  Tiflis  wählten  (18'20)  drei  Aelteste,  den  einen  Greis 
nannten  sie  Gott  den  Vater,  den  jüngeren  Gott  den  Sohn  und  ein  altes  Weib 
Gott  den  heiligen  Geist.  Die  sieben  Nachfolger  des  KJinigs  Buddha^ri  (g  Nga- 
khri-btsan-po)  werden  Lichtgötter  genannt  (nach  den  Tibetern),  die  deshalb  dem 
Regenbogen  gleich  spurlos  verschwunden,  weder  Körper  noch  Leichname  auf  der 
Erde  zurücklassend  (Schlagintweit).  Nach  Schmidt  stiftete  g  Shen-rabs  die  Bon- 
lehre (dpon  o^er  Herr),  die  im  8.  Jahrh.  unterdrückt  wurde  (in  Tibet).  Als  der 
Künigssohn  (Sarva  Siddhartha)  grösser  geworden,  zeigte  er  sich  erfahren  in  den 
Buchstaben,  in  Mathematik ,  sowie  in  den  übrigen  Arten  des  Wissens,  auch  an 
Stärke  und  Geschicklichkeit  übertraf  er  Devadatta  und  die  Uebrigen.  Daher  nannte 
mau  ihn  Tubpa  oder  den  Mächtigen  (nach  d.  Gyelrap).  Da  an  dem  Abend,  als 
Yagodhara  einen  Knaben  geboren,  gerade  der  Mond  von  Rähu  ergriffen  (verlinstert) 
wurde,  nannte  man  ihn  Rähula.  Weil  ^akya-thub-pa  schou  seit  sechs  Jahren  der 
Welt  entsagt  hatte,  zweifelte  ^uddhodana  an  seiner  Vaterschaft,  wurde  aber  durch 
den  schwimmenden  Stein  überzeugt. 


12  Zweites  Kapitel. 

geregt  umhergiugen.  Eia  schattiger  Gartenbof  brachte  uns  zu 
den  Treppenstufen  des  breiten  Eingangsthores  und  dann  durch 
einen  gepflasterten  Hof  zu  einem  langgestreckten  Frontgebäude. 
In  einer  weiten  und  hohen  Halle,  deren  flaches  Dach  von  vier- 
eckigen Pfeilern  getragen  wurde,  stand  in  einer  erhabenen  Nische 
die  Tafel  des  Confucius,  Che  Shang  lau  shö  kung  tsö  sheu  weh 
(Hier  heiligen  alten  Lehrer  Kungts(3's  Geistlafel)  darauf  ge- 
schrieben.   Zur  Zeit  der  Anbetung  steigt  der  Geist*)  dort  herab. 


*)  lu  Estliland  und  Lettland  werden  am  AUerseelentage  die  verstorbeueu 
Seelen  der  Eltern,  Voreltern,  Verwandten  und  Brüder  zum  Essen  in  die  gebeizte 
Badestube  eingeladen  und  beim  Weggehen  gebeten,  die  Roggenfelder  nicht  zu  zer- 
treten. In  Schweden  werden  (nach  Olaus  Magnus)  die  Schlangen  geehrt,  wie  bei 
Finnen  und  Norwegern.  Bei  Esthen  und  Letten  sind  die  (nie  verletzten)  Schlangen 
oft  so  zahm,  dass  die  Kinder  mit  ihnen  aus  einem  Milchgeschirr  speisen  (s.  Uiäin). 
Perkuua  Tete  (des  Pcrkuu  Frau)  brachte  die  vom  Wandern  müde  und  staubigte 
Sonne  in  die  Badestube,  um  sie  am  folgenden  Tage  rein  und  glänzend  zu  ent- 
lassen. Bei  den  Letten  erbte  der  jüngste  Sohn  (nach  Einhorn).  Schon  vor  der 
Teutschen  Ankunft  in  Lyfland  bestand  Wyaby  als  grosse  Handels-  und  Stapelstadt 
in  Gottland.  Zur  Zeitrechnung  schneiden  die  Esthen  (an  der  Wyk)  Stöcker  ein. 
Zum  Rechnen  dienen  Gerstenkörner  (s.  Iliärn).  Die  Vai  begraben  die  Todten 
zunächst  in  der  Küche  und  warten  mit  dem  feierlichen  Begräbniss  ausserhalb  der 
Stadt,  bis  sich  alle  Verwandten  versammelt  (s.  Steinthal).  Kanmba  (Kanba,  Karmba), 
Gott  in  Vai  (fem-ba,  Teufel  oder  grosses  Ding).  In  verwandten  Sprachen  be- 
deutet Kali  Schlange  (s.  Steinthal);  nowe :  Götzenbild  in  Vai  (ngewe,  Gott,  M.). 
The  Kapohn  or  Acawoio  races  like  to  bury  their  dead  in  a  standing  posture 
assigning  this  reason:  „Although  my  brother  be  in  appearance  dead,  he  (bis  soul) 
is  still  alive"  (s.  M'Clintock),  burying  their  dead  ereet,  which  they  say  represeuts 
life,  whereas  lying  down,  represents  death  (maintaiuiug  by  an  outward  sign  thc 
belief  in  immortality).  Der,  um  einen  erschlageneu  Verwandten  zu  rächen,  von 
dem  Dämon  Karaima  besesseneAcawoio  (s.  Guiana)  muss  später  die  Leiche  des  von 
ilim  getödteten  Mörders  durchstossen  und  sein  Blut  lecken,  um  von  dem  Geist 
frei  zu  werden  und  wieder  menschliche  Gesellschaft  zu  betreten.  Die  (neben  den 
Orehu)  von  den  Arawak  verehrten  Yauhahu  dienen  den  Zauberern.  Schwarz  heisst 
Yauhahu  simaira  (the  evil  spirit's  arrow)  Puiai-,  Zauberei  der  Piai  (bei  den  Cariben) 
heisst  wisidoa  bei  den  Warau.  Die  frische  Leiche  (ehe  sie  in  die  Grabgrotte  der 
Atures  an  dem  Wasserflusse  des  Orinoco  niedergesetzt)  wurde  in  eine  feuchte 
Localität  hingelegt,  damit  das  übrig  bleibende  Fleisch  mit  scharfen  Steinen  abgekratzt 
werden  könne  (nach  Humboldt).  Nach  dem  Körper  eines  in  der  Fremde  Verstorbenen 
verfertigte  der  Indier  (nacii  Colebrooke)  eine  Puppe  aus  3GÜ  Blättern  der  Butea  fron- 
dosa  und  ebenso  viel  Wolleufädeu,  die  verschiedenen  Glieder  darzustellen,  um  diese  mit 
Mehlbrei  bestrichene  Figur  auf  einem  Scheiterhaufen  zu  verbrennen.     Nach  Katyana 


Peking.  13 

Massive  Vierecktische,  von  einander  isolirt,  trugen  Räncliervasen. 
In  anderen  Nischen  auf  beiden  Seiten  fanden  sich  die  Tafeln  der 
vornelimsten  Jünger,  als  Toungsö,  Mencius  u.  s.  w.  Inschriften, 
wie  der  „Mann  der  Weisheit",  der  „Mann  ohne  Seinesgleichen", 
„Weisheit  in  Vollkommenheit",  liefen  längs  des  Getäfels  hin. 
Ein  anderes,  niedrigeres  Gebäude  enthielt  die  Tafeln  unter- 
geordneter Schüler  und  sonstiger  Gelehrten,  wie  Fouchang,  der 
den  Shuking  aus  dem  Gedächtniss  herzusagen  wusste,  Kunnan- 
kwo,  ein  Dichter  zur  Zeit  der  Han-Dynastie  u.  s.  w.  Einige 
Nischen   standen  noch    leer,   da   der  Würdige,   sie  auszufüllen. 


wurden  3G0  Zweige  von  Palä^.a  verwendet.  In  einem  schwedisolien  Märelien 
(bei  Grimm)  lässt  eine  in  einen  Froscli  verwandelte  Prinzessin  ihren  Diener  täg- 
lich einen  Zweig  eines  Busches  abbrechen,  ein  Jahr  hindurch,  ebenso  täglich,  ein 
Jahr  hindurch,  an  jeden  einen  Faden  binden,  und  dann  den  ein  Jahr  liindurch 
täglich  aufgebauten  Scheiterhaufen  anzünden,  worauf  ein  schönes  Mädclien  daraus 
hervorgeht  (durch  das  Verbrennen  der  Todten  sollte  die  Seele  möglichst  bald  ans 
dem  vermodernden  Gebäude  befreit  werden).  Die  Athener  erricliteten  (nach  Plinius) 
für  Demetrius  Phalereus  3G0  Statuen,  nach  der  Zahl  der  Jahrestage.  Um  einen 
Sterbenden  zu  retten,  wurde  einem  seiner  Kinder  der  kleine  Finger  abgeschnitten 
in  California.  Die  Schwarzfiisse  und  Mandan  schneiden  in  der  Trauer  ein  Finger- 
glied ab.  Die  Heykom  (oder  Hottentotten)  schnitten  Finger  ab  (und  so  die  Austra- 
lier). In  der  Trauer  um  Masistius  (vor  der  Schlacht  bei  Plataea)  gehören  die 
assyrischen  Truppen  nicht  nur  sich  selbst,  sondern  auch  Pferde  und  Lastthiere. 
A  hoUow  colnmn,  composed  of  streng  wicker-work  is  raised  to  the  height  of  about 
()()  feet  in  the  centre  of  the  principal  suburb  (at  Luchon,  in  the  Pyrences),  and 
interlaced  wich  greeii  foliage ,  while  flowers  are  arranged  in  groiips  below  (on  the 
Eve  of  St.  John).  Nach  dem  Anzüiulen  werden  unter  Gesängen  alle  Schlangen, 
die  man  findet,  hineingeworfen.  Theokrit  nennt  vier  Arten  von  Dornen  uiul 
Stacheln  [doTiciSaXoe,  Ttnliov^os,  ßäros,  axeoSas),  als  äy^ioi  ayJ'C.d.i,  um  die  von 
Herakles  getödteten  Schlangen  zu  verbrennen.  Los  reyes  de  Quito  o  Scyris  eraii 
septiltados  (segun  Marcos  de  Niza)  todos  en  un  sepulcro  muy  grande,  fabricado 
de  pedras  de  forma  cuadrada  y  piramidal,  cubierto  de  tantos  guijarros  y  arena, 
que  formaba  un  pequeüo  otero.  La  puerta  miraba  al  oriento.  —  Schach  Abbas 
schmückte  das  Grab  des  Imam  Risa,  des  ächten  Schülers  von  Ali,  zu  Medsched 
in  Khorasan.  Die  Eröffnung  eines  Grabhügels  für  Leichenberaubung  wurde  (im 
salisch.  Gesetz)  streng  bestraft.  Der  deutsche  Sarg  hatte  meist  die  Form  eines 
cauotartig  ausgehöhlten  Baumstammfs.  Der  Büschel  Roggen,  der  in  der  Altmark 
auf  dem  Acker  stehen  bleibt,  heisst  Vergodendeel  (Fro  Goden  deel)  oder  das  für 
Fro  (Herr)  Gwodan  bestimmte  Theil.  Lors  de  la  mort  de  Constantin  (340  p.  d.) 
un  anonyme  pronon^a  l'oraison  funebre  de  l'empereur,  en  grec,  devant  le  peuple 
d'Arles  (Guasco). 


14  Zweites  Kapitel. 

noch  nicht  gefunden  war.  In  den  Höfen  waren  unter  hoben 
Stein-Pavillons  grosse  Steintafeln  aufgestellt,  von  Schildkröten  ge- 
tragen;, als  von  dem  Kaiser  gesetzte  Ehrendeukmale  des  Con- 
fucius.  Steininschriften  in  den  Höfen  verherrlichten  das  Andenken 
der  Gelehrten  des  Reiches.  Die  berühmten  Urnen-Dreifiisse  sind 
neben  dem  Thor  aufgestellt.  Auf  den  Strassen  sahen  wir  Lotus 
und  Blätterlampen  umhertragen ,  dem  Fest  des  Schutzgottes  der 
Stadt  bestimmt. 

In  dem  buddhistischen  Tempel  Hoa-tchüug-zti  (die  Vollendung 
der  Reformation)  waren  am  Thorweg  die  vier  Bilder  der  Maha- 
raja  aufgestellt,  eins  mit  einer  Guitarre,  die  anderen  bewaffnet. 
Dem  Eingang  gegenüber  sass  die  dickbäuchige  Figur  Milo's 
(Maitreya's)  mit  wohlbehäbig  lächelndem  Ausdruck  des  Gesichts, 
die  Freude  anzuzeigen .  die  im  Kommen  des  künftigen  Buddha 
zu  erwarten  sei.  Lange  Gebäude  mit  Gitterthoren  fanden  sich 
in  den  Höfen  und  seitwärts  der  Zellen  der  Mönche.  In  Shekia- 
muni's  Halle  standen  die  Bilder  der  drei  Buddha,  der  Ver- 
gangenheit, Gegenwart  und  Zukunft,  der  Gegenwärtige  (Fu-tchin} 
mit  einer  Krone  in  der  Hand  in  der  Mitte,  der  Vergangene 
(Kwo-schü)  mit  einer  Hand  horizontal  zur  rechten,  der  Künftige 
(We  lei)  mit  geneigten  Händen  zur  linken  Seite,  beide  mit  kurz- 
krausem Haar.  Neben  jeder  Statue  sprang  die  Figur  Garuda's, 
eine  Schlange  haltend,  vor.  Auf  einem  Altartische  davor  stan- 
den (neben  den  acht  Kostbarkeiten)  die  16  Figuren  der  Lohan 
(mit  geschorenem  Kopf)  und  die  acht  Figuren  der  Bodhisattwas 
mit  Blätterkrone  um  das  Haupt.  In  Seitennischen  standen  die 
acht  Bodliisattwa  zwischen  Bäumen  und  darüber  sassen,  von 
Knaben  umgeben,  die  Lohan.  An  der  Hinterwand,  vor  der  die 
Buddha  sassen,  war  im  mehrfach  aufgefalteten  Goldge wände 
Maitolo  (Maitreya)  gemalt.  Der  Puso  des  hohen  Alters  sass 
unter  einem  kleinen  Pavillon.  In  einer  Halle  dahinter  fanden 
sich  drei  Figuren,  die  Wandlungen  Kwanyin's,  mit  dem  vier- 
händigen Kwanyin  in  der  Mitte.  In  einer  Seitenliallc  stand  Kosan- 
gas,  achtarmig,  einen  Discus  und  verschiedene  Waffen  haltend, 
als  eine  Form  Shekiamuni's,  von  viclarmigen  Begleitern  umgeben 
in  anderen  Wandlungen,  In  einer  zurückgelegencn  Halle  sass 
in  gelbem  Anzüge  Kwanti,    der   Kriegsgott,    in  einer  seitlichen 


Peking.  15 

Tsongkaba*)  in  haubenartig  abfallender  Spitzmütze,  mit  dem 
Dalai-Lama  (in  flacher  Mütze)  zur  Rechten  und  Panschan-Lama 
(in  Schiefmütze)  zur  Linken,  während  Bücher  haltende  Schüler 
in  Vieren  zusammengestellt  waren.  In  einer  andern  Halle  sass 
das  vielarmige  **)  Bild  Kwanyin's,  mit  drei  Augen,  von  denen  das 


*)  Tsongkaba  (f  1478  p.  d.)  brach  die  Macht  der  erblichen  Priesterschaft 
(Ssakia)  in  Tibet  dnrch  eine  (gelbe  statt  rothe  Kleidungen  einführende)  Reform, 
indem  er  seinen  beiden  Hauptschülern  auftrug,  in  Generationen  wiedergeboren  zu 
werden,  als  Hubilhan  (Hwa-schen),  das  Mahajana  (Ta  Cheng)  übend.  Der  erste 
Schüler,  im  Dalai-Lama  eingekörpert,  steht  wegen  der  gleichzeitig  weltlichen  Be- 
schäftigungen desselben  in  geringerem  Ansehen,  als  der  nur  geistlichen  Uebnngen 
ergebene  Tanshen-Lama,  die  Wiedergeburt  des  zweiten  Schülers.  Der  Papst  spricht 
(866  p.  d.)  von  dem  heiligen  Petrus,  der  auf  seinem  Stuhle  sitzt  (in  ihm  per- 
sönlich fortlebt).  Nach  Abdallah  Ihn  Saba  war  der  Geist  Gottes  von  Aly 
herabgestiegen,  und  werde  dieser  wiederkehren,  die  Erde  mit  Gerechtigkeit  zu  erfüllen 
(der  Donner  als  seine  Stimme,  der  Blitz  seine  Geissei,  die  Wolken  sein  Sitz). 
Nach  den  persischen  Shiiten  (bei  Ibn  Khaldun)  ging  die  Seele  des  Imans  beim 
Tode  in  den  Körper  seines  Nachfolgers  über.  Bei  den  Berbern  geht  die  Iläupt- 
lingswürde  auf  den  Sohn  der  Schwester  über.  Bei  Osmanen  folgte  der  Bruder 
(ebenso  in  Ungarn).  Tsongkaba's  Körper  wird  in  der  Luft  schwebend  erhalten,  wie 
der  Sarg  Mahomet's.  Dinochares  wollte  für  die  Königin  Arsinoe  einen  Tempel 
mit  Magnetdecken  bauen,  um  eine  Eisenstatue  zu  suspendiren,  wie  im  Tempel  des 
Serapis  (nach  Cedrenus),  die  Bilder  des  Jerobeam  (nach  dem  Talmud),  die  baby- 
lonische Sonnenflgur  (nach  Maimonides),  die  Goldkrone  der  Ammoniter  (nach  dem 
Rabbiner  Kimchi).  Ampelius  parle  d'une  statue  de  fer,  qui  eu  equilibre  entre 
quatre  colonnes,  se  jouait  dans  l'air  (s.  Martin),  und  so  Glycas.  Den  Inseln  der 
Maniolen  (zwischen  Taprr.bane  und  dem  Chersonnes)  durften  sich  keine  Schiffe  mit 
Eisennägelu  nähern,  und  gleiche  Gefahr  drohte  (nach  So-Soung)  an  einer  Küste 
zwischen   Oocliinchina  und  Tonquin. 

*)  Die  unter  Gebets-  und  Beschwörungsformeln  (Tariii)  verfertigten  Götzen 
werden  auf  dem  mit  Aschencylinder,  beschriebenen  Papieren,  P^delsteinen  (Erdeni) 
und  Rauchwerk  gefüllten  Fusse  mit  dem  Stempel  des  priesterlichen  Scepters 
(Otschir)  beprägt.  Die  Götzenbilder  (Schüttehn)  werden  in  Behältnissen  (Ordu- 
Charshi)  verwahrt,  die  Gemälde  (Kürrük)  werden  in  Holz  geschnitten  (bei  den 
Mongolen).  Der  Name  des  ßodgo  (herrlich  oder  monarchisch)  Gegeiiu  (welches 
Wort  eine  Staffel  der  Göttlichkeit  bedeutet)  habe  Anlass  gegeben  zu  den  Erzäh- 
lungen vom  Priester  Johann.  Lama  meint  Mutter  der  Seelen ,  indem  Lab 
(Hlah)  oder  I.oah  die  Tanggri  oder  Geister  bezeichnet  und  Ma  Mutter.  Zagan- 
Machalatae  (Weifsmützige)  sind  die  Indischen  Völkerschaften,  deren  Brahmanen 
einen  weissen  Bund  tragen.  Den  obersten  Lamas  werden  die  Ohrlappen  und 
Brüste  durch  Zerren  verlängert,  um  den  indischen  Bildern  zu  gleichen.  Die  des- 
betische  Fürstin  Abu  (in  Zarizyn)  trug  eine  in  Seide  eingenähte  Reliquie  aus  dem 


\ß  Zweites  Kapifel. 

mittlere  3000  Meilen  weit  blickt.  In  einer  ol)eren  Etage,  zu 
welcher  die  Treppe  von  den  mit  Geräthen  gefüllten  Zimmern  der 
Priester  aufführte,  stand  in  gefaltetem  Gewände  die  Figur  Chao 
foh's,  und  davor  sass  unter  einer  Wölbung  die  Figur  Shekia- 
muni's.  Der  Buddha  Chao  foh  begleitet  den  Kaiser  in  seinen 
Bewegungen  und  vermag  in  allen  vier  Continenten  Erlösung  zu 
spenden,  während  Kwanyin  z.  B.  nur  in  dieser  Welt  hier  Rettung 
bringt.  Zwei  aus  Todtenschädeln  gefertigte  Gemälde,  die  an 
der  Wand  hingen,  stellten  in  den  Leichenceremonien  der  Tibeter 
das  Darbringen  von  Opfergaben  dar,  die  auf  dem  einen  von 
Thieren  umgeben  waren,  während  auf  dem  andern  Skelette 
eine  Knochen pagode  umtanzten.  Auf  der  Terrasse  des  letzten 
Tempels  führte  ein  Eingang  zu  der  Halle,  die  das  schwarze  Bild 
Chi-san-tien-mo's  (der  glückbringenden  Himmelsmuttcr)  enthielt, 
in  den  Wandlungen  eines  dreiäugigeri  Weibes,  das  ein  Pferd 
auf  einem  aus  Menscheuhaut  verfertigten  Sattel  ritt,  einen 
Menschenleib  mit  den  Zähnen  hielt,  einen  Kopf  in  einer  Schale^ 
mit  Köpfen  umgürtet,  und  ein  Halsband  von  Schädeln  tragend,  so- 
Avie  einen  mit  Schädeln  behängten  Speer.  Davor  fand  sich  Wansliu 
(Manjusri) *),  20arraig,  im  Zeugungsact  begriffen,  Kwanyin  auf 
einer  elephantenköpfigen  Figur,  Cheisau,  Gott  des  Reichthums, 
auf  einem  Löwen,  Tschampusa,  der  Sohn  eines  siamesischen 
Königs,  auf  einem  Stier.  Der  Buddha  Chaofoh  erhält  besonders 
im  Lande  Clialantsö  Verehrung.  Droschken  findet  man  an  allen 
Strassenccken,  doch  ist  das  Gerumpel  auf  dem  Steinpflaster  bei 
dem  Maugel  an  Federn  herzerschütternd,  wenn  man  nicht 
dicht   am  Kutscher    iiuf  der   Axe    sitzt.     Um    den    Tempel    des 


Unratlip.  des  tibetischen  Lamas  (?.  Pallas).  Geweihte  Priester  trösten  sich  durch 
jinige  Haiishälteriiineii  (Niriua).  Bei  deu  Seleiiginskischen  Mongolen  hat  fast  jeder 
Pfaffe  in  seiner  oder  einer  Nebenhütte  eine  junge  Weibsperson  ans  seiner  Ver- 
wandtschaft (unter  dem  Scheine  der  Wirtlischaftsbesorgung),  die  (Ubasclienza  ge- 
nannt) sich  unreiner  Speisen  enthalten  müssen  und  ein  rothes  Rand  auf  der  linken 
Schulter  tragen.  In  allen  Hütten  der  Laien,  wo  ein  kalmückischer  Priester  (der 
in  geistlichen  Verrichtungen  reist)  übernachtet,  gehört  das  Lager  des  Wirths  (bei 
der  Frau)  dem  geistlichen  Gaste  (s.  Pallas). 

*)  Besides  being  the  re-embodiment  of  Tsongkaba's  second  disciple,  the  Panshen- 
Erdeni  is  popnlarly  held  to  be  an  incarnation  of  the  Bodhisattwa  Manjusri  (s.  Mayers). 


Peking.  ■j_7 

Himmels*)  (Tien-tan)  zu  besuchen,  hatten  wir  die  chinesische  Stadt 
zu  durchkreuzen,  hinter  welcher  er  auf  niedrigem  Grunde  erbaut 
ist.  Ein  Mauer-Viereck  schliesst  einen  weiten  Raum  ein,  mit 
struppigem  Gebüsch  überwachsen,  zwischen  welchem  sich  Pfade 
hinwinden  und  Häuser  in  Umzäunungen  stehen.  Ueber  den 
Gipfeln  der  Bäume  strebt  die  Spitze  des  dreifachen  Daches  em- 
por, das  den  Opferplatz  für  den  Sommer  (Tschigoutan)  krönt. 
Der  ruÄde  Pavillon  mit  goldenem  Knopf  ist  von  einem  durch 
Treppen  zu  ersteigenden  Terrassenrund  umgeben,  auf  welchem  die 
Aussicht  die  Bergkette  jenseits  der  Bäume  umfasst,  von  der 
Stadt  abstehend.  Innerhalb  der  gepflasterten  Halle,  deren  Wöl- 
bung von  Pfeilern  getragen  wird,  steht  eine  erhobene  Plattform 
mit  dem  kaiserlichen  Sitz,  eine  andere  mit  Altartischen.  Eine 
erhöhte  Tribüne  läuft  jenseits  eines  breiten  Thorweges  durch  das 
Buschwerk  nach  dem  offenen  Platz  für  das  Winteropfer  (Jütau). 
Eine  runde  Balustrade,  68  Fuss  im  Durchmesser,  steigt  in  drei 
Terrassen  (jede  auf  16  Fuss  Entfernung  von  der  andern)  mit 
neun  Stufen  empor,  Marmorvasen  stehen  in  der  Mitte  und  hohe 
Lampenpfeiler  rings  umher.  Die  Tribüne  geht  dann  unter  zwei 
Triumphthoren  (wie  sich  auch  an  den  anderen  drei  Seiten  finden) 
weiter  fort  zu  einem  breiten  Thorweg.  Eine  rothe  Mauer  mit 
blauen  Ziegeln  umgiebt  die  Plattform  und  auch  einen  blau- 
dachigen  Rundthurm,  im  Wall  eingeschlossen.  Auf  der  andern 
Seite  der  Strasse,  dem  Himmelstempel  gegenüber,  umschliesst 
das  mit  Thoren  durchbrochene  Mauerviereck  die  Area  des 
Ackerbau-Tempels  (Shitan  oder  Shennun),  mit  Gestrüpp  gefüllt, 
durch  welches  (neben  hie  und  da  eingeschlossenen  Häusern) 
Pfade  zu  einem  ummauerten  Viereck,  mit  Feldern  um  eine  Platt- 
form, führen,  in  Front  eines  auf  Terrassen  erhobenen  Gebäudes, 


*)  Comme  Thian  (en  chinois),  tangri  (en  Mongol)  sigBifle  ('galement  le  ciel 
matAiel  et  le  ciel  spiritnel,  auteur  de  toiites  choses.  Die  Kaiser  der  Hiungnu 
nannten  sich  Tangri-Koutou  (Himinelssöhne).  Die  Thakiu ,  die  den  Uimmels- 
gestirnen  ein  Jaliresopfer  brachten,  verehrten  in  Potengri  den  i^rdgott.  Die  Feuer, 
Luft  und  Wasser  anbetenden  Türken  (VI.  Jahrb.  p.  d.)  verehrten  die  Erde  und 
opferten  dem  Schöpfergott  Pferde,  Ochsen  und  Schafe.  Les  Turcs  seldjoucides 
adoraient  Kouk  Tangri  (le  dieu  bleu).  Die  Sassaniden  nennen  sich  in  ihren  In- 
schriften Daiva-putra  (Gottgeborene),  wie  siamesische  Heroen. 

Bastian,    Reise  VI.  2 


^3  Zweites  Kapitel 

das  den  gesclinitzten  Sessel  des  Kaisers  enthält.  Darüber  war 
geschrieben:  Shennung  tsiau  tsia,  der  göttliche  Ackersmann 
lehrte  zu  pflanzen.  In  dem  für  Ruhe  und  Erholung*)  bestimmten 
Räume  hängen  gesiegelte  Schriften,  ein  anderer  dient  zum  Spei- 
sen. Anderswo  im  Park  besuchten  wir  die  Packhäuser,  die  den 
gelben  mit  Silber  verzierten  Pflug  und  andere  Geräthe  der  Feld- 
wirthschaft  (alle  in  Stücken  auseinander  genommen)  bewahrten. 
In  einer  Scheune  waren  Mais,  Ger.ste  u.  s.  w.  aufgestapelt. 
Weiterhin  fand  sich  eine  Umzäunung  mit  zwei  Brunnen.  Am 
Eingang  des  Gartens  trifft  man  einen  Tempel  mit  Kwanloi  in 
Mandarinengestalt  zwischen  Tzeija  (einen  Fächer  tragend)  zur 
Rechten  und  dem  dreiäugigen  Maua  (mit  Schwert)  zur  Linken. 
Seitlich  stehen  acht  Wärter  mit  Discus,  Peitsche,  P'ahne  u.  s.  w. 
Ausserhalb  werden  drei  Pferde  von  Dienern  gehalten.  Unter 
einer  Nische  steht  Posa  mit  anderen  Figuren.  In  einem  seit- 
lichen Gebäude  sitzen  Figuren  (Lowan  u.  A.  m.)  mit  Tischchen 
davor.  Die  alten  Altäre  der  Chinesen  bestanden  aus  dem  Tan 
oder  Steinhaufen  (auf  dem  man  dem  Tien  opferte,**)  mit  Neben- 


*)  Der  König  der  Perser  nennt  sich  den  einträclitigen  Bruder  des  Acker- 
baues (bei  Kazwini).  Der  Urin,  der  der  Krystallisation  wegen  zugesetzt  wurde, 
wurde  für  die  Werke  von  Mulgrave  besonders  durch  die  Stadt  Whitby  geliefert 
(1615).  I^arge  butts  as  reservoirs,  being  chained  in  yards  and  street  corners,  and 
filled  at  a  price  per  quantity  given  fo  contributors.  Ehe  der  Kaiser  (Cliinas)  die 
Furchen  des  Pfluges  zieht,  erliält  er  im  goldenen  Beclier  ein  aus  (letreide  be- 
reitetes Getränk  (nach  dem  Fasten). 

**)  Die  Nation  der  Winnebagoes  sollte  nach  der  1.'5.  Ceneration  vernichtet 
werden,  und  als  zehn  Generationen  vorübergegangen  waren,  stellte  sie  (nach  School- 
craft)  Ceremonien  an,  um  den  Himmel  zu  versöhnen  und  seine  Beschlüsse  zu 
ändern.  Innerhalb  der  historischen  Zeit  der  Azteken  wurde  die  Zahl  der  Sonnen 
auf  einem  astrologischen  Congress  festgestellt  (nach  Echevarria).  Nach  den  zwei 
Weltzerstörungen  (durch  Hunger  und  durch  Wasser)  fielen  (um  die  jetzige  Race 
auszubrüten  in  Peru)  drei  Eier  nieder  (s.  Aveudano).  Der  californische  Götze 
hielt  (nach  Onate)  drei  Eier,  und  im  Tempel  wurden  zahme  Raben  (nach  Vizcaino) 
gehalten.  Nach  den  Botocudos  wurden  die  Weltzerstörnngen  veranlasst,  indem  der 
Mond  zu  verschiedenen  Zeiten  auf  die  Erde  fiel.  Als  der  erste  Mann  auf  Mada- 
gascar  trotz  des  göttlichen  Verbotes  Nahrung  gegessen,  zeigte  sich  ein  (ieschwür 
an  seinem  Bein,  aus  dem  Bahoma  geboren  wurde,  die  er  zur  Mutter  aller  Menschen 
machte.  Der  böse  Götze  Mita  wurde  von  Slaven  als  Hund  verehrt.  Der  Götze 
Prono  mit  einem   Probeeisen    wiirile   in  einem   heiligen  Hain  bei  Oldenburg  verehrt 


Peking.  j^9 

altären  für  die  Chen  und  Cheng),  von  dem  (nur  durch  den  Kai- 
ser nebst  den  Ministem  betretbaren)  Kiao,  auf  dem  ßasen  abge- 
steekt;  umgeben. 

Statt   Tschenyu   (die   weite  Ausdehnung   des   Himmels   be- 
zeichnend),  dem   Titel*)  der   (in  chinesischer  Nachahmung  des 


(nach  Rütlie).  In  tlie  Kiiigsmill  group  dogs  were  kept  for  fighting  (in  cages). 
Wie  auf  den  bei  Rheinau  (bei  Schaffhaiisen)  gefundenen  Bronzebildern  wird  Tiior 
von  den  Wenden  hermenartig  gebildet.  Mennor  der  Erste  war  genant  dem  diu- 
tische  Rede  got  tet  bekant.  Die  cymrischen  Triaden  nennen  Menar  oder  Menyw 
Heil  (den  Alten)  als  einen  der  Erstgeborenen  auf  der  Insel  Prydain  neben  Tydain 
tadawen ,  der  das  Bardenthum  einrichtete.  Der  Meder  Harpagus  schickt  au  Cyrus 
einen  Brief  in  einem  Hasenfell  (s.  Herod.).  Daniel  nennt  in  Babylonien  vier 
Klassen  von  Gelehrten,  die  Casd  im  oder  Chaldäer,  die  Ashshaphim  oder  Astro- 
logen, die  Khartummim  oder  Schreiber  und  die  Mcashshephim  oder  Wahrsager 
(s.  Pusey).  Nergal  ist  der  babylonische  Gott  von  Cutha.  The  Abyssinian  Negus 
(King)  became  naqa  in  Achaemeuian  Persian.  Jnnuk  (Mann)  bedeutet  bei  den 
Eskimo  zugleich  (nach  Egede)  den  Eiter  eines  Abscesses  (und  aus  einem  an  der 
Wade  gebildeten  Abscess  entstehen  die  Menschen  auf  der  malayischen  Halbinsel). 
Nach  den  Creek,  Semiolen,  Choctaw,  Chicasaw  leiteten  sich  die  Natchez  von  dem 
Nnnne  Chaha  (hohen  Hügel)  im  Thal  des  Big  Black  River  her. 

*)  Mahmud,  Sohn  Sebtegin's,  erhielt  vom  Khalifen  den  Titel  Sultan  (Ober- 
herr). Die  Russen  nennen  das  eigentliche  China  (zum  Unterschiede  von  den  Tar- 
taren und  Khatay)  Kitai-kitai.  Hamruti,  der  (H9  a.  d.)  das  Land  der  Ighnren 
den  Hiongnu  entriss,  liess  durch  seinen  Feldherrn  Likuamli  den  König  der  be- 
lagerten Yuen  (in  Tahia)  enthaupten,  worauf  der  ganze  Occident  zitterte  (401  a.  d.), 
nach  den  chinesischen  Geschichtsschreibern  (s.  Visdelou).  Panchn  schickte  einen 
Schreiber  an  das  Mittelmeer.  Khsliatrapa  (S;itrap)  auf  der  Inschrift  von  Behistun 
wird  von  Khshatram  (Krone  und  Reich)  und  pa  (Bewohner)  abgeleitet  (s.  Rawliuson). 
Die  für  Dhulkarnaim's  Erkundigungen  ein  Jahr  das  Meer  befahrenden  Leute  trafen  mit 
eiuem  Schiff  von  jener  Seite  zusammen  (nach  Essamarkandi).  Auf  den  Nicobaren 
wurde  (nach  Kazwini)  Eisen  zu  Sclimuckgegenständen  benutzt,  wie  sonst  das  Gold. 
Die  mit  der  Insel  Bertajil  handelnden  Kaufleute  legen  ihre  Waareu  an's  Gestade 
und  finden  am  andern  Morgen  Cariophyll,  und  als  einst  die  glatten  Leute  mit 
durchbohrten  Ohren  angeschaut  wurden,  verschwanden  sie,  und  der  Handel  war 
mehrere  Jahre  unterbrochen,  bis  die  Muhamedaner  zu  dem  alten  Gehrauch  zurück- 
kehrten (nach  Kazwini).  Ihren  Vorstehern  (Hendinen  oder  Aeltesten)  gehorchten 
die  Burgunder,  so  lange  der  llendin  den  Göttern  gefiel,  deren  Willen  ihr  Überpriester 
(Senist)  ans  der  Fruchtbarkeit  des  Jahres  oder  dem  Glück  der  Schlachten  erklärte 
/s.  Hasse).  According  to  Diodor,  king  Darius  obtained,  while  living  the  appellation 
of  Divus  (s.  Wilkinson).  Nach  Bethencourt  residirte  der  Priester  Johann  in  der 
Stadt  Meli-e    (Melli).     Die    Könige    der    Inseln    Esselahi    gaben    den    Königen    von 

2* 


20  Zweites  Kapitel. 

Tsem-li-kii-tii  oder  Himmelssobn  bezeichnete)  Fürsteu  der  Plionnit, 
nahm  (402  p.  d.)  Tuhm  (König  der  Gengeu)  den  Titel  Khan 
an  (von  Dzingiskhan  besonders  verwandt,  aber  schon  von  den 
Tukiti  verbreitet).  Der  König  der  Türken*)  (Tu-kiu)  betete  Mor- 
gens die  aufgehende  Sonne,  Abends  den  Mond  an.    Die  Niutsche 

China  Geschenke,  da  sie  sonst  Wassermangel  leiden  würden  (narh  Kazwini).  Die 
Menschen  mit  Hunds-  und  Löwenköpfen  auf  der  Insel  Atwaran,  die  vor  den 
Blicken  der  von  Alexander  gesandten  Seeleute  versrliwaiiden ,  gehörten  zu  den 
Jinnen,  die  sich  auf  die  Inseln  des  Meeres  zurückziehen  (s.  Kazwini).  Hinter 
der  Insel  Elbunau,  auf  der  sich  das  menschenfressende  Volk  glänzender  Schönheit 
in  die  Berge  zurückzieht,  liegen  zwei  lange  und  breite  Inseln,  von  einem  uralten 
Volk  schwarzer  Leute  mit  krausem  Haar  bewohnt,  die  Menschen  fressen  (s.  Kaz- 
wini). Der  nach  der  Insel  (Seksar)  der  Hundsköpflgen  (die  für  Menschenfresser 
mästen)  Verschlagene  musste  (nach  Jakub  ben  Ishak)  einen  der  schöngestaltigen 
Menschen,  den  er  unter  Obstbäumen  traf,  auf  dem  Nacken  tragen  (wie  Siubad 
nach  polynesischem  Tabu-Gebrauch).  Die  Gesichter  der  röthlich  gefärbten  Leute 
auf  der  Insel  Gaba  finden  sich  auf  ihrer  Brust.  Vor  zwanzig  Jahren  befand  sich 
im  Besitz  der  Matalanim  (auf  Ascension  in  Mikrouesien)  eine  .Schiffsfigur,  die  einer 
chinesischen  Djonke  angehört  zu  haben  schien  (Biernatzki  1S59).  Die  den  Menschen- 
kindern ähnliehen  Leute  unverständliclier  Sprache  auf  der  (vom  Mahraj  beherrschten) 
Insel  Zabig  (,Iava)  springen  von  einem  Baum  zum  andern  (nacli  Ibii  Klfekih). 
Nach  Zakarija  ben  Jahja  reden  die  Papagelen  auf  der  Insel  Ezzabig  in  jeder 
Sprache.  Die  nackten  Menschen  auf  der  Insel  Rameni  oder  Sumatra  (niit  grossen 
Schlangen)  wohnen  in  den  Bäumen  (nach  Ibn  Elfekih).  Wenn  das  Meer  von  China 
(s.  Kazwini)  in  heftigem  Wogenschwall  ist,  so  erscheinen  in  ihm  schwarze  Indi- 
viduen (4—6  Spannen  lang),  die  das  Fahrzeug  besteigen  (Aethiopenkindern  gleich). 
Unter  ihnen  giebt  es  auch  eine  Schaar  von  Leuten,  die  schwimmend  an  das 
Fahrzeug  herankommen,  beim  Wehen  des  Sturmes,  während  das  Schiff  im  Sturme 
schnell  dahinfährt,  Ambra  gegen  Eisen  verkaufen  und  dies  im  Munde  zu  einer 
Insel  tragen,  auf  der  Leute  mit  schwarzem  Kraushaar  leben,  die  Menschen  fressen 
und  sie  Glied  für  Glied  zerlegen  (s.  Ethe).  Abu  Hamed,  der  Spanier,  sagt:  Ich 
habe  einen  Fisch  in  der  Nähe  der  Stadt  Ceuta  gesehen,  und  das  war  der  Spröss- 
ling  des  gebratenen  Fisches,  dessen  eine  Hälfte  Moses  nnd  Josua  gegessen,  und 
dessen  andere  Hälfte  Gott  wieder  belebte,  und  diese  hat  zur  Verwunderung  ihren 
Weg  in's  Meer  genommen  (Kazwini). 

*)  Er  sass  stets  gegen  Norden  gekehrt  zur  Linken.  Nachdem  der  Chan  neunmal 
der  Sonne  zugekehrt  auf  einem  Filz  getragen  war,  wurde  ihm  auf  einem  Pferde 
der  Hals  zugeschnürt  und  die  Frage  gestellt,  wie  lange  er  regieren  wolle  (wie  bei 
den  Chozaren)  Alle  Chefs  versammelten  sich  an  jedem  Neumond  am  Hofe  und 
alljährlich  in  der  Stadt  Lung-tsing  zum  Opfer.  Auf  ihren  Fahnenköpfen  fand  sicii 
ein  Wolfskopf  und  die  Garde  hiess  Tu-li  (Wölfe).  Bei  Feldzügen  richteten  sie  sich 
nach  dem  zn-   und  abnehmenden  Monde  und  begannen  ihre  Einfälle  stets  bei  Voll- 


Peking.  21 

oder  Kill  wandten  sich  an   ihre  Vorfahren  (des  Kaisers)  nur  im 
äussersteu  Nothfalle,  um  ihre  Würde  nicht  zu  belästigen^  vorher 


luunil.  Wer  im  Frühling .uud  Soujuier  gestorben  war,  kounte  erst  begraben  werden, 
wenn  die  Blätter  von  den  Bäunjen  fielen,  und  im  Herbst  und  Winter  nur,  wenn 
die  Bäume  Blüthen  trieben.  Sie  fingen  das  Jahr  mit  der  Blüthe  des  Baumes  an, 
kannten  eine  grosse  Runenschrift  und  siegelten  mit  Wachs.  Der  Chan  schickte  jährlich 
Deputirte  in  die  Höhleu  seiner  Vorfahren  (Ergeneh  kun),  um  das  Andenken  an 
die  Wolfserzeugung  seiner  Vorfahren  zu  feiern.  Payekhi  (unter  welchem  die  Hunnen 
von  den  Jeu-jan  unterworfen  wurden)  nahm  den  Titel  Chackan  an  (402  p.  d.). 
Nach  dem  iSiege  Tu-men  (König  der  Türken)  unterwarfen  die  Türken  (Tukiu)  die 
Jeu-jan  (588  p.  d.).  Die  unter  dem  Assenaa  (Wolf)  genannten  Anführer  in  der  Stadt 
Pin-leam  (in  Schensi)  lebenden  Türken  (Tukiu)  flüchteten  (unter  Schetsu  aus  der 
Dynastie  der  Siaupi)  nach  dem  Altai  (unter  den  Schutz  der  Jeu-jan) ,  wo  sie  als 
Waffenschmiede  sich  auszeichneten.  Turnen  (mit  dem  Titel  Uohan),  als  Anführer 
der  Türken,  be.siegte  Onowei,  König  der  Jeu-jan.  Tobochan  (Bruder  des  Mukan- 
chan  oder  Dizabal)  führte  (572  p.  d.)  unter  den  östlichen  Türken  die  Religion  des 
Buddha  ein.  Tha-theu-chan  oder  Pu-kia-chan  (Enkel  des  Turnen),  Fürst  der  west- 
lichen Türken,  bemächtigte  sich  (nach  der  Trennung  von  den  östlichen  Türken) 
des  alten  Landes  der  Usiun.  Zum  Unterschied  von  Chitai  (Nord-China)  hiess  das 
südliche  China:  Madschin  (dschiu).  Zu  dem  Reiche  der  Charizinschahe  (Charizin), 
das  sich  von  Sihun  (Sir-derza)  bis  zum  persischen  Meerbusen  und  vom  Indus  bis 
zum  arabischen  Irak  in  Adserbeidschan  erstreckte,  gehörten  (XII.  Jahrhdt.)  die 
nach  ihrem  Stifter  Seldschuk  genannten  Türken.  Aus  der  Nachkommenschaft 
des  Bürte-Tschino  (Wolf)  und  Dubun  Bajan  (Dubun  der  Stier)  trennten  sich  die 
Geschlechter  Durban  und  Beyout.  Unter  den  Stämmen  der  Tataren  war  der  der 
Tntuckeliut  der  angesehenste.  Das  Volk  Tumat  hiess  das  Volk  Berckut,  weil 
ihre  Wohnsitze  auf  dieser  Seite  des  Selengah  hinter  den  Oertern  und  Ländern 
lagen,  in  denen  sich  die  Mongolen  angesiedelt  hatten,  d.  h.  hinter  Burckudschin- 
Tugrum.  Die  wilden  Tataren  (ürasut,  Telengut,  Sestems)  waren  den  Mongolen 
ähnlich,  kannten  auch  die  Heilmittel  der  Mongolen  und  Krankheitsbehandlung. 
Ein  Mädchen,  dem  die  Eltern  bei  den  ürjangckuts  Pischeh  (Wald  Urjaugckutes) 
fluchten  (dass  sie  Jemand  gegeben  werden  solle,  um  hinter  den  Schafen  herzugehen), 
erhing  sich.  Die  ürjangckuts  suchten  den  Donner  durch  ihr  Geschrei  zum  Schweigen 
zu  bringen,  wogegen  die  anderen  Mongolen  sich  während  der  Gewitter  zu  Hause 
hielten.  Im  Süden  der  Flüsse  Hoangho,  Liao-ho  und  Sira-Muran  gründete  Thai-tsu 
(der  wunderbar  geborene  Sohn  des  Te-tsu-hoamti;,  dessen  Vater  seinen  Unter- 
thanen,  den  tungusischen  Khitan,  Eisen  schmieden  lehrte,  als  Sa-la-di),  der  (unter 
dem  zum  Chan  ernannten  Hentekin)  mit  dem  Titel  A-pao-khi  (König)  beehrt  wurde, 
das  Reich  der  Khitan  und  der  Dynastie  Leao  (Eisen).  Sein  Nachfolger  Thai-tsum, 
der  Nanking  zur  Residenz  erhob,  eroberte  (947  p.  d.)  Pien,  die  Hauptstadt  Chinas 
(unter  Kaiser  Ssche-tschum-kuei).  Die  tungusische  Nation  Su-tschin  (die  Buchstaben- 
schrift und  Gesetze  besass)  gründete  die  Dynastie  der  Kiu  (Gold)  mit  Agutha,  der 


22  Zweilc'S  Kapitel 

dagegen  an  verschiedene  Klassen  der  Götter.*)   Der  mongolische 
Kaiser  Mangku  eroberte  (1248)  Thibet.     Kublai-khan    bestätigte 


(1119)  die  von  ihm  erfundene  Buchstabenschrift  einführte,  in  Tschung-tu  (kaiser- 
liclie  Stadt  des  Mittelpunkts)  und  Peking  residirend.  Während  der  Siege  der  Kin 
wanderte  Tuschi-Talgun  oder  Jelu-Tatsche  (ein  Verwandter  des  khitauisrheu  Kaisers 
Jelui-jen-ki)  nach  Westen  (II24),  wo  ihm  der  Statthalter  als  einem  Ahkömmling 
des  berühmten  Apaki  (Apaokhi)  huldigte.  Ein  Reich  gründend,  das  sich  von  der 
Wüste  Schamo  bis  zum  Amu-derja  und  von  der  östlichen  Kette  des  Hindukush 
bis  zum  Westrande  des  kleinen  Altai  ausdehnte,  nahm  Tuschi-Talgun  (1126  p.  d.) 
in  seiner  Residenz  Belasagun  den  Titel  eines  Gur-Chan  an,  als  König  von  Ckara- 
chutai  oder  Ckaragitai. 

*)  Der  Kaiser  der  Kin  ernannte  (1172j  durch  Pateute  den  Gott  der  Weissen 
Berge,  mit  dem  Titel  Him-koue-lim-ymwam  (der  König,  der  das  Reich  gestärkt 
hat  und  Wunder  wirkt),  unter  Erbauung  eines  Miao.  Der  Gott  des  Flusses 
Hoenthoumkiam,  der  dem  Kaiser  der  Kin  (11^5)  eine  Fürth  gewährt  hatte  (im 
Kriege  mit  den  Leao),  erhielt  sein  Patent  als  Him-koue-ym-chimkum  (der  Herzog, 
der  das  Reich  gekräftigt  und  die  heiligen  Gelübde  erhört  hat)  1185  p.  d.  Agoutha 
(Stifter  der  Kin  und  der  östlichen  Tartarei)  besiegte  die  Chinesen  durch  Panzer- 
reiter. Neben  den  (in  Seelen  der  Abgeschiedenen)  vergötterten  Menschen  (Geuth) 
wird  auf  den  Gilbert-Inseln  die  Gottheit  des  Tabuariki  (heiliger  König)  verehrt. 
Augriouarioi  und  Lahkobardoi  wohnten  (nach  Ptol.)  zwischen  Kav^cov  §e  rcüv 
nei^orcov'  und  ^ovrißmv,  wie  die  Bourakterer  zwischen  Kav^oiv  rcov  fiiyiQcöv  und 
Ecovrjßiov.  Zu  Hleidr  (Leire)  auf  Seeland  vereinigte  der  Fürst  mit  seiner  welt- 
lichen Würde  die  Functionen  eines  Priesters,  nach  nordgermanischer  Sitte  (s.  Maack). 
Scuto  supposito  wurde  der  Gothenkönig  erhoben  (nach  Cassiodorus).  Dani  ve- 
nientes  de  Gothia  (Chronica  regis  Erici).  Dani  Herulos  expulerunt  (Joruandes).  Aus 
Mischung  der  Gothen  uud  Danen  bildeten  sich  die  Halfdanen.  Von  den  Nord- 
germanen vertrieben,  zogen  die  Dänen  und  Schonen  nach  Seeland.  Etliche 
schreiben,  der  König  (der  Samojedeu)  habe  die  Nasen  und  die  Ohren  mit  Blei 
überzogen  (s.  Capel).  BcMrjv,  ßaaileos,  fQvyioTi  (Hesychius).  Mit  ßuh]v  wird 
der  Geist  des  Darius  {aQ/CuTos)  citirt  (bei  Aeschyl.).  König  Belus  der  Orkadeu 
(whose  name  is  still  to  be  seen,  cut  on  a  stone  in  the  church  of  Birsa)  fiel  auf 
einem  Zuge  nach  Schottland.  Die  Burbur  sind  Skythen  Babylons.  Joannes 
Bronston  in  suo  Chrouico  res  tradit,  Britonum  regem  Gurguneium,  Beliui  regis  Bri- 
tanniae  filium  de  Dacia  redeuntem,  apud  Orcades  insulas,  quosdam  Basclenses,  de 
Hispaniae  partibus  advectos  invenisse  eosque  locum  habitationis  petentes,  in  Hi- 
berniam  tuiic  vacuam  transmisisse.  Fuit  autem  Gurguntius  fllius  Beiini,  fratris 
Bremi,  (iallorum  Seneuum  Dacis,  qui  Romam  cepit  (Torfaeus).  Dunovallus,  rex 
Britanniae  decimus,  ab  eo  tempore,  quo  Roma  a  Romulo  et  Renio  condita  est,  filium 
habuit  Belum  seu  Belinum  et  Brennum,  qui  cum  Gallis  et  Romauis  pugnavit. 
Sein  Sohn  Gyrgoir  (Gurguntius)  traf  (vom  Kriege  mit  Dänemark  zurückkehrend) 
bei  den  ürkaden  hispanische  Schiffe  unter  Partolauus,  die  er  nach  Irland  schickte. 


Pekiug.  23 

die  Anspriiclie  des  Papstes  *)  aufs  Kloster  Ssa  ss  kja  in  Tibet  und 
verlieh  diese  Würde  dem  Klosterbruder  Matichvaga  oder  Ssa  ss  kja 
Pandita,  ihn  als  Oberhaupt  der  lamaischen  Geistlichkeit  und  als 


Nach  Calvisius  kämpfte  der  Köuig  der  Orkadeu  mit  Sicambrerii  oder  Franken  wegen 
verweigerter  Scliwiegervaterschaft.  Orcadenses  Rege  Helo  in  Albiam  exsceudisse, 
Buchananus  auctor  est.  Herraudus,  Orcadiim  Comes,  qiii  (Claudiani  tempora) 
gothicum  nouien  gerit,  illum  Beins  Soguiae  (in  Norvegia)  Rex  et  Tliorstemus, 
Vikingi  fliius,  imperio  spollerunt.  lusiilas  Rex  ex  indiviso  praecepta.  Murrough 
O'Flalierty  nsed  to  get  on  the  hill  of  Bunown,  which  haiigs  over  the  sea,  aud 
declare  war  agalnst  all  the  potentates  in  the  world,  but  especially  against  that 
pitiful,  pcttyfogging  town  of  Galway.  Der  König  von  Loango  erlaubte  alle  Herrschern 
der  Welt  zu  speisen,  wenn  sein  Mittag  beendet  war,  unter  Trompetenschall. 
Die  Gesetze  von  Bouny  gehen  von  den  Priestern  aus,  im  Namen  der  Religion,  so 
dass  nicht  der  König  befiehlt,  sondern  Juju  (Troschel).  Als  es  Sitte  geworden 
war,  die  römischen  Kaiser  zu  apotheosireu,  meinte  einer  derselben  beim  Heran- 
nahen des  Todes,  dass  er  sich  Gott  werden  fühle.  Die  ghassanidischen  Fürsten 
führten  den  Titel  Khayr  al  filyani  (Bester  der  Menschen)  ä  I'imitation  de  titre 
d'Optimus  donne  ä  des  empereurs  romains  (Caussiu  de  Perceval).  Beovaoder  Beäva 
war  ein  Bienengott  oder  Bieuenvater,  wie  der  griechische  Aristäos,  der  auch  für 
einen  Gründer  und  Urheber  erster  Cultur  gilt,  und  wenn  dieser  den  Apollo,  ver- 
tritt und  bedeutet  jener  den  Frey  (Müllenhoflf).  Dem  Demetrios  und  seinem  Vater" 
Antigonos  wurde  göttliche  Ehre  decretirt,  als  Ssoi  acorrj^es,  und  ihre  Priester  fun- 
girten  als  Eponymen. 

*)  Der  tibetische  PapstJ(Phgsspa  oder  der  Hochwürdige)  oder  Dalai-Lama  erhielt 
unter  den  kaiserlichen  Gescheuken  einen  Jaspis-Spiegel.  Von  den  vier  Khanaten 
oder  Reichen,  in  welche  das  mougolische  Reich  zerfiel,  gränzte  Juan  an  Tibet 
und  seine  Khane  besassen  daher  die  oberste  Aufsicht  über  die  Verwaltung  dieses 
Landes.  Um  den  Einfluss  der  den  Juan  engverbundenen  Familie  der  Ssa  sse  kja 
zu  schwächen,  belieh  Hongvu  (von  den  Ming)  drei  andere  Mitglieder  der  höheren 
tibetischen  Geistlichkeit  mit  gleichen  Titeln  (1373  p.  d.)  und  Kaiser  Jonglo  (1403 
bis  1425)  ertheilte  acht  tibetischen  Lama  die  köuigliche  Würde  durch  den  Titel 
Vang,  indem  er  den  Vornehmsten  (obgleich  nicht  von  der  B^amilie  Ssa  sse  kja)  als 
Garma  oder  Patriarch  auszeichnete.  Als  der  Prälat  von  Ssa  sse  kja  den  Reformen 
des  heiligen  Thsongkhapa  entgegentrat,  stiftete  dieser  die  Secte  der  Ge  lugs  pa 
(Tugendhaften)  mit  gelben  Mützen.  Als  es  den  mit  ^äntaraxita  aus  Sakhora 
gekommenen  heiligen  Mänuern  nicht  gelaug,  die  Irrlehren  (in  Tibet)  zu  unter- 
drücken ,  wurde  (740  p.  d.)  Padmasambhava  aus  Udjäna  (zur  Bezwingung  der 
bösen  Geister)  berufen,  dessen  Schüler  Pagur  Vairokaua  oder  Lo  tsa  ba  tschen  po 
(mit  Hülfe  von  1000  indischen  Gelehrten)  alle  heiligen  Bücher  in's  Tibetische 
übertrug  (als  der  Kan-gjur  oder  Uebersetzung  der  Wörter).  Nach  Ssauang  Ssetsen 
galt  Padmasambhava  für  eine  Verkörperung  des  Bodhisattwa  Manju^ri.  Der  tibe- 
tische   König    (als   letzter    Kakravartin)    Rat   pa    Tschan    (eine    Verkörperung    des 


24  Zweites  Kapitel. 

tributären  Beherrscher  Tibets  anerkennend.  Der  Staat  Petsi*)  (in 
Korea)  wurde  (wie  östlich  Öinlo)  von  der  japauesischeu  Kiinigin 
Singukog'U  (205  p.  d.)  erobert.  In  Petsi  haben  Viele  von  den 
benachbarten  Wo  den  Gebrauch  angenommen,  ihren  Leib  zu  be- 


Bodhisattwa  Vajrapani)  rief  Bildhauer  aus  ludien  und  Erzgieser  aus  Nepal  uach 
Tibet  (IX.  Jahrhdt.).  Als  die  während  der  buddhistischen  Verfolgungen  nach 
Kham  (der  östlichen  Provinz  Tibets)  geflüchteten  Priester  (mit  Brom  Bakschi  oder 
Brom  SS  Ton)  zurückkehrten,  wurden  viele  Klöster  gegründet  (XI.  Jahrhdt).  Als 
der  Abt  des  Klosters  Ssa  sse  Kja  Ansprüche  auf  die  höchste  geistliche  Würde  in 
der  tibetischen  Kirche  machte,  erhielt  er  eine  Bestätigung  seitens  des  chinesischen 
Kaisers.  Die  Vorgänger  des  Kublai-Khan  (die  den  Buddhismus  bei  den  Mon- 
golen einführten)  betrachteten  Christus,  Moses,  Mohamed  und  Sramana  Gautama 
Buddha  (Sogomom  barkhan  oder  ^'äkjamuui  burchan)  als  gleichberechtigte  Pro- 
pheten. 

*)  Die  Koreaner  veränd.  rteu  die  von  China  erhaltene  Schrift  (374  p.  d.). 
Nachdem  die  Religion  Buddha's  durch  den  Bonzen  Molonaye  in  Kaoli  (372)  und 
in  Petsi  (384  p.  d)  eingeführt  war,  begründete  der  Bonze  Mehotsu  (aus  Kaoli) 
den  Buddhismus  in  Siulo  (528  p.  d.).  Petso  Schoug-ming-waug ,  der  Vasallen- 
fürst des  japanischen  Monarchen  in  Petsi,  schickte  eine  (in  Vai^ali  verfertigte) 
Statue  Buddha's  nach  Japan,  wo  sie  (während  einer  Pest)  in  einen  Kanal  geworfen, 
aber  nach  der  Bekehrung  des  Mikado  (853  p.  d.)  neu  aufgestellt  wurde  (fi02)  in 
Simmo.  Die  chinesische  Schrift  der  Japaner  ist  der  Fansi-  oder  indischen  Schrift 
nachgebildet.  Der  Beherrscher  (Ichi)  des  Reiches  Fusang  (mit  dem  adligen  Tuilu 
in  verschiedenen  Klassen)  kleidete  sich  in  verschiedene  Farben  nach  den  Jahren 
des  Cyklus.  Im  Osten  Fusangs  fand  sich  ein  Reich  der  Frauen.  Die  Heiraths- 
lustigen  (in  Fusang)  bauten  vor  dem  Hause  der  Eltern  des  Mädchens  eine  Hütte 
und  reinigten  den  Platz  jeden  Morgen.  Die  Schrift  in  Kavaudlia  und  Kashgar 
war  indisch  (zur  Zelt  des  Hiuenthsang).  Nach  Hiuenthsang  betrachtete  sich  der 
König  von  Khotan  (das  Gesetz  Buddha's  verehrend)  als  einen  Abkömmling  Vai^a- 
ravana's  oder  Kuvera's  (welcher  Gott  in  der  vor-buddhistischen  Zeit  eine  weit 
verbreitete  Verehrung  genoss  in  dem  dortigen  Reiche  des  Südens).  Der  Arhat 
Vairokana  (aus  Ka<:mira)  bekehrte  den  König  von  Khotan  zum  Buddhismus  (300 
p.  d.).  Als  ein  Khan  der  Türken  das  Kloster  Navavihära  (neues  Kloster)  oder 
Naukbehur  (als  der  Feuertempel,  wohin  sich  der  altiränische  König  Lohrasp  zurück- 
zog) bei  der  (zur  Zeit  lliuenthsang's)  buddhistischen  Stadt  Balkh  plündern  wollte, 
wurde  er  durch  die  vor  demselben  aufgestellte  Statue  des  Gottes  des  Reichthiims 
(Vaitjravana  oder  Kuvera)' gewarnt.  Hiuenthsang  wurde  von  dem  Khan  der  Türken 
(am  Issikul).  die  das  Feuer  verehrten,  ehrenvoll  aufgenommen.  Die  Schrift  in 
Kuke  (westlich  von  Kharashar)  ähnelte  der  indischen  (zur  Zeit  Hiuenthsang's). 
Die  über  Khotan  und  Jarkand  bis  nach  China  vordringenden  Missionäre  des  Zo- 
roastrimus  und  Christeuthums  wurden  von  dem  buddhistischen  Kaiser  zurück- 
gewiesen (619—918  p.  d.) 


Peking.  25 

malen  (524  p.  d.),  wie  in  anderen  Provinzen  des  Reiches  Korea.  *) 
Basnage  lässt  die  zehn  Stämme  nach  China  (und  Indien)  kom- 
men.   Das  Seide  prodiicirende    Land    heisst  Zenia  bei  den  Ar- 


*)  Der  nach  der  LufteiscLeiuung  in  der  Grösse  eines  Huhnes  geborene  Sohn 
der  Dienerin  des  Königs  Toli  wurde,  weil,  in  den  Stall  von  Schweinen  und 
Pferden  gelegt,  nicht  beschädigt,  für  einen  Gott  gehalten  und  herrschte  (unter  dem 
Namen  Tung-ming)  über  das  Reich  Fu-yü  (nach  dem  Tai-ping-yü-lan).  Die 
Obrigkeiten  werden  nach  den  sechs  Arten  der  Hausthiere  benannt,  als  Makia  (den 
Pferden  Hinzugegebene),  Nieu-Kia  (den  Kindern  Hinzugegebene)  u.  s.  w.  (Pflzniaier). 
Bei  Regelwidrigkeiten  der  Dürre  oder  des  Wassers  wird  die  Schuld  (in  Fu-yü) 
auf  den  König  gewälzt,  der  abzusetzen  oder  zu  tödten  sei.  Das  Reich  Fu-yü 
wurde  (2%  p.  d.)  durch  Mu-yung-hoei  (Fürsten  der  Sienpu)  zerstört.  In  Sin-lo 
verständigte  man  sich  durch  Einschnitte  in  das  Holz.  InWo-tsin  wird  in  Särgen 
(aus  einem  Baum  verfertigt)  begraben  und  nach  Verwesung  des  Fleisches  das 
Gebein  in  die  äusseren  gelegt.  Die  Bogen  (in  Weke)  sind  von  Hörn.  Der  von 
der  Tochter  des  Flussgottes,  die  die  Strahlen  der  Sonne  schwängerten,  geborene 
Sohn  Tschunüing  (in  einem  Ei,  das  weder  Schweine  noch  Kinder  verletzten,  die 
Vögel  aber  mit  ihren  Flügeln  bedeckten)  fütterte  die  Klepper  des  Königs  von 
Fu-yü,  während  er  die  (ihm  deshalb  geschenkten)  Renner  abmagern  Hess,  und 
floh  verfolgt  (über  eine  Brücke  von  Schildkröten)  nach  der  Stadt  Hoschingko,  wo 
ihn  die  drei  begegnenden  Männer  (in  hänfenem,  genähtem  nnd  hörnernem  Kleide) 
auf  den  Thron  von  Kaoli  setzten  (nach  den  chinesischen  Geschichtsschreibern  der 
späteren  Wei).  Wei-Kung,  König  von  Kaoli,  erhielt  seinen  Namen,  weil  er  seinem 
Grossvater  Kung  ähnlich  (wei)  war.  Die  Höhe  des  heiligen  Berges  Si-tai  (in 
Weke)  darf  nicht  mit  Harn  verunreinigt  werden.  Die  am  Berge  Vorübergehenden 
füllen  die  Erde  in  Behältnisse  und  führen  sie  fort.  Die  Bewohner  Weke's  (im 
Westen  an  Kitan  gränzend)  führten  am  chinesischen  Hofe  (.')ö9  p.  d.)  Waffen- 
tänze auf.  Als  König  Wii  das  Haus  Schang  bewältigte,  wurde  auf  den  Wegen 
der  Fremdländer  im  Osten  des  Meeres  verkehrt  Als  König  Tschong  zur  Herr- 
schaft gelangte,  fielen  sie  von  ihm  ab.  Der  König  eroberte  ihr  Land  nnd  brachte 
sie  zur  Unterwerfung.  Deswegen  kam  Su-schin  und  wünschte  ihm  Glück.  Die 
Bewohner  von  Sn-schin  (dem  Reiche  Fu-yü  seit  dem  Hau  unterworfen)  sind  in 
der  Schifffahrt  bewandert  nnd  unternehmen  gern  Raubzüge.  Sie  werden  von  den 
benachbarten  Reichen  gefürditet,  aber  zuletzt  waren  sie  nicht  im  Stande,  die 
östlichen  Fremdländer  zur  Unterwerfung  zu  bringen  (Taipingyülan).  Wenn  der 
Kaiser  wechselt,  nimmt  man  von  dem  Baume  Hiung-sien-ji  (auf  dem  Berge  Pu- 
hien)  die  Kleider.  In  Su-chin  verfertigt  man  Tücher  aus  Schweinehaar.  In  Kao- 
keu-li  dient  Schweineflei^ch  bei  Festen.  Kaiser  Kaotsu  schickte  an  Kienwn 
(König  von  Kaoli)  Gestalten  der  Geehrten  des  Himmels  (Thien-tsün-siang)  und 
Gelehrte  der  Tao-Secte,  um  die  Werke  des  Laotse  zu  erklären  (625  p.  d.).  Wer 
die  gestorbenen  Eltern  beklagt,  gilt  nicht  für  tapfer  (in  Su-schin).  Die  Leichen 
werden  mit  Wein  begossen.     In  Weke  kleidet  man  sich  in  Schweine-  und  Hunde- 


26  Zweites  Kapitel. 

meniein.  Ke-pin  (Samarcand)  bot  (25  a.  d.)  in  Cliina*)  Unter- 
werfung an  und  Chakeen  war  (127  a.  d.)  nach  Tawau  (Sogdiana) 
gekommen.    Panchaou   (94  p.  d.)  speaks  of  Min-ke,  Taw-le  and 


pelze.  Ueber  Gräber  wird  eiu  Dach  gestellt.  Die  Menschen  des  nördlichen  Wo- 
tsiü  erzählen,  dass  in  dem  Meer  das  Reich  der  Weiber  sich  befinde,  (mit  einem 
göttlichen  Baume,  der  die  Hineinblickenden  gebären  macht)  heisst  es  im  Buche 
der  späteren  Han  (s.  Pflzmaier).  Die  (an  Yiliü  gränzenden)  Einwohner  des  nörd- 
lichen Wü-tsiü  (Tschi-keu-li)  haben  Freude  daran,  die  Schiffe  zu  besteigen  und 
anf  Seeraub  auszuziehen  (nach  den  Denkwürdigkeiten  der  Wei).  Die  Greise  (im 
nördlichen  Wo-tsiü)  erzählen,  dass  Menschen  des  Reiches  einst  ein  Schiff  bestiegen, 
um  Fische  zu  fangen.  Von  einem  Sturm  überfallen ,  wurden  sie  durch  mehrere 
Zehnte  von  Tagen  fortgetrieben  und  erreichten  im  Osten  eine  Insel.  Auf  der- 
selben waren  Menschen,  deren  Sprache  ihnen  unverständlich  war.  Daselbst  herrschte 
der  Gebrauch,  regelmässig  im  siebenten  Monat  des  Jahres  eine  Jungfrau  zu 
nehmen  und  in  das  Meer  zu  werfen  (nach  dem  Taiping  yülan).  Man  erzählt 
ferner,  dass  sich  noch  eiu  Reich  in  dem  Meere  befindet.  Daselbst  giebt  es  nur 
Weiber  und  keine  Männer.  Man  fand  ferner  ein  Leinenkleid ,  dessen  beide 
Aermel  zwei  Klaftern  lang  waren.  Man  fand  ferner  ein  zerstörtes  Schiff  zui 
Seite  der  hohen  Meeresufer.  Auf  demselben  war  ein  Mensch ,  an  dessen  Halse 
sich  ein  zweites  Augesicht  befand.  Man  sprach  mit  ihm,  aber  man  verstand  ihn 
nicht.  Er  nahm  keine  Nahrung  zu  sich  und  starb  (s.  Pfizmaier).  Mexicanische 
Steinflguren  tragen  eiu  zweites  Gesicht  am  Halse. 

*)  Os  romeiros ,  que  aqui  (uu  Vico  de  Adaö  in  Ceilaö)  concorrem,  nao  so 
Geutios,  mas  ainda  Mouros,  desda  Persia  ate  China,  chegaudo  ä  aquella  riacho, 
puriflcamse,  com  suas  ceremonias,  e  vestemse  de  roupas  novas.  Die  Eingeborenen 
erzählen,  dass  eiu  König  (que  reinava  sobre  todo  este  Orieuto)  auf  sein  Gebet 
einen  Sohn  erhielt,  von  dem  die  Astrohtgen  vorhersagten,  que  seria  santo  e  se 
fario  peregrino  (a  que  elles  chaman  Jogues).  In  Folge  dessen  richtete  der  König 
eiueu  Palast  mit  weiten  Gärten  für  ihn  ein,  als  er  aber  später  (bei  einer  Aus- 
fahrt) einen  Krauken,  Alten  und  Todtea  gesehen  hatte,  Ihe  appareceo  em  visaö 
hum  Santo  em  flgura  de  peregrino  e  queo  persuadira  ao  desprezo  do  Mundo. 
Nachdem  er  sich  in  die  Eiusamkeit  zurückgezogen,  besuchte  er  später  die  Insel 
Ceylon  (mit  seinen  Schülern),  wo  er  als  Gott  verehrt  wurde,  und  auf  die  Bitte 
ein  Audeuken  zurückzulassen,  seinen  Fuss  in  den  Fels  eindrückte.  A  este  Prin- 
cipe nomeam  suas  historias  por  muitos  nomes,  o  seu  proprio  era  Drama  Rajo, 
o  porque  foi  conhecido,  depois  que  o  tiveram  por  santo,  he  o  Budaö  que  quer 
dizer  sabio  (s.  Diogo  de  Couto).  Sao  todus  homens  (da  Ulia  de  Java)  mui  exer- 
citados  na  arte  da  navegaijäo,  em  tauto,  que  se  tem  por  mais  antigos  nella  que 
lodos  ainda  que  muitos  dam  esta  honra  aos  Chiuos,  e  afflrmam  procederem,  delies 
os  Jaos,  mas  he  certo  navegarem  estes  .ja  ate  o  Cabo  de  Boa  Esperanca  e  tenemo 
communifäo  na  Ilha  de  S.  Lourenco  da  banda  defora  aonde  hai  muitos  naturaes 
Bassos  e  Ajavados,  que  dizem  procederem  dclles  (Couto).     Die  Schiffe  des   Jorge 


Peking.  27 

A-se  (ßokhara)  auf  dem  Wege  nach  dem  nordischen  (caspiscben) 
Meere  (s.  Martin),  üer  König  von  Tientse  schickte  (159  p.  d.) 
Gesandte  nach  China.   Bei  der  unter  Yao  aufgezeichneten  Fluth  •••) 


de  Menezes  (auf  der  Kelse  von  Malacca  nach  den  Molucceu)  wurden  iu  der  Nähe 
von  Ternate  (purque  as  aguas  por  antre  aquellas  Ilhas  corriam  pera  o  Levante) 
iu  einer  Windstille  levados  ate  os  langarem  föra  de  todos  as  Uhas  em  hum  golfo 
de  mar  niui  grande,  onde  Ihes  deo  hum  temporal  mui  grosso,  com  que  forani 
correndo  quasi  perdidos  algunas  dias,  ate  haverem  vista  de  hunia  terra  que  Hies 
pareceo  11ha.  Logo  vieram  algunas  embarca^oes  a  elles  eu  que  viuham  alguns 
homems  muito  pretos  e  de  cabellos  revoltos.  Diziamque  pela  terra  deutro  havia 
ua^oes  que  comiam  geutes.  Aqui  viram  os  nosses  alguns  dos  naturaes  assi  homems, 
como  mulheres,  täo  alvos  e  louros  como  Alemäes  et  preguutando  como  se  cha- 
maiam  aquellas  gentes,  disseran  que  Papuas,  sagt  Conto,  der  meint,  dass  es  die 
von  Marco  Polo  erwähnte  Insel  Lochac  gewesen  sei.  Mungel  Chan,  Sohn  des 
(Sohnes  des  Gunchau)  Hiel-dux-Chan  (que  nasceo  cum  huma  estrella  na  testa), 
war  (unter  den  Mongolen)  Grossvater  des  Hil-Chan ,  zu  dessen  Zeit  reinava  na 
Provincia  Tataria  (von  Tartar,  Bruder  des  Mongal,  herstammend)  hum  Senor  cha- 
mado  Feridun  (s.  Conto).  Hum  Bispo  Armenio  de  Babylonia  (que  na  Cidade  de 
Meliapor  foi  preguutado)  diz,  que  S.  Thome  se  passära  (de  8acotora)  as  Rcyno 
de  Narsiuga  e  na  Cidade  de  Meliapor  flzera  muitos  Christiäos,  e  depois  de  gastar 
alli  alguns  annos  se  fora  pera  as  partes  da  China,  e  que  estivera  em  huma  Cidade 
chamada  Cambalia,  aoude  hum  Key  residia,  e  que  alli  flzera  grande  Christandade, 
e  alevantära  Templos  e  que  dalli  se  tornara  a  Meliapor,  aonde  fera  morte 
(s.  Couto),  Nach  Antonino  (Erzbischof  in  Florenz)  liess  der  Preste  Joäo  (Hunchau) 
oder  Jüvano  (vom  Propheten  Jonas  genannt)  sich  stets  ein  Kreuz  vortragen,  beim 
Ausreiten.  Die  Flotte  Pegu's  wurde  durch  Camöes  und  Pinto  verhindert,  gegen 
den  König  von  Arracan  auszulaufen. 

*)  Aus  der  die  Insel  Prydain  zerstörenden  Fluth  retteten  sich  nur  Dwyfau 
und  Dwyfach  (nach  den  Triaden).  Das  Schiff  Nefydd  Naf  Neiflon  rettet  (in  Wales) 
die  Geschöpfe,  als  der  gehörnte  Stier  (ychain  bannog),  der  mächtige  Hu,  den 
Biber  (Avanc  oder  Krokodil)  aus  dem  See'  Llyun  llion  zieht,  damit  er  nicht  über- 
schwemme. Das  durch  Prarazima's  Nussschale  aus  der  Fluth  gerettete  Paar 
sprizt  neunmal  auf  die  Knochen  der  Erde,  worauf  die  neun  Geschlechter  der 
Litthauer  entstehen.  Theuiis  befiehlt  Deukalion  und  Pyrrha,  die  Gebeine  ihrer 
Mutter  hinter  sich  zu  werfen.  Jede  Periode  (Mauwantara)  in  Indien  endet  durch 
eine  Pralaya  (Umkehr).  Die  nach  dem  Untergang  der  Pharaonen  über  Aegypten 
herrschenden  Banu-Delukah  bewirkten  den  Zusammenbang  des  mittelländischen 
und  schwarzen  Meeres,  um  sich  im  Kriege  mit  dem  Könige  von  Rum  zu  scliützen 
(s.  Kazwini).  Während  Menys,  Vater  der  Pedias  (Gemahlin  des  Craiuius)  iu  Attika 
herrschte,  brach  die  deukalionische  Fluth  herein.  Pan^an  (fünf)  von  pac  (pancäte), 
ostendere,  indem  mau    die  ausgestreckten  Finger    der  Hand  zeigt.     Die  Zahl  eins 


28  Zweites  Kapitel. 

soll  der  gelbe  Fluss  seinen  Lauf  nach  Peteheli  verlassen  haben, 
um  nördlich  von  Kiang'-sou  zu  münden.  Das  Thal  des  Yan- 
tzekiang  (ßlauflussesj  ist  besonders  durch  seine  Wasserbauten 
ausgezeichnet. 

In  einer  andern  Richtung  liegt  vor  der  Stadt  der  Tempel 
der  Erde*l  Ti-tau).  Schun  opferte  auf  dem  Berge  Tai-tsong 
dem  Ersten  der  Jo.     Dann  wurde  ein  Tempel  des  Himmels   er- 


drückt (nach  Kopp)  (las  Proiiomeu  der  dritten  Persou  aus,  indem  man  beim  Zäiilen 
an  den  Fingern  begann,  mit  dieser  da.  Die  Abiponen  nannten  vier  geyenknate 
oder  Stransszehen  (als  vier).  Das  nubische  werka  ist  ourka  (Kopf),  wie  das  Bul- 
lom  Nimbull  von  Bull  (Kopf)  mit  uim  (Zahlpraeflx)  kommt  und  chinesisch  ny  und 
eiil  (zwei)  die  Ohren  bezeichnet.  Au  sanscrit  druh  (deinoii)  au  (daus  le  Veudidad) 
druj  (draug,  larva,  maues,  en  scandin.)  r^poud  l'anc.  all.  triugan  (fallere,  fraudare) 
und  Kuhn  verbindet  die  TeJ.yjfes  (von  d'sXyco,  nnire).  Un  corre'latif  du  deuion 
Indien  druh  est  le  lithuanien  drügis,  fievre  et  surtout  frisson  frebrile  (Pictet). 
Un  dragon  cheval,  qui  sortit  du  fleuve  Hoangho,  porta  sur  son  dos  la  table  de 
Ho-tou,  d'apres  laquelle  Fohi  forma  les  huit  Koua.  Yu  travaillant  ä  l'e'coulement 
des  eaux  du  deluge,  une  divine  Tortue,  nomme'e  Hi.  se  presenta  ä  Uli,  portaut 
sur  son  dos  (dans  le  Lo-chu  ou  ecriture  sortie  du  fleuve  Lo)  des  traits  au  nombre 
de  neuf,  ce  qui  donua  occasiou  ä  Yu  de  faire  ce  que  les  Chiuois  appellent  les 
neuf  especes.  Le  Ho-tou  est  l'origine  de  l'ecriture  et  Lo-chu  est  l'origine  des 
Sciences,  de  la  Morale  et  du  Gouvernement.  Les  Chinois  combiuent  ensemble 
ces  deux  flgures. 

*)  Nach  der  alten  Ansicht  haben  die  (iötter  ihren  Wohnplatz  nicht  in  dwu 
Himmel,  der  sich  als  gewölbtes  Dach  über  die  Erde  erstreckt  (von  Gaia  als  ge- 
stirnter üranos  zu  ihrer  Decke  geboren),  sondern  auf  der  Erde  selbst,  auf  den 
Gipfeln  des  Berges  Olympos  (Schoemann).  Nach  Hesiod  assen  die  Menschen  früher 
am  Tisch  mit  den  Göttern.  Wie  mit  Chaos  bezeichnet  der  Römer  die  Luft  als 
inane ,  weil  ohne  Widerstand  für  alle  Dinge  offen.  Von  dem  aus  dem  Chaos 
(s.  Hesiod)  hervorgehenden  Wesen  repräsentirt  Gaia  mehr  das  Materielle ,  Eros 
das  Seelische.  Der  am  westlichen  Erdrande  (mit  seinen  Töchtern)  wohnende 
Okeanos  besucht  (auf  einem  Flügelpferde  oder  einem  Hippogryphen)  den  an- 
geschmiedeten Prometheus.  Hyperion  (der  in  der  Höhe  Wandelnde)  ist  (nach 
Hesiod)  Vater  des  Helios.  Chia,  Bochica's  Frau,  verwandelte  sich  in  den  Mond. 
In  der  Theogonie  (Hesiod's)  schleudert  Jupiter  den  atc/nov,  der  zehn  Tage  braucht, 
um  auf  die  Erde  zu  fallen.  Some  (of  the  Zulus)  say,  ükunlukulu  caaie  from 
beueatb,  and  another  descended  from  above  on  a  fog  (s.  Callaway).  Nachdem  die 
Titanen  durch  Zeus  aus  dem  Himmel  (wo  sie  früher  herrschten)  vertrieben  waren, 
gebar  die  Erde  (aus  den  mit  Kronos'  Samen  bestrichenen  Eiern  im  Arimerlande) 
den  Typhoeus,  welches  Ungethüm  Worte  ausstiess,  bald  in  der  Sprache  der  Götter 
(für  die  Götter  verständlich    lautend),    bald    thierische  Laute.     Als  Zeus  die  gött- 


Peking.  29 

richtet  und  daneben  eine  heilige  Stätte  für  Sehe  (den  Erdgeist). 
Der  Cultus  Sche-tsi  gilt  den  Genien  des  Ackerbaues^  der  Ahueu- 


lichen  Köpfe  in  Brand  gesetzt,  fahren  Flammen  ans  dem  Leibe  des  Gebieters 
(nach  Hesiod).  Nach  seiner  Vermählung  mit  Hera  (als  letzter  Gattin)  zeugt  Zeus 
noch  mit  Maya  (Tochter  des  Atlas)  einen  Sohn.  Den  Chariten,  die  zu  Pausanias' 
Zeit  durch  Statuen  (früher  als  vom  Himmel  gefallene  Sterne)  verehrt  wurden, 
ward  in  Athen  ein  Geheimdienst  erwiesen.  Der  Erstgeborene,  dem  sich  die 
übrigen  Familienglieder  unterordneten,  hiess  (bei  den  Etruskern)  Lucumo  oder  Lar 
(und  in  Tahiti).  Tiirres,  ut  Aristoteles  ait,  Cyclopes  invenerunt  (Plin.).  Der  Erbauer 
der  von  ihrer  kreisförmigen  Gestalt  benannten  Kyklopenbauteu  wurde  Kvy.lcoTtes 
(KvxxoTtes)  genannt,  und  dann  als  Rundungen  erklärt  (s.  Schoemann).  Aus  Zorn 
über  des  l'rometheus  List  lässt  Zeus  von  Hephästos  das  erste  Weib  schaffen  (in 
der  von  Epimetheus  aufgenommenen  Pandora,  als  "Werk  aller  Götter),  die  Ahn- 
mutter des  ganzen  Weibergesc.hlechts,  von  der  alle  die  aus  dem  Zusammenleben 
mit  Frauen  fliessenden  Leiden  über  das  Menschengeschlecht  kamen,  das  früher 
davon  freigeblieben  war  (Schoemann).  Nach  Plato  fand  die  Fortpflanzung  der 
Gattung  früher  ohne  geschlechtliche  Zeugung  statt.  Die  Auseinandersetzung  der 
Götter  und  Menschen  fand  zu  Mekone  statt.  Idyia  (die  Kundige)  war  Mutter  der 
Kirke.  Nach  Khodji  Raschid-ed-din  theilt  sich  das  Land  der  Franken  in  Ala- 
mania,  Afranna  und  Andalous.  Die  Hauptstadt  Roumia  war  durch  Saturnns 
(Nemrod)  gegründet  (vor  seinem  Sohn  fliehend).  Wie  die  Semgallen  von  dem 
Festungsbau  (mit  der  Kirche  des  Meinhardus)  in  Livland  vernahmen,  wollten  sie 
es  nicht  leiden,  und  weil  ihnen  der  Gebrauch  des  Kalks  unbekannt  war,  ver- 
meinteti  sie,  dass  das  Schlo'JS  zu  Üxkul  nur  von  losen  Steinen  also  aufgebauet 
wurde.  Kamen  derentwegen  mit  laugen  Stricken  und  Tauen  angezogen,  vermei- 
nend, das  angefangene  Werk  in  die  Düna  zu  ziehen,  wurden  aber  von  einigen 
teutschen  Bogenschützen  dermassen  (1168)  bewillkommt,  dass  sie  von  ihrem  thö- 
richten  Vorhaben  ablassen  und  mit  Schanden  wieder  zurückkehren  mussten  (Hiärn). 
Bei  einer  Sonnenflnsterniss  in  Esthland  wurde  der  Missionär  Theodoricus  be- 
schuldigt, die  Sonne  gefressen  zu  haben.  In  qua  (civitate  Pirisabora)  excellebant 
minae  murorum,  bitumine  et  coctilibus  laterculis  fabricatae,  quo  aedificii  genere 
nihil  esse  tutius  constat  (Amm.  Marceil.).  Cujus  in  medio  (des  Thaies  am  Flusse 
Naharmalcha  zwischen  Euphrat  und  Tigris)  diversorium  opacum  est  et  amoenum, 
gentiles  picturas  per  omnes  aedium  partes  ostendens,  regis  bestias  venationi  mnl- 
tiplici  trucidantis,  nee  enim  apud  eos  pingitur  vel  flngitur  aliud  praeter  varias 
caedes  et  bella  (Amm.  Marcel!.).  Elephantis  isidentes  magistri  manubriatos 
cultros  dexteris  manibus  illigatos  gestabaut,  um  (wenn  die  Elephanten  erschreckt 
sich  gegen  Shapur's  eigenes  Heer  wendeten)  vertebram  qua  caput  a  cervice  dister- 
minat  ictu  maximo  zu  zerschmettern  (s.  Amm.  Marc),  wie  mit  Hasdrubal's  Meissel 
in  der  Schlacht  von  Metauros.  Auf  dem  mit  der  Trophäe  eines  Elephanten  be- 
kleideten Kopfe  des  Demetrius  (der  Medaillen)  stellt  sich  der  Rüssel  in  Gestalt 
der  Aspis  dar. 


30  Zweites  Kapitel. 

ciiltus  wird  im  Miao,  dem  Tempel  der  sieben  Generationen,  voll- 
zogen. Ein  hoher  Triumphbogen  führt  zu  der  Mauer,  die  den 
Area  nmschliesst.  Durch  das  Thor  betritt  mau  einen  mit  wohl- 
riechenden Kräutern  gefüllten  Raum,  zwischen  denen  gepflasterte 
Wege  hinführen.  Häuser,  mit  Dächern  aus  grünen  Ziegeln, 
stehen  an  Hofzäunen.  Unter  Triumphbogen  führt  die  Strasse  zu 
einer  viereckigen  Plattform,  die,  in  Treppen  aufgestuft,  von  zwei 
braunen  Mauern  mit  gelben  Ziegeln  umgeben  ist,  der  äussere 
"Wall  ist  an  jeder  Seite  310  Fuss  lang,  der  innere  240  Fuss, 
die  Plattform  68  Fuss,  der  Raum  zwischen  dem  ersten  und  zwei- 
ten Hof  580  Fuss  lang,  der  zweite  (iO  Fuss,  dann  führen  Stufen 
empor,  und  nach  20  Fuss  noch  zwei  Stufen  (neun  im  Ganzen) 
zu  der  Terrasse  der  Plattform.  Am  Fusse  der  Plattform ,  mit 
Wassergruben,  stehen  Marmorvasen,  um  darin  die  Opfergaben 
an  Holz  niederzulegen.  Ein  hoher  Eisenrost  steht  zur  Seite,  um 
das  Weihepapier  zu  verbrennen,  und  bedeckte  Löcher  waren 
gegraben,  um  dort  die  Aschen  des  verbrannten  Papieres  zu  ver- 
scharren. Eine  der  vier  Aveuuen,  die  auf  die  Plattform  zuführen, 
kommt  an  ein  verziertes  Gebäude ,  das  dem  Kaiser  zum  Sitz 
diente,  und  weiterhin  steht  für  sich  abgeschlossen  das  Ruhe- 
zimmer. In  anderer  Umzäunung  finden  sich  die  Vorrathshäuser 
für  die  gebraucliten  Werkzeuge,  und  eine  Umzäunung  daneben 
enthält  unter  einem  Doppeldache  sieben  Bronze-Kessel,  um  die 
Opfer  (14-  Schafe,  14  Schweine  und  14  Kühe)  zu  waschen  und 
zu  schinden.  Schweine  und  Schafe  werden  mit  dem  Messer  ge- 
tödtet,  die  Kühe  bei  Seite  geführt  und  dort  erst  durch  einen 
Sclilag  betäubt.  Hinter  diesem  Gebäude  sind  in  einem  niedrigen 
Auswurf  zwei  grosse  Kessel  eingemauert,  die  dazu  dienen,  das 
Wasser  zu  sieden  ,  das  dann  durch  R()hren  zu  den  Kesseltöpfen 
geleitet  wird.  Nachdem  den  Opfern  die  Haut  abgezogen  ist, 
werden  sie  von  dem  Kaiser  besichtigt  und  dann  fortgenommen, 
um  unter  Mandarinen  niederen  Ranges  und  Coolis  zum  Essen 
vertlieilt  zu  werden  (beim  Jahresfest  im  Erdentempel). 

Auf  dem  Rückweg  besuchten  wir  Buchläden.  In  den  Ess- 
liäusern  sitzen  die  Gäste  um  Tische.  Eine  Steinbrücke  trug 
Löwen  zur  Verzierung.  Auf  den  Giebeln  mancher  Häuser  finden 
sich   kleine  Nischen  mit  springenden  Löwen.     Von  den  vergol- 


Peking.  3l 

deten  Pfosten  hängen  Schnüre  in  die  Strasse  hinal).  Durch  die 
Thore  des  Palastes  blickt  man  auf  Gebäude  zwischen  einer 
spitzen  Steinbriicke. 

Im  Hofe  des  Tempels  von  Lung-fii-tzü  waren  Holzbuden 
aufgestellt,  für  die  Kirmes  am  nächsten  Tage.  Die  Tempel- 
baulichkeiten folgten  in  Höfen  nach  einander,  mit  den  Priester- 
zellen an  den  Seiten.  An  der  Rückseite;  durch  einen  engen 
Pfad  abgetrennt,  findet  sich  der  Raum  für  die  Nonnen.  Im 
ersten  der  Tempel  sitzen  drei  kreuzbeinige  Buddhas  *)  in  riesiger 


*)  L'essenza  di  qnesto  lor  Dio  (rli'adorano  i  Thibettani)  e  unita  al  eorpo  e 
questo  corpo  e  d'uua  pietra  pretiosa  <i  guisa  di  cristallo  o  sia  di  splendidissiuio 
diamaute  ed  ad  mettono  questo  corpo,  prechi^,  cimo  si  e.  detto,  l'anima  sola  uon  e. 
capace  ne  di  godere,  ne  di  peuare,  sagt  Horac.  de  la  Penna  von  der  biiddhistisclieu 
Trinität  in  Tbibet.  Whoever  draws  the  blaok  bit  (on  tlie  Beilteine  or  Bel's  Are) 
is  the  devoted  person  (in  the  Highlands  of  Perthshire),  who  is  to  be  sacriflced 
to  Baal  (or  Bei),  whose  favour  they  mean  to  implore,  in  rendering  the  year  pro- 
dnctive  of  the  snstenance  of  man  and  beast  (conipelling  him  to  leap  three  times 
throiigh  the  flames  (1794).  So  opferten  die  Aseu  dem  bejammerten  Baldiir  (wie 
später  Freya's  Körper  verwahrt  wurde).  Cair  (in  Gaelic)  is  a  fortifled  place 
(Kartha).  The  image  honored  (by  the  priests  of  Alopun)  was  the  Trnine,  rayste- 
rious  in  Substanre,  eternal,  true  Lord  Aloho  ((Jod).  Some  say  this  is  the  ancient 
religion  of  Syria,  writes  Tseen  Tahiu  (s.  Wylie).  Tay  ousauvan  is  an  expression 
belonging  to  that  religion.  The  Are  proof  cloth  is  a  cloth  that  can  be  cleansed 
by  Are.  To  ideutify  the  sect  of  the  illustrious  Religion  (of  Fuhlin  or  Judaea  in  Tat- 
sin  or  Syria)  the  Tseen  yen  Appendices  suppose,  that  the  proper  word  for  their  name 
was  „ping"  (illumiiiation  from  Are).  But  as  tliis  Charakter  formed  the  name  of  one 
of  the  emperor  of  the  Tang,  accordiug  to  Chinese  custom ,  no  one  eise  was  per- 
mitted  to  use  its,  and  lience  they  substituled  „king"  (illustrious),  a  word  of  similar 
import  (s.  Wylie).  According  to  the  Yinghwan  che  leo  the  illustrious  religion 
is  the  sect  of  Are  worshippers  (s.  Wylie).  „It  is  not  the  Are-sect,  it  is  not  the 
Teen  (heaven)  sect,  it  is  not  the  Buddhist  sect,  in  Ane  there  is  no  name  by  which 
to  classify  this  religioii,"  Is  said  in  the  Yinghwan  che  leo  or  Compendious  de- 
scription  of  the  world  about  the  tablet  recording  the  propagation  of  the  Illustrious 
religion  in  China,  as  related  by  King-tsing,  a  priest  of  the  Syrian  church  (781  p.  d.). 
„For  the  Persians  in  worshipping  the  spirit  of  Are,  adhere  to  their  ancient  usage, 
while  Buddhism  was  practised  in  India,  it  was  their  neighbour  on  the  east,  and 
the  religion  of  the  Spirit  of  Heaven,  prevailing  in  Syria,  was  their  neighbour  on 
the  west,  so  that  in  the  Time  of  the  Tsang-dynasty,  the  Roman  catholic  religion 
being  then  flourishing  in  Syria,  it  was  the  craft  of  the  foreign  priests,  to  drag 
the    three    religions    into    cnmbination    and    invent    the    name    of    the    illustrions 


32  Zweites  Kapitel. 

Gestalt,  Shisefot  iu  der  Mitte,  Si-Sbisefot  zur  Rechten,  Tung- 
Shisefot  zur  Linken,  mit  zwei  Figuren  tlazwiseben  stehend.  An 
den  Seiten  stehen  zwei  Figuren  von  Lotenwa  (mit  Blättersehnmck 
des  Kopfes),  und  an  der  Wand  sitzen  18  Figuren  von  Lohan 
(9  an  jeder  Seite).  Der  äusserste  rechts  lässt  die  Füsse  hängen, 
einen  Tiger  haltend,  der  äusserste  links  lässt  einen  Fuss  hän- 
gen, einen  Becher  haltend,  die  anderen  sitzen  mit  gekreuzten 
Beinen  und  vor  ihnen  auf  der  Erde  stehen  die  dicken  Schuhe*) 
chinesischer  Form.  Peking  heisst  Chun-tien-foo,  die  im  Gehorsam 
zum  Himmel  verharrende  Stadt.  Durch  den  Thorweg  betreten 
wir  die  kaiserliche  Stadt,  die  durch  eine  Mauer  umschlossen  ist, 
während   gegenüber   ein    anderes    Thor  den   Palast  abschliesst. 


religion  in  order  to  exalt  themselves,  so  that  the  Chinese,  not  nnderstauding  their 
origin  and  ramiflcations,  might  he  blindly  led  to  adopt  their  faith,  thus  verifying 
the  sayiug  of  Changle,  tliat  they  are  only  desirous  of  hearing  somethiug  stränge" 
(s.  Wylie).  „Among  the  miscellaiieous  foreigners  who  arrived,  tbere  were  the  Ma- 
uicheans,  the  Ta-tsin  (Syrians^)  and  the  worshippers  of  the  Spirit  of  Heaven,"  says 
(9*1^  Century)  Shoo  Ynen-yu.  In  the  edict  (issiied  1012)  it  was  (according  to  Tsih  foo 
yuen  kwei  or  National  Archives)  said  :  ,The  religion  of  the  Persian  classics,  having  rome 
from  Syria,  has  now  been  long  handed  down  and  practised  in  China.  When  its 
notaries  flrst  erected  temples,  they  gave  tbem  their  own  national  name.  Hence- 
forth  to  enable  others  to  trace  their  origin,  let  all  the  Persian  temples,  belonging 
to  the  two  oapitals,  have  tlieir  name  changcd  to  that  of  Syrian  temples,  and  let 
this  be  complied  with  through  all  the  provinres  of  the  empire."  On  the  death 
of  Kaou-tsung,  bis  empress  Woo  (called  Tsih  teen)  assumed  the  crown  and  (ba- 
nishing  the  rightfiil  their)  fixed  her  resideuoe  in  Lo-yang  (changiug  the  name  of 
the  dynasty  from  Tang  to  Chow).  Having  been  before  a  buddhistie  nun,  her 
partiality  for  Buddhism  soon  developed  itself.  Much  of  the  State  revenue  was  ex- 
pended  in  building  religious  houses  and  casting  brazen  Images,  and  it  was  only 
at  the  importnnate  solioitation  of  the  minister  Teih  Jin-kee  (who,  imploring  not 
to  destroy  the  national  welfare,  threw  hiniself  on  the  ground  before  her),  that  she 
was  dissuaded  from  going  in  State  to  visit  a  pagoda,  containing  relics  of  Buddha 
at  the  request  of  a  foreign  priest  (s.  Wylie). 

*)  Bharata  stellte  Rama's  Schuhe  auf  den  Thron,  als  dieser,  durch  seinen 
Vater  Dasaratha,  Sohn  Ragu's,  verbannt  (weil  er,  das  Geräusch  eines  Wasserkruges 
für  das  eines  trinkenden  Elephanten  haltend,  den  Sohn  des  blinden  Eremiten, 
der  sich  mit  seiner  Gattin  auf  dessen  Scheiterhaufen  verbrannte,  getödtet  hatte), 
die  Rückkehr  verweigerte.  Magnus  of  Norway  sent  his  sandals  to  Muircheartach, 
king  of  Irelaud,  ordering  him  to  carry  them  on  his  Shoulders  in  the  palace,  before 
the  ambassadors,    as    an    ackuowledguieut,    that    he   was    subject  to    king    Magnus. 


Peking.  33 

An  den  Ecken  der  Mauer,  sowie  über  den  Eingängen  erhoben 
sich  Festungsthürme.  Ueber  die  Gärten  schauen  Kiosk  und 
Pavillons  von  künstlichen  Erhöhungen  herab.  Eine  Stupapagode 
zeigte  die  Pumpkinform.  Im  Wolkenterapel,  zu  dem  ein  Vorhof 
führte,  sass  zwischen  zwei  weissbärtigen  Begleitern  der  Gott 
der  Wolken  (Yün-shan).  Ueber  der  Thür  stand  geschrieben: 
Tschug-sö-tschau-yan  (wenn  die  Sümpfe  trocknen,  blinken  die 
Wolken  hervor).  An  derselben  Seite  des  Palastes  findet  sich 
der  Tempel  des  Windes,  auf  der  andern  der  Tempel  des  Don- 
ners*) (Leishan)  und  Regens.  Ausserdem  enthält  das  Innere 
des  Palastes  den  Tempel  des  Lichts  und  den  des  Pferdegottes. 
Ausserhalb  der  chinesischen  Stadt  stehen  die  Tempel  der  Sonne 
und  des  Mondes.  Im  Windtempel  sitzt  hinter  einer  Tafel  eine 
schwarzbärtige  Figur,  als  Mandarin  dargestellt,  zwischen  seinen 
Begleitern,  die  Schreibmaterialien,  Waffen,  Beamtenauszeich- 
nungen u,  s.  w.  tragen.  Ueber  der  Thür  steht  geschrieben: 
Chicho  chai  heh  (aus  harmonischer  Einigung  leuchtet  Wohlsein 
hervor).  In  Zeiten  der  Dürre  sendet  der  Kaiser  einen  Mandarin 
zum  Regentempel,  um  dort  zu  beten,  und  geht  nöthigenfalls  selbst 
zum  Tempel  des  Himmels.  Im  Wiudtempel  trägt  einer  der  Be- 
gleiter (mit  zwei  Hörnern)  einen  Sack,  der  die  Winde  enthält, 
auf  den  Schultern.  In  einer  Schule  wurde  Chinesisch  und 
Mandschu  gelehrt.  Zwischen  den  Mauern  der  Tempel,  deren 
gelbziegelige  Dächer  herüberblickten,  führen  Strassen  hin.  Dem 
Tempeleiuschluss  gegenüber  mit  verbotenem  Eingange  wohnen 
die  Priester  (Ho-shang).  In  den  Stuben  der  Priester  (meistens 
Mongolen)  lagen  in  Glaskasten  viersprachige  Religionsbücher 
(über  Amita).  Ein  anderes  Buch  war  betitelt:  Titsan  Pusah 
Pan  Jüan  king,  das  Buch  der  wahren  Wünsche  (um  die  Mensch- 


*)  Da  nach  den  Fulgnralbüchern  die  vom  Blitz  getroffene  Erde  nicht  mit 
den  Füssen  betreten  werden  durfte,  errichtete  man  darüber  einen  in  der  Mitte 
durchbohrten  Altar,  als  Puteal ,  oder  (wegen  des  Opfers  eines  Schafes)  Bidental, 
von  einer  Einzäunung  umgeben.  Der  etruscische  Blitzkundige  Aruns  begrub 
fulmina  in  lapides  transflgurata  in  lapides.  Le  vieux  min^ralogiste  grec  Sotacus 
(et  Pline  apres  lui)  distinguent  cinq  varietes  de  l'aimant  dont  les  unes  sont  mäles 
et  les  autres  femelles  (Martin). 

Bastian,  Reise.  VI.  3 


34  Zweites  Kapitel. 

heit  zu  erretten*)  des  Bodhisattwa  Titsan  (in  3  Theilen).  Er 
kam  von  Slam  (Sienlo)  als  Sohn  des  dortigen  Königs,  und  herrscht 
über  das  Höllenreich  der  Unterwelt.  Auf  einem  Gemälde  sitzt 
Titsan  vor  dem  in  Lehrerhaltung  dargestellten  Buddha  Shikiafoh, 
in  einer  Versammlung  der  Götter,  Engel  und  Menschen.  An  der 
Wand  hing  ein  Bild  des  rothgekleideten  Pan-kwo,  ein  Schwert 
liervorziehend.  In  einem  nahegelegenen  Tempel  fanden  wir  die 
Eingangsthür  der  Halle  mit  fünf  Schlössern  geschlossen,  und 
fünf  Priester,  die  über  ihre  weissen  Beinkleider  (und  Stiefeln) 
ein  gelbes  Seidenkleid**)  trugen,  kamen  jeder  mit  seinem  Schlüssel, 
um  zu  öft'nen.  Im  Innern  sass  Chao  foh  (mit  einer  Krone  auf 
dem  Haupt)  zwischen  zwei  stehenden  Begleitern.  An  jeder  Seite 
enthielt  eine  Nische  die  Figur  des  kurz-kraushaarigen  Amitablia. 


*)  Das  Gebet,  das  auf  religiöser  Erfalining  beruht,  setzt  nach  dem  Theismus 
einen  Gott  voraus,  der  den  Weltverlauf  in  seinem  naturnothwendigen,  gegen  sitt- 
liche Zustände  rücksichtslosen  Gange  anhalten  und  abändern  könne  (s.  Lang). 
Als  Luther  bei  der  schweren  Erkrankung  Melanchthon's  „dem  Herrgott  den  Sack 
vor  die  Thür  warf  und  ihm  die  Ohren  rieb  mit  allen  Verheissungen  seines  Worts"» 
genas  Melauchthon.  Die  zukünftige  Verkörperung  Vishnu's  (im  zehnten  Male) 
als  Kalkin  ist  im  Mahabharata  erwähnt,  aber  *rst  in  der  Periode  der  Purana  aus- 
gebildet. Wegen  des  Uebergewichts  des  Duhshamä  (des  unheilvollen  Zeitalters) 
wird  nach  dem  Tode  des  Königs  Rhävada  die  Macht  der  Mudgala  (Mongolen)  mit 
Gewalt  die  Erde  überschwemmen.  Mudgala  bedeutet  im  Sanskrit  den  Sohn  des 
altindischen  Königs  Harjafva  und  den  Stanunvater  eines  Geschlechts,  einen  Muni, 
dessen  Gattin  Indrasena  hiess,  nach  dem  fabdakalpadruma.  Der  Raubzug  der 
Mudgala  (Hammer)  nach  Sarashtra-Lata  bezieht  sich  auf  den  Feldzug  des  Ghaz- 
neriden  Mahmud  (1025 — lO'iß),  der  den  Tempel  zu  Somanath  plünderte  und  auf 
dem  Rückzug  nach  der  Hauptstadt  Analavata  gelangte.  Mahmud  von  (ihazni  ver- 
nichtete den  Tempel  Balarama's  und  Krishna's  in  Mathura.  Die  Buddhisten,  in  der 
Umgestaltung  der  Geschichte  des  Surjavaiica  (Sonnengeschlechts),  stellen  Maha- 
sammata  an  die  Spitze  und  errichten  428  Dynastien  bis  Ixvaku  in  der  Asankheja- 
*    Periode. 

**)  Zur  Zeit  .Justinians  wurden  (nach  Procop)  Eier  der  Seidenwürmer  von  den 
Serindern  gebracht.  In  „Ind",  ,,And'"  liegt  das  Innen  oder  Drinnen  der  Ein- 
geborenen oder  Natives  bei  Inder  und  Sinder,  auch  mit  anderen  Ländern  ver- 
bunden, wie  bei  Serinder  oder  Bewohner  des  Sererlandes,  ähnlich  den  Natives  of 
Australia,  the  Islands  u.  s.  w.  Les  cheveux,  reduits  ä  la  longueur  des  deux  doigts, 
se  lournant  vers  la  droite,  resterent  appliquees  sur  sa  tete,  ce  fut  lä  leur  longueur 
jusqu'ä  la  flu  de  ses  jours  (s.  Bournouf),  sagt  die  Laiita  vistara  von  Buddha,  beim 
Abhauen  seines  Ilaares  im   Walde. 


Peking.  35 

Vier  muskulöse  Figuren  von  Bodbisattwas  (mit  verziertem 
Lendentuch  und  einem  Kopfschmuck  aus  Blättern)  standen  auf 
beiden  Seiten  zwischen  Bäumen.  Neun  Figuren  der  kahlköpfigen 
Lohan  (in  langen  Gewändern)  sassen  (an  jeder  Seite)  längs  der 
Wand.  Vier  Reihen  von  Kisten  (Tanchang)  waren  zugespitzt 
über  einander  gestellt  für  Opfergaben  und  mit  Blumen  überstreut. 
Lampen  brannten  ringsum.  Die  Thürinschrift  besagte:  „Die 
kostbare  Gnadenhalle."  Im  Hofe  stand  eine  Kürbispagode 
(Suburug  oder  Paita),  mit  Thurmspitze  darauf.  Die  zu  dem 
Tempel  aufführenden  Treppen  wurden  in  zwei  Hallten  getheilt 
durch  schmückendes  Schnitzwerk  ^von  Drachen,  Arabesken  u.  s.  w.) 
an  einer  geneigten  Steintläche.  In  der  nächsten  Halle  sassen 
(mit  kurz  geschorenem  Haar)  die  drei  Buddha  (Sanche  julai)  der 
Vergangenheit,  Gegenwart  und  Zukunft  (Bogan  Chagon  Borglian). 
Vor  dem  mittelsten  stand  in  einem  Glaskasten  das  vergoldete 
Figürchen  des  Ayötzö  (des  Bnddha's  hohen  Alters)  in  Schmuck- 
kleidung und  bemaltem  Kopfputz.  Die  Wand  umgaben  die 
Ersehe  tschu   tien,    oder    die   zwanzig    (indischen*;    Gottheiten, 


*)  Dans  les  premiers  äges  du  nionde  vivaient  les  Dänavas  ou  Titans,  bien 
difflciles  ä  vaincre  par  les  armes,  nommes  atissi  Kaleyas  (les  noirs  o«  les  fils  de 
Kali),  qui  soiis  la  conduite  de  leur  chef  Vritra,  se  riierent  (avec  des  armes  de 
toutes  sortes  contre  les  Dieux  (selon  le  Mahabharata).  Indra,  cherchant  le  dieu 
supreme  et  r.reateur,  Brahma,  pour  des  conseils,  fut  instrnit,  de  demander  (pour 
le  bien  des  trols  mondes.)  les  os  du  sage  austere,  Dadhitchi,  plein  de  g^nerosite. 
A.  la  demande  des  dieux  (qui  le  visitf'rent  dans  son  ermitage)  le  sage  abandonna 
son  propre  corps  et  les  immortels  donnerent  les  os  ä  l'artisan  di-viu  Tvachtri 
(Vi(jTakarma)  pour  fabiiquer  le  foudre  d'ludra  (eu  combattaut  les  eunemis  des  dieux). 
Arm^?  de  la  foudre,  Indra  attaqua  Vritra,  mais  (avec  leurs  armures  d'or)  les  fils 
de  Kali  tenant  en  main  des  massues,  se  rependaient  eu  torrens  sur  les  dieux,  qui 
ne  purent  pas  supporter  le  choc.  Comme  Vritra  grandissait  toujours,  Indra  (trem- 
blant  avec  la  peur  du  noir  demon)  alla  vers  le  seigneur  Narayana  (Vishnou),  son 
refuge,  et  l'impdrissable  Vishnou  (voyant  Indra  gris,  de  faiblesse)  le  p^n^tra  de  sa 
propre  splendeur,  augmentaut  ainsi  la  force  du  deva.  Quand  il  vit  le  chef  des 
devas  revetu  de  la  puissance  par  Vishnou,  Vritra  poussa  un  grand  cri,  dont  le 
bruit  traversa  la  terre,  les  points  de  Thorizon,  l'espace  lumineux  et  le  firmament 
de  toutes  parts.  Indra  fut  saisi  de  flevre  en  entendant  ce  cri  terrible.  Tout  en 
proie  &  la  terreur,  il  lächa  cette  foudre  formidable  destinee  ä  tuer  l'ennemi,  et 
frappö  par  la  foudre  d'Indra,  il  tomba  le  grand  demon,  qui  portait  la  guirlande 
d'or,  le  chef  des  Titans  6tant  tu^.   Indra,  tout  craintif,  courut  dans   l'eau  pour  s'y 

3* 


3^  Zweites  Kapitel. 

unter  denen  sich  die  vier  Schutzgottheiten  fanden.  Der  Eine, 
als  Gandharva,  eine  Leier  führend;  dann  folgte  Tzarra  (mit 
einer  Schaale)  als  Mondgottheit,  Nana,  die  Gottheit  der  Sonne, 
Mahagala  mit  einer  Axt,  Lotza,  der  Drachenkönig ,  mit  einem 
Fächer,  Tschungmiausen,  die  Gottheit  des  Ackerbaues,  mit  Korn 
in  der  Hand,  der  vierliändige  Olong-Jing  mit  zwei  gräulichen 
Gesichtern,  das  kleinere  auf  dem  grösseren,  der  achthändige 
Ariabalo  mit  einem  kleinen  Kopf  zwischen  der  Haartracht  des 
grösseren,  und  andere  vielarmige  Gottheiten.  Im  Nebenzimmer 
war  eine  mit  einem  Vorliaug  bedeckte  Nische  (Tabandokschit), 
welche  vielhändige  Ungeheuer,  die  Schützer  der  Religion,  ent- 
hielten, als  Jama  oder  Dukhar,  Makolo,  Hämo,  Chagun,  Namsara 
u.  s.  w.  Eine  Treppe  führte  zu  einem  Oberzimmer,  wo  das  viel- 
köpfige Ungethüm  Dumzugga  (mit  Krone  und  Gürtel  aus  Schä- 
deln) in  zweien  seiner  Arme  eine  Frau  umschlungen  hält,  im 
Copulationsact.  Die  Wände  sind  gefüllt  mit  kleinen  Nischen 
der  tausend  Buddhas.  In  einem  andern  Räume  stand,  gekrönt, 
Maitreya,  mit  dem  vierhändigen  Jandiuruk  zur  Rechten,  Mand- 
jusri,  ein  Schwert  schwingend,  zur  Linken.  Hinter  einer  Glas- 
scheibe fand  sicli    die   Figur   des  Ayöschö.     Eine   kleine  Figur 


cacher,  ne  siipposant  pas,  qiie  Vritra  fut  tiii'.  Tous  les  devas  dans  leur  joie  ce- 
ebrerent  Indra,  tandisque  les  autres  immortels  reunis  tualent  tous  les  demoiis, 
d^vores  de  chagrin  par  suite  de  la  mort  de  Vritra.  Ce  qui  reste  des  d^mons  ce 
pr^cipite  au  fond  de  la  mer,  comme  apr&s  l'orages  les  grosses  nu^es, .  qui  avaient 
de  tontes  parts  escalade  le  ciel  tombent  en  pluie  et  retournent  par  les  fleuves 
ä  l'oceau,  quand  la  foudre  les  a  brisees  et  vaincues.  In  the  court-yard  of  n^arly 
all  the  viliaras  in  Ceylon  there  is  a  small  devata,  in  which  the  brahminical  deities 
are  worshipped.  The  persons  who  offlciate  in  them  are  called  Kapuwas.  They 
marry  and  are  not  distinguished  by  any  particular  costnme.  The  incautations  they 
use  are  in  Sanskrit  (Hardy).  One  of  the  Holt  tämily  murdered  his  cook  and  was 
afterwards  oompelled,  to  adopt  the  Red  Hand  (the  Ulster  badge  of  baronetcy)  in 
his  arms  (at  Birmingham).  „Das  Streben  der  Buddhisten  geht  auf  Erreichung  des 
Biidi,  aber  bevor  der  Mensch  dahin  gelangeii  kann,  hat  er  verschiedene  Wieder- 
geburten zu  untergehen,  uiii  stufenweise  zum  vollendeten  Bodi  aufzusteigen.  Dies 
besondere  Ziel  wird  aucli  Bodi  genannt,  und  bevor  der  Zustand  des  Buddha  er- 
langt wird,  muss  man  nacheinander  sich  bemühen  um  den  Zustand  eines  Bodi- 
Schravaka  oder  Hörers ,  eines  Bodi-Pratiekow  und  Bodi-Bodisat  (dem  letzten 
Vorort  zum  Buddha)." 


Peking.  37 

Gussull's  sass  auf  einem  Stuhle.  Ein  niedriger  Sitz  trug  einen 
fossilen  Schulterl^nocben.  In  einem  andern  Räume  sass  die 
bekleidete  Figur  Borhan  Bakchi's  mit  dem  haubig  bekappten 
Tschai-lama  rechts  und  Mandjusri  (ein  Schwert  schwingend) 
links.  Ein  anderer  Raum  enthielt  die  bekleidete  Figur  Tschai- 
lama's,  mit  Figuren  Maitreya's  (Kronen  tragend)  zu  jeder  Seite. 
Die  Bücher  der  Kaygursammlung,  in  Tuch  eingewickelt,  lagen 
aufgestapelt.  In  einem  andern  Räume  sass  Panjin-Lama  (in 
Haubenkappe)  zwischen  Patama  (einen  Stab  tragend)  und  Ayoschö 
(mit  Krone).  In  dem  gepflasterten  Hofe  fanden  sich  unter  Be- 
dachung zwei  Cylinder  als  Gebeträder,  die,  mit  Sanscritgebeten 
beschrieben,  durch  einen  Eisengriflf  zu  drehen  waren.  The  (tur- 
ning)  chests  (kurde)  are  a  sort  of  prayer  book  for  those,  who 
caunot  read.  Am  Eingänge  sass  im  Wachthause  Kwanti,  der 
Kriegsgott.  In  den  kaiserlichen  Gärten  findet  sich  der  Tempel, 
wo  die  Kaiserin  jährlich  die  Seidenwürmer  füttert.  An  einem 
andern  Thor  wird  die  Leiche  eines  verstorbenen  Kaisers  bis  zu 
seinem  Begräbniss  aufbewahrt.  Die  monumentalen  Triumphbogen 
heissen  im  Chinesischen  Peilo  oder  Dach  (Lo)  der  Verehrung  (Pei.) 
Ausser  dem  Missionair  Thomas  lernte  ich  von  der  franzö- 
sischen Legation  Herrn  Bertelet,  von  der  russischen  Herrn  Glinka 
kennen.  Im  Convent  der  französischen  Lazaristen  erzeigte  mir 
Pere  Fa\'ier  manche  Gefälligkeiten.  Von  dem  Attache  der  engli- 
schen Gesandtschaft  war  besonders  Herr  Murray  in  den  Vorberei- 
tungen zur  Weiterreise  behülflich.  Herr  Bismarck,  der  derselben 
von  der  preussischen  damals  zuertheilt  war,  um  an  dem  Aus- 
bildungscursus  Theil  zu  nehmen,  fand  sich  auf  einer  Jagdexcur- 
sion  abwesend.  Das  Spiel  Tjatji  wird  mit  180  Stöcken  gespielt. 
An  Tauben*)  werden  kleine  Röhrchen  befestigt,  die  beim  Durch- 


*)  Für  den  Gebrauch  des  Leu-tze  (Corvus  aquaticus  oder  Pelicanus  chiuensis) 
zum  Fischen  (besonders  in  Schantuug)  wird  Pacht  gezahlt.  L'encre  (dans  la  pro- 
vince  de  Che'-kiang)  est  un  compos^  de  noir  de  fumee,  tire  de  -vieux  pins,  dont 
ou  corrige  l'odeur  avec  des  parfums  (s.  Malpiere).  Comte  erzählt  -von  einem 
Mandarinen,  den  der  Kaiser  zur  Rechenschaft  zog,  weil  er  im  Bau  seines 
Hauses  von  der  Regel  abgewichen.  Die  chinesischen  Pfeifenröhre  sind  meist  aus 
Bambus,  die  Köpfe  aus  Pe-Tong  (Kupfer)  oder  Porzellan.  Nach  de  Beaumare 
hatte   sich   der  Tabak   von  Amerika   nach  Japan   verbreitet.     Der  Opium  wird  in 


301604 


38  Zweites  Kapitel. 

fliegen  der  Luft  einen  Ton  erzeugen.  Der  Garten  der  englischen 
Gesandtschaft  stiess  an  den  des  Han-lin  (Federwaldes).  In  je- 
dem Pao  (aus  1000  Hausvätern)  findet  sich  eine  Schule  mit  jähr- 
lichen Prüfungen  als  Sieu-Tsai  (Baccalaureus),  Kuijin  (Literat), 
Tsin-tso  (Magister);  worauf  die  Examination  im  Kaisei-palaste 
durch  Akademiemitglieder  des  Han-lin  folgt. 

In  einem  Lamatempel  fanden  wir  die  Mönche  beim  Nach- 
mittagsgottesdieust.  Der  Vorsänger  zeichnete  sich  durch  eine 
hochkammige  Halskappe  aus.     In  der  Hauptballe  (mit  niedrigen 

einem  Draht  der  Pfeife  genähert.  Die  sonst  ohne  Rücksicht  auf  Alter  und 
Geschlecht  applicirte  Strafe  des  Pantzee  (in  körperlicher  Züchtigung)  darf  den 
Mandarinen  über  den  Blauknöpflgen  nur  auf  besondern  Befehl  des  Kaisers  ver- 
abfolgt werden.  The  elm  is  most  frequently  used  for  dwarfing.  Nach  den 
Chinesen  bildet  sich  vom  thierischen  Körper  zuerst  die  Nase  (s.  Kidd).  Les 
airs  de  uotre  musique  passent  de  Toreille  jusqu'au  cceur,  et  du  cceur  jusqu'a 
l'äme,  nous  les  seutous,  nous  les  comprenous.  Ceux  que  vous  venez  de  jouer  ne 
fönt  pas  sur  uous  cet  effet,  bemerkten  die  Chinesen  an  Amiot.  Korn,  Mais 
u.  s.  w.  wird  auf  Drehmühlen  gemahlen  für  Backwerk.  Ausser  Holz  werden 
Kohlen  gebrannt.  Der  Unterricht  eines  Knaben  beginnt  mit  sechs  Jahren,  und 
am  siebenten  Jahr  wird  er  von  seinen  Schwestern  getrennt  (s.  Grosier).  Wie  die 
Griechen  (nach  Atheuäus)  lieben  die  Chinesen  das  Fleisch  junger  Hunde,  auch 
von  den  Römern  (nach  Plinius)  gerühmt,  wenn  noch  säugend.  Die  chinesischen 
Nachtwächter  (von  neun  Dhr  an)  schlagen  auf  Bambustrommeln.  Die  Mandschu- 
quartiere  Pekings  begreifen  Tsu-kiu-tschhiug  (kaiserlicher  Hof)  mit  gelber  Mauer, 
Houang-tschhhing  (Kaiserstadt)  mit  rother  Mauer,  King-tschhiug  (Hofstadt);  das 
chinesische  besteht  aus  Vai  lo  tchhing  (äussere  Stadt  im  Süden).  Chin-Mou  (die 
heilige  Mutter)  mit  einem  Kinde  gleicht  (nach  Staunton)  der  Jungfrau  Maria. 
Die  Pferde,  die  gewöhnlich  nach  sechs  Jahren  durch  Abnutzung  der  nicht  be- 
schlagenen Hufe  unbrauchbar  sind,  werden  mit  Bohnen  und  gehacktem  Stroh  ge- 
füttert. Die  Aerzte  bedienen  sich  (nach  Macartney)  der  Acupunctur,  damit  der 
böse  Geist  oder  Dauipf  aus  dem  Kranken  entweichen  kann.  Two  (of  the  crickets) 
are  placed  in  a  bowl  together  and  irritated  by  a  straw,  when  they  attack  each  other 
(Langdou).  Les  males  de  la  caille  ä  Java  aiment  beaucoup  ä  ce  battre.  Wie  in 
Athen,  sind  solche  Kämpfe  in  China  beliebt.  Durch  die  verschiedentlich  erlassenen 
Gebote,  die  Reben  auszurotten,  ist  der  aus  Mais  destillirte  Chow-chou  (heisser 
Wein)  gewöhnlich  geworden.  Der  Zam-fon  wird  in  Ta-cheou  bereitet.  Auch  aus 
Hammelfleisch,  Bohnen,  Milch  stellt  man  gebrannte  Wasser  dar.  The  flrst  fur- 
nace  of  Porcellain  (porcella  or  little  bog  from  the  ressemblauce  to  the  shell)  was  in 
Keang-se  (VII.  centy.  p.  d.).  Kingtihchin  is  now  most  celebrated  for  its  mauufacture 
(s.  Langdon).  Der  Lack  für  Lacksachen  aus  Holz,  Metall,  Papier  u.  s.  w.  wird 
aus  Tseih-shoo  (rhus  veruix.)  dargestellt. 


Peking.  39 

Tischen  vor  niedrigen  Bänken)  sass  hinter  einem  mit  Opfer- 
gaben und  Aepfeln,  Kuchen,  mit  Wassergefässen  nnd  Lampen 
besetzten  Altartisch  die  Figur  des  Shiseamunifoh ,  und  in  einer  , 
Ausbuchtung  dahinter  (unter  dem  Wandgemälde  der  drei  Bud- 
dhas) das  gekrönte  Bild  des  Aiyoshö  mit  Tschantenshu  rechts 
und  Tschanteumuni  links  in  zwei  Reihen  übereinander.  An  der 
Rückseite  des  Bilderstandes  war  ein  künstlicher  Fels  aufgebaut, 
mit  500  Lohan  darüber  eingefügt,  frühere  Feldermäuse,  sowie  sie 
ein  vergoldeter  Stand  davor  zeigte,  aber  auf  das  Gebet  des  in 
einer  Höhle  sitzenden  Ayosha  oder  Shagiefoh  bekehrt  und  ver- 
wandelt. Die  Wände  waren  mit  Gemälden  kreuzbeiniger  Bud- 
dhas behangen,  zwischen  denen  sich  Scenen  aus  Shakiamuni's 
Leben  zeigten.  An  einer  Stelle,  wo  Buddha  einer  Versammlung 
predigte,  findet  sich  auch  ein  Affe  zwischen  den  Zuhörern  ein. 
Anderswo  kreuzt  ein  Knabe  einen  Strom,  um  Buddha,  der  am  jen- 
seitigen*) Ufer  predigt,  zuzuhören.  Vor  verstümmelten  Körpern 
sitzen  Priester  in  Meditation.  Manha  (mit  kurz  geschorenem 
Haar)  sitzt  vor  einem  Fels.  An  der  einen  Seite  des  Zimmers 
sitzt  zwischen  künstlichen  Bäumen  Unju-posa  und  an  der  andern 
(unter  einer  Pagode)  Saburg  der  Wentushe  (Mandjusri),  mit  Om 
mani  päd  me  hum  in  sanscritischer  Formel  darunter  geschrieben, 
da    er   der    Einführer    derselben    gewesen.     Mandjusri  '•'*)    (die 


*)  When  tiautama  with  bis  disciples  passed  (without  couveyauces)  from  oue 
side  of  Ganges  to  the  other  (in  a  moment),  the  people  exclaimed:  „Whatever 
Areya  lias  crossed  the  ocean  of  passiou,  that  Areeya  has  niade  himself,  a  boat 
and  erosses  free  from  niud  and  fllth."  Those  who  wish  to  cross  the  river,  prepare 
bamboos  and  wood,  but  the  Areeyas  make  their  boat  of  tlie  wisdom  which  destroys 
aU  passion  and  on  this  they  cross  over  (according  to  the  Malalengara-Woottoo). 

**)  Zunkapa  ist  eine  der  Wiedergeburten  des  Mandjusri.  Bodi  bedeutet  bei  den 
Brahmanen  den  Verstand  und  den  Act,  den  Geist  hinzurichten  auf  die  Erkeuutniss 
des  höchsten  Gottes.  Bei  den  Buddhisten  bedeutet  Bodi  den  Zustand  und  den 
Verstand  des  Buddha  (was  zusammenfällt).  Buddha  ist  (nach  den  Buddhisten)  eine 
solche  Wesenheit,  die,  auf  dem  Wege  tugendhafter  und  beschaulicher  Handlungen 
der  Freiheit  von  dem  Gesetz  der  Wiedergeburten ,  sieh  ergiesst  in  die  Wirk- 
lichkeit der  Dinge  und  die  Abstraction  des  neuen  Seins  (oder  die  Leere  des  Nichts, 
worin  sich  das  wirkliche  Sein  verneint).  Nach  dem  Altan  Göräl  ist  bei  den 
Buddhisten  die  Leere  das  Nichts,  weder  Eins,  noch  Zwei.  Nach  dem  Naiman 
Mingatis  ist  das  wirkliche  Sein  das  Nichts,  und  unterliegt  deshalb  nicht  der  Aus- 


40  Zweites  Kapitel. 

Personification  der  Weisheit  und  Beredsamkeit)  mit  dem  nackten 
Schwerte;  als  Sinnbild  der  Weisheit,  und  einem  Buche  auf  einem 
blauen  Lotus  dargestellt,  wird  aus  dem  Sanscritischen  im  Mon- 
golischen als  „Wohlklingender"  übersetzt. 

In  der  Halle  des  hinteren  Hofes  steht  gekrönt  das  Riesenbild 
Maitrafoa's  (Maityafoh's)  oder  Shamba's,  und  Stufen  leiten  auf 
zur  Gallerie,  die  den  Kopf  der  Statue  umlaufen  und  auf  Veran- 
das  führen,  von  denen  die  nahe  gelegene  Festungsmauer  und 
die  Stadt  überblickt  wird.  In  dem  oberen  Corridor  steht  (hinter 
Maitreyaj  Shantunyoh,  Aveiterhin  der  schwarze  Hofa,  dreileibig, 
mit  dem  (grünen)  Louka  links,  und  dem  weissen  Paika  rechts. 
Weiterhin  enthält  eine  Nische  den  vielköpfigen  Nantshikhan. 
Links  findet  sich  (neben  einer  weissen  Figur  zur  Rechten)  die 
schwarze  Figur  des  dreiköpfigen  Shimmafoh's ,  in  einem  Karren 
von  sieben  Schwänen  gezogen.  Nammaseri  sitzt  auf  einem 
Drachen,  Louka  als  weiblicher  Buddha.  Die  Haupthalle  trägt  die 
Inschrift:  Ou  leang  scho  lung  (der  unermessliche  Umschwung 
der  Langlebigkeit).  Ein  kolossales  Gebetrad,  mit  den  acht  Bud- 
dhas in  seinen  Abtheiluugen,  reicht  durch  verschiedene  Stockwerke 
empor,  und  wird  von  unten  durch  einen  Hebelbaum  bewegt,  an 
den  man  Ochsen  spannt. 


rechnuQg,  als  Zwei,  Drei  u.  s.  w.  Das  Nichts  eutspricht  (nach  dem  Nalman  Miu- 
gatis)  dem  wirklirhen  Sein,  und  was  nicht  so  ist,  der  Dummheit.  Sich  iu  das 
Sein  ergiesseud  oder  sich  iu  das  abstrahirte  Sein  verwandelnd,  der  Budda  macht 
sich  zu  demselben,  als  das  abstrahirte  Sein,  von  welchem  weder  gesagt  werden 
kann,  dass  es  ist,  noch  dass  es  nicht  ist  (und  dann  existirt  er  in  der  Art  und 
Weise  der  Nichtexistenz).  Zu  derselben  Zeit  geht  auch  sein  Verstand  in  diesen 
Zustand  ein,  und  dann  verschwindet  Alles,  was  denkbar  ist,  indem  alles  in  den 
Gedanken  Entgegengesetzte  indifferent  wird,  das  Eine  und  yiele,  das  Ich  und 
Nicht-Ich,  das  Sein  und  Nichtsein.  Die  zur  Wahrheit  durchgedrungenen  (die 
Buddhi)  sehen  keinen  einzelnen  Gegenstand,  für  das  geistliche  Gesicht  erscheinen 
alle  Gegenstände  als  heilig,  unvorstellbar,  in  wunderbaren  Erscheinungen  der 
Entstehung  und  Vernichtung  (nach  dem  Altan  Göräl).  Das  Wort  Buddha,  in 
seiner  Meinung  und  Bedeutung,  wird  zu  einer  solchen  Abstraction,  in  welcher 
Nichts  existirt ,  was  denkbar  ist.  Das  Streben  nach  diesem  Zustande  ist  Bodi. 
Die  Buddhisten  sehen  im  ganzen  Weltraum,  selbst  in  den  Himmelswohnungen 
der  Götter,  nur  Leiden,  aus  denen  der  Zustand  des  Bodi  allein  Errettung  ge- 
währen kann.  Sie  betrachten  alle  weltlichen  Zustände  gleich  einem  schweren 
Traum,  aus  dem  mau  nur  als  Buddha  erwacht. 


Pekiug.  41 

Das  Areal  des  Sonnentempels*)  (Jö  tan)  wird  dnrch  eine 
runde  Mauer  umschlossen.  Aus  dem  wuchernden  Gestrüpp  ste- 
hen Kieferbäume  hervor  und  Häuser  mit  grünen  Ziegeln  liegen 
am  Wall.  Ein  Triumphbogen  führt  durch  eine  runde  Ab.schlies- 
sung  zu  einer  viereckigen  Plattform,  die  (durch  Treppenstufen 
erstiegen)  52  Fuss  breit  und  lang  ist.  Die  Ziegel  der  rothen 
Mauer  sind  grün  und  die  runde  Mauer  wird  von  einer  andern 
umschlossen.  Räuchervasen  sind  aufgestellt.  Wenn  man  auf 
der  Plattform  spricht,  so  antwortet  das  Echo  von  der  Mauer.  In 
einem  nahgelegenen  Gebäude  mit  doppeltem  Dach  werden  die 
Töpfe,  Kessel  und  Röhren,  die  beim  Thieropfer  gebraucht  wer- 
den, verwahrt. 

Im  tauistischen  Tempel  von  Tung  yue  miao  werden  die 
Hallen  im  Hofe  durch  eine  Reihe  viereckiger  Zellen  umgeben, 
deren  jede  die  Gestalt  eines  der  zwei  Mandarine  enthält  und 
ihre  Diener  vor  ihnen;  Männer,  Frauen,  Krieger,  Schreiber, 
Kinder,  einige  in  der  Stellung  des  Bittens,  andere  der  Bestra- 
fung,**) einige  in  Ketten,  einige  streitend  u.  s.  w.  Einer  trug 
das  abgeschlagene  Haupt  am  Gürtel,  ein  Anderer  hatte  die  Zunge 
ausgeschnitten.  Mitunter  waren  Affen,  Tiger  oder  andere  Thiere 
eingemischt.    In  einer  Ausbuchtung  stand  unter  Verschluss  Jue- 


*)  Le  chapitre  Tai  yi  (du  Chou-king)  dit,  que  dans  les  sacriflces  du  Kiao 
011  adressait  des  remercimens  au  ciel,  qu'on  recevait  le  soleil  et  la  luue  comnie 
011  re^oit  des  hotes,  que  les  princes  de  la  famille  des  Hia  sacriflaient  ä  ces 
deux  astres  lorsqu'ils  commeiK^aieiit  ä  s'obscurcir,  que  les  Chang  leur  sacriflaieut 
lorsqu'ils  commen^.aient  ä  brlller,  et  que  les  Tscheou  sacriflaient  au  soleil  du 
matin  jusqu'au  soir.  In  the  time  of  Hia  or  Haui  (the  archer)  there  were  nine 
suus,  but  with  bis  shots  he  destroyed  eight.  Wishing  to  become  immortal,  he 
sought  the  ueedful  medicine  on  a  mountain  and  returning  with  it,  his  wife 
Chaug-ngo  fraudulently  obtainiug  it,  took  it,  and  was  transferred  to  the  moon, 
where  she  ties  with  red  silk  future  couples,  by  the  feet.  He  was  afterwards  killed 
by  an  arrow. 

**)  Hell  was  not  created  by  auyone ,  but  was  developed  by  uumeritorious 
works.  The  Are  of  the  angry  mind  produces  the  fire  of  hell  and  consumes  its 
possessor.  Where  a  person  does  evil,  he  lights  the  Are  of  hell  and  burns  with 
his  own  Are.  The  wicked  person  causes  the  deeds  that  he  performs  with  the  six 
Organs  (seeing,  hearing,  smelling,  tasting,  feeling,  thinking)  to  impiuge  upou  him- 
self,  which  at  all  times  and  in  all  plaoes  produces  hell  (according  to  the  Mulamuli). 


42  Zweites  Kapitel. 

lao  im  gelben  Gewände  (mit  Krone i,  in  einer  andern  die  beiden 
Figuren  von  ToutschaotzU  und  Katscheszü,  in  einer  andern  Ja- 
ngsüzii  und  Wyzözit,  in  einer  andern  Tscheusen  u.  s.  w.  In  der 
Halle  Sassen  in  einer  dunkeln  Nische  (hinter  Altartisehen  für 
Opfergaben)  die  Figuren  des  Tungyuetienschi  und  Tungyuenean- 
nea,  mit  Ydodoen  überschrieben.  In  der  darangelegenen  Halle 
(durch  eine  Plattform  verbunden)  sass  in  dunkler  Nische,  hinter 
einem  Altartisch  für  Opfergabeu  und  Lampen,  die  grosse  Figur 
von  Tungyuetienschi,  mit  Yuetsungtchauhwang  überschrieben. 
Trommeln  und  Glocken  waren  gravirt.  Gold-  und  Silberpapier 
lag  aut  den  Tischen  zusammengehäuft  mit  anderen  Papiergegen- 
ständen.*) Draussen  stand  ein  Eisengestell  zum  Verbrennen  des 
Weihepapiers.  Eine  Inschrift  an  der  Aussenseite  der  Halle  war 
in  den  alten  Charakteren  China's  (seal-characters)  abgefasst.  In 
einer  Seitenuische  stand  Chaulatansun,  in  einer  andern  die  (männ- 
liche) Figur  Wunwang's  mit  aufgestülpter  Kappe  und  die  weib- 
liche) Figur  Chowe's  mit  Spitzkrone,  beide  mit  Säuglingen  in  den 
Armen  und  auf  dem  Schooss.  Die  Begleiter  umher,  in  milder 
oder  hässlicher  Form,  tragen  alle  Säuglinge,  und  einer  die  Köpfe 
von  solchen  in  seinem  Sack.  Ein  anderer  Riese  trug  eine  An- 
zahl von  Säuglingen  auf  der  Schulter  und  auf  der  flachen  Hand 
einen  Knaben  mit  breitem  Hut.  Ein  vor  den  mittleren  Figuren 
stehendes  Boot  Avar  mit  Säuglingen  gefüllt,  auf  allen  Gallerien 
umher  fanden  sich  Säuglinge,  und  Mütter  pflegen  die  ihrigen  dort- 
hin zu  bringen.  In  einer  Nische  des  Rückhofes  sass,  zwischen 
Begleitern,  die  Figur  des  Wung-chan-di-ying  (mit  geschmückter 
Krone).  Vor  ihm  stand  ein  schwarzes  Maulthier  aus  der  Ming- 
Dynastie  und  ein  weisses,  das  in  Krankheitsfällen  berührt  wird. 
Ueberall  waren  Tafeln  aufgehangen.  Einer  der  tauistischen 
Priester;   deren  Haar  im  Knoten  aufgebunden  ist,   lebt  in  dem 


*)  Les  Tonqiiinois  rueleut  au  repas  funerailles  dos  niets  de  papier  qii'ils 
brüleut  (de  Rhodes).  Les  Pegouans  enterrent  la  pate  (cuite  des  cendres  de  leurs 
Rois  avec  du  lait),  ä  l'embouchure  de  leur  fleuve  quaiid  la  aier  est  retiree  (Lou- 
bere).  Apres  les  avoir  brüle'es,  les  Siamois  et  Pegouans  metteut  les  restes 
de  leur  Rois  sous  des  pyramides  ou  Prachaidi  (cceur  bon  du  seigueur  ou  repos 
sacre). 


Peking.  43 

Tempel.     Im  Tempel  der  Langlebigkeit  stehen  künstliche  Bäume 
auf  dem  Altar. 

Im  tauistischen*)  Kloster  der  weissen  Völker  finden  sich 
die,  verschiedene  Bilder  enthaltenden,  Hallen  im  Hof,  die  Seiten- 
höfe von  den  Wohnungen  der  Priester  umgeben,  die  meistens 
blau  gekleidet,  das  Haar  in  einen  Knoten  auf  dem  Kopfe  zu- 
sammengebunden trugen.  Eine  der  Hallen  war  durch  eine  In- 
schrift bezeichnet  als  die  Halle  des  Patriarchen  Tozo  tju  (Tozo 
tju  tien).  In  dem  Hauptraum  sassen  zwei  Figuren,  links  von 
der  kaiserlichen  Tafel  die  des  Yü-huang  Shangti  (Indra  Shakra) 
oder  der  Jaspis-Kaiser,  und  rechts  davon  die  des  Tzuwedadi,  des 
Polarsterns.  Eine  Seitennische  enthielt  den  sitzenden  Kaoshang, 
einen  Stern  repräsentirend,  und  zur  Rechten  Chaotou ,  der  über 
den  Ackerbau  präsidirt.  Glocken  hingen  umher  und  Bücher, 
mit  Tuch  bedeckt,  lagen  auf  dem  Tisch.  In  einem  Nebenzimmer 
sass  Wanshang  (Gott  der  Literatur)  und  auf  einem  Tisch  stan- 
den zwei  kleine  Figuren  Pusa's.  Hinter  dem  Hauptbilde  enthält 
ein  kleines  Capellchen  die  Figuren  Fo's  (in  der  Mitte),  Koung- 
tso's  (links)  und  Laotsö's  (rechts),  indem  Fo,  wie  gesagt  wurde, 
aus  Höflichkeit  in  die  Mitte  gestellt  sei,  weil  er  ein  Fremder 
wäre.  Die  Bücher  behandelten  die  Thaten  des  Yühuang  Shangti. 
Ein  an  der  Wand  hängendes  Gemälde  zeigte  in  Strohkleidung 
die  drei  primären  Kaiser  (himmlischer,  irdischer  und  menschlicher 
Dynastie).  Auf  einem  daneben  hängenden  sass  Siwangmuh  (die 
westliche  Königsmutter)  als  Göttin  des  Berges  Kounlun  zwischen 
ihrer  Begleitung.  Ein  Heros,  dem  sein  zweites  Armpaar  aus 
den  Augen  hervorwuchs,  stand  vor  der  Capelle,  die  Fo  Koungtsö 
und  Fo  enthielt.  Seitwärts  sass  die  Figur  des  Changtang,  eines 
de'ificirten  Taouisten,  und  an  einer  andern  Stelle  Laotsti  **),  dessen 


*)  Im  Tao-te-king,  das  (nach  v.  .Strauss)  zwischen  den  Jahren  520 — 510  a.  d. 
entstanden  ist,  istJi-hi-wei  der  Name  der  in  Einem  verbundenen  Drei  nach  Juan-tse), 
von  Julien  (nach  Hoschangkun)  als  farblos,  tonlos,  körperlos  erklärt,  Tao,  als  der 
Unterschiedslose  (nach  Lietse).  Nach  Remusat  liegt  darin  der  Name  Jehovah. 
Brugsch  fand  Jehovah's  Namen  (ich  bin  der  ich  bin)  anf  altegyptischer  Inschrift, 
als  Nuk-pu-nuk. 

**)  Le  roi  kiamalo  (daus    les  Indes)    offrit    des  statuettes  de  Laotseu  a  l'am- 
bassadeur  chiuois  Hiauentse  (64G  p.  d.)     Apres  la  aiort  de  Kadphises  le  roi  iudi- 


44  Zweites  Kapitel. 

Haupthaar  in  einen  Knoten  aufgebunden  war.  In  der  oberen 
Etage  sassen  die  Figuren  der  San-tsching  (der  reinen  Drei), 
Ling  pao  tien  suug  (mit  einem  Tjue  oder  Krnmmscepter)  links 
und  der  weissbärtige  Laotsü  (mit  einem  Fächer)  rechts  von 
Yuen-tsö-tien-tjun  (dem  ursprünglich  Geehrten*)  des  Himmels), 
in  seiner  rechten  Hand  den  Discus  Taitschetou  (die  Darstellung 
des  Taitche  oder  die  (schöpferische  **)  Combination  des  Yin  und 


gene  Amoghabauti  fonda  un  etat  ind^pendaiit  ä  Test  du  Pendjab.  Sous  les  rois 
de  la  dynastie  Tourouchka  (Houchka,  Djouchka  et  Kanichka),  les  Youechi  ou 
Indo-Scythes  reprirent  le  cours  de  lenrs  oonquetes  sur  toute  l'Inde.  Iloncbka 
joignit  au  Bouddhism  le  culte  et  de  Zoroastre  et  de  ^iwa.  Sous  Kanicbka  eut 
lieu  le  Synode  de  Djalandhara  ä  Kachmir,  admettant  les  dharanis  (formules  magi- 
ques)  en  deux  livres  de  Tantras.  Selon  Navarrete,  les  chinois  ont  une  tradition, 
snivant  laquelle  Sakyamouni  aurait  acquis  ^  la  connaissance  de  sa  doctriiie  en 
s'appliquant  ä  la  contemplation  de  l'etoile  du  matin.  Les  Hindus  et  Thibetois 
disent,  que  l'etoile  Pouchya  presida  ä  la  naissance  de  Bouddha.  Selon  Clem.  AI. 
les  religieux  bouddhists,  observaient  le  ciel  pour  lire  des  cboses  futnres.  According  to 
Fabian,  Ai,  the  Taoszu  or  Lao  tseau  (tapasvi  or  ascetic)  came  from  Ms  solitudes 
to  see  tbe  infant  Sakya.  When  Fa  hian  travelled  the  read  of  the  kingdom  of  Kapila 
(become  a  solitude),  it  was  necessary  to  take  precautious  against  while  elephauts 
andlions.  Some  Tao-sse,  seeing  (in  the  kingdom  of  Lan-mois)  elephants  watering 
and  sweeplng  a  Buddhist  chaitya,  became  orthodox  Buddhists  (according  to  Fabian). 
*)  Die  Chinesen  beginnen  ihre  Dynastien  mit  Pwankau ,  der  mit  einer 
Blätterschürze  dargestellt  wird,  in  der  einen  Hand  die  Sonne,  in  der  andern  den 
Mond  tragend.  Dann  folgen  zwölf  Brüder  (Thin  hwang  she)  45,000  Jahre  regie- 
rend, dann  elf  Brüder  (Te  hwang  she)  18,000  Jahre,  und  neun  (Jin  hwang  she) 
18,000  Jahre  regierend.  Die  Regierung  des  Tachau  fuh  he  she  beginnt  3369  a.  d. 
**)  Gott  schuf  den  ersten  Menschen  (das  war  Adam)  aus  acht  Dingen,  das 
Gebein  aus  den  Steinen,  das  Fleisch  aus  der  Erde,  das  Blut  aus  dem  Wasser,  das 
Herz  aus  den  Winden,  die  Gedanken  aus  den  Wolken,  den  Schweiss  aus  dem 
Thau,  die  Locken  aus  den  Gräsern,  die  Augen  aus  der  Sonne,  da  blies  er  ihm 
seinen  helligen  Athem  ein  und  da  schuf  er  Eva  aus  seiner  Rippe,  heisst  es  in  der 
Handschrift  des  Emsiger  Landrechts  zu  Friesland  (s.  v.  Richthofen),  Qsovfihyao 
Hva,  Tov  rfjs  dar^anrjs  Stjfuovoyov ,  aTtävrcov  üvqiov  fi6i>ov  avrov  voftl^ovoov 
Elvai,  sagt  Procop  von  den  östlichen  Slaven.  El  (Eloha  oder  Elohim)  oder  (arab.) 
Hl  (Ilah  oder  Allah)  wird  auf  das  Wort  allä  (obstupuit,  attonitus)  zurückgeführt. 
Tupa  (Gott  der  Guarani)  ist  gebildet  aus  tu  (Partikel  der  Bewunderung)  und  pa 
(Partikel  der  Frage).  Die  friesische  Göttin  Freda  (Woeda)  trug  (nach  Kempius) 
in  der  rechten  Hand  einen  Pfeil,  in  der  linken  einen  Kornhaufen.  Die  friesische 
Göttin  Waldaha  (des  Waldes)  stellte  den  Mond  vor.  Holler  (in  Friesland)  wird 
als  Holheer  oder  Höllenherr  (Pluto)  erklärt.     Sei  a  Frisiis  Snein   dictus  (s.  Harn- 


Peking.  45 

Yang)  tragend,  mit  zwei  Spirallinien  (einer  weissen  und  einer 
schwarzen),  die  sich  durcheinander  winden.  In  einem  Glas- 
schrank sass  Nantschi  (der  Stern  des  Südens).  Ein  an  der 
Wand  hängendes  Gemälde  zeigt  zwischen  zwei  Begleitern  auf 
einem  Piedestal  Tai-yüu  (die  Verbindung  von  Himmel  und  Erde 


conius).  Willibrord  fand  geweihtes  Vieh  bei  dem  von  dem  Friesenkönig  Radbod 
gebauten  Inseltempel  des  Fosta  oder  Fosite.  Als  unter  der  Regierung  des  Her- 
zogs Ascon  eine  Quelle  das  Land  überschwemmte,  befahl  der  Gott  Stavo  (in  Fries- 
land), die  Fluth  mit  dem  Blu^e  eines  unschuldigen  Kindes  zu  hemmen  (nach  Ocko 
von  Scharl).  Anf  den  Electriden  (Inseln  des  Adriatischen  Meeres)  fanden  sich  zwei 
männliche  Bildnisse,  das  eine  von  Cassiteros  (Zinn) ,  das  andere  von  Erz  (beide 
in  liegender  Stellung),  die  (nach  Aristoteles)  Werke  des  Dädalos  hiessen,  als  (nach 
Ritter)  uralter  (nicht  griechischer)  Arbeit  (liegender  Buddhen).  Der  Tempel  des 
dreiköpfigen  Götzen  Triglaw  bestand  aus  vier  viereckigen  und  vierstöckigen  Thürmen, 
die  in  runde  Pyramiden  mit  vergoldeten  Kugeln  ausliefen,  unten  aber  durch 
Wölbungen  verbunden  waren.  Anf  der  Stelle  wuide  1100  die  Marienkirche  (bei 
Brandenburg)  erbaut.  Der  Tempel  Upsalas  (1080  p.  d.  zerstört)  war  viereckig. 
Ende  des  XVI.  Jahrh.  wurde  der  Tempel  der  wendischen  Morgengöttin  bei 
Jüterbog  niedergerissen.  „Dieses  Templein  ist  in  der  Länge,  Breite  und  Höhe  bis 
au  das  Dach  recht  viereckicht  von  Mauersteinen  aufgeführt  gewesen,  hat  oben  ein 
Kreuzgewölbe  und  darüber  ein  viereckicht  spitzes  Dach  von  hellen  Steinen  gehabt. 
Der  Eingang  abendseits  ist  niedrig  gewesen ,  also  dass  man  beim  Eintreten 
sich  hat  bücken  müssen.  Es  hat  auch  kein  Fenster  gehabt,  sondern  nur  ein 
rundes  Loch,  mit  einem  eisernen  Gitter  verwahrt,  gegen  Morgen,  und  zwar  genau 
gegen  Sonnenaufgang  zur  Nachtgleiche,  so  gross  als  der  Boden  von  einer  Tonne 
ungefähr,  dass  das  Licht  hat  eingehen  können."  (Hannemann)  1617  p.  d.  La  deesse 
Anata  (d'origine  phenicienne)  fut  adopte'e  par  les  Egyptiens,  qui  en  firent  la 
deesse  du  meurtre  et  de  la  cruaut^.  Elle  a  ete  cree'e  par  Set  et  peut-etre  contenue 
par  les  dieux.  Le  nom  de  la  premiere  pyramide  (hatie  par  Choufou)  etait  Our 
(la  grande),  celui  de  la  deuxieme  (du  roi  Safra)  Chou  ou  la  splendide  (s.  Brugsch). 
Ein  beliebtes  Symbol  der  Mexicauer  ist  das  aus  einem  Thierrachen  hervorblickende 
Menschengesicht,  gleichsam  das  Abbild  des  eingekörpertcn  Dämon,  den  Durga 
aus  dem  Büffel  Mahasura  in  menschlicher  Gestalt  hervorzieht,  und  den  auch  die 
Zauberer  in  seinen  Verstecken  aufzufinden  und  zu  bannen  wissen.  Nach  Por- 
phyrius  war  Zamolxis  bei  seiner  Geburt  in  eine  Bärenhaut  eingehüllt.  Akkruva 
sitzt  mit  langen  Haaren  anf  dem  Wasser  (bei  den  Lappen),  die  Kobmek  schrecken 
(s.  Helms),  die  Tsjazzeravgaks  sind  Geister  der  Ertrunkenen  (musicirend).  Smie- 
sakatta  ist  ein  geknoteter  Zaubergeist.  Die  Sonnensöhne  von  Privepele  werben 
um  Bräute  im  Lande  der  Jotten  oder  Riesen  (nach  den  Lappen).  Die  Stimme 
klingt  wie  doppelt,  bei  Ohrensausen.  Im  Halbträumen  werden  oft  deutliche  Bilder 
gesehen  (wie  von  Nervenkranken).  Das  Fleisch  der  Hunde  durfte  (bei  den  Lappen) 
nur  von  Frauen  gegessen  werden.  • 


46  Zweites  Kapitel. 

im  Chaos),  mit  Lichtglanz  aus  seinem  Haupte  strömend.  Eine 
weibliche  Figur  (Kwan-yin),  Szö-hang  (das  Schiff  der  Gnade) 
genannt,  sass  mit  einem  Kinde  an  ihrer  Hand  auf  einem  Lotus, 
und  zwei  Kinder  standen  ihr  zu  Füssen.  In  einem  Seitenzimmer 
sass  Kwangti.  Ein  aufgeklebtes  Papier  erzählte  in  Zeichnungen 
und  Scliriftzügen,  wie  Kwanyin  von  den  zehn  Arten  des  Elends 
erlöse.  In  einer  verschlossenen  Halle  sass,  in  blaues  Gewand 
gehüllt,  Tschiou,  ein  tauistischer  Priester,  der  vergöttert  und  in 
den  Zustand  eines  Shin  übergegangen  war  In  der  astronomi- 
schen Halle  sind  (nach  den  Jahren  erzeugt)  die  sechzig  Jahres- 
gottheiten, als  deificirte  Geister  (Shin)  in  dem  Doppelcyclus 
von  Zehn  und  Zwölf,  mit  ihren  Jahren  versammelt,  und  in  der 
Mitte  sitzen  drei  Figuren,  von  denen,  unter  der  Bedeckung*)  eines 
Baldachins,  Hautu-Kwangti  hervorsteht,  der  Gründer  der  Tsehau- 
Dynastie.  Links  sitzt  Kiang-tai-kung ,  der  weissbärtige  Heros, 
der  die  bösen  Geister  verscheucht^  rechts  Sun-pin.  Unter  den 
Jahresgottheiten  findet  sich  Kwangsö  (ein  alter  Weiser)  mit  einem 
Scepter,  Sü-tan,  der  den  Donner  bewirkt  (mit  einem  Hammer); 
Kia-tszö,  das  erste  Jahr  des  Cyclus  (mit  einem  Armpaar  aus 
den  Augen  heiTorwachsend).  In  der  verschlossenen  Halle  der 
fünf  Patriarchen  standen  die  Verfasser  tauistischer  Bücher.  In 
einem  Nebenhofe  sass  die  Figur  von  Neang-neang  (die  Dame), 
oder  Tien-shien-neaug  (die  himmlisch  sterbliche  Dame),  Säug- 
linge auf  dem  Schoosse  haltend.  Ihr  bringen  Mütter  Gaben,  um 
Kinder  zu  erhalten.  Daneben  war  eine  künstliche  Felsgegend 
aufgestellt,  in  der  jede  Spitze  und  jede  Grotte  mit  Säuglingen 
(in  verschiedenen  Stellungen)  vollgepfropft  war.  Links  sass  Tien- 


*)  Le  sanscr.  Käväri  de  Kä-ä-var  designe  un  parapluie  ou  une  ombrelle,  et 
signifle  litt^ralement,  qnel  (bon)  couvert!  (s.  Pictet.)  The  king's  fatber,  having 
plared  the  white  umbrella  in  the  midst  of  his  flve  sons,  prayed,  that  it  might 
fall  towards  the  rightful  heir  and  acr.ording  to  his  wish,  it  feil  towards  Jaya 
Siiigha.  After  he  ascended  (1212  p.  d.)  the  throne  (of  Birma),  his  four  bröthers 
betook  themselves  to  the  mouasteries  and  become  priests.  Every  eight  day,  the 
king  respectfully  visited  them  in  person ,  and  the  whole  royal  revenue  he  di- 
vided  iuto  five  parts,  one  for  himself  and  four  for  his  bröthers.  The  priiice 
biiilt  a  temple  on  the  spot,  where  his  father  had  cast  the  lot,  that  raised  him  to 
the  throne  and  he  called  it  „Ti-lo-meu-lo,"  which  means  „as  like  the  umbrella, 
so  likes  the  kingdom." 


Peking.  47 

tieng-kwan,  die  Augenkrankheiten  heilende  Göttin,  neben  der 
künstliche  Papieraugen  aufgehängt  waren,  rechts  sass  Szesuan- 
neang-neang  (die  Göttin  der  Enkel).  Blumen  waren  aufgehängt 
an  den  Figuren  des  Bruders  und  der  Schwester,  die  gegen 
Blattern  (Blumen  im  Chinesischen)  schützen.  Eine  gigantische 
Figur  mit  komischem  Ausdruck  trug  Säuglinge  auf  Kücken  und 
Schultern,  als  Sungsö-lang-jing  (der  Bauersmann,  der  Kinder 
bringt).  Gegenüber  stand  Tien-sin-che,  auf  den  Himmelshund 
(den  Hundstern)  schiessend,  der  Kinder  entführt.  In  einem  an- 
dern Räume,  der  Tafeln  verstorbener  Priester  enthielt,  sass  unter 
einem  Glaskasten  zwischen  zwei  Begleitern  der  Gründer  der 
Mandschu-Dynastie  (vor  2i  Generationen».  Die  Inschrift  auf  der 
Deuktafel  besagt:  Pei-yen-tschang-tsö  (Strom  immerwährenden 
Frühlings).  Laotsün  sass  in  Laotsüntau.  In  einer  andern  Halle, 
die  aufgeschlossen  wurde,  sass  mit  einer  Kettenmütze  Shangti 
oder  Hoantien-Shangti,  der  göttliche  Kaiser  des  erhabenen  Him- 
mels. Zu  beiden  Seiten  standen  vor  ilim  zwei  Begleiter,  die 
schwerttragende  Figur  des  Schuantien-Shangti  (der  dunkle  Him- 
mel) und  die  sechshändige  Figur  des  Chautien-Shangti  (dem 
weissen  Himmelj  mit  zwei  Köpfen  hinter  den  Ohren.  Links  fan- 
den sich  der  besäbelte  Tantien  Shangti  (der  rothe  Himmelj  und 
der  achthändige  Xanten-Shangti  (der  blaue  Himmel  >  mit  Doppel- 
kopf. Längs  der  Wand  waren  in  Kettenmützen  die  '62  Figuren 
der  kaiserlichen  Herrscher  oder  Tijün  (jede  mit  ihrer  Tafel),  als 
vorstehend,  wie  z.  B.  die  „glorreiche  Intelligenz  der  sieben  Pla- 
neten", „der  am  Himmel  aufleuchtende  Glanz''  u.  s.  w.  Mit  dem 
gegenwärtigen  Shangti,  als  Herrscher  des  Himmels,  werden  dann 
33  Himmel  gezählt.  Jeder  derselben  herrscht  (nach  dem  Shüng- 
tsun-tung-yün)  eine  Periode  von  18  Yuen  (das  Yuen  von  129,600 
Jahr).  Der  gegenwärtige  Shangti  hat  20,000  Kaipas  geherrscht. 
Auf  dem  Tische  lagen  die  von  Shangti,  einem  Priester  unter  der 
Hau- Dynastie,  bei  seinem  Aufsteigen  zum  Himmel  zurückgelassenen 
Bücher,  betitelt:  Kao-shang-yü-heang-puü-tjing-ti-shiug  (die  ge- 
sammelten Schriften  über  die  Thaten  des  hohen  und  erhabenen 
Yüheang).  In  der  Halle  Shi-jan-tien  (die  sieben  Männer  der  Wahr- 
heit) sitzt  Schö-Tschau-Tzun,  der  erste  Abt  des  Klosters,  zwischen 
sechs    Schülern    (drei  zu   jeder  Seite),  die   während   der  Yuen- 


48  Zweites  Kapitel. 

Dynastie  lebten.  Auf  Tischen  mit  hölzernen  oder  metallenen  Glöck- 
chen  lagen  Bücher  und  vor  denselben,- waren  Kissen  in  Reihen 
gestellt,  um  beim  Gottesdienst  darauf  Platz  zu  nehmen.  Die  beim 
Abendgebet  gebrauchten  Bücher  heissen:  Taishang-tschwan-yin- 
wan-tan-kun-ko-king,  die  des  Morgengebetes  Taischaug-tschwuen- 
tschan-kun-ko-king,  die  Bücher  des  Morgengebetes  beim  Dienste 
in  der  Taischaug  (Taotse-Religion).  In  der  kaiserlichen  Biblio- 
thek sind  die  Bücher  alle  im  Manuscript. 

Ausserhalb  der  chinesischen  Stadt  auf  einer  aufgemauerten 
Plattform,  in  13  Rippen  zu  einem  Knopfende  strebend,  steht  die 
alte  Pagode  Schweli-ta  (die  Pagode  oder  Ta  der  Reliquien),  die, 
unter  der  Suay-Dynastie  erbaut,  Perlen  oder  Blutstropfen  eiu- 
schliesst,  die  beim  Verbrennen  von  Buddha's  Körper  gebildet 
wurden.  'Die  unteren  Stockwerke  der  Basis  (ehe  die  Rippen 
beginnen)  sind  mit  Nischen  verziert,  die  über  Thierköpfe  vor- 
tretende Buddhas  enthalten.  An  den  autgemauerten  Thoren 
stehen  die  zwei  Figuren  der  King-keng  (Diamantenkönige).  An 
der  einen  Seite  sitzt  über  dem  Thor  die  vielbändige  Figur 
Kwanyin's,  an  einer  andern  Puchieu-Pusa,  während  Mitofoat 
vor  dem  Thore  steht.  Von  den  zehn  Buddlia's  der  zehn  Re- 
gionen stehen  zehn  an  jeder  Seite.  Die  Zwischenräume  der 
Rippen  sind  mit  geschmücktem  Parcellenwerk  in  verschiedenen 
Farben  ausgelegt.  Die  Pagode*)  bildet  ein  an  jeder  Front 
34  Fuss  langes  Octogon,  200  Fuss  hoch.  In  einer  Halle  unter 
der  Pagode  sitzt  die  nachdenkende  Figur  von  Jaoschiefoah  (der 
heilende  Buddha  des  Ostlandes)  zwischen  zwei  Figuren  Mitofoah's 
(aus  dem  Westen).  In  Seitenräumen  stehen  PTguren  Kwangti's 
(des  Kriegsgottes)  mit  Pferd  u.  a.  m.  In  der  Eingangshalle 
steht  die  Riesenfigur  Amida's  oder  Tie-ying-foh's  (der  Empfänger). 
Nicht  weit   entfernt  findet   sich   eine   gerippte    Pagode    kleiner 


*)  The  iron  point  (on  the  top  of  tbe  Siamese  pagodas)  with  7  or  9  branches 
represents  the  roads  to  heaven.  Originally  the  pagoda  was  a  funeral  monmiiont, 
as  a  dorne  or  moradob  (matapa),  erected  on  the  places  where  Buddha  died  aud 
surrounded  by  the  dwellings  of  the  disciples,  who  worshipped  by  enciicÜDg  it. 
Das  charakteristische  Kennzeichen  desvondemKönigRayendravoo  Kola  (10.  Jahrhdt.) 
eingeführten  Baustyls  ist  die  gopura  oder  der  Thorweg  (mit  dem  Gebrauch  einer 
Vamana  oder  zweistöckigen  Gebäudes). 


Peking.  49 

Dimension.,  Die  Klosterräumlichkeiten  sind  mit  Blumengärten 
ausgelegt  zwischen  den  gepflasterten  Höfen,  und  die  Mönclie 
ciiltiviren  Topfl)himen  zum  Verkauf.  Durch  einen  breiten  Thor- 
weg kehrten  wir  nach  der  chinesischen*)  Stadt  zurück.  Die 
rothe  Stadt  (Szekin-kzung)  des  Kaisers  steht  in  der  gelben  Stadt 
(Quang-kzung),  diese  in  der  Netz-kzung  (innere  Stadt)  oder  Petz- 
kzung  (nördliche  Stadt)  der  Tataren,  woran  sich  Weitz-kzung 
(die  innere  Stadt)  oder  Nantz-kzung  (die  südliche  Stadt)  der 
Chinesen  schliesst.  Eine  viereckige  Capelle  mit  Inschrift  zeigte 
das  Grab  eines  Priesters  an.  Zu  einem  Leichenbegängniss  wurde 
der  Sarg  von  Panierträgern  begleitet.  Die  buddhistischen 
Mönche  werden  Schü-tiaou,  Lelu'er  der  Enthaltsamkeit,  genannt. 
Die  Bezeichnung  Ho-schang  wurde  von  den  unter  dem  Han  aus 
den  Westbergen  Centralasiens  nach  China  kommenden  Priestern 
eingeführt  (nach  Remusat  aus  Khotan).  Bonze  bedeutet  japanisch 
Ban-tzö  oder  Fan-tzö  (brahmanischer  Lehrer).  Nach  Stan.  Jul. 
entspricht  Hoschang**)  dem  Upädlijäja  (Abt).  Sramana  ist  chinesisch 
Tschu-kia-jin  (komme,  sorti  de  la  famille). 


*)  Der  kaiserliche  Palast  (Tseu-kin-Tschirig,  die  verbotene  rotbe  Stadt)  ist 
von  der  kaiserlichen  Stadt  (Hwang-Tsching)  rings  umgeben.  Um  diesen  Stadttheil 
lagert  die  Tatarenstadt  oder  Nei-Tsrhing  (die  innere  Stadt),  gleichfalls  im  Viereck, 
und  hieran  schliesst  sich  im  Süden  die  äussere  oder  chinesische  Stadt  (Ai-Tsching). 

**)  Ho  chang  est  nn  mot  de  la  langue  de  Khotan,  derive  du  sanscrit  oupa- 
sika,  et  introduit  dans  le  Chinois  ou  il  designe  en  general  les  pretres  boiiddhistes. 
En  langue  fan,  yeou  poche  kia,  pour  oupasika  (subministrator).  Les  Chinois  tra- 
dniseut  ce  mot  par  li  seng,  robore  nati.  Zeradescht  (armenisch)  oder  Zardoscht 
(persisch),  ein  Mogk,  geboren  in  Sarivant  (Urmia),  lehrte  dort  seine  Religion,  die 
Ispandiar  (Sohn  oder  Bruder  von  Hystasp)  nach  Persien  brachte.  Nach  den  Per- 
sern ging  er  zum  Himmel,  wo  er  seine  (auf  die  Felle  von  12,000  Ochsen  geschrie- 
benen) Bücher  von  Ormuz  erhielt,  und  nach  einem  Besxiche  in  der  Hölle  '20  Jahre 
am  Elboros  verblieb.  Die  alte  Religion  der  Perser  glich  der  der  Sabäer,  und  nahm 
Elemente  der  Chaldäer  oder  Chachdäer  auf.  Im  HI.  Jahrhdt.  p.  d.  entwickelte  sich 
der  Feuerdienst.  Vor  Zoroaster  bestand  in  Persien  die  Religion  des  Hoschank. 
Zohak  war  ein  Prophet  der  Perser,  der  ihnen  erlaubte,  Fleisch  zu  essen.  Siramon 
(Hera)  oder  Asterik  (die  Sternengöttin),  Frau  des  Arimazd,  hatte  einen  Tempel  in 
Erisa  oder  Ersingan  (s.  Tagitians).  Sos  (die  Personiflcation  des  heiligen  Bauras) 
liebte  die  Göttin  Sondip  (nach  den  Armeniern).  Nuriman  (Nirim  oder  Nurim) 
oder  Noah  war  der  Sohn  von  Kuh-areman  (der  Berg  Armeniens).  Wahaken  ent- 
spricht dem  Rostem.     Honchang  (Pischdad  ou  le  Justiäer),  qui  (fondant  la  dynastie 

Bastian,  Keisc.  VI  4 


50  Zweites  Kapitel. 

Nach  Matuanlin  (dem  Geschichtsschreiber  unter  den  Yuen)  war 
Chakyamiini  der  Sohn  des  Königs  TEein-Reis)  von  Kiawewe,  und 
wurde  im  9.  Jahre  Tschoukiaugwaug's  (788  a.  d.)  geboren.  Er  lehrte, 
dass  der  Seelengeist  (Tsching-scheug)  unsterblich  fortlebe,  wenn 
der  Körper  (schang)  zerfiele;  da  er  alle  Arten  der  Erkenntniss 
(Tschö)  erlangte,  wurde  er  (Puds)  Fotho  (klar  in  der  Erkenntniss) 
genannt.  Die  Wesen  haben  durch  eine  endlose  Zahl  von  Leben 
hindurchzugehen,  ehe  sie  das  gegenwärtige  erreichen,  und  wenn 
sie  dann  die  ascetische  Reformation  annehmen,  mögen  sie  weiter 
gelangen  und  das  Buddhathum  (Chang-fo)  erreichen.  Die  dem 
Dienst  des  Feuers,  des  Wassers  und  des  Giftdrachen  (Touloung) 
anhängenden  Ketzer  suchten  durch  ihre  magischen  Künste 
Buddha  in  Indien  zu  widerstehen.  Während  49  Jahre  predigte 
Buddha  seine  Lehre,  und  dann  unter  zwei  Bäumen  (Bala)  in  der 
Stadt  Kasinagara  sterbend,  ging  er  am  15.  Tage  des  zweiten 
Monats  in  das  Nirwana  (gu  niphan)  ein.  Bei  Ananda's  Ver- 
brennen am  Zusammenfluss  der  fünf  Ströme  theilt  der  König  von 
Varsali  (durch  Vasala  aus  dem  Stamm  Ixwaka  gegründet)  und 
von  Magadha  die  Reliquien  (nach  Fa  Hian).  Tchang-tien  aus 
der  Han-Dynastie  sandte  nach  den  Westländern,  da  er  von 
Buddha  gehört  hatte.     Unter  der  Regierung  Aeti's  (1.  Jahrhdt.) 


de  Khonsistan)  batit  Suse,  a  deux  Als,  Thamouraz,  qui  continue  la  dynastie,  et 
Djam-chid,  qui  s'empare  de  Babylone.  Les  historlens  grecs  du  temps,  ou  les 
annales  chaldeennes  furent  connus,  donnent  ponr  second  roi  de  Babylone  Kbam- 
asbolos  ou  Kham  l'etincelant  (djam  etincelant  des  Perses),  les  Hebreux  Tont  appele 
Nimrod  ou  le  Rebelle  et  les  Chaldeens  Bei  ou  le  Seigneur  (Potocki).  Houscheng, 
petit  fils  de  Kaiyoumaratz,  re^ut  le  surnom  de  Piscbdad  (le'gislateur)  pour  avoir 
enseigne  aux  bommes  la  culture  de  la  terre.  Accordiug  to  tbe  sacred  book,  re- 
ceived  (from  the  Creator)  by  Mahabad  (tbe  flrst  king  of  Iran)  fourteen  Mababads 
bad  appeared  or  would  appear  for  the  government  of  tbe  world  in  buman  sbapes. 
Tbe  religion,  called  Husbang,  was  (according  to  the  Dabistan)  anterior  to  that  of 
Zeratusbt.  Die  alte  Pagode  Parui  (um  deren  Besitz  der  König  von  Cochin  Krieg 
fübrte)  an  der  Küste  Malavar  wurde,  als  beilig,  stets  von  den  Seefabrern  an  Festen 
besucht.  Nachdem  aber  der  heilige  Thomas  einen  Tempel  im  Königreiche  Cran- 
ganor  gebaut,  pflegte  er  durch  Stürme  die  vorbeifahrenden  Schiffe,  die  Opfergaben 
für  die  Götzen  führten,  zu  zerstören,  bis  die  Schiffer,  um  den  Zorn  des  Heiligen 
zu  versöhnen,  ihm  reiebgeschmückte  Thürme  auf  seine  Kirche  bauten  und  ein 
jährliches  Fest  mit  Tauzen  und  Singen  feierten  (s.  Conto). 


Peking.  51 

kamen  buddhistische  Bücher  nach  China^  ohne  dass  man  an  die- 
selben glauben  wollte.  Die  Boten  des  Kaisers  Miugti  brachten 
buddhistische  Bücher  in  44  Kapiteln  (Lsche-söa-tschang-'  mit  sich 
zurück.  Später  kam  Tamo  (Bodhidharma)  aus  dem  Westen 
(Si)  und  lehrte,  dass  die  drei  Abtheilungen  der  Schriften  nutzlos 
wären,  weil  die  Menschen,  um  Buddha's  Gesetz  zu  kennen,  in 
ihre  eigenen  Herzen  zu  blicken  hätten,  um  ihre  eigene  Natur 
kennen  zu  lernen.  Damit  begann  die  esoterische  Lehre  der  My- 
stiker in  der  Schule  der  Betrachtung  (Shan-sheo). 

Im  Orient*),  von  dem   Beginn    der   Menschheit  ausgehend. 


*)  Nach  Diodor  bildeten  die  Chaldäer  eine  ähnliche  Kaste  wie  die  egyptischen 
Priester.  In  Betreff  des  Sterneinflusses  entsprechen  die  Bücher  der  Chaldäer  (in 
ßabylonien)  denen  der  Babylonier  und  Egypter  (s.  Bardesanes).  Kajomors  wird 
mit  Noah  ideutiflcirt  zur  Zeit  der  chinesischen  Fluth  unter  dem  Kaiser  Yao. 
Von  Jemshid  führt  der  Bundehesh  die  Genealogien  bis  Feridun  durch  neun  Ath- 
biau  oder  Athkbian,  von  denen  die  sechs  letzten  nach  ihren  Ochsen  benannt  sind. 
Der  mit  dem  Abendlande  belehnte  Seim  beklagt  sich,  in's  Wasser  geworfen  zu 
sein,  während  Tur  (in  Turan  unter  Tschin)  an  den  Schwanz  des  Drachen  (des 
Wappen  Chinas)  gebunden  worden.  Die  Rakschasas  heissen  Sandhjabalas  (Däm- 
merungsstarke), weil  ihre  Kräfte  gegen  Ende  des  Tages  zunehmen  (wie  die  der 
Tiger.  Seir  est  un  vieux  terme  gaulois  qui  signifie  le  Soleil  (Moreri).  L'He'- 
liougmouni  {7]li0s  et  fiovos)  de  l'Aquitaine  ne  serait  pas  diffetent  du  dieu  aux 
Sept  Rayons,  mentionne  par  l'empereur  Julien  (s.  du  Mege).  Barcae  deae  (in- 
scription  pres  de  St.  Bernard).  Fanum  des  Genius  Larrason  bei  Carcassonne.  Göttin 
Tutela  in  Bordeaux.  Gwydion  ab  don  (der  Sternkundige)  hütete  das  Vieh  des 
Gwynedd  Uch  Conwy.  Nach  ihm  heisst  die  Milchstrasse  Caer  Gwydion.  Pryderi 
(Pwyll's  Sohn)  erhielt  ans  Annwn  durch  König  Arawn  kleine  Thierchen  geschickt, 
die  Ferkel  heissen,  und  später  Schweine  (mit  Fleisch  besseren  Geschmacks  als  das 
der  Ochsen).  By  uranography  only  (mappiug  out  the  sky  into  certain  portions 
or  districts  to  which  names  are  given,  taken  from  some  resemblance  real  or  fan- 
eied),  the  individual  stars  can  he  particularised  (by  the  letters  of  the  greek  ai- 
phabet). The  Chaldee  chronology  was,  primarily  and  mainly,  genethlialogical.  It 
enquired  under  what  aspect  of  the  heavens  persons  were  born  or  conceived,  and 
from  the  position  of  the  celestial  bodies  at  one  or  at  other  of  these  moments,  it 
professed  to  deduce  the  whole  life  and  fortunes  of  the  individual  (s.  Rawliuson). 
According  to  Berosus,  Nabonasar  destroyed,  as  far  as  he  was  able,  the  previously 
existing  observations,  in  order  that  exact  chronology  might  commence  with  Ms 
own  reign.  In  preparing  for  a  voyage,  when  leaving  the  shore,  the  inhabi- 
tants  of  the  Orkney  Islands  always  turn  their  boats  in  the  direction  of  the  suns 
motion.  Boar's  flesh  was  admitted  to  the  honour  of  forming  a  dish  among  those, 
hatt  compose  the  feast  of  Odin  (s.  Barry).     Die  Gemeinen  wurden  bei  den  Picteu 

4* 


52  Zweites  Kapitel. 

stellt   Bardesaues   die    Serer  voran    (in    der  Reibe   der  Cultur- 
entwickelung).     Mara  (Dämon)  oder  Papiyan  (Sünder)  und  Kama 


begraben,  die  Edlen  verbrannt  (mit  Grabhügel  über  der  Asche).  Die  Constellation 
des  Bären  heisst  (im  Rigveda)  rkshäs  (Sterne  oder  Bären),  als  saptärshayas  (sieben 
Rishi),  wie  a^y.ros  (bei  Homer)  und  (arab.)  dubb  (ursa  major  und  minor),  sowie 
okouari  (Bär)  bei  den  Irokesen  (nach  Goguet).  Where  the  rainbow  touches  the 
earth  it  is  drinking  at  a  pool  (according  to  the  Zulus)  aus  Regenbogenschüsseln. 
Die  Ermingestraet.e  (Irmin's  oder  Aryaman's)  oder  Milchstrasse  hiess  später  Jacob- 
strasse, als  vetrarbaut  (bei  Scandin,  oder  Weg  des  Winters)  heol  y  gwyt  oder  Weg 
des  Windes  (b.  Cymris).  Nach  Dio  Cassius  erhielten  die  Römer  die  siebentägige 
Woche  von  den  Egyptern  (zur  Kaiserzeit).  Die  griechischen  Dekaden  gingen  auf 
die  Monate  von  30  Tagen  (mit  einer  Woche  von  10  oder  5  Tagen).  Blutsverwandte 
erkennen  sich  bei  den  Zulus  durch  ükuzwana  Ngenkaba  oder  Sympathie  des  Na- 
bels (nach  Callaway).  L'annee  (vatsa  ou  kros)  est  designee  (abda  el  carada,  a 
quam  dans)  comme  une  saison  piuvieuse,  pars  pro  toto,  de  meme  qu'elle  est  aussi 
appel^e,  varsha,  pluie  (Pictet)  als  Vintrus  bei  Ulphilas  (nach  Wintern  gezählt). 
Youanni,  die  Hauptseele  der  Karaiben,  ruht  im  Kopfe.  Die  Kinder  der  Frau 
Unanana  (who  wilfiilly  built  her  house  in  the  road,  trnsting  to  self-confidence 
and  superior  power)  wurden  von  dem  Elephanten  verschluckt,  ebenso  wie  die 
Mutter,  die  im  Magen  die  Leber  briet  und  sich  dann  aus  dem  getödteten  Ele- 
phanten hervorschnitt  (bei  den  Zulus).  Am  Solstitium  des  grossen  Jahres  gehen 
(nach  Epictet)  nicht  nur  die  Menschen,  sondern  auch  die  Götter  zu  Grunde,  ausser 
Jupiter  allein.  Nach  Ktesias  leitete  Artaxerxes  Memnon  durch  zwei  eiserne 
Schwerter  Gewitter  ab.  Megasthenes  hörte  in  Palibrotha,  dass  drei  Weltalter  ab- 
gelaufen seien  und  das  vierte  begonnen  habe.  Die  Serer  werden  rutilis  comis 
et  caeruleis  oculis  (bei  Plinius)  beschrieben.  Appulejus  schrieb  die  auf  gätu- 
lischen  Gebirgen  gesammelten  Versteinerungen  der  deukalionischen  Fluth  zu.  C'est 
en  l'an  1248  p.  d.  que  le  premier  jour  de  l'hiver  correspondait  au  passage  de  la 
terre  au  perihelie,  point  de  l'orbite,  ou  notre  planete  se  trouve  le  plus  pres  du 
soleil.  II  en  est  resulte  que  les  plus  courts  hivers  et  le  maximum  de  chaleur, 
dans  nos  contr^es  se  sont  presentc'es  au  milieu  du  XHI.  siecle.  In  dem  Maasse 
als  man  vorschreitet ,  gewinnt  (durch  die  eigene  Verkettung  aller  Naturerschei- 
nungen) das  zu  durchlaufende  Feld  eine  grössere  Ausdehnung,  indem  es  von 
einem  Gesichtskreis  begrenzt  ist,  der  unaufhörlich  vor  dem  Forscher  zurückweicht 
(nach  Humboldt).  Auf  die  Naturforschung  des  Messens  (bei  Aristoteles)  folgte 
(unter  den  Arabern)  die  des  Experimentirens,  als  des  zur  Entfesselung  der  Stoflfe 
führenden  Mittels  (im  willkürlichen  Hervorrufen  von  Erscheinungen).  Nach 
Vaillant  ist  Vercolace  forme  de  vermis  et  de  colax,  ver  rongenr,  parante,  ser- 
pent,  qui  dans  la  superstition  des  peuples  de  la  langue  d'Or  (Moesiens  et  Daces) 
enlace  la  lune  et  la  de'vore  au  temps  de  l'e'clipse.  Am  längsten  Tage,  wenn  die 
Sonne  am  höchsten  steht,  opfern  die  Kalmükken  ein  Füllen  und  beten  (nach  dem 
Verzehren  des  Fleisches)   zu  dem  abgezogenen  Fell,  als  ihrem  Versorger  (s.  Opitz). 


Peking.  53 

(Verlangen)  heisst  *)  bei  den  Chinesen  Mo  wang-  und  Mo.     In  den 
(tibetischen)  Legenden  eines  Arjawalokiteswara  werden  die  my- 


*)  Bei  den  Tibetern  Phisiun ,  je  nach  den  drei  Sanscritnamen  Bdud,  Bdud 
sdigtschan,  Hdodpa,  mongolisch  Scliimnus,  näm,  Phagaman,  bei  Raschidad  in 
Iblis,  ist  herausgebildet  aus  dem  erstgeborenen  Käma  des  Veda,  der  als 
weltschöpferisrhes  Princip  (als  Grund  und  Kern  der  Maja)  zum  Herrn  der  ge- 
sammten  Körperwelt  (als  das  personificirte  Böse)  wird  (s.  Koeppen).  Plusieurs 
personnes  cn  furent  consternös  (bei  der  ersten  Predigt  Buddha's)  et  dirent: 
„Le  Als  du  roi  a  perdu  l'esprit"  (s.  Klaprotli).  Die  versuchenden  Töchter  des 
Mara,  als  Rati  (Vergnügen),  Arati  (Ueberdruss)  und  Trichna  (Begierde)  werden 
(nach  der  Rgya  scher  rol)  von  dem  Büsser  in  alte  Weiber  verwandelt  (s.  Koeppen). 
Hiouenthsaiig  sali  in  der  Nähe  von  Ralkh  zwei  Stupa  für  die  Kaufleute  (Tra- 
puscha  und  Khallika) ,  die  die  Haare  Buddha's  unter  die  Shoedagong-Pagode 
Rangoons  niederlegten.  Alle  Buddha  lehren  zuerst  im  Mrigradava  (Hirschpark) 
bei  Benares.  Nach  den  Tibetern  war  der  Buddhismus  iu  vier  Secten  getheilt : 
1)  die  Schüler  der  Vaibhusbika  (mit  den  von  Rahula,  Kagjapa,  Katjajana  und 
Upali  gegründeten  Abtheilungen);  2)  die  der  Sautrantika  (Darshantika) ;  8)  die  der 
Madhjamika  (aufgestellt  durch  Nagarjuna,  der  seine  Ansichten  auf  die  Prajna- 
paramita  gründete);  4)  der  der  Jogakarja  (gestiftet  von  Arjasangha  im  siebenten 
Jahrhdt).  Die  Secte  des  Rahula,  die  die  Sutra  der  Befreiung  (des  Pratimoxa)  im 
Sanscrit  überliefert,  zerfiel  in  sieben  üiiterabtheilungen.  Die  Mahasanghika  (ge- 
stiftet durch  Kagjapa)  überlieferte  die  Sutra  der  Befreiung  (Pratimoxa)  in  einer 
verdorbenen  Mundart.  Die  Schüler  des  Upali  überlieferten  die  Sutra  der  Pratimoxa 
in  der  Pai^akisprache  (einem  rohen  Dialekt  des  Prakrit)  und  wurden  die  Sanimata 
hochgeehrte  genannt.  Die  Anhänger  des  Kätjäjana  (die  feste  Wohnungen  Gebenden) 
trugen  die  Sutra  in  der  Volkssprache  vor  (als  die  Sthavira  der  vierten  Synode). 
Der  Pai^akidialekt  ist  der  der  bösen  Geister.  „Tbat  can  only  pass  as  the  true 
doctrine  of  the  Bouddha  which  is  not  in  contradiction  to  sound  reason,"  was  the 
dogma  prepounded  at  the  synode  of  Vaisali.  Nach  dem  Bodimür  giebt  es  in 
Sukawati  oder  Freiidenbegabte  (bhümi  die  Erde)  des  Amitäbhä  keine  ausgegrabenen 
Dinge,  obwohl  wie  Edelsteine  schimmernd.  Ausser  dem  heiligen  Baume  Bodhi 
giebt  es  kein  Gewächs,  ausser  dem  Wasserfall  (Bodopad)  der  Beschaulichkeit 
kein  Gewässer,  ausser  der  Flamme  der-  göttlichen  Urweisheit  kein  Feuer.  In- 
dem Amita  zwischen  Kuan-in  und  Schi-tschi  erscheint,  blicken  die  Köpfe 
zahlloser  Seligen  aus  dem  Heiligenschein,  der  wie  ein  Pfauenschweif  den 
Kopf  Buddha's  umzieht.  Das  Panjo-king  handelt  von  der  Weisheitsoffen- 
barnng.  Das  Sian-king  ist  ein  heiliges  Buch  der  Taotse  (über  den  Sian  oder 
Schin-sian).  Schin-dsche  (Herr  der  Todten)  oder  Yama  heisst  Erlik,  was  (mon- 
golisch, wie  auch  türkisch)  Mannhaftigkeit  (von  er  oder  ere,  Mann)  bedeutet,  oder 
Gewalttliätigkeit  (s.  Schott).  Die  Forderungen  des  Schicksals  heissen  (chinesisch) 
sieu-tschai  (Schulden  an  das  Schicksal),  und  sofern  eine  Vergeltung  trifft,  werden 
Schicksalsschulden  bezahlt  (hoän  sieu-tschai).  Zeigen  sich  Reliquien  (sche-li  oder 
särirä)  bei  einer  Leichenverbrennung,    so    werden  Stücke    der  irdischen  Hülle  (in 


54  Zweites  Kapitel. 

stischeu  Tänze   um   dakini    (die   Mutter   des   Dhyani   Buddha*) 
Amitabha)   bescbrieben.     Aiya   (Ariya)  heisst   chinesisch    Tsun 


China)  thener  bezahlt.  Der  Arhan  (sxS^oxrovos)  oder  FelDdestödten  besiegt  die 
Leidenschaften  (daini  daruksan).  When  ten  years  only  of  the  Dwapar-Jog 
remained,  Vishnu  in  order  to  destroy  the  demons  and  e\il  genii,  the  causers  of 
.night,  assumed  the  Avatar  of  Buddha,  on  the  third  of  Baisakh,  in  the  Shakl 
pacheh  (s.  Dabistan).  Dabistau  erzählt  von  einem  Banian  in  Gnzerat,  der  einem 
mohammedanischen  Derwisch  vor  seinem  Laden  das  Ungeziefer  abkaufte, 
das  dieser  aufgesucht  hatte,  um  es  zu  tödten.  Clothes  dyed  with  fat  are  proper 
for  the  priests  to  wear,  sometimes  of  red  colour,  made  with  Doh-kam,  sometimes 
of  yellow  colour  made  with  kamin.  The  present  king  of  Siam  (preferring  yellow 
clothes)  come  ont  with  bis  new  System  (directed  chiefly  against  their  mythological 
books,  as  for  instance  their  astronomy)  when  still  a  priest,  giving  lectures  in 
astronomy  and  admitting  only  the  moral  teachings  of  Buddha.  Five  Vats  in 
Bangkok  (and  some  in  the  conntry)  belong  to  his  sect.  Missionaries  were  sent  to 
Ceylon  and  Birma.    . 

*)  Nach  dem  Shastras  werden  diejenigen,  die  den  drei  Kleinodien  -vertrauen 
und  im  Glauben  an  sie  wandeln,  die  Befolger  der  inneren  Lehre  (dotoghadu 
nomtan)  genannt,  wogegen  diejenigen,  die  dem  Maheswara  (Siva)  und  den  Gott- 
heiten des  Weltsystems  vertrauen,  die  Befolger  der  äusseren  Lehre  (ghadaghadn 
nomtan)  heissen  (s.  Schmidt).  Wenn  ein  Mahajauika  Nirwana  wird,  so  durch- 
wandert er  in  seinen  letzten  Augenblicken ,  in  einen  Gedanken  des  Dhjana  ver- 
tieft, das  ganze  System  der  drei  Welten,  bis  zum  Ausgang  aus  demselben  in  das 
Nirwana.  Brahma  heisst  bei  den  Buddhisten  Sablokadhatu  (Sarwalokadhatu,  der 
Urstoff  aller  Wesen,  als  Materie).  Der  von  üpagupta,  dem  Fürsten  der  Schiranus, 
umgehängte  Leichnam  des  Hundes  behielt  das  Aussehen  einer  reichen  Perlen- 
schnur, so  lauge  der  Träger  sich  der  We^en  erbarmt  und  sich  ihrer  Ver- 
führung enthielt.  The  Jains  have  not  only  adopted  Om,  the  symbol  of  the 
Deity  in  brahminlcal  writiugs,  but  coined  a  new  word  (Em),  to  denote  the  female 
energy  or  efficieiit  cause  of  the  universe.  Der  Buddha  Krakutschtchanda  legte 
den  Keim  zu  seiner  künftigen  Würde  dadurch ,  dass  er  dem  Buddha  seiner  Zeit 
einen  goldenen  Sonnenschirm  verehrte,  sein  Nachfolger  Kanakamuni,  dass  er  eine 
Guirlande  von  Sumanablumen  darbrachte,  Ka^japa  durch  das  Geschenk  eines 
Gürtels,  Sakiamuni  durch  Darreichung  vou  Arznei  (an  den  gleichfalls  Sakiamuni 
gcheissenen  Buddha),  Maitreya  durch  Bewirthung  mit  einem  Gericht  Gemüse.  Die 
von  der  armen  Wittwe  mit  dem  letzten  Scherflein  angezündete  Lampe  konnte 
(als  die  Gabe  eines  gläubigen  Geraüths,  das  das  Wohl  Aller  zu  fördern  bestimmt 
sei)  selbst  nicht  durch  alle  Flüsse  "der  Erde  ausgelöscht  werden,  wie  Buddha  dem 
Mudgalwani  mittheilt.  There  are  ten  varieties  of  Kalpa  (the  religious  practice 
of  the  sages).  .\ccording  to  the  Kalpa  Sutra,  Religion  is  the  vital  prlnciple  of 
the  World,  since  it  is  the  first  cause  of  all  felicity.  The  Kalpa  Sutra  reckons 
among  the  constituent  parts  of  a  royal  establishmeut,  a  chief  banker  (Set). 


Peking.  55 

tsclie*),    tibetisch    Hphagspa,     mongolisch    Chsutuktu.    Mingti's 
Gesandte,   die  die  Statue  Buddha's   auf  einem  weissen   Pferde 


*)  Der  Pfad  (Märga),  der  zum  Nirwana  führt,  hat  vier  Stufen  (jede  in  zwei 
Grade  des  Ringens  und  des  Erreichens  der  Frucht  zerfallend)  von  Aryas,  als  den 
^rotaäpanna  (den  in  die  Strömung  Eingegangenen),  Sakridagämin  (den  einmal 
Wiederkehrenden),  Anagämin  (den  nicht  Wiederkehrenden)  und  den  Arhat  (als  voll- 
kommen rein  und  siindlos),  als  den  eigentlichen  Arya  (Ehrwürdigen).  Der  Arhat 
(als  Inhaber  der  vier  erhabenen  Wahrheiten)  besitzt  die  acht  Wege  der  Reinheit, 
als  die  acht  richtigen  Handlungsweisen  (die  acht  Wegtheile  oder  Ashthänga  märga). 
Der  Arhat  ist  mit  den  vier  Arten  des  bestimmten  und  eindringlichen  Verständ- 
nisses (den  vier  Pratisamvids)  ausgerüstet,  als  dem  Verständniss  des  Sinnes  (Artha), 
des  Gesetzes  (Dharma),  der  Erklärung  (Nirnkti)  und  (in  der  Trividya  oder  drei- 
fachen Wissenschaft  der  Vergänglichkeit,  des  Schmerzes  und  der  Vernichtung)  der 
Einsicht  (Pratibhäna).  Der  fertige  Arhat  gewinnt  auf  der  Stufe  des  vierten 
Dhyana  die  Abhidjnäs  (die  übernatürlichen  Kenntnisse  der  vollendeten  Einsichten). 
Like  the  buddhistic  formula,  Krishna  and  other  pedantic  preachers  inculcate  the 
maxime  of  the  uselessness  of  Karma  (religious  action  originating  in  the  hope  of 
recompense)  as  a  means  of  salvation.  Als  (nach  Fabian)  ein  Geistlicher,  der  die 
Gesetze  beobachtet  und  rein  gelebt,  auf  Ceylon  verschied,  berief  der  König  die 
Versammlung  der  Geistlichkeit,  die  den  Verstorbenen  für  einen  Arhat  erklärte. 
Die  dreifache  Ueberfahrt  (triyäna)  begreift  die  kleine  (Hinäyana)  und  grosse 
(Mahäyäna),  sowie  die  mittlere  Ueberfahrt  (Madhyimayana).  Die  von  Hiuenthsang 
erwäimte  Doctrin  gradueller  Vervollkomnung  besteht  darin,  dass  mau  vom  petit 
zum  grand  vi-hicule  aufsteigt  (Koeppen).  Die  drei  Rangstufen  der  Heiligen  (den 
drei  Jahrzeugen  entsprechend)  sind  die  der  ^rävaka  (Jünger),  des  Pratyeka-Buddha 
(Autodidact)  und  Bodhisattwa  (schöpferisches  Genie).  Ausser  den  vier  Arten  des 
eingehenden  Verständnisses  (Pratisamvids)  sowie  der  fünf  übernatürlichen  Kennt- 
nisse (Abhidjnäs)  mit  Einschluss  der  Wunderkraft  (Riddhi)  besitzt  der  Pratyßka- 
Buddha  (als  Nidäna-Buddha)  die  Theorie  der  zwölf  Nidänas  (die  Verkettung  und 
Wechselwirkung  der  Ursachen  des  Daseins  begreifend).  Das  allerhöchste,  wahrhaft 
rein  vollendete  Bodhi  ist  durch  alles  Sein  der  Tugenden  offenbarlich  durchgegangen 
und  Buddha  geworden.  The  list  of  the  33  Buddhists  patriarchs  closes  with  Soui- 
neng  (f  713  p.  d.).  The  Sramana,  who  sets  himself  to  overcome  the  evils  of 
existence,  retires  from  all  intercourse  with  the  world  and  either  exercises  medi- 
tatiou  simply  or  joins  with  it  the  practice  of  Kasina,  by  which  he  is  enabled  to 
attain  to  sumitta,  which  brings  with  it  the  State  of  mind,  called  Samadhi  (in 
Bnddhism).  The  exercise  of  the  Yogi,  whilst  endeavouring  to  bring  before  the 
thoughts  the  gross  form  of  the  Eternal,  is  denominated  Alambana  (in  the  Vishnu- 
Purana).  Dattatreya  is  one  of  the  24  Minor  Avatars  of  Vishnu.  Sthira-Pal 
(König  von  Gaur)  erzwang  den  Buddhismus  in  Benares  1062  p.  d.  (Duncan). 
Gautama  Buddha  died  at  Pawapuri.  Indrabhuti  (the  Chief  disciple  of  Mahavira) 
was  of  the  tribe  of  Gautama.     Humira  Raja  of   Kampila    built   a   temple  of  Pan- 


5ß  Zweites  Kapitel. 

nach  Lo-yang"  brachten,*)  waren  von  den  Priestern  Kasya  matang-a 
und  Tschofalan  begleitet.     Nach  Erbauung  des  Klosters   wurde 


darikaksha  at  Gaya.  Baijala  Lord  (Budhara)  of  Mudgal  built  a  temple  of  Dhur- 
jati  (1578).  Khon  phan  (bad  men)  are  Ahetuka  (without  cause),  commou  men 
are  (thuhetuka)  of  two  causes  (lokiya  and  lokiitara),  Arahan,  as  knowiiig  Manut 
(men),  Thevada  (angels)  and  Nipphan,  are  Traihetuka  or  Tihetuka  (of  three  causes). 
Patrem  Uli  (Thiccae  quem  ipsi  Buddam  hoc  est  sapientem  appellant)  Thimpsam, 
niatrem  Mada  Phugniu  fuisse  putant  (Tunchiueses).  Adudalam  quaudam  alterius 
Regis  Indiarum  filiam  uxoreiii  habnit  vixitque  cum  ea  annis  duobus,  quibus  tiliam 
unicam  suscepit  nomine  Haulam  cariutque  deiiiceps  liberis  (de  Khodes).  Narrabat 
etiara  (Gabuleusis  episcopus)  quod  ante  uon  multos  aunos  Joannes  quidam,  qui 
ultra  Persidem  et  Armeniam,  in  extreme  Oriente  habitans,  rex  et  Sacerdos  cum 
gente  sua  Cbristianus  est,  sed  Nestorianus,  Persarum  et  Medorum  reges  fratres 
Samiardos  dictos,  bello  petierit  atque  Ecbatanam  sedem  regni  eorum  expugna- 
verit  (Otto  v.  Freisiugen)  1145.  Nach  dem  Briefe  des  Presbyter  Johann  war  sein 
Palast  nach  dem  Vorbilde  des  Schlosses  erbaut,  das  der  Apostel  Thomas  dem 
indischen  König  Gundoforus  errichtete.  Nach  Kubruquius  pflegte  der  Schmied 
Chingis  (unter  den  Moal)  die  Heerden  des  üncchan  zu  stehlen.  Corvino  bekehrte 
Georgios  (aus  dem  Geschlecht  des  Priesters  Johann)  vom  Nestorianismus.  Formerly 
the  superior  priests  (Lamas)  were  themselves  the  supreme  rulers  of  the  country, 
(in  Tibet),  until  one  of  the  royal  family  at  the  death  of  the  principal  Lama, 
declared  that  the  spirit  of  the  deceased  hierarch  bad  entered  into  his  body  and 
thus  regained  the  power,  usurped  by  the  priests.  The  followers  of  Rahula  wear 
(in  Tibet)  a  water-lily-jewel  and  a  tree-leaf.  The  followers  of  Kashyapa  (of  the 
brahman  caste)  carry  a  shell  or  couch ,  as  distinctive  mark  of  their  school,  The 
followers  of  üpali  (of  the  vSudra-tribe)  carry  a  Sortsika-flower.  The  followers  of 
Katyayana  (of  the  vairy  a  tribe)  had  as  their  mark  the  flgure  of  a  wheel.  The 
priests  (in  Birma)  are  obliged  nearly  every  moment  to  go  through  the  ceremony, 
called  akat,  which  signifies  a  presentation  or  oblatiori,  telling  the  disciple  (stau- 
ding of  the  distance  of  a  cubit),  to  do  which  is  lawful  and  being  answered,  that 
this  is  lawful. 

*)  Brehmer  macht  die  Budier,  die  im  Verzeichniss  der  medischen  Völker 
neben  den  Magiern  stehen,  zu  Stammvätern  der  Budiner  (mit  blauen  Augen  und 
blonden  Haaren)  in  der  Budinerstadt  (alsBudlanger)  am  Ilmsee.  Auf  der  tyrischen 
Karte  finden  sich  Bodiner  am  Obertheil  des  Bog  (Wodan  der  Bojer).  Zu  den 
Bndinern  am  Dniestr  flüchteten  die  Neurer.  Ichuae  und  Pella  lagen  im  Lande 
der  Bottiäer.  Die  von  Sicilien  nach  Tarent  verschlagenen  Cretenser  wurden  von 
den  nach  Macedonien  Gewanderten  Budäer  genannt.  In  der  Stadt  Budeia  (im 
magnesischeu  Thessalien)  wurde  Athene  Budeia  verehrt  (oder  in  Budia).  Auf  dem 
Berge  Budorus  (auf  der  Insel  Salamis)  lag  die  Burg  Budorum.  Homer's  Budeion 
wird  nach  dem  Copaissee  (in  Böotien)  versetzt.  In  Germanien  sind  Budii  und 
Orgi  verbunden  (Budii  und  Ori  auf  Salamis).     Am  Axiusfluss  finden  sich   Budier 


Peking.  57 


Taosse  durch  Tsa-yu  uud  Tscho-fo-lau  bekehrt  (s.  Girard).  Zur 
Zeit  des  Megasthenes  war  die  Verehrung-  des  Hercules  (der  Erde 
und  Mond  auf  seinen  Zügen  vom  Uebel  gereinigt  hatte)  bei  den 
Indiern*)  des   Tieflandes  allgemein.     Ansser  der   Dreieinigkeit 


oder  Bottiäer.  Die  von  Strabo  neben  Lygiern  genannten  Butonen  werden  (von  Man- 
nert)  für  Budier  gehalten  (mit  den  Städten  Budorgis  tind  Budorgum).  Brehmer 
findet  Bndier  in  den  Bodii  (am  Bodensee) ,  den  Burü  und  den  Burignndiones 
oder  Brigantes.  Für  die  Ableitung  des  Wortes  Butze  (Spukgeist  oder  Gespenst, 
als  Kindersrhrerken)  möchte  (Jrimm  ein  verlorenes  goth.  bita  annehmen,  ahd. 
piuzn,  wovon  Anapoz  (locus),  mhd.  bozen  (pulsare),  gebuize  (Pochen,  Lärm),  denn 
Butze  ist  ein  klopfender  Geist  (s.  Waldmann).  Oculus  oder  (Sanscr.)  Akshi 
(Raksha  oder  Auge)  führt  durch  W.  on  (pfifia  und  o\^is)  auf  ofis  (s.  Curtius), 
als  das  im  Auge  liegende  Leben  (des  dämonischen  Raksa  oder  Hüters).  La  racine 
budh  (aiiimadvertere,  coguoscere)  semhle  avoir  exprime  plus  specialement  le  niouve- 
ment  ou  l'excitation  de  l'esprit,  qui  arcompagne  la  perception  et  la  cons<-ience 
de  soi  (Pictet).  ümas  (intelligence)  lith.  von  av  (amare).  Von  Aksh  (Desiderativ- 
form  des  sanscr.  W.  39  als  permeare ,  occupare)  leitet  Pictet  akshi  (akshan) 
oder  aksha  (l'cpil  ou  regard  qui  penetre  l'espace)  et  aksha  (äme,  connaissance), 
während  direct  auf  a^  zurückführt  aha  (intelligence,  vovs)  goth.  und  ahma  (Geist 
TtuEvua).  (joth.  augo  (Auge)  kommt  von  dem  sanscr.  W.  uh  (animadvertere, 
intelligere),  sowie  goth.  hugs  (intelligence).  La  rac.  man  signifle  meminisse 
aussi  bien  que  cogitare  (Pictet).  [Der  Mann  oder  Mensch  ist  die  von  der  Er- 
innerung zusammengefasste  Persönlichkeit.]  Auf  mere  (meminisse,  zend)  führt 
iieQueQco,  memoria  (Märchen).  Die  Buschmänner  (Saan  oder  Hottentotten)  werden 
.Abatua  von  den  Kaffern,  und  Baroa  von  den  Setshuana  genannt. 

*)  Wogegen  nur  Einige  den  Lehren  des  Buddha  glaubten:  eial  Se  riov  Iv- 
Scäv  Ol  rovi  ßovria  Ttsi&öfisvoi  TtaoayysXfiaaiv ,  6v  81  vTtsoßoXqv  aefivorrjroä 
cbg  d'ebv  rETVfii]-/taoi  (s.  Clem.  v.  Alex.).  Diejenigen  Menschen,  die  über  die  vier 
höchsten  Wahrheiten  nicht  nachgedacht  hatten,  wurden  durch  die  Benennung 
Prithaggana  (die  Abgesonderten)  von  denen  unterschieden,  die  es  gethan  hatten 
und  deshalb  Arja  genannt  wurden,  wie  sich  die  Inder  im  Gegensatz  zu  den  Bar- 
baren nannten.  Die  buddhistischen  Geistlichen  unterschieden  sich  dadurch  von 
den  übrigen  Indern.  In  dem  Drama  Mrikkhakati  entspricht  das  Wort  üpäsaka  dem 
Wort  Buddhapäsaka  (Buddhaverehrer).  In  the  Dasa-brahma-jataka  is  said  of  the 
tenth  class  of  Brahmas :  „There  are  others  who  profess  to  he  released  from  evil 
desire  and  to  be  ready  to  release  others  also.  On  account  of  their  wish,  to  gain 
abundance  they  recommend  to  kings  the  sacriflce  calied  yaga  and  if  a  king  can 
he  found  willing  they  place  him  upon  a  golden  couch  and  anoint  his  head  with 
holy  water,  saying,  that  this  will  take  away  the  consequenres  of  his  sins,  then 
the  couch  and  the  carpet  npon  which  he  sat,  his  robes  and  Ornaments,  all  fall  to 
the  share  of  the  Brahmaus,  who  have  conducted  the  ceremony. —  The  Indians  of 
the  GaucasDs  took  Dionysos  for  an  Assyrian  stranger,  bat  those  of  the  Indus  and 


58  Zweites  Kapitel. 

in  0-mi-ti-fo    (erster  Buddha),   Sakia  (Religionsstifter)    und  Mi- 
lo-fo  (der  Buddha  der  Zukunft)  verehren  die  Foisteu  die  jung- 


Ganges  declare  him  for  tbe  son  of  tlie  Indus  (the  Theban  Bacchus  being  bis  dis- 
ciple  and  imitator,  born  from  Meros,  a  mountaiu  near  Nyssa).  Von  Here  wird 
Herakles  erklärt  nnd  ^ocog  ist  (nach  Curtius)  verwandt  mit  viras  (sanscrifi  und 
\ir  (lat.).  Viraj  (Brahma's  Sohn)  ist  Fürst  der  nördlichen  Madri  und  Knru,  für 
welche  die  verwandten  Pandu  (mit  gynäkratischer  Polyandrie)  Kriege  führten. 
Apollonius  from  Tyana,  affecting  a  yellowish  colour  in  his  dress,  clad  himself  in 
the  Byssus  of  the  Indians.  Round  the  shrine  of  the  temple  (outside  the  walls 
of  Taxila)  were  hung  (according  to  Damian,  who  accompanied  Apollonins)  pictnres 
on  copper  tablets,  representing  the  feats  of  Alexander  and  Porus.  The  elephants, 
horses,  soldiers  and  armour  were  portrayed  in  mosaik  and  the  correctness  of 
drawing,  vivacity  of  expression  and  trnthfulness  of  perspective  reminded  one  of  the 
productions  of  Zeuxis,  Polygnotus  and  Euphranor  (s.  Philostratus)  Apollonius  re- 
marked,  that  colour  was  not  necessary  to  a  painting,  and  that  au  Indian  drawn 
in  chalk  would  he  known  as  an  Indian,  and  black  of  colour,  by  his  some  what 
flat  nose,  his  crisp  hair,  his  large  jaws  and  wild  eyes.  According  to  Phraotes 
(king  of  Taxila)  the  Brahmans  especially  love  those,  who  know  and  speak  Greek, 
as  akin  to  them  in  mind  and  disposition.  Alexander's  Sophoi  were  the  Oxy- 
dracae,  a  free  and  warlike  people  (rather  dabblers  in  philosophly  tban  philo- 
sophers), but  the  Brahman  country  lay  between  the  Hyphasis  and  Ganges,  where 
invaders  (as  the  Egyptian  Hercules  and  Bacchus)  were  driven  back  by  tbe 
pious  men  with  lightning  and  tempests.  Nearing  the  stronghold  of  tbe  So- 
pboi,  the  cameldriver  ordered  the  camel  to  kneel  and  leapt  down.  Abhimanyiz 
(king  of  Cashmir)  sent  for  Brahmins  (I  cent.  p.  d.)  to  teach  the  Mahäbhäsbya 
(of  Patangali  or  Pingala)  In  his  kingdoms.  Nach  Strabo  ward  zJiovvaoi  (Rudra, 
Soma,  ^iva)  auf  den  Bergen,  Hpay.lrje  (Indra,  Vishnn)  in  der  Ebene  verehrt  (Weber). 
Megastbenes  unterscheidet  zwei  Gattungen  von  Philosophen,  als  die  Boa/jiavai 
und  die  Eaoi^iavai  (SamanabTahaniana  im  Siamesischen).  Megastbenes  rechnet  die 
vloßioi  (Brabmacririn  und  Vansaprastha)  zu  den  —aQ/nmai.  Strabo  erwähnt  die 
Ifoafcvfu  als  streitsüchtige  Dialektiker,  während  die  B^axfiavat  sich  besonders 
mit  Physiologie  nnd  Astronomie  beschäftigten.  Lassen  erklärt  die  Ifpafivai  als 
pramana  (Secte  der  Paramat  in  Birma),  d.  h.  als  Solche,  die  sich  auf  pramanam, 
den  logischen  Beweis  (nicht  auf  die  Offenbarung)  stützen.  Namque  vita  mitio- 
ribus  populis  Indorum  multipartita  degitur.  Quintum  genus  celebratae  illic  et  prope 
in  religionem  versae  sapientiae  deditum,  voluntaria  semper  morte  vitani,  accenso 
prius  rogo,  flnit  (Plinius).  Multarumque  gentium  cognomen  Brachmanae  quorum 
Maccocalingae ;  fiumina  Pumas  et  Cainas  (qiiod  in  Gangem  influit)  ambo  navega- 
bilia  (Plinius).  Nach  Ferishta  pflegten  in  der  ältesten  Zeit  Hindu-Pilger  nach 
Mekka  und  Aegypten  zu  kommen,  um  die  dortigen  Götzenbilder  zu  verehren 
(wie  die  Sepoys).  There  were  impressions  of  beard  and  faces  on  the  hüls  of  the 
Sophoi  (served  by  boys,  consulted  by  the  king)  whose  mind  was  by  egyptian 
travellers  ill  disposed  against  tbe  Greek).     Tbe  Sophoi,  who  wear   long    bair    and 


Peking.  59 


frauliche  Göttin  des  Erbarmens  (Kouan-yin),  Tamo  (den  Apostel 
Chinas),  Ti-tsang-  (den  Höllengott)  und  die  Louo-han  oder  18 
Hauptschüler  (s.  de  Courcy).*)     Buddha    wird   Suvärthasiddlia 


a  white  mitre  worsbip  fire  (obtained  froui  the  sun's  rays)  in  their  stronghold 
(the  navel  of  India)  and  walk  the  air  (s.  Philostrat.).  According  to  Bar- 
desanes  the  newly  elected  Samanaeans  were  shaved.  Jarchas  was  formerly 
Ganges,  king  of  the  Indian  people,  of  whom  the  Ethiopians,  then  Indians,  formed 
a  part.  After  having  murdered  him,  the  Ethiopians  were  driven  out  to  settle  in 
Afrika  (s.  Philostratus).  The  sages  of  the  Sophoi  nodded  from  their  seats  to 
receive  the  king,  who  entered  with  outstretched  hands.  According  to  the  Sophoi, 
the  World  was  composed  of  five  elemeuts.  These,  who  are  very  quick  of  ear 
heard  sometimes  the  swans,  singing  themselves  to  death.  Jarchas  prophesied, 
that  Apollonius  would  even  during  his  life  attain  the  honours  of  divinity.  The  In- 
dian ambassador  to  Angustus,  who  burned  himself  (at  the  leight  of  his  prospe- 
rity)  in  Athens,  had  written  Zarmanos  Chegan  (Qarmana  Karja  or  teacher  of  the 
^ramans)  of  Bargosa  ou  his  tonib  (s.  Nicolaus  Damascenus).  According  to  Diu 
Chrysost.,  the  grief  of  Priam,  the  wailing  of  Hecuba  and  Andromeda  and  the 
courage  of  Achill  and  Hector  were  known  in  India.  Die  Kirche  bei  Kish  soll 
vom  Apostel  Thomas  (Tamassa)  oder  Foma  (bei  den  Tscherkessen)  gebaut  sein 
(s.  Kolenati). 

*)  Vajradhara  (Adhibuddha)  is  called  he,  who  has  the  soul  of  a  diamond 
(Vajrasattva).  Each  Buddha  when  preaching  the  law  to  men,  manifests  himself 
at  the  same  time  in  the  three  worlds.  In  the  world  of  desires,  he  appears  in  human 
shape,  in  world  of  forms,  he  manifests  himself  in  the  sublime  form  of  Dhyaui 
Buddha.  In  the  highest  world  (of  the  in  corporeal  beings)  he  has  neither  shape 
nor  name.  The  Phyani  Buddhas  create  from  themselves  by  Dhyana  (abstraft  me- 
ditation)  an  equally  celestial  son  (Dhyani  Bodhisattwa),  who  after  the  death  of  a 
Manushi  Buddha  is  charged  with  the  continnance  of  the  work  uudertaken  by  the 
departed  Buddha,  tili  the  next  epoch  of  religion  begius,  when  again  a  subsequent 
Manuschi  Buddha  appears.  The  Dhyani  Buddha  of  Sakiamuni  is  Amitabha  (Od- 
pagmed  in  Tibet),  his  Dhyani  Bodhisattwa  is  Avalokitesvara  or  Padmapani  (Chen- 
resi  in  Tibetan).  Unter  den  fahrenden  Schülern  (im  XV.  Jahrhdt.)  waren  die 
Bacchanten  die  Gesellen  (Gehülfen  des  Rectors  oder  Schulmeisters),  von  denen 
jeder  einen  oder  einige  Schützen  (Lehrjungen)  hatte,  die  er  auf  seineu  Wanderungen 
vor  sich  her  trieb  (s.  Heppej.  Of  the  unlimited  uumber,  the  five  Buddha,  of 
the  actual  period  (four  of  whom  have  already  appeared)  are  particularly  wor- 
shipped.  To  the  Dhyani  Bnddheus  of  these  five  Manushi  Buddhas  is  added  as 
a  nexth  (and  highest  in  rank)  Vajrasattwa.  Manjusri  (Jamjang  in  Tibetan),  whose 
Sakti  is  Sarawati  (Ngagi  Shasuo)  is  called  the  ruler  of  the  year,  the  first  day 
being  consecrated  to  him.  Padma  Sambhava  conquered  (by  magical  powers)  the 
demon,  who  opposed  his  entranee  into  Tibet.  The  first  monastery  of  Buddhists  was 
founded  in  Tibet  on  the  Kailas  mountains  (137  p.  d.).   The  introduction  of  Buddhism 


60  Zweites  Kapitel. 

(jedes  Wunsches  Erfüllung)  genannt.     Bei  dem  Tode  der  Maya 
wird  ihre  Schwester,  Praschäpati  *)  Gautami  (die  grosse  Herrin  der 


into  Tibet  is  ascribed  to  the  Dhyaui  Bodhisattwa  Avalokiteswara,  celestial  soii  of 
Assitabho,  whose  cbosen  land  is  Tibet  (where  many  priests  aud  rulers  are  con- 
sidered  as  their  incarnations).  The  polls  (of  the  tibetau  priests  in  Peking)  were 
shaven  and  tbey  possessed  a  stroug  unpleasant  odour,  nut  iinlike  that  of  sheep, 
which  the  Chinese  attributed  to  the  quantity  uf  mutton  they  daily  consiiined 
(s.  Swaiiison).  Mysticism  (whirh  appears  for  the  first  time  as  a  specific  systeni 
in  the  X  cent.  p.  d ),  called  Kala  Chakra  (the  circle  of  time  in  Sanscrit)  or  Dus 
Kyi  Khorlo  (in  Tibetan),  is  reported  to  have  originated  in  the  f=»bnlons  country 
Sambhala  (source  of  happiness)  or  (in  Tibetan)  Dejung  (beyoud  the  Sir  Deriau 
or  Yaxartes).  It  was  flrst  known  in  India  (965  p.  d.)  aud  thence  iutraduced 
throngh  Cashmir  into  Tibet  (1025  p.  d.).  The  theories  are  laid  down  in  two 
series  of  works,  known  under  the  collective  titles  of  Dharanis  (Zung  in  Tibt-fan^ 
and  Tantras  (Gyut  in  Tibetan).  The  System  of  mysticism  promises  endowment 
with  supernatural  faculties  (superior  to  the  energy  to  be  derived  from  virtue  aud 
abstinence  and  capable  of  leading  to  the  union  with  the  deity)  to  the  man,  who 
keep,  in  mind,  that  all  three  worlds  exist  in  the  Imagination  only  aud  regulates 
bis  action  accordiugly.  Buddhism  was  introduced  (XVI  cent.  from  Sikkim  in  Butan). 
According  to  the  Prasanga  school  the  doctrines  of  the  Huddha  establish  two 
paths,  one  (attained  by  the  practices  of  virtues)  leading  to  the  highest  regions 
of  the  universe  (to  the  heaven  Sukhavati),  where  man  eiijoys  perfect  happiness, 
but  connected  with  personal  existence),  the  other  (attained  by  the  highest  per- 
fection  of  iutelligence)  conducting  to  entire  emancipation  from  the  world  (to  Nir- 
vana).  According  to  the  (tibetan)  mysticism  there  is  a  chief  flrst  Buddha  (Adi- 
biiddha  or  Chogidangpoisangye),  without  beginning  or  end.  Nine  of  the  human 
Buddhas  have  arrived  at  the  Buddhaship  for  the  flrst  time  and  the  Sambhogakaya 
(body  of  blissfulness)  of  the  Buddhas  has  existed  from  all  eternity  and  will 
never  perish.  The  flrst  of  the  Buddhas  (the  president  of  the  flve  Dhyani  Buddhüs) 
is  called  (in  the  Tantras)  Vajradhara  (Dorjechang  or  Durjedzin)  and  Vajrasattwa 
(Dorjesempa). 

*)  Radscliagriha  (Königshaus)  ist  ein  Pilgerort  der  Jains.  Seinen  Lehrer  Arata 
Kalama  (aus  Vaicali)  und  den  Rama  Sohn  Rudraka  verlassend,  zieht  sich  Gau- 
tama  in  die  Einsamkeit  beim  Dorfe  üruvilva  zurück.  Die  Ascese  anfgpfiend, 
setzt  er  sich  unter  dem  Schatten  des  Bhodhidruma  (Bodhibaums)  auf  den  IJhodhi- 
manda  (Sitz  der  Intelligenz)  in  Gaya  (Buddhagaya).  Das  Heer  des  Mara  scheidet 
sich  in  (eine  rechte  und  linke  Seite)  eine  schwarze  und  weisse  Partei,  von  der  die 
letztere  den  Bodhisattwa  für  unbesiegbar  erklärt.  Der  Thron  der  Intelligenz  lieisst 
Vadjrasana  (Diamantensitz).  Der  Schüler  Katjajna  oder  Katjajaniputra  wurde  von 
Buddha  nach  Udjein  geschickt  (als  Naradatta).  Rahu  was  of  immense  size  (one 
Yosana  between  the  eyebrows)  and  hearing  of  Buddha,  he  despised  him,  as  being 
small    like    a    man.      Persuaded    afterwards    by    the    dewadas    to   go,    he    found 


Peking.  61 

Geschöpfe  ans  dem  Gesehlechte  der  Gautania),  die  ebenfalls  Ge- 
mahlin   des   Königs    Cnddhödana  war,   als  Oberamme  nnd  Er- 


Ruddha  sleeping,  but  could  neither  see  his  face  nor  feet,  as  both  extended  in  in- 
finity.  The  same,  when  he  stood  uprigbt,  he  neither  by  looking  down,  nor  by 
looking  up,  coiild  see  where  he  ended.  A  priest  had  resolved  on  measuring  Buddha's 
height,  on  the  door,  he  had  to  pass  through  ,  roming  in  the  Vat  but  however 
high  he  niade  it,  it  was  still  to  small.  When  Buddha  resolved  on  -visiting  tiie 
heaven  Devadüng  (to  preach  the  law)  his  mother,  who  resided  there  feared,  that 
he,  of  the  small  stature  of  men ,  would  disappear  amongst  the  gigantic  devadas, 
but  Buddhas  priestly  garment  folded  out  in  hundreds  and  thousands  of  Yosana. 
When  Phra  Isuen  was  going  to  have  the  topknot  on  his  son's  head  shaved,  Rahu 
offered  to  do  it,  but  advised  Phra-Isuen  to  use  the  mon  (formnies)  of  Buddha, 
as  without  them  a  niisfortuue  would  happen.  But  Phra-Isuen  refused,  thinking 
himself  miglity  enough.  "When  one  of  the  devadas  had  undertaken  the  offlce 
and  was  shaving  the  head,  a  violent  wind  arose  and  took  off  the  head  of  the 
child ,  carryiiig  it  away.  Phra-Isuen  ordered  quickly  to  bring  the  head,  but  as 
they  could  not  find  the  eight  one,  they  brought  one  of  an  elephant.  The  father 
flxed  it  on  the  trunk,  but  it  would  not  stay,  tili  he  used  the  (mantra)  mon 
(formules)  of  Buddha.  Then  he  succeeded,  his  elephant  headed  son  was  tliere- 
fore  called  (Buddha  Khinet)  Phuttha-Khinai  or  Buddha  (Lord)  Elephant  (Khinai  in 
Pali),  identical  with  Ganesa.  In  the  Era  of  Manopranidhana,  Gotama  Bodhisatt, 
being  a  prince  gave  (siddhartta)  oil  to  Dipaukara  Bodhisatt  to  present  it  to 
Purana  Dipankara  Buddha.  In  the  period  of  Wakpranidhana,  Gt)tama  Bodhisatt 
(son  of  the  king  of  Dhannya)  offered  his  treasures  to  Sakya,  the  Buddha.  In 
the  Saramanda  Kalpa,  in  which  appeared  the  four  Buddhas  Tanhankara,  Modhaukara, 
Saranankara  and  Dipankara,  Gotama  Bodhisatt  (son  ofSunanda,  kiug  of  Puspawati) 
received  from  Tanhankara:  aniyata-wiwarana  (indifinite  assurance,  that  he  would 
become  Buddha.  From  Dipankara  and  the  succeeding  23  Buddha's  he  received 
niyata-wiwarana  (defiuite  assurance).  At  the  time  of  the  Buddha  Sidharttha  Gotama 
Hodhisatt  was  Maugala  brahmana.  The  long  period  of  ignorance  after  the  dissolution 
of  Wessabhu  was  followed  by  the  Makabhadsakalpa  of  five  Buddha's.  When 
Buddha  appeared  in  the  air  over  the  armies  of  Yakas  (fighting  in  Ceylon),  he 
after  having  made  a  great  noise,  flrst  caused  darkness  and  then  made  smoke  issue 
from  his  body,  assuming  lastly  the  appearance  of  the  moon.  If  Jupiter,  following 
the  waxing  moon,  inrlines  to  the  north,  there  will  he  plenty  of  rice,  if  to  the 
south,  there  will  be  scarcity.  Buddha  showed  Nanda  (his  younger  brother)  the 
beaut)  of  a  dewi  to  prevent  him  from  marrying.  Ananda,  the  son  of  Sudhodana's 
younger  brother,  was  an  attendant  of  Gotama.  Gautama's  ears  hung  down  on  the 
Shoulders,  his  hands  reached  to  his  kuees,  his  flngers  are  of  equal  length,  and 
with  his  tongue ,  he  could  touch  the  end  of  his  nose ,  as  proofs  of  his  divinity 
(s.  Malcolm).  The  Kwan  vu  Hang  shen  king  (gazing  a  Ametabha  Buddha  Sutra) 
was  translated  by  Kong  long  yasha,  a  foreiguer  from  the  works  who  came  to  China 


62  Zweites  Kapitel. 

zieherin  bestellt.  Der  Prinz  lieirathet  Jagodharä  (Tochter  des 
Königs  Suprabuddha).  Kabilapbat  ist  die  Stadt  des  Gelben.  Die 
Brahmauen  Magadha's  hörten  von  dem  einen  weissen  Stier  reiten- 
den Mahadeva  auf  seinem  Löwensitze  (den  sie  als  Familiengott 
verehrten),  von  Ganega  auf  dem  Berge  Kailasa  (wo  Uma  Blumen 
pflückte)  empfangen,  dass  die  Befreiung  nur  auf  dem  Buddha- 
Wege  sei  (s.  Taranatha).  Am  Ende  seines  Lebens  begab 
sich  Nagarjuna*)  (der  Verbreiter  des  Madhyamikasystems    nach 


(425  p.  d.).  Les  Chiugulais  tiennent  par  tradition  qua  Budu  a  demeure  long 
temps  dans  l'isle,  menant  iine  vie,  tres  penitente  et  tres-saiute  (l'an  quarantieme 
de  Tere  chretienne).  L'isle  de  Ceylon  est  partagee  en  quatre  diöceses  sous  un 
pontife  (soumis  au  Terumvansse) ,  qui  gouverue  les  Genes  de  leurs  districts,  le 
premier  fait  sa  r^sidence  pres  de  Sofragan  et  a  sein  du  fameux  pagode,  coasacre 
ä  Hilciperumal,  pere  de  Visun,  le  second  demeure  pres  de  Calan(i  dans  le  pagode 
de  P)iws.ura  perumal,  pere  de  Rama,  le  troisieme  est  ä  Catagarama,  qui  est  le 
pagode  du  grande  idole  Caude  Suami,  fils  de  Visnu,  le  quatrieme  est  attach^  au 
pagode  d'Altenor,  qui  est  dedie  ä  Visnu.  Les  enchanteurs  ä  Ceylon  endorment 
les  rror.odiles,  quand  on  vent  aller  se  laver  dans  les  ri^ieres  (s.  Ribeyro).  The 
founder  of  the  Siamese  religion  has  variuns  names,  one  of  which  is  Somona 
Codom  er  he  who  steals  cattle  (Finlayson).  Somona  Codom,  the  cattle-stealer,  a 
Siugalese,  was  the  missionary  who  first  propagated  the  religion  (Vedas)  in  Slam 
(Roberts).  Die  buddhistische  Schule  der  Sammatya  gründet  ihre  Lehrsätze  auf 
die  Hinajäna-Sutra,  die  den  Gaiua  fremd  war.  Fewoi,  bi  rvf^ivoao^ioxai  (nach 
Hesychius).  Nach  Hiuen-thsang  fand  sich  in  Taxacilä  die  ^vetaväsa  (^H'etämbara) 
genannt  Secte  der  Gaina. 

*)  In  distinction  from  the  Srawacas,  the  Uinayana  school  (founded  ou  the  schism 
of  the  syiiode  at  Vaisali)  demonstrated  the  source  of  existence  no  louger  from 
the  four  truths  only,  but  from  the  twelve  Nidana  (based  ou  the  four  truths). 
Nagarjuna  (Lugrub'  in  Tibetan)  founded  (400  years  after  Buddha)  the  Mahayaua- 
System  (in  southeru  India).  According  to  the  tibetan  historiograph  Taranatha  the 
most  important  Mahayana,  books  have  already  appeared  in  the  time  of  Sri  Saraha 
or  Rahulabhadra,  who  lived  shortly  before  Nagarjuna.  Nagarjuna  received  the 
book  Paramartha  (or  the  books  Avatamsaka)  from  the  Nagas,  to  whom  Sakiamuni 
had  taught  more  philosophical  doctrine  (as  guardians  of  his  teachings).  According 
to  the  Chinese  Nagarjuna  thought  his  System  an  original  one,  tili  he  diseovered  the 
ressemblauce  in  the  teachings,  left  by  Sakiamuni  with  the  Nagas.  The  reformer  .\ryas- 
angha  (cbagpa  thogmed  in  tibetan)  founded  the  Yogacharya  scliool  or  the  contem- 
plative  Mahayana  (fifth  Century  p.  d.).  Aryasanga  was  taught  his  doctrine  by  the 
future  Buddha  Maitreya  (the  president  of  the  regiou  Tushita),  from  whom  he  recei- 
ved  back  the  five  treatises  of  Champai  chos  nga  (the  five  books  of  Maitreya).  Of 
the   books  of  the  Mahayana,  the  flrst  division    illustrates,  the  principles  of  Nagar- 


Peking.  63 

dem  Süden  und  bekehrte  den  König-  Idajana.  Das  Mahayana 
kam  auf,  als  der  ehrwürdige  Mandjusri  am  Hause  des  Königs 
Chandragupta  in  Odivica  Mahayaua's  Gesetz*)   vortrug  und  ein 


jima,  which  have  been  adopted  by  the  Madhyamika  scbool  (Bumapa  in  Tibetan), 
the  second  (raore  developed)  is  appropriated  by  the  Yogacharja  scbool.  Tbe  Pra- 
sanga  branch  is  the  most  important  of  the  Madhyamika  system.  Maitreya  is  (in 
Tibetan)  called  Charapa.  The  fundamental  doctrine  of  the  Mahayana  school  is 
that  of  the  emptiness  or  nothingness  of  things  (Sanyata  or  Tongpanyid),  called 
also  Prajna  Paraniita  (the  supreme  intelligeuce  which  arrives  at  the  other  side  of 
tbe  river).  A  buddhistic  priest  preached  in  China  217  a.  d.,  but  was  sent  away. 
Buddhism  was  introduced  in  Ladak  240  a.  d.  Nägärjuna,  called  Naga  Koshuna  or 
Loung-chou  by  the  Chinese,  is  placed  in  their  traditional  chronology,  which  they 
borrowed  from  the  Buddhists  in  Northern  India,  400  years  after  the  Nirwana. 
The  Tibetans  assign  the  same  date  to  him.  In  the  list  of  the  patriarchs  however, 
he  occupies  tbe  14tli  place  and  dies  738  years  after  Buddha  (Muller).  The  list 
of  the  33  Buddhist  patriarchs,  gives  the  date  of  their  death  from  Chakia-mouni, 
who  died  950  a.  d.,  to  Soui-neng,  who  died  713  p.  d.  The  twelfth  patriarch, 
Maning  (Deva  Bodhisattwa)  is  placed  by  the  Chinese  300  years  after  Buddha. 
In  the  list  of  the  patriarchs  he  dies  618  years  after  the  Nirvana.  Nirvana  ist 
die  gänzliche  Vernichtung  der  Schmerzen  und  der  Attribute  oder  Aggregate  der 
Existenz  (der  Skaudhas).  Nach  Obry  bleibt  selbst  im  Nirvana  sans  reste  d'üpadhi 
(Persönlichkeit)  immer  das  denkende  Princip  übrig.  Nirvana  (va  oder  blasen  mit 
der  Negationir)  heisst  (im  Tibetischen)  Mya  ngnan  las  hdaspa  (der  Zustand 
dessen,  der  von  Schmerz  befreit  ist)  und  (im  Mongolischen)  Ghassalang  etse 
angkidschirakasan  oder  Ghassalang  etse  noktschiksen  (vom  Jammer  abgeschieden 
oder  dem  Jammer  entwichen).  The  success  attained  by  the  Prasanga-Madhya- 
mika  school  is  dne,  is  great  measure ,  to  the  excellent  commentaries  and  intro- 
dnctory  works  written  in  the  8'^  and  9*1'  centuries  by  Chandrakirti  (dava  dagpa  in 
Tibetan)  and  other  learned  men.  These  events  coinciding  with  a  numerous 
emigration  of  Indian  priests  into  Tibet  caused  the  Prasanga  school  to  be  at 
present  considered  by  the  Tibetan  Lamas  as  that  which  alone  taught  and  gave 
the  true  explanation  of  the  faith  revealed  by  the  Buddha  (s.  Schlagiutweit).  The 
Buddha  has  two  kinds  of  Nirvana,  the  Nirvana  with  remains  (in  the  body  Nir- 
mankaya)  and  (assuming  the  hody  Dharmakaya)  the  Nirvana  witbout  remains.  The 
flve  essential  properties  of  seutient  existence  (Skandhas  or  Silaskandhas)  are  called 
(in  Tibetan)  Tsulkhrim  kyi  phungpo  (the  agregates  of  morals). 

*)  According  to  the  Vrihat  Katha,  the  Bodhisattwa  Nagarjuna,  minister  of  (the 
king  of  Chirayapur)  Chirayu,  allowed  his  head  to  be  cut  off,  to  save  the  king's 
life,  whose  days  his  knowledge  of  the  elixir  of  immortality  had  preserved  beyond 
the  natural  limits  and  the  enmity  of  whose  son  and  successor  he  had  consequently 
provoked,  his  death  however  being  really  brought  about,  by  the  deities,  who  could 
not  bear  his    begiuning,   to    render  men    immortal.     A  large    portion    of  the  Kali 


64  Zweites  Kapitel. 

Buch  zurückliess  (nach  Taranatha).  Nach  dem  Tode  des  Ka- 
nishka  wurden  überall  Cloka  des  Mahayana  geschrieben,  und 
Suti-as  von  den  Göttern,  Sandharvas,  Raxasas,  besonders  aber 
von  den  Nagas  erlangt.     Das   Eingehen  der  Seele  in  Pflanzen 


Yug  or  present  age  (400,000  years  yet  to  come)  is  denominated  the  NagarjiiDiya 
Saea  or  Era  (s.  Wilson).  The  Tatitra  Cacsha  Puta  is  ascribed  to  Nagarjuna. 
Acoording  to  the  Caiiara  work  Pajyapada  Charitra,  Nagarjuna  possessed  the  magical 
meaijs  of  perpetoing  his  existence  and  making  gold.  Nagarjuna  is  called  king  of 
the  Sacadvipa.  The  princes  of  Turushka  descent  (in  Vashniir)  founded  Colleges 
and  planted  sacred  trees  in  Surhea  and  other  places,  and  duririg  the  period  of  their 
reign  the  whole  of  Cashmir  was  the  enjoyment  of  Bouddhas,  eminent  for  austerity. 
After  them,  when  150  years  had  elapsed  from  the  emancipation  of  the  Lord  Sacya 
Sinha  in  this  essence  of  the  world,  a  Bodhisattwa  in  this  country,  named  Nagar- 
juna, was  Bhuniiswara  (Lord  of  the  Earth)  and  he  was  the  asylum  of  the  six  Ar- 
hatwas  (according  to  Calhana).  Damodara  was  succeeded  by  lliree  kings  of  the 
race  of  Turushca  and  they  were  followed  by  a  Bodhisattwa,  who  wrested  the 
Empire  from  them  by  the  aid  of  Sacya  Sinha,  introducing  the  religion  of  Buddha 
into  Cashmir.  He  reigned  100  years  and  was  followed  by  Abhimanyu.  In  Abhi- 
nianyu's  reign,  the  Bauddhas,  cherished  by  the  learned  Bodhisattwa  Nagarjuna 
niaintained  the  ascendancy.  They  the  enemies  of  the  Agama  (Vedas)  and  dispu- 
tations,  overcame  all  the  wise  men  in  argument  and  demolished  the  practices, 
prestribed  in  the  Nila-Purana.  King  Thisrong  de  tsan  ordered  a  disputation  bet- 
ween  the  Chinese  Mahayana  and  the  Indian  Kamalasila.  At  Mahayana's  defeat,  he 
was  banished  Tibet,  anl  the  Buddhism  was  then  tanght  there  by  tlie  Indian  priests 
according  to  the  Madhyamika  school,  which  have  shortly  before  superseded  the 
Yogachary  a  system  in  Indian.  King  Langdar  or  Langdharma,  who  persecuted 
Bnddhism  in  Tib'et,  was  murdered  (900  p.  d.).  When  his  grandson  (Bilamgur  Thsan) 
rebuilt  the  temples,  the  Tibetan  priests  (who  had  fled)  returned  with  the  learned 
Indian  priest  Pandita  Atisha  and  his  pnpil  Bromston  (971 — 1U41  p.  d.)  Shortly 
before  Atisha's  arrival  the  Kala  Chakra  doctriue  (or  Tantrih  mysticism)  had  been 
introduced  in  Tibet.  Indian  refugees  (lltli — 12tli  cts.)  assisted  in  the  trauslations  of 
Sanscrit  books.  The  reformer  Tsongkaba,  born  (1355  p.d.)  in  Amda,  enforced  a  strict 
observance  of  the  laws,  binding  for  the  priests.  Five  foreigners,  appearing  before  king 
Thothori  Nyan  tsan  (371  p.  d.)  instructed  him,  how  to  use  for  the  general  welfare 
of  übet  four  objects,  which  (331  p.  d.)  had  fallen  from  heaven.  King  Srongtsan 
Sampo  (617-  698  p.  d.)  sent  Thnmi  Sambhota  to  India  for  the  aiphabet  and  buddhistic 
books.  Dolma  (the  two  qneens  of  king  Srongtsan  Simpo)  arc  called  Dolkar  (of  white 
colour)  and  Doljang  (of  green  colour).  Doljang  is  implored  by  wonien  for  fecnndity. 
King  Thisrong  de  tsan  (728 — 786  p.d.)  brought  the  learned  Pandit  (Bodhisattwa)  Santa 
Rakshita  (Ziva  tso)  from  Bengal  to  Tibet,  whcre  also  the  great  Gurn  (famed  by  his 
knowledge  of  the  Dhananis)  Padma  Sambhawa  (Padma  jungne  or  Urgyeu)  from  Kafi- 
ristan  (Udyana)  settled.    The  Indian  sages  superseded  then  the  Chines  priests  in  Tibet. 


Peking.  (jr, 

und   toclte    Stoffe   findet  sich   (wie  bei   Manu)   in   der  Sankhja- 
philosophie.*) 

Nach  dem  viersprachigen  Buch  der  44  Kapitel  fasste  Tschö- 


*)  Der  Saiitantika  (der  Tamuleu)    behauptet    (den    ^ivaiteu    gegenüber),  dass 
die  anfge-nachsenen  Bäume  ohne  Leben    sind  (s.   GraüI).     Die  buddhistische  Erb- 
sünde   (Klecja)    ist    der    Grund    alles    Elends    und    aller    Leiden    in  der  Existenz 
(s.  Koeppen).     Das  Schicksal  der  Buddhisten  ist    Karman  (Werk  oder  Handlung). 
Nach  der   Sänkhjaphilosophie    ist   die    Seele  (Purusha)    ewig   und    bleibt    identisch 
im  Verlaufe  der  Wanderungen.     Nach  den  Buddhisten  sind  die  Seelen  (gleich  den 
Welten  und  den  Körpern)  in  beständigem  Wandel  des  Entstehens  und  Vergehens 
begriffen,  indem  in  der  Auflösung  der  stete  Grund  der  Erneuerung  liegt.     Indem 
mit  dem  Sterben  des  Körpers  die  Seele  erlischt,  bleiben  nur  ihre  guten  und  bösen 
Thaten  mit  ihren  Folgen,  die  (als    Frucht)    zum  Keim    eines    neuen    Individuums 
werden.     Der    Sautantika  (der    Tamulen)    läugnet    die  Ewigkeit    und  Identität  der 
Seelen  in  den    verschiedenen  Existenzen ,    da  sonst  das  Bewusstsein  ohne  Anfang 
und  Ende  sein   müsste.     Der  buddhistische  Schüler  des  Vatsiputrijas  hielt  an  der 
Identität  der  Seele  in  den  Wanderungen  fest.     The  Yogacharya-system  of  Aryasanga 
(which  had  been  taught  before  by  the  saints  Nanda,  ütarasena  and  Samyaksatya) 
supposes,  that  a  soul  (Alaya)  is    the    basis    of   every  thing.     By    the  doctrines  of 
Aryasanga  and  bis  successors,    the  Nagarjuna   school    (whose    principles    had  been 
adopted  by  the  Madhyamikas  or  Rumapa)  had  sunk  almost  in  oblivion,    tili    revi- 
ved  (VII.  Century  p.   d.)    uuder    the    name    of   the   Prasanga    brauch  (founded  by 
Buddhapalita),  which  superseded    all  other  schools  of  the  Mahayaua  System  (noth 
with.'.tanding    the    attacks    made    upon    it   by  Bhavya ,    the    originator   of  the  Sva- 
tantra-Madhyamika  school).     According  to   the  Prasangas  the    two  truths  Samyriti 
and  Paramartha  canuot  be  maintained  as  either  identical  or  different.     They  have 
one  and  the  same    nature  (Ngovochig),  but  two  distinct  meanings    (togpa  nyi).  A 
Tibetan  Lama  Padma  Karpo  (16  rent.)    makes    the    deliverance    from    the  metem- 
psychosis  dependent  upon  the  knowledge  of  the  Tantras.     Nach  d'Anville  bedeutet 
Büd     die     Gottheit    der    Bod-tan    und    Bou-tan    (Tibet)     meint    Gottesland.      Die 
siamesischen    GötzenpfafFen    studiren  in    der    hohen   Schule    im  Köuigreiche  Laos 
(La  oder  Götze).     Nach  Hyde  meint  Schamane  einen  Seufzenden  oder  Schlucksenden, 
Nach  Loubere  meint  Schamane  (im  Babylonischen)  einen  Waldbruder,     Clem.  Alex, 
nennt  die  Sarmaner  Einsiedler.     Nach    Kämpfer   meint   Schaman   einen  Menschen 
ohne  Leidenschaften.     Rubruquius    erwähnt    Tuinianer    genannte  Abgötter  (Mani- 
chäer)  mit  den  Nestorianern.     Die    orientalischen    Christen    nennen   den  Mani  oft 
al  Thenaoni  und  seine  Secte  al  Thenaoniah.     Die  Kirgisen  am  Ikran-Fluss  (Hoang) 
stammten    von    Kirgis  (Enkel  des  Oguss-Chan).     Die    Jakuten   verbraunten  früher 
den  Lieblingsdiener  des  Herrn  im  Leichenfeuer,   damit  er  ihm    im    andern  Leben 
diene  (Fischer).     Die    Bekenner  der   schamanischen    Religion   legten    sich    auf  die 
Weltweisheit,  und  die  Anhänger  der  brahminischen  Religion  gestehen  selber,  dass 
sie  alle  ihre  Wissenschaften  ihnen  zu  danken  haben.     Sie  lesen  aach  die  von  den 
B  a  .s  t  i  a  11 ,   Reise.  VI.  5 


6ß  Zweites  Kapitel. 

shun  (der  Verehrungswürdige  der  Welt)  den  Gedanken ,  dass 
der  Geist  ruhig  zu  halten  sei,  um  den  Sieg  zu  erlangen  und  die 
Dämone  zu  überkommen.  Durch  vollkommene  Gleichgültigkeit 
wird  der  Stand  Buddha's  erreicht.  Die  Shamen  (Zuhörer;  müssen 
den  Kopf  schaben  und  nur  einmal  am  Tage  Nahrung  zu  sich 
nehmen.  Ein  pflichtgetreuer  Shamen  ist  einer  Kuh  zu  vergleichen, 
die  im  tiefen  Schlamme  watet,  weder  rechts  noch  links,  nach 
keiner  Seite  blickt,  sondern  nur  bedacht  ist,  aus  diesem  Schmutz 
herauszukommen.  Gleich  dem  Honig,  der  beim  Genüsse  sieb 
süss  erweist  durch  und  durch,  von  Aussen  und  von  Innen,  so 
ist  die  Lehre  der  Sutra  (king).  Das  Buch  Kuan-sin-lun  (Herzens- 
betrachtung) war  von  Bodhidharma  abgefasst.  Buddha's  (Fo's) 
Hauptschüler  war  Kasyapa  (Kiascho)  und  Onan  (Ananda).  Kai- 
ser Angwanti  sammelte  die  buddhistischen  Bücher,  Kaiser  Kai- 
huaug  (unter  der  Suay-Dynastie)  theilte  die  Bücher  in  Jeau- 
tcheng  (Hiuayaua  oder  kleines  Fahrzeug),  Ta-tcheng  (Mahayana 
oder  grosses  Fahrzeug)  und  Za-kiug  (Mischbücher),  wozu  später 
noch  die  I-king  (zweifelhafte  Bücher)  kamen. 

Nagarjuna*)   (Long-schun    oder   der    Drachenbaum)  betrat 


Schamanen  noch  übriggebliebenen  Schriften,  als  alte.  Indessen  haben  die  Brah- 
ininen  sie  als  Abgötter  verfolgt  und  nicht  eher  gernht,  bis  sie  sie  nach  und  nach 
vertrieben,  so  dass  sich  seit  600  Jahren  keine  Spuren  mehr  von  ihnen  diesseits 
des  Ganges  antreffen.  Die  jenseits  des  Ganges  herrschenden  Religionen  sind 
lauter  Sprösslinge  von  der  schamanischen.  Auch  die  lamaische  ist  nur  eine  (aus 
der  alten  schamanischen)  reformirte  Religion,  Bei  den  alten  Schamanen  war  bei 
Entstehung  einer  Gottheit  weder  Zeit,  noch  Ort,  noch  Stand,  Person  oder  Nach- 
folge ausgemacht,  aber  bei  den  Lamaiten  folgt  in  unverrückter  Ordnung  ein  Gott 
auf  den  andern  in  der  Person  des  grossen  Lama.  Die  Religion  der  alten  Mon- 
golen ist  gleichfalls  aus  der  schamanischen  entstanden  (schrieb  Fischer  17G8).  The 
exact  Ceylonese  Chronology  begins  with  king  Dushtagamani  (161  a.  d.) 

'^)  Seven  of  the  Snake-kiiigs  are  not  liable  to  be  pecked  up  by  Goruda 
or  kruth,  on  account  of  their  sanctity.  Nebo  est  le  dieu  de  Tintelligence,  qui 
d'apres  l'id^e  des  Chaldeens,  s'engendre  par  elle-meme  (Oppert).  Sacya  Sinha 
(the  apostle  of  the  notions  of  the  Buddha  faith)  existed  about  the  beginning  of  the 
Christian  Era,  as  the  flfth  Buddha  legislator,  and  distinct  from  Gautama,  vyho 
lived  the  sixth  Century  before  its  (s.  Hamilton).  A  work  on  medicine  is  ascribed  to 
Nagarjuna.  The  history  of  Calhaua  (1148  p.  d.)  commences  (in  the  Raya  Taringini) 
with  the  fabulous  ages  (in  Cashmir)  and  comes  down  to  Sangrama  deva  (1027 
p.  d.)     Kaananv^os  nohi    FavSa^ixav   (bei  Stephanus   Byzanz)   is   Casyapa  pur 


Peking.  67 

600  Jahre  nach  Buddha's  *)  Nirvana  die  Höhle  des  Drachen- 
könig's  und  entnahm  von  dort  die  kleinste  der  drei  Buehabschrif- 
ten,  Hwa-jeu-king-  (blumig  ehrwürdiges  Buch)  genannt,  deren 
Lehren  er  durch  Indien  verbreitete.  Es  wurde  zuerst  in  das 
Chinesische  übersetzt  unter  der  Tsin-Dynastie  (3.  Jhd.  p.  d.). 
In  seinem  Anfang  heisst  es:  So  habe  ich  sagen  hören.  Einst 
weilte  Buddha  im  Lande  Magadha's  an  dem  Lehrplatz,  dort  das 
richtige  Verständniss  erlangend.  Dann  folgt  die  Beschreibung 
des  mit  kostbaren  Steinen  und  allen  Arten  von  Schönheiten  ge- 
schmückten Landes,  das  den  Baum  der  Erkenntniss  (Putthi)  ent- 
hält. Als  Buddha  seine  Macht  entfaltete,  erschien  der  Bodhi- 
sattwa  des  Ta-tcheng  (Mahayana),  um  Fulai  (Tathagata)  zu  prei- 
sen,  der  auf  seinem  Löwensitze**)  (Szö-tchö-tzo)  ruhete.    Dann 


(Caslimir  and  Cashappur).  Under  the  reign  of  the  Turushka-kings ,  the  doctrine 
of  the  Bauddha  was  iutroduced  in  Cashmir  by  Nagarjuna.  According  to  the 
Tatars  their  patriarch  Oghuz  subdued  Cashmir  and  introduced  the  religions  of 
Japhet  Cashmir  became  a  Bauddha-country  under  Tatar  princes  shortly  after  the 
death  of  Sacya  Sinha  (s.  Wilson).  According  to  Maximin  of  Tyre ,  when 
Alexander  entered  ludia,  the  king  Taxilus  showed  him  a  great  serpent,  which  he 
nourished  with  care  and  revered  as  the  image  of  his  God  (Dionysos  or  Bacchus). 
Panda  (according  to  Pliny)  was  a  city  of  the  Sogdians.  According  to  Arrian,  the 
Pandaean  region  was  denominated  after  Pandaea  (daughter  of  Hercules,  who  gover- 
ned  it)  who  was  boru  there.  According  to  Arrian,  Hercules  was  particularly 
worshipped  by  the  Suraseni  [Sura  or  wine-drinkers],  the  people  on  the  Sobares, 
whose  chief  eitles  were  Methora  Mathora  [with  the  orgies  of  Dionys  in  the  shape 
of  Krishna]  and  Kleisobora.  The  country  of  the  Panda-vas  was  the  only  Indian 
country  governed  by  Queens  (according  to  Megasthenes).  Sura,  the  most  ülustrious 
of  the  Yadas,  was  the  father  of  Vasudeva.  His  daughter  was  called  Pritha 
(according  to  the  Mahabharata). 

*)  Die  nördlichen  Buddhisten  setzen  Nagarjuna  400  Jahre  nach  Buddha  an,  die 
südlichen  500,  in  die  Zeit  von  Kanischka  (23  p.  d.).  The  eagle  of  Krishna  pursues 
the  snake  (Buddha)  to  recover  the  books  of  science  and  religion ;  the  gulf  of  kutch 
is  the  point,  where  the  serpent  attempted  to  escape.  The  Buddhist  and  Jains  are 
stigmatised  as  Vedyavan,  which  (signifying  „possessed  of  wisdom")  is  inteipreted 
„magician".  The  representative  of  Buddha  at  the  period  of  Crishna  was  Nema-nath 
(Arishta  Nemi  or  the  blaek  Nemi). 

**)  'Eyco  Zilxco  ßuaü.iaxos  NovßaScov  y.ai  öl.cov  tcov  Aid'ioncof  nennt  sich 
Xsojv  auf  der  Unterwelt  und  'Ä^/js  oben.  La  conquete  turque  a  coustitue  an 
Bulgarie  et  surtout  en  Bosnie  une  sorte  de  noblesse  feodale,  compos^e  de  Slaves 
renegats,  appelles   par  leurs  freres  chretiens  Poturitzi  (les  turqulses).     Chacuu  de 

5* 


ßg  Zweites  Kapitel. 

nahten  die  Götter  und  die  Dämone,  die  Tientzö  (Söhne  der  Devas), 
die  Devas  des  Himmels  Tusehita,  des  Himmels  Yama,  die  Könige 
der  Gandharva,  der  Bi-Chama  (Jaxa),  der  Bilu-Kumbadha,  der 
Bilu-Paja-Naga-Raja  (Köuig-e  der  Drachen),  alle  Gathas  (Ki) 
singend  zum  Lobe  Buddha's.  Nachdem  andere  Gathas  von  der 
Versammlung  gesungen  worden,  sprach  der  Pushien-ßodhisattwa 
eine  Gatha.  Dann  erwachte  in  der  Gesanimtheit  der  Wunsch, 
Alles  zu  kennen*)  über  die  Menge  der  Welten  und  die  Natur 
der  Buddha's.  Die  in  ihrem  Geiste  aufsteigenden  Gedanken,  als 
das  Grundprincip  des  Mahayana,  erweckten  in  ihnen  den  Wunsch, 
Buddha  um  eine  Erklärung  seiner  Wesenheit  und  seiner  Lehren 
zu  bitten. 

In  dem  Tape  (grosse  Gnade)   betitelten   Buche**),    das  (in 


ces  seigneurs  da  haut  de  sa  Koula  (tour  crenele'e  et  armes  en  guerre)  reproduit 
contre  les  pauvres  raias  toutes  les  depr^dations  des  tyrans  du  moyen  äge  (Robert). 
*)  Two  or  three  of  them  got  rouud  me  and  begged  me  for  the  twenthieth 
time  to  teil  them  the  name  of  my  country  (in  the  Aru-islands).  They  then 
attacked  me  on  another  point,  what  all  the  animals,  birds  and  insects  and  Shells 
were  preserved  so  carefiilly  for  (They  all  come  to  life  again,  dont  they  ?).  „Be- 
fore  you  came  we  had  rain  every  day,  very  wet  indeed,  now  ever  since  you  have 
been  here,  it  is  fine  hot  weather."  What  (said  the  old  man)  is  the  great  ship, 
where  she  Bugis  and  Chinamen  go  to  seil  their  things.  It  is  always  in  the  great 
sea,  its  nanie  is  Jong,  teil  us  all  about  itl  (Perhaps  that  is  yonr  country?)  ,,dont 
go  away."  They  wanted  to  know,  if  I  had  met  their  people  (who  went  to  the 
sea  and  never  came  back  again)  in  my  country  (or  in  the  sea).  They  thought, 
they  must  be  there.  „You  must  know  (say  they),  you  know  every  thiug,  you 
make  the  flne  weather  for  your  men  to  shoot,  and  you  know  all  about  our  birds 
and  our  animals,  as  well  as  we  do,  and  you  go  alone  in  the  forest  and  are  not 
afraid.'"  Therefore  every  confession  of  ignorance  on  my  part  is  thought  to  be  a 
blind,  a  mere  excuse  to  avoid  telling  them  too  mach.  Were  I  to  choose  to 
mystify  them  (fügt  Wallace  hinzu)  miracles  without  end  would  in  a  few  years 
Cluster  about  me  (as  a  supernatural  being).  Meru  war  der  erste  König  der  Sandwich- 
Insulaner.  In  Yucatan  verehrte  man  während  der  Schalttage  den  Gott  Mam  (den 
Alten  oder  Ahnherrn). 

**)  The  Shes-rab-kgi-pha-rol-tu-phyin-pa-stong-phrag-brgya-pa  (Shata  sahasrika 
prajua  paramita)  was  trauslated  from  Sanscrit  into  Tibetan  (9tli  Century)  by  the  In- 
dian  Pandits  Jina  Mitra  and  Sureudra  Bodhi  and  the  Tibetan  Lotsawa  (Lochchhava) 
Ye-shes-sde.  The  philosophical  discussions  of  the  Prajna  paramita  are  divided 
in  108  subjects  (Dharmas)  terms  or  phrases.  To  the  Kon-tsegs  of  the  Tibetan 
belongs   the  Byanis-pahi-sengehi-sgra-chhen-po   (Maitreya   maha    sinha   nadana)  or 


Gebettbrm  angeordnet)  die  Bilder  der  84  Verehrungswürdigen 
zeigt,  reitet  Punchean  auf  einem  Elephanten,  Mandjusri  auf  einem 
Löwen.    Maider  (Maitreya),  den  die  Mongolen  links  von  Shekia- 


the  great  lion  sound  (or  voice)  of  Maitreya.  To  the  Tathagatas  after  Maitreya 
belong  Seng-ge  (the  lion),  Rah-gsal  (the  very  pure  or  clear)  etc.  The  naked 
Brahman  (gymnosophist)  Bden-smra  induces  by  bis  praises  the  king  Stum-Po-Rab- 
Snang  of  Djjayani  (the  Hphags-rgyad)  to  visit  and  listen  to  Gautama,  who  is 
without  defects  (according  to  the  Tibetans).  The  Rdo-rje-hjigs-byed-chhen-po 
(Vajra  maha  Bhasrava)  shows  höw  to  obtain  the  favour  of  the  great  terrifying  Vajra 
(a  god  or  deifled  saint).  Sumagadha,  daughter  of  a  rieh  householder  at  Shra- 
vastu  (in  Kosala)  induces  her  family  to  invite  Shakya  and  his  disciples,  as  being 
disgusted  with  the  manners  of  the  naked  Brahmin  priests.  Inanaka,  formerly  a 
god,  afterwards  a  new  incarnation  among  men  had  by  Shakya  (who  instructed  his 
uiother  in  heaven)  dispelled  his  fear,  respecting  his  future  birth  in  an  impure 
animal  Shwasa  Maha,  the  prince  fchief)  of  the  Bhuts  (evil  spirits)  takes  refuge 
with  Buddha  (Shakya)  and  promises,  that  he  will  not  hurt  those,  who  possess 
the  Dharani,  called  Rig-snags-kyi-rgyal-po-dougs-chhen-po  (Vidya  Raja  shwasa  maha). 
The  System  of  Dus-kyi-hkor-lo  (Kala-chakra)  or  the  circle  of  time  (a  god  persiding 
over  inferior  gods),  which  teaches  (besides  the  rites  for  male  and  female  deities) 
the  doctrine  of  Adi-Buddha,  originated  in  the  North  of  Asia  (in  Shambhala)  in 
the  environs  of  the  river  Sihon  (Sita)  and  was  introduced  into  India  in  the 
lÜth  Century  p.  d.  (Csoma  Körösi).  The  Sum-chu-pa  and  Rtags-kyi-hjng-pa,  the 
most  ancient  grammatical  works  of  the  Tibetau  language,  was  composed  in  the 
7^1»  Century  p.  d.  by  Sambhota.  According  to  Odoardo  Barbessa  (1576)  Narasinha 
(Baysena)  reigned  in  Vijayanagar.  According  to  the  Lalitavistara  and  the  Mnon- 
par-Hbyungva  (of  the  Thibetans)  Shakya  resided  (before  his  last  incarnation)  in 
Saldan  (the  heaven  Tushita),  whither  he  had  ascended  through  his  former  merits. 
When  Kasyapa,  his  pedecessor,  was  about  to  leave  Saldan  (and  to  become  in- 
carnate  as  Buddha),  Shakya  (then  being  a  Bodhisattwa  of  the  lOth  degree  of  per- 
fection)  was  chosen  as  Viceregeut  in  Tushita  (to  be  the  instructor  of  the  gods) 
and  inaugurated  by  Kashyapa  with  his  own  diadem.  As  a  Bodhisattwa,  under  the 
name  of  Dam-pa-tog-dkar,  he  remained  in  Tushita,  tili  the  time  when  men  lived 
only  100  years.  When  he  descended  to  become  a  Buddha,  he  appointed  Mai- 
treya (Chamba)  to  be  his  vice-regent  (Csoma  Körösi).  Being  saluted  by  the 
gods  of  the  Shakya  (as  devata  deva  or  Lhahi  Lha)  Sakya  (after  his  birth)  was 
entrnsted  to  Gautami  (his  aunt) ,  who  (together  with  32  nurses)  took  care  of 
him.  Having  overcome  all  the  temptatipns  of  Kama  deva,  Shakya  became 
Buddha.  By  sending  the  half  of  his  sitting  couch  or  pillow  to  his  disciple  Hod- 
srung-chhen-po  (Maha  Kashyapa),  Shakya  appointed  him  to  be  his  snccessor  and 
Hierarch  after  his  death.  At  the  beginning  of  Buddha's  preaching,  there  were 
6  atheistical  teachers  (Purua  Kashyapa,  Maskari  Gohaliputra,  Sanjayi  Vairahiputra, 
Ajita  Keshambalah,  Akuda  Katyayana,  Nirgrantha  Inyatsi)  in  Ceutral-India,  oppo- 


YQ  Zweites  Kapitel 

muni  stellen,  war  bestimmt,  zuerst  Buddha  zu  werden,  wurde 
aber  durch  Shekiamuni  betrogen,  indem,  als  sie  das  erste  Auf- 
blühen des  gepfianzten  Samens  als  Entscheidungszeichen  gewählt 
hatten,  Shekiamuni  während  ]\Iaider's  Schlaf  den  Blumentopf 
Maider's,  ehe  noch  die  Blumen  aufgebrochen  waren,  mit  dem 
seinigen  vertauschte.  Shekiamuni  wird  dargestellt  mit  gefalteten 
Händen,  Maider  mit  einer  Blume  in  der  Hand.  In  der  Mongolei 
muss  wegen  der  Seltenheit  der  Frauen*)  (in  der  Mongolei  und 
Tibet)  jeder  zweite  Sohn  ein  Lama  werden.  Die  grosse  Masse 
der  Lamas  versteht  selten  mehr,  als  die  sanscritische  Formel 
und  vielleicht  einige  Gebete,  zu  denen  sie  neue  hinzuleraen,  wenn 


sed  to  his  teachings.  Gaut;.mi  (Shakya's  aunt)  was  of  the  Gautama-tribe.  The 
diviuity  Lha  of  the  Shakyas  was  an  idol  representing  a  divinity  of  the  Yaksha- 
kind  and  kept  in  a  temple.  The  inanimate  images  of  several  gods  (as  of  Gu- 
lang,  Skemchet,  Lusnam,  Dava  Nyama  Rnam-thns-bu ,  Indra,  Brahma,  Jigten 
Skyong),  stood  up  and  prostrated  themselves,  as  soon  as  Bodhisattwa  (Shakhya) 
put  the  sole  of  his  right  foot  into  the  temple.  When  the  devil  Kama  (Dut  or 
Mara)  was  informed  of  Bodhisattwa's  approaching  exaltation,  he  assembied  all  his 
troops,  the  white  ones  on  his  right,  the  black  ones  ou  his  left  side.  The  flrst 
party  under  Kartikeya  (Kama's  son),  as  their  leader,  stand  for  Bodhisattwa  and 
endeavour  t«  dissuade  their  father  from  attaining  the  saint,  who  cannot  he  over- 
powered.  The  left  side  remain  with  Kama  and  exhort  him  to  flght,  since  it 
as  imposslble  not  to  conquer  with  such  troops.  Dut  (Mara)  is  the  Ishwara  of 
the  Camadhatu.  Ananda,  diving  into  ground,  took  his  seat  in  the  assembly 
of  Arhat. 

*)  II  y  a  chez  eux  beaucoup  plus  d'hommes,  que  de  femmes,  sagten  (6.  Jahrhdt. 
p.  d.)  die  Chinesen  von  den  Juetschi.  Vielmännerei  kommt  in  Ceylon  vor,  wenn 
die  Brüder  nicht  reich  genug  siud ,  um  jeder  eine  Frau  zu  ernähren.  Das  kleine 
Dschü  ^äkyamuni  genannte  Bild  stellt  Buddha  als  zwölfjährigen  Knabsn  in  Be- 
schauung versunken  dar.  Der  Kranke  opfert  ein  goldenes  Blatt  und  befestigt  es 
an  dem  Theile  der  Buddha-Statue  (in  Khotan),  an  welchem  er  leidet.  Der  Bodhi- 
sattwa Avalokitecjvara  trat  dem  Anbeter  aus  seinem  Bilde  im  Kloster  bei  Kabul 
im  Strahlenglanz  entgegen.  In  den  Räumen  des  buddhisten  Tempels  Ablai  Küt 
(in  der  Kirgisensteppe)  wurde  eine  Maschinerie  aufgefunden,  wodurch  die  Bild- 
säule sich  auf  einen  Ruck  erheben  konnte.  Die  Königstochter  von  Nepaul  brachte 
Maitreya  (mit  zwei  Buddhabiidern)  nach  Tibet.  Unter  Altan  Chan  stellten  die 
tibetischen  Geistlichen  überall  Bilder  des  Maitreya  auf.  Manche  Lamen  machen 
es  zum  geistlichen  Zeitvertreib,  ihren  Brustlappen  durch  häutiges  Zupfen  und 
Drücken  das  Aussehen  einer  weiblichen  Brust  zu  geben,  um  dem  Vorbilde  zu 
gleichen. 


PeKiiijr.  •J'j^ 

sie  im  Rang  eine  Stufe  höher  steigen.  Sonst  ziehen  sie  handelnd 
und  ihre  Heerden  hütend  umher ,  wie  die  anderen  Mongolen. 
Das  Buch  Che-pen  zeigt  den  Himmelssohn  Fouki  mit  dem 
Saiteninstrument  Kin,  als  ersten  Gesetzgeber*)  und  Begründer  der 
Sittlichkeit  unter   den  Chinesen  (s.  Gladish).     Kaiser   Kai   (von 


*)  The  peual  Statute  iu  the  parliament  of  Kilkenny  (after  stating,  that  the 
degenerate  Eiiglisb  had,  in  modern  tiujes.  adopted  Irish  dress  and  half  shaved 
their  heads  and,  wearing  the  long  flowing  locks  or  culans)  enacted,  that  all  Eng- 
lishmen  shonld  wear  their  head  dress  at  least  in  the  English  fashion  and  not 
twine  their  hair  into  culans,  under  penalty  of  imprisonment  and  degradation  to 
the  level  of  mere  Irishmen.  Si  in  causa  privata  iter  agens  ad  Burgundiouis 
domum  venerit,  et  hospitium  petierit,  et  ille  domum  Romani  ostenderit,  et  hoc 
potuerit  adprobari ,  inferat  illi  cujus  domum  ostenderit ,  solidos  tres,  et  multae 
nomine,  solidos  tres.  Nach  dem  burgundischen  Gesetz  mussten  alle  Burgunder 
und  Römer  des  Dorfes  es  ersetzen,  wenn  durchreisende  Gesandte  einen  Hammel 
oder  Schwein  geschlachtet,  oder  Heu  verlangt  im  Winter.  Garamantum  regem 
canes  ducenti  ab  exilio  reduxere,  proeliati  contra  resistentes  (Plinius).  Kriegs- 
gefangene werden  als  Sclaven  behandelt.  Poiro  (bei  den  Caraiben)  oder  Mero 
(bei  den  Maypuren)  die  Guahibos,  Chirlcoas  und  Guamas  heissen  in  den  Missionen 
Indios  andantes.  Das  südliche  Kreuz  Bahumehi  (der  Fisch  Serra-Salme)  bei  den 
Pareni.  Das  in  Folge  der  fränkischen  Erorberung  auch  in  Italien  mehr  und  mehr 
verbreitete  Lehnswesen  änderte  (unter  den  Longobarden)  die  Formen  des  Grund- 
besitzes. Indem  die  karolingischen  Herrscher  sich  der  Austheilung  von  Beneficien 
als  eines  Mittels  bedienten,  die  Grossen  des  Reiches  enger  an  sich  zu  ketten  und 
einen  Anhang  zu  gewinnen ,  wandten  sie  hierzu  zunächst  die  alte  terra  flscalis 
der  früheren  einheimischen  Könige  an,  die  mit  der  Eroberung  in  ihre  Hände 
übergegangen.  Nach  der  Eroberung  Melfi's  theilten  die  Normannen  das  Land 
unter  zwölf  nach  Alter,  Geschlecht  und  Verdienst  gewählte  Grafen  (Wilhelm  von 
Apulien).  Wladimir  M.  (f  1015)  theilte  sein  Reich  unter  seine  zwölf  Söhne  (mit 
der  Oberherrlichkeit  des  in  Kiew  residirenden  Grossfürsten).  In  Island  wurde 
die  Duodecimaltheilung  angewandt  (nach  dem  Landnamabok).  Haut  prutto,  Con- 
tract  (wie  pretton,  stringere)  ist  handfesting  im  Scand.  (das  Durchflechten  der 
Finger  beim  Rechnen).  Pictet  verbindet  mit  dem  sanscr.  taue  oder  tang  in  tan- 
gitio  (notio)  oder  (irl)  tiunge  (serment)  das  litth.  tikti  (tinku),  convenir,  agreer, 
proprement  toucher  [wie  die  tahitischen  Tiki  vermittelnl.  Pour  un  transfert,  une 
donation,  une  vente,  un  portage,  le  fe'tu  (halm,  festuca)  etait  jete  (halmwurf) 
ofFer,  re^u  (s.  Pictet).  En  vieux  frangais  on  trouve  rompre  le  feston  pour  reuon- 
cer,  abandonner  (und  so  der  Fetisch  bei  feierlichen  Gebräuchen).  Die  Geschichte 
der  Insel  Man  beginnt  mit  dem  alten  Könige  Mannanan-beg-mac-y-Lheirr  (kleiner 
Mannanan  von  Lheir),  der  durch  Zauberkünste  (im  Versetzen  von  Bergen  und 
Feuerausbrüchen)  seine  Insel  vor  fremden  Einfällen  schützte.  Die  Erde  heisst 
Mannu  (pudami  oder  nela)  im  Telugu.     Iu  Ho  (Kol  und  Saiital)  heisst  die  Ziege 


'J'2  Zweites   Kapitel. 

welchem  die  Hea-Dynastie*)  durch  den  Shangfürsten  gestürzt  wird) 
Hess  (auf  Anregung  der  Kaiserin  Mohe)  Weinseen    mit   Brateu- 


Meroni,  in  Mundala  Meraui,  in  Lanibliiciiong  (Nep.')  Mendi,  in  Kolami  Meke. 
Nacl)  Arnold  wurde  Lado  und  Mano  von  den  Wallachen  verehrt.  Maiias  heisst 
im  Böhmischen  eine  unfürmlicbe  Figur  oder  ein  Götzenbild.  The  king  (the 
Cbakravati  Raja),  whose  forehead  has  recei\ed  the  royal  consecration ,  baving 
thrown  bis  mautle  over  one  Shoulder,  and  placed  liis  right  Kuee  ou  the  ground, 
with  bis  right  band  pushes  the  divine  wheel,  saying:  „Turn  venerable  and  divine 
treasure  of  the  wheel,  with  the  Law,  but  not  witbout  the  Law'  (in  dem  Laiita- 
Vistara).  Manno  tres  tllios  assignant,  e  quorum  nominibus  proximi  Oreano  In- 
gaevones,  medii  Herminones,  ceteri  Iscaevones  voceiitur.  Quidam  anteni  lirentia 
vetustatis  plures  deo  ortos  pluresque  gentis  appellationes,  Marsos,  Gambrivios, 
Suövos,  Vandalios  affirmant,  eaque  vera  et  antlqna  nomina  (Taeitus).  Die  poli- 
tische Stellnng  wurde  nach  dem  Bilde  des  höheren  oder  geringeren  Alters  be- 
zeichnet ;  zu  Senones  steht  lyyQ'uavt'i  (wie  inj  oder  jung)  im  Gegensatz  (s.  Küns- 
berg),  als  Mattiaci  am  Rhein.  Die  Hellenen  waren  ursprünglich  in  drei  Stämme 
oder  Abthellnngen  gesondert,  unter  denen  Einer  die  laoves  (javana  sanscr.)  oder 
Jungen  genannt  wurde.  Regni  (Allobrogum.  bei  denen  dann  Alle  das  Kecht  hatten, 
die  Briga  oder  das  Tribunal  zu  besetzen)  certamine  ambigebant  fratres,  major  et 
qui  prins  imperitarat,  Brancus  nomine,  minore  ab  fratre  et  coetu  juniorum  [wie 
etwa  die  Knappen  bei  den  Kru  gegen  die  Gnekbade,  ähnlich  den  Frauen-Revolu- 
tionen in  Amazonenstaaten],  qui  jure  minus,  vi  plus  poterant,  pellebatur  (Livius). 
Mana  est  un  nom  du  nord  indien  (sum  ana  au  froment).  A  l'ossete  manuau 
(froment)  correspond  l'irlandais  maiu ,  pain  (mäni  en  beloutchi)  ou  nourriture 
(Pictet). 

*)  La  dynastie  de  Hia  (2205  a.  d.)  eleva  un  temple  au  Chang-ty,  sous  le 
nom  de  Che-cby  (maison  des  gene'ration,  et  des  siecles).  Les  chang,  qui  lui 
succederent  (1766  a.  d),  rebätiren  ce  temple  et  l'appelerent  Tschoa-on  (maison 
renouvelee).  Les  Tscheou  (1122  a.  d.)  flrent  elever  un  autre  temple  et  le  nom- 
merent  Ming-tang  (le  temple  de  la  lumiere.  Dans  la  suite ,  des  autres  dynasties 
imaginerent  de  separer  en  deux  le  mot  Ming  compose  de  cbaracteres,  Ge  (soleil) 
et  Yue  (lune)  et  bätirent  un  temple  au  soleil  et  un  autre  ä  la  lune  (s.  Desguignes). 
.Jaokuin  ou  Laotze  (de  la  provinoe  Hoiian)  se  retira  dans  le  Tatsin,  ou  il  ecrivit 
son  livre  Tao-te-king  (le  livre  de  la  puissance  du  Tao),  ne  604  a.  d.  Les  am- 
bassadeurs  pour  faire  venir  l'esprit  Fo,  emmenerent  deux  Cbamens.  His  majesty 
calls  water  cooled  with  saltpetre  the  water  of  life,  heisst  es  in  Ayeeu  Akbery  des 
Abul  Fazil  (s.  Sladwiu).  Unter  den  verschiedenen  Alphabeten  wurde  (im  Ayeen 
.Akbery)  genannt  the  Cashmeeree  und  the  Ryhang,  Nach  Hiuen  Tbsang  waren 
die  Könige  von  Bamian ,  Udjäna,  Himatata  und  Qämbi  Abkömmlinge  der  in 
Kapilavastu  residirenden  ^'äkja,  die  sich  als  Verbannte  nach  Norden  flüchteten. 
Während  Capt.  Hannays  Besuch  des  Irawadi  erhielt  der  Kaiser  von  Birma  einen 
Brief  (1836)   froni  the    royal    eider    brother    Taukwang,    Emperor  of  China,   „wbo. 


Peking.  73 

bergen  für  seine   Ausschweifungen  herrichten  (nach   dem  Schu- 
king)   1767  a.  d.     Die  Priester   Buddha's   erkennen   Obere   an, 


assisted  by  the  Sagya  Nat  (Indra,  as  the  Burmese  versiou  of  tlie  Chinese  Teeu) 
rules  over  a  iniiltitude  of  Umbrella  wearing  Chiefs  in  the  great  Eastern  Empire" 
by  .,his  royal  youDger  brother,  sun-descended  king,  lord  of  the  golden  palace, 
who  rules  over  a  multitude  of  ümbrella-weariug  Chiefs  in  the  great  Western 
Empire"  (s.  Yule).  Hannay  speaks  of  the  Kadös,  as  being  the  most  interesting 
of  the  northern  tribes,  „like  the  Yos,  one  of  the  old  Bnrmese  races  and  similar 
to  what  we  see  of  the  Bhurs  and  Rauje  Bhurs  of  the  present  day,  a  race  known 
by  tradition  as  the  oldest  of  Indian  races"  (Yole).  The  ,,new  Kookies"  of  northern 
Kachar  recognise  one  all-powerful  God  as  the  author  of  the  nniverse,  whom  they 
term  Puthen  (Stewart).  The  Khyens  worship  a  divinity  called  Passine  (Traut). 
Les  habitans  de  Bhatbo  ou  Nepal,  qui  rasent  tous  la  tete  (bis  auf  zwei  Locken  an 
den  t«chläfen)  malen  sich  die  Stirn  in  Parallelstreifen  weiss  mit  Kreide  uud  einen 
retheil  Punkt  zwischen  die  Augenbrauen.  Les  Pe-mou-joung  (barbares  de  l'arbre 
bianc)  iuhabiteut  le  petita  Inde  (Siao-si-thian  on  le  petit  ciel  occidental).  Um 
am  Rio  Limaö  Bonha  (que  assim  se  chama  o  de  Pegu)  ein  grosses  Gebäude  auf- 
zuführen, befahl  der  König  von  Pegu  seinen  Vasallen  (el  Rey  de  Brama),  Arbeiter 
zu  liefern,  die  aber  (da  der  König  von  Pegu,  um  sich  ungestört  mit  seinen 
Frauen  zu  belustigen  ,  keine  Wachen  mitzunehman  pflegte)  eines  Tages  über  die 
Kostbarkeiten  des  Lagers  herfielen  und  den  König  von  Pegu  tödteten.  Obwohl 
der  Sohn  desselben  (Dacha  Roupi)  in  Pegu  auf  den  Thron  gehoben  wurde^ 
brachen  doch  überall  Revolutionen  der  unterworfenen  Völker  aus,  und  der  König 
von  Bramä,  die  Gelegenheit  benutzend,  eroberte  alle  umliegenden  Königreiche 
(reynos  dos  Lanjoes,  Laos,  Sangamäs)  und  zuletzt  Pegu  selbst,  das  Königreich 
Ava  gründend  (s.  Diogo  de  Couto).  Diogo  de  Couto  hörte  von  der  admiravel 
Pagode  (que  chamam  do  Canarä)  an  der  11ha  de  Saisete  que  sem  duvida  aquella 
obra  se  flgera  por  mandado  do  pai  do  Santo  Sosaphat,  pera  o  recolher,  e  crear 
nella,  como  dizama  lenda.  E  como  nos  temos  della,  que  fera  fllho  de  hum 
grande  Rey  da  India,  bem  pode  ser,  como  ja  dissemos,  que  fosse  este  o  Budäo» 
de  que  alles  contam  tantas  maravilhas  (1556).  Den  Zeiten ,  aus  welchen  die 
Wundererzählungen  stammen,  waren  die  Wunder  noch  natürlich.  Sie  sahen  nicht 
den  Unterschied  (des  jetzigen  Wunderbegrififs)  zwischen  der  uatürlicheu  und  über- 
natürlichen (suprauaturalen)  Thätigkeit  Gottes,  weil  sie  weder  den  jetzigen  Begriff 
Natur,  als  eines  ununterbrochenen  Zusammenhangs  stetiger  Gesetzmässigkeit,  noch 
manche  andere  Gesetze  neuerer  Entdeckung  kannten  (s.  Lang).  Die  Wunderfaota  ent- 
stammen den  Zeiten,  denen  der  Naturbegriff  noch  fehlte,  die  Wuudertheorie  bildete 
sich  zugleich  mit  der  Entstehung  des  Naturbegriffes.  Les  religieux  Tchou,  revenant 
du  Si-yu  (984  p.  d )  avec  le  religieux  etranger  Mitaulo  ou  Mitra  apoprta  das 
lettres  du  roi  de  ITnde  du  nord  et  de  Nalautho  (Nalanda),  qui  s'assageait  sur  on 
trone  orne  de  diamaut  (Vadjräsanam).  II  y  ont  en  autre  brahmane  Yongchi 
et  un  sectaire  heretique  de  la  Perse  (Ali  in),  qui  arriverent  eusemble  a  la  capitale. 


74  Zweites  Kapitel. 

die  (in  China)  Ta-lio-chang   oder  Grossbonzen  genannt  werden 
(s.  Girard).*) 


Selon  Yongchi  le  roi  (Yu  lo  ou  te  oi  Ajenifo)  de  Li-te  ^tait  vetu  de  jaune  et 
portait  un  bonnet  enrichi.  Sortant  (sur  nn  öl^phant  on  dans  un  palanquin)  il  fut 
preced^  de  miisiciens ,  visitant  les  couvents  bouddhiques,  il  distribuait  des 
aumones  aux  pretres  (Mohoni  ou  Mahann)  fllvelin  rouge  (s.  Matouanlin).  Zaino 
(Tchang)  des  Hei  portait  des  vetement  noirs.  Le  pays  de  kao  tchang  (Oigours) 
a  appartenu  dans  l'origine,  aux  Han.  Lorsque  Yente  arriva  pour  le  premiere  fois 
aux  frontieres  de  Tata  (Tartares)  il  vit  (981  a.  d.  un  grand  nombre  de  descendaus 
des  Chinois,  qui  etaient  tomb^s  au  pouvoir  des  res  barbars  sur  la  fin  de  la 
dynastie  des  Tsin.  Les  huit  divinites ,  uommees  Kin  bang  (en  Chinois)  Dhoroze 
(en  tubetain)  et  Vatsirtou  ou  les  diamantiques  (en  Mongol)  ont  la  direction  de  la 
plage  occidentale  du  monde.  On  les  represente  come  des  guerriers  d'nn  air 
farouche,  niais  parfaitement  rpssemblant  entre  eux,  avec  des  cuirasses  d'or  et 
portant  des  glaives  d'nne  mattere  precieuse  dans  la  main.  11s  sont  charges  de  prote'ger 
la  loi  de  Bouddha,  et  c'est  pour  cette  raison,  qu'on  place  lenrs  statues  devantles  temples. 
'■^)  Apres  Budoris  (Buderich")  nous  atteignons  Asciburgium ,  ancien  camp 
romaiu,  place  sur  la  hauteur  d'Asbourg,  et  qui  est  ä  la  fois  cit^  par  la  carte 
rentiere  de  Tbeodose  et  par  Tacite  (auch  in  den  Kriegen  mit  Civilis).  Ptoleme'e 
place  Ascibourg  sur  la  rive  droite  du  Rhin  (de  Ring).  Im  Brunnen  Budaa  (bei 
Medina)  wurden  die  Kranken  drei  Tage  lang  gewaschen,  nm  geheilt  zu  sein  (s. 
Kazwini).  La  physionomie  des  Tokkari  (des  prisonniers,  vaincus  dans  une  bataille 
navale,  livree  par  Rhamses  III,  ou  XlII  si^de  a.  d.)  indique  le  type  celtique. 
Nach  Plinius  traf  man  in  allen  Ländern  Kunsterzeugnisse,  die  etruskischen  Ur- 
sprungs gewesen.  Als  Idol  oder  Amulet  wurde  in  Steiermark  ein  keltischer 
Eber  aufgegraben.  Von  Enten  oder  Hünen  (Riesen)  heisst  der  Hügelgräber  (in 
Deutschland)  Entenbühel  oder  Hünengräber  (als  Lohbücken  oder  Frauenhäuschen). 
Ariovist  hatte  zwei  Frauen,  ein  Vorrecht,  das  (nach  Tacitus)  nur  dem  Adel  (der 
Germanen)  zukam  [und  der  Churchus],  In  Rom  erzogen,  wurde  Marbod  nach 
der  Rückkehr  Fürst  der  Markomannen.  Die  römische  Station  castra  vetera  (wo 
sich  die  römischen  Legionen  an  Civilis  ergaben)  ward  von  d'Anville  auf  den 
Vor.'stenberg  gesetzt  (bei  Xanthen).  In  der  römischen  Station  zwischen  Feld- 
kirchen und  Neuenbürg  wurden  Figureu  der  Isis  und  des  Anubis  gefunden.  Co- 
lonia  Trajana  (zwischen  Vetera  und  Burginatiura)  wird  mit  Kellen  oder  Kelln 
(bei  Cleves)  identiflcirt.  Butos  (mit  dem  Orakel  der  Göttin  Buto)  wird  von  Herodot 
in  den  chemmitischen  Nomos  gesetzt,  heisst  aber  PSsvott^s  (bei  Ptolem.)  und 
Ptenetha  (bei  Plinius).  Die  früher  schwimmende  Insel  in  Bovriitr]  Xiupt]  war  der 
ursprüngliche  Sitz  vom  Orakel  der  Buto,  als  vom  Typhon  verfolgt,  Isis  dort- 
hin floh.  Sanctio  in  den  Agri  Decumates  (bei  Amm.)  wird  mit  Seckingen  identi- 
flcirt. SavSävES  heisst  (im  Periplus)  der  Herrscher  der  Umgegend  Bombay's, 
die  (bei  Ptolem.)  als  'A^iant]  SaSivcov  erwähnt  wird.  Refert  Hippolytus  Helyot, 
fratres   Saccarios    sive   Saccitas,    quibus    nomen  a  vestimentis   erat,   formam  sacci 


Pekinp:  Y5 

Orakel*)  werden  aus  den  Kao-tsc  (aufgeworfenen  Hölzern) 
oder  den  Tsyen  (Pfeilen  in  einer  Schachtel)  gezogen. 

Ausser  der  Privatcapelle  des  Hauses  haben  die  meisten  Fa- 
milien einen  durch  Generationen  hindurch  bewahrten  Tempel  für 
die  Ahnen**)  gebaut,  wo  sich  in  jedem  Frühling  alle  Angehörigen 


referentibus,  Valentinianae  in  Hannonia  fratres  Beguinos  propterea  voc-atos  saecuJo 
decimo  tertio  fuisse,  quod  orbis  Beguinae  gubernatioiii  eorum  sese  crediderant 
(Mosheim). 

*)  Um  Orakel  zu  befragen,  setzen  sich  zwei  Männer,  die  von  aller  moralischen 
Befleckung  rein  sein  müssen,  einander  gegenüber  (niiter  den  Kirgisen).  Jeder 
hält  einen  Pfeil  an  dem  Ende,  woran  die  Spitze  befestigt  ist,  in  der  Hand,  und 
drückt  ihn  sehr  fest  an  den  Boden,  doch  so,  dass  die  Enden  der  Schäfte  beider 
Pfeile  einander  berühren.  Dann  spricht  jeder  der  beiden  Männer  eine  Gebet- 
formel,  nnd  während  dieser  Zeit  fangen  die  Pfeile  an  sich  zu  erheben ,  wie  fest 
sie  auch  an  den  Boden  gehalten  werden.  Der  eine  oder  der  andere  steigt  höher. 
Bisweilen  stossen  sie,  wie  kämpfend,  zusammen  oder  weichen  einander  aus.  Der- 
jenige Pfeil  endlich,  welcher  nach  der  dreimaligen  Wiederholung  des  Gebets  über 
dem  andern  bleibt,  zeigt  an,  dass  die  Partei,  der  er  repräsentirt,  den  Sieg  davon- 
tragen werde  (Kaidalow).  Tschang- kiaug,  Gesandter  des  Kaisers  Wuti,  gelangte 
durch  Fergana  und  Sogddana  zn  den  Fürsten  der  Yueti,  der  die  Ta-hia  (Dacier) 
unterworfen  hatte  (s.  Schott).  Die  Ufer  des  Janghi-darja  (neuen  Flusses)  waren 
einst  (nach  den  Traditionen  der  Kirgisen)  von  einem  zahlreichen  Volke  bewohnt, 
das  blühende  Städte  gründete,  aber  eine  unbekannte  fremde  Nation  überfliithete 
das  Land,  gab  dem  natürlichen  Laufe  des  Flusses  eine  andere  Richtung,  zerstörte 
die  Städte  und  schleppte  ihre  Bewohner  als  Gefangene  fort  (s.  Kaidalow).  Die  Kir- 
gisen verbrannten  einen  Tataren,  den  sie  (weil  er  Bücher  bei  sich  führte)  für 
einen  Zauberer  hielten.  Die  Roksolanen  sind  die  Russen  der  Burgen  (Alan).  Die 
Hiongnu  (nördliche  Barbaren)  werden  von  den  Chinesen  für  Stammväter  der  Tu- 
kiu  (Türken)  gehalten. 

**)  Phraortes,  which  in  old  Persian  was  Fravartish  (Behist.) ,  seems  to  be  a 
mere  varlant  of  the  word  which  appears  in  the  Zendavesta  as  Fravashi  and  desi- 
guates  each  man's  tutelary  genius  (Fravardin  or  Frohars).  The  derivation  is  cer- 
tainly  from  fra  (Gk.  Ttoo)  and  probably  from  a  root  akin  to  the  German  „wahren", 
French  .,guarder",  English  „word,  watch"  etc.  The  meaning  is  a  „protector''. 
(Rawlinson.)  Hesychius  übersetzt  Devas  (Ssvas)  rovs  xaxovs  (dxdxovs)  Seovs-  Die 
weiten  Züge  der  Saken  oder  (denn:  „aus  ^^  scheint  aa,  tt,  hervorzugehen."  oarrco 
meint  adxos  neben  aäyrf)  die  Säten  haben  das  Wort  „Sack"  ausgestreut,  wie  die 
Meerfahrten  der  Spanier  „Sabon".  Seit  unter  Subhan-deo  (König  von  Orissa)  die 
Yavana  (unter  Rakta  Bahn)  eingefallen  (318  p.  d.),  herrschte  die  Yavana-Dynastie 
bis  473  p.  d.  (Stirliug).  Nunda,  Rajah  der  Kallindger  (bei  Allahabad  am  Ganges) 
wurde  von  Mahmud,  dem  Ghazneviden,  besiegt  (als  Nachkommen  der  Gangarides 
Callingae).     The    Persians,  of  whom  Shalraanassar  IL    took   tribute    (IX.  Jahrhdt. 


7G  Zweites  Kapitel 

(aus  den  verschiedenen  Lebensverhältnissen,  wie  sie  gewöhnlich 
in  den  grösseren  P'amilien  Chinas^  wo  erblicher  Adel  fehlt,  durch- 
einanderlaufen) zusammenfinden.  Indien  oder  Teen-chuh  (Teen- 
tuh  oder  Sindu),  durch  die  Expedition  Changkien's  bekannt  ge- 
worden (126  a.  d.),  wird  zuerst  unter  den  Han  (65  a.  d.)  er- 
wähnt. Als  der  von  She-hwang-te  wegen  Lesens  der  von  einem 
Samanäer  erhaltenen  Bücher  gefangene  Le-fang  mit  seinem  Ge- 
fährten den  Maha-pra  jna-paramita  recitirte,  füllte  ein  glänzendes  *) 


a.  d.)  are  noticed  first  by  the  assyrian  iuscriptions  in  south  westeru  Aruienia  and 
found  by  Seniiacherib  (VIII  Century)  northeast  of  Susiana.  Der  Rbodier  Simmias 
stellt  die  Hyperboräer  mit  den  Halbhunden  oder  Hundsköpfen  zusammen.  Cyrus 
schickte  (nach  Herodot)  Gesandte  an  die  asiatischen  Griechen,  sie  zum  Abfall  von 
Lydleu  zu  bewegen.  Nach  Cteslas  starb  Cambyses  an  einer  zufälligen  Verwundung, 
als  er  sich  in  Babylon  mit  Holzschnitzen  unterhielt.  The  name  Umman  (found 
in  many  royal  Sussanian  names  towards  the  close  of  the  Assyrian  empire)  or 
Imanish  (Imanes)  was  adopted  by  the  Persian  Martes  (in  revolt  against  Darius). 
Ochus  verkaufte  die  Ruinen  von  Sidon  (wo  die  Belagerten  sich  in  den  Häusern 
verbrannten)  für  das  Gold  und  Silber  der  Aschen.  Feridun  oder  Afridun ,  Sohn 
des  Apiten  oder  Alkian  (Sohn  des  Dschemschid)  theilte  (nachdem  er  Zohak  be- 
siegt) seinem  Sohne  Salm  die  Länder  in  Westen  bis  Afrika  (und  des  Maghreb) 
zu  (nach  dem  Tarikh  Cozideh),  dem  Tur  die  orientalische  Türkei  (bis  zu  Fagfur 
Chinas)  und  Irakam  Iran  (Vater  des  Manugeher).  Ben  Schohnah  identiflcirt 
Feridan  mit  dem  älteren  Dhulcarnaim  oder  Escander  [Hysos  in  Ammon  oder 
Ammoniter  mit  Asken  und  Osken],  der  die  Mauer  gegen  Gog  und  Magog  baute 
[Avaris  gegen  die  Assyrer].  Die  Ruinen  Babylons  heissen  Eski  Nimrod  (das  alte 
Nembrod).  Die  Solimane  residirten  in  der  vor-adamitischen  Stadt  Fanoun. 
jJvya  {^Aoyr])  axoxEiva.  Die  Kalmücken  theilen  sich  in  die  Torgoden  und  Torgo- 
uten  (Riesen,  die  Tschingishkan's  Leibwache  bildeten),  Dorbeten  (auf  dem  rechten 
Flügel),  Dsungaren  (auf  dem  linken  Flügel),  Choschoten  oder  die  Muthigen.  Homer's 
Ethiopier  sind  fehlerlos  (dfi-vfioves). 

*)  At  the  conclusion  of  Gautamas  preaching  one  of  the  Zats ,  his  father 
attained  the  State  of  an  Anagan.  After  having  caused  him  to  attain  the  first 
tbree  states  of  Areeyo,  he  called  his  priests  and  set  out  for  Yazagro.  The  young 
Gautama ,  reproached  by  his  relatives ,  as  only  eujoying  himself  and  knowing 
nothing  about  the  war,  called  two  famous  archers  and  went  throngh  their  exercises 
with  them.  After  Yahaula  (son  of  Yataudaja)  has  followed  his  father  Gautama,  the 
forbade  the  priests  (by  pain  of  excommunicats)  to  receive  any  without  paternal 
permit.  When  the  people  of  Yazagro  heard,  that  Gautama  had  given  permission 
to  the  priests  (praising  them,  or  having  been  content  tili  then  with  poor  sack 
cloth)  to  receive  cloths,  they  were  exceedingly  joyful,  as  having  now  on  oppor- 
tuuity  to  get  some    merit.      When   the    rieh    man  of  Yazagro  set  up    his  rice-pot 


Peking,  77 

Licht  das  Gefänguiss.   Der  Gelehrte  Tsin-king  empfing  (2  a.  d.) 
Bücher   Buddha's  oder  (nach  Chang-kien)   Fow-too   (s.  Thorntou). 


on  abamboopole  for  the  Yahanda,  who  would  conie  Ihrougli  the  air  to  take  it,  Nata- 
poke,  the  teacher  of  the  heretics  (Satliattara)  made  a  show,  as  if  iiitending  to 
fly  up,  but  bis  disciples  had  order  to  keep  liiin  back  preteiidlng  that  a  wooden 
rice-pot  was  not  worth  flyiug  for  it.  Maukalau,  hearing  of  it,  took  a  great  rock 
between  bis  toes  aud  stood  with  it  for  seven  days  in  the  air  over  the  place  and 
then  Splitting  it  (frighteniiig  the  people)  took  the  rice-pot.  On  bis  return  to  the 
monastery,  Gautama  broke  the  pot  and  said  ,,Be  careful  you  do  not  make  aiiy 
more  display  of  your  power."  The  heretics  hearing  of  this  defeuce,  called  it  a 
cunning  devise,  and  boasted  now  all  over  the  country  of  their  ruiraculous  powers. 
On  the  kings  wish,  to  have  their  mouth  stopped,  Gautama  was  ready  to  perform 
the  wonders  (althougt  forbidden  to  bis  disciples)  himself  and  did  so  in  Thawuthee- 
country  (having  a  building  of  mango-trees,  opposite  to  the  shed  of  the  heretus, 
erected  with  posts  of  the  Sha-tree),  Walking  along  the  sky  (half  Are,  half  water), 
and  (because  nobody  could  ask  him  questions)  causing  the  appearance  of  a  former 
Boodh  to  converse  with.  When  he  asked  questions,  the  apparent  Boodh  would 
answer.  When  the  appearance  walked,  Gautama  laid  down  and  the  reverse  after 
that,  Gautama  spent  bis  lent  in  Tawadeingta-Nat-country ,  from  where  he  was 
brought  back  by  Maukalan,  who  (having  pierced  the  earth)  ascended  to  the  Nat- 
couutry  and  conducted  him  to  the  multitude  in  Thaawuthee,  wich  would  not  des- 
perse,  until  having  worshipped  the  Boodh.  The  Pouah  of  king  Azalathat  in 
Magadha,  being  received  by  the  Weiksa-king  (in  Waythalee)  at  bis  pretensions  of 
being  unjustly  banished,  sowed  discord  amongst  them  and  then  sent  secretly 
for  the  army  of  his  master.  In  the  erowd  of  people  at  Tharepoketara's  death, 
his  (by  him  converted)  mother  Yawadee,  who  was  not  seen,  was  thrown  down  and 
troddeu  to  death,  but  was  immediately  seen  in  Tawadeingta-Nat-country  in  a 
golden  palace.  Gautama  extolliug  the  virtues  of  Tharepoketara  (the  disciple,  who 
had  asked  permission  to  go  and  die)  caused  a  pagoda  to  be  built  to  his  memory, 
exclusing  his  relics.  Sitting  down  at  Zapala,  Gautama  said  to  (the  shikooing) 
Ananda:  .,Ananda,  Waythalee  country '  is  a  place  for  much  enjoyment.  The 
Odayna-Nat  resides  in  a  pleasant  place.  The  pagoda,  where  a  Nat  named  Gau- 
tama resides  is  a  pleasant  place.  Zapala  pagoda,  where  the  Zapala  Nat  resides 
is  a  pleasant  place.  A  priest  ought  to  increase  in  the  four  laws  of  Eikdeikbat 
and  persevere  in  practising  them  over  and  over  again.  It  is  suistable  to  be 
very  diligent  in  it.  If  a  priest  had  such  a  mind  and  desired,  he  might  live  a 
hundred  years  or  an  innumerable  nuraber  of  ages.  I  have  persevered  and  have 
practised  over  and  over  again  these  four  laws  and  if  I  pleased  could  remain  as 
long  as  I  wished."  This  he  repeated  three  times.  Though  Gautama  in  this 
manner  gave  Ananda  the  hint,  he  being  blended  by  pride,  did  not  think  to  ask 
Gautama  to  remain  for  the  benefit  of  mankind,  but  remained  silently  shekooing. 
Having  sent  Ananda    away  for  a  short    time ,    the  Boodh  (left  alone),  assailed  by 


78  Zweites  Kapitel. 

Ein  Gemälde  von  Laotse  zeigt  auf  einer  Terrasse  (auf  der 
Spitze  eines  Berges)  Laotse,  von  Gefährten  umgeben,  im  Lien- 
kwoa-kwan  (dem  Pallast  des  Lotus),  über  den  acht  Göttern  des 
Taouismus,  die,  auf  Wolken  reitend,  in  verschiedenen  Stellungen 
erscheinen ,  seitlich  und  in  den  Schluchten  des  Gebirges  Han- 
tchang-li  (der  Kriegsgott)  reitet  aut  einem  Fabellöwen,  Chiau- 
kwoa-lau  (der  Gott  des  Greisenthums)  auf  einem  weissbärtigen 
Pferde,  Tsau-kwo-tchion ,  der  Gott  der  Theatervorstellungen,  er- 
hebt sich  mit  ausgebreiteten  Händen,  Nanschungleh  (der  Gott  der 
Musik)  spricht  mit  einem  eine  Flöte  haltenden  Begleiter,  Chägoli 
(der  Gott  des  Rauschtrunkes  oder  Chiuh)  erscheint  in  schwarzem 
Gesicht,  Lötungpin  (der  Gott  der  Arzneikunst)  erhebt  seine  Hände 
in  lehrende  Stellung,  Hoschienkuh  (die  Blumengöttin)  trägt 
Blumenbüsche.  Hanschi angsUh  (in  der  Gestalt  eines  laufenden 
Knaben)  war  eine  niedrige  Persönlichkeit,  die  durch  ihre  tugend- 
hafte Aufführung  unter  die  Götter  erhoben  wurde.  Der  Taouis- 
mus*)  wird  Laou-Taou  (alte  Vernunft)  genannt.    Tae-shang  ist 


Maha-Nat  with  the  question  aboiit  bis  going  to  Neigbau ,  sent  forth  a  violent 
respiration  and  there  was  such  an  earthquake  that  it  was  sufflcieut  to  make  tbe 
hairs  of  oue's  bead  to  rise  up.  Ananda  at  liis  return,  asked  Gautama  to  stay 
(for  the  benefit  of  men ,  Nats  and  Brahmaiis)  for  the  time  of  one  Ayukat,  but 
Gautama  answered,  that  it  was  too  late  now.  „When  I  conversed  with  you,  you 
did  not  ask  me.  At  this  time  I  have  with  exertion  respired  and  it  will  be 
improper  for  me  to  return  to  my  former  State."  The  bones  of  men  are  joined 
by  touchiug  at  the  ends,  the  bones  of  a  Semi-boodh  are  joined  by  hooks,  one 
hanging  on  the  other,  but  the  bones  of  a  Boodh  are  joined  like  the  links  of  an 
iron-chain,  therefore  if  he  desires  to  look  behind  him,  he  must  turn  his  body 
like  au  elephant.  When  Gaudama  thought  to  look  at  Waythalee,  as  there  is  no 
reason,  why  a  Boodh  who  is  perfect  in  viitue  should  trouble  himself  to  turn 
round,  the  earth  turned  round  like  a  potters  wheel  and  placed  the  face 
of  Gautama  towards  Waythalee.  The  reason  why  he  looked  at  the  country 
was  that  in  a  little  more,  than  three  years,  the  people  would  be  destroyed  and 
in  the  place,  where  he  looked,  there  would  be  built  a  pagoda  (Nagapa  lauketa) 
for  worship.  In  the  grove  (presented  with  a  monastery  previous  to  Gautama)  of 
Songda  (a  goldsmith's  son)  Gautama  eat  the  rice  and  pork,  which  gave  him  the 
fatal  diarrhoea.  The  Bongmaso  Nats,  who  reside  near  the  Engyen  trees,  shook 
their  flowers  upon  the  sick  Gautama.  Thongh  the  Nats  can  see  through  common 
men,  they  cannot  see  through  the  priests  because  of  their  great  glory. 

*)  Der  Sohn  des  nach  Westen  gereisten  Laotse  nahm  den  Namen  Fo  an  und 


Peking.  79 

das  höchste  Wesen  (in  der  Tao-Seete),  von  Thae  (schlüpfrig\  was 
gross  und  alldurchdring-eiid  bedeutet,  sowie  shang-  aufsteigend. 
Kea  bedeutet  in  Familie  oder  im  Haus  und  Tao-kea  ist  die  Seete 
derTao.  Schih-keh  bedeutet  das  Verschlucken  und  Unterdrücken 
des  Athems,  wie  bei  den  Taou  gebräuchlich. 

Das  Uer-du-mai-zwuen  (gesammelte  Erzählungen)  betitelte 
Buch  enthält  im  ersten  Bande  Legenden  über  die  Götter  (Shen), 
im  zweiten  Auszüge  aus  dem  Buche  Jwa,  im  dritten  Kriegs- 
beschreibungeu ,  im  %äerten  Abhandlungen  über  Gemälde  und 
Gewerbszweige,  im  fünften  Sentenzen  des  Confucius  und  im 
sechsten  Mittheilungen  über  die  hundert  Stämme  und  das  ßegie- 
rungswesen  Chinas.  Kangsi's  Dictionär  Kangsi-sye-yen  besteht 
in  6  Bänden  (jeder  in  6  Abtheilungen)  von  Worterklärungen. 

Die  Gestalt  der  alten  Buchstaben  (Gou-sze)  ist  verändert. 
Hankow  bezeichnet  den  Eintritt  der  Chinesen  (Han),  Kwantung 
(Canton)  den  grossen  Osten,  Tounjo  den  Durchbruch  der  Provinz, 
Ziaman  (Aminay)  das  Thor  des  Sommers,  Shan-si  die  Berge  des 
Westens,  Shensi  the  far  west.  Die  Bewohner  Shansis,  durch 
eine  alte  Mauer  von  Cheli  geti-ennt,  werden  Lao-Si-Urh  (die  alten 
Söhne  des  Westens)  genannt.  Leute  mit  viereckigen  Augen*) 
(Yeu-fang)  werden  1000  Jahre  alt.  Shin  sind  Wesen,  die  stets 
ihre  Gestalten  wechseln  und  zum  Himmel  aufsteigen.  Drei  Mo- 
nate nach  der  Geburt  beginnt  der  Säugling  zuerst  mit  den  Augen 
zu  beobachten.     Pferde  haben  Nachtaugen,  die  auf  ihren  Kuieen 


baute  anf  der  Sterbestätte  seines  Vaters  den  Tempel  von  Pirna  (500  li  ä  l'occideut 
de  Knthian  ou  Kotan).  Mohammed  liess  die  pfeilertragende  Fignr  des  Abraham  in 
Mekka  zerstören,  da  der  arabische  Schech  nichts  mit  Pfeilern  zu  thun  hat.  Als 
Nimrod  alle  neugeborenen  Knab*  n  tödten  liess ,  da  ein  anderer,  Sterne  Ter- 
schlingender  Stern  die  ihm  unheilvolle  Geburt  verkündete,  wurde  Abraham  heim- 
lich in  der  Höhle  geboren.  Les  premiers  Hindous  dont  parle  l'histoire  des  Han, 
dans  la  description  des  contrees  occidentales,  sont  nommes  Yuntou,  et  entiere- 
ment  assimiles  aux  Tartares  dont  ils  habitaient  le  pays  et  imitaient  la  vie 
nomade. 

*)  Petherick  hörte  die  Erzählung  eines  Negers,  der  Menschen  mit  vier  Augen 
besucht  hatte,  dann  solche  mit  einem  Auge  unter  dem  Arme,  dann  geschwänzte 
Leute,  Zwerge  mit  langen  Ohren.  Nach  Fräser  gleicht  das  turcomanische  Pferd 
mehr  als  ein  anderes  in  Asien  dem  englischen.  The  greyhound  (in  Media)  is 
supposed  to  have  been  introduced  into  this  part  of  Asia  by  the  Macedonians. 


80  Zweites  Kapitel. 

angebracht  sind,  so  dass  sie  bei  nächtlichen  Reisen  den  Weg 
finden.  Beim  Eidesleistcn  erschlägt  der  Chinese  das  Opfer  und 
beschmiert  sich  mit  dem  Blute  desselben,  die  Götter  davon  be- 
nachrichtigend und  sie  zu  bitten,  mit  ihm  ebenso  zu  verfahren, 
wie  er  mit  jenem  Thier,  sollte  er  meineidig  sich  erweisen.  Ein 
Musikant  heisst  Ku  (Blinder),  weil  früher  als  solche  Blinde  ver- 
wandt   wurden.     Yuh-ku    sind    die    kaiserlichen  Musikanten.*) 


*)  Den  Aegyptern  galt  die  verhasste  Trompete  (die  aus  der  Zeltwolke  über 
dem  Tabernaculum  der  Juden  erschallte)  als  die  Erfindung  des  feindlichen  Esel- 
gottes Seth.  Erce,  rüdes  asini  rerum  fastigia  seandunt  (Cor.).  Dem  Franken- 
steiner Eselslehen  gemäss  forderten  die  Stadtschreiber  von  Darmstadt  (als  einige 
Weiber  ihre  Männer  zu  schlagen  unterfangen)  die  Frankensteiner  auf:  „dem 
alten  Herkommen  gemäss  den  Esel  zu  schicken,  auf  dass  des  übermüthigen, 
stolzen  und  bösen  Weibes  Gewalt  noch  unterdrückt  wird  und  nicht  weiter  ein- 
reisst  (indem  man  sie  zur  Strafe  darauf  reiten  lässt)  1536—1538  p.  d.  [Negerclubs. ] 
Der  redende  Bileams-Esel  wird  mit  des  Selenos  Esel  zusammengestellt.  Shiloh 
bindet  seinen  Esel  an  den  Weinstock.  Der  dreibeinige  Opferesel,  den  die  Bak- 
trier  im  Abgrund,  in  der  Luft,  im  Himmel  anschauen,  ist  ein  Gegenstück  zum 
einbeinigen  und  dreibeinigen  Opferbock  der  ältesten  cephemischen  Gandharven, 
der  arischen  Marutas  und  Rudrasah.  In  indischen  Volksmärchen  erscheinen 
Gandharven  oft  in  der  Eselshülle  oder  Eselshaut.  Dem  hyperboräischen  Gotte 
wird  der  Esel  als  feindlich  geopfert.  Saturn  war  in  Südindien  Shanaishtscharah, 
der  Eselsgott,  dem  die  brahmanischen  Asier  fluchen  (s.  Eckstein).  Nach  Er- 
mordung des  Apis  Hess  der  Perserkönig  Ochis  den  Esel  vergöttern  (s.  Adian). 
Der  böse  Geist,  den  die  Mutter  demjenigen  in  den  Leib  geflucht  hatte,  der  von 
dem  sauren  Käse  gegessen,  hatte  unter  der  Zunge  gesessen,  während  die  Magd 
das  Sacrament  nahm  (1529)  in  Stralsund  (nach  Sastrow).  Bei  der  Procession  am 
Palmsonntag  (in  St.  Gallen)  sprechen  die  vor  der  Figur  auf  den  Esel  knienden 
Schüler  lateinische  Sentenzen.  Indras  führt  eine  kreuzförmige  Waffe  (Vajrah  oder 
Donnerkeil),  mit  welcher  er  den  Ahis,  Vritras  und  andere  Dämone  schlägt.  When 
the  schismatic  disputant  in  Magadha  was  asked  to  explain  the  ,,meaning  conveyed 
in  the  braying  of  an  ass"  and  was  confuted  by  the  Thero,  called  Rewato,  he 
inquired,  hearing  of  a  passage  from  the  Abhidhammo,  whose  manto  it  was ,  aiid 
hearing  that  it  was  Buddha's  manto,  entered  the  sacerdotal  order,  becoming 
famous  as  Buddhaghoso  (the  voice  of  Buddha)  and  translating  (in  Ganthakaro 
wiharo  at  Anuradhapura  in  Ceylon)  the  Atthakatha  (after  the  dewas  had  miracn- 
lously  produced  three  books  on  his  first  attempt)  according  to  the  grammatical 
rules  of  the  Magadha,  which  is  the  root  of  all  language  (according  to  the  Maha- 
wanso).  Zu  dem  zaubernden  Oboth  im  Dienste  des  dämonischen  Ob  (bei  den 
Juden)  gesellte  sich  der  Yidonim  (s.  Eckstein).  Die  Rudrasah  (Diener  des 
feurigen    Rudra)    martern   sich    ab    und    purgiren    sich ,    ihre   Leiber    ausleerend 


Peking.  ^\ 

Räuber  sollen  die  schlafbringeudeu  Eigensehafteu  einer  Stra- 
monium-Art  ver\A'enden,  um  durch  das  Verbrennen  des  Krautes 
die  Insassen  des  zu  bestehlendeu  Hauses  einzuschläfern.  Hwau 
(schmutzige  Kleider  waschen)  bezeichnet  eine  Dekade,  weil  die 
Alten  alle  zehn  Tage  ein  Bad  nahmen.  Chaou  (früh)  kommt 
von  Radual  Yueh  (Mond).  Ko,  der  Fruchtbaum  mit  seinen  Kronen, 
bedeutet  ausnehmend  und  überschreitend.  Chingko  (kwo)  ist 
das  Erreichen  der  Vollkommenheit  in  der  buddhistischen  Religion. 
Yin-ko  ist  die  Absorption  im  Buddhathum. 

Acht  Arten  des   Grusses*)  werden   unterschieden   (nach  de 


(ririkvansas  tanvah).  Die  Sonne  macht  die  Bewohner  der  ihrem  Scheitelpunkt 
zunächst  liegenden  Länder,  die  Aethiopen  (in  der  ersten  Erdzone)  ganz  ver- 
brannt und  schwarz,  die  Bewohner  der  weit  von  ihrem  Scheitelpunkt  abliegenden 
Länder,  die  Skythen  und  Russen,  lässt  der  scli wache  Grad  ihrer  Hitze  unreif, 
roh  und  weiss  (nach  Kazwini).  Der  Saturn  heisst  (nach  Ibn  Abbas)  der  hell- 
leuchtende Stern,  weil  sein  Licht  eine  Tiefe  von  sieben  Himmeln  durchdringt, 
ehe  es  zu  uns  gelangt.  Savitar  oder  Saturn,  als  Sonne ,  den  Sternhaufen  neben 
dem  grossen  Bär,  nennen  die  Araber  Elhulba,  das  struppige  Haar  (das  Haar  der 
Berenice).  According  to  Ribeiro,  the  Passes  (on  the  Amazon)  possessed  a  Cosmo- 
gony,  believing  the  sun  a  flxed  body,  with  the  earth  revolving  arround  it.  In  the 
ceremonial  dances  of  the  Tucuna-Indians  (on  the  Amazon)  the  biggest  and  ugliest 
mask  represents  the  Jurupari  or  demou  (s.  Rates).  The  Muras  (on  the  Amazon) 
used  formerly  to  wear  tusks  of  the  wild  bog. 

*)  In  der  ptolemäischen  Hoftitulatur  heisst  jede  Königsgemahlin  dSsX^^, 
auch  wenn  sie  dem  Manne  nicht  in  diesem  Grade  oder  gar  nicht  verwandt  ist 
(s.  Bachofen).  Tatenii's  Mutter  verlangt  von  Armai  (im  memphitischeu  Serapeum) 
das  Geld  ihrer  Tochter,  weil  diese  bereits  in  dem  Alter  stehe,  nach  ägyptischer 
Sitte  beschnitten  (Tts^iTS/uveaSai)  zu  werden  (nach  den  papiri  Gr.).  Während  die 
übrigen  Arkaderstädte  sich  damit  begnügten,  jeden  (wegen  Vernachlässigung  der 
Musik  rohen;  Cynaetheuser  aus  ihren  Mauern  fortzuweisen,  veranstalteten  die 
Mantineer  Lustrationen  der  Stadt.  Die  Schnauzbarte  sind  ein  charakteristisches 
Zeichen  der  tributären  Kaste  bei  den  Indianern  Mexicos.  Die  von  den  Neger- 
sclaven  abstammenden  Kasten  sind  von  den  Gesetzen  für  ehrlos  erklärt  und 
müssen  Tribut  zahlen  (nach  Fray  Antonio)  in  Mexico  (s.  Humboldt).  Bei  den 
Angelsachsen  bildeten  die  Ersten  des  Standes  den  Micelgemot,  auch  in  der  Ver- 
sammlung der  Shire  kamen  die  Vornehmsten,  nur  in  der  Hundertschaft  alle  ferneren 
Grundbesitzer  zusammen.  Alemannen  und  Longobarden  legten  Eide  auf  geweihte 
Waffen  ab.  Vergehen  hatten  (bei  den  Germanen)  den  Verlust  der  Freiheit  un- 
mittelbar zur  Folge ,  indem  derjenige ,  der  die  verwirkte  Busse  nicht  zahlen 
konnte,  dem  Verletzten  als  Knecht  übergeben  wurde.  Ebenso  zog  die  Zahlungs- 
Bastian,    Reise  VI.  6 


82  Zweites  Kapitel. 

Courcy),  als  Kong-chao^  Tso-yih,  Ta-tsien,  Tsien,  Kotao,  Sau-kao, 
Lou-kao  und  San-kouei-kiou-tao. 

Die  chinesische  Kochkunst  liebt  die  Mischung  verschiedener 


Unfähigkeit  die  Schuldknechtschaft  nach  sich  (s.  Pfahler).  Die  Lechen  waren  in 
Polen  die  Besitzer  des  unmittelbaren  Besitzthums,  die  Kmethen  (oder  niedere 
Klasse)  des  mittelbaren.  Mit  der  Christianisirung  Polens  entstand  der  Adel 
(Szlachta).  Bei  den  Kmethen  (in  Polen)  erbte  der  jüngste  Sohn  der  Famüie. 
MassalsM  und  Polubinski  wurde  (in  Polen)  der  Fürstentitel  bestritten,  da  sie  nur 
Kniazien  (aus  dem  Geschlechte  der  Herren)  waren.  Ptoleni.  erwähnt  die  Chuni 
zwischen  den  Roxolanern  und  Bastarnern.  Als  sich  das  unterjochte  slawische  Volk 
(Sarmatae  servi)  gegen  die  Jazygen  (Sarmatae  liberi)  empörte  (334  p.  d.),  wurde 
ein  TheU  des  Landes  vom  Joche  befreit.  Die  grossen  Mogylen  (Grabhügel)  und 
die  (an  Flüssen  oder  in  Wäldern  gefundenen)  Erdwälle  in  Podlachien  erinnern 
an  die  Kämpfe  der  Jatwjeser  (nach  Swiecki).  Le  titre  Patrice,  qui  etait  celui 
de  la  plus  haute  dignite  des  Empires  d'Occident  et  d'Orient,  et  que  les  Rois 
Rourguignons  avaient  regu  des  Romains,  s'etait  conserve  dans  leur  royaume  apres 
que  les  enfants  de  Clovis  en  eurent  fait  la  conquete,  on  le  donnait  aux  Seigneurs, 
qui  etaient  nommes  pour  gouverner  les  Provinces  de  ce  Royaume  voisines  de 
ritalie  (s.  Dunod).  Nachdem  Ingiald  (nach  Ausrottung  der  Fylkiskönige)  die 
gesammten  schwedischen  und  gothischen  Reiche  unter  seine  alleinige  Herrschaft 
gebracht  hatte,  Hess  er  Wiger  Spa,  den  Landrichter  in  üpland,  ein  nach  den 
upländischen  Gebräuchen  und  Gerichtssprüchen  eingerichtetes  Gesetzbuch  an- 
fertigen (das  auch  den  zu  König  Birger's  Zeit  verfassten  Gesetzen  untergelegt 
wurde).  Als  aber  Ifvar  Vidfadmi  (Sohn  des  dänischen  Königs  Halfdau  der 
Schnelle)  Schonen,  als  sein  Erbtheil  (vom  Brudersohn)  in  Besitz  genommen  und 
zur  Rache  heranrückte,  tödtete  Ingiald  sich  selbst  (775  p.  d.)  und  sein  vom  Volke 
verbannter  Sohn  Olaf  zog  westwärts  über  die  Marken  nach  der  nördlichen  Seite 
des  Wener  zu  der  Berggegend  des  Wärmeland  hin  (wo  er  die  Felder  ausrodete). 
Als  Ifvar  Vidfadmi  streng  und  unumschränkt  in  Schweden  zu  regieren  anfing, 
wanderten  Viele  aus  nach  Wärmeland  (zu  dem  Spross  ihres  alten  Königs- 
geschlechts). Als  wegen  Uebervölkerung  Theurung  ausbrach,  wurde  Olaf  dem 
Odin  als  Brandopfer  gebracht  (780  p.  d.).  Sein  Sohn  Halfdan  (von  Sölva,  der 
Tochter  des  Fylkiskönigs  Halfdan  Gullt  und  auf  Solöjar  in  Norwegen  geboren) 
wurde  zum  König  erhoben  und  suchte  sich  (das  enge  Land  zu  erweitern)  mit  ge- 
waffneter  Hand  nach  der  norwegischen  Seite  zu  durch  Eda-skog  Platz  zu  machen. 
Das  Land  des  erschlagenen  Königs  auf  Solöjar  (Sölve)  wurde  seinem  Tochter- 
gohn  gegeben,  der  sich  auch  das  Rauma-Reich  unterwarf,  und  den  ersten 
Grund  zu  der  norwegischen  Monarchie  legte.  Von  ihm  stammte  Harald 
Harfagr,  der  (als  Monarch  über  ganz  Norwegen)  das  Ynglinger  Geschlecht  auf 
den  norwegischen  Thron  setzte.  Ingiald  (Halfdan's  Bruder)  folgte  in  der  Re- 
gierung Wärmelands,  das  aber  nach  seinem  Tode  durch  Halfdan  besetzt  und  von 
Jarlen  regiert    wurde.      Asa    (Olaf's   Tochter)    war    an    Olaf   Fräken    (König   von 


Peking.  83 

Fleischsorten  in  den  Ragouts  und  schreibt  das  Holz  vor,  mit  dem 
sie  zu  kochen  sind,  Maulbeerbaumholz  für  Hühner,  Akazienholz 
für  Schweine,  wogegen  Theewasser  mit  Fichtenholz  zu  sieden  ist. 
Das  Fleisch  weisser  Hammel  wird  vorgezogen.  Als  Arznei- 
mittel *)  werden  besonders  Rhabarber,  Gentian,  Ginseng,  Campher, 


Däuemark)  vermählt.  Ifvar  Vidfadnii  (nach  seiner  Königswahl  in  Schweden) 
suchte  auch  die  Fylkiskönige  in  Dänemark  zu  vereinigen,  und  trat  deshalb  (während 
des  Krieges  mit  Wittekind)  in  Verhandlungen  mit  Carl  M.  Esharddon  (bei  der 
Einweihung  des  neuen  Palastes  in  Niniveh)  assembled  the  great  men  of  the  Em- 
pire (s.  Talbot).  „On  lofty  chairs  they  caused  them  to  sit  and  they  counted  their 
numbers."  Moehtar  bewahrte  Aly's  Sessel  als  Reliquie,  woriu  der  heilige  Geist 
(Sakynah)  wohne.  The  bilingual  inscription  (the  decree  of  Canopus)  speaks  of 
„the  couutry  of  Kaft,"  translated  in  the  Greek  0oivixj]  (s.  Talbot).  In  Jes.  „high 
and  low  or  noblemen  and  common  people"  are  poetically  called  Kaft  u  Agmou, 
the  palmtree  and  the  rush  [die  Nachkommen  des  Agenor,  als  Bruder  des  Belus, 
musste  vor  der  jüngeren  Aristokratie  des  Kepheus,  Sohn  des  Belus,  weic*hen]. 
The  persian  stool-bearer  [Sif^o^o^os)  assisted  the  king  as  he  mounted  his  chariot 
or  dismouuted  from  it  (carryiug  a  golden  stool  and  following  the  royal  chariot 
closely  [in  Dahomey  zum  Sitzen] ).  Der  persische  König  ass  allein  (nach  Herakl.)  und 
durfte  ausserhalb  der  Palastmauern  nicht  zu  Fuss  gehen  (s.  Athen).  A  favourite 
royal  amusement  (in  Persia)  was  carving  or  planing  wood,  when  sitting  in  his 
carriage  (according  to  Aeliau)  or  (according  to  Ctesias)  in  the  palace  [Yankee, 
slicing]. 

*)  Zimmt  (Ceylons)  ist  Cassia  (s.  Herodot).  Casii  bedeutet  Abkömmlinge 
der  Cani  in  der  Handelsstadt  Cane  (der  Chna  oder  Phönizier)  zwischen  Weihrauch- 
und  Myrrhenlande  in  Arabien  (s.  Brehmer).  Daden  in  Tyrus  Handel  (s.  Ezechiel) 
wird  auf  die  Bahrain-Inseln  bezogen.  Pulo  Komo  Bazae  Lacho  (Sri  Prakrama 
Rahu  Raja)  wurde  von  den  Chinesen  in  Ceylon  eingesetzt.  Die  Handelsstrasse 
von  Serra  vereinigte  sich  in  Idicara  mit  der  ägyptischen  und  phönizischen.  Auf 
tyrischer  Charte  führt  die  Insel  Awal  den  Namen  Icara  (zusammengezogen  aus 
Idicara),  die  Insel  Samaharad  heisst  Tharra  (s.  Brehmer).  Nach  Strabo  fand  sich 
auf  der  schmälsten  Stelle  des  Isthmus  von  Korinth  eine  Einrichtung  zum  üeber- 
ziehen  der  Schiffe  {d-ioly.os).  In  Calecut  beschiffen  (nach  Barthema)  die  Götzen- 
diener (Hindus)  nicht  das  Meer,  sondern  überlassen  dies  Geschäft  den  Muha- 
medanern  (Arabern).  Das  Reich  der  (105  a.  d.)  in  Ceylon  (mit  einem  Brahmanen) 
landenden  Damillos  wurde  (90  a.  d.)  durch  Walagambahu  beendet.  Nach  der 
ceylonischen  Gesandtschaft  des  Rachia  (Raja)  an  Claudius  hielt  der  König  an  der 
Kleidung  des  Vater  Liber  fest,  das  Volk  an  der  der  Araber  (Herakles  verehrend).  Auf 
Kalakanatisso  (der  früher  Priester  gewesen)  folgte  (19  a.  d.)  sein  Sohn  Bhati- 
kabhayo,  der  die  Priesterschaft  begünstigte,  und  dann  dessen  Bruder  Mahadathiko, 
der  sich  ganz  den  Priestern  ergab  (in  Ceylon).  II  Regne  di  Ava  se  dice  ancor 
Barma  (nach   Gio   Maria   Percoto).      II    fuime   d'Ava   (l'Ava)  e  chiamato   in  quel 

6* 


34  Zweites  Kapitel. 

Quecksilberpräparate,  Harze  u.  s.  w.  verwandt,  dann  die  Aeu- 
piTuctur  und  Cong-fou,  oder  die  Vorschrift  bestimmter  Körper- 
stellungen, um  die  Circulation  in's  Gleis  zu  setzen. 


lingnaggio  Menamchiii  (il  Fiiime).  Nach  dem  Mabharata  lag  der  Himavan  (Hima- 
vat  oder  Himalaya)  südlich  vom  Mera.  Nach  den  Zendschriften  (s.  Kleuker)  kam 
Zoroaster  aus  Ariema  oder  Rumi  in  Aderhedjan  (Atropatene).  Persae,  qui  sunt 
originitus  Scythae  (Amm.  Marcell.).  Die  Dahä  (^«at  oder  zlay.at  der  Griechen) 
oder  Ta-Hia  (der  Chineseu)  wohnen  (zu  Alexander  M.'s  Zeit)  jenseits  des  Oxus  in 
Sogdiana  und  Strabo  nennt  sie  am  Nieder-Oxus  bis  zum  kaspischen  Meer.  Die 
(nach  Herodot)  nördlich  vom  kaspischen  Meere  wohnenden  Massageten  (maha 
oder  gross)  sind  die  Ta-Yueti  der  Chineseu.  Die  Oi%ioi  wohnten  an  der  Quelle 
des  Choaspes  (als  üsuin).  Herodot  nennt  die  Ovrtot  neben  Sarangern,  Samauäern 
u.  A.  m.  (am  Flusse  Akes).  Klaproth  vergleicht  die  Khu-te  mit  den  Gothen. 
Selencus  überliess  seine  Besitzungen  jenseits  des  Indus  dem  Sandracottus  oder 
Androcottus  (Ghandragupta;,  dem  Könige  der  Gangariden,  dessen  Tochter  er 
heirathete.  Gange  war  (nach  Ptolem.)  Hauptstadt  der  Gangaridae  in  Kaiinga, 
(nach  Plinius)  neben  den  Prasii  (nach  Curtius)  oder  Gandaridae  (Dionys  Perier). 
[Missionäre  der  Ganga  in  Afrika  als  Sakyamuni.]  Nach  dem  Mahabharata  waren 
die  Gandaridae  für  ihre  Pferde  berühmt  (neben  den  Bahlika).  Caspatyrus,  TioXis 
FavSaQixf}  Savd'äv  dxzi].  (Steph.  B.)  Nach  Herodot  waren  die  Gandarii  (in 
Xerxes'  Heer)  bewaffnet,  wie  die  Baktrier.  In  der  Schlacht  bei  Raphia  oder  Refa 
(bei  Gaza)  wurden  die  afrikanischen  Elephanten  des  Ptolemäos  Philopator  von 
den  asiatischen  des  Antiochus  M.  in  die  Flucht  getrieben,  obwohl  schliesslich  die 
Aegypter  über  die  Syrer  siegten  (217  a.  d.).  Durch  ihr  Brüllen  zeugt  Va- 
sischtha's  Kuh  Kabodjas,  der  Sonne  gleich,  Warwaras  aus  der  Brust  (mit 
Schwertern) ,  Sakas  aus  den  Zitzen ,  Javanas  ans  dem  Leibe ,  die  Mletschas, 
Karitas,  Kiratakas  aus  der  Haut  (nach  dem  Ramayana).  Die  Engländer  zer- 
störten das  von  den  Franzosen  (786)  auf  der  Insel  Borodo  an  der  Mündung  des 
Formosa  gegründete  Fort.  There  is  one  peculiarity  in  the  productions  of  Java 
that  is  very  puzzliug  in  the  occurrence  of  several  species  or  groups  characteristir 
of  the  Siamese  countries  or  of  ludia,  but  which  do  not  occur  in  Borneo  or  Su- 
matra (Wallace).  Augiistus  brachte  nach  Rom  ein  Rhinoceros  (wie  Tanierlan 
solche  aus  Delhi  fortführte)  mit  Hippotamus  und  Crocodilen  aus  Aegypteu.  Pin- 
dar  erwähnt  die  dunkelfarbigen  Colchier,  die  Herodot  mit  Aegypten  in  Beziehung 
setzt.  Die  schwarzen  Handelsleute  in  Colchis  waren  aus  Indien  eingewandert,  als 
Banianen  (s.  Brehmer).  Unter  den  Bewohnern  der  Handelsstadt  Khozar,  in  der 
Nähe  der  Wolga  und  Astrachans,  führt  Ebn  Haukai  (950  p.  d.)  eine  Volksklasse 
mit  dunkeln  Gesichtern  und  schwarzem  Haar  auf,  die  von  den  Indiern  gestammt. 
Der  Fluss  Gihon  fliesst  (bei  Moses)  um  das  ganze  Land  Cush  oder  (nach  Luther) 
Mohrenland  (als  der  Oxus  Baktriens  mit  indischen  Handelsleuten).  Korea  (Korai 
on  Kaoli)  est  appelee  Tsio  Sen  on  beaute  du  matin  (Jouan).  Samaria  oder  Sa- 
markand  (kand,  Stadt  oder  Bnrg)  entspricht   dem  Berge  in  Yemen  Snmara.  west- 


Pekiiifr.  }^5 

In  China  imtersclieiclen  sich  die  Mandarinen,  Soldaten,  Ge- 
lehrte, Geistliche,  Ackerbauer,  Arbeiter  und  Kaufleute  (nach 
Girard).  Die  Ausgestossenen  oder  Tomin  sind  nach  der  Provinz 
Tchekiang-  verwiesen  und  in  der  Stadt  Chaohing-  auf  eine  Strasse 
beschränkt,  als  Nachkommen  der  Edlen,  die  für  die  Song  gegen 


lieh  vom  Königssitz  Saphar.  Kosmas  Indic.  wurde  durch  Brachmanen  über  den 
Weg  nach  Tzinitza  (China)  unterrichtet.  Die  Chinesen  kannten  seit  126  a.  d. 
Thatsin.  Maukiu,  König  der  Ngansü  (Syrier),  schickte  (101  p.  d.)  Geschenke  nach 
China.  Der  König  von  Ngansü  eroberte  das  Königreich  Thiaochi ,  dessen  Haupt- 
stadt auf  einem  Berge  liegt.  Lassen  zählt  die  für  die  indischen  Götter  arbeitenden 
Ribhu  zu  Orpheus  und  Kuhn  zu  den  Elfen.  The  Taurobolia  became  fashionable 
in  the  times  of  the  Antoniues.  According  to  the  inscription  in  Singanfu  the 
emperor  presented  a  Paoli  (vessel  of  glass)  to  the  church  and  golden  carpets, 
repairing  churches.  Tchampa  ou  Tchampapouri  (le  royaume  de  Tchen  pho)  est  le 
nom  de  l'ancienne  capitale  de  Karua,  roi  du  pays  d'Angadesa,  frere  aiue  par  sa 
mere,  des  princes  Pandou.  II  y  a  un  canton  dans  Ceylon  (le  royaume  de  Lion) 
qui  produit  (selon  Fa-Hian)  le  joyau  Mo-ni  (Mani).  Les  anclens  rois  de  Ceylon 
envoy&rent  dans  le  royaume  du  Milieu  (Madhyadesa  ou  l'Inde  centrale,  pour 
chercher  des  grains  de  l'arbre  Pei-to  (Bodhi).  Fa-hiau,  menace  dans  l'ouracan 
par  les  marchands,  iuYoquait  Kouan-chi-in  (Avalokiteswara).  Lao  est  la  montagne 
du  district  de  Lai  tcheou  fou  dans  le  Chautou.  Während  Avareo ,  Bulgaren, 
Hunnen  zur  flunischeu  Rasse  gehörten,  waren  die  Petcheueghen  der  erste  Stamm 
der  Türken,  der  (X.  Jahrhdt.  p.  d.)  die  Wolga  nach  Europa  passirte.  Die  Tchi- 
nas  (bei  Manu)  oder  Chini  wohnen  nordwestlich  von  Cashmir  in  den  östlichen 
Theilen  des  Hindukusch,  als  Ghilgatti,  Astori  und  Tchilasi  (in  Dardistan).  Nach 
der  Mandschu-Dyuastie  (seit  1645  p.  d.)  heisst  China  das  Reich  des  grossen 
Hauses  Tsing  (Ta-tsing-kue).  Nach  erlangter  Geschlechtsreife  treten  bei  den 
Chinesen  die  breiten  Backenknochen  hervor,  wie  der  Prugnathismus  beim  Neger. 
Jumala  (der  finnische  Name  für  Gott)  ist  mit  dem  tscheremissischen  juma  (lappisch 
jubmel)  oder  (im  Samojedischen)  num  identisch  (Himmel  bedeutend).  The  Muti- 
bas  and  Pulindas  are  kuowu  in  the  Aitareya-Brahmana  as  outcast  natious  ou  the 
frontiers  of  Aryavarta,  and  as  the  cursed  descendants  of  the  sons  of  Visvamitra 
(M.  Müller).  Pulindas  are  found,  where  the  Aravali  mountains  join  the  Pariyatra, 
uear  Guzerate,  and  agaiu,  where  the  Vindhya  bends  toward  Pataliputra,  betweeu 
the  Keimur  and  Korair  mountains.  Prichard  hält  die  Khond  und  Burton  die 
Thakur  (im  Mahrattenlande)  für  wollhaarige  ürneger  Asiens.  Einzelne  negroide 
Stämme  tlndet  man  bis  Beludchistan,  wie  die  Brahmis,  und  auch  bei  Muscat,  wie 
die  Gabas  (s.  Burton).  Auf  den  Chatham-Inseln  in  der  Pa-umotu-Gfuppe  wohnten 
negroide  Stämme  (östlich  von  ihrer  Gränzlinie) ,  sowie  auf  Neijgeeland  vor  den 
Maorii.  Isidor  von  Sevilla  beschreibt  die  rückkehrende  Wurf  «yaffe  der  Spanier  als 
Bumerang.  Nach  Pruner-Bey  ist  das  Gehirn  des  Fellah  pchwer  vorn  Neger  zu 
unterscheiden. 


,%  Zweites  Kapilel 

die  mongolischen  Yuen  käm|)ften.  Les  etrangers,  les  esclaves, 
les  crimiuels,  les  boiiiTeanx,  les  agents  de  police,  les  acteurs, 
les  Jongleurs,  les  tailleurs,  les  mendiants,  constituent  la  classe 
des  hommes  vils,  a  laqiielle  appartienneut  egalement  les  Tankias, 
issus  des  Miaotze,  et  les  Toumiu,  desceudants  des  anciens  Kins, 
qui  habitent  les  unes  pres  de  Canton,  les  autres  aiix  environs 
de  Ningpo  (de  Coiircy).  Die  Bettler  in  Peking  haben  ihren 
König,  der  sie  in  regelmässigen  Anordnungen  aussendet  (wie  in 
den  Städten  Mexicos).  Das  chinesische  Gesetz  verbietet  einen 
höheren  Zinsfuss*)   als  drei  Procent   im  Monat   und   macht   es 


*)  Will  sich  Jemand  (auf  Borneo)  als  Orang  ber  ütang  (verschuldeter  Manu) 
eugagiren,  so  leiht  er  eine  Summe  Geldes,  und  bleibt  als  Pfand  im  Hause  des 
Gläubigers  (für  denselben  arbeitend),  bis  sie  zurückgezahlt  ist  (s.  v.  Kessel).  Das 
Lehen,  das  Jemand  besass,  konnte  entweder  des  Reiches  Gut  sein,  so  dass  von 
Stufe  zu  Stufe  aufsteigend  zuletzt  der  König  als  oberster  Lehnsherr  erschien,  oder 
es  war  Eigen  in  der  Hand  des  Lehnsherrn.  Doch  galt  auf  höchster  Spitze  der 
König  als  Richter  über  beide  Arten  von  Lehen  (s.  Gaupp).  Im*  Sachsenspiegel 
werden  die  Lehngrafen  von  Thüringen  als  Franken  bezeichnet.  Da  Schloss  Ballen- 
städt,  der  Stammsitz  der  Familie  Esico's  (des  ersten  Grafen  von  Ballenstädt),  in 
ein  geistliches  Stift,  später  in  ein  Benedictinerkloster  verwandelt  wurde,  nahmen 
die  Grafen  ihren  Sitz  in  dem  Schlosse  Anhalt  im  Selkethal,  und  als  dieses  zer- 
stört wurde,  in  Aschersleben,  im  mitteralterlichen  Latein  Ascaria  genannt,  welcher 
Name  in  Ascania  corrumpirt  wurde  (s.  Voigt).  Die  Nymphe  Begoa  theilt  Aruns 
mit,  was  Jupiter  über  die  Feldmessung  bestimmt  hat.  La  Vallaquie  etait,  depuis 
Dniester  jusqu'ä  l'Olto,  occupee  par  une  multitude  de  peuplades  qui  y  vivaient 
eparses,  isolees,  sans  liens  sociaux,  les  unes  fixes ,  les  autres  uomades.  C'i'taient 
dans  la  plaine,  les  Colons  de  Trajanum,  de  Maximiui,  les  Urticani  ceux  de 
Lassi  et  de  Burgus-Jatus,  dans  les  montagnes,  les  Gallici,  les  Padani,  les  Cauiui, 
et  ceux  aussi  de  Theodoropolis,  de  Piatra,  d'Argidava,  de  l'Olto  ä  l'embouchure 
du  Thiss  dans  le  Danube,  des  fractions  du  Cumans,  de  Vallaques  et  de  patres 
Des  Romains  r^unies  sous  le  nom  de  Bassiani,  change  bieiitot  en  celui  de  lloma- 
nati,  vivaient  sous  les  memes  lois  et  sous  un  meme  cbef  (duc  ou  bau).  Les 
autres  chefs  des  Colons  romains,  de  Vacaras,  d'Omlas,  et  de  Maremaris,  par  leur 
contact  avec  les  Sclaves,  avaient  pris  d'eux  le  nom  de  Voivade  (dux  belli  ou 
chef  militaire).  Die  1239  Ungarns  Gränzen  überschreitenden  Mongolen  wurden 
durch  Radu-Negru  (den  romanischen  Fürsten  von  Vacaras  und  Omlas)  nach 
Böhmen  getrieben  (von  wo  Wenzeslaus  sie  verjagte)  1241.  Radu-Negru  (Radulphe 
le  Noir)  franchit  les  montagnes  ä  la  tSte  des  Vallaques  et  des  Vent'tiens  (Venetici) 
et  vient  s'emparer  de  tont  le  pays,  qui  descend  au  danube  entre  l'Olto ,  le  Mel- 
cove  et  le  Seret.     C'est  la  Vallaquie  (Vaillant). 


Peking.  87 

strafbar,  wenn  auf  Schleiclnvcgeu  die  Zinsen  zum  Capital  ge- 
sell lagen  werden.  Das  chinesische  Strafgesetzbuch  *)  umfasst 
ausser  den  allgemeinen  Gesetzen  (Ming-liei-li)  die  Gesetze  Li-liu, 


*)  Es  geschiebt  oft  (klagt  Biscliof  Agobardus  von  Lyon  bei  Ludwig  dem 
Frommen),  dass  fünf  Menschen  zusammen  gehen  oder  sitzen ,  von  welchen  jeder 
nach  einem  andern  Rechte  lebt  (s.  Gaupp).  Während  das  germanische  Recht 
sich  an  einzelne  Orte  und  Landschaften  knüpfte,  wurde  das  römische  Recht  (bei 
der  neu  aufblühenden  Rechtswissenschaft)  das  allgemeine,  so  dass  auch  derjenige 
Theil  des  germanischen  Reiches,  der  sich  eine  ähnliche  Allgemeinheit  errang, 
nämlich  das  liber  feudorum,  äusserlich  selbst  zu  einem  Gliede  des  römischen 
Rechtes  erhoben  wurde  (s.  Gaupp).  Das  professio  juris  wurde  bei  den  Longo- 
barden  bei  der  Mündigkeit  (nach  Savigny)  gemacht,  um  zu  erklären,  nach  welchem 
Rechte  sie  leben  wollten.  Die  Frau  nahm  oft  (bei  den  Longobardeu)  das  Recht 
des  Mannes  an,  obwohl  ihr  nach  der  Geburt  ein  anderes  Stammrecht  zukam. 
Heinrich  L  von  Schlesien  ertheilte  1235  den  Romani  in  Würben  (bei  Ohlau) 
deutsches  Recht.  Inter  Romanos  negotia  cansarum  Romanis  legibus  praecipimus 
terniiuari,  bestimmt  Chlotar  560.  Die  Akragalliden ,  die  sich  mit  den  Cyrenäeru 
im  Heiligthume  zu  Delphi  versündigt,  wurden  von  den  Amphictyonen  zu  Sclaven 
des  Tempels  gemacht.  Die  Yolas  oder  Floup  des  Fogni  (in  Republiken  lebend) 
erben  die  Rache  für  Beleidigungen  fort.  In  Fatatenda  wird  mit  den  Doulas  (den 
hausirenden  Kaufleuten  des  Innern)  gehandelt.  Das  alte  Festspiel  der  ludi  tro- 
jani  konnte  seines  religiösen  Charakters  wegen  nur  von  edlen  (patricischen) 
Jünglingen  gefeiert  werden.  Omnes  Gargangi  (warengangi) ,  qui  de  exteris  flni- 
bus  in  regni  nostri  flnibus  advenerint ,  seque  sub  scuto  potestatis  nostrae  sub- 
didefint,  legibus  nostris  Longobardorum  vivere  debeant,  nisi  legem  suam  a  pietate 
nostra  meruerint,  heisst  es  im  Edict  des  Königs  Rotharis.  König  Liutprand  be- 
stimmte, dass  alle  Urkunden  entweder  nach  lougobardischem  oder  nach  römischem 
Recht  abgefasst  sein  müssten,  um  Gültigkeit  zu  haben.  Ueber  Landstreitigkeiten 
wird  im  burgundischen  Gesetzbuch  nach  römischem  Recht  entschieden.  Das  Buss- 
uud  Wehrgeld-System,  sowie  die  Eideshelfer  wurde  von  den  Germanen  auch  auf 
die  Römer  angewendet.  Jewelk  man  mut  ok  antwerden  vor  me  koninge  in  allen 
steden  na  sime  rechte  unde  nicht  na  des  Klegeres  rechte  (Sachsenspiegel).  Als 
das  früheste  Beispiel  eines  aus  römischem  und  germanischem  Stoffe  zusammen- 
gesetzten Landrechts  ist  das  erhaltene  westgothische  Gesetzbuch  zu  betrachten 
(Gaupp).  Indem  das  mit  dem  Lande  inniger  verwachsende  Volk  zum  Staat  wird, 
tritt  das  Landrecht  an  die  Stelle  des  Stammrechtes.  In  dem  früher  westgothischen 
Theile  von  Gallien  galt  neben  dem  Breviarium  Alaricianum  für  die  Römer  west- 
gothisches  Recht  (des  Königs  Eurich).  Dictaverunt  Salicam  legem  proceres  ipsius 
gentis  qui  tunc  temporis  apud  eandem  erant  rectores.  Sunt  autem  electi  de 
pluribus  viri  quatuor,  his  nominibus:  Wisogast,  Bodogast,  Salogast,  Windogast, 
in  locis  quibus  uomen  Salagheve,  Bodogheve  et  Windogheve  (nach  dem  Prolog 
der  Gens  Francorum   inclyta).     Hatten    die   Saporoger   oder   Wasserfallkosaken  in 


Zweites  Kapitel. 


Hou-li,  Li-li,  Ping-li,  Hiiig-li,  Koun^-li  für  das  Tribunal  derCivil- 
sachen,  der  Finanzen^  der  Sitten,  des  Krieges,  der  Justiz  und  der 
öffentlichen  Arbeiten.  Dans  l'ordre  civil  surtout,  toutes  les  lois 
sont  basees  sur  le  principe  de  la  piete  filiale  (Girard).    Krank- 


der  Beamten-Wahl  nach  Vertheiluug  der  Fischereien  den  neuen  Koschewaj  bestimmt, 
so  mnsste  sich  dieser  Anstands  halber  weigern,  als  nicht  geeignet.  Zwei  Kameraden 
fassten  ihn  dann  unter  dem  Arm ,  andere  schoben  hinten  nach,  und  so  wurde 
er  unter  allen  möglichen  Schimpfreden  (Hund,  Hundesohn  u.  s.  w.)  und  selbst 
Faustschlägen,  um  seineu  erheuchelten  Widerstand  zu  besiegen,  in  die  Versamm- 
lung zu  seinen  neuen  Ehren  geschleppt  (s.  Brix)  und  mit  Lehm  beschmiert.  Hund 
oder  chunn  (Plur.  hunda  oder  chunna)  wurde  ursprünglich  im  Begriff  von  decas 
gebraucht,  wie  in  stammverwandten  Sprachen  viginti,  triginta,  sixoat  (ysixovrt); 
TQiaytovra  buchstäblich  zwei  Hunde,  drei  Hunde  und  ducenti,  trecenti  sind  nichts 
als  die  später  wiederholte  und  daher  unverstümmelte  Zusammensetzung  derselben 
Wörtchen.  Als  man  viginti  u.  s.  w.  bildete,  gab  es  kein  ducenti,  und  als  dieses 
entstand,  begriff  man  jenes  nicht  mehr  (etymologisch).  Später  stand  die  Zählung 
bei  60  still  (s.  Müller).  Muata  (Herr)  bedeutet  König  in  der  Bunda-Sprache,  und 
bei  den  Jayas  hiess  der  Kriegsoberste  Muta-a-ita  (Haupt  des  Krieges),  [Muata 
später  als  Volk,  und  dann  wieder  Mono-Muata-pa.]  Den  Kaffern  ist  das  Essen 
der  Elephanten  verboten ,  weil  sie  zu  menschenähnlich  und  klug  sind  (Kay). 
Rudolfs  Translatio  S.  Alexandri  (bei  Meginhart)  lässt  den  austrasischen  Theo- 
dorich (Thiotricus),  der  einen  Krieg  zweifelhaften  Ausganges  mit  den  Thüringern 
führte,  Gesandte  zu  den  in  Hadeln  gelandeten  Sachsen  (quorum  dux  erat  Hadu- 
goto)  senden  und  räumt  ihnen  nach  dem  Siege  die  gesuchten  Wohnsitze  ein.  Qui 
terram  Sorte  dividentes,  cum  multi  ex  eis  in  bello  cecidissent  et  pro  raritate  eorum 
tota  ab  eis  occupari  non  potuit  partem  illius  et  eam  quam  maxime  quae  respicit 
orientem,  colonis  tradebant  singuli  pro  sorte  sua,  sub  tributo  exercendam.  Cetera 
vero  loca  ipsi  possederunt.  Saxones  igitur  possessa  terra  summa  pace  quieverunt, 
societate  Francorum  atque  amicitia  sui.  Parte  quoque  agrorum  cum  amicis 
auxiliariis  vel  manumissis  distributa,  reliquias  pulsae  gentibus  tributis  coudemna- 
verunt,  sagt  Witichind  nach  Besiegung  der  Thüringer.  Die  Nordschwaben  oder 
(nach  Witichind)  Suevi  transbadani  (von  jenseits  der  Bode)  boten  den  aus  Italien 
(wohin  sie  mit  den  Longobarden  gezogen  waren)  in  ihre  Heimath  zurückkehrenden 
Sachsen  erst  ein  Drittel  des  eingenommenen  Landes,  dann  zwei  Drittel,  dann 
auch  noch  all'  ihr  Vieh  zu  friedlicher  Vergleichung.  Die  sich  weigernden  Sachsen 
wurden  in  dem  folgenden  Kriege  alle  erschlagen  (s.  Greg.  Tur.).  Die  Valvasini 
(valvasores  minimi  oder  minores)  oder  Longobarden  standen  zwischen  den  valva- 
sores  (des  fünften  Heerschildes)  und  den  populäres.  Der  Hausbarde  (Bardd 
Teulu)  erhält  von  der  Familie  ein  Thier  aus  jeder  Kriegsbeute,  bei  welcher  er 
gegenwärtig,  und  den  Mannestheil,  wie  jeder  Hausbediente  (nach  wälischen  Ge- 
setzen). Wenn  ein  Kampf  stattfindet,  so  hat  der  Barde  vor  der  Schlachtordnung 
die  Hymne  Unbeueath  Prydein  (das  Königreich  Britannien)  zu  singen  (Stephens). 


Peking.  89 

heitsfälle  werden  nicht  aus  dem  Natnrlauf  erklärt,  sondern  den 
verborgenen  Einflüssen  böser  Geister*)  zug-esclirieben.  Ce  genie 
chacini  se  le  cree  et  se  le  fignre  au  gre  de  son  imagination  en 
delire,  Fun  le  place  dans  teile  idole,  l'autre  dans  un  vienx  chene, 
celui-ci  dans  quelqiie  haute  montagne,  celui-lä  dans  le  corps 
d'un  enorme  dragon,  qui  habite  au  fond  des  mers.  Pour  quel- 
ques-uns,  cette  puissance  enneniie  est  d'une  autre  nature,  c'est, 
d'apres  leur  dire^  l'äme  ou  plutot  la  substance  epuree  et  en  quel- 
ques Sorte  aerienne  d'une  bete,  d'un  renard,  par  exemple,  d'un 
chat,  d'un  nuage,  d'un  tortue,  d'une  grenouille  est.  Ils  assurent 
que    ces    animaux,    apres    s'etre    depouillees    des    parties   ter- 


*)  The  Rakhing(Yekkha  orRekkhaik,  Monstre  or  Ogre)  iu  Arräcau  (according  to 
tlie  Portuguese  pronuiiciation)  are  called  (by  the  Bengalese)  Mugs,  (Magas,  emigratiug 
to  the  eastward).  Maga,  the  father  of  the  Magas  or  Maigas,  was  the  offspring  of 
the  sun ,  by  Suveuuh ,  daughter  of  Twashta  or  Vulcan.  His  children  caine  to 
India  from  the  west  and  taught  the  true  worship  of  the  sun,  settling  in  the 
country  called  Magadha.  Pliuy  mentious  them  under  the  nanie  of  Macco  Calingae 
or  Magas,  living  on  the  sea-shores  of  Chittagong  (s.  Wilford).  According  to 
Buchauan,  Maga  was  a  name  of  Gautama.  The  Magas  (worshippers  of  the  sun) 
assumed  in  India  the  name  of  Rrahmans,  settling  in  Magadha  (the  country  of 
Brahmani,  according  to  Pliny) ,  where  the  system  of  Buddhism  was  flist  taught 
(Buchanan).  According  to  the  edict  in  the  cuneiform  inscriptions  in  Behistun, 
king  Darius  overthrew  the  Magash  or  Magi  as  an  heretical  sect  and  reestablished 
the  primitive  Persian  worship  (s.  Rawlinson).  According  to  Phayre,  the  Magash 
or  Maga ,  like  the  Parsees  in  modern  times ,  fled  to  India  from  persecution. 
Als  Rama  der  in  ihm  verliebten  Riesin  Sorpanakhä  (die  ihn  erst  durch  reizende 
Gestalt  zu  verführen,  dann  durch  Dämonengestalt  zu  schrecken  suchte)  Nase  und 
Ohren  abgeschnitten,  beklagte  sie  sich  (der  mächtigen  Fürstenfamilie  der  Daitjas 
entsprossen)  bei  ihren  Brüdern ,  König  Räwanas  von  Lanka  und  Knmbhakarnas 
oder  Kharas,  welche  Wiedergeburten  der  einst  vou  den  Rischi's  verwünschten  Thür- 
steher  Wischuu's  (Hiranjäkschas  und  Hiranjaka(jipus)  und  jüngere.  Brüder  des  Gottes 
Kuweras  waren.  Von  den  von  Räwanas  (da<;akanthas  oder  zehuhälsig)  oder  Panti- 
griwas  (Kritikaras)  mit  der  Mandodari  erzeugten  Söhnen  wurde  Räwanis  oder 
Akschas  (der  dreiköpfige  Riese  oder  Trigikhas)  von  Ramas  erschlagen  und  In- 
draschit  (der  früher  den  Indras  besiegt  hatte)  von  Lakschmanas  (Indradschi- 
widschaji  oder  der  Besieger  des  Indrabesiegers).  Ramas  tödtet  auch  den  Lawanas, 
Sohn  der  Kumbhinäsi  (mit  einer  Nase  wie  ein  Krug).  Der  Geier  Dschatäpis, 
dem  Räwanas  den  Kopf  gespalten ,  theilt  noch  im  Sterben  Rama  den  Raub  mit. 
Der  Daitjas  Maritschas  lockte  (iu  eine  Gazelle  verwandelt)  Rama  und  LakscU' 
mana  iu  die  Einsiedelei  fort. 


90  Zweites  Kapitel. 

restres  et  grossieres  qiii  les  composaient,  sont  devenus  des 
essences  inires  et  que  dans  cet  etat  ils  se  plaisent  ä  tourmeuter 
les  hommes  et  les  femmeS;  ä  deconcerter  leurs  projets,  ä  les 
gratifier  des  fie\Tes,  de  catarrhes,  de  pleuresies,  enfin  de  toiites 
sortes  de  maladies.  Scheint  die  Seele  aus  dem  Sterbenden  ent- 
fliehen zu  wollen,  so  ruft  man  sie  entweder  zurück,  oder  scheucht 
sie  zurück,  oder  sucht  sie  zu  erschrecken,  oder  ihr'den  Weg  zu  ver- 
speiTen  (s.  Huc\  Das  chinesische  Zeichen  Haou  (gut  ist  aus  dem 
Symbol  für  Tochter  und  dem  für  Sohn  zusammengesetzt,  kind- 
liche Zuneigung  ausdrückend,  als  Grundlage  der  Moral.  Tjong  be- 
deutet recht  i  geradeweg  oder  aufrecht),  puh-tjong(  nicht  recht)  wird 
mit  weih  (krumm  oder  schlecht)  bezeichnet.  Die  Stelle  des  Grabes  *) 


*)  Während  sich  die  den  alten  Russen  angehörigen  Sopki-Gräber  längs 
der  Flüsse  im  nördlichen  Russland  finden,  trifft  man  in  Süd-Russland 
und  Sibirien  die  (Kupfer-  und  Kiseninstrumente  der  alten  Tschuden  neben 
den  Knochenresten  enthaltende)  Mogila  (den  skythischen  Gräbern  von  Tauris 
ähnlich,  die  Skelette  von  Pferden  neben  menschlichen  enthalten)  und  die  Kopa- 
Tumulus  der  Tschuden  (mit  steinernen  und  kupfernen  Instrumenten),  be- 
sonders im  Ural  zum  Altai  (s.  Maury),  in  Verbindung  mit  den  Bergwerken.  Ueber 
den  Mogila  genannten  Grabhöhlen  findet  sich  oft  die  Erhebung  eines  Kurgan  ge- 
nannten Hügels  (mit  kupfernen  Hämmern,  Gold-  und  Silberschmuck).  Die  Züge 
der  Kupferstatuette  (in  der  Mogila  des  Altai  gefunden)  gleichen  (als  den  Tschuden 
angehörig)  den  der  Baba  (mit  grossen  Augen  und  Mund),  mehr  von  türkischem  als 
mongolischem  Typus  (nach  Maury).  Nach  Eichwald  sind  die  Baba  theils  männ- 
lich ,  theils  weiblich.  Ansbah  (divi  sivus)  oder  Ansbach  wurde  umgenannt  in 
Onoldisbah  (Unholdenbach)  zur  christlichen  Zelt.  Die  vererbten  inimicitiae  (der 
Germanen)  wurden  (nach  Tacitus)  durch  Wehrgeld  beigelegt,  unter  den  Issedonen 
befinden  sich  einäugige  Menschen  und  Greife ,  die  das  Gold  bewachten  (nach 
Herodot).  Brehmer  leitet  den  Namen  der  Abier  (Apii)  von  Ai  oder  Ail  (als  Ari, 
Asi,  Ali,  Abai).  Die  Abier  genannten  Skythen,  die  Alexander  in  Sogdiana  besuchte, 
war  (nach  Curtius)  frei  (seit  dem  Tode  des  Cyrus).  Das  mäotische  Meer  hiess 
(nach  Plinius)  das  Temerinder  Meer.  Saudracottus  hatte  sich  ein  wilder  Ele- 
phant  als  Schützer  und  Träger  zu  Diensten  gestellt  (nach  Justin).  Die  dänische 
Insel  Imbria  (b.  Ad.  Br.)  ist  der  westliche  Theil  Seelands  (s.  v.  Maack).  The 
incisors  (of  the  human  remaius  in  the  Maremma)  presented  the  same  deep  wearing 
away,  which,  instead  of  being  oblique,  is  perfectly  horizontal,  as  in  the  Egyptian 
mummies  (s.  Meneghini),  and  among  the  Chinese,  Tartar,  Esquimaux ,  Peruvians. 
At  Terra  Masua  (on  the  road  to  Salso  Maggiore)  the  nations  met  to  make  their 
sacriflces,  as  the  Ktruscans,  Galli  Anani,  Galli  Boi  and  afterwards  the  Romans 
(Gramizzi).     Sambata  war  der  alte  Name  Kiews  (nach   Constantin)  oder  (b.  Adam 


Peking.  91 

niiiss  durch  den  Nekromanteu  aiiserwählt  werden.  Das  neunte 
Jahr  Tsching-Hoan's  (reiner  Anblick)  ist  das  zweite  des  zehn- 
jährigen Cyclus  (als  weibliches  Holz)  und  das  achte  des  zwölf- 
jährigen Cyclus  (des  Schafes).  Sung--yue  (östlicher  Berg)  kommt 
von  dem  alten  Worte  Yue  oder  Berg  (statt  Shan)^  das  jetzt  im 
Colloquialdialekt  nicht  länger  gebräuchlich  ist.  Thsen  (Sohn) 
war  in  China  ein  Ehrentitel  Kung  bedeutet  die  Hände  falten, 
so  dass  die  beiden  Daumen  zusammentreffen,  wäe  die  chinesische 
BegTüssung  gemacht  wird.  Tha  (prügeln  oder  schlagen)  be- 
deutet schnell  oder  rasch  und  Thatje  die  Tataren.  Tschi  ching 
begreifen  die  sieben  Anordnungen  (der  fünf  Planeten  mit  Sonne 
und  Mond).  Tze  bedeutet  lieben  (mu,  Mutter),  Tze  mih  die 
Buchstaben.  Tze  mu  (die  Buchstaben  des  Alphabetes),  bezeichnen 
die  Endungen  der  Worte,  wenn  in  der  chinesischen  Buchstabir- 
weise  verwandt,  Tze  thow  die  Initialen  in  der  chinesischen 
Buchstabirweise.     Pe  ist  klar   und  gütig,    Peleu    ein    Name*) 


Brem.)  Chiwe,  während  Helmold  Russland  Chunegard  nennt  und  die  tyriscbe 
Karte  die  Chunin  bei  Kiew  setzt.  Die  Ostseestrecke  Mentonomon  ist  (lettiscb) 
Mendaeniemi  (Fichtenvorgebirge).  Budini  an  den  Danus  genannten  Flüssen.  The 
majority  of  the  marl-beds  are  remains  of  the  bnrial-grounds  of  the  Romans  and 
remains  of  the  cemeterles,  funeral  piles,  and  better,  of  the  feasting  places 
(kjökkenmödding) ,  meeting  places  or  stations  of  the  ages  of  bronze,  or  the 
most  part  remodelled  by  water  (Gastaldi).  Die  ägyptische  Legion  stand  einst 
in  Aegypten,  als  sie  später  nach  Mainz  verlegt  wurde,  verpflanzte  sie  die 
ägyptische  Gottheit  Canopns  hierher,  deren  Nachbildung  in  den  Festungswerken 
gefunden  wurde.  Aus  der  Kreuzung  der  deutschen  und  ägyptischen  Biene 
folgert  Vogel,  dass  die  italienische  Biene  eine  Mischungsproduct  beider 
Rassen  ist.  Nach  Rüdemann  Hessen  die  alten  Deutschen  ihre  Steinkeulen  im 
jungen  Baume  als  Holzgriff  festwachsen  (Büsching).  Adam  Br.  nennt  die 
Tschuden,  Jamen,  Vessen,  Mehren.  Snorri  Sturlesson  kennt  (in  den  Sagas)  Finland 
oder  Vinland.  Nestor  nennt  die  Tschuden,  Vessen,  Mouromier.  Der  Peipus-See 
heisst  See  der  Tschuden  (bei  den  Russen).  Die  Tschuden  wohnten  (nach  Nestor) 
am  Meer  der  Varägher,  wo  in  einer  Wüste  bis  zu  den  Anglen  und  weiter  bis  zu  den 
Vlakh  (Vlaschsky)  die  Varägher  lebten.  Bayer  hält  Czud  für  ipsum  Scythicum 
nomen.  Nach  Potocki  ist  Tschud  gemeinsamer  Name  der  Finnen.  Ptolem.  stellt 
die  Aorsi  (neben  den  Xovvoi)  zwischen  Bastarner  und  Roxolaner  (II.  Jahrhdt.). 
Dionys  Per.  nennt  die   Ovvvoi  am  kaspischen  Meer. 

*)  The  Chinese  add  to  their  surname  an  individual  name.  To  preevent  a  blending 
with  the  Chinese,  the  Mantchus  are  forbidden  by  their  sovereigns  to  have  the 
initial  syllable  in  consecutive  generations  the  same,  makiug  it  appear  in  Chinese 


92  Zweitem  Kapitel. 

Buddhas.  Das  „Alterthümer  Pekings''  betitelte  Buch  handelt 
von  den  früheren  Monumenten  und  deren  Merkwürdigkeiten.  Die 
Peking  umgebende  Mauer  wurde  unter  der  Ming  Dynastie  um 
die  innere  (tatarische)  Stadt  gebaut,  und  später  wurde  dann  die 
äussere  (chinesischen)  Stadt  hinzugefügt,  die  nur  an  der  Süd- 
seite beendet  und  nicht  im  ganzen  Umkreis  vollendet  wurde. 
Zur  Zeit  der  Kin-Dynastie  lag  die  Yotscho  unter  den  Han  ge- 
nannte Stadt  grössteutheils  ausserhalb  der  jetzigen  chinesischen 
Stadt,  wo  sich  die  unter  den  Tang  erbaute  Pagode  Tien-nüng-se 
findet.  Die  kürbisartigen  Pagoden  dienen,  die  Begräbnissstelle 
eines  Buddha  anzuzeigen  (und  Reliquien).  Das  Tschan-huan- 
tschüh-leoh  oder  kurzer  Bericht  über  Tschan-huan  (die  Kaiser- 
stadt des  inneren  Peking)  giebt  eine  Beschreibung  der  Anti- 
quitäten Pekings  mit  Karten.  Die  Triumphbogen  (Pei-lo  oder 
Pai-leu)  sind  errichtet*)  zur  Erinnerung  an  merkwürdige  Er- 
eignisse, zu  Ehren  von  Mandarinen  oder  zum  Andenken  tugend- 
hafter Frauen  (wie  es  aufgeschrieben  steht).  Die  grosse  Mauer 
heisst  Gua-che  (Soldaten-Station). 

as  a  surname.  But  in  oue  class  of  Mantchus  (those  closely  related  to  the  so- 
vereign,  the  initial  syllable  of  the  names  is  flxed  for  each  generation,  so  as  to 
show  at  once  to  what  generation  of  the  imperial  family  the  person  belongs.  The 
imperial  kindred  (in  China)  are  divided  into  two  classes,  the  tsunghi  (imperial 
liouse)  and  the  Ghioro  or  members  of  the  golden  (Ghioro)  tribe  (the  surname  of 
the  reigning  family). 

*)  Fung  pe  are  blocks  of  wood,  cut  into  the  shape  of  pillars  and  flxed  into 
the  grouud  at  the  four  Corners  of  the  outer  shell  of  a  coffln.  Holes  were  then 
bored  in  the  tops  and  provided  with  pulleys,  to  let  down  the  coffin  into  its  shell. 
On  these  posts,  the  ministers  used  to  record  the  meritorious  actions  of  their  de- 
ceased  prince  and  posterity  without  the  same  reason  for  it,  have  continued  to  set 
op  such  posts  by  the  road  side  provided  with  iuscriptions,  as  pe  or  tablets  (s. 
Medhurst).  That  the  author  of  the  Mala  lengara  has  written  about  Dauna's 
distributiiig  the  relics  and  the  Thegya  stealing  the  right  eye-tooth,  is  taken  from 
the  book,  called  Neigbana  and  what  he  has  told  of  the  depositing  of  the  relics 
and  obtaining  them  again  is  from  the  books  Datuwau  and  Nelatadatu  (s.  Bennett). 
Azalathat  made  a  road  to  carry  the  relics  to  his  couutry  and  80,00U  heretics  com- 
plaining  about  the  delay,  were  punished  with  death  and  went  to  hell.  When 
the  Rahandas  (hearing  a  repetitiou)  asked  the  Thegya  king  to  persuade  Azalathat 
to  hasten  ou,  he  auswered ,  that  the  king  would  not  listen,  but  that  he  would 
cause  Nats  to  enter  some  people,  and  the  king,  hearing  that  the  Nats  and  Beloos 
be  angry,  would  hurry  ou. 


Peking.  93 

In  dem  geographischen*)  Buche  Haikwotusehe  wird  gesagt, 
dass  Kambodia  (Knang-nan  oder  der  breite  Süden),  südlich  von 
Chiug-hoa  (Provinz  Cochinchinas)  einen  König  aus  der  Familie 
der  Youau  hatte.  Der  alte  Name  war  Yenan,  Kaochin  bildete 
die  östliche  und  Kuang-nan  die  westliche  Hauptstadt.  Der  Hof 
des  Westens  (Si-king)  war  mächtiger  als  der  Hof  des  Ostens 
(Ton-king).    Kuang-nan  hiess  Linyi  oder  Tschantchang  während 


*)  Of  the  seven  great  contiiieiits  (accordiug  to  the  Purauas) ,  Jambu  is 
placed  in  the  centre,  theo  follows  Plaksha  dwipa,  encircliug  the  sea  of  saltwater 
(surrounded  by  the  sea  of  sugar-cane  juice).  Then  follow  (in  succession)  Salmali, 
Kusa,  Krauncha,  Saka  and  Pushkara  dwipas  (with  their  respective  seas).  Beyond 
all  these  countries  and  seas ,  is  placed  the  country  of  gold  (Swarna  Bhumi), 
whirh  is  surrounded  by  the  mouiitaiii-chain  of  Loka-Loka.  Then  follow  the  land 
of  darkness,  encompassed  in  the  shell  of  the  mundane  egg.  Of  king's  Priya-Vrata 
(sou  of  Swayambhu),  whose  chariot-wheel  divided  the  contineiits,  children  six 
embrared  an  ascetic  life  and  the  remaining  seven  ruled  over  the  continents,  Agnidhra 
in  Jambu  dwipa,  Medhatithi  in  Plaksha,  Vapushmat  in  Salmali,  Jyotishmat  in 
Kusa,  Dyutimat  in  Krauncha,  Bhavya  in  Saka  and  Savala  in  Pnshkara.  Die  Erde 
zerlegte  der  Nordländer  in  drei  Theile,  am  Meeresstrande  war  Anssengart  (uit 
gart)  oder  die  Rieseriwelt.  von  ihm  durch  eine  Landwehr  burgartig  geschieden; 
Mittelgart  (mit  gart)  oder  das  Land  der  Menschen,  und  als  kleinstes  der  drei 
coucentrischen  Reiche  asgart,  die  Burg  der  Götter,  Das  isländische  Gesetzbuch 
(graue  Gans)  bestimmt  das  gegenseitige  Erbrecht.  Kar  ist  Stadt  im  Syrjänischen. 
Makenzie  Hess  sich  von  einem  Indianer  den  Weg  über  drei  Landseen  und  einen 
Fluss  mit  Kohle  auf  Birkenrinde  zeichneu.  Nach  dem  chinesischen  Buche  Daizyn- 
itun  Dshi  reicht  das  Gebirge  Altai-alin  (Gin-Schall)  his  über  die  Milchstrasse 
hinaus.  Die  (nicht  von  den  Russen  erbaute)  Festung  auf  der  Bären-Insel  sah 
aus  wie  von  Zähnen  benagt,  als  mit  steinernen  und  knöchernen  Aexten  ge- 
arbeitet, Persien  (Po-zu  oder  Parsi)  heisst  Tiao-dji  bei  den  Chinesen.  Zum 
Zeichen  ihrer  vornehmen  Geburt  setzen  die  Pejeskoli  Zierrathe  aus  Walross- 
zähnen in  durchbohrte  Unterlippen.  Die  bemalten  Larven,  in  welchen  die 
Kanagist  am  Jahresfeste  tanzen  (nach  Beendigung  der  Fischerei),  werden  dann  in 
abgelegenen  Felsenhöhlen  zum  Aufbewahren  fortgelegt.  Die  Bewohner  von  Attak 
setzen  knöcherne  Spitzen  (wie  Zähne)  in  die  Einschnitte  der  Lippen.  Auf  der 
einheimischen  Landkarte  von  Tetlama  (aus  vorspanischer  Zeit)  ä  l'endroit  oü  est 
situe  le  raonumeut  de  Xochicalco,  on  trouve  la  figure  de  deux  guerriers  qui  com- 
battent  avec  des  masses,  et  dont  Tun  est  nomme  Xochicatli  et  l'autre  Xicatetli 
(s.  Humboldt).  Le  Majjhima-nikaya-thika  (dans  la  collection  des  manuscripts 
palis  de  Ceylon)  est  le  commentaire  exegetique  sur  le  Majjhima-nikayo  (en 
langue  palie)  ecrit  ä  Ava  en  caractferes  birmans.  Nach  Plato  lag  etwas  Maje- 
stätisches und  Königliches  {ßaailmov)  in  einer  grossen  Nase. 


94  Zweites  Kapitel. 

der  Thsin-;,  Tang-  und  Wuti-Dynastien.  Cambodia  im  Speciellen 
wurde  Linyi  oder  Limyib  (die  Weltstadt)  genauut.  Unter  dem 
Namen  Siang--lin  (Elepbautenwald)  war  Cambodia  von  China  ab- 
hängig gewesen,  am  Ende  der  Han-Dynastie  legte  sieh  indess 
das  Linyivolk  den  Titel  eines  Wang  (Königs)  bei.  Der  Linyi- 
König  schickte  unter  den  Thsin  eine  Gesandtschaft  nach  China. 
Im  dritten  Jahr  des  Kaisers  Young-ho  wurden  zwischen  Linyi 
und  Cochinchina  (Kiaochi  oder  Kuchin)  Kriege  geführt,  und  im 
fünften  Jahre  eroberte  Banbiun  (Fanwon),  der  König  von 
Linyi  (Cambodia),  grosse  Theile  Cochinchinas ,  das  Land  ver- 
wüstend und  die  Körper  der  Erschlagenen  als  Opfer  dem  Himmel 
weihend.  Während  der  Leang-Dynastie  erwählten  die  Barbaren 
(Ih)  in  Linyi  ihren  eigenen  König.  Fan-Iu-ying,  König  von 
Linyi,  verliess  missvergnügt  sein  Land  und  begab  sich  nach  In- 
dien, den  Thron  seinem  Neffen  cedirend.  Auf  die  Ermordung 
dieses  durch  den  ersten  Minister  folgte  ein  Usurpator  (Bunlik 
oder  Wonti),  der  durch  den  König  von  Siam  (Funan)  getödtet 
wurde.  Das  Reich  fiel  jetzt  in  grosse  Unordnungen,  bis  der 
Minister  Fan-tschu-nung  die  Ruhe  herstellte  und  den  Namen 
eines  Königs  (zur  Zeit  der  Leang)  annahm.  Unter  der  Soung- 
Dynastie  schickte  Cambodia  (Linyi)  eine  Geschenke  tragende 
Gesandtschaft  nach  China.  Der  mit  der  Nanzi-Dynastie  gleich- 
zeitige König  von  Linyi  trug  einen  Kopfschmuck  nach  der  Art 
Buddha's  und  war  in  ein  Gewand  duftenden  Tülls  gekleidet.  In 
der  Stadt  Szüli  (Kulik)  fand  sich  eine  Sonnenuhr  mit  einem 
Gnomou  (8  Fuss  hoch).  Die  Hauptstadt  Linyi  lag  zwischen 
zwei  Gewässern,  man  zählte  13  Thore  in  der  Stadtmauer  und 
1200  Räumlichkeiten  im  Palast.  Zur  Zeit  des  Kaisers  Schanping 
überzog  der  König  Cochinchinas  Cambodia  mit  Krieg  zur  See 
und  bei  Lande.  Die  Hauptstadt  Szünaus  hiess  Jüntschunkim- 
cbang  (die  goldene  Wolkenstadt).  Faubuin,  König  von  Linyi, 
führte  Krieg  mit  Szünan  und  Kaochi,  beide  Länder  in  grosse  Be- 
drängniss  bringend.  Am  östlichen  Thore  der  Stadt  Kulik  (in 
der  Nähe  des  Sees  Kientayuen)  fanden  sich  in  den  Charakteren 
der  Barbaren  (Ih-schu)  abgefasste  Steininschriften,  den  früheren 
König  Houta  preisend.  Die  zwei  Hochdämme  in  der  Nähe  der 
Stadt  wurden   durch  den  König  Wang-kung  erbaut.     Unter  der 


Peking.  95 

Suay-Dynastie|verehrte  das  Volk  von  Linyi  Buddha  und  gebrauchte 
im  Schreiben  die  Schriftzüge  *)  Indiens.  Funji,  König  von  Linyi, 
besiegte  das  Heer  Leophan's  (des  Feldhen-n  des  Kaisers  Sanchai), 


*)  According  to  the  engraved  letters  iu  the  precious  stone  (found  by  Pien 
Ho)  the  imperial  seal  was  made,  as  emblem  of  the  empire,  instead  by  the  tripod 
used  before.  Chang  kien  (the  navigator)  travelled  over  foreign  lands  tili  to  the 
celestial  ocean  (where  the  cross  of  the  south  is  seeii)  and  never  retnrned,  but  as 
there  feil  down  from  the  river  of  heaveu  a  skulling  oar  and  nobody  knew,  what 
it  was,  a  spirit  descended  to  declare ,  that  it  was  the  oar  of  the  navigator  and 
that  he  rest  of  his  ship  wonld  feil  down,  as  it  decayed.  When  Chukoh,  general 
in  Szechnen  during  the  rule  of  the  after  Han  dynasty  (220  p.  d.)  returued  from 
Pegu,  he  substituted  bread-loaves ,  bearing  the  human  flgure,  instead  of  human 
sacriflces  to  dispell  the  fog  on  the  river  I.ushwui  (caused  by  the  dead,  killed  by 
the  pestiferous  waters ,  who  could  ouly  pass  safely  at  miduight).  He  invented 
(during  the  war)  automaton  cows  and  horses  of  wood,  which  moved  by  a  twisting 
of  the  tonge  (as  muh-uiu-liu-ma),  serving  to  couvey  provisions  (which  they  carried 
within  their  bodies).  Wheu  Yuen  Shen  wrote  upon  the  non-existeuce  of  terrestial 
spirits,  a  spirit  appeared,  and  showed  itself  to  be  one  by  not  having  a  shadow. 
Tsi,  Pwau  ü  (the  fashiouable  coucubine)  had  (500  p.  d.)  flowers  carved  npon  the 
soles  of  her  shoes,  so  that  they  left  the  impress  of  flowers ,  wherever  she  trod. 
Joo-lae  (Tathagatha)  means  the  expected  comer,  or  he  who  is  Coming  as  (has 
been  espected).  The  tones  of  the  voice  (elsewhere  the  signs  of  emotions)  are  limited 
(iu  China)  to  the  mere  multiplication  of  words  so  that  there  is  little  room  left 
for  pathos  in  the  language  (s.  Brown).  The  Chinese  letters  were  invented  by 
Tsang-Kee.  Titles  of  emperors  (engraved  in  stone  tablets)  were  placed  in  teraples 
(1122  a.  d.).  Combiuing  the  primitive  (pictorial)  Symbols  in  such  a  way  as  to 
represent  sounds,  the  word  ho  (for  instance)  is  composed  of  two  characters  he 
and  shwuy.  The  first  is  an  auxiliary  particles,  denoting  „may,  might,  can, 
could"  and  the  second  represents  „water".  The  name  for  a  river  having  the 
sound  ho,  the  character  ho  was  taken,  as  indicative  of  the  pronunciation,  and  the 
character  shwuy  to  give  a  clue  to  the  meaning  and  both  together  formed  the  new 
character  ho,  which  is  the  written  word  for  river.  The  Lieutenant  General  of 
Canton  once  issued  an  edict  respecting  the  locusts,  that  were  ravaging  (rice-flelds, 
and  having  occasion  to  speak  of  the  iusect  in  its  chrysalis  State,  he  found  no 
written  term  for  it  and  therefore  invented  one  (Brown).  The  writiugs  of  the 
Shih  Tsz  (ten  philosophers)  are  classical  (in  China).  The  first  book,  to  he  studied 
by  the  child  in  China,  is  the  San-tsz-king  (Trimetrical  Classic).  In  the  Japanese 
Romance  (Forms  of  the  Passing  World  in  Six  Folding-Screens),  Tamoutara  Kad- 
zuyosi  is  governor  of  the  district  Kuauto,  possessing  his  palace  in  Kamakura.  The 
idol  in  the  mosque  (at  Ashnoo)  is  (not  worshipped,  but)  respected  as  that  of  the 
founder  of  the  race ,  Shoohun  grow  (grandson  of  Salomon  or  Noah).  The 
Moorzoms  worship  sun  and   moon  and  respect  idols.     The  khoo  or  khoo  kraw  (a 


96  Zweites  Kapitel 

unterlag  aber  in  der  nächsten  Schlacht,  indem  die  Elephanten 
verdeckte  Löcher  gegraben  hatten,  in  welche  seine  Elephanten 
hineinstürzten  und  so  zu  Grunde*)  gingen.  Bei  Eroberung  der 
Hauptstadt  wurden  18  Goldbilder  erbeutet.  Seit  dieser  Zeit 
wurde  der  Tribut  regelmässig  bezahlt  (unter  der  Suay-Dynastie). 
Während  der  Tang-Dynastie  grenzt  das  Land  Linyi  (DJam-phu- 
xau  oder  Djam-bo-ghi  genannt)  an  Tehinlap  im  Westen  und  an 
Punlang  im  Osten.  Ausser  den  beiden  Städten  Kutchan  (Alt- 
stadt) und  ZikAvoa,  in  denen  der  König  residirte,  fand  sich  eine 
andere  Stadt,  Bungbishih.  Verbrecher,  die  zum  Tode  verurtheilt 
waren,  wurden  von  Elephanten  zertreten  oder  nach    den  Bergen 


wanderlng  thievish  tribe)  worship  goats  and  sllver.  Zai  is  the  hero  founder  of 
the  Khaioo  tribe  and  son  of  Öol,  the  god  üf  Are.  As  an  idol,  he  is  worshipped 
as  a  human  head,  surrounded  by  Are  (s.  Gardiner).  The  Horsok  (the  no- 
mades  in  the  northern  parts  of  Tibet)  comprise  the  races  of  the  Hör  or  Horpa  (iu 
the  west)  and  of  the  Sok  or  Sokpa  (in  the  East).  Khokhonur  and  Tangnt  are 
called  by  the  Tibetans  Sokyeul  (Soklaud),  as  occupied  by  the  Sokpa  (s.  Hodgson). 
The  peoples  of  Sok-yeul,  of  Amdo,  of  Thochii,  of  Gyarung  and  of  Manyak  (bet- 
ween  Khokhonur  and  Yunan),  who  are  under  Chiefs  (Gyabo)  of  their  own  (kings 
or  Wang),  bear  among  the  Chinese  the  common  designation  of  Sifan  or  western 
aliens,  and  are  often  denominated  by  the  Tibetans  Gya  rungbo  or  proper  allens 
(Gya),  to  discriminate  them  from  the  Bodpa  of  Kam.  The  Takpa  are  Tibetans. 
The  Sokpa  call  the  sun  Nara  and  the  moon  Sara.  ^  The  idols  of  Moh  and  his 
wife  Mabuu  at  Mohzarkhala  (in  western  Huzara)  were  (as  the  ancient  gods)  still 
revereuced  by  the  half-converted  Mahomedans.  Some  of  the  tribe  of  Therba  make 
every  new  moon  an  offering  before  the  cave  of  Zei  (god  of  Are).  The  gold  beads 
(found  in  Moh's  treasure)  are  called  Solyman  dana  (grain). 

*)  Das  an  einem  Seil  zum  Selbstopfer  herabhängende  Beil  im  Dorfe 
Caschipor  wurde  durch  Auruugzeb  weggenommen ,  aber  in  der  Folge  warf  man 
sich  mit  einem  Stein  an  den  Hals  iu  den  Ganges  (Tieffenthaler).  Gorecuath  (Stifter 
der  Zogier)  war  iu  Gorecpor  geboren.  Meherkel  (Sohn  des  Harantaz),  König  von 
Cashmir,  kam  über  das  Meer  nach  Slam  und  eroberte  es.  Bei  der  Rückkehr  ver- 
brannte er  sich  in  einer  Krankheit.  .,Die  nackten  Anachoreten  (Beragier  und 
Beragierinuen)  in  Mattra  (Geburtsort  des  Krischna)  schreien  Tag  und  Nacht  iu 
rohen  Liedern  die  ekelhafte  Liebesgeschichte  des  Krischua  mit  seiner  Bei- 
schläferin Radha  her"  (mit  Cymbeln  und  Klingbecken),  in  Strohzellen  lebend. 
The  Dopholas.  who  worship  four  Dewatas  (deities),  as  Sorok  deo  (or  Lord  of  Hea- 
ven),  Mon  deo,  Siki  deo  and  Lunto  deo,  came  down  from  heaven  by  a  bamboo 
ladder  (and  live  therefore  in  houses  with  bamboo-floors).  The  Ahorn  kings  came 
down  from  heaven  by  a  golden   ladder. 


Peking.  97 

Pa-lao-tscha  verbannt.  Unter  dem  Kaiser  Sclnmgkwang  schenkte 
Dali,  König  von  Liuyi,  Elephanteu.  Unter  der  Soung;-Dynastie 
führte  die  Hauptstadt  von  Tschan-tschang  (Cambodia)« den  Namen 
Tschan-tschan.  Der  König  liess  Rhinoceros  nnd  Elephanten*) 
für  sich  einfangen.  Am  15.  Tage  des  12.  Monats  pflegte  das 
Volk  aus  Baumzweigen  Pagoden  zu  bauen,  die,  von  dem  König 
und  Edlen  mit  Geschenken  geschmückt,  ausserhalb  der  Stadt 
verbrannt  wurden,  als  Opfer  des  Feindes.  Unter  dem  Kaiser 
Kiao-yo  belästigte  das  Volk  von  Tschan-tschang  (an  den  See 
Tchinlap  und  nordwestlich  an  Cochiuchiua  grenzend)  Cochinchina 
durch  beständige  Einfälle.  Auf  das  Verlangen  des  chinesischen 
Mandarin,  sich  zu  unterwerfen,  schickte  der  König  eine  aut 
Holzblätter  geschriebene  Antwort,  Die  Kaufleute  Fokieu's,  die 
Tschan-tschang  besuchten,  lehrten  den  König  die  Kunst  des  Rei- 
tens und  des  Bogenschiessens  und  befähigten  ihn  so,  seinen  Feind 
Tschinlap  zu  besiegen.  Unter  dem  Kaiser  Tschu-hi  wurde  der 
König  von  Tschan-tschang,  als  er  Tschinlap  zur  See  angriff,  be- 
siegt und  getödtet.  Das  Land  Tschan-tschang  fiel  dann  in  die 
Gewalt  Tschinlap's.  Als  unter  den  Yuen  der  mongolische  Kaiser 
Schiffe  gegen  Tschinlap  sandte,  wurden  diese  im  Vorbeifahren  **) 


*)  Les  jours  de  bataille  on  donnait  aux  ^l(iphants  des  boissons  enivrantes 
et  des  drogues  propres  ä  les  echanffer  (Amandi).  Die  in  den  Kriegen  mit  Gelon 
und  Dionys,  mit  Timoleon  nnd  Agathokies  von  den  Carthagern  verwandten  Streit- 
wagen \|urden  seit  den  Kriegen  mit  Pyrrhus  durcli  Elepbanten  ersetzt.  Cyrus 
gebraucbte  von  Ochsen  gezogene  Wagen  mit  mehrstöckigen  Thürmen  für  die 
Schützen  (s.  Freret).  La  Bucovine  semble  avoir  toujours  et<;  repute  pour  ses  chars 
de  guerre  (covini),  appelös  Carruboi  et  Bucovini  (charuvoi  des  Pacenatzi  on 
Picenati).  Die  vierrädrigen  Wagen  des  Porus  worden  (nach  Curtius)  von  vier  Pferden 
gezogen.     Die  Sichelwagen  der  Notitia  imperii  sind  von  einem  Führer  gelenkt. 

**)  Die  von  Asoka  nach  der  Edelstein-Insel  gesandte  Kanfleute  wurden  durch 
die  Meereswelleu  erregenden  Naga  beraubt  (nach  Taranatha).  Aliae  (Inseln  des 
n<)rdlichen  Oceans),  in  quibus  equinis  pedilius  homines  nascuntur,  Hippopodes 
appellati,  Fanesiorum  aliae,  in  quibus  nnda  alioquin  corpora  praegrandes  ipsorum 
aures  tota  contegant  (Plinius).  Nach  Julian  warfen  die  Rhein-Anwohner  die.  Neu- 
geborenen auf  das  Wasser,  da  die  unehelichen  verschlungen  wurden.  Ein  in  Rom 
übliches  Wirthshausschild,  welches  ein  Fratzengesicht  mit  aufgeblasenen  Backen 
und  ausgestreckter  Zunge  darstellte,  wurde  scutum  Cimbricum  genannt  (Künsberg), 
als    Gallus.      Cimbri   et   Celtiberi    in   proelis   exsultant,   lamentantur    in    morbo. 

Bastian,  Reise.  VI.  7 


98  Zweites  Kapitel. 

von  dem  Volke  von  Tschan-tschang   in  der  Nähe   Hainans  ge- 
nommen.    Nach    dem    Hei-kwe-wan-sebiang  vv^areu    die   Städte 


Ariovist  war  gewohnt,  sich  der  gallischen  Sprache  zn  bedienen  (nach  Cäsar). 
Romana  pax  (der  unterworfenen  Völker).  Die  Helvetier  wurden  durch  Orgetorix 
zur  Auswanderung  veranlasst,  unter  Verbrennen  der  Dörfer  und  Fruchtvorräthe. 
Dicit  (420  p.  d.)  St.  Hieronymus:  adolescentnlum  in  Gallia  vidisse  Scotos  (Atta- 
cotos)  gentem  Britannicam  humanis  vesci  camibus,  et  cum  per  silvas,  porcorum 
greges  et  armentorum  pecudumque  reperirent,  pastornm  nates  foeminarumque 
papillas  abscindere  solitos  et  eas  solas  delicias  arbitrari.  Serra  mentionne  un 
traite  de  l'an  1216  qui  permettait  aux  n^ociants  des  Genois  de  trafiqner  jusqu'ä 
l'extremitö  du  royaume  de  Barka  (Primaudie).  Die  flüchtigen  Sidonier  gründeten 
das  deshalb  benannte  Lebida  im  Gebiet  der  Benou  Leoua  oder  Leouala  (de  la 
Primaudie).  Die  die  Ernten  zerstörende  Mus  dipodus  (bei  Lebida)  ist  auf  einigen 
Medaillen  Cyrenes  unter  einer  Silphium-Pflanze  dargestellt  (nach  Smith).  Die 
Traditionen  der  Arowak  sprechen  von  der  untergegangenen  Nation  menschen- 
fressender Meyanow  (verschieden  von  den  Cariben).  Schiltberger  spricht  von 
haarigen  Waldmenschen  (in  Issibnr  oder  Sibirien)  oder  (nach  Neumann)  Ainos. 
The  feef  of  the  Warauan  (in  Guiana)  are  peculiarly  formed,  the  toes  spreadiug 
out  in  such  a  manner  as  to  enable  them  to  walk  on  the  muddy  shores,  which 
they  inhabit,  where  another  person  would  sink  (Schomburgk).  Der  spanische 
Mönch  des  XIV.  Jahrhdts.  fand  am  Goldfluss  (südlich  vom  Cap  Bugeder)  gold- 
grabende Ameisen.  Ha  aqui  huma  animalia  que  parece  em  todo  homem  e  he 
preto  de  corpo  e  cabello ,  eo  rosto  tem  albo ,  anda  em  qnatro  pees  e  em  dous, 
he  cousa  mais  falso  do  mundo  e  aguda ,  sagt  Valeutyn  Ferdinand  bei  Sierra 
Leone.  Nach  Noroff  ist  Cypern  ein  üeberbleibsel  der  Atlantis,  die  sich  früher 
bis  nach  Sicilien  erstreckte.  In  many  instances  Rainsford  has  heard  reasoning 
and  witnessed  manners  of  acuteness  and  elegance,  the  relation  of  which  could 
appear  incredible  from  those ,  who  were  remembered  in  a  State  of  ^ervitude 
(unter  den  Negern  auf  Haiti)  1799.  Blemmyes  (vix  homines,  magisque  semiferi). 
Strabo  setzt  die  Sintes  zwischen  Nasamonen  und  Byzacier.  Saint  Martin  identi- 
ficirt  Hanno's  Theon  Ochema  mit  dem  Berg  Souzos  oder  (nach  Roussin)  Sousou. 
So  weit  südlich  als  Bari,  reissen  alle  Eingeborenen  die  oberen  und  unteren 
Schneidezähne  aus,  um  nicht  den  Raubthieren  zu  gleichen  (nach  Werne).  In 
Djimma  sollen  die  Affen  als  Hausdiener  verwandt  werden  (s.  Wilkinson),  indem 
die  in  Kriegen  mit  Djimma  gefangenen  Djandjaro  oder  (verächtlich)  Gendjero 
(Affen)  Sklavendienste  thun  (zwischen  Enarea  und  Kaffa),  südlich  von  Abyssinien 
(Beke).  Ein  abyssinischer  Sklavenhändler  erzählt  Beke,  dass  jenseits  Kaflfa  sich 
eine  Gegend  finde,  wo  die  Männer  (Heerden  hütend)  hündische,  die  Frauen 
menschliche  Form  besässen.  Werne  hörte,  dass  östlich  von  Bari  hundsköptige 
Menschen  lebten,  die  auf  allen  Vieren  krochen ,  aber  (nach  Lakono)  Hessen  sie 
nur  die  Zähne  an  ihren  Menschenköpfen,  und  schlichen  sich  auf  der  Erde  herum, 
um  Menschen  zu  fressen.      Nach   den    Indianern    von  Inzignanln  hatten  ihre  Vor- 


Peking.  99 

Camboclias,  die  südwestlicli  an  Sienno  (Slam)  und  nordwestlich 
an  Mientien  (Birma)  g-renzten,  von  Wällen  aus  Dornenhecken  ein- 
gefasst. 

Nachdem  der  in  Hao  (bei  Si-ngan  in  Schensi)  residirende 
König-  Sching  in  Fuug  (dem  früheren  Wohnsitz  der  Tscheu)  die 
Erbauung  einer  Hauptstadt  im  Osten  gemeldet,  gründete  er  Lo 
in  Schingtscheu  (1109  a.  d.)  Fürst  Hoan  stellte  (710  a.  d.)  die 
grossen  dreifüssigen  Gefässe  des  Landes  Kao  in  das  Ahnen- 
heiligthum  des  Fürsten  von  Tscheu  (nach  dem  Geschlecht  des 
Hauses  Tscheu-kung).  König  Yeu  Avurde  (771  a.  d.)  von  den 
westlichen  Hunde-Fremdländern  getödtet  (Pfizmaier).  DasRieseu- 
geschlecht  *)  der  langen  nördlichen  Fremdländer  (unter  Yuen-sse) 


fahren  zuweilen  zur  See  Menschen  mit  einem  unbeweglichen  Schwanzanhäugsel 
(für  die  durchlöcherte  Sitze  nöthig  waren)  ankommen  sehen  (Ayllow).  The  ludiaus 
(in  North  Amerika)  State,  that  the  Red  Men  were  furnished  with  long  tails,  but 
that,  having  offended  the  Great  Spirit,  he  deprived  them  of  these  Ornaments 
(from  which  women  were  created),  sending  mosquitoes  to  tormeut  them  (s. 
Hunter).  Wenn  der  König  an  einem  Körpertheil  verstümmelt  ist,  so  muss  nach 
äthiopischer  Sitte  (bei  Meröe)  seine  nächste  Umgebung  das  Nämliche  leiden,  und 
ebenso  mit  ihm  sterben  (s.  Strabo).  Die  in  Juba  ausgebaute  Hafenstadt  Jol  (bei 
Treton)  wurde  Caesarea  genannt  (s.  Strabo). 

*)  Die  riesigen  Ueberreste  im  Berge  Kuaiki  sollen  die  Gebeine  des  vom 
König  Yü  hingerichteten  Fürsten  Fang-fung  sein.  Als  Tsin  das  von  den  „rothen, 
nördlichen  Fremdländern"  bewohnte  Land  Lu  vernichtete  (594  a.  d.),  wurde  der 
Riese  Fen-ju  erlegt.  Als  die  Bewohner  von  Seu-man  einen  Angriff  auf  Tsi 
machten  (608  a.  d.),  wurde  das  Haupt  des  erlegten  Riesen  Ying-ju  am  nördlichen 
Thore  der  Hauptstadt  begraben.  Indem  die  Bewohner  von  Wei  den  Riesen 
Kien-ju  erlegten,  fand  das  Riesengeschlecht  des  Landes  Seu-man  seinen  Unter- 
gang (s.  Pfizmaier).  Als  (nach  dem  Geschlecht  des  Hauses  Schao-kung)  die  west- 
lichen Fremdländer  der  Berge  in  Yen  eingefallen  (664  a.  d.),  kam  Fürst  Hoan  von 
Tsi  zu  Hülfe.  Als  die  westlichen  Hunde-Fremdländer  (nach  dem  Geschlecht  des 
Hauses  Khang-scho)  den  König  Yen  von  Tschen  tödteten  (771  a.  d.),  wurden  sie 
vom  Fürsten  Wu  bezwungen.  Les  personnes,  qui  ont  habite  la  Bretagne  et  qui 
vienuent  en  Algörie  sont  frappöes  de  la  ressemblance  qu'elles  decouvrent  entre 
les  desceudants  des  anciens  Armoricains  et  les  Cabyles  (Bodichon).  Nachdem  sie 
sich  von  den  Tukiu  unabhängig  gemacht  hatten,  wählten  die  Yuen  he  (unter  den 
Kaotsche  oder  Hoeihou)  oder  Thiele  (Tchele)  Chekien  (Vater  des  Poussa)  zum 
Kikin  oder  Fürsten  am  Flusse  Solim.  Die  dem  Thile  (ausser  einiger  Sprach- 
verschiedenheit) gleichenden  Payeku,  die  629  p.  d.  in  China  huldigten,  fuhren 
mit  Hirschen  (Rennthieren)  auf  dem  Eise.     Am  weitesten   nach  Norden  leben  die 

7* 


IQO  Zweites  Kapitel. 

wurde  bei  dem  Einfalle  in  das  Land  Sung-  (765-748  a.  d.)  von 
Hoangfu  geschlagen^  und  (zur  Zeit  des  Fürsten  Wen)  von  Lu, 
indem  Fu-fu-tschung-sen  den  nördlichen  Riesen  Kiao-ju  (aus  dem 
Lande  Seu-man)  tödtete  (616  a.  d.)  Die  Kian-kuen  (die  Vor- 
fahren der  Kirgisen),  als  Hakas  und  Hia-ka-szu  (röthliches  Haar), 
trieben  die  Hoei-hu  (846)  zu  den  Sehy-g-oei  (einem  tungusischen 
Stamme).*)  Die  Bewohner  des  üsuri  (der  in  den  Amur  fällt^,  die  sich 


Poukou,  die  den  Tukiu  unterworfen  waren.  Die  Khololo  oder  Khorlo  wohnten 
im  Nordwesten  des  nördlichen  Hoflagers  der  Tukiu,  westlich  von  den  Goldbergen 
(s.  Visdelou).  Die  Khulikan  wohnten  (nach  den  Chinesen)  so  hoch  im  Norden, 
dass  die  Kürze  der  Nacht  kaum  erlaubt,  in  der  Zeit  zwischen  unter-  und  Auf- 
gang der  Sonne  ein  Huhn  zu  kochen.  Das  an  das  Eismeer  stossende  Land  der 
Housie  ist  stets  von  Schnee  bedeckt,  ohne  dass  die  Bäume  ihre  Blätter  verlieren. 
Nördlich  vom  Lande  der  Kio  wohnen  die  Ta-han  (Riesen).  Die  Pesii  tragen 
Lederkleider.  Unter  dem  Dairi  Kei  ko  ten  o  machten  die  Atsouma  Yebis  oder 
östlichen  Barbaren  (Jesso's)  Einfälle  in  Japan  (71 — 130  p.  d.).  Unter  der  Kaiserin 
Zai  mei  (658  p.  d.)  eroberte  der  General  Abe-no  Omi  das  Land  der  Yeso  in 
drei  Stämmen,  als  Tsougar ,  Arai  Yeso  (die  wilden  Yeso)  und  Tsika  Yeso  (die 
nahen  Yeso).  Die  Festung  Miya-ki  bildete  die  Grenze  des  Yeso-Landes  (756  p.  d.). 
Unter  dem  Dairi  Kwan-mou  wurde  eine  siegreiche  Expedition  nach  Norden  unter- 
nommen und  der  Dairi  Go  fana  sono  in  eroberte  das  Land  der  Yeso  zu  Matsmaye 
(1443).  Der  Dairi  Zai  mei  ten  o  begründete  (655 — 661  p.  d.)  einen  Regierungs- 
sitz unter  den  Yeso  zu  Siri  besi.  Als  (von  Joritomo  besiegt)  Yosi  tsoune  nach 
Yeso  flüchtete  (1189  p.  d.),  wurde  er  Okigourou  genannt  (nach  Rinsifee),  die 
Tochter  eines  Häuptlings  heirathend  (und  später  verehrt). 

*)  Kaiser  Yongti  (und  die  Dynastie  Sai)  vereinigte  (7.  Jahrhdt )  die  sieben 
Horden  der  Moho  (ein  Tungusenstamm,  zu  dem  die  Tataren  gehörten).  Die  tun- 
gusische  Nation  der  Khitan  breitet  (872  p.  d.)  ihre  Eroberungen  ans.  Das  Wort 
Mung  (schwach  oder  aufrichtig)  erhält  unter  den  Kian  die  Bedeutung  trotzig  oder 
stark.  Unter  Apaokhi  gründeten  die  Khitan  (eine  tuugusische  Nation)  das  Reich 
der  Khi-tan  oder  Liao  (872  p.  d.).  Kao-tschang ,  König  der  Uighur ,  unterwarf 
sich  (630  p.  d.)  den  Chinesen.  Die  Uighuren  schrieen  bei  Donner  und  schössen 
mit  Pfeilen  nach  dem  Himmel.  Sche-y-Kien  (Enkel  des  Thai-tsu)  nahm  (über 
die  Sianpi  auf  Fu-kien  herrschend)  den  Kaisertitel  an  (398  p.  d.).  Die  Hoei-hu 
oder  Hoei-he ,  die  (bei  den  Sianpi)  Kaotsche  (hohe  Wagenräder)  und  (bei  den 
Türken)  Tsche-le  oder  (nach  den  Chinesen)  Thiele  (Hojathelah  oder  Hephthaliten) 
heissen.  schlugen  unter  Thu-mii-tu,  Sohn  des  Pussaa  (des  Besiegers  der  Türken), 
die  Sie-yen-tho  (629  p.  d.).  Mo-yen-tschue,  Sohn  des  Khu-li-fl-lo  (mit  dem 
Kaisertitel  Khu-tu-lo-pi-kia-kuie-hzai-gin-chan),  auf  dessen  Fahnen  sich  der  Wolfs- 
kopf fand  (als  Fürst  der  Hoei-hu),  unterstützte  (758  p.  d.)  die  Chinesen  gegen 
die  am  Hoangho  aufgestanden en    Tum-lo-Rebellen.     Die  Kiankuen,    die  Vorfahren 


Peking.  lOJ 

Cliodseuneh  nenuen,  kommen  von  den  Golde  oder  Goldie*)  (einem 
tungusischen  Stamme)  her  (den  Mandschuren  verwandt).    Unter 


der  Kirgisen  (Hakas  oder  Blondhaarigen),  hatten  mit  den  Hoei-hu  oder  Ost-Kighur 
dieselbe  Buchstabenschrift  und  Sprache.  Nachdem  die  Khitan  von  den  Kin  ver- 
drängt waren,  erhob  sich  (zur  Zeit  des  Temudshin)  das  Fürstenthum  der  Ckirckiz 
(Kirgisen).  Die  nicht  nach  Korea  geflüchteten  Khitan  wurden  (553  p.  d.)  von  den 
Chinesen  unterworfen.  Das  Reich  der  Tengckuten  (Hosi  oder  Kaschin)  in  Tangut 
war  von  Li-ki-tsien,  Fürst  der  tibetischen  Nomaden  Tang-hiaug,  gestiftet  (X.  Jahrhdt). 
Sein  Enkel  Tschao-yuen-hao  erhielt  vom  Kaiser  der  Sung  den  Titel  König  von 
Hya  (1043).  Ractra  heisst  (bei  den  Parsen)  Bactra-bami  oder  oberes  Balk.  Bei 
den  Ssuanen  bezeichnet  Ganges  einen  Fluss  (s.  Klaproth).  Der  Kaufmannssohu 
Mäan  oder  Titianus  (macedonischer  Abkunft)  sandte  (nach  Marinus)  Handelsleute 
vom  Steinernen  Thurm  nach  dem  Sererlande.  Die  Hunnen,  (unter  König  Balamir) 
von  der  Wolga  an  den  Palus  Maeotis  vordringend,  unterwarfen  sich  (374  p.  d.) 
die  Akatsiren.  Die  Chozaren  heissen  sabisirische  Hunnen  (als  aus  Sibirien  einge- 
wanderte Türkenstämme)  bei  Procop.  Die  Utiguren  vernichteten  die  Kutriguren. 
Die  Abiren  (Avaren)  oder  Sahiren  (Sabir-ugor)  verwüsteten  (als  westliche  Hunnen) 
das  Land  der  Anten  (560 — 562  p.  d.).  Boris  (Sohn  des  Bulgarenfürsten  Presciam) 
wurde  von  den  Serben  geschlagen.  Die  Aorsen  (Geräuschlosen)  packten  ihre 
Gegenstände  auf  Kameele  (statt  auf  Wagen).  Oguzalpes  (Sohn  des  Duzalpes), 
König  der  Ughuzen,  führte  mit  den  Griechen  Krieg.  Die  Patzinaken  zerstreuten 
die  Madschiaren  am  Don  (894).  Die  Kumanen  nannten  sich  Kiptschak.  Die  Mad- 
schiaren (Ugri)  wurden  (973  p.  d.)  Christen.  Die  Türken  schickten  (unter  Ma- 
niach)  eine  Gesandtschaft  an  den  byzantinischen  Kaiser  mit  einem  in  skythischer 
(turanischer)  Sprache  verfassten  Schreiben.  Lisch  unterscheidet  die  Hünengräber 
eines  unbekannten  vorgeschichtlichen  Volkes  (mit  Steinwerkzeugen),  die  germani- 
schen Kegelgräber  (mit  Brouzegeräthen  und  Schmuck  aus  Gold),  worin  sich  bald 
beerdigte,  bald  verbrannte  Leichen  finden,  und  die  Wendengräber  mit  Urnen  und 
Silberschmuck.  Die  Kuragassen  (die  in  ihrer  Sprache  den  Tungusen  gleichen) 
ziehen  mit  Filzzelten  umher  (im  Sommer  fischend  und  im  Winter  jagend).  Sie 
schlachten  an  ihrem  Jahresfeste  (das  im  December  zur  Bezahlung  des  Tributes 
abgehalten  wird  und  Salguna  oder  Versammlung  heisst)  junge  Pferde  (durch  dazu 
bestellte  Priester,  die  im  Beisein  der  Schamanen  die  Operation  vornehmen)  und 
hängen  (nachdem  zuerst  das  Herz  herausgeschnitten  und  dann  das  Fleisch  ver- 
schmaust ist)  das  Fell  (mit  dem  Kopfe  daran)  in  ihren  Jurten  auf,  um  vor  dem- 
selben (als  Repräsentation  des  guten  Gottes)  mit  auf  der  Brust  zusammengelegten 
Händen  zu  beten.  In  Krankheitsfällen  geht  der  Schamane  um  den  Patienten 
umher  und  bestreicht  ihn  mit  einem  Besen,  der  in  das  Feuer  gelegt  war.  unter 
den  Schamanen  in  Olehon  (die  alte  Bücher  ihrer  Traditionen  besitzen)  herrscht 
die  Ansicht,  dass  ihre  Religion  als  ältere  Form  des  Lamaismus  aus  Indien  kam. 
*)  Sie  haben  von  den  zwischen  ihnen  angesiedelten  Chinesen  die  Religion 
des   Confucius    (wenigstens   in    den    Aeusserlichkeiten)    angenommen    (ihie  Götter 


102  Zweites  Kapitel. 

der  Dynastie   Tsin  wurden  (277  p.  d.)   alle  tatarischen  Völker 
in  Nordwest  bis  gegen  den   caspischen  See  hin    von  dem  chine- 


verwerfend  oder  in  die  Wälder  eutfernend).  Auf  den  Tempeln  in  den  Dörfern 
finden  sich  die  Bilder  chinesischer  Götter  gemalt.  Von  den  Göttern  erhalten  die 
in  Tiger-  und  Bärenform  den  Vorzug.  Ein  Tiger,  der  das  Dorf  Suadze  heim- 
suchte, erhielt  jede  Nacht  einen  Hund  hingeworfen  (da  keiner  der  Jäger  ihn  zu 
schiessen  wagte).  Nachdem  alle  Hunde  verbraucht  waren,  dachte  man  den  Tiger 
durch  Hinwerfen  eines  Kindes  so  weit  zu  besänftigen,  dass  er  nicht  wiederkehren 
würde  (1858  p.  d.),  aber  ein  Officier  des  usurischen  Kosakenbataillons,  der  davon 
hörte,  schickte  einige  Soldaten  hin,  den  Tiger  zu  tödten  (Brölkin).  Nach  der 
Ansicht  der  Chodzenen  gehen  die  Seelen  der  Verstorbenen  nach  Westen,  nach 
dem  Reiche  Djawa,  wo  sie  ein  ruhiges  Leben  führen  werden.  Die  Strafe  für 
Verbrechen  erwarten  sie  nicht  im  küuftigt-u,  sondern  im  jetzigen  Leben.  Ausser 
Faulheit  haben  sie  keine  Lister.  Die  Chodzenen  nennen  das  Jahresfest  (im 
Januar)  Ania  bia  (Feiertag  des  Mondes).  Ein  reicher  Chodzene  ladet  seine  Nach- 
barn ein ,  um  einen  aufgefütterten  Bären  (unter  bestimmten  Ceremonien)  todt 
zu  schlagen  und  zu  essen.  Der  Schädel  wird  auf  einen  Baum  neben  der  Hütte 
aufgesteckt.  Die  Chodzenen  machen  ein  Kissen  zum  Andenken  an  die  Verstorbe- 
nen. Empereur  Yang  ti  (pour  ouvrir  des  relations  avec  les  Si-yu  ou  les  pajs  ä 
l'ouest)  envoya  (605  p.  d.)  Fei  tou  pour  engager  les  Si-fan  (Thibefains)  et  autres 
peuples  ä  venir  rendre  hommage.  II  y  eut  beaucoup  des  princes,  qui  repondirent 
a  son  appel.  Ceux  de  l*Inde  furent  les  seuls,  qui  refuserent  d'entrer  en  rapports 
avec  la  Chine  et  l'empereur  en  fut  fort  irrit^.  Les  rois  de  ITnde  sont  de  la 
famille  des  Ki-li-tchi  ou  Tsa  li  (Kschattrya).  On  brüle  les  ossement  des  morts, 
on  recneille  leurs  cendres  et  on  les  depose  dans  un  so-tou  (stüpa),  mais  quelque- 
fois  on  abandonne  des  morts  au  milieu  d'un  desert  ou  on  les  jettent  dans  un 
fleuve.  Les  Indiens  posse'dent  une  ecriture  et  ils  excellent  dans  les  calculs 
astronomiques  et  la  science  du  calendrier.  Ils  fönt  usage  des  caracteres  inveut^s 
par  le  dieu  Fan  (Fan-lan-mo  ou  Fan-mon)  ou  Brahma.  Dans  toutes  les  parties 
de  rinde  on  montre  les  antique  traces  de  Fo.  Les  habitans  ont  foi  dans  les 
serments  solenneis,  ils  trausmettent  des  formules  magiques  qui  peuvent  faire  venir 
les  dragons  et  appeler  la  pluie.  Les  emissaires  du  magicien  Nalomiporomei 
coururent  dans  tous  les  royaumes  des  Polomeus  ou  Brahmanes  (pour  trouver  les 
herbs  immortels  dans  la  maladie  de  l'empereur  chinois.  La  riviere  Pandafa  sort 
du  milieu  d'un  äuge  de  pierre.  Elle  est  gardee  par  des  hommes  en  pierre. 
Nachdem  Nebukadnezzar  sieben  Jahre  lang  als  wilder  Thiermeusch  umhergestreift 
war  (s.  Daniel),  wurde  er  wieder  mit  Ehren  und  Freudenbezeigungen  auf  den 
Thron  zurückgeführt.  Nebuchadenezzar  heisst  Rab-Mag  auf  den  Ziegeln  (Rawlin- 
son).  Belteshazzar  (Bei  guards  secrets)  in  Babylonien.  De  Lagarde  deutet  den 
armenischen  Torgom  auf  der  kleinasiatischen  Landschaft  Tograma  {Tsvd'^aria). 
Tschingis-Chan  (Sohn  eines  Chef  der  mongolischen  Horde,  die  den  Kin  Tribut 
zahlte)   flüchtete    (aus   dem   Lande   vertrieben)   zu   Togrnl   (Chef  der  karaitischen 


Peking  103 

sischen  Scepter  abhängig,*)  jedoch  behielten  sie  ihre  einheimischen 
Fürsten    und    Häuptlinge.      Die    barbarische    Nation    der    Ki- 


Horde).  Nachdem  er  später  alle  türkisch-tatarischen  Stämme  unterworfen,  besiegte 
er  die  Altan-Chan  (seine  früheren  Oberherren)  und  dehnte  seine  Eroberungen  über 
Asien  aus.  Die  Schineser  nannten  alle  ausserhalb  der  grossen  Mauer  lebenden 
Völker  Tata.  Die  Mogolen  hiessen  insbesondere  Ta-dsi  (Ta-dshe).  Nach  Ru- 
bruquius  residirte  Tschingis-Chan  in  Mancherule  oder  Onamcherule  (an  den  Flüssen 
Onon  und  Kurulun  oder  Kerlou).  Als  die  beiden  Brüder  Oelöt  und  Burät  über 
eine  Stute  in  Streit  geriethen,  musste  Burät  mit  seinem  Anhang  das  Land  räumen 
(nach  den  Buräten).  Die  Schamanen  heissen  (bei  Strabo)  Germaner,  (bei  Clemens 
Alexandr.)  Sarmaner,  (bei  Porphyr)  Samanäer.  Kara-Kitai  war  Kaschkar  (b.  Carpin 
und  Rubruquius).  En  les  instruisaut  on  se  fera  obeir  les  barbares  (les  Man  et 
les  Y),  dit  Chun  (dans  le  Chouking).  Selon  Sse  ma  tching,  l'empereur  Hoangti 
a  eu  le  Choui  de  la  vertu  de  la  terre,  or,  comme  la  couleur  de  la  terre  est 
jaune,  on  l'a  surnomni^  l'empereur  jaune;  de  meme  que  Chin  noung,  qui  regnait 
par  la  vertu  du  feu,  fut  surnomme  Yanti  (l'empereur  des  flammes).  Le  peuple 
Chinois  se  trouve  mentionne  (dans  le  Chouking)  tantot  sous  le  nom  de  Min 
(peuple),  tantot  sous  celui  de  Li-min  (peuple  noir),  tantot  sous  celui  de  Pe  sing 
(cent  familles).  U  est  defendu  en  Chine ,  aux  membres  d'une  famille  (Sing)  de 
se  marier  entre  eux,  entant  qu'ils  porteut  le  meme  nom.  Selon  le  Chuntian, 
Sanmiao  etait  le  nom  d'un  royaume,  qui  etait  situe  au  sud  du  Klang.  Chun 
divisa  les  Sanmiao  et  les  chassa  a  Sanwei  (les  provinces  de  Kham,  d'Oui  et  de 
Zsang).  Les  Tibetains  descendent  de  l'aucien  Sanmiao.  Chun  envoya  Yu  pour 
soumettre  les  Yeou-miao.  Les  tribus  sauvages  de  Miao-tseu  sont  d'origine  tibe- 
taine.  Les  San-miao,  ä  la  cruaute  et  a  l'a  tyrannie,  ajoutaient  la  superstltion, 
le  faux  culte  et  la  divination.  Selon  le  Lui  ngao  (Chouking)  la  victoire  rem- 
port^e  sur  le  roi  de  Chang  procura  une  libre  communication  avec  les  9  Y  et  les 
8  Man.  The  mountaineers  (with  high  hooked  noses)  in  the  Yunnan  and  Kwei- 
chow  provinces,  called  Lo-lo,  who  duriug  the  civil  wars  of  the  third  Century  lent 
essential  assistance  to  the  kingdom  Shuh,  revolted  in  the  year  1821  p.  d.,  but 
were  subdued  by  Ne,  the  Commander  en  chef  at  Szechuen-province. 

*)  Ein  Aufstand  der  Hiongnu  (die  in  Schensi  angesiedelt  waren)  liess  aber 
diesen  Einfluss  auf  Mittelasien  wieder  verloren  gehen.  Das  Haus  der  Topa-Ta- 
taren  (Dynastie  Wei),  das  im  nördlichen  China  (398 — 534  p.  d.)  herrschte,  blieb 
mit  seinen  sibirischen  Stammesgenossen  zwischen  Baikal  und  Ob  in  Verbindung 
und  dehnte  seine  Herrschaft  ausserdem  über  einen  grossen  Theil  Mittelasiens  aus. 
Nach  der  Vorrede  des  Siyuwenkianlo  (Beschreibung  dessen,  was  von  Siyu  gesehen 
und  gehört  ist)  durch  Tschin-yuan  (1778  p.  d.)  ist  der  Planet  der  Erde  nur  ein 
Kügelchen  im  Himmelsraume  und  China  nur  ein  "Winkel  auf  der  Erde.  Unter 
den  Slawen  (von  den  Quellen  des  Dnepr  zum  schwarzen  Meer)  nehmen  die  des 
eigentlich  russischen  Gebietes  (Rusj)  oder  des  Knästhums  Kiew  den  ersten  Platz 
ein.     Sakkanakku,  the  high  priest  (at  Babylon),  derived  from    Sagan   (priest)   and 


104  Zweites  Kapitel. 

tan  (alte  Einwohner  des  Landes  Leao-tung),  sich  aller  Länder 
zwischen  dem  Königreich  Kaschkar  und  Korea   (wie  auch   der 


ukku  (great).  Daniel  was  appointed  Rab  Saganin  or  chief  Sagan  (s.  Talbot). 
Auf  der  Birs  Nimrud-Inschrift  ist  Ishakku  Priester.  Balat  means  a  grant  or  gift. 
Askup  or  askupat  (from  iskibbu,  cubile)  is  used  for  a  flat  stone  lying  down  and 
coveriug  an  object.  So  we  say  in  English  :  the  sleepers  of  a  railway(s.  Talbot). 
Talbot  erklärt  Sanballat  (in  den  Keil-Inschriften),  als:  The  Moon  gave  him  life 
(was  Ms  Creator).  The  Patizeithes  of  Herodotus  is  not  a  uame,  but  a  title,  as 
Patizi  or  high  priest  (s.  Talbot).  Yami,  the  sea  (in  den  Keilschriften),  yam  in 
Hebrew.  Mut:  death  (in  den  Keilschriften).  Kuku :  the  Swan  (iu  den  Keil- 
schriften). Mi  (musu)  :  right  (in  den  Keilschriften).  In  Dionysio  legitur 
Aarivoi  ol  ytaXo/nevoi  Ilqtay.oi,.  Nach  Rossi  waren  die  Aborigines  früher  Casci 
genannt.  Casnar  senex  Oscorum  lingua  (IVstus).  Cacus,  als  Gesandter  des  phry- 
gischen  Königs  Marsyas  nach  Etrurien  geschickt,  ward  von  Tarchon,  König  der 
Tyrrhenier,  gefangen  (nach  Solin).  Hercules  besiegt  Cacus,  der  seine  Rinder 
gestohlen  (nach  Dionys  Hai.).  Die  Arba  Lisnn  (vier  Zungen)  der  Kiprat-arbat 
oder  vier  Stämme,  worüber  die  Könige  des  alten  Chaldäa  herrschten,  zeigten  Ver- 
wandtschaft (ausser  mit  den  Mahra  Arabiens,  den  Galla  und  Wolaitsa  Abyssiniens) 
mit  Aegyptisch,  Tatarisch,  Arisch  und  Semitisch  (nach  Rawlinson).  The  form 
Ra  (the  Cushite  equivalent,  which  iu  Egypt  received  a  special  application  to 
tbe  sun)  represents  the  native  Chaldaean  uame  of  the  deity,  while  II  (Elohim 
or  Allah)  or  (according  to  Diod.  ^Hhos)  is  the  Semitic  equivalent  (in  Chaldäa 
als  Krouos  nach  Diod.).  Bil-Nipru  (pursuing)  is  Nimrod  (s.  Rawlinson)  with 
Kiffer  as  bis  principality  (sowie  Kalah  oder  Nimrud  und  Duraba  oder  Akker  kuf). 
Ai  (Gula  or  Anunit)  may  be  the  same  word  (in  Chaldäa)  or  the  Agau  (Abyssi- 
nian)  awi  or  light  (s.  Rawlinson).  Soest  ist  der  römische  Ruheort  Amasia.  Der 
Name  Batavi  wird  auf  iJati  oder  Battl  zurückgeführt  {Barroi  bei  Strabo).  Nach 
Hupel  bedeutet  Kosak  iu  der  tatarischen  Sprache  einen  leicht  bewaffneten  Kriegs- 
mann, einen,  der  mehr  durch  Streiferei  als  durch  wirkliehen  Angriff  dem  Feinde 
zu  schaden  sucht,  einen,  der  sich  zum  Kriege  dingen  lässt,  einen,  der  mit  ge- 
schorenem Kopfe  [Agrippäer]  einhergeht  (s.  Brix).  Von  den  Kosaken  (tatarischen, 
sarmatischen  und  slawischen  Völkern)  zogen  sich  iu  der  Folge  einige  von  ihren 
Wohnorten  in's  Feld  (w  pole)  oder  (nach  Ausdrucksweise  der  russischen  Chro- 
nisten jener  Zeit)  in  die  Steppen,  welche  das  Grossrussische  Reich  von  der  Krim 
und  dem  Kaukasus  trennen  (als  Kosaken  oder  Herumtreiber),  Während  der  be- 
ständigen Kriege  der  russischen  Gross-  und  Theilfürsten  mit  einander  und  mit 
den  Grerizvölkern  wurden  die  Kosaken  bald  auf  dieser  Seite,  bald  auf  jener  iu 
Sold  genommen  und  machten  sich  unter  dem  Namen  der  Polowzer  (lowzy  oder 
Jäger)  als  leichte  Reiter  geachtet  und  gefürclitet.  Nach  den  Nachträgen  zur 
Chronik  in  Hypatiew  wählte  das  kriegslustige  Volk  (1516  p.  d.)  aus  seiner  Mitte 
einen  Stareischin  (Aeltesten),  Namens  Kosak,  nach  dem  sie  selbst  den  Namen 
Kosaken  annahmen. 


Peking.  105 

nördlichen    Provinzen  Chinas)   bemächtigend,    stiftete   den   Re- 
gentenstamm Leao.  *}     Der  Kaiser  von  Sin-ngan-fu  unterwarf  das 


*)  Die  1114  abfallenden  Njutsche  besiegten  die  Kitan  und  stifteten  den 
Stamm  der  Kin.  Der  von  den  Kin  vertriebene  Priüz  aus  dem  Hause  Leao  (Namens 
Jelutasch)  flüchtete  nach  Westen  und  wurde  König  der  bis  zum  caspischeu  Meer 
unterworfenen  Länder,  in  Use-uaöltu  (westlich  von  Kaschkar)  residirend.  Gur- 
oder  Gaur-Chan  (der  den  von  Tschingis-Chan  vertriebenen  naimanischen  Prinzen 
Kutschluk  bei  sich  aufnahm  und  durch  ihn  vom  Thron  gestossen  wurde)  war  der 
letzte  Chan  der  westlichen  Kitan  (im  Gegensatz  zu  den  östlichen  Kitan ,  die  in 
Leaotang,  als  ünterthanen  oder  Kin,  zurückgeblieben  waren).  Alle  die  von  den 
westlichen  Kitan  unterworfenen  Länder  (von  Turfan  und  Kaschkar  bis  an  die 
Flüsse  Ob,  Irtish,  Gihon  und  Sihen)  hiessen  Kara-Kitai,  indem  die  Kitan  (oder 
Kitai)  schwarze  (Kara)  genannt  wurden,  weil  sie  ihren  Ueberwindern  einen  Tribut 
bezahlen  musste  (Fischer).  Die  als  Sclaven  gehaltenen  Wilden  von  Cambodia 
heissen  nach  dem  chinesischen  Gesandten  (1296)  Tsung  (Hunde).  Nach  den 
Brahmanen  stammen  die  Tschinas  (Chinesen)  von  den  Hindus  aus  der  Krieger- 
kaste. Nach  Dharma's  oder  Tamo's  Tode  erhob  sich  der  unterdrückte  Buddhismus 
(in  Tibet)  aufs  Neue  (X.  Jahrhdt.).  Nach  dem  Armenier  Haiton  geniessen  die 
Jogur  (Nigur)  in  dem  Königreich  Torsen  weder  Fleisch  noch  Wein,  nichts 
Lebendiges  tödtend.  Nach  Abulghasi  nannten  die  Uiguren  das  erwählte  Ober- 
haupt Idikut,  als  vom  Geist  (Cuth)  gesandt  (Idi),  wie  Devadatta.  In  the  procla- 
mation  (on  the  nestorian  tablet  of  Segan  foo)  of  the  Chinese  emperor  Tae-tsung 
(638)  it  is  said:  the  greatly  virtuous  Alopun,  of  the  kingdom  of  Syria,  has 
brought  his  sacred  books  and  Images  from  that  distant  part  and  has  presented 
them  at  the  capital.  Having  examined  the  principles  of  this  religion,  we  find 
them  to  the  purely  excellent  and  natural,  investigating  its  originating  source,  we 
find  it  has  taken  its  rise  from  the  establishment  of  importaut  truths,  its  ritual 
is  free  from  perplexing  expressions,  its  principles  all  survive,  when  the  frame- 
work  is  forgotten,  it  is  beneficial  to  all  creatures,  it  is  advantageous  to  mankind. 
Let  it  the  published  throughout  the  empire  and  let  the  proper  authority  build  a 
Syrian  church  in  the  capital  in  the  Ening  Way,  which  stall  he  governed  by  21 
priests.  When  the  virtue  of  the  Chow-dynasty  declined,  the  rider  on  the  azure 
ox  ascended  to  the  west,  the  principles  of  the  great  Tang  becoming  resplendent, 
the  illustrious  breezes  have  come  to  fan  the  east  (s.  Wyhe).  When  the  burial 
spot  for  Hoa-seng  (a  little  boy,  who,  endowed  with  acuteness,  could  walk  from 
the  beginning  and  always  joined  his  hauds  in  supplication  the  Buddha)  had 
been  chosen  by  divination  (according  to  Tsungching)  the  stone  with  the  Tablet 
of  the  Propagation  of  the  illustrious  Religion  was  found  at  Segan  (according  to 
Lae  Tsae).  According  to  Katana  kalpa  prince  Raja  deva  Nangpiyatisa  sought 
(236  year  after  Buddha)  for  sacred  knowledge  of  Maha  Arigata  Thera  in  Thupa- 
rama  in  Lauca  dwipa.  At  the  period  of  Mahasena's  reign  a  tooth  of  Buddha 
was  conveyed  to  Lanca  (s.  Low).     According  to  the  Milinda  Raja,   Buddh's  vase 


106  Zweites  Kapitel. 

Reich    Tschan-tsching  *)    in    CochincMna).       Die    Schiffe     aus 
Canton  landeten  (nach  Marco  Polo)  in  Tsiampa.     Kaiser  Wu  be- 


was  (at  bis  Nirwan)  carried  to  Ceylon  (as  relic).  When  the  Peshkaras  went  to 
Ceylon  (77  p.  d.),  it  was  overrun  with  demons.  Mob  (in  Mohzarkhala  of  western 
Huzara)  created  tbe  Earth  and  bis  wife  (Mabiin)  created  tbe  wilderness,  from  them 
Sprung  tbe  flxst  giant  race.  Tben  tbe  tbree  sons  rebelled,  as  Sheh  (tbe  life 
destroyer) ,  Zbei  (the  Are  god)  and  Maul  (tbe  earth  quaker) ,  wbo  buried  Mob 
beneatb  the  monntains.  Moul  was  lost  in  tbe  darkness  of  bis  own  creating. 
Sheh  fled  with  bis  family  towards  the  sun,  which  so  mucb  enraged  Zbei  as 
to  set  the  earth  in  Are,  which  was  quenched  by  tbe  spirit  of  Mabun  (after  the 
destruction  of  the  giant  race).  Then  Hersb  and  Lethram  (originally  slaves  of 
Mob  and  great  magicians)  emerged  from  tbe  north  to  settle  in  these  mountains. 
The  sons  of  Hersb  (üz,  Muz  and  All,  ho  gave  tbe  names  to  the  Uztagb,  Muz- 
tagh  and  Altai  monntains)  rei^ned  bappily,  tili  Khoor  (Cyrus)  iuvaded  the  country. 
Having  repulsed  tbe  invaders,  as  Khoorknsh  (Cyrus  killed)  or  Khirghiz,  tbeir  descen- 
dants  remained  undisturbed,  tili  Khoordroo  (Alexander)  invaded  them  (s.  Gardiner). 
Valentyn  sagt :  dat  dit  Land  (Cambodia)  in  ouden  tyden  zelfs  onder  de  Chinesen 
gestaan  heft.  Nich  Valentyn  bekehrt  sich  der  König  von  Cambodia  (um  mit 
Java  und  den  Malayen  in  Feindschaft  zu  bleiben)  zum  Mohanimedanismus.  Und 
weil  Sr.  Churfürstl.  Durchlaucht  Namen  in  aller  Welt  gross  ist,  also  nannte  ich 
auch  den  Berg  (der  Ansiedlung  bei  dem  Dorfe  Accode  oder  Acca  au  der 
gnineischen  Küste)  den  Grossen  Friedrichs-Berg  (v.  d.  Groben).  Die  Neger  am 
Cap  Mesurado  schwören  beim  Donner.  Auf  der  höchsten  Felsspitze  des  Gebirges 
Caff  nistend,  ersteht  (nach  dem  Verbrennen)  der  Wundervogel  Simorg,  erneut  aus 
der  Asche.  Auf  den  Zweigen  des  Baumes  Gogard  sitzend ,  ist  er  (Gutes  und 
Böses  verkündend)  ein  Orakel  der  Zukunft,  Don  Juan  dharma  Pala,  king  of 
Cotta  (in  Colombo),  having  no  daugbter,  substituted  for  tbe  king  of  Pegu  (wbo  bad 
been  told  by  tbe  astrologers)  tbat  he  would  marry  a  princess  of  Ceylon)  the 
daughter  of  bis  minister,  wbo  (although  Christian)  bad  fabricated  from  a  stag's 
hörn,  a  holy  tootb,  preteuding  it  to  be  the  real  oue,  which  was  secreted,  wben 
the  Portuguse  carried  off  (1560)  one  from  Jaffua.  When  Wikrama  Babu,  king  of 
Candy,  heard  of  it,  he  offered  with  bis  real  daughter  a  tooth,  which  would  he  the 
genuine  one  (1588).  In  Amarapoora  was  shown  the  depository  of  the  tooth  of 
Gotama  and  in  the  geegooug-pagoda  at  Nyoungoo  a  fac-simile  of  one  of  Gotama's 
teetb.  Wben  Khan  Khubla  sent  to  Ceylon,  be  obtained  two  large  back  teeth 
(with  vessels  of  Porphyr)  from  tbe  king  (according  to  Marco  Polo)  1281.  De 
Couto,  when  describing  tbe  tootb  of  Buddha,  which  Brama,  king  of  Pegu,  received 
from  Ceylon,  calls  it,  „Dante  do  seu  idolo  Quijay,'"  and  in  another  place,  „do 
Quiar,"  probably  a  corrupt  spelling  for  the  Birmese  word  for  a  Buddha,  „Phra", 
or  possibly  a  modiflcation  of  the  Chinese  name  for  Gotama  .,Kiu-Fau'-  (Tennet) 
the  holy  tootb  (at  Kandy)  is  a  piece  of  discoloured  ivory. 

*)  Die  Grenzen  von  Mabet  schlössen  Tscban-tscbing   (mit  den  südlichen  von 


Peking.  107 

lehnte  die  nach  Tschao-sien  (in  Korea)  geflüchteten  Khi-tse  mit 
der  Herrschaft  (nach  dem  Tai-ping-yü-lan),  und  (108  a.  d.)  wurde 


den  Chiueseii  Tscheu  geüaniiten  Felsenklippen)  ein.  Der  bis  Kuang-si  in  China 
vorgedrungene  König  von  Kiao-tschi  schickte  (1078)  Tribut.  Als  die  chinesische 
Flotte  (des  Kublai-chan)  sich  der  Hauptstadt  Kotschin-chinas  bemächtigte,  floh 
die  Partei  des  Königs  in  die  Berge  (s.  KaeufFer).  Nach  Pri  oder  Prome  (443 
a.  d.)  wurde  Pugan  (107  a.  d.)  Hauptstadt  von  Birma.  Auf  die  (nach  Panya 
folgende)  Dynastie  von  Sagoing  kam  (1364)  die  von  Ava.  Marco-Polo  erwähnt 
zwei  (vergoldete  und  versilberte)  Pyramidenthürme  (mit  Glocken),  als  Grabmal 
eines  Königs,  in  der  von  den  Chinesen  eroberten  Stadt  Mien  (Ava).  Die  Bir- 
mesen  ehrten  den  heiligen  Berg  Gnowa  im  Lande  der  besiegten  Kainer,  die  das 
Gesicht  ihrer  Frauen  tättowirten.  Bei  der  jährlichen  Feier  des  Todtenfestes  zu 
Ehren  des  Dagon  (in  Arracan)  warfen  sich  die  Gläubigen  unter  den  Wagen  des 
Götterbildes  (s.  Rückert).  Prau  heisst  (von  seiner  Gründung)  Tereketeri  (einzelne 
Haut).  Minderashi-Pra  Hess  die  Gesetze  der  Hindus  aus  dem  Englischen  in's 
Birmesische  übersetzen.  Auf  der  südjyestlichen  Seite  des  Tempels  Sohomadu-pra 
(Schergumga-pra)  in  Pegu  stehen  die  Phallus  aus  Mauerarbeit.  Die  Gotama  in 
Tempeln  verehrenden  Singpho  opfern  dem  Elementargott  Ning-Deota  oderNingschih, 
und  durch  die  Deodhie  (Priester)  den  Verstorbenen.  Sigiami  ist  (nach  den  Bir- 
mesen)  der  Vorsteher  der  Elemente  (Donner  und  Blitz  beherrschend).  Palli  oder 
Kakus  (halb  Thier,  halb  Mensch)  bewacht  (als  böser  Geist)  den  Tempel  (mit  einer 
Keule).  Maha-Sundora  (die  schaffende  und  zerstörende  Macht)  schützt  das  Weltall 
und  wird  es  einst  vernichten.  Thasiami  und  Thori  (mit  Buch  und  Feder) 
zeichnen  die  Handlungen  der  Menschen  auf.  Bei  den  Alfuren  verstopft  die 
Hebamme  jede  Oeffnung  (auch  des  Schlüssellochs),  bindet  den  Hund  und  der 
Katze  den  Mund  zu  und  erlaubt  keinem  Anwesenden,  den  Mund  zu  öffnen,  damit 
die  Seele  des  Neugeborenen  nicht  sofort  bei  Eintritt  in  die  Welt  verschwinde. 
Im  Westen  von  Tschun-la  (Kambodscha)  lag  (nach  den  Chinesen)  das  Königreich 
Tschhi-tha  (rothe  Erde  oder  Slam).  Das  Königreich  Thsan-pan  ist  eng  mit  ihm 
verbunden.  Mit  Ling  (Kotschin-China)  liegt  es  in  stetem  Kriege.  Thsan-pan 
heisst  (bei  Huien-thsong)  Ma-ho-tschen-pho  (Maha-tschampa)  oder  Tsiampa.  Nach 
Ptolemäos  war  die  Küste  von  Pegu  durch  Besyugiter  (Menschenfresser)  bewohnt. 
Der  König  in  Kamarupa  (wo  die  Geister  des  Himmels  verehrt  wurden)  stammte 
(nach  dem  Si-yu-ki)  vom  Gotte  Na-lo-yen  (Näräyana  deva),  von  der  Rasse  der  Po- 
lo-men  (Brahmanen)  mit  dem  Titel  Keou-mo-lo  (Kumära).  Der  König  war  passionirt 
für  das  Studium,  und  obwohl  er  nicht  an  das  Gesetz  Buddha's  glaubte,  zeigte  er 
doch  eine  grosse  Achtung  gegen  die  Q^ämanas,  die  von  tieferem  Wissen  sind. 
Der  König  war  abhängig  von  Silä  ditja.  Die  Halbinsel  Malacca  heisst  Malai  (bei 
Edrisi).  Tagoung  wurde  100  a.  d.  zerstört.  Die  im  2.  Jahrhdt.  a.  d.  au- 
gesiedelten Brahmanen  gründeten  die  von  Ptolemäos  in  Hinter-Iudien  erwähnten 
Städte.  Die  Brahmanen  gelangten  von  Silhet  nach  Manipura  und  dann  zu  dem 
südlichen    Gebiet   von   Kule.      Darauf  want'ten    sie  sich  theils   östlich   nach   Lao, 


108  Zweites  Kapitel. 

Tschao-sien  durch  die  Han  erobert.  Im  Reiche  Weimi  (Korea) 
werden  die  Tiger  verehrt.  Personen  von  gleichem  Familien- 
namen verheirathen  sich  nicht.  Zum  König  von  Schin  nimmt 
man  nur  einen  Eingeborenen  von  Mahan.  Dadurch,  dass  der 
König  von  Han  sich  nicht  selbst  zum  König  einsetzen  kann, 
deutet  man  an,  dass  das  Volk  aus  Verbannten  besteht  (s.  Pfiz- 
maier).  Kamui  oder  Kamoi*}  (bei  den  Aiuo)  bedeutet  Gott, 
Vornehme,  oder  auch  für  geisterhaft  gehaltene  Thiere. 

Yopitsoune  (der  vor  seinem  Bruder  nach   Yeso  flüchtete) 


thells  südlich  nach  Pegn,  und  von  dort  ans  wurde  Ajodh.ja  in  Siam  und  Vai(jali 
in  Arakan  gegründet  (s.  Käuffer).  Samudraradscha  herrschte  (107  p.  d.)  in  Pagan. 
Nach  dem  Periplus  segelte  der  Schiffer  von  einem  Hafen  an  der  Ostküste  Vorder- 
indiens nach  Xovor]  i]71eiqos  (Pegu).  Kaiser  Tsiu-schi-Hoang-to  schickte  (214  a.  d.) 
chinesische  Colonisten  nach  Lin-y  (Kotschin-China)  uod  Tongking  (Kiao-tschi  oder 
Nian-Kiao)  oder  Jue-tschang.  Samudragupta  (in  dessen  Inschrift  zuerst  die 
Namen  Anamund  Tsepala  erwähnt  werden)  unterwarf  (400-450  a.  d)  Samatata, 
Tadschavakra  und  Kamarnpa.  Kamdotscha  schickte  (616)  Tribut  nach  China. 
Hiuentsang  erwähnt  (640)  einen  König  von  Kamarnpa  (Ünter-Anam) ,  welcher 
l^Kumara  genannt)  Brahmane  war. 

*)  Kamoi-fumbe  (ein  Steinkäfer)  ist  der  Gütterwalfisch  (bei  den  Aino).  Schiumu- 
guru  ist  im  westlichen,  Menaschi-guru  im  östlichen  Aino.  Aino  (in  Aino)  be- 
deutet, dass  ein  Wort  sich  auf  einen  Aino  (einen  Menschen)  bezieht,  als  aino- 
korubu  (Jemand  hochschätzen),  aino-konobnru  (Jemand  lieben),  aino-seseku  (als 
ein  Aino  erglühen  oder  zornig  werden),  aino-kiri  (die  Aino-Naht)  oder  Lebens- 
unterhalt. Les  habitans  de  Yeso  et  autres  tribus  de  meme  origine  sont  encore 
anjourd'hui  au  meme  degre  de  civilisation  ou  etaieut  les  peuples  au  commence- 
ment  du  monde  (nach  Rinsifee).  Cependant  tous  les  pays  out  ete  de  meme  dans 
le  commencement,  sans  excepter  le  Japon,  la  Chine,  la  Coree  et  l'Hollande 
(s.  Klaproth),  civilisirt  durch  Handel  und  Religion.  Die  Japaner  heissen  Samo 
(bei  den  Yeso).  Mit  Iware-biko-no  mikoto,  Sohn  des  U-gaja-faki-ajezuno  mikoto 
(Sohn  des  Fo-wo-de-mi-no  mikoto)  beginnen  die  geschichtlichen  Zeiten  Japans 
(Pflzmaier).  Der  ältere  Bruder  Fo-fuseri-no  mikoto  hatte  die  Ausbeutung  der 
Berge,  der  jüngere  Bruder  Fo-wori-no  mikoto  die  Ausbeutung  des  Meeres  (nach 
Taira-no  owoflra).  Die  Sonnennachfulge  des  Himmels  (ama-tsu-fi-tsugi)  beruht  (in 
Japan)  darauf,  dass  theils  aus  den  Edelsteinen  der  Sormeugottheit,  theils  aus  den 
Schwertern  des  Gottes  Su-sa-no  Wo  mehrere  Söhne  und  Töchter  entstehen,  und 
zuletzt  der  als  Enkel  der  Sonnengottheit  bezeichnete  Sohn  des  ersten  dieser  Söhne 
vom  Himmel  herabgesendet  und  zum  Beherrscher  des  japanischen  Reiches  ernannt 
wird.  Früher  wurden  einigen  Göttern  Menschen  geopfert,  sobald  sie  geboren 
waren,  (nach  Pfizmeier)  in  Japan.  Der  Gott  Su-sa-no-wono  mikoto  stieg  (wegen 
seiner  Unthaten  durch   die   Götter   verbannt   (in   das   Reich   Sira-ki  (Siam)  hinab. 


Peking.  109 

wurde  von  dem  japanisclien  Priester  Binke  begleitet  (nacli 
Rinsifee)  und  est  alle  jusqu'en  Tartarie  (s.  Klaprotb).  Die  Kinder 
der  Yeso*3  werden  frühzeitig  (mit  einem  Tau)  im  Springen 
unterrichtet  (s.  Rinsifee).  Die  Geehrte  Izanami  verfolgend,  ge- 
langte der  Geehrte  Izanagi  in  das  Reich  der  Wurzeln,  wo  Iza- 
nami (wegen  des  späten  Aufstehens  ihres  Gemahls)  bereits  au 
dem  Herde  der  Unterwelt  gegessen,  und  von  ihm  verlangte,  dass 
er  sie  beim  Schlafen  nicht  anblicken  solle.  Als  er  durch  Schaben 
des  nämlichen  Balkens  des  Baumes  der  hundert  Fingernägel  eine 
Fackel  bereitet,  sah  er  hinabblickend  Eiter  und  Larven,  und 
entfloh  aus  dem  hässlichen  unreinen  Reich,   wo  die  beim  Auf- 


*)  Les  femmes  (de  Yeso)  n'ont  aucune  honte  de  laisser  voir  leiirs  charmes 
les  plus  secrets.  mais  elles  cachent  soigneosemeut  leur  sein  avec  im  ruorceau  de 
toile  (Rinsifee).  Beim  Sake-Trinken  (bei  den  Japanern  in  Matsmaye)  bieten  die 
Yeso  den  Riemenkampf  an.  Den  Göttern  oder  Kamoi  zünden  die  Yeso  Feuer  auf 
den  Bergen  an.  Les  Yeso  ont  les  cheveux  courts,  crepus  et  rougeätres,  mais 
ils  ne  les  lieut  pas,  ni  ne  les  coupent  sur  le  somraet  de  la  tete  (comme  ä  Japon). 
Les  hommes  ont  presque  tons  la  barbe  noire,  tres  epaisse'e  et  longue.  Toute 
la  face  (ä  l'exception  des  yeux  et  du  nez) ,  est  ordinairement  couvert  de  poil. 
Ils  sont  en  g^neral  tres  velus.  Die  Fische  werden  mit  der  Ottosei  genannten 
Harpune  getödtet  (in  Yeso).  Chez  les  Yeso,  un  frere  e'pouse  sa  soeur,  et  les 
proches  parents  se  marient  ensemble ,  pour  empecher  les  unions  avec  d'autres 
familles  (Rinsifee).  Nachdem  die  Yeso  einen  Bären  geschlachtet  haben ,  weinen 
sie  (nach  Rinsif<^'e).  Junge  Bären  werden  aufgezogen  und  von  den  Frauen  ge- 
säugt. Die  Styx  flaramea  (Sima  foukos)  wird  von  den  Y'eso  für  Pfeilfedern  in 
Käfigen  gehalten.  Les  fleches  s'appellent  Ai  (plus  courtes  que  celle  des  Japonais), 
la  pointe  est  d'un  bois  dur  et  empoisonnee  (bei  den  Yeso).  Der  im  Zweikampf 
Besiegte  wird  mit  dem  seinem  Gegner  übergebenen  Zousou  geprügelt  und  dann 
(damit  er  nicht  ohnmächtig  wird)  von  seiner  Fran  im  Gesicht  mit  Wasser  be- 
spritzt. Da  es  entehrend  sein  würde,  die  Haut  in  offenen  Striemen  zu  haben, 
so  lernen  die  Yeso  früh  Schläge  empfangen  und  pariren.  Daus  chaque  hameau 
(des  Yeso)  le  vieillard ,  le  plus  respectable ,  est  le  chef  et  a  soin  des  affaires  de 
la  commune  (nach  Rinsife'e).  Nergal,  the  Assyrian  Abnerig,  god  of  the  starry 
sky,  is  conjectured,  to  have  reference  to  the  fire-worship  or  to  that  of  the  sun 
under  the  form  of  a  cock  (s.  Ainsworth).  Phree,  the  egyptian  eagle.  The  idiotis 
or  crietins  (whose  heads  are  numerons  in  the  Tarsus-collection)  had  reverence  paid 
to  them,  as  being  preternaturally  endowed  with  sensual  qualities  (s.  Abington). 
Fakirs  are  wonderfully  so  given.  The  revolted  Chaldaean  magi  (defeated  by 
Xerxes)  fled  to  Asia  Minor  and  flxed  their  central  College  at  Pergamos,  and 
took  the  palladium  of  Babylon,  the  cubic  stone,  with  them  (s.  Ainsworth). 


110  Zweites  Kapitel. 

wachen  erzürnte  Izauami  die  acht  bässlicben  Weiber  der  Unter- 
welt zu  seiner  Verfolgung  schuf  (s.  Pfizmaier)  —  in  japanesischer 
Version  *)  der  Psyche-  und  Persephonesage.    Als  der  Gott  Susano 


*)  Als  der  die  Speisen  bewahrende  Gott  (s.  Japan)  starb,  verwandelte  sich 
sein  Scheitel  in  Rinder  und  Pferde,  aus  seiner  Stirn  entstand  Hirse,  auf  seinen 
Augenbrauen  Seidengespinnst,  auf  seinen  Augen  Haidekorn,  auf  seinem  Bauche  Reis- 
körner, auf  seiner  Weiche  Weizen,  dann  Erbsen  und  Bohnen.  Zum  Himmel 
zurückkehrend,  verblieb  Izaiiagimikoto  im  Haus  der  Sonne.  Izanaginomikoto  und 
Izanaminomikoto  (die  letzten  der  acht  Urgötter)  standen  auf  der  schwimmenden 
Brücke  des  Himmels,  berathend,  warum  auf  dem  Boden  unten  kein  Reich  sein 
sollte.  Mit  dem  Korallenberge  des  Himmels  herabstossend,  gerann  das  blaue 
Meerwasser  abträufelnd  zur  Insel  Ouogoro,  wo  die  beiden  urgötter  hinabstiegen, 
sich  zu  vermengen,  und  durch  Drehen  des  Balkens  in  der  Mitte  des  Reiches  erst 
einen  Mann  und  dann  durch  Wiederholung  (weil  Izanaminomikoto's,  des  Weibes, 
erstes  Reden  von  übler  Vorbedeutung)  eine  Frau  zeugte  (nach  dem  Kami-zo-no- 
maki-no-asi-kabi).  Anfangs  gebaren  die  Menschen  Zwillinge  (s.  Pflzmaier).  Aus 
der  Schwanzbewegung  der  Bachstelze  lernten  die  Götter  die  Begattung.  Nach 
dem  Monde  wurde  (von  den  japanischen  ürgöttern)  der  Blutigelsohn  gezeugt, 
der  (weil  nicht  auf  den  Füssen  stehend)  in  ein  Felsenkampherboot  gesetzt  wurde. 
Als  I-za-nami-no  mikoto  den  Feuergott  Kagu-tsutsi  geboren ,  ängstigte  sie  sich, 
und  aus  ihrem  Erbrechen  entstand  der  Gott  Kaua-jama-flko,  aus  ihrem  Haar  der 
Gott  Mitsu-wa-no-Me ,  aus  ihrem  Koth  der  Gott  Fani-jama-fine.  Aus  I-za-nagi- 
no  mikoto's  Speichel  entstand  Gott  Faya-tama-wono-Kami,  ans  seiner  Reinigung  von 
Schmutz  der  Gott  Jomo-tsu-koto-saka-uo-wono-Kami.  Während  der  Himmels- 
kaiser (Tenzin  Sitsiday)  in  Japan,  herrschte  in  China  der  Sanko  genannte  Kaiser, 
als  Tayko-Foekji-Si,  der  das  Alphabet,  Jenten-Sienno-Si,  der  die  Heilkunde,  und 
Kote-Oeju-Si,  der  den  Landbau  erfand  (s.  Fischer).  Dann  folgten  (mit  Tensio 
Daison)  die  Erdengötter  (Dsizin  Goday)  und  geistlichen,  bis  Zimmoe  Tenno  (zur 
Zeit  des  Kaisers  Taimwo-China)  das  japanische  Reich  begründet  (660  a.  d.).  Die 
Einrichtung,  dass  das  Gute  und  das  Böse  seinen  Anfang  nimmt,  das  Entstehen 
in  dem  Untergänge  V\^urzelu  treibt,  ist  zu  vergleichen  mit  Tag  und  Nacht  in 
einem  einzige  Tag,  mit  Hitze  und  Kälte  in  einem  einzigen  Jahre  (s.  Japan).  Der 
Blutigelsohn  ist  ein  gleich  dem  Blutigel  gestalteter  Sohn,  der  ohne  Knochen  und 
lahm  ist  (nach  Taira-no  Owoflra).  Der  den  Schilfknospen  gleichende  Gegenstand 
(bei  japanischer  Schöpfung)  stieg  empor  und  wurde  Himmel.  Sumera  mikoto 
oder  Sume-ragi  ist  der  Stammvater  der  jetzige  Allgebieter  Japans  (von  der 
Sonne  her).  Susano-wono  mikato  tödtete  die  grosse  Schlange  (von  Wein  berauscht). 
Unter  dem  Gott  Owo-na-mudzi  stieg  Sukuna-fiko-na-no  mikoto  auf  dem  Stengel 
der  Hirsenpflanze  in  das  Reich  der  ewigen  Geschlechtsalter  (s.  Pfizmaier).  Beim 
Tode  des  Ame-wako-fiko ,  vom  zurückgeworfenen  Pfeil  getödtet,  wurden  die 
Vögel  mit  Aemtern  betiaut.  Als  der  ihn  in  Zügen  gleichende  Gott  Adzi-suki- 
taka-flko-ue   (zur    Trauer  herabkommend)    von   den  Verwandten   als    ihr  Gebieter 


Peking.  111 

Wo  Cder  die  achtköpfig-e  Schlang-e  getödtet)  seinen  Palast  (in 
Suga)  baute;  stiegen  auf  seinen  Gesang  Wolken  aus  dem  Boden, 
die  Mauern  zu  bilden  (nach  dem  Kami-yo-no  maki-no  asi-kabi). 
Als  der  Gott  Fiko-fo-no  Nini-gi  (dritter  König  in  Japan)  seine 
Gemahlin*)  trotz  der  Reinigung  durch  einer  Feuerprobe  in  Ver- 


begrüsst  wurde,  hieb  er  zornig  das  Tranerhaas  nieder.  Das  -weggeworfene  Messer, 
mit  dem  Kono-fana-no  saku-za-bime  die  Nabel  ihrer  Söhne  abgeschnitten,  ver- 
wandelte sich  in  einen  Bambushaiu.  Mit  dem  Allgebieter  Iware-biko-uo  mikuto 
wurde  (660  a.  d.)  das  Japanische  Reich  begründet.  Der  erhobene  Balken  (nach 
dem  Izanagi,  als  Geehrter,  genannt  war)  mag  als  Name  ausdrücken,  dass  der 
Raum  zwischen  Himmel  und  Erde  ausgefüllt,  Himmel  und  Erde  gestützt  und 
festgehalten  werden  (nach  Tairo-no  Owo-flra).  Hätte  Izanami  nicht  am  Herde 
der  Unterwelt  gegessen,  so  hätte  sie  schleunig  in  das  sichtbare  Reich  zurück- 
kehren können  (nach  Taironoowofira).  Foworiuomikato  befolgte  die  Weissagungen 
des  Meergottes. 

*)  Als  der  Gott  Fiko-wode-mi  (vierte  Regent  Japans)  seine  Gattin  (Tochter 
des  Meergottes)  bei  ihrer  Verwandlung  in  ein  Krokodil  beobachtet,  kehrte  sie  in 
das  Meer  zurück.  Im  Kami-yo-no-masa-kata  betrügt  der  Haase  die  zum  Zählen 
aneinander  gereihten  Krokodile,  die  er  als  Brücke  benutzt  (aber  vom  letzten  seines 
Felles  beraubt  wird),  und  räth  den  ihm  helfenden  Gotte  Wo-wo-na-mudzi.  Tschu- 
mung,  der  durch  einen  Sonnenstrahl  empfangene  Vorfahr  der  Ka  kiu  li,  zog  (zur 
letzten  Zeit  der  Han)  aus  Fou-yu  südwestlich  naoh  Korea  und  begründete  in 
Khechung  die  Dynastie  Kao  li  (nach  dem  Thoung  tian),  bis  zur  chinesischen  Er- 
oberung (668  p.  d.).  Les  Kie-kia-sse  (visages  jaune-rouges)  oder  Khienkouven 
(Kiekhou  oder  Kiuve)  bewohnen  die  schwarzen  Berge  (Tfimcham).  Les  hommes 
(de  grande  taille)  ont  les  cheveux  blonds,  le  visage  blanc  et  les  yeux  bleus.  Die 
Schwarzhaarigen  unter  ihnen  stammen  von  dem  Geschlecht  des  Lilim  (ihrem  chi- 
nesischen Stifter).  Les  hommes  (courgeux)  fönt  des  marques  ou  stigmates  aux 
mains  (les  femmes  sur  le  cou).  Mao-sse-ghai  veut  dire  mois,  Hs  ont  au  cycle 
de  douze  ans.  Age  (Oge  oder  Ache)  veut  dire  roi.  Unter  den  Feldherren  findet 
sich  der  Ta-kau.  Die  Priester  (im  offenen  Felde  opfernd)  heissen  Kau-hoen.  In 
dem  vom  Flusse  ausgeworfenen  Eisen  wird  den  Tukiu  Tribut  gezahlt.  Zur 
Nahrung  dient  Fleisch  und  Pferdemilch.  Die  Häuser  sind  mit  Bast  bedeckt.  Die 
Buchstaben  gleichen  denen  der  Hoeihou.  Die  von  Kiekiu  beherrschten  Stämme  der 
Tukiu  (Toupo,  Mie  likho  und  Gho-tchi)  fuhren  mit  Holzpferdeu  auf  dem  Eise, 
Platten  unter  die  Füsse  der  Pferde  befestigend.  Bei  der  Erscheinung  der  Dame 
mit  den  schwarzen  Rindern  verschwand  die  Kaiserin  Chulu,  als  Erdenkaiseriu. 
Les  Khitan  donnaient  ä  Cybele  ou  ä  la  de'esse  de  la  terre  le  titre  de  Matrone 
aux  boeufs  noirs  (Visdelou).  Two  streng  bamboo  poles  are  fastened  securely  to 
-the  sides  of  the  load.  If  a  coolie  or  porter  at  each  end  of  the  poles  is  not  suffl- 
cient  to  bear  the  weight,  two  short  bamboos  are  lashed  across  the  extremities  of 
each  of  the  long  side  poles,     By   this   means   the   poles  being   now   doubled   the 


112  Zweites  Kapitel. 

dacht  behielt;  verliess  sie  ihn.  Die  Bewohner  in  Yeso  lassen 
ihre  Ahnen  (Yelus  und  Ombi}  durch  einen  Traum  erfahren, 
dass  sie  den  Schaum  des  Meeres  mit  ihren  Rudern  bewegen 
sollten,  um  die  Nisin  genannten  Fische  (Häringe)  zur  Nahnmg 
zu  erlangen  (worauf  sie  deificirt  wurdenj.  Als  Than-cy-huai 
(erster  König  der  Sianpi)  in  seinen  Feldzügen  das  Ufer  des 
Thsin  choui  erreichte,  Hess  er  eine  Colonie  der  im  Fischen*)  ge- 


extremities  are  bora  iipon  the  Shoulders  of  eight  uien,  and  by  sLorter  bamboos 
fastened  upon  others,  the  strenght  of  a  large  body  of  men  may  be  applied  ad 
inflnitum  (s.  Langdon)  in  China.  In  Djocjocarta  wurden  chinesische  Münzen  ge- 
funden aus  der  Dynastie  Thang  (713—741  p.  d.),  Sung  (883—1125  p.  d.).  Pri- 
mitivement  la  Coree  n'avait  ni  prince,  ni  chef.  ün  homme  surnaturel  descendit 
sous  un  arbre  de  Santal  (Tlian-mou),  les  geus  du  pays  en  flrent  leur  prince.  II 
re^ut  le  nom  Than-kiun  (Prince  du  Santal)  et  son  royaume  fut  appele'  Tchao-sian 
(du  temps  de  Thang  Yao,  23  siecles  a.  d.).  Sa  premiere  r^sidence  fut  Pingjang 
(nach  der  Toung  koue  thoung  kian),  plus  tard  Peyo  (s.  Klaproth). 

*)  Nach  dem  Songei-khio  (zur  Zeit  der  Han)  les  habitans  de  Yeso  ou 
Momin  ont  tout  le  corps  couvert  de  poils.  Le  fondateur  du  royaume  (de 
Lieou  khiou)  fut  de  la  race  de  Ten-son-si  ou  des  neveux  du  Ciel.  Le  dernier 
des  ses  descendants  fut  assassine  par  un  des  An-zi  ou  nobles  (revolt^s).  Soou 
oura,  un  autre  An-zi,  punit  l'assassin  et  fut  place  sur  le  troue,  als  Sohn  des 
japanischen  Fürsten  Tame-tomo  (Verwandte  des  Dairi),  der  1165  p.  d.  bei  Riou- 
Khiou  landete.  Les  insnlaires  de  la  province  Orientale  (d'Yeso)  sont  nommes 
Omi  katta  Yeso  ou  barbares  qui  tiennent  le  part  imperial,  parce  qu'ils  sont  censes 
etre  sous  la  domination  du  prince  de  Matsmaye.  In  China  regierte  Kaiser 
Hiouy-wang  (Sohn  Le's)  von  676 — 651  a.  d.  Asura  ist  cultor  (semitisch),  Umnia 
die  Mutter.  Gott  (sin-rei  im  Japanischen  oder  Geist)  ist  (in  der  Aiuo-Sprache) 
Kamoi  und  wird,  wie  die  Variante  Kamui,  auch  von  Thieren,  welche  für  geister- 
haft gelten ,  sowie  von  den  höchsten  Würdenträgern  gebraucht  (s.  Pflzmaier). 
Greis  ist  (bei  den  Ainos)  Schigai-guru,  von  guru  (Mensch)  und  hekai  (alt). 
Hexenmeister  ist  Tuschiu-guru  von  tuschiu  (verwünschen)  und  guru  (Mensch)  bei 
den  Ainos  (s.  Dawidow).  Guru,  als  Mensch,  ist  bei  den  Ainos  in  den  Zusammen- 
setzungen gebräuchlich.  Les  Thsiuan  lo  est  l'ancien  pays  des  Plan  han,  qui 
pour  le  langage ,  les  mceur  et  les  habitudes,  ressemblaient  aux  Chiuhau.  Le 
Kinchang  est  le  pays  des  Chinhan.  Tous  les  habitans  ont  la  tete  carre'e,  les 
hommes  et  les  femmes  ressemblent  aux  Japonais  (in  Korea).  Le  Hianking  est 
l'aneien  patrie  des  Kaoli  (nach  dem  Tai  thsing  y  thoung  tchi).  Selon  l'histoire 
des  Haus  posterieurs  il  y  avait  trois  espfeces  de  Han,  les  Ma-hau  ,  les  Chin-han 
et  les  Pian-han  (s.  Klaproth).  Les  anciens  des  Chin-han  pretendent  desceudre 
des  membres  de  la  dynastie  des  Thsin,  qui  chasses  de  la  Chine,  arriverent  dans 
les  pays  des  Han  (suivant  le  Ifouan  yu  ki). 


Peking.  IIH 

schickten  Japanesen  (aus  Yeso)  holen  und  dort  ansiedeln  (178 
p.  d.).  Die  von  Hunden  stammenden  Tschugatscheu  sind  aus 
der  Insel  Kadjack*)  nach  Cook's  Inlet  and  Prince  William'« 
Sound  gewandert.  Unter  den  Mahan  oder  (weil  die  Sprache  der 
Thsin  redend)  Thsin-han  Hessen  sich  die  aus  Chin  vertriebenen 
Chin-han  nieder  (aus  der  Thsin-Dynastie^ ,   die  aber  den  Thron 


*)  Die  (wie  die  der  Kadjackauer)  Sprache  der  lukaliten  ist  ein  Gemisch  ans 
der  iSprache  der  Kenayer,  Unalaschken  und  Atuaer  (am  K wichpoch  und  Kuskok- 
wim).  Die  lukülüchlüaten  werden  als  Galzaueu  (am  Kwichpoch)  oder  (wie  die 
Chulitna)  als  Tutnen  (von  den  Kenayeru)  bezeichnet.  Eine  der  kadjackischen 
ähnliche  Sprache  reden  die  Küstenbewohner  wie  Agolegmüten,  Kijaten,  Kuskok- 
winer  u.  s.  w.  Die  Sprache  der  Kadjack  gleicht  der  der  Tschugatscher,  die  (nach 
Cook)  zu  den  Eskimo  gehören  (als  südliche).  Die  Aleuteu  und  ünalaschkaner 
gleichen  den  Asiaten,  die  Kadjaken  den  Amerikanern.  Das  im  Jahre  1799  von 
Commerzienrath  Boranow  (der  Compagnie)  auf  Kadjack  im  Sitka-Meerbusen  an- 
gelegte Fort  wurde  von  den  Koloschen  und  Tlinkithen  zerstört,  aber  1804  wieder 
hergestellt,  als  Neu-Archangelsk.  A  being,  which  the  Kaloshians  represent  to 
themselves  as  of  human  form  and  furnished  with  wings  (called  Crow)  created 
flrst  itself,  then  the  world  and  finally  the  flrst  two  Tshingits  (Kaloshians),  male 
and  female  (formed  of  grass).  Als  die  Welt  dunkel  wurde,  weil  ein  mächtiger 
Tschin-git  die  Sonne  gestohlen  (und  in  der  Insel  Japan  verborgen),  erschien  der 
Schöpfer  als  Rabe,  sie  zu  befreien  und  hoch  an  den  Himmel  zu  setzen,  sowie  er 
später  bei  der  Fluth  die  Menschen  auf  einen  Berg  rettete  (s.  Fast).  Das  Vor- 
gebirge St.  Elias  (wo  die  Athapascan  an  der  Küste  in  die  Kenai- Völker  treten  am 
Atnah)  bildet  die  Grenzscheide  der  See-Koloschen  gegen  Nordwesten.  Weiter 
westwärts  wohnen  die  Ugalenzen  (verwandter  Sprache).  Die  Atnaer  am  Kupfer- 
fluss  jagen  wilde  Rennthiere.  Wie  Koloschen  schreiben  die  Atnaer  die  Erschaffung 
der  Welt  dem  Raben  zu  (von  dem  auch  die  Kenayer  stammen).  Die  Indianer 
in  Ober-Kalifornien  bei  Ross  (als  Bodegische ,  Steppen-Indianer,  Nördliche  und 
Entfernte)  leiten  sich  von  Wolf  ab.  Die  Kolschonen  oder  Fremden  (der  Atnaer) 
an  dem  nördlichen  und  östlichen  Zuflüsse  des  Atnah  heissen  (bei  den  Kenayern) 
Galzanen  (Gäste)  und  hinter  ihnen  wohnen  Menschen  mit  Schwänzen.  Die  Ke- 
nayer (Tnaina  oder  Menschen)  bei  Cook's  Inlet  handeln  mit  den  Galzanen.  Die 
Bewohner  Neu-Caledoniens  gehören  (nach  Harmon)  zu  den  Athapascern.  Icht, 
designating  the  being  which  brings  death  (and  used  for  the  principal  being)  is 
identifled  (as  a  being)  with  all  things  and  actions  connected  with  death  and  (in 
the  language  of  the  Koloshians)  Icht  is  employed  for  designating  all  such  things 
and  actions.  They  are  therefore  objects  of  the  most  anxious  solicitude,  and  the 
least  profanation  thereof  brings  death  (Fast).  Sickness  (as  a  mode  of  Operation 
of  Icht,  caused  by  the  presence  of  the  latter  in  the  sick)  was  conjured  by  the 
medicine-man. 

Basti  au,  ReiüC.  VI,  8 


114  Zweites  Kapitel. 

mit  Einem  aus  4er  Rasse  der  Mahau  besetzten,  weil  die  edeln 
Chin-hau  Vertriebene  waren.  Das  Tättowiren  war  im  Gebrauch. 
Für  die  Buddhisten  baute  der  Kaiser  Chinas  das  Kloster  des 
weissen  Pferdes  (68  p.  d.).  Um  ihren  Vertrag-  zu  ratificiren, 
tödteten  Fou-yu-Loung  (König  in  Petzi)  und  Kiu  Fa  Min  (König 
von  Sinlo*)  ein-  weisses  Pferd  in  der  Stadt  von  Hioung-tsin  (s. 
Klaproth)  (665  p.  d.). 

Ta-shay  sind  die  nationalen  Sebutzgötter  (oder  Laren),  Wang- 


*)  Die  Gründer  des  Königreichs  von  Sinlo  (in  Korea)  stammten  ans  der 
Rasse  der  Chinhan  (in  sechs  Stämmen).  In  every  Aino-village,  the  oldest  man 
or  a  Yery  cid  man  is  the  Chief  (Biokmore).  Die  Unruhen,  die  China  nach  dem 
Tode  Pingwang's  (unter  welchem,  nach  Yiugkung,  Fürst  von  Loo,  Confncius 
seine  Geschichte  von  Loo  beginnt  722  a.  d.)  zerrütteten,  wurden  beendet  (685 
a.  d.),  als  Hwangkung,  Fürst  von  Tse,  seinen  Minister  Kwantse  Ordnung  her- 
stellen Hess.  Bei  dem  Aufstande  seines  Bruders  unter  Kaiser  Hwuy-wang  (675 
a.  d.)  wnrden  die  Empörer  (nach  harten  Kämpfen)  vertrieben.  Bei  des  Ministers 
Kwantse  Tode  erlangte  der  Fürst  von  Tsin  das  üebergewicht.  Nach  dem  Tode 
Hwuy-wang's  setzte  Hwangkung  den  ältesten  Sohn  Seangwong  (statt  seine?  Bruders 
Shootae)  ein.  The  coast  Indlans  of  Queen  Charlotte  Island  look  upon  the  interior 
(with  the  powerful  tribe  on  the  lake),  as  Mandeville  did,  when  he  came  to  a 
country  he  knew  nothing  about :  „This  lande  is  all  füll  of  devills."  Die  Hydah 
zerfallen  in  die  Skidegates,  Laskeek,  Clews,  Kung-at-adi,  Skitons,  Massets,  Gum- 
schaws.  Die  Grammatik  der  Aino-Sprache  lässt  sich  an  Einfachheit  mit  der  der 
Mandschu  vergleichen  (Pflzmaier).  Aino-Kotan  (das  Land  der  Aino)  heisst  (bei 
den  Japanesen)  Yezo-no-tsi.  Die  Ainos  leiten  sich  aus  Abasiri's  Land  oder  Land 
(siri)  der  Thür  (aba),  von  Schari  auf  der  Nordostküste  von  Jesso  nach  Tokapptsi  (im 
östlichen  Jesso)  siedelnd.  Kanna-kamui  ist  (bei  den  Aino)  der  Donnerdrache 
(Kana,  der  Obere).  Nach  Pflzmaier  steht  das  Aino  zwischen  dem  Chinesischen  und 
Mandschu.  An  die  Stelle  der  Skythen  traten  die  Geten  auf  dem  rechten  Ufer 
der  Donau,  und  (bei  Strabo)  wohnen  die  Geten  nach  dem  Pontus,  die  Daken 
nach  Germanien  zu  (s.  Lauriani).  Nach  Cäsar  ist  der  hercynische  Wald  westliche 
Gränze  der  Daken.  In  the  women  of  the  Hydahs  (on  Queen-Charlotte-Islands) 
who  are  not  much  exposed  to  the  weather,  there  is  a  mixture  of  red  and  white 
on  theier  cheeks,  not  seen  in  any  other  aboriginal  American  race  (Brown).  Ausser 
dem  Knochen  in  der  Unterlippe  wird  ein  Silberring  in  der  Nase  getragen  (von 
den  Hydah).  No  member  of  a  totem  (arms  of  the  Chippewas)  can  intermarry 
with  on  individual  possessing  the  same  one  (among  the  Hydahs).  Offen  the  figures 
in  the  „Illustrated  London  News"  of  the  Assyrian  sculptures ,  have  been  copied 
by  the  Hydahs  in  slate,  and  the  ethnologist  who  hereafter  flnds  the  „Man-bull  of 
Niniveh"  among  the  uorthern  ludians,  must  be  cantious  before  he  builds  any 
extensive  theory  on  the  event  (Brown),  1866. 


Peking  i^^ 

sbay  die  königlichen,  Kwo-shay  die  des  Staates,  How-shay  die  der 
Fürsten.  Che-sbay  sind  die  vom  Volke  unter  sich  selbst  auf- 
gestellten Laren,  Sze-shay  (Privatgötter)  sind  verboten.  2ö  Fa- 
milien mögen  zusammentreten,  um  ihre  gemeinsamen  Schutzgötter 
zu  bekennen,  aber  nicht  eine  geringere  Zahl.  Shoo-shay  (Laren 
der  Gelehrsamkeit)  sind  für  die  Ehren  des  Confucius  bestimmt. 
Ein  frommes  Kind,  da  es  nicht  über  den  genauen  Platz  gewiss 
ist,  wo  sich  der  Geist*)  finden  möge,  opfert  innerhalb  des  Thor 
weges,  wo  Gäste  ein-  und  ausgehen.  She  oder  Ke  ist  der  ver- 
meintlich die  Erde  beseelende  Geist,  als  Teh-ke  (Erdengeist**). 
Li  Pai  Yeh  ist  Tag  der  Verehrung.  Die  Shin  sind  die  himm- 
lischen Götter,  die  Alles  hervorziehen  und  entwickeln.  Der 
Himmelsgeist  wohnt  in  der  Sonne,  wie  der  Geist  des  Mondes  im 
Auge.  Was  keine  Unterscheidung  zwischen  dem  männlichen 
und  weiblichen  Princip  ***)  in  der  Natur  zulässt,  heisst  Shin  (gött- 


*)  Ganz  besonders  gern  erhielt  (im  Norden)  der  Enkel  den  Namen  des  Gross- 
vaters, der  Neffe  den  des  Oheims  oder  Vetters  (Weinhold^.  Yue-gnai  (beloved 
of  the  moon)  sent  (408  p.  d.)  an  embassy  to  China  (from  the  Andra  dynasty) 
Fergusson  draws  attention  to  „the  practice  of  Indian  kiugs  to  assume  the  uames 
of  their  grandfathers,  when  they  have  been  illustrious." 

**)  Von  den  Bergen  Eddilain  heisst  der  eine  die  Rippe  der  Banu  Mälik,  und 
diese  bilden  einen  Stamm  der  Ginnen,  und  zwar  als  Muslims ,  der  andere  wird 
die  Rippe  der  Banu  Saiseban  genannt,  ebenfalls  ein  Stamm  der  Ginnen,  aber 
Ungläubige.  Auf  dem  Dil  der  Bann  Saiseban  darf  weder  gejagt  noch  gewandert 
werden,  weil  sonst  Ungemach  trifft  (s.  Kazwini).  Indische  Traditionen  setzen  in 
die  Sumpfgegenden  der  Oxusquellen  ein  Geschlecht  der  Nädvaleyas  (sumpfent- 
sprossene Menschen),  von  Sumpfpflanzen  lebend. 

***)  The  Chinese  make  offerings  direct  to  the  Thay-pal-koong,  without  first 
presenting  them  to  the  Nioek-fong-thay-thing  (the  highest  beings).  A  rieh  mer- 
rhant  dying  on  board  a  vessel  was  thrown  overboard  bot  his  corpse  swam  closely 
behind  the  vessel  (as  the  captain  had  taken  possession  of  his  goods)  tili  to  the 
arrival  in  Malacca,  where  the  Captain  out  of  fear  prepared  a  splendid  fiineral, 
and  the  worship  of  Jong-thay-pah-kooug  spread  amongst  all  the  Chinese  of  India, 
as  protector  of  merchants  and  seamen.  Die  Seelen  der  Ungläubigen  findet  Izrail 
in  einem  Pechgewande  zu  Slggin  (in  der  Hölle),  die  der  Gläubigen  in  Seide  zu 
Illiyun  (des  Paradieses).  Die  Romanen  geben  dem  Todten  einen  Para  mit  für 
Sanct  Petrus.  Die  heidnischen  Tempel  des  Jupiter  Ammon  und  des  Macedonier 
Alexander  in  der  libyschen  Stadt  Augilas  wurden  von  Kaiser  Justinian  zerstört 
und  (883  p.  d.)  erhielt  Borkum  einen  christlichen  Bischof.     Nach  Marinus  wurde 

8* 


Ij^ß  Zweites  Kapitel. 

lieh).     Die  bösen  *)  Einflüsse  äussern  sich  als  Fong-chai  (Wind 
und  Wasser),  wenn  nicht  glücklich  disponirt.    Die  Geister  werden 


(V.  Jahrhdt.  p.  d.)  Isis  noch  auf  der  Insel  Philae  verehrt  iiud  (nach  Letronue) 
reden  die  Inschriften  (453  p.  d.)  von  Opfern.  Die  von  den  Römern  besiegten 
Nubier  und  Blemmyer  (432  p.  d.)  bedungen  sich  im  Frieden  aus,  dass  sie  da» 
Bild  in  Philae  für  Orakel  besuchen  dürften,  bis  Narses  (Ö5S  p.  d.)  die  Priester 
einkerkerte  und  das  Götzenbild  nach  Coustantinopel  schickte.  Die  Bewohner 
Mainas  (die  Mainoten) ,  die  (nach  Constantin  Porphyr)  keine  Slaven,  sondern 
Römer  (Griechen)  waren,  verehrten  noch  (11.  Jahrhdt.  p.  d.)  Venus  und  Neptun, 
und  wurden  erst  unter  Basilius  den  Macedonier  zur  Taute  gezwungen.  Das 
Concil  von  TruUo  verbietet  die  Feste  der  Vota  und  der  Brumalia,  an  denen  für 
die  Gesundheit  des  Kaisers  Mahlzeiten  gehalten  wurden.  In  Folge  des  Edictes 
des  Kalifen  Yezid  g«gen  die  Bilder  zeigten  sich  auch  Leo  der  Isaurier  als  Ikono- 
klast,  sowie  Const.  Copr.  und  Michael,  aus  Rücksicht  auf  die  Juden  (nach  Zonaras), 
die  Verehrung  der  Bilder  und  Heiligen  verboteu. 

*)  On  attribue  dans  les  Pyrenees  un  pouvoir  suruaturel  aux  Fees,  Hados 
(eras  heuuos  des  Dious).  Die  riesige  Herodiade  schweift,  die  Feen  verfolgend,  in 
den  Pyrenäen  (1860) ,  von  Frauen  (zu  Auger  de  Montfaucon's  Zeit)  begleitet 
(1274  p.  d.)  neben  Benzozia.  Zahlreicher,  als  die  Bourouches,  sind  die  Hantaou- 
mos  in  den  Pyrenäen .  Frauen ,  die  sich  dem  bösen  Debrua  ergaben.  Celui  que 
la  flamme  ne  brüle  pas,  que  l'eau  ne  fait  pas  surnager.  doit  etre  reconnu  comme 
veridique  (dans  le  code  de  Manu).  C'est  exactemeut  le  water  ordel,  le  Judicium 
aquae  frigidae  du  moyen  äge  germanique  (Pictet).  Beltiue  or  biltine  (lucky  flres), 
are  two  flres,  which  used  to  be  made  by  the  lawgivers  and  druids  (in  Irelaud) 
with  great  iucantations  and  they  used  te  drive  the  cattle  between  them ,  to 
guard  against  the  diseases  of  each  year,  Or  Bel-dine  (Bei  was  the  name  of  an 
idol-god).  If  was  on  tbat  day ,  that  the  firstliug  of  every  kind  of  cattle  used  to 
be  exhibited,  as  in  the  possession  of  Bei  (OConnell).  According  to  Keating  one 
color  was  used  in  the  dress  of  a  slave,  two  colors  in  that  of  a  plebeian,  three  in 
that  of  a  soldier  or  young  iord,  four  in  that  of  a  brughaidh  or  public  victualler, 
flve  in  that  of  a  Iord  of  a  tuath  or  cantred,  and  six  in  that  of  an  ollamh  or 
Chief  Professor  of  any  of  the  liberal  arts  and  in  that  of  the  king  and  queen  (in 
Ireland).  Hiberui,  principe  Rieda  seu  Reuda  duce,  invaserunt  prius  insulas  He- 
bridum  et  aliquas  viciniores  contineutis  Albaniae  regiones,  quos  aliquamdiu  pos- 
jiderunt  (Colgau).  Als  Firuz  im  Feuertempel  (-unter  Umarmung  der  Flamme) 
Gott  gebeten ,  wenn  das  Verschlossensein  des  Regeus  wegen  seines  schlechten 
Lebenswandels  eingetreten,  es  ihm  offen  darzulegen,  oder  wenn  wegen  eines  Misse- 
thäters,  diesen  wegzunehmen,  zogen  Wolken  auf  mit  reichlichem  Regen  (Kazwini). 
Das  zwerghafte  Indiauervalk  au  der  Quelle  des  Orineco  waren  (nach  Humboldt) 
die  Guaicas.  Im  ersten  Fargard  des  Vendidad  zeigte  sich  das  dualistische  System, 
das  den  Gallas  des  Zoroastrianismus  auch  fremd  ist,  da  in  diesem  neben  deni 
Ahura-mazda  oder  Lebensschöpfer  und  seinen  als  Asuren  oder  Ahureu  ^ersouiflcirten 


(nach  Kaiser  Yong-tsching)  nnr  ang:erufen,  als  Mittler  *)  des  Tien . 
Die  durch   die  Begierde  verwirrte  Vernunft  (ein  Geschenk   des 


Attributen  (sowie  die  Geus  urvä  u.  s.  w.),  und  das  vorwaltend  freundliche  Wirken 
der  Devas  (vom  diu  oder  Himmel)  beachtet  wurde  [wo  der  die  Fetische  belebende 
Wood  an  der  Goldküste  Yamkompong  gegenübersteht].  Keresaspa  (Sohn  Thrita's) 
war  von  der  schützenden  Fee  (pairika)  Kuathaiti  begleitet.  Thraetona  tödtet  (im 
Ya^na)  die  menschenfressende  Schlange  mit  drei  Rachen,  drei  Köpfen,  sechs 
Augen,  tausend  Kräften.  Von  den  skythischen  Wanderstämmen  (östlich  nnd  süd- 
lich vom  Caspi)  nahmen  die  iranischen  Völker  die  Religion  der  Magier  (als  Magis- 
mus oder  Schamanismus)  an,  eine  Elementar- Verehrung  von  Feuer,  Wasser,  Luft, 
und  Erde.  Das  Feuer  wurde  durch  Ausblasen  entheiligt  und  Leichen  würden 
sowohl  Feuer,  wie  Wasser,  durch  Verbrennen  oder  Fortschwemmen,  befleckt  haben. 
Aus  Weidenstämmen  wurde  geweissagt.  Mit  dem  Khraf(;thraghna  tödtete  der 
Magier  schädliche  Thiere.  Darius  verfolgte  die  Magier,  aber  unter  Artaxerxes 
Longimanus  scheinen  (nach  Westergaard)  die  Magier  Priester  des  Ormuzd  ge- 
worden zu  sein.  Auf  babylonischen  Cylindern  finden  sich  Hasen  und  Heu- 
schrecken auf  Bäumen.  Besonders  kreisten  die  Gedächtnissbecher  (minnisfull, 
minnishorn,  minnisöl,  minnisveigor)  am  Jul  (Weinhold).  In  Jötunheim  im  Reiche 
des  Königs  Godmund  lag  ein  Unsterblichkeitsfeld  (Odainsacker),  wer  darauf  kam, 
wurde  sofort  gesund  und  jung,  ohne  dass  ihm  der  Tod  etwas  anhaben  konnte 
(nach  dem  Hervarar).  Neben  Armaiti,  der  frommen  Göttin  der  Erde,  die  umher- 
wandernd Wildnisse  in  Fruchtfelder  verwandelt  und  die  immerdauernden  Gesetze 
verkündet  [des  Tages],  kennt  der  Perser  den  im  Innern  der  Erde  weilenden  Erd- 
geist (Seele  der  Kuh)  G6us  urvä,  der  zuerst  beim  Pflügen  aufschrie  und  die  Hülfe 
der  Engel  anrief,  denen  indess  Ormuzd  dieselbe  zu  gewähren  verboten,  weil  Feld- 
bau sein  sollte.  Wenn  völlig  (durch  Soma)  berauscht,  verkündete  der  Kavi  Sieg 
(s.  Wilson)  bei  den  Hindu.  The  restoracion  of  a  modifled  Soma  (Haoma)  ceremony 
to  the  Iranian  ritual  is  indicated  in  the  younger  Yagna  (s.  Rawlinson).  Ogh 
(Ogyges)  von  Augha  (Fluth)  im  Sanscrit.  Bharma,  bharman,  ombilic  de  bhr, 
nutrire,  sustentare  (s.  Pictet).  Der  litthauische  Gott  Pramzimas  sendet  Wandu 
und  Wejas  (Wasser  und  Wind),  die  Erde  zu  zerstören  (Hanush)  in  der  Fluth. 
Ogyges  (Ayuga)  stammt  von  Ayu  (Vater  des  Nahusha).  The  legends  ofthe  Greeks 
seem  to  have  designated  the  Medes  under  the  two  eponyms  of  Medea  and  Andro- 
meda  (s.  Rawlinson).  Schleuderer  finden  sich  unter  Assyriern  und  Aegyptern. 
Der  Raja  von  Lombock  bestieg  den  Gipfel  des  Gunong  Agong,  um  von  dem  Geist 
die  Anordnung  der  zwölf  Kris  (nach  den  eingesandten  Nadeln)  zu  empfangen. 
*)  üpanishad  (the  philosophical  chapiters)  is  explaiued  by  rahasya  or  guhya 
adesah,  mystery,  and  according  to  an  artiflcial  etymology,  would  mean  „destruction 
of  passion  or  ignorance,  by  means  of  divine  revelation".  The  original  significa- 
tion  of  the  word  must  have  been  that  of  sitting  down  near  somebody  in  order 
to  listen  or  in  order  to  meditate  and  to  worship  (s.  Müller).  Rudraka ,  Als  de 
Rama  (Ramaputra),  tondateur  d'uue  secte  religieuse,  vieut  s'etablir    ä    Radjagrika, 


lj[8  Zweiteb  Kapitel 

Himmels)  empörte  sich  gegen  die  Hamionie  des  Bestehenden. 
Ausser  den  Karowar  (Geistern  der  Familienglieder  in  Holzbildern) 
verehren  die  Papuas  *)  die  Manuwen  (denen  jeder  plötzliche  Tod 


oü  il  gagne  beaucoup  des  partisans.  La  base  de  sa  doctrine  est  un  stoicisme 
affecte  (sanscrita)  et  force,  en  vertu  duquel  on  doit  arriver  ä  une  el^vation  mys- 
tique  des  pouvoirs  de  Täme  (Naiva-sandjnänä  sandjnäyatana-samäpattih).  Bouddha, 
re^u  sons  ses  disciples,  arrive  (par  la  saintet^  de  sa  vie  aiiterienre)  avec  facilite 
ä  l'etat,  que  Rudraka  designe  comme  le  deruier  but  de  sa  morale.  Mais  11  de- 
clare  ne  pouvoir  pas  se  contenter  d'iin  merite  si  facilement  gagne  et  les  Bhadra- 
Targiyas  (les  5  meillenrs  disciples  de  Rudraka)  suivent  les  pas  du  nouveau  pro- 
phete.  Par  l'ascese  (principalment  par  Asphäuaka)  Gautama  ressemble  tellement  ä 
ou  cadavre,  que  quelqu'ims  des  dieux  Trayastrinsat  rapportent  la  nouvelle  de  sa 
mort  ä  Mayadevl  (sa  mfere  decedee).  Durant  la  penitence,  le  manvais  principe 
(Marahpapiyan)  emploie  en  vain  la  force  de  son  eloqnence,  pour  le  degouter  de 
8on  stoicisme.  En  quittant  sa  solitude ,  Bouddha  prend  de  la  nourriture,  ayant 
refuse'  les  dieux  Luhadhimunta  (prive  de  sang),  qui  s'offrent  ä  lui  verser  de 
l'essence  vitale  (odjas)  dans  le  pores.  En  mangeant  l'offraude  de  Sudjata  (la  Alle 
d'un  habitant  du  village  üruvilva),  Bouddha  est  assis  (dans  la  riviere  Nairandjaua) 
sur  on  trone  magniflque,  erige  pour  lui  par  la  deesse  de  la  riviere,  une  nymphe 
de  la  race  des  Nägas  (snivant  le  Lalita-vistara-pourana).  Se  rendant  dans  l'enceinte 
de  la  science  parfaite  (Bodhi-manda) ,  qui  entoure  l'arbre  de  la  scieuce  parfaite 
(Bodhivrikoha  ou  le  flguier  sacre),  Buddha  s'abime  dans  la  meditation  mystique, 
nomme'e  Lalita-vyula  ou  Lalita-vistara  (la  multiplication  de  la  beaute  ou  du  bei 
individu).  La  terre  se  fend  pour  laisser  paraitre  ä  mi-corps  Sthavard,  deesse  de 
la  terre ,  qui  se  döclare  temoin  de  la  verite  des  paroles  de  Bouddha  (disputaut 
avec  Mara),  l'appellant  maitre  et  bienfaiteur  du  monde. 

*)  Die  Papuas  haben  in  den  Waldungen  längst  der  Küste  verschiedene  Plätze, 
die  sie  Taknik  nennen,  und  denen  sie  sich  zu  nahen  scheuen.  Nach  den  Ein- 
geborenen am  unteren  Murray  (in  Australien)  gab  es  nur  Vögel  und  Thiere, 
während  das  Land  ohne  Sonne  in  Dunkelheit  gehüllt  war.  In  Folge  eines 
Streites  eines  Emu  mit  seiner  Gefährtin  wurde  ein  Ei  an  den  Himmel  geworfen, 
wo  es  an  einer  Holzsäule  zerbrach  (die  der  gute  Geist  dorthin  gestellt)  und  Licht 
ausströmen  Hess,  vrorauf  die  Sonne  aufging  und  solche  Thiere  oder  Vögel,  die  ihre 
Gefährten  wohlwollend  unterstützt  hatten,  in  Menschen  verwandelt  wurden  (Beveridge). 
Der  Boalft  (für  Fremde)  findet  sich  unter  Baniauen  bei  den  Manganye  (nach  Living- 
ston).  Chez  les  tribus  de  l'Australie  oü  la  circoncision  n'est  pas  en  usage,  eile  est 
remplacee  par  le  rite  Wharepin,  dans  lequel  ou  epile  le  pubis  (suivant  Eyre). 
Ce  mode  de  circoncision  rappelle  celui  qui  est  encore  usite  chez  les  Bedouins  de 
l'Arabie  et  qui  porte  le  uom  de  Salkh.  H  est  fort  distinct  de  la  circoncision 
mahom^tane  ou  taharah,  et  son  origine  date  si  bien  du  paganisme  antöislamique 
qu'il  a  <!t6  meme,  au  temps  des  Wahabites,  interdit  par  les  musulmans  sous 
peine    de  mort.      Dans    le   Salkh    ou    ^corche    (suivant    Burton)    la    pean    depuig 


Pekin?  119 

zugeschrieben  wird),  die  Mons  (die  grössere  Unternehmungen 
beeiutlussen  und  auf  den  höchsten  Spitzen  der  Bäume  wohnen), 
sowie  die  Blis  (die  bösen  Geister  oder  Iblis).  Die  Alfuren  ver- 
ehren Empong  (als  höchstes  Wesen),  der  Himmel  und  Erde  ge- 
schaffen (im  Himmel  wohnend).  Die  Seelen  der  Verstorbenen 
sind  (als  Schutzgötter)    Gehilfen*)   des  höchsten  Empong.    Zur 


Tombilic  et  le  pubis  jusqu'aux  cuisses ,  en  d^pouillant  completement  les  parties 
sexuelles  (s.  Maury).  La  boisson  iiommee  Cyceon,  qui  jouait  un  rßle  dans  les 
mysteres  d'Eleusis  et  dans  la  legende  de  C^rSs,  conservait  en  Gr&ce  le  souvenir 
de  l'antique  aliment  (des  grains  bouillis  ou  d^lay^s  dans  de  l'eau)  [als  Bier, 
später  durch  den  Wein  des  Dionysos  in  den  Mysterien  ersetzt].  Wie  die  hamaxo- 
bitiscben  Skytben  ziehen  die  Cosaken  mit  ihren  Kibitken  einher.  Der  Metatron 
des  Talmud  ist  (s.  Deutsch)  Mithra.  Der  heilige  Geist  ist  (nach  dem  Talmud) 
das  der  Begeisterung  entströmende  Wort. 

*)  Nachdem  der  Priester  das  mit  den  Füssen  des  neugeborenen  Kindes  (das 
mit  einem  Huhn  berührt  und  am  Kopf  gewaschen  ist)  berührte  Schwein  ge- 
schlachtet (bei  den  Alfuren),  bestreicht  er  das  Innere  der  rechten  Hand  mit  Blut, 
er  erklärt,  nach  Besichtigung  des  Herzens ,  dass  nichts  Böses  darin  war  (in  Ton- 
dauo).  Bei  dem  Vosso  ranmo-mak  (Trauerfest  bei  Beerdigungen)  bittet  (unter  den 
Alfuren)  der  Waliang  (Priester),  dass  der  Verstorbene  nicht  gestört  werde  in 
seiner  Ruhe  und  die  Hinterbliebenen  lange  noch  im  Besitz  der  Seele  bleiben 
mögen.  Sri  Turie  Bnwana  (Sri  Tudie  Buwana),  der  (als  Vasall  Iskander  Shah's) 
das  Reich  Johore  stiftete,  hiess  (als  von  Alexander  M.  abstammend)  Bedarah 
Putti  (Sultan  mit  dem  weissen  Blut).  Ein  Priester  von  der  Buddha-Secte  Tshe- 
Yuet  baute  den  (von  den  Chinesen  in  ihrem  Hausaltare  verehrten)  Jossi  in  seinem 
Garten  einen  kleineu  Tempel,  mit  den  Namen  Tsien-Tsow-Sze  (Tempel  von  1000 
Ernten),  der  nachher  durch  den  Buddhapriester  Oh-Tsze  vergrössert  wurde.  Am 
Loya-Fest  (des  Loya,  eines  Schülers  von  Kung-Hu-Tse  oder  Confucins)  spielen 
(mit  den  Chinesen  auf  Riouw)  die  vornehmsten  Leute  die  Märtyrer-Rolle,  indem 
sie  (von  Opium  berauscht)  über  glühende  Kohlen  gehen  oder  sich  unter  Messern 
zerfleischen  (s.  Röttger).  Der  Chinese  schreibt  das  Gelübde  für  den  Tapikong 
(Götzen),  um  in  ünternehmuugeu  zu  reussiren,  auf  rothes  Papier.  An  dem  Feste 
(Sang-te-kiaou  oder  Gottesanbetung)  des  Sang-te  (höchsten  Herrschers)  opfern  die 
Chinesen  im  Tempel.  Neben  dem  Huang-Hieu  (Kaisers  des  Himmels)  haben  die 
Chinesen  die  Hoh-Tnh  (Kaiserin).  Beim  üerüssfest  verbeugten  sich  die  Kal- 
mükken  durch  dreimaliges  Niederfallen  vor  der  eben  aufgehenden  Sonne  (s.  Berg- 
mann). Das  mongolische  Buch  Ueligärijudala  (Parabelmeer)  enthält  Erzählungen, 
Die  die  Insel  Putie  (im  Kusanarchipel)  besuchenden  Pilger  beten  nicht  nur  den 
Manipadma,  sondern  auch  den  Dhjani  Bodhisattwa  Vagrapani  und  Bodhisattwa 
Mandjusri  an.  In  each  Company  of  the  Loorees  (the  Gipsies  in  Belutchistan) 
are  always  some  members,    who    profess  au  insight  in  the    divinatory    sciences  of 


120  Zweites  Kapitel. 

Versöhnung  der  bösen  Dämone  gelobt  man  (bei  Krankheitsfällen) 
dem  Oberpriester  (Waliang)  das  bacchantische  Fest  Posso  zu 
feiern  (Röttger).  In  Tyrol  findet  in  der  Walpurgisnacht  ein 
allgemeines  „Ausbrennen"  der  Hexen  *)  Statt ;  unter  entsetzlichem 


Ruml  and  Qooriia.  The  Brahooes  (iu  Belntschistau)  all  intermarry  except  tlie 
Kumbnranees  (s.  Pottinger).  The  dehwars  (a  colony  of  Gnebres)  in  Beloorhistan 
speak  Persian.  Arcording  to  the  Brahooes  (the  aborigines  of  Beloochistan)  whose 
language  eontalns  many  Hindostanee  words)  the  arabian  prophet  paid  them  a  visit 
one  night,  mounted  on  a  dove  and  left  several  Peers  er  Saints  amongst  them  for 
their  spIritual  gnidance.  The  remains  of  40  of  there  deifled  preceptors  are  buried 
under  the  monntain  Kohechihultun  (monntain  of  40  bodies)  near  Kelat.  Sehwa» 
the  last  Rajah  of  the  Hindii-Dynasty  at  Kelat,  was  dethroned  by  Kumbur  (of 
Abyssinian  descent).  Quiokkosan  sind  die  mit,  Menschengesichter  tragenden  Pfählen 
umgebenen  Begräbnissplätze  nordamerikanischer  Indianer.  Quatsi  ist  die  iu  Brahma 
ruhende  Kraft  (im  Gegensatz  zur  aussen  vertretenden  Saraswati) ,  Quietalis  Bei- 
name des  Pluto.  La  ville  d'Ispahan  avait  ete  originairement  habit^e  par  des 
Juifs,  et  en  memoire  de  leur  colonie  eile  avait  long  temps  port^.  le  nom  de 
Jehondiah  (la  Juive).  Sapor  voulait  introduire  la  religion  de  Zoroastre  (la 
loi  des  Mazd^zants  ou  des  serviteurs  d'Ormouzd)  ou  Armenie.  Mazdei^man 
veut  dire  (en  persan)  les  adoratenrs  d'Oromasdes  (Ahora-masdao  ou  la  grande 
lumierc).  Les  Grees  de  la  Bactriane  (separ(^s  des  autres  Grees)  ne  purent  r^siter 
anx  offorts  röunis  des  Parthes  et  des  nations  scythiques,  que  le  roi  Phrahates  II 
avait  appel^s  ä  son  secours.  Ils  succomberent ,  leurs  etats  devinrent  alors, 
entre  les  vainqueurs,  les  sujet  de  gnerre  longnes  et  sanglantes.  Deux  roix  des 
Parthes  (Phrahates  II  et  Artaban  II)  pörirent  en  combattant  les  Scythes,  la  vic- 
toire  resta  ä  la  fln  anx  Parthes  sous  Mithridate  II,  qui  etablit  dans  ces  regions 
nne  brauche  de  la  famille  arsacide.  Le  royaume,  connn  des  Armeniens  et  des 
Chinois  sous  le  nom  de  Kouschan,  eut  pour  capitale  la  ville  de  Balkh.  Selon 
Moi'se  de  Khoren  le  royaume  de  Kouschan  etait  le  seul  entre  tous  les  royaumes 
de  rOrient,  dans  lequel  on  professät  encore  (anx  X  siecle)  la  religion  de  Man<?s. 
D'apres  les  Chtnois  le  royaume  de  Kouei-chouang  (Kouschan)  s'^^tcndait  (vers  le 
II  siöcle  a.  d.)  jusqu'an  bonches  de  l'Indus  (comme  le  royaume  des  Indo-Scythes, 
dont  la  capitale  «-'tait  Minnigara  sur  Tlndus).  Als  mit  Antonius  die  Pest  im 
Orient  wüthete,  wendete  man  sich  an  den  Propheten  Alexander  den  Paphlagonier, 
um  seine  Formeln  an  die  Hausthür  zu  heften. 

*)  Wenn  eine  Hexe  Jemand  besucht,  nimmt  sie  vorher  ihre  Eingeweide 
heraus  (in  Schwaben).  Der  Teufel  kann  (in  Tyrol  und  Schwaben)  in  Grashalme 
gebannt  werden,  oder  fährt  von  Besessenen  in  sie,  besonders  in  das  Schmielen- 
gras oder  Aira  caespitosa,  weil  er  von  da  in  das  Vieh  und  von  diesem  wieder  in 
einen  Menschen  gelangen  kann.  Man  darf  daher  Grashalme  nicht  als  Zahnstocher 
gebrauchen,  weil  man  sonst  besessen  werden  kann  (Wuttke)  [ev&eos  durch 
Daphne].      Der  Storch   oder  (iu  Norddeutschland)  Adebar    bringt  die    Seeleu    der 


Peking.  .  121 

Lärm  mit  Schellen,  Glocken,  Plannen,  Hunden  n.  dgl.  ni.  werden 
Reisigbündel  von  Kien,  Schlehdorn,  Schierling,  Rosmarin  n.  s.  w. 
auf  hohe  Stangen  gesetzt  und  angezündet,  und  mit  diesen  läuft 


Kinder  aus  dem  Wolkensee.  Witches  are  an  article  of  faith  (in  Scilly).  Fornierly 
tliey  were  said  to  swarm  at  Tresco  (Whitfeld).  Die  Hauptstadt  von  Pomona  (der 
Orkaden)  wird  von  den  Dänen  Cracoviaca  oder  von  den  Schotten  Kirkua  ge- 
nannt (nacli  Buchanau).  Die  Hexe  heisst  (bei  Cadovius)  thianster  (die  Dienerin)) 
in  der  Provinz  Groeningen  tioenster  (der  Zauberer  tioender)  und  das  Hexen  in 
Ostfriesland  torentien  (s.  Suur).  Als  Nyesvo,  Gott  der  Grebo,  unter  den  Menschen 
lebte,  fiel  We  (Zauberei)  in  seine  Hand  und  wurde  von  einer  Frau  aufgenommen, 
die  zwar  durch  die  Rinde  des  Gudu-Baumes  entdeckt  wurde ,  sie  aber  schon  den 
Deyabo  oder  Dämonen-Menschen  (die  durch  die  Ku  oder  Dämone  orakeln)  ver- 
macht hatte  (Payne).  A  woman  steals  a  dead  man's  rib.  over  which  she  performs 
certain  incantations  and  lays  it  on  her  breast;  three  times  she  goes  to  Communion, 
bot  uses  the  wine  to  inject  into  the  extremities  of  the  bone,  on  the  third  time 
the  „fetcher  has  acquired  his  füll  life  and  strenght"  (in  Island).  When  she  can 
no  longer  bear  him  on  her  breast,  she  makes  a  wound  in  her  thigh  and  places 
him  to  it,  and  he  dra-ws  from  thence  his  nourishment  for  the  rest  of  his  existeuce 
[Bacchus  in  Jupiter's  Hüfte].  The  fetcher  becomes  a  kind  of  familiär  to  his  mother, 
who  employs  him  for  the  purpose  of  sucking  the  cows  of  other  persona.  Von 
den  Hexen  wird  der  Teufeln  meist  Hans  (Junker  Hans  oder  Federhans)  genannt 
(Ans  oder  As).  In  Würtemberg  werden  Recepte  (mit  Anrufungen  wie  Jesus, 
Marie,  Joseph)  auf  Papier  geschrieben,  das  der  Kranke  mit  Brot  und  Wein  ver- 
zehrt, in  Schlesien  auf  Butterbrot  oder  Honigkuchen  durch  einen  weisen  Mann 
oder  eine  weise  Frau.  Bruch  wird  geheilt,  wenn  man  abgeschnittene  Haare  des 
Wirbels  in  eine  aufgeschlitzte  Wunde  steckt,  beim  Zuwachsen  derselben  (im  Voigt- 
lande). Bei  Auszehrung  spricht  der  Kranke  zum  Neumond:  .,Das  neue  Licht,  das 
ich  sehe,  nehme  zu  an  Mark  und  Bein ,  an  Fleisch  und  Blut''  (in  Böhmen).  Die 
Kraukheitsbenennung:  oberdeutsch  Gefraisch,  Fraisen  (Gichter  oder  convulsions) 
hat  ihre  Entstehung  der  Vorstellung  von  einem  schädlich  wirkenden  mantisch- 
zauberhaften  Spruch-Einfordem  oder  Besprechen  zu  verdanken,  wie  Wuth  oder 
Gicht  von  vods.  ein  Besprochener  (wiithig  oder  wuot  im  passiven  Sinn).  The 
Sikh  has  the  quoit  weapon  or  chakra ,  which  skins  through  the  air  or  ricochets 
/rom  the  ground  and  does  frightful  execution  on  the  foe  (s.  Wood),  Die  Cimbri 
(in  der  jütischen  Halbinsel)  überbrachten  in  ihrer  Gesandtschaft  an  Augustus 
einen  heiligen  Kessel.  Die  Chauci  waren  vom  Habicht  (haukr)  genannt.  Der 
(keltische)  Gott  Bacurdus  ist  eher  ein  Spruch-  oder  Zeichenwort  (boc  als  Buch 
oder  Zeichen),  als  ein  Streitwort  (bägan  oder  contendere),  wie  slavisches  bog  (s. 
Künsberg).  Der  Rabe  auf  der  Kriegsfahne  der  Normannen  prophezeite  Sieg,  wenn 
den  Schnabel  öffnend  und  mit  den  Flügeln  flatternd,  Missgeschick,  wenn  die 
Flügel  herabhingen  (durch  den  Wind").  Künsberg  erklärt  Tanfana  (celebratissimuiu 
templum)  als  Tainfana  oder  'ianfoiia  (Zeinfalme  mit    den    drei    Aiilaiit-Kiiiieu    auf 


122  Zweites  Kapitel. 

man  lärmend  siebenmal  um  das  Haus  und  um  das  Dorf,  die 
Hexen  hinaustreibeud  (s.  Alpenburg).  Das  Taufbekenntniss 
(worauf  das  Wort  sacramentum   oder  Eid*)  übertragen   wurde) 


dem  Fahnentuch)  [Tannen-Tempel  oder  Fanum  im  Tannenwald,  mit  den  profana 
zerstört].  Sylla  schützte  sich  in  der  Schlacht  bei  Orchomenos  gegen  die  Wagen 
des  Mithridat  durch  Pallisaden,  wie  Cäsar  gegen  die  der  Gallier.  Der  von  einer 
Fee  Geliebte  muss  dieser  treu  bleiben,  um  sodann  für  immer  der  Krankheit  und 
dem  Tode  zu  entgehen  (in  den  Pyrenäen).  Als  der  Schäfer  Lousaide  die  Fee 
Ontasuna  für  eine  Schäferin  des  Thaies  von  Cize  vergass ,  erlosch  sogleich  sein 
Leben  und  er  ward  seitdem  von  der  Fee  beweint. 

*)  Ob  hoc  sacramenta  vocantur,  quia  sub  eorum  specie  visibili,  qua  videntur, 
secretius  virtute  divina  caro  consecratur,  ut  hoc  sint  interius  in  veritate ,  quod 
exterius  creduntur  virtute  fldei  (Ratbertus).  Nach  Hugo  von  St.  Victor  hat  das 
Sacrament  die  Similitudo  von  Natur,  die  signiflcatio  durch  die  Einsetzung,  die 
efflcacia  durch  das  Wort  des  Priesters.  Todo  lo  que  pertenece  al  santo  del  pueblo, 
inspira  a  los  Indios  (de  las  poblaciones  Tapijnlapa,  Ocsolotan  y  Pnzcatan)  la 
mas  profunda  veneracion.  Sirva  de  ejemplo  el  caballo  de  Senor  Santiago  en 
Tapijnlapa,  la  cual  tienen  los  indios  tal  vez  en  mayor  estima  que  al  santo  mismo 
(in  Mexico).  Bei  den  Maceniken  in  Paraguay  wird  von  einer  Jungfrau  ein  Sohn 
geboren,  der  nach  Wunderthaten  zum  Himmel  aufsteigt.  Die  drei  Meyiar  (Jung- 
frauen) werden  in  Scandinavien  bei  Geburten  verehrt  (wie  die  Mayr  in  Deutsch- 
land). Mediolanum  (die  Insulaner)  von  Maid  (puella)  und  Lan  (sanctuarium)  im 
Celtischen  (unter  Verehrung  der  Minerva).  Trois  deesses  Maires  ä  Metz  (Mon- 
nier).  Mütter-Cultus  im  Lande  der  Sequaner  (Schreiber).  Matra  als  Venus  der 
Perser.  Steinhaufen  (der  Maria-Mater)  in  Gestalt  eines  Menschenkopfes  pres  de 
la  chartreuse  de  Meyria.  Upper  plalu  of  Cincinnati  covered  with  low  lines  of 
embankments  (Harrison).  Llano  estocado  (line  of  road  marked  out  by  stakes) 
between  New  Mexico  and  Texas).  On  observait  encore  en  1814  ä  la  Fontaine 
de  Sainte-Marie,  pres  de  murs  de  Toulouse,  et  Ton  y  observe  encore  (1860)  quel- 
ques ceremonies  qui  retracent,  en  partie,  l'ancien  culte  des  sources  et  les  offran- 
des  que  nos  ai'eux  leur  presentaient  (du  Mege').  La  Hount-Santo  (la  fontaine 
Salute)  de  la  vall^e,  de  Saurat,  attire  chaque  annee  un  nombre  considerable  des 
croyaiits.  Beim  lac  de  las  Navu  Peyras  (laco  sans  hound  wegen  seiner  grossen  Tiefe) 
findet  sich  ein  Menhir.  Ausser  der  Secte  der  Skopitzi  oder  Hämmlinge  (deren 
Entmannte  als  Brüder  in  einem  Hause  zusammenleben  ohne  Frauen)  findet  sich 
(in  der  Moldan  und  Walachei)  die  Secte  der  (von  Philipp  Pustowjat)  Philippo- 
waner  oder  Lippowaner  genannten  Origennisten,  die  (aus  Kussland  geflohen)  sich 
in  einem  bestimmten  Alter  entmannen  und  ihre  Frauen  durch  eine  Eierstocks- 
Extraction  steril  machen.  Der  Geburt  eines  guten  Kindes  assistiren  die  Urbi- 
tellen,  die  es  mit  allen  möglichen  körperlichen  Zierden  uinl  Geistesgaben  be- 
schenken (in  Moldan  und  Walachei).  Am  Scheidewege  spukt  um  Mitternacht  der 
Miasa-noptie,  im  Dunkeln  der  Isniian    oder    der    neckende    Trikulitscht.     Wer  um 


Peking.  123 

wurde  als  die  Eidesformel  angesehen,  deren  sich  der  Miles  Christi 
bedient,  um  seinen  Diensteid  abzulegen  (s.  Hahn).  Die  Liven 
wuschen  die  fremde  Taufe*)   in  dem  Wasser  ihres  Flusses  ab 


Mitternacht  an  einem  Nenban  vorbeigeht,  wird  von  dem  Strigoi  ergriffen.  Ver- 
fallene Häuser  sind  von  den  Stachia  (Gnomen)  bewohnt  (Schätze  bewahrend). 
Der  Erkrankte  muss  durch  Zauherformefn  die  Gunst  des  Dyskyntek  zu  gewinnen 
suchen  (s.  Derblich).  Die  aus  Bulgaren,  Croaten,  Serbianern,  Bosniaken,  Sla- 
vouiern,  Russen  bestehenden  Slaven  (in  Moldau  und  Walachei)  heissen  Serben. 
Unter  Caracalla  (212  p.  d.)  wurden  die  Colonisten  Daciens  als  römische  Bürger 
anerkannt.  Mustapha,  Sheikh  of  the  Zauyah  (and  of  the  Achwan  or  devotees  of 
the  Zauyah)  or  Sidi  Mustapha  had  joined  the  fanatical  sect  of  El-Senoussy,  during 
the  late  revival  of  Mussnlman  bigotry  (s.  Smith  and  Porcher)  1864.  Sous  le  nom 
des  Petermannes  on  hommes  de  St.  Pierre  (homines  Sancti  Petri)  on  compreuait 
une  multitude  de  personnes  de  condition  libre ,  assuyetties  ä  payer  un  cens  ä 
r^glise  de  Louvain.  Elles  avaient  droit  ä  la  protection  sp<^ciale  des  ducs,  ä  qui 
elles  formaient  en  qnelque  sorte  une  milice  devoue'e  (nach  Wauters).  Zwischen 
dem  Georgio  lungo  und  Georgio  corto  als  Heiligenbilder  der  Klöster  bei  Larnaka 
(auf  Cypern)  herrscht  Rivalität  (s.  Unger).  In  der  phönizischen  Inschrift  (von 
Cypern)  widmet  Bodo,  Priester  des  Rus-Paschas  (Sohn  Ikunschelem's,  Sohnes 
Eschmun-adon's)  einen  Feueraltar  mit  zwei  Rauchpfannen  unter  dem  König  Tirjam 
von  Kitti  and  Idalion,  und  Tamas,  Sohn  des  Königs  Malkijittan  (nach  Ewald).  Zenon, 
Gründer  der  eleatischen  Schule,  stammte  von  Kition  auf  Cypern.  Die  Baid-oXmi 
heissen  beseelte  Steine  Xid'oi  sfiyjvxoi.  Colonisten  ans  Lacedämon  unter  Praxander 
errichteten  die  Felsbauten  von  Lapithos  auf  Cypern  (nach  Strabo). 

*)  Die  Preussen  empfingen  an  der  Gränze  (bei  der  Mündung  des  Pregel) 
Adalbert  mit  den  Worten,  dass  sie  am  Eingange  eines  von  seinem  eigenen  Gesetz 
beherrschten  Reiches  lebten  und  ihn,  der  einem  fremden  unterworfen  sei,  nicht 
zulassen  würden.  Die  in  Vergeltung  ihrer  vielfältigen  Abfälle  mehr  und  mehr 
decimirten  Liven  vermischten  sich  allmälig  mit  den  Letten  und  sind  bis  auf 
wenige  Gemeinden,  die  sich  am  dondangen'schen  Strande  in  Kurland  und  um  den 
Fluss  Salis  in  Livland  rein  erhalten  haben,  gänzlich  untergegangen  (s.  Rntenberg). 
Bei  den  gleichzeitigen  Bekehrungsversuchen  der  Russen  und  Deutschen  fragten 
die  Letten  ihre  alten  Götter  um  Rath,  welche  der  beiden  Religionen  sie  aunehmen 
sollten,  und  als  das  weisse  Pferd  für  die  abendländische  Kirche  entschied,  wandten 
sie  sich  an  den  Bischof  Albert  von  Riga.  Martensen  sieht  in  dem  Taufact  eine 
Einpflanzung  der  göttlichen  Gnade  in  den  noch  nicht  vom  Bewusstsein  ergriffenen 
Naturgrund,  in  die  Leiblichkeit  des  Menschen,  wodurch  der  Mensch  nicht  nur 
psychologisch,  sondern  auch  organisch  mit  Christus  verbunden,  nicht  nur  bildlich, 
sondern  auch  wesentlich  ihm  einverleibt  wird,  der  nicht  nur  der  Erlöser  der 
Sünden  ist,  sondern  auch  unseren  erniedrigten  Leib  verwandeln  wird,  dass  er 
gleich  sei  dem  Leibe  seiner  Herrlichkeit.  Finitum  non  est  capax  inflniti  (Zwingli). 
The  opinion  (that  man  was  made  out  of  the  dust  of  the  earth)  would  necessitate 


124  ZwpitPs  KapltPl. 

und  hieben  (nach  Trinken  von  Zaubermitteln)  das  in  den  Baum 
geschnitzte  Menschengesicht  (den  vermeintlichen  Gott  der  Sachsen, 
der  Ueberschwemmung  und  Seuche  bringen  würde',  heraus,  ihn 


the  existence  of  alumina,  as  one  of  the  elements  of  organised  strncture,  for  no 
soll  or  earthly  material  oapable  of  being  employed  by  agricultTirists  caii  be  fonnd 
without  alumina  existiiig  largely  in  its  Constitution  and  clay  canuot  be  found 
witiiout  it.  Therefore  ohemistry  protests  against  accepting  the  Mosaic  record  (nach 
Berapath)  1863.  Humboldt  hörte  von  dem  Missionär  in  San  Antonio ,  dass  die 
Indianer  von  Inirida  die  Processionen  in  freier  Luft  liebten,  indem  der  Christen- 
gott, als  alt  und  schwach,  sich  in  das  Haus  der  Kirche  einschliessen  Hesse, 
der  ihrige  aber  auf  den  Bergen  Sipapu  lebe,  von  wo  der  Regen  komme.  In  Pa- 
tricius'  Fegefeuer  überschritt  Nicolaus  eine  schlüpfrig  schmale  Brücke  aus  der 
Hölle  nach  der  Stadt  des  Paradieses.  Nach  der  Taufe  der  orthodoxen  Kirche 
folgt  (in  Serbien)  die  Salbung  aller  Hauptglieder  des  Leibes  mit  heiligen  Myrrhen 
durch  den  Priester.  Vor  dem  Eintauchen  ist  der  Leib  mit  Oel  zu  bestreichen 
(Kanitz).  Als  Miesko ,  Sohn  des  Zemomislaus  (Urenkel  des  Piast)  965  p.  d.  in 
Polen  getauft  wurde,  Hess  er  am  Sonntag  Lätare  (dem  Neujahr  der  Heiden)  die 
Götzen  (Thod)  in's  Wasser  werfen ,  woher  das  Todaustreiben  seinen  Ursprung 
nahm  (s.  Hensel).  Im  Jahr  1845  a  person  pretending  to  be  the  Lord  went  into 
the  inferior  (of  Guiana)  with  some  deluded  followers  and  established  himself  in 
the  Upper  part  of  the  Masarnni ,  sending  emissaries  into  the  neighbourhood  of 
all  the  missions,  calling  on  the  Indians  to  qnit  their  homes  and  provision-grounds 
and  go  to  him  (They  were  told ,  that  they  shonld  possess  lands  which  would 
yield  a  large  crop  of  cassa^a  from  a  Single  stick).  The  Acawaios  (in  arriving) 
were  led  to  a  llttle  enclosed  hut,  from  which  they  heard  a  voice,  commanding 
them  to  fetch  their  friends,  as  a  great  Are  and  water  would  come  upon  the  whole 
World  except  that  spot  (The  impostor  remained  concealed ,  his  voice  sounding 
like  that  of  a  white  person).  Seine  Anhänger  empfingen  die  Ankömmlinge  mit 
Tanzen  und  Trinken  (Brett).  Hieroglyphen  des  Makonaiina  (.allmächtigen)  wurden 
von  dem  nur  Nachts  orakelnden  Propheten  denen  gegeben,  die  gekommen  waren 
„to  see  God."  Johannavi,  der  Büsser,  Hess  den  im  Himmel  verschluckten  Ganges- 
fluss  durch  Einschnitte  an  der  Hüfte  und  am  Halse  wieder  hervorsprudeln.  [Diony- 
sos' Geburt  aus  Zeus'  Hüfte  bedeutete  eine  Wiedergeburt  aus  der  Gottheit  im 
brahmanischen  Sinne ,  wie  sie  sonst  aus  der  Kuh  erfolgt,  und  wie  Zeus  den  bei 
Kronos'  Verschlingen  zum  Brechmittel  rathenden  Metis  selbst  verschlingt,  um 
.\thene  zu  gebären.  Jonas  wurde  aus  dem  Seeungeheuer  wiedergeboren ,  dem 
früher  göttlichen  Cannes  in  Dagon  ]  Die  Jaiiias,  Zauberer  auf  Florida,  standen 
mit  den  Agotkon  genannten  Geistern  in  Verbindung.  The  religion  of  our  Lord 
the  old  man  of  the  Waraus  (sayiug,  that  wheu  the  world  was  made  that  ridge, 
the  sand  reef  and  the  heap  of  Shells  on  the  Haimara-Cabura)  said,  was  doubtless 
„good  for  the  white  meii,  as  they  professed  it,  but  not  for  the  red  meu,  or  they 
would  have  followed    it  tmui    tlie    begiuning"  (Brett).     In    qua    persecutione  (des 


Peking.  125 

auf  ein  Brett  gebunden  in  die  Düua  werfend,  um  ihn  den 
Deutschen  nach  Gothland  nachzusenden.  Auf  dem  Opferplatz 
bei  Pank,  im  Norden  der  Insel  Oesel,*)   Dagden  oder  (estnisch) 


sächsischen  Herzogs  Vitukrad)  discipuli  Saucti  Villehadi,  quidam  Bremae,  multi 
per  Frisiam  ceteri  trans  Albiam  passi  legimtiir.  Ita  effabilis,  ita  largus,  ita  hospi- 
talis,  ita  cupidus  divinae  pariter  ac  hnmauae  gkiriae,  ut  parvula  Brema  ex  illius 
virtute,  instar  Romae  divulgata,  ab  omnibus  terrarum  partibus  devote  peteretur, 
maxime  ab  Aquilonaribus  populis,  Inter  quos  extremi  veneraut  Islaui ,  Gronlani 
et  Orchadum  Legati,  petentes  ut  illuc  praedicatores  dirigeret,  quod  et  fecit  (Seve- 
rinus).  Hades  (uiiderneath  the  earth)  is  divided  into  two  compartmeuts,  the  oue 
for  the  just  and  the  other  for  the  injust,  so  that  while  this  region  is  the  geueral 
receptaile  of  the  dead ,  there  is  nevertherless  a  partition  (Bartlett)  l869.  Der 
Aleniannenfürst  Agenarich  (Neffe  des  Chouodomar)  erhielt  von  seinem  Vater  Mede- 
rich  (der,  als  Geissei  in  Gallien  lebend  ,  in  die  griechischen  Religions-Mysterien 
eingeweiht  war)  den  Namen  Serapio  (nach  Amm.  Marc.). 

*)  Toll,  der  frühere  Beherrscher  von  Oesel,  erhob  sich  (als  muthwillig  durch 
die  Knaben  gerufen)  aus  dem  Grabe,  sank  aber  dann  erzürnt  nur  tiefer,  worauf 
die  Sachsen  (Wennelaine  oder  Feinde)  das  Land  eroberten.  The  dartiug-board  of 
the  Aleutians  resembles  the  antrum  of  the  ancient  Romans.  Im  Wessebrunuer 
Gebet  (VIIL  Jahrhdt.  p,  d.)  war,  als  Nichts  war  (Ende  noch  Wende),  der 
Kino  Almahtico  Cot ,  Mauuo  Miltisto  und  manche  Mitmann  (Manahe  Mit-man). 
Coot  lihhe  Geista  (s.  Massmaun).  Wie  vor  der  Dreieinigkeit,  Sonne  und  Mond, 
Feuer  und  Wasser  u.  s.  w. ,  wird  der  Vehmad  gesprochen  „vor  alle  quecke 
Wichte  (lebendigen  Wesen  oder  Unholden).  Bei  den  Normannen  war  eä  allgemeine 
Sitte,  Kindern  die  Namen  ihrer  Vorväter  beizulegen.  Am  sanct  Cyrillen-Tag  1594 
bekennt  die  Unholdin  Barbara  Schnyder  von  Hoclidorf,  wie  sie  mit  ihrem  Buhlen, 
dem  bösen  Feinde,  der  sich  Sathiau  nannte,  zum  dritten  Male  in  Hasengestalt  ver- 
kehrt, und  so  im  Dorfe  Hochdorf  herumgelaufen  sei  (s.  Schneller),  nach  den  Thnrm- 
büchern  Lucerns.  Les  Roudras  ou  mulätres  ä  peau  tres-foncee,  sont  veuus  de 
l'Oued-Rir.  Als  die  von  Iwan  Wasiljewitch  (1535)  gefangenen  Tartaren  ihrer  ab- 
scheulichen Religion  willen  einen  schnellen  und  nothwendigen  Tod  fanden,  eilten 
ihre  Frauen,  wie  aus  einem  bösen  Traume  erwacht,  zn  dem  Erzbischof  Makarij, 
bittend,  dass  er  sie  taufen  liesse  (s.  Karamsin).  Durch  Wasser  und  den  heiligen 
Geist  neugeboren,  beteten  sie  zu  der  heiligen  Dreieinigkeit  und  erkannten,  dass 
sie  aus  den  Krallen  des  Teufels  und  dem  flüstern  Grunde  der  Hölle  errettet 
waren.  Worin  liegt  die  Hoffnung  der  Kirche  Britanniens,  wenn  St.  Cuthbert  und 
so  viele  Heilige  nicht  im  Staude  sind,  sie  zu  schützen?  schreibt  Alcuin  bei  An- 
lass  des  normannischen  Einfalls,  wobei  Gottes  Heiligthum  beschmutzt  sei  (794), 
wogegen  Simeon  (in  Durham)  sich  tröstet,  dass  St.  Cuthbert  die  Räuber  bei  der 
Abfahrt  mit  einem  Unwetter  strafte.  Die  Bewohner  von  Tours  flüchteten  mit  der 
Leiche  des  heiligen  Martin  (die  sie  zur  Fortscheuchung  der  Dänen  auf  die  Mauer 
gebracht)  nach  Auxerre. 


126  Zweites  Kapitel. 

Hioma  gegenüber,  wird  am  St.  Margarethstage  nach  der  Rede 
des  Bauern  ein  Fass  Branntwein  in's  Meer  geführt  (zum  Besten 
des  Fischfanges,  um  das  Ungeheuer  am  Felsen  zu  sättigen)  und 
dann  folgt  das  Gelage  (1839).  Bei  der  Novizen-Weihe  in  den 
chinesischen  Klöstern  versetzen  die  Priester  den  Candidaten  mit 
Räucherkerzen  fjoss-stick)  zwölf  Brandmaale  auf  die  Arme  oder 
die  »Stirn  und  lassen  sie  das  Gelübde  leisten,  nicht  zu  heirathen, 
kein  Fleisch  zu  essen,  keine  Rauschtränke  zu  geniessen.  Von 
den  Lamas  werden  die  beiden  letzten  Gebote  nicht  beobachtet. 
Die  buddhistischen  Mönche  Chinas  gehen  gelb,  schwarz  oder 
braun  gekleidet.  Hukieuma  (König  der  Coromandelküste)  bat 
Kaiser  Tai-tsong  um  ein  Bildniss  der  Laotse  (648  p.  d.).  Der 
Hauptgott  ist  dreiäugig.  *) 

In  einem  Bilderbuchs  der  chinesischen  Buddhisten  sitzt  Fo  in 
nachdenkender  Stellung  und  sieht  mit  seinem  göttlichen  Auge 
den  Drachen  (Loung)  auf  sich  zukommen,  als  Schützer  der  Re- 
ligion (Hou-fa).  Auf  einer  andern  Seite  sitzt  Buddha  in  Nach- 
denken versunken  da,  und  die  Tuen-sheng  (Ursprungs-Seele)  er- 
hebt sich  aus  dem  Scheitel  seines  Hauptes  in  der  Gestalt  einer 
priesterlichen  Figur,  während  sich  die  Schlange  (mang)  als  Diener 
zu  seinen  Füssen  aufrollt.  Auf  einer  andern  Seite  reicht  das 
schöne  Mädchen  (Loung-rü  oder  das  Drachenmädchen  genannt) 
aus  dem  Wasser  heraus  einem  beistehenden  Priester  das  Shuen- 
keh    (die  Sutra  oder  tugendhafte  Kalpa)  betitelte  Buch.**)    Die 


*)  Von  Staatswegen  wird  geopfert:  dem  Himmel,  der  Erde,  dem  Ahnen- 
tempel, den  Göttern  des  Bodens  und  Korns,  der  Sonne,  dem  Mond,  den  früheren 
Kaisern,  dem  Weisen  Confucius ,  dem  Ackerbauschützer,  dem  Seidebereituugs- 
erfinder,  Himmelsgeistern,  Erdgeistern,  Jahresgott,  Heilgott,  verdienten  Staats- 
männern, Sternen,  Wolken,  Regen,  Wind,  Donner,  Fünfbergen,  Vierseen,  Vier- 
flüssen, Hügeln,  Strömen,  Kriegsfahnen,  Wagengott,  Kanonengott,  Thorgott,  Erd- 
giittin,  Nordpol  u.  s.  w.  (in  China).  Shinnong  erfand  den  Ackerbau  und  Kaiser 
Wanti  (179  a.  d.)  führte  zuerst  den  Pflug. 

**)  Bei  den  Kerala-Videha  war  die  Lehre  von  der  Nichtigkeit  der  Welt  und 
damit  in  Verbindung  das  Leben  von  Almosen,  als  Praviajaha,  Bhixu ,  durch 
Yajnavalkya  und  ihren  König  Janaka  gründlich  verbreitet,  als  Vorbereitung  für 
den  Buddhismus.  The  destruction  of  the  Boodhist  religion  is  of  5  kinds,  the 
extinction  of    religions   knowledge    flrst    and    the    extinction   of  the  divine  bones 


Peking.  127 

Mudra  (conventiouellen  Fiugerzeicben)  können  die  Opfer  ersetzen. 
Durch  Verwandlung  in  die  Gottheit  wird  die  höchste  Biddhi  er- 


last. The  Sacred  Royal  Mind  perceives  tbat  if  Pa-tl-we-tho-tham  (the  doctrine 
of  nippau  and  its  rewards)  will  vanish  away,  it  is  proper.  But  that  Pa-ti-pa-ti- 
tham  (the  observance  of  the  sacred  laws  of  the  priesthood)  should  be  allowed  to 
vanish  along  with  it,  is  not  proper  yet,  because  those  who  would  perpetnate  the 
System,  and  would  have  the  sacred  religion  shine  forth ,  still  live  in  great 
numbers  (says  the  king  of  Slam  in  bis  proclamation  (1843).  The  offerings  to  the 
priesthood  (on  Pa-pa  and  ka-tin)  are  embraced  as  flne  oportunities  for  seeing  and 
talking  with  the  sexes,  as  both  attend  in  crowds  (Bnell).  Some  of  the  priests, 
becoming  avaricioos,  bet  on  bird  and  cock  fighting,  ou  the  needle  and  biting 
fish.  They  cut  durians,  play  at  po  and  ipong,  play  at  thua  and  draw  hui,  they 
name  of  hui  and  give  it  to  another  person  to  draw.  They  race  buffaloes  and 
cattle.  They  play  sa  ba.  They  ensuare  wild  fowls  pigeons  and  the  jambu-bird 
and  they  with  ecstasy  sail  kites,  play  foot  ball,  box,  restle  and  fence.  They 
hold  niock  worship,  quotiug  Peguan  and  Laos,  Mahai  and  Mahachai,  preachiug 
from  Mahachat  for  jest,  contrary  to  the  sacred  Bali.  Some  go  about  begging  and 
push  and  shove  another  (is  said  in  the  proclamation  of  the  king  of  Slam  1844). 
The  game  with  durians,  is  to  bet  on  the  number  of  lobes  it  contains  before  it  is 
out  (in  Slam);  he  that  guesses  right,  wins  (s.  Buell).  The  Bonzes  of  Laos  (of 
the  religion  of  Buddha,  as  in  Slam  and  Camboge)  have  broken  the  law  of  ab- 
stinence.  They  leave  this  part  of  the  rites  to  their  brethern  and  eat  indifferent 
all  sorts  of  meat.  They  marry,  without  quitting  the  pagoda.  Near  the  residence 
of  the  princes  is  generally  a  magnilied  temple  and  a  gilt  Image,  which  each 
prince  on  asceuding  the  tliroue  has  regilt.  Der  Rodhisattwa  muss  seinen  Zweck 
unausgesetzt  verfolgen  und  deshalb  nie  ermüden  in  der  Ausstellung  der  sechs 
grossen  Tugenden,  die  an's  andere  Ufer  führen,  als  den  Päramitäs  (Mitleid, 
Moralität,  Geduld,  Energie,  Beschaulichkeit  und  Weisheit).  Viuaya  (Bescheideu- 
heit  im  brahmanischen  Sinne)  bedeutet  (im  buddhistischen  Sinne)  Unterdrückung 
der  Zucht.  Die  Moral  (^ila)  bildet  einen  Theil  der  Disciplin.  Das  kanonische 
Compendium  der  buddhistischen  Disciplin  und  Casuistik  führt  den  Titel  Präti- 
mokscha-Sütra  (Sütra  der  Befreiung).  Till  Franciscus's  reformation  the  monks 
were  not  allowed  to  exercise  priestly  functions.  The  Achelek  was  at  Phra-Phuttha's 
time  a  sept,  not  wearing  cloths,  pretending  to  be  Phra.  Chakue  dorje  is  called 
(in  the  Gyut)  the  ford  of  those  who  deal  in  mysteries.  The  peculiar  religious 
System,  called  kala  Chakra  (derived  from  Shambhala)  was  introduced  into  Central 
India  in  the  lO'h  Century  p.  d.  and  afterwards,  via  Cashmir,  found  its  way  into  Tibet 
(Csoma  de  Koros).  In  the  astronomical  works  (Beidurya  Karpo)  of  Tibet,  symbolical 
names  are  nsed  iustead  of  numerals .  in  all  astronomical  and  arithmetical  cal- 
culations.  Les  Qramananas  de  (Ceylon)  Ratnadvipa  (le  royaume  de  Sinhala)  au 
lieu  de  porter  l'habit  jaune,  comme  ceux  de  l'Inde,  sont  vetns  de  noir.  Ils  ap- 
partiennent   penr  la  plnpart  ä  l'<^coIe    du    grand    V^hicule   et    surtont  ä  celle  des 


128  Zweites  Kapitel. 

reicht.    Die  Nonnen  dürfen   das  graue  Kleid  *)  der  Bonzen   nicht 
vor  dem  17.  Jahre   anlegen.    Die  Inseln  des  rDo-rDje-Phag-mo 


Sarvastivadas.      The    disciples  of  tlie    Tirthaka    Nigantha    natha  used    oiily    warm 
water,  not  to  destroy  life. 

*)  The  king  of  Anga  (whose  capital  was  Champa),  having  conquered  Padma- 
chhen-po  (king  of  Magadha) ,  collected  taxes  in  Magadha,  tili  prince  Vimbasara 
opposed,  and  having  conquered  liis  enemy,  took  (at  the  time  of  Shakhya)  bis 
residence  in  ßajahgriha  (according  to  the  dulva  of  the  Tlbetans).  According  to 
tbe  dulva,  the  disciples  of  Sliakhya  are  permitted  to  wear  three  pieces  of  religions 
clothing  of  a  darkned  colour  (for  distinction).  Maugalyaua,  directed  by  Shakkya 
(in  the  dulva)  to  teach  the  iuhabitauts  of  the  Shakhya-race  the  origin  and  history 
of  their  nation  (they  enquired  for),  he  addresses  them,  as  descendants  of  Gautama 
(Gohutama-tag)  and  teil  the  renewal  of  the  world  down  (through  the  universal 
sovereigns)  to  Sengehi-hgram,  the  grand-father  of  Shakhya.  Katyayana,  seut  by 
Shakhya  to  couvert  the  king  oi  Hphags-royal  (Stum-po-Rabsnang)  meets,  passing 
through  Kanya-kubja,  the  daughter  (with  beautiful  hair)  of  a  Braham  (who  had 
just  died) ,  he  was  acquainted  with  (according  to  the  dulva)  and  causing  her  to 
be  married  to  the  king.  Kun-dgah-vo  (Ananda),  the  successor  of  Hod-srung 
(Kasyapa),  dies  in  the  midclle  of  Ganges  (having  appointed  Shanahi-gos-chan  bis 
successor)  and  his  body  is  divided  in  two  parts.  The  one  is  taken  by  the  Li- 
chabyi-race  at  Yangs-pa-chan,  who  erect  a  Chaitya  to  contain  it,  the  other  part 
by  the  king  of  Magadha ,  who  likewise  builds  a  Chaitya  at  Skya-snar-lin  (Pata- 
tiputra)  over  his  sbare  of  relics.  The  sons  (born  from  32  eggs)  of  Sagama  (a 
youug  girl  of  Champa),  married  to  an  officer  at  Shravasti  in  Kosala),  were  destroyed 
by  the  king  of  Kosala,  According  to  the  dulva,  Hphags-skyes-po,  king  of  Kosala, 
at  the  investigation  of  Mala  Onod  conquers  (after  many  attacks)  the  city  of  the 
Shakya  race.  Being  dispersed ,  many  fled  to  Nepal.  During  that  war  a  certain 
Shakya,  Shampaka.  is  banished  from  Capila.  At  his  parting  request,  Shakya 
grants  Mm,  in  an  illusory  mauner,  some  hairs  of  his  head,  some  nail-parings 
and  teeth.  He  goes  to  the  country  Bagud  or  Vagud,  is  made  king  there  and  builds 
a  chapel  for  the  relics.  To  interdict  a  person,  the  priests  of  Shakya  upturued 
their  alms  dishes  at  Yangs-pa-chan  (Vaishali  or  Allahabad) ,  the  city  of  the  Li- 
chabyi-race  (according  to  tbe  dulva).  The  scholarly  statesman  Madhava,  the 
Vidyranya  as  belonging  to  the  order  of  Gosains,  founded  by  Ganharacharya) 
bullt  with  the  treasure  (pointed  ont  by  the  goddess  Bhuvaneswari)  Vidyauagara 
(the  city  of  learning)  or  Vijayanagara  (the  city  of  victory),  leaving  the  so- 
vereignty  to  a  family  of  the  Karma  or  Kuruba  (shepherd  race).  According  to 
others,  he  founded  the  city  and  installed  as  king  Burka,  a  shepherd ,  who  had 
waited  on  him  in  his  devotions.  A  third  account  states,  that  it  was  founded  by 
Bukka  and  Harihara  (fugitives  from  Warankul,  which  had  been  conquered  by 
the  Mohamedans),  who  encountered  the  sage  in  the  forest  and  had  the  city  built 
for  them.     The  fnurth  Statement   makes  Rnkka  and  Harihara  offlcers  of  Ala-nd-din. 


Peking.  129 

(heiliger  Diamaut-Schnee)  enthalten  (bei  Lhassa)  den  Tempel 
des  weiblichen  Chutuchtu,  eine  Incarnation  des  grossen  Bären 
mit  einer  Schweineschnauze*)  im  Nacken,  weil  sie  während  der 


Being  detached  (after  the  conquest  of  Warankul)  against  the  Belal  Rajah  of  Mysore, 
they  were  defeated  and  fled  into  the  woods,  wbere  they  met  Yidyaranya,  -who 
(having  furnished  them  money  to  gain  victory)  advised  theui  to  establish  a  new 
kingdom.  Nanda  (son  of  the  sovereigu  of  Bylemdis),  who  was  descended  (through 
Panda)  from  the  moon,  settled  (driven  from  his  patrimonial  possessions  by  ene- 
mies)  in  Andhra  er  Telingana,  where  he  founded  Nandapuri  (1034  p.  d.),  con- 
quering  the  Peniusula  from  the  Godavery  to  Ramesvara.  ßukka  was  succeeded  is 
Vijayanagar  by  Harihara  1429  p.  d.  Kirti,  Saraswati  and  Bhu  Laxmi  (the  god- 
dess  of  fame,  learning  and  of  the  earth)  were  created  in  form  of  an  egg  by  the 
fonr-headed  god  Brahma.  Buddha  (wise  as  Mercury)  was  the  son  of  Chandra 
Raya.  Krishna,  the  son  of  devaki  in  his  5th  incarnation  as  Vamana  or  the  dwarf, 
sought  alms  from  Bali,  but  king  Bukka  (in  Vijayanagara)  far  surpassed  Bali  in 
dominion,  glory  and  charity  (accordiug  to  the  iuscription  of  Krishna  deva  Maha 
Raya).  According  to  the  inscription  (in  canarese)  in  Vijayanagar,  the  deity  called 
Vighneswara  (Ganesa),  the  son  of  Sambhu,  lost  his  head  in  battle.  When  on  his 
mother  (Parvati's)  investigation ,  the  father  looked  for  him,  he  found  only  the 
body  and  substitated  the  head  with  that  one  of  an  elephant.  Vighneshwara  (pro- 
ficient  on  all  languages  aud  sciences)  was  distinguished  by  the  symbol  of  the  moon 
on  his  head.  The  compilatiou  of  the  Tibetau  sacred  books  is  called  Ka-gynr  (or 
Kangyur)  or  trauslation  of  commandment,  as  being  translated  from  the  Sanscrit 
or  the  ancient  Indian  language  (of  Magadha  as  the  Pracrit).  Besides  the  natural 
Nagas,  illusory  oues  being  in  existence,  Shakhya  (in  the  dulva)  prohibits  to  receive 
into  religious  Orders  any  illusory  mau  (Sprul-pa). 

*)  According  to  M'Lauchlan  the  sow  was  the  national  emblem  (Muc).  Accor- 
diug to  Skene  the  Picts  belonged  to  the  race  of  the  Gwyddyl  (Gael)  and  not  to 
the  Kymric  race.  Consfantiue,  king  of  the  Picts,  founded  the  monastery  at  Dun- 
keid. Carn  nam  Fionn  (in  the  county  of  Ross)  means  the  Fingalian's  mountain. 
Aber  (according  to  Chambers)  was  British  (Welsh)  and  not  Gaelic  [Iber]  (Abhir 
or  water  to  water).  According  to  Armstrong,  Don  is  an  obsolete  Gaelic  word 
for  water.  Annat  was  an  ancient  deity  of  the  Galedonian  Gael.  Baisagart  (in 
the  county  of  Air)  is  Baile-na-sagart  (the  priest's  town).  Ben  is  not  the  Welsh 
Pen ,  but  the  Gaelic  word  Beinn.  The  Brilons  acquired  the  Strathclyde  region 
(occupied  by  the  Gael)  at  the  period  of  the  Roman  invasion  into  Caledonia  (78 
p.  d.).  The  Irish  Scots  arrived  in  Argylshire  VI  Century  p.  d.  The  Caledonians 
became  known  (IV  Century  p.  d.)  by  the  name  of  Picts.  Bai  ist  the  english  cor- 
ruption  of  the  Gaelic  baile,  meaning  a  town,  hamlet,  farm,  \illage  or  home 
(Robertson).  If  the  son  of  a  great  leader  equalled  his  father  in  bravery  and  skill, 
he  might  succeed  to  his  power,  if  not,  the  Caribs  would  chose  another  to  head 
them  in  any  warlike  undertaking.     It  was  necessary  for  the   candidates   for    such 

IJ.astian,    Reise  VI.  " 


130  Zweites  Kapitel. 

Unruhen  in  Gestalt  eines  Schweines  entkam.  Das  zur  Burchan- 
Würde  (jenseits  des  Ortschilang-  oder  Wechsel)  führende  Mittel*) 
heisst  Sätülgäktschi  (hinüberführen).    Nach  den  Buddhisten  von 


an  Office  to  possess  more  strenght  and  courage  than  their  follnws  aud  to  be  per- 
fectly  acqualnted  wlth  every  art  and  stratagem  of  savage  warfare  (Brett).  Fehlte 
bei  den  Aethiopen  ein  Erbe,  so  wählten  sie  den  Schönsten  und  Streitbarsten 
(Stobaeus). 

*)  um  die  gestörte  Einheit  des  leeren  Raumes  wieder  herzustellen,  wird 
(^nnter  Entvölkerung  des  Jirtintschii)  der  Ortschilang  vernichtet.  Die  unbegränzte 
Einheit  (der  leere  Raum  oder  Chagossun  Aghar)  ist  keineswegs  leerer  Raum, 
indem  sie  Alles,  was  war,  ist  und  zukünftig  sein  wird,  in  sich  geschlossen  hatte 
und  wieder  in  sich  vereinigen  wird  (s.  Schmidt).  Nach  dem  Uligerüu  dalai 
(Demüthigung  der  sechs  irrlehrenden  Pandidas)  wollte  der  Bruder  des  Durssutü 
Surakan  Chan  den  Goodama  nicht  verehren.  Indien  heisst  (bei  den  Tibetern) 
r  ügagar  oder  r  Dshagar  und  (bei  den  Mongolen)  Anadkak  oder  Hindkak.  Bei 
Godan's  (Ugatai's  Sohn)  Krankheit  wurde  der  Schagkia  Paudida  aus  Tibet  berufen 
(1244).  S<bag-hia  Paudida  erhielt  (nach  Bekämpfung  von  sechs  irrlehrenden  Pau- 
dits)  die  Panditwürde  in  Indien.  Die  Namneten  genannten  Frauen  auf  der  Insel 
an  der  Mündung  der  Loire  dienen  (nach  Strabo)  dem  Bacchus.  Nach  Artemi- 
dorus  wurde  auf  einer  Britannien  benachbarten  Insel  (des  Ocean)  Ceres  und  Pro- 
serpina (wie  in  Saniothrake)  verehrt.  Die  Druiden  heissen  Semnotheoi  (bei  Laer- 
tius).  Die  gallischen  Priester  lehrten  ausser  der  Unsterblichkeit  der  Seelen  Vieles 
über  die  Gestirne,  das  Wesen  der  Erde,  sowie  der  Götter  (Cäsar).  [Mysterien  der 
Bassutos.]  Die  Gallier,  die  dem  Theutates,  Taranis,  Hesus  Menschen  opferten, 
glaubten  (nach  Lucan),  dass  die  Seelen  andere  Körper  belebten.  Nach  Diod.  Sicul 
hatten  die  Gallier  die  Unsterblichkeitsiehre  des  Pythagoras.  Nach  Appian  fürchteten 
die  Germanen  (Gelten)  den  Tod  nicht,  weil  sie  in's  Leben  zurückkehren  würden. 
Nach  den  Druiden  (bei  Mela)  sind  die  Seelen  ewig.  Die  Gallier  leihen  (nach 
Valer.  Max.)  für  die  andere  Welt.  Die  Druiden  verachteten  (wie  es  Pythagoras 
lehrte)  das  Irdische  für  das  Unsterbliche  (Amm.  Marc).  Bei  der  Herabkunft  der 
Ganga  führen  33  Götter  bei  Brahma  Klage  über  die  Söhne  des  Sagara.  Chor- 
musda  (Kouschika  oder  Gouschiga  im  Tibetischen)  ist  von  33  Tägeri  begleitet. 
Nach  Kaempfer  halten  die  Sabier  den  Jesus  (den  sie  unter  Johannes  setzen)  für 
das  Wort  und  den  Geist  des  Vaters.  Rubruquius  fand  in  einem  Bethause  die 
Bildnisse  des  Jesus,  der  Jungfrau,  des  Johannes  des  Täufers  und  zweier  Engel. 
Auf  Wunsch  des  Königs  von  Udajana  erhob  sich  (während  Bnikllia's  .\bwesenheit) 
der  Künstler  Maha-Modgalwani  (durch  den  Ridi  Chubilghan)  in  den  Himmel,  ui« 
das  Bild  desselben  zu  verfertigen  (nach  den  Ssudurs).  Jamontaka  und  Mahakala 
sind  Beinamen  Siwa's.  Nach  den  Jain  war  Vishnu  ein  Radja,  der  in  Folge 
frommer  Werke  später  nochmals  als  Radja  unter  dem  Namen  Rama  geboren  wurde, 
dann  der  Welt  entsagte  und  ein  Geistlicher,  zuletzt  ein  Siddha  oder  Dschina 
wurde.     Nach  dem  Nom  Sharchoi  Todorchoi  Tolli  zerflossen  die  Tliränen  desNidu- 


Peking.  131 

Matura  (in  Ceylon)  war  Christus  in  früherer  Existenz  ein  Gott,  *) 
der  in  einem  der  sechs  Himmel  wohnte  und,  vom  Wohlwollen 
beseelt,  eine  Geburt  als  Mensch  wünschte.  Maitreya  (als  König- 
in Tuschita  thronend)  wird  oft   mit   herabhängenden   Füssen**) 


bär  Usäktschi  zur  zornigen  Göttin.  A  la  fete  pour  les  morts  (ä  Macao)  le  bonze 
lache  dans  la  mer  un  crabe  (s.  Desguignes).  Nach  Babek ,  der  (zur  Zeit  des 
Mamum)  die  Seelenwanderung  predigte,  war  die  Seele  des  Bod  (oder  Buddha), 
eines  Fürsten  von  Aderbygan,  auf  ihn  übergegangen  (s.   Weil). 

*)  Nach  Davis  findet  sich  der  Name  Jesus  in  der  Reihe  der  chinesischen 
Gottheiten.  Der  V'adschra  (Donnerkeil)  Indra's  ist  in  die  Hände  der  buddhisti- 
schen Priester  als  Gebetscepter  übergegangen.  Der  Jäma  (im  dritten  Himmel) 
ist  verschieden  von  dem  Höllenfürsten  Jama,  als  (chinesisch)  Jema,  (tibetisch) 
Hthab  bral,  (mongolisch)  Baildaghan.  Mära,  als  Käma,  ist  aus  dem  erstgebildeten 
Käma  des  Veda  hervorgegangen,  der  (dem  Hesiod'schen  ilros  vergleichbar),  als 
Kern  der  Maja  (Zeugung  und  Gestaltung  verursachend)  in  das  reine  Sein  eingeht 
(s.  Koeppen).  ,,Eines  Jeden  Meditation  wird  zur  Geburt,  indem  ein  Jeder  das 
wird,  worüber  ex  meditirt."  Die  Brahmakäyikas  (die  das  Gefolge  Brahma's  bilden) 
sind  (bei  den  nördlichen  Buddhisten)  identisch  mit  den  Brahraaparichadyas.  Die 
drei  Stationen  des  ersten  Dhyäna  heissen  (bei  den  Buddhisten)  Wohnungen  der 
drei  I(;varas  (der  Trimurti),  als  Brahma,  Vishnu  und  Qivas.  Die  Pratyeka-Buddha 
(Pratikavud)  heissen  Ovoro  Torolkitu  (die  selbt  sich  Erzeugenden).  Nach  Berg- 
mann sind  die  fünf  oberen  Reiche  des  vierten  Dhyana  Sitze  der  Chutuktu  (Ar- 
chats).  The  Gnostic  believed  himself  to  be  neither  in  heaven,  nor  on  earth,  but 
to  have  entered  iuto  the  pleroma.  In  der  Bhadra-Kalpa  (tugendhaften  Kalpa) 
erscheinen  fünf  Buddhas.  Es  gilt  als  Ketzerei,  zu  glauben,  dass  die  Welt  ohne 
Ursache  sei,  weil  sie  vorher  (au  sich  oder  im  latenten  Zustande)  in  derjenigen 
Region  der  zweiten  Welt,  in  welcher  kein  Bewusstsein  ist  (Asandjnisattvas)  existirt 
habe.  Das  Erste,  was  über  die  Oberfläche  der  Erde  (bei  der  Neubildung)  sich 
erhebt  und  aus  ihr  emporsteigt,  ist  der  Thron  der  Intelligenz  und  der  Bodhi- 
baum  bei  Buddhagaya,  neben  welchem  der  Lotus  durch  die  Zahl  seiner  Blütheu 
die  Zahl  der  Buddhas  anzeigt.  Das  Dreifache  eines  unteren,  mittleren  und  höchsten 
Nirväna  (Nirväna,  Parinirväna  und  Mahaparinirväna)  entspricht  den  drei  Klassen 
von  Heiligen,  den  Arhats  oder  ^rävakas,  Pratyeka-Buddhas  und  den  allerherrlichsten, 
vollendeten  Buddhas.  Das  Sansara  beruht  nur  in  der  Unwissenheit  (Avidya). 
Fabian  sah  auf  Ceylon  die  Transformation  (des  Buddha)  en  eclair  jiicht  als  Wieder- 
geburt (Djätaka),  sondern  durch  Wunderkraft  (Riddhi). 

**)  In  Ceylon  erhält  das  Bild  seine  Weihe  und  Göttlichkeit  dadurch,  dass 
eine  Pupille  eingesetzt  wird.  Nach  Meinung  der  Lamaisten  senkt  sich  bei  der 
priesterlichen  Weihe  des  Bildes  der  betreffende  Heilige  aus  den  höheren  Regionen 
durch  Ausstrahlung  auf  dasselbe  herab  [im  Bodhisattwa,  als  der  Wesenheit  des 
Buddha,  verbindet  sich  der  himmlische  Gott  mit  seiner  irdischen  Verkörperung, 
die  sich  wieder  zum  Dhyau  erhebtj.     Nach  den  Tibetern  kam  der  zweite  Augeu- 

9* 


132  Zweites  Kapitel. 

sitzend  dargestellt.    Während  der  rechte  Augenzahu*)  Buddha's 
in  Indra's  Himmel    verehrt  wurde,   wurde  der  linke,    (den  die 


zahn  in   die  Stadt   Yid-da-hongva   (die    köstliche  Stadt).     Der  dritte   Augenzahn 
Baddha's    wurde    durch    die    Priester  Khema    nach  Dhautapura  (Dschaggernath  in 
Orissa)   gebracht   nnd    von   dort   (als    der    raubende    Pandu-Köuig  ihn  von  Patali- 
putra,  wo  die  Brahmanen    vergeblich    die    Zerstörung  versuchten,    zurückschickte) 
durch  die  Tochter    des  Königs  Guha^iva   (IV.  Jahrhdt.  p.  d.)    nach   Ceylon.     Der 
erste    Augenzahn    Buddha's    kam    in    den    Himmel    Indra's ,    der    vierte    zu    den 
Schlangengöttern  (Nagara).     Vartagämani  (89 — 77  a.  d.)  legte  einen  Zahn  Buddha's 
in  einer    Stupa    nieder.     Die  Kopferhöhung    Buddha's    wird    in  einem  Kloster  bei 
Fu-tscheu-t'u  (in  verschiedener  Farbe)  gezeigt.     Ok  roemen    de  Louwers,    dat  hun 
Godt  grooter  dan  die  van    Siam    en   Cambodia   is ,   en  zy  achten  hunue  Priesters 
byna  as  halve  Godeu,  gelyk  zy  her  ook  rykelyk  van  alles  versorgen.     Ook  is  het 
aammerkens  waardig,  dat  dese  Priesters  jeder  mar  eene  vrouw  hebben,  hoewel  zy 
omsichtig  en  rein  miBt  de  zelve  moeten  leven,  daar  dit  nochtans  den  Cambodische 
Priesters    ongeoorloft    is    vrouwen    te    hebben    (s.    Valentyn).      Während   Feridnn 
(des^en  Mutter  vor  dem   Araber  Zohak,  dem  Besieger  des  Dschemsid,  entflohen)  in 
Schelab  die  Bergstämme  um  sich  sammelte ,    erhob    sich  in  Irak  (zu  Isfahan)    der 
Schmied  Kawe.     Afrasiab  suchte  durch  einen  falschen  Brief  die  Karinkawe,  Feld- 
herrn des  Menudschehr's,  zu  verdächtigen.     Nach  der  Geburt   Ki-yeu's    hatte  sein 
Vater,  Fürst  Hoan  von  Lu,  hinsichtlich  dieses  Sprösslings  die  Schildkrötenschaale 
brennen  lassen,  und  als  Ergebniss  erhalten,  dass  dieser  Knabe  sich  zwischen  den 
beiden  Aufstellungen  der  Landesgötter   (von  Tscheu  und  Po)   befinde   (Pflzmaier). 
*)  After  the  Manla-kings    had    enshrined  the  relics    of  Gautama,  the  king  of 
Magadha    (Azalathah),    the    Weiksa    kiugs    of   Waythalee,    the    Shr.gawen-kiugs  ot 
K.tppclawoot,  the  Bala-kings  of  Aulakappa,  the  princes  of  Yama-village,  the  Poiig- 
nas  of  Watliadeba  and  the  Manla-kings  of  Pawa  sent,  to  ask  for  a   part  of  tliem. 
When  war  was  threatening   the   proposition    of   the   Pongna  (Dauna)  for  a  distri- 
bution  was  accepted.     Dauna  made  8  parts  and  secretly  hid    the   right-eye-tooth 
in  bis  turban,  from  where  the    Thegya-king    (foreseeing,    that  he  would  not  duly 
worship  itj  took  it  away  and  carried  it  to  Tawadeingtiia  that  country,  enshrining 
it  in  the  Sulamanee-pagoda.     Dauna  received  so  only  the  golden  vessel,  in  which 
he  had  measured  the  relics.     When  all  the  relics  had  been  distributed,  the  Mau- 
riyaklngs  sent  a  message,  but  could  only  get  the  coals  (Icft  at  the  burning),  over 
which    they    built    a   pagoda    and   reverently    worshipped    them    (according  to  the 
Malalengara).     Dauna  built  a  pagoda    over  the  golden  vessel.     Quand  il  ne  pleut 
pas  les  habitants  (de  Denka)  lancent  des  fleches   contre    le   ciel  (Godard).     L'Asr 
est  l'heure,  ä  laquelle  l'ombre  projetöe  par  un  corps  ä  midi   a   ensuite   atteint  la 
longueur  meme    de    ce    corps    abstraction   faite    de    ce    qu'etait  la  portee  de  cette 
ombre  au  monient  oü    eile    etait  le    moins   allong^e  c'est-a-dire  au  midi  vrai  (bei 
Jen  Mohamedanern).     After  Kathaba  (fearing  that   evil    might   happen  them)  had 
recollectcd    the    relics    (except  tlieni  in  Yania  village,    which,    being   guarded    by 


Peking  133 

Tibeter   nach    der    köstlichen    Stadt   Yid-du-hongva    gelangen 
lassen)  durch  den  Presbyter  Kheraa  nach  Dhantapiira  gebracht  und 


Nagas,  were  safe  nntil  their  transfer  to  Ceylon) .  king  Azalathat  enshrincd  them 
(with  precious  stones  and  golden  images)  in  a  subterraneau  Chamber  (fllled  with 
ever-biirning  lamps  and  uever  fading  flowers),  in  which  Kathaba  wrote  with  gold 
letters:  ..In  after  times  the  son  of  a  king  named  Pyadatha  will  he  created  king. 
Thauka  will  he  bis  name.  He  will  cause  these  relics  to  be  spread  over  the  face 
of  the  Sonth  Island."  The  Wethägyon  Nat  (ordered  by  the  Thegya  king  to  place 
a  guard  around)  created  a  machine  on  which  revolved  the  flgurcs  of  most  fright- 
ful  beasts,  he  also  created  images  holding  swords,  which  were  in  appearance  like 
glass,  these  he  placed  npon  the  marhine  and  the  swords  turned  with  the  swift- 
ness  of  the  wind ;  he  theu  enclosed  them  with  stones,  placed  a  large  slab  on  the 
top  and  erected  a  stone  pagoda  over  them.  When  in  after  times  Dama-Thauka 
sought  for  the  relics  (hid  by  a  former  king)  and  had  in  vain  pulled  down  all 
pagodas  (which  he  afterwards  built  up  again)  he  at  last,  was  led  by  an  cid  priest 
to  the  place  where  once  a  stone  pagoda  stood  and  on  opening  the  earth  found 
the  enclosure  of  the  machines  and  saw  them  whirling  round.  After  having  made 
offeriugs  to  the  guardian  Nats,  Wethägyon  (on  the  Thegya-king's  command)  assu- 
med  the  appearance  of  a  little  boy  with  flve  knots  of  hair  upon  his  head  and, 
holding  a  bow  and  arrow ,  went  to  the  king ,  promising  to  remove  the  images. 
Taking  an  arrow,  he  shot  between  the  points  of  the  images  and  seathered  them  in 
all  directions.  Having  taken  away  the  ruby  (to  be  offered  to  the  relics)  sealing 
the  doer,  the  king  took  away  the  relics  (except  a  few  which  the  left  for  future 
worship)  and  reerrected  the  stone  pagoda,  distributing  the  relics  in  the  monasteries 
built  by  him  (according  to  the  Malalengara).  In  the  Arabic  Risaleh  (by  Khalid 
Ibn  Zeid  El  Jufy)  Amr  or  Word  is  the  absolute  deity  (s.  Salisbury).  Stirbt  der 
Grossköuig  unter  den  rebellischen  Königen  Ceylons,  so  wird  sein  Körper  zertheilt 
und  die  Frau  verbrennt  sich  mit  ihm  (nach  Kazwini).  Sana  wird  aus  den  Dünsten 
des  Berges  Sibara  (zu  dessen  Thor  der  König  den  Schlüssel  bewahrt)  bewässert. 
Nach  der  Nacht,  in  der  das  Leuchten  des  Berges  Sekran  erblickt  wird,  erscheint 
ein  Pfau  auf  demselben.  When  Buddha  seated  himself  on  a  stump  of  a  tree  (in 
Magadha),  he  was  presented  by  his  brother-in-law  Ananda  with  fruit  to  eat,  as 
haritaki  (according  to  the  Bali)  or  (according  to  the  Siamese)  lak  sama  (myra- 
bolauum  phyllauthus  emblical.  In  the  courtyard  ofNundha  the  mark  ofCrishna's 
foüt  is  Seen  and  such  marks  at  the  hill  Ghandragurus  near  the  Jain  statue  Gomuta 
Iswara.  Raghu  erected  pillars  of  conquest  in  each  of  the  durpas.  The  Siamese 
aknowledge  flve  genuine  Prabat  or  Pancha  Pra  Patha  (Ha  Phra  Bat).  According 
to  the  Milinda,  Indra  (while  yet  a  holy  personnage  ou  earth)  was  called  Maghawa 
(his  name  Sokko  relates  to  his  benign  disposition),  his  four  consorts  (on  earth) 
were  Sucheda  (encouraging  horticulture) ,  Sanantha  (digging  wells) ,  Suthamma 
(buildiug  caravansaries)  and  Suchada  (immortal  by  piety  and  virtue).  The  Milinda 
mentions  Tuttila  Khant    happo,   Sathenua    Kaja,   Nemi    Kaja ,    Mauthatu    Kaja   as 


^34  Zweites  Kapitel. 

dann  nach  Ceylon  (als  geglättetes  Elfenbeinstück).    Als  Auanda's 
Körper  beim  Verbrennen  in  zwei  Theile*)  (wie  eine  Edelstein- 


persons  taten  to  heaven  (wlthout  tasting  death)  and  the  princess  Chencha  Maiia 
Wika.  king  Phimmasan  (Sappa  Phutdha),  Thevadhatta,  Nanthama  Napha  (Nantlia- 
manop)  Nantba  Yakkha  (Nantha  Yak)  and  Utliakamaya  Ohara  as  persons,  who 
feil  into  hell  throngh  the  yawning  earth).  Von  der  Grüne  des  aus  Smaragd  be- 
stehenden Weltberges  Kaf  rührt  die  Grüne  (Bläue)  des  Himmels  her.  The  Monde 
publishes  a  pastoral  letter  from  the  Archbishop  of  Spoleto  to  his  flock  relatiug 
to  a  series  of  „miracles",  which  he  asserts  have  just  been  performed  by  an  old  and 
discoloured  image  of  the  Virgin  Mary ,  standing  in  a  niche  in  the  open  couutry 
near  Spoleto.  „Some  months  ago  (he  says)  this  venerable  image  to  some  extent 
revived  its  worship  by  means  of  a  voice,  which  was  several  times  heard  by  a 
child  nnder  five  years  of  age,  uamed  Henry  whom  it  called  by  its  name.  It  also 
showed  itself  to  this  child  in  a  manner  which  we  cannot  describe."  Several 
villagers  of  a  daugerous  and  painful  affliction ,  especially  persons  labouring 
under  rheumatic  affections,  feit  themselves  inspired  to  visit  this  image  and  wor- 
ship  it  and  were  restored  to  perfect  health.  A  woman  whom  a  malignaut  spirit 
had  tormented,  stated  in  dying,  that  the  Virgin  was  about  to  receive  new  houors, 
and  that  a  temple  would  te  bullt  to  her  at  the  spot.  A  man,  whose  feet  were 
crusbed  by  the  wheels  of  a  waggon,  no  sooner  approached  the  image,  than  he  was 
able  to  stand  and  walk  as  before.  Moral  miraculs  also  occurred.  Scoffers  who  have 
gone  to  the  spot,  have,  on  drawing  near,  experienced  a  complete  change  of  the  heart. 
The  exhibition  has  not  been  unproductive  to  the  treasury  of  the  church.  Every 
visltor  is  expected  to  leave  some  deposit  and  the  archbishop  speaks  indignantly 
of  an  attempt  xnade  by  police-offlcer  of  the  Italiau  government,  to  procure  a  satis- 
factory  account  of  the  reeeipts.  (Homes  News,  June  10,  1862.)  In  the  Tafang- 
pienfopaoyenking,  the  indian  fables  about  the  louse  (which  not  listening  to  the 
flea,  was  biting  the  priest  out  of  time,  is  kUled)  is  translated  in  the  Chinese 
(s.  Stan.  Jul.).  Auf  dem  Berge  Kilesian  (nach  dem  Tnhfat  elgaraib)  ist  eine  Stelle, 
über  welche  Vögel  nicht  fortfliegen  können  und  todt  herabfallen.  Die  von 
buddhistischer  Priesterschaft  ausgeschlossenen  Rhodias  dürfen  sich  keinem  Tempel 
nähern. 

*)  We  must  either  admit,  that  some  of  our  circumspect  forefathers  were 
imposed  upou,  or  that  St.  John  the  Baptist  had  more  heads  than  that  of  which 
he  was  so  cruelly  deprived,  as  well  as  several  of  their  favourite  Saints  having 
each  kindly  afforded  them  two  or  three  skeletons  of  their  precious  bodies,  circum- 
stances  that  frequently  occurred ,  berause ,  says  Father  John  Ferand  of  Auecy : 
God  was  pleased  so  to  multiply  and  reproduce  them,  for  the  devotion  of  the 
faithful"  (s.  Brody).  Der  Name  der  Chariten  findet  sich  in  Schwurformeln  (bei 
Euripid.).  Xuqiov  nomen  anb  rov  %ai^Bi,v  per  antiphrasin  formatum  opiuatur 
Eustathius.  Aglaija,  die  jüngste  der  Grazien,  war  (nach  Hesiod)  dem  Hepliästos 
vermählt.     Gboro,  Eid  schwören  (bei  den  Vai),  bod,  Zauber  (bezaubern).     Seleucus 


Peking.  I H5 

kiigelj  zerfiel,  nahmen  den  zum  nördlichen  Ufer  getriebeneu  die 
Bewohner  von  Vaisali;  den  südlichen  Adjatasatru,  Grabdenkmäler 
zu  errichten  (wie  für  Daniel). 

Fan*)  ist  ein  in  fremden  Büchern  gefundenes  Wort  des 
Westens,  das  Reinheit  und  Euhe  bedeutet.  Fan-gyen  ist  die 
Sanscritsprache ,  Fan-pei  der  Ton,  in  welchem  Bücher  gelesen 
werden.  Fan-sang  sind  buddhistische  Priester.  Ho  bedeutet 
gehorsam,  einstimmig,  folgen  oder  begleiten,  Ho-shang  ein 
buddhistischer  Priester  (schang,  hinzutügen,  schminken,  ehren), 
kwan  (vom  Radical  puh  oder  göttlich  durch  die  Schildkröte) 
bedeutet  den  Haarkuoten,**)  das  aufgebundene  Haar  der  Jungen 


Nicator  führte  die  Verehrung  des  Blitzes  in  Seleucia  ein  (mit  KsQavi'oyÖQOt, 
als  Priester).  Die  Homines  faidosi  waren  solche,  die  sich  in  Betreff  eines  ihnen 
schuld  gegebenen  Verbrechens  nicht  durch  Eid  und  Eideshelfer  zu  reinigen  ver- 
mochten, und  dennoch  die  Zahlung  von  Wehrgeld  nnd  Busse  verweigerten.  Nach 
dänischem  Recht  wurde  die  Mannbusse  oder  Mandebod  (das  Wehrgeld  eines  Ge- 
tödteten)  in  drei  Theile  (sal)  getheilt  und  so  wie  der  Thäter,  seine  Schwert-  und 
seine  Spillmagen  je  einen  Drittel  büssten,  so  nahmen  auch  des  Erschlagenen 
nächsten  Erben,  seine  Schwert-  und  seine  Spillmagen,  je  von  jedem  sal  ein  Drittel 
(Kolderup-Rosenvinge),  üsque  ad  quintam  generationem  paterna  generatio  suc- 
cedat.  Post  quintam  autem  fllia  ex  toto,  sive  de  patris  sive  matris  parte  in 
hereditatem  succedat,  et  tunc  demum  hereditas  ad  fusum  a  lancea  transeat  (thü- 
ringisches Recht).  Femina  frenim  faciens  (im  thüringischen  Recht)  wird  erklärt 
als  solche,  die  den  im  Wasser  durchweichten  Hanf  bricht  (frenim  als  Franzen 
oder  frange).  Ptolem.  Soter  empfing  ehrenvoll  Ezechias ,  den  Hohenpriester 
Jerusalems,  der  Alexandrien  besuchte.  In  den  Eidschwüren  auf  Kreta  nimmt 
Hostia  die   erste  Stelle  ein  (Preuner). 

*)  Nobis  ver  Fan  (ut  ostendit  Verelius)  Dominum  et  Deum  notat,  in  novi 
testamenti  versione  Ulfhilas,  quoties  dei  nomen  lingua  nostra  reddendum  fuerat, 
utut  post  invectam  in  haec  loca  religionem  Christianorum,  Satanae,  mundi  ant 
saeculi  hujus  Principi  vel  Domino  idipsum  tributum  esse  videamus  (Rudbek). 
Fan  Otinus  id  est  Dominus  Otinus.  Rudbek  erklärt  Ottorocora  oder  ütigora  für 
Russland,  als  Ostrogardia  oder  Ostergord  (Ottowera).  Etenim  Othinus  (Mars) 
lingua  nostra  veteri  appellatur  Arimader  et  milites  Arimen  ab  Aur,  telo,  de  quo 
videatur  Edola  in  nominibus  Aur;  certe  Auri  et  Aurf  telum,  sagittam  notant 
(s.  Rudbek). 

**)  Fohi  residirte  in  der  Stadt  Tchin  (Si-ngan-fu)  in  Chensi  (nach  Desguignes). 
Maiila  nennt  Yeou-tsao-chi  nnd  Soui-gin-chi  als  Vorgänger  Fohi's.  Das  Bambu- 
Buch  (Tsou-chou)  blieb  vom  Brande  übrig  und  wurde  unter  Wuti  (der  westlichen 
Tsiu)  gefunden  (265  p.  d,).     Die  chinesischen  Auualen  beginnen    die    Geschichte 


136  Zweites  Kapitel. 

und  auch  der  Alten.  Kwang  bezeichnet  den  Unterleib^  keang 
die  Höhlung  eines  Knochens,  kwang  (Geisteskrankheit)  irrsinnig, 
kwan  eine  Mütze,  Kappe  oder  Hut.  Kea-kwan  bedeutet  das 
Behüten  eines  Jünglings  bei  der  Verheirathung.  Kwan  (blicken) 
kommt  vom  Kadical  Tschaou  (Gras). 

Das  Stein-Scepter  *j  (Tsan)  stand  schräg,  nach  der  Spitze  zu 
gekrümmt,  und  war  mit  einem  Löffel  versehen,  uni  beim  Gottes- 
dienst Libationen  zu  bringen.  Shi  (zehn)  ist  die  Zahl  der  Voll- 
kommenheit. Schildpatt  (pei)  wurde  in  alter  Zeit  als  Geld  ge- 
braucht. Unter  der  Dynastie  Tsin  wurden  die  Bücher  verbrannt.  Fa- 
tsin-kwo  ist  der  Name  eines  an  das  Westmeer  grenzenden  Landes, 
deren  hohe  und  schlanke  Bewohner  den  Chinesen  ähneln  (wie  in 
Judäa  oder  Rom).  Vigramaditja,  **)  als  Esel  in  dem  Hause  eines 


mit  Hoanti  (Hoamti).  Ssematsien  schrieb  die  chinesische  Geschichte  unter  Kaiser 
Han-Wnti  (oder  Han),  Nachfolger  des  Hiao-wenti,  der  (176  a.  d.)  die  Bücher 
wieder  aufsuchte.  Das  Ifambu-Buch  war  (wie  die  Inschrift  Yu's)  in  den  Ko-teou- 
eu-Charakteren  geschrieben.  Nach  dem  Tode  Shinnong's ,  den  Fohi  zum  Nach- 
folger angenommen,  proclamirten  die  aufgestandenen  Fürsten  Sionanyuen  als 
Kaiser,  unter  dem  Titel  Hoangti  (2698  a.  d.),  den  Calender  regelnd  (als  Gesetz- 
geber) und  für  den  im  Freien  verehrten  Shangti  einen  Tempel  bauend. 

*)  Der  Dalai-Lama  segnet  mit  dem  Scepter  Schaazeng,  der  am  Ende  in  eine 
Seeblume  (Baima  Locho)  ausgeschnitzt  ist.  Selenga  bedeutet  im  Mandschurischen 
der  eiserne  Fluss.  Lüge  ist  (nach  der  Inschrift  des  Darius)  das  Charakteristische 
der  Deva's,  dem  wahren  Ahuramazda  feindlich.  Jedem  jungen  Perser  wurde 
(nach  Herodot)  gelehrt,  Wahrheit  zu  reden,  wie  den  Neger  (nach  Mungo  Park). 
Bei  Polachy  in  Coimbettore,  östlich  von  den  Ghauts,  fand  man  mitten  im  Gebirgs- 
zweig  (1800)  einen  Topf  mit  römischen  Münzen  (des  Augustus  und  Tiberius)  in 
der  Erde  (s.  Zimmermann).  Bei  Nelore  (unweit  Madras)  wurde  unter  einem  Hindu- 
Tempel  ein  Topf  mit  römischen  Münzen  (des  Trajan,  Adrian  u.  s.  w.)  gefunden 
(nach  Davidson)  1787.  Muziris  (Mangalore)  leitet  zur  arabischen  Handelsstadt 
Muza  (s.  ßrehmer).  In  den  Malediven  (nach  den  Muhamedanern)  bildeten  Schnecken- 
häuser (Kauris  oder  Cypraea  moueta),  die  die  Schatzkammer  der  Königin  füllten, 
den  Reichthum  (IX.  Jahrhdt.  p.  d.).  Nach  Chapel  wird  in  dem,  zehn  Monate 
(um  Greuzstreitigkeiten  zu  hindern)  wüste  liegenden,  Landstrich  zwischen  Ava, 
Pegu  und  China  ein  jährlicher  Markt  abgehalten  (s.  Forrest).  Die  Thineser  sammeln 
(nach  dem  Periplus)  das  von  den  Sesaten  zurückgelassene  Malabathrum.  In  einem 
unter  Aurelian  1.  erlassenen  Gesetz  werden  die  Gewürznelken  zuerst  (als  Handels- 
artikel)  erwähnt. 

**)  Die  Mädchen  am  Throne  Vi^ramaditja's  waren  Apsarasen ,    die  durch  den 
Fluch  Parvati's  an  Indra's  Throne  verwandelt  waren.     The  Maurya  are  called  fron) 


Peking.  137 


Töpfers  (in  Raepiir  oder  Mandavi);  erhielt  die  Tochter  des  Königs 
(nachdem  er  die  Mauern  der  Stadt  in  eherne  verwandelt  hatte),  und 


Murä  (one  of  Nanda's  wives).  In  the  Stupa  of  Mauikyäla  (built  by  Kanishka) 
Koman  coins  (of  33  a.  d.),  were  found.  Rracbmaues,  referunt  Indorum  sapientes 
posteri  sunt  unius  viri  (s.  Strabo).  Vi^ramaditja  war  Sohn  des  (Gandara)  Ga- 
janta.  Dans  la  Chine  vivaient  (selon  les  Persans  des  Indes)  deux  pauvres  per- 
sonnes  (Espintaman  et  Dodoo)  sans  enfans.  Quand ,'  ayant  priö  dien ,  dodoo  fut 
grosse,  eile  \it  en  sommeil  deux  griffons  attaquer  l'enfant  dans  l'uterus ,  qui  fut 
prot^gö  par  nn  ange.  Apres  la  naissance  (ayantri),  Zertoosht  (aml  du  fen)  se  re- 
fugia  (pers^cut^  par  le  roi  de  la  Chine)  ä  la  cour  de  Gustasp,  roi  de  Perse.  Zer- 
toosht, ayant  pense  sur  les  meehancetes  des  hommes  (instigi^s  par  Lucifer)  fut 
conduit  (dans  une  montagne)  par  un  Ange  (qui  lui  avait  purifle  le  corps)  ä  la 
face  du  dien,  ou  il  tomba  dans  une  defaillance.  Ayant  regu  le  feu  du  ciel  et 
une  livre,  il  fut  reconduit  par  l'Ange  Babamannishampou,  et  accoste  par  Lucifer, 
qu'il  faisait  disparaitre.  Calomnie  par  les  pretres,  qui  mettaient  des  os  humains 
et  un  carcase  d'un  chien  dans  un  lit,  il  fut  mis  en  prison,  mais  re(;u  dans  la 
faveur  de  Gustasp,  apres  avoir  eure  son  cheval.  Des  quatre  d^sirs  du  roi,  Gustasp 
re^ut  le  pouvoir  d'ascendre  au  ciel  et  retourner,  le  pretre  du  roi  rejut  le  pouvoir 
de  connaitre  le  present  et  l'avenir,  Pischiton  (Als  aine  du  Gustasp)  re^ut  le  pou- 
voir de  vivre  toujours  (vivant  encore  ä  Demawando  Cohoo,  garde  par  ses  hommes, 
afln  que  des  autres  ne  s'approchent  pas  et  ne  devinrent  immortels,  comme  ceux, 
qui  y  sont).  Des  trois  traitez  du  livre  de  Zertoosht,  le  premier  (sur  l'Astrologie 
Judiciair?)  ou  Astoodeger  (dont  l'usage  est  de'fendu)  fut  donne  aux  Jesoopsou 
sages  (mages),  le  second  (sur  la  medicine)  fut  donn^  aux  medecins,  le  troisieme 
(sur  le  loi)  ou  Zertoosht  fut  donn^  aux  Daroes  ou  gens  de  l'eglise.  Du  feu,  que 
Zertoosht  apporta  du  ciel  (le  feu  vivant  que  rien  ne  pouvait  esteindre)  on  ido- 
lätre  encore  (ä  Naurery)  dans  les  Indes.  Au  bapteme  des  enfans,  le  Daroes  verse 
de  l'eau  nette  dans  l'escorce  d'un  arbre ,  qui  crolt  ä  Yezd  en  Perse  et  qu'ils 
appellent  Holme ,  lequel  est  admirable  en  ce  que  le  soleil  ne  lui  fait  Jamals 
d'ombre  (s.  Lord).  Selon  les  Banianes,  dieu  (apres  avoir  cre'e  les  el^ments)  souffla 
sur  les  eaux  avec  une  grand  Sarbatane,  lesquelles  l'enflerent  aussitot  et  devinrent 
corame  une  grosse  ampoulle  ronde,  de  la  flgure  d'un  oeuf.  Apres  le  sediment 
de  la  terre,  dieu  travailla  ä  faire  le  premier  homme  (Pourous),  auquel  il  donna 
la  femme  Parcoute'e.  Ponr  les  quatres  Als  (Rrammou,  Cuttery,  Shuddery  et  Wyre) 
des  femmes  furent  cr^ees  dans  les  quatres  parties  du  monde.  Le  monde  ^tant 
detruit  par  un  deluge  (parceque  les  hommes  ne  suivaient  pas  le  livre  de  Brammon), 
dieu  (descendant  sur  la  montagne  Meropurbat^e)  laissa  sortir  de  la  terre  Bremaw, 
Wysteney  et  Ruddery  qui  l'adorerent,  Wysteney  demeura  sur  la  terre  deux 
fois  autant  de  temps  que  son  frere  Bremaw  (charge  de  faire  les  creatures),  parce- 
que l'on  avait  plus  long  temps  besoin  de  leur  conservation.  Et  ä  cause  que  le 
monde  devait  flnir  par  la  d^struction,  Ruddery  fut  conserve'  sur  la  terre  trois  fois 
autant  de  temps,  que  Wysteney.     Le  deu\  gemeaux  (Manow  et  Ceteroupa),  sortj 


138  Zweites  Kapitel. 

erzeugte  (nach  Befreiung  von  dem  Fluche)  mit  einer  Brahm-anen- 
tochter  den  Vriji,  der  in  üggajini  die  Stelle  eines  Töpfers  nahm, 
an  den  die  Reihe  gekommen  war,  König  (und  von  den  Vetala 
erschlagen)  zu  werden,  und  überwand  durch  den  von  einer 
Leiche  geraubten  Zauber  den  Vetala.  Nach  der  Gesandtschaft 
Rachia's  fRaja's)  an  Augustus  durfte  der  König  von  Ceylon 
(vom  Volke  gewählt)  keine  Kinder  haben,  und  legte  die  Würde 
nieder  (wie  in  Tahiti),   wenn    er   nachher    Kinder    zeugte   (als 


de  Bremaw,  peupleereut  le  monde,  qui  (mis  en  ordre  par  Wysteney)  fut  afflige 
avec  ses  maladies  par  Rnddery.  Pour  enseigner  les  hommes,  Bremaw  re^ut  sur 
la  montagne  le  livre  Shaster  de  dieu.  A  l'intercesslon  de  Wishnoo,  dieu  (quand 
Rnddery  d(?truisit  la  terre  par  des  tempetes)  conserva  quelques  hommes  et  le 
premier  n^  du  ßrahmau  prhiclpal  (Docerat)  fut  destine  pour  roi  (parceque  toute 
la  race  des  Cutteryes,  pour  lenr  mechancete  avait  peri)  et  soustint  (comme  pro- 
tecteurs  des  Brahmanes)  la  religion  (sous  le  nom  de  Ram).  Comme  les  cboses 
commenraient  s'emplrer  de  nouveau,  dieu  ordonna  une  autre  destruction  ä  Rud- 
dery,  et  la  terre  (s'ouvrant)  englontit  tous  les  hommes  ä  la  reserve  de  fort  peu 
des  quatres  tribus,  entre  lesquels  Kysteney  fut  uu  roi  illustre.  Quand  la  derniere 
destruction  arrivera,  Ruddery  transportera  les  ämes  de  tous  les  hommes  dans  le 
ciel  (s.  Lord).  Selon  les  persans,  qui  (ä  la  chute  d'Yzdegerd)  se  refngierent  aux 
Indes,  dieu,  ayant  cree  les  cieux  (avec  les  astres)  et  l'enfer,  precipita  Lucifer 
(chef  des  anges\  qui  s'etait  revolte,  dans  l'enfer,  garde  par  Sertan  et  Asud.  Le 
premier  roi  Ouiomaras  fut  Als  d'Aram,  du  petit-fils  de  Noah  ou  Adam  Assery  (le 
secoiid  Adam).  D'apres  que  les  empereurs  des  Persans  avaient  defaits  les  Sacae, 
ils  environnerent  (selon  Strabon)  d'une  muraille  un  rocher  et  (apres  avoir  bati 
des  temples)  constitu^rent  les  solemnites  des  Sacae.  Selon  les  chroniques  d'Orissa, 
les  Javanas  (Djaban)  entrereiit  dans  l'lnde  sous  le  regne  de  Radja-Bhodja  (180 
a.  d.  bis  53  a.  d.),  mais  effrayes  par  la  puissance  des  son  Als  Sri  Bickermadjit 
on  Vi^ramaditja  (Radja  adhiradja  ou  roi  supreme  des  rois)  ils  abandonnerent  tous 
le  pays.  Salivahana,  parti  du  dekkhan,  attaqua  Vi^ramaditja  le  mit  ä  mort,  lui 
succedant  dans  la  monarchie  de  l'lnde.  Selon  le  Mandali  Pandji  plusieurs 
ann^es  apres,  Saca  deo  Brahma,  Radja  de  Pratlsthanapoura ,  vint  avec  une  graud 
armee  attaquer  le  mabarädja  Vicjramaditja  et  apres  l'avoir  vaincu,  il  e'tablit  le 
siege  de  son  empire  ä  Delhi.  L'auteur  du  Vanshavali  dit :  Avec  le  secours  des 
Yavanas,  un  personiiage  nomme  Nri  Nikas  Salivahana  Saca  Hara,  apr^s  avoir 
livre  un  grand  nombre  de  combats  au  radja  le  deposa  du  trone  de  Delhi.  C'est 
de  lui  que  date  Tere  appel^e  shakäbda.  La  denomination  de  TschoTingkoue 
(royaume  du  milieu)  datait  du  temps  de  Tchhing  wang)  second  empereur  de  la 
dynastie  de  Tcheou),  qui  regnait  dans  le  milieu  des  autres  royaumes,  en  lesquels 
la  Chine  etait  alors  divis^e  (XII  siecle).  Thian-hia  (ce  qui  est  sans  le  ciel)  au 
le  monde   est  Tegriiu   dozihn   (eu   Mongol)   et    Abkai    fedfezghi    (en  Mandschou). 


Peking.  139 

dionysischer  Biuldliist).  *)  Die  Könige  Mittelindiens  regieren 
ohne  Todesstrafe  7A\  verhängen  (nach  Fahian).  Der  göttergleiche 
König  Piyadasi  ehrt  alleKeligionen .**)  Die  dem  Kanerki  (Herrscher 


*)  Nach  Ptolemäos  wurden  auf  der  Insel  Maniolae  die  Schiffe  mit  hölzernen 
Nägeln  gezimmert.  Als  die  in  dem  Bereich  des  Götzen  Fils  auf  dem  Berge  Aga 
geraubte  Kameelin  von  Malik  weggetrieben  und  der  Eigenthümerin  zurückgegeben 
war,  ohne  dass  Böses  über  ihn  hereinbrach,  wurde  Adi  ben  Hatim  Christ  (Kaz- 
wini).  Der  Berg  Rawend  heisst  (in  flamadaii)  Arwend.  Nach  Otman,  dem  Naba- 
täer,  lehrt  der  Einäugige  in  der  Höhle  des  Berges  Huwwir  (zwischen  Hadramaut 
und  Oman)  die  Zauberkunst  dem,  der  Mohammed  verläugnet  (s.  Kazwini).  Der 
Euphratkanal  des  Königsflusses  wurde  von  Afkursah,  dem  Sohne  des  Belas,  ge- 
graben, dem  letzten  der  nabatäischen  Könige,  den  Ezdesir,  Sohn  Babek's,  tödtete 
und  dann  an  seine  Stelle  trat  (s.  Kazwini).  Ai  (Abu  oder  Aei)  scheinen  (nach 
Brehmer)  uralte  Bewohner  Bactriens  gewesen  zu  sein  (Ari-abii  oder  Arabii,  von 
den  Ai  stammend).  Charax  Spasinu,  ursprünglich  durch  Alexander  M.  eine  Meile 
von  der  Küste  gebaut,  war  zu  Juba's  Zeit  5ü  Meilen  entfernt  und  120  Meilen  zu 
Plinlos'  Zeit.  Cadamosto  hörte  in  der  Bucht  Arguin  von  dem  stummen  Salz- 
handel zwischen  Azanaghls  und  Negern  von  Melli,  wie  Hoest  (XVIII.  Jahrhdt.) 
von  den  Mauren  Maroccos  (und  Herodot  von  den  Carthagern  jenseits  der  Säulen). 
Die  Haarwilden  oder  Chimpanze  auf  Hanno's  Insel  am  Notou  Keras  heissen  (nach 
Bougainville)  Taurallas  bei  den  Mandingoe.  Nach  Thukydides  lagen  die  ältesten 
Städte  Griechenlands  etwas  im  Lande  (aus  Furcht  vor  Seeräubern)  und  erst  später 
dicht  am  Meer.  In  Hinsicht  des  Ursprungs  des  Nils,  als  ein  vermutheter  Ocean, 
der  um  die  Erde  flösse,  bemerkt  Herodot,  dass  diese  geographische  Hypothese 
nicht  widerlegt  werden  könne,  weil  dadurch  die  Erörterung  in  das  Gebiet  des 
Unsichtbaren  geführt  würde  (es  dtpavhs  tov  ^ivd'ov  dvsvsixas  ovx  exet  eleyxov). 
Als  Merodach-Baladan  gefangen,  wurde  ein  assyrischer  Vicekönig,  ^Aoy.eavos  (Sar- 
gina oder  Sarkina)  oder  Sargon  (in  Babylonien)  eingesetzt  (nach  Ptolemäos). 

**)  Freie  (buddhistische)  Gemeinden  (who  reject  all  that  is  miraculous  and 
adhere  only  .to  the  moral  teachings)  bestehen  seit  einigen  Jahren  in  Siam 
(s.  Koeppen).  Votre  religion  n'est  pas  la  meme,  que  la  notre,  il  Importe  de 
savoir  quelle  est  la  v^^ritable.  Nous  les  examinerons  donc  tous  les  deux  atten- 
tivement  et  avec  sinc^rite,  sagte  der  Minister-Regent  (in  Tibet)  zu  Huc  und 
Gäbet.  Was  den  Buddhismus  betrifft,  so  ist  er  durch  so  viele  Fabeln  und  Un- 
gereimtheiten entstellt,  dass  ich  an  seinen  baldigen  Untergang  glauben  möchte 
(schreibt  der  König  von  Siam  an  Pins  IX.).  La  coutume  est  que  les  freres  aient 
en  commune  une  meme  femme.  Si  un  mari  n'a  pas  de  frferes,  sa  femme  porte 
sur  la  tete  un  bonnet,  qui  n'a  qu'une  seule  corne,  s'il  a  des  freres,  le  bonnet  a 
plusieurs  oornes  en  proportions.  Die  Lamas  entschuldigen  die  Polyandrie  mit 
der  geringen  Anzahl  der  Mädchen.  When  the  Three  Precious  Ones  arrived  at 
Tsimlo  (Siam),  the  inhabitants  worshipped  demons,  who  entered  npon  a  strife 
(completing  a  temple  in  towers  in  one  night)  wheu   at   dawu    the   temple   of  the 


l40  Zweites  Kapitel 

der    Jueitchi)    als    Geisse!    von    dem    Fürsten    im   Westen   des 
gelben   Flusses)    zugesandten  Prinzensöbne   erhalten   ihre  Woh- 


three  Precious  Ones  was  yet  without  roof .  a  wind  blew  the  tower  of  the  demons 
aslde  and  with  hls  cloth-cap  roofed  in  the  temple.  To  this  day  (1731  p.  d.)  the 
tower  Stands  oblique  in  the  conrt  yard  of  the  temple  of  the  Three  Precions  Ones. 
The  decayed  ropes  still  exist  in  the  roof  (according  to  the  Tung-yang-ki).  Tiger 
or  alligators,  which  eat  men  iu  Tsiemlo  (Siam)  are  hound  by  the  iucantations  of 
the  Sang.  The  Shiloman  (with  eyes  withont  pupils)  transform  their  spirits  into 
wolves  and  dogs.  feeding  on  exerements,  and  towards  dawn  return  to  their  soulless 
bodies  (if  the  body  is  turned  in  its  heavy  sleep,  the  spirit  rannot  return).  The 
men  called  Kung,  who  cannot  be  wounded  by  swords,  (as  enchanted)  are  em- 
ployed  by  the  king  as  guards.  The  Hindu  sages  maintain ,  that  Rajagnna  (the 
qnality  of  passion)  and  not  Tamas  (darkness  or  vice)  is  the  cause  of  transmigra- 
tion.  To  manifest  bis  bhawanan  (sanctified  State)  Ananda,  having  attained  ara- 
hafhood  (to  be  able  to  visit  the  assembly  of  the  priests)  the  foregoing  night,  dived 
in  the  earth  and  exhibited  himself  on  the  pulpit  reserved  for  him.  Anuradha 
(one  of  the  follower  of  Wijeya)  founded  (in  Ceylon)  Anuradhapura  (s.  Knighton). 
The  Hindu  chakri  is  the  Birmese  tsakya  or  celestial  weapon.  The  birmese  Era 
(of  the  present)  commenced  at  638  p.  d.  Dese  Afgoden-Dinaers  (en  het  Louwen- 
Lant)  maeken  den  Luyden  wys,  dat  God  van  den  Hemel  in  dit  Laudt  sich  ver- 
toont  heeft,  waer  nae  alle  haer  Beeiden  gepratoneert  syn ,  daer  op  sy  stout  glo- 
zieren  en  seggen  dat  dienvolghende  haer  Godt  haer  boven  die  van  Siam  en  Cam- 
bodia,  als  d'andere  Landen,  met  soo  en  treffelycke  uytmuntenheyt  barer  Kerkeii 
en  meenighe  heylighe  mannen  (soo  sy  haer  selven  noemen)  als  hooger  Geleert- 
heyh  ,  mede  ghesegent  heeft,  t'Welck  was  blyckende ,  dat  jaerlyks  de  Cambodia- 
sche  en  Siamse  Papen  hier  10  a  12  Jaren,  tot  dat  die  uyt-gestudeert  syn,  en 
Pzomotie  bekomen  blyven  (s.  Casteleyn)  1641.  The  people,  who  have  settled 
uear  the  passes  in  the  snowy  mountains,  although  akuowledged  as  of  the  samc 
tribes  with  those  nearer  the  piain  and  although  they  use  the  .same  language  and 
manners,  are  called  Bhotiyas  and  are  uo  longer  permitted  to  intermarry  with  the 
people  who  cau  have  uo  intercoorse  with  these  impure  infldels  (as  contaminated 
by  the  Khas).  On  account  of  this  strictuess,  the  Rajputs  of  the  western  districts 
are  as  much  courted  by  those  of  the  plains,  as  those  east  from  the  Kali  are 
scouted  (Buchanan).  According  to  Sadu  Kam  the  family  of  Ghorka  (in  Nepal)  as 
of  the  Magar  tribe.  The  cave  of  Dasaratha  nenr  Gya  dates  '2U0  a.  d.  It  was 
intermediate  between  the  death  of  Asoka  and  the  dethronement  of  Vi^ramaditja 
by  Salivahana,  that  the  Andhra  Usurpation  took  place,  who  ruled  in  Magadha 
500  years.  According  to  the  Pendet  (learned  iu  the  Sanscritt  or  language  of 
the  old  Brahmaus)  the  Indians  say,  that  God  or  Achar  (immoveable  or  immutable) 
hath  sent  four  books  (Beths  or  Science).  The  four  tribes  (Brahmans,  Quetterys, 
Bescue  or  Bauians  and  Scydra)  must  not  kill  or  eat  of  any  animal  (as  believing 
iu  the  trausmigratious  of  souls),  but  some  of  the  secoud  tribe  may  eat  of  them,  pro- 


Peking.  'J4J 

uuugen    in    buddhistischen*)    Klöstern.     Die    gatä    des    Kad- 
phises   (oder    sein    Haarzopf)    ist    seine    eigeuthümliche    Haar- 


-vided  it  be  neither  Cows  nor  Peacock's  flesh  (as  venerated).  Among  the  philo- 
sophers of  the  ludians,  there  have  principally  been  six  very  famous,  who  make 
10  many  different  sects,  which  causeth  also  a  difference  aud  emulatiou  among  the 
Pendets  or  doctors,  every  one  pretending  his  doctrine  to  be  better  aud  luore  con- 
form  to  the  Beths.  There  is  still  another,  a  seventh  sect,  which  is  called  Baute, 
whence  do  proceed  twelve  other  different  sects,  but  this  is  not  so  common  as 
the  others,  the  votaries  of  it  being  hated  aud  despised,  as  a  Company  of  irreli- 
gious  and  atheistical  people,  nor  do  they  live  like  the  rast  (s.  Berniei). 

*)  Nach  der  Prophezeiung  Buddha's  sollte  sich  (500  Jahre  nach  seinem  Tode) 
seine  Lehre  in  Kipin  (nordöstliches  Arachosien)  verbreiten.  Buddhistische  Geist- 
liche (von  den  Asi  in  Bukhära)  brachten  (147 — 168  p.  d.)  dem  chinesischen 
Kaiser  Huenti  die  heilige  Schrift  zur  Uebersetzung.  Nach  Clem.  Alex,  blähte 
(3.  Jahrhdt.)  bei  den  Samanäern  in  Bactrien  die  Philosophie.  <Piloaofiu  lot- 
vvv-TiakaL  /.tev  TJxfiaas  Tia^ä  ßa^ßagoZi,  —  7t()0£orr^aav  —  y.at  ^a/naväioi  JBdy.- 
TQiov  —  'IvScov  re  oi  rvfivoaofiaruL  (Clem.  Alex.).  UuQä  IvSol^  aal  Bdx- 
rgoie  siai  %ihdSes  noXlai,  rcov  leyofie^'cov  Bga/,f.tdvcop  (Eusebios).  Der  König  der 
Tukhara  nahm  (215)  den  Buddhismus  an.  Fabian  fand  (399 — 401  p.  d.)  den 
Buddhismus  in  Khotan,  im  Lande  Shenshen  (östlich  vom  Lop-See)  und  bei  dem 
türkischen  Volk  der  Ui  oder  Uiguren  (westlich  vom  Lop-See).  Zur  Zeit  Fahian's 
(399 — 401)  wurde  im  Lande  Shenshen  das  Hinayäna-Sutra  studirt,  in  der  Stadt 
Khotan  (Kustaua  oder  Erdbrust)  das  Mahajäua  Sutra.  Bei  dem  Jahresfeste  wurden 
goldene  und  silberne  Götterbilder  auf  den  Wagen  nmhergefahren.  In  Khotan 
wurde  der  Buddhismus  300  eingeführt.  Der  König  des  Gebiets  Hieuthu  (nördlich 
von  Khotan)  nahm  die  Lehre  Sakyamuni's  122  a.  d.  an.  Der  erste  Verkündiger 
der  Lehre  Qakjasinha's  in  Khotan  war  der  Arhat  (Sambuddha)  aus  Ka^mira.  Jar- 
kaud  oder  Jerkiang  ist  (sanscritisch)  ^rikritati.  Sambuddha  war  der  Name  eines 
Gaina-Heiligen.  Im  Lande  Kieka  (in  Ballustan  oder  Klein-Tibet)  fand  sich  ein 
Kopf  und  Zahn  des  Stifters  des  Buddhismus.  Der  Gesandte  des  Kaisers  Mingti 
(65  p.  d.)  brachte  aus  Indien  die  Buddhisten  Kaga-Matanga  und  Kufalan  nach 
der  Residenz  Lojang.  Kaga-Matanga  übersetzte  die  I-alitavistara  (aus  Indien 
gebracht)  in's  Chinesische  (70  p.  d.).  Unter  Kaiser  Huanti,  der  dem  Buddha 
und  dem  Philosophen  Laotseu  opferte,  übersetzte  der  Sramana  Ansi  (aus  Bukhära) 
heilige  Schriften  in's  Chinesische  (147 — 168  p.  d.).  Nach  deikTibetern  bestanden 
schon  unter  den  ältesten  Schülern  Buddha's  vier  Secten  (durch  Tracht  und 
Lehre  verschieden).  Die  erste  (die  der  Vaibhäshika)  zerfiel  wieder  in  vier  Ab- 
theilungen. Der  Gründer  der  ersten  war  Rahula,  der  zweiten  Ka^yapa,  der  dritten 
üpali  (der  Zusammensteller  des  Vinaja  pitaka),  der  vierten  Kätjajana.  Die  erste 
zerfiel  wieder  in  vier  Unterabtheilungen,  das  Dasein  aller  Dinge  behauptend  und 
die  Sutra  der  Befreiung  überliefernd  (im  Sanscrit).  Die  zweite  Abtheilung  (in 
sechs  untergeordnete  getheilt)  wurde  die  der  grossen  Versammlung.  Mah.'isängliika, 


142  Zweites  Kapitel. 

tracht   und  der  Halbmond  ist  Schmuck  auf  den   Münzen.*)     Im 

geuannt  und  überlieferte  die  Sntra  der  Befreiung  in  einer  verdorbenen  Mundart. 
Die  Schüler  des  üpali  (die  Sutra  in  der  Pai(;äki-Sprache  überliefernd)  wurden 
die  Hochgeehrten  (Sammata)  genannt.  Die  Anhänger  des  Kätjäjana  (die  feste 
Wohnungen  Habenden)  trugen  die  Sutra  in  der  Volkssprache  vor.  Es  waren  die 
Sthavira  der  vierten  Synode  und  ihre  Namen  waren  von  den  von  ihnen  bewohnten 
Vihära  hergenommen,  dem  Makävihära,  dem  Jaitavana  und  dem  Abhajagiri.  Nach 
dem  Commentar  zum  Abhidharmakischa  hatten  die  Vaibhäschika  (die  an  die 
Existenz  des  Aethers  glaubten)  ihre  Namen,  weil  sie  mit  der  Alternative  spielten 
oder  diese  verstanden.  Kätiäjaniputra  ist  der  dem  Kätjäjana  nach  seiner  Mutter 
gegebene  Name.  Die  Paiyäki-Sprache  (von  den  Pi(;äka  oder  bösen  Geistern)  ist 
eine  der  rohesteu  Mundarten  des  Präkrit,  die  verachteten  Völker  (Nepal,  Pandyta 
u.  s.  w.)  zugeschrieben  wird.  Mit  Ausnahme  der  Folgerungen,  welche  aus  den 
ersten  Grundsätzen  bei  der  Aufstellung  eines  Systems  gezogen  werden,  sind  in 
dem  Pragnäpäramitä  (dem  Hauptwerk  des  Abhidharma)  meistens  nur  Worte  zu 
der  Darstellung  in  den  Sutra  hinzugefügt  (s.  Lassen).  Die  erste  Abfassung  des 
Abhidharma  wurde  bei  der  ersten  Synode  vtm  Kagyapa  gemacht.  Die  Sauträn- 
tika  genannte  Secte  wollte  Alles  durch  Beweisstellen  aus  den  heiligen  Schriften 
beweisen.  Die  Därshtäutika  bedienten  sich  zur  Vertheidigung  ihrer  .Sätze  der 
Beispiele  und  Gleichnisse.  Nach  ^^nkara's  Angabe  lehrten  die  Joyäkärja,  dass 
Nichts  wirklich  sei,  ausser  dem  ewigen  Sein  des  Selbstbewusstseins,  welches  auch 
die  Lehre  des  Pataujali,  des  Gründers  der  brahmanischen  Joga-Schule,  ist  (mit 
dem  Zusätze,  dass  das  Selbstbewusstseiu  Gott  ist).  Nach  den  Grundlehren  des 
Buddhismus  (in  der  Sutra)  sind  alle  Erscheinungen  inhaltsleer  und  ohne  Sub- 
stanz (günja  und  anätmaka).  In  der  Theorie  der  Ursache  und  Wirkungen  wird 
avidjä  (Nichtsein  und  Unwissenheit)  als  erste  Ursache  gesetzt.  Nach  den  vier 
höchsten  Wahrheiten,  dass  Alles  den  Schmerzen  unterworfen  ist,  besteht  das  Mittel 
zur  Vernichtung  aus  acht  Theilen. 

*)  Auf  den  Münzen  des  Kadphises  findet  sich  ein  Chaitja  (Stupa).  Der  grosse 
Retter  (Soter  mega)  und  König  der  Könige  (Basileus  Basileon),  der  auf  seineu 
Münzen  (wie  Azilises)  als  Reiter  dargestellt  ist,  stammte  von  einem  der  freien 
Völker  der  Pentapotamie  ab  und  wurde  zum  Anführer  in  dem  Kampfe  gegen  die 
ludoskythen  (unter  dem  Nachfolger  des  Kadphises)  gewählt,  den  er  überkam. 
Auf  den  Münzen  des  Kadphises  befiudet  sich  Siva  mit  Brüsten,  als  Ardhanari 
(Halbfrau).  Siva  und  seine  Frau  werden  auf  des  Kadphises  Münzen  mit  der 
Mundamala  (Schädelkranz)  dargestellt,  doch  ohne  Keule.  Das  Monogramm  des 
Swastika  ist  das  mystische  Zeichen  eines  heiligen  Lehrers.  Auf  den  Münzen  des 
Amoghabutisa  (mit  einer  dreifachen  Stupa  und  dem  heiligen  Feigenbaume)  findet 
sich  eine  gehörnte  Gazelle  (vor  der  eine  weibliche  Figur  steht).  Die  ausführlichen 
Sutra  (Mahajano-Sutra)  werden  vaipulja  (entwickelt)  genannt.  Les  Siamois  ap- 
pellent  les  saintes,  qui  se  brülent  dans  les  temples  (comme  un  Peguan,  qui  ^tait 
mecontent  de  sa  familles  quelques  ans  avant  de  l'arrivee  de  Loubere)  Pra  tian  tee 
(true  and   veritabli-).      Apres  avoir  fait  uiie    auniöne  de   tous  ses  biens ,    Summoria 


Peking.  143 

Norden  wurde  der  Buddhismus  zur  Zeit  des  Asoka  den  Völkern 


Codom  s'arracha  les  yeux  et  tua  sa  ferume  et  ses  enfans  pour  las  donner  ä 
manger  ou  Talapoins  de  son  siöcle  (Loubere).  Pra-Naratte ,  l'autre  Sommona 
Codom,  que  les  Siamois  attendent,  tuera  deux  enfans,  qu'il  aura  et  les  donnera 
k  manger  aux  Talapoins  et  ce  fera  par  cette  pieuse  aumone  qu'il  consommera 
sa  vertue  (Loubere).  Outre  la  force  corporelle,  Sommona  Codom  eut  la  puissance 
de  faire  toutes  sortes  de  miracles.  Par  exemple  il  pouvait  se  rendre  gros  et 
aussi  grand  qu'il  voulait,  et  au  coutraire  il  se  rendait  si  petit,  quand  il  voiilut, 
qu'il  se  de'robait  de  la  vue  et  se  tenait  sur  la  tete  d'un  autre  homme  sans  etre 
senti,  des  lors  il  eut  put  s'aneantir  lui-menie  et  mettre  quelque  autre  homme  ä 
sa  place  (Loubere).  Mercure ,  qui  estoit  le  dieu  des  scienccs,  parait  avoir  est^ 
adore  par  toute  la  terre  (in  Hermes).  On  account  of  the  iranic  emblems  the  coins 
of  the  Turushka  kings  are  called  mithraic.  On  the  indo-scythiau  coins  the  title 
king  of  kings  is  given  in  the  dialect  as  Rao-nano-rao.  Mithra  heisst  der  Tausend- 
ohrige  und  Zehntausendäugige  (als  Helios).  Mithra  (Mihiro)  erscheint  (auf  den 
Münzen  der  Turushka)  mit  einem  Nimbus  (im  engen  Roi-k  mit  weitem  Mantel), 
ein  Schwert  haltend.  Die  Gottheit  Manao  bago  (Maonho  bagho  im  Zend)  auf  den 
Turushka-Müiizeu  meint  den  Mond.  Nach  Hiuen-Thsang  war  in  Gandhara  ein 
Tempel  der  Bhima  (furchtbar)  oder  Parvati  (Siva's  Gattin).  Siva,  als  (Okro  or 
ügra)  Ordagno  (furchtbar)  auf  den  Turushka-Münzen,  hält  einen  Dreizack  und 
eine  Lanze  (zuweilen  eine  Keule),  mit  der  Gazelle  daneben.  Die  Gazelle  begleitet 
Pa^upati  (Herr  der  Geschöpfe).  Okro  erscheint  zuweilen  dreiköpfig  oder  vierarmig. 
Kartikeja  heisst  (auf  den  Turushka-Münzen)  Komaro  (Kumara  oder  Jüngling)  oder 
Skando.  Der  Kopf  Odi-Bod  (Adi-Buddha's),  auf  den  Turushka-Münzen,  ist  mit 
Strahlen  versehen.  Ein  Grad  der  in  die  Mithramysterien  Eingeweihten  hiess  Bro- 
raios.  Auf  den  Mithrasteinen  findet  sich  die  Inschrift  Nama  Sebesio  (Heil  dem 
Sabazios).  Der  PJinsiedler  Hum  überfällt  (nach  Firdusi)  den  Afrasiab  in  seiner 
Höhle  (ihn  zu  binden).  Der  böse  Geist  schuf  als  grösstes  seiner  Geschöpfe  eine 
Eidechse,  um  den  Lebensbaum  des  uusterblicheu  Hom  (Haoma)  zu  verderben,  der 
beschützt  wurde  durch  einen  umkreisenden  Fisch,  das  grösste  der  Geschöpfe  des 
Ormuzd.  Hinc  in  regnum  Sophitis  pervectum  est.  Gens  (ut  barbari)  sapientia 
fxcellit,  bonisque  moribus  regitur.  Geuitos  liberos  non  parentum  arbitrio  tolluut 
aluntque ,  sed  eorum  quibus  spectandi  infantium  habitum  cura  mandata  est.  Si 
quos  segnes  aut  aliqua  membrorum  parte  inutiles  notaverunt ,  uecari  jubent. 
Hujus  gentis  oppidum  cui  Alexander  admoverat  copias,  ab  ipso  Sophite  obtine- 
batur  (Curtius).  The  kuttri  says  of  himself  that  he  is  of  one  and  the  same  race 
as  the  Khettri  of  Hindustan,  but  that  to  escape  the  great  persecution  of  that 
race  by  Pursram  Brahman,  who  had  vowed  to  exterminate  them,  those  living  in 
the  Punjaub  renounced  their  birthright  as  Rajpootrees  and  became  merchants. 
Brahman  (ueuter),  the  self-existing,  in  his  desire  to  create,  produces,  from  all 
the  pores  of  his  body,  sweat,  which  is  changed  in  water.  Seeing  its  shadow  in  the 
water,  Brahman  falls  in  love  and  begins  the  work  of  creation,  which  leads  to  the 
birth  of  Bhrigu  and  Atharvan  (the  real  Prajapati  or  Lord  of  Creation). 


144  Zweites  Kapitel. 

Kabulistaus,  eleu  Gandhara  und  Kamboga,  verkündigt.  *)    Agoka, 
der  adoptirte  Sohn  des  Königs  Nemita  (mit  sechs   Söhnen)  aus 


*)  Die  nördlichen  Buddhisten  erkennen  die  Synode,  die  (nach  den  südlichen 
Buddhisten)  unter  dem  Vorsitz  Maudgaljäjana's  gehalten  wurde,  nicht  an,  indem 
nach  ihnen  die  dritte  erst  später  unter  dem  Könige  Kanishka  stattfand.  Als 
Ueberlieferer  des  (Tripitaka  oder)  Vinaya  folgte  auf  Upali,  Däsaka,  dann  ^aunaka, 
dann  Qighrava,  dann  Mandgaljäjana  (Tishja).  Das  Land  Sovarnabhumi  (Gold- 
land) wurde  von  Räxasi  bedrängt,  als  die  Missionäre  (Qona  und  üttara)  ankamen. 
Der  Javana  Dharmaraxita  wurde  (durch  die  dritte  Synode)  als  Missionär  nach 
Aparäntaka  (Grenzland)  geschickt.  Die  Javana  wurde  (zur  Zeit  des  A^oka)  von 
dem  Sthavira  Mahäraxita  gepredigt.  Ajoka  bestellte  die  Dharma-Mahämätra  oder 
Gesetzesobern,  um  das  Gesetz  bei  allen  Päshanda  (solchen,  die  weder  die  buddhisti- 
sche, noch  die  brahmanische  Lehre  anerkannten)  zu  verbreiten.  A^oka  Hess  das 
Gesetz  verbreiten  bei  den  Javana,  dann  den  Kamboga,  Gaudhära,  Eäshtrika  u.  s.  w. 
Der  Buddhismus  wurde  (im  Füufstromlande)  von  König  Amoghabhüta  beschützt 
(Geb.  C.)  und  dann  von  dem  indoskythischen  Herrscher  Kanishka.  Nägärjuna 
förderte  den  Buddhismus  in  Paukassada.  Am  Kailäsa  wurde  (137  a.  d.)  ein 
buddhistisches  Kloster  gegründet.  Madlijantika  begründete  (von  der  dritten  Synode) 
den  Buddhismus  in  Ka^mira  und  Gandhara.  Nach  Alexander's  Polyhistor  fanden 
sich  Samanäer  und  fromme  buddhistische  Stämme  in  Bactrien  (80 — 60  a.  d.). 
Nach  Kyrillos  laroQsZ  yovv  lAj^siavS^os  o  s7ii}<X?]v  Uo/.ov'iaTco^  —  sfü.ö^rjiav 
Ss  —  y.al  iy.  Bay-Tocou  Tcöv  Hsqaiy.cöv  Za/navvioL  y.al  rca^a  JJeoaais  a  Mäyoi 
y.al  TiaQo.  'IvSoiä  oi  rvfivoaofiartcu.  Megasthenes  nennt  die  Brahmanen  die 
Philosophen  und  theilt  diese  in  zwei  Klassen,  die  Brahmanen  und  die  SaQfiävai 
Tons  Se  Ea^fidvas  rovs  fikf  h'ziuoTaTOvs  vloßiovs  (fr,a\v  ovoua^ead'ni,  Va- 
nasprastha  (Hylobios)  meint  Brahmanen  (als  Einsiedler).  Bei  Strabo  heisseu  die 
Brahmanen  TTo/.iny.oi.  Bei  Arrian  heissen  die  Brahmanen  aofiarai  (s.  Lassen). 
Ein  Gesandter  der  grossen  Jueitchi  brachte  (2  a.  d.)  dem  chinesischen  Kaiser  Aiti 
buddhistische  Bücher.  Der  indische  Samanäer  Fo-thou-tchhing  (Buddhaguddhi 
oder  Reinheit  Buddha's) ,  der  (über  100  Jahre  alt)  mehrere  Tage  ohne  Nahrung 
(nur  von  der  Luft)  lebte,  verfügte  (in  Lojang)  über  die  Dienste  guter  und  böser 
Geister  (310  p.  d.).  Aus  dem  Schalle  der  Glocken  weissagend,  bekehrte  er  den 
Kaiser  Shile,  der  anfangs  den  Buddhismus  verfolgt  hatte  (319  p.  d.).  Der  fremde 
Priester  Soughamitra  (ein  Anhänger  der  Sthavira  der  aus  den  ceylonesischen 
Klöstern  vertriebenen  Bhixu)  führte  (aus  Kola  im  Dekkhan)  die  Anbetung  der 
bösen  Geister  unter  dem  Namen  von  bhuta  in  Ceylon  (bei  seiner  Rückkehr)  ein 
und  fand  (ausser  bei  der  Geistlichkeit)  auch  bei  den  Königen  Goshthakäbhaja 
und  Mahäsena  (f  2ßl  p.  d.)  Eingang.  Bei  der  späteren  Unterdrückung  wurde  die 
wahre  Lehre  wieder  hergestellt.  Zu  den  Irrlehren  der  Vaitulja-Ketzerei  (in  Ceylon) 
gehörte  die  Verehrung  der  bhuta  oder  bösen  Geister,  die  der  Priester  Sangha- 
mitra  aus  Kola  in  Lanka  eingeführt  hatte.  Die  Dorfbewohner  Lankas  verehrten 
die    Jaxa    als    schwarze    Geister,    die    der    Gesundheit    der    Mensclien    scliadeten. 


Peking.  145 

dem    Sonnengeschlecht  *)    (in    Tschamparna)    folgte   als    König-, 
während  des  Krieges  mit  den  Bralimanen^  GambbiraQÜa  in  Ma- 


*)  Piyadasi  obtint  la  science  complete  de  Bodhi  ou  la  connaissance  de  ce 
qii'enseigne  le  Buddha.  lu  the  Bliabra  inscription  Piyadasi  prociaims  bis  respect 
placed  in  Buddha,  in  the  law  and  in  the  Assembly.  In  the  Vaipulja  Buddha 
preaches  to  the  Bodhisattwa  (composed  in  Kachmir  and  the  Punjaub  in  a  con- 
fused  grammar  of  Sauscrit,  Pali  and  Prakrit).  The  edict  addressed  to  the  Maha- 
matra  of  Tosali  must  be  read  to  promote  the  interests  of  the  Sangha  (assembly). 
The  heads  of  Vyaya  and  his  companions  were  shaved.  Nagabodhi  oder  Naga- 
buddha  (Schlangenheiligkeit  oder  -Weisheit)  war  Sehüler  des  Nagardshu.  The 
old  Piudola  (pontemporay  of  Buddha)  was  still  seen  by  Dharmasoka.  Xandra- 
nies  (Aggramen)  reigned  at  Alexandre's  time  and  after  him  (according  to 
Plutarch)  Sandracottus.  In  dem  Dhätugarbha  oder  Reliquienbehälter  (in  Dush- 
tagämani's  Tempel)  stand,  auf  der  einen  Seite  Buddha's,  Mahäbrahmä  (mit 
Sonnenschirm) ,  auf  der  andern  ^akra  (mit  Muschel) ,  dann  noch  Pancha^ikha 
(mit  Laute),  Kälanäga  (mit  Tänzern)  und  der  hundertarmige  Mära  auf  dem 
Elephanten,  von  Dämonen  umgeben.  Der  zum  Buddhismus  bekehrte  König  von 
Chola  suchte  den  Buddhismus  nach  dem  Süden  zu  verbreiten  (aber  vergebens). 
Viele  Bewohner  von  Mähisha  und  Maharashtra  nahmen  (zur  Zeit  des  Ai^oka)  den 
Buddhismus  an.  Phra-In's  heaven  is  called  Su-lalai  from  lalai  (a  place)  and  su 
(happy).  Phia-In  is  called  in  Pali  Sakko  or  he  who  gives  himself  (not  leaving 
it  to  his  sersants  to  answer  the  prayers  of  people,  who  come  to  ask  him). 
Amongst  his  Pali  names  is  Intho  (designating  his  greatness).  When  living  on 
earth  (before  he  became  Phra-In),  he  was  called  Makkhamanoph  (the  youth  Makha) 
and  from  there  is  derived  another  of  his  names,  Maggavano.  Buddha  starb  in 
Folge  von  Schweinefleisch ,  das  er  bei  dem  Goldschmied  Tschunda  in  der  Stadt 
Pava  gegessen.  Nach  den  nördlicben  Buddhisten  erfolgte  Buddha's  Tod  in  Folge 
eines  ihm  von  Jugend  an  quälenden  Rückenleidens.  Als  der  herbeigekommene 
Kayyapa  noch  einmal  die  heiligen  Füsse  gesehen,  entzündet  sich  der  Scheiter- 
haufen von  selbst,  indem  die  Flamme  der  Beschauung  aus  der  Brust  des  Leich- 
nams schlägt.  Adja^atru  öffnete  später  die  Stupen  der  acht  Fürsten  und  ver- 
einigte alle  die  Reliquien  (mit  Ausnahme  der  Asche  in  dem  Kohlenthurrae)  in 
einer  Stupa  zu  Radjagriha.  Von  Aijoka  wurden  sie  später  über  Indien  verbreitet. 
Das  singale^ische  Werk  des  Tiiupavanso  handelt  von  der  Errichtung  der  Denk- 
mäler. Als  das  Mädchen  am  Brunnen  dem  durstigen  Anandah  erwiederte,  dass 
sie  eine  Tschandali  wäre,  und  ihm  kein  Wasser  geben  könnte,  antwortete  er,  dass 
er  nicht  auf  die  Kaste  sähe,  und  bekehrte  sie.  When  Maredatta  Maharaja  (in 
Rajamapur)  was  going  to  sacrifice  to  the  Goddess  Chendra  Mari,  he  ordered  to 
seize  a  male  and  a  female ,  but  was  converted  by  Abhaya  ruchi  and  Abhaya- 
mati,  the  disciples  of  a  Ludhatachari,  who  had  undergone  many  sufferances  in 
metamorphoses  (for  having  killed  a  fowl  of  flower)  and  only  had  come  out  of  the 
State  of  a  fowl.  The  attainment  of  Buddhi  eudows  its  possessor  with  aiswara 
Bastian,  Reise.  VI.  10 


146  Zweites  Kapitel. 

gadha  (Täranätha).  Der  aus  der  buddhistischen*)  Gemeinde 
gestossene  Bhikschu  (Mathara  genannt)  verbarg  sein  Werk  in 
dem  Königreich  Schulik^  wo  ein  von  einer  Jungfrau  geborener 
Knabe  nach  dem  Heranwachsen  Alle  zu  bedrängen  anfing,  indem 
er  sagte,  dass  er  gar  keiner  Kaste  angehöre.  Er  fand  das  von 
Mathara  verborgene  Werk,  und  nacl^dem  er  ihn  selbst  getroffen, 
kam  er  in  die  Nähe**)  von  Makha  (Mekka),  wo  er  seine  Lehre 
predigte,  unter  dem   Namen  von  Paichamba  in  Ardo  (Ardeshir). 


(snpernatural  powers),  derived  by  the  Brahmins  from  Iswara  (those,  who  attained 
it,  being  called  Isis  or  Rishis).  'i'o  enable  Binibisara  of  Magadliha  to  return  the 
present  of  Rudrayana,  kiiig  of  Roruka,  Buddha  ha"d  bis  shadow  drawn  on  clothes 
and  the  formula  of  refuge  written  beneath.  Buddha  meditating  on  the  coutest 
with  the  Tirthakas  iii  Kosala  produced  by  bis  inteusity  a  flame,  setting  the  buil- 
ding  in  Are,  but  then  extingui^hing  by  itself.  Buddlia  set  out  from  the  Vihara 
on  the  Yulture-mountain  near  Rajagriha  for  bis  last  voyage.  The  Arhats  received 
bis  death  with  indifference,  but  Auanda  not  yet  perfected  in  knowledge  of  transi- 
toriness,  feit  appalbd  and  sad  with  the  others. 

*)  In  the  city  of  Tibet  dwelleth  Lo  Abassi,  in  their  tongue  the  Pope, 
the  head  of  all  the  Idolaters  (s.  Odoric).  The  Khalif  Emir-al-Mumenin  Al- 
Abanny,  the  chief  of  the  Mohamedan  religion,  holds  the  sanie  diguity  over  them 
which  the  Pope  enjoys  over  the  Christians  (Beujanün  de  Tudela)  Obossum  in 
Feta.  Abassy,  Gott  am  Calaber ,  Abosa,  Teufel  in  Guinea.  Nach  Rubruquius 
pflegten  die  Tibeter  früher  ihre  Eltern  zu  essen  und  machten  noch  Trinkgescliirre 
aus  ihren  Schädeln.  Nach  Strabo  wurden  die  im  Tode  von  den  Vögeln  Gefresse- 
nen von  den  Caspii  für  gesegnet  gehalten.  Nach  Odoric  ass  der  Sohn  in  Tibet 
den  Kopf  seines  Vaters  nach  Zerstückelung  des  Leichnams.  Das  Land  des  Alten 
vom  Berge,  als  Ballad-ul-Jibal  oder  Hügelgegeud  (in  Irak-Agami),  südlich  vom 
Caspischen  Meer,  hiess  Mulhet  oder  Mulchet  (der  Assassinen).  Mulahidah  bezeicii- 
net  (im  Arabischen)  Atheisten  oder  Gottlose.  Kettle  drums  (Nakkaras)  heard  in 
Hamade  (Wallin).  Burnes  describes  the  sounds  heard  (in  the  Kwaja  Regruwan) 
as  lond  and  hollow,  very  like  those  of  a  large  drum,  whilst  Sultan  Balier  speaks 
of  the  sounds  of  drums,  and  nagarets,  the  very  Instruments  specified  by  Odoric 
(s.  Yule).     The  Jibal  Nakus  (hill  of  bells)  in  the  Sinai  desert  (Newbuld). 

**)  Der  von  Novairi  zum  Zeitgenossen  des  Königs  Gustasp  oder  Hydaspes 
gemachte  König  (der  Himyariten)  Chammir-Yerach,  Vater  des  (Tobba-el-Aoran 
zeugenden)  Aban  Malik  (f  90  p.  d.)  ging  (nach  der  Eroberung  von  Samarcand 
oder  Chammircand)  auf  dem  Feldzi.ge  gegen  China  (durch  Zopyrus  List)  zu 
Grunde.  Pomonia  insula,  aliter  (the  Mainland)  sie  dicta  quasi  (the  Middle  of 
the  Apple,  because  it  lies  betwixt  the  North  and  South  Isles).  Haec  insula 
contiuet  multas  parochias  (Jo.  Ben)  1529  (Orkney).  Als  der  Syrer  Faymiyouri 
zur   Zeit   magischer   Lehren    (nach    Ibn  Ishak)  das  Christeuthum  im  Nedjran  ver- 


Peking.  147 

Acoka*)  Hess   in    allen   Orten,  wo   Jina  gelebt  hatte ;   Chaitja 
erbauen  uiul  preist  die  Vorschriften   des  Dharma,  als  die  allein 


kündete,  wnrde  auf  sein  Gebet  der  verehrte  Palmbanm  durch  einen  heissen  Wind 
vertrocknet. 

*)  Als  ätisserste  westliche  Völker  des  Reiches  des  Agoka  werden  die  Gau- 
dhära,  Kamboga  und  Javana  genannt.  Magas  (f  258),  als  König  von  Kyrene, 
wird  erwähnt  (249  p.  d.).  Um  die  vom,  gelbe  Traclit  annehmenden,  Thirthya 
oder  Tirthika  veränderten  Lehren  Biiddha's  festzusetzen,  hielt  MaudgaljAjana  (im 
72.  Jahre  seines  Lebens)  als  Schüler  P)Uddha's,  die  dritte  Synode  (246  a.  d.), 
A^.oka  Hess  fünfjährige  Versammlungen  der  buddhistischen  Priester  halten.  The 
wise  man  by  the  observance  of  sila,  continually  enlarges  his  mental  faculties  and 
bis  wisdom  (lehrt  Buddha)  and  is  freed  from  the  perturbation,  produced  by  evil 
desire  (s.  Hardy).  Ignorance  is  the  source  of  almost  every  real  or  fancied 
misery,  and  right  knowledge  of  the  nature  of  things  is  the  true  way  to  emanci- 
pation,  therefore  they  who  desire  to  be  freed  from  the  miseries  of  future  traiis- 
niigrations,  must  acquire  true  knowledge  of  the  nature  of  divine  and  human 
things  (Csoma  Körösi).  Bakkula,  der,  als  Kind  iu's  Wasser  fallend,  von  der 
Prinzessin  von  Beuares  aus  dem  Irisch  geschnitten  war,  was  declared  by  Buddha 
to  be  the  chief  of  that  class  of  his  disciples,  who  were  free  from  disease  and 
become  rahat.  At  the  time  of  Khakusanda-Buddha,  Adam's  Pik  was  called 
Dewiyakuta  (peak  of  God).  When  Konagamma-Buddha  visited  it  (2100  a.  d,)  the 
name  was  Samantkuta  or  peak  of  Saman  (the  brother  of  Rania).  After  Rawana's 
death,  Ceylon  was  partially  inundated  (Forbes).  From  Samantakuta  or  Samanella 
(Adams  peak)  on  Ceylon  (Waradwipa)  Kouagamma  (2099  a.  d.)  visited  the  capital 
Wadhamanika  Kasyapa  (1014  a.  d.),  and  haviug  paciflced  the  rebellion  ofSamiddho 
(the  crown-prince)  agaiust  king  Jayanta  of  Mada-dwipa  (Ceylon)  ascended  Subha- 
kuta  (Adam's  peak).  Gautama  visited  Ceylon  three  times  (Forbes).  At  the 
commencement  (3101  a.  d.)  of  the  present  (Maha  Bhadra  Kalpa)  age  of  the 
World,  Kakusanda  Buddha,  appearing  in  Magadha  (under  king  Kshema  in  Kshema- 
wattiuuwara)  visited  Ojadweepia  (Ceylon).  When  (according  to  the  Tibetans)  at 
Buddha's  death.  the  priests  and  ministers  in  Rayagriha  were  afraid  to  teil  the 
king  Ajata  Satru  (lest  he  should  faint  from  the  shock),  it  was  suggested  by  Maha 
Kashyapa,  that  the  Mahamantra  (chief  priest)  should  have  paintings  of  the  princi- 
pal  incidents  of  his  life  executed  in  the  gardens.  After  the  funeral  obsequies  of 
Buddha  had  been  performed  at  Kusiiiara,  the  disciple  Khemo  thero  was  com- 
missioned  (according  to  the  Dathadhatuwanso)  to  take  his  left  cauine  tooth  to 
Dantapura,  the  capital  of  Kaiinga  (s.  Turnour).  Als  während  vieler  Jahrhunderte 
das  Tüdten  lebender  Wesen  und  die  Verletzung  (vihinsa)  der  Geschöpfe  zunahm, 
sowie  die  Geringschätzung  gegen  Verwandte  und  die  Nichtachtung  der  Brahmanen 
und  ^ramaua,  liess  Afoka  (Prijadargin  oder  der  liebevoll  Gesinnte)  mit  dem  Bei- 
namen Deviinäm  prija  die  Silastambhu  (Tugendsäulen)  oder  Linhastambhu  (Löwen- 
säuleu)  aufrichten.     Sariputra    war    nach    seiner  Mutter  Sarika  und  Upatisha  nach 

10* 


148  Zweites  Kapitel. 

heiligenden  für  alle  Verhältnisse  des  Lebens.  Die  unter  dem 
König  von  Piildegungrgyal  (in  Tibet)  entstandene  Bon-pa- 
Seete  (Keumtuzonbo  oder  Kiintubzangpo  als  dreiköpfigen  AUer- 
gUtigsten  verehrend)  wurde  unter  König  Khri-srong-lde-btsan 
(VIII.  Jahrhdt.)  von  der  Buddlialehre  verdrängt.*)  Die  Zauber- 
geister der  Murmi  oder  Sunvars  (im  Himalaya)  heissen  Bonpo 
(s.  Schlagintweit).  Penn  temba  sendra  (bei  Hogdson)  ist,  als 
Löwe  der  Lehre  von  Yung-Symbol  (dTe-gyungbstan-pa-senge) 
mit  Sakhyasinha  **)  identisch.   Im  chinesischen  Roman  Choui-hou- 


seinem  Vater  Tisha  genannt.     Vor  Buddha  starb  543  a.  d.  Maudgalayana.     Deva- 
datta  verbot  seinen  Schülern  Salz  zu  essen. 

*)  In  der  Periode  der  Unterdrückung  -wurde  die  Buddhalehre  (nach  dem 
Gyelrap)  von  den  vier  brahmanischen  Tirthikas  nicht  mehr  zum  Vehikel  genom- 
men. Quibus  fontibus  praesul  est  Minerva  numen,  in  cujus  aede  perpetui  ignes 
nunquam  canescunt  in  favillas,  sed  ubi  ignis  tabuit,  vertit  in  globos  saxeos  (Soli- 
nus).  Nach  Al-Kazwini  fand  Mahmud  die  Götzen  zu  Soniuat  durch  Magnet 
schwebend  gehalten.  The  Hindus  used  to  go  on  pilgrimage  to  it,  whenever  there 
was  an  eclipse  of  the  moon  and  would  then  assemble  there,  believing  that  the 
souls  of  men  used  to  meet  there  after  separition  from  the  body  and  that  tiie 
Idol  used  to  incorporate  them  at  its  pleasure  in  other  bodies,  in  accordance 
with  their  doctrine  of  transmigration.  The  ebb  and  flow  of  the  tide  was  con- 
sidered  to  be  the  worship  paid  to  the  idols.  Die  adniiiiistrirenden  Brahmanen 
(neben  Täuzeriuneu)  wuschen  den  Tempel  täglich  mit  herbeigebrachtem  Ganges- 
Wasser  (Al-Kazwini).  Der  Rebell  Yaiichou  eroberte  die  von  Chinesen,  Musul- 
manen,  Juden,  Magiern  und  Chriften  bewohnte  Stadt  Khankou  (auf  deren  Fluss 
die  Schiffe  aus  Basrah,  Giraf,  Oman,  Indien,  Zabedj  und  Sinf  heraufkamen)  und 
zwang  den  König,  den  Irkhan  um  Hülfe  zu  bitten  (Masudi).  Der  König  von 
China  hat  den  Titel  Bagbour  (Sohn  des  Himmels)  oder  Tamgana  djaban.  Der 
Chogan  ist  König  der  Geugen. 

**)  They  are  in  continual  expectation  of  the  arrival  of  the  Latins  (in  India), 
which  they  say  is  clearly  predicted  in  their  books.  And  moreover  they  are 
continually  praying  the  Lord,  after  their  manuers  to  hasten  this  wished-for  arrival 
of  the  Latins  (Jordanus)  1323.  Tuin  was  used  among  the  Uigurs  for  a  Buddhist 
priest.  Der  dem  Papst  gleiche  Bischof  Cathay's  (mit  rothem  Hut)  heisst  der 
grosse  Trntius  (bei  Johann  de  Cora)  1330.  In  Cathay  wurde  ein  Bild  des  ver- 
brannten Todten  aufgestellt  (nach  Cora).  The  air  is  so  impure  (in  Tibet)  that 
if  they  ate  their  diuner  after  noon  they  would  all  die  (according  to  Kaschid). 
Karajang  (Karain)  is  Yunan.  It  is  usual  in  Cathay,  when  any  contract  is  entered 
into,  for  the  outline  of  the  flngers  of  the  parties  to  be  traced  upon  the  document 
(s.  Raschidaddin),  The  Nestorians  were  called  Arkaun  (Argon  or  half  breed)  by 
the  Mongols.     Nach  Wallbaum  wurde  Java  erst  durch  die  Umschiffung  der  Rng- 


> 


Peking.  149 


tscliouen  wendet  sich  der  Jün^-liiig  gleichzeitig  an  die  Gebete 
buddhistischer*)  Mönche  und  der  Geistlichen   Tao-sse,   um  die 


läuder    und   Holländer   als   Insel   erkannt ,    da  es   sonst   für   ein   Stück   des  Süd- 
landes galt. 

*)  The  Yogis,  who  have  completely  emancipated  themselves  from  all  deflling 
iiecessities  of  uature,  effect  tliis  by  living  entirely  on  milk,  which,  after  retaining 
a  short  time  in  tlie  stomach,  they  throw  up  by  swallowing  a  ball  fasteued  to  a 
string  and  maintain  the  aninial  expeiiditure  solely  through  tbe  uutrinient,  iinbi- 
bed  by  the  system  diiring  the  continnance  of  the  liquid  in  the  stomach,  which 
conseqiiently  leaves  no  residiiuui  to  desreud  in  the  bowels  (s.  King).  Lorsqu'on 
avale  la  pilule  perpetuelle  (aus  metallisciieni  Autimon),  eile  est  entraiude  par  sa 
pesanleur,  et  eile  purge  par  bas,  on  la  lave,  et  on  la  redonne  comme  devant  et 
aiusi  perpetuellement  (Lemery).  Wie  man  unter  Mathematicus  einen  Zauberer 
verstand  (IV.  Jabrhdt.  p.  d.),  wurde  Medicamentorii  (Pharmacopolae)  als  Gift- 
mischer (im  Codex  Theodosiauus)  bezeichnet.  Die  Nestorianer,  die  sich  (V.  Jahr- 
hundert) in  Arabien  niederlicsseu,  legten  (als  Leibärzte  der  Khalifen)  zuerst  Apo- 
theken au  (nach  Leo  Africanus),  die  mit  den  Arabern  nach  Süd-Italien  kamen, 
worauf  Constautin  von  Carthago  die  erste  Apotheke  in  Salerno  anlegte  (XL  Jahrhdt). 
Der  Branntwein,  dessen  Gebrauch  noch  im  XIV.  Jahrhd.  nur  in  der  Medicin 
stattfand,  wurde  bereits  im  folgenden  ein  unter  dem  Volke  viel  verbreitetes  Ge- 
tränk (s.  Kopp).  In  Schweden  wurde  er  1570  zuerst  als  Praeservativ  gegen  die 
Pest  bekannt.  Das  vorher  geheimnissvoll  betriebene  Verfahren,  Eisen  in  Stahl 
zu  verwandeln,  wurde  (1722)  von  Reaunmr  in  Frankreich  gelehrt.  Les  droguistes 
(nach  de  Courcy)  arrivent  ä  fabriquer  par  des  methodes  presque  toujours  im- 
parfaits,  mais  souvent  delirates  et  parfois  pe'rilleuses,  des  ingredients  pbarma- 
ceutiques  tres-ntiles  (in  China).  Gessner's  (1564)  Ansicht  (dass  die  verschiedenen 
Krystalle  derselben  Substanz  nicht  allein  durch  die  verschiedene  Grosse  der 
Flächen,  sondern  auch  durch  die  der  Winkel,  folglich  in  der  ganzen  Figur,  ver- 
schieden seien)  blieb  (zweite  Hälfte  des  XVIII.  Jahrhdt.)  bei  vielen  Mineralogen 
die  herrschende,  obwohl  schon  16H9  Steno  die  Constanz  der  Winkel  bei  dem 
Bergkrystall  und  17U7  Gulielmini  dasselbe  als  ein  für  alle  Krystalle  gültiges 
Priucip  ausgesprochen  hatte  (s.  Kopp).  Galin  bemerkte,  dass  Kalkspathkrystalle, 
die  eine  von  den  rhomboedrischen  sehr  verschiedene  Gestalt  haben,  sich  auf  diese 
durch  Spaltung  zurückführen  lassen.  Die  Winkel  jedes  Krystalles  sind  von  un- 
veränderlicher Grösse,  welches  auch  die  Veränderung  in  der  Form  sein  mag, 
welche  durch  die  verschieden  grosse  Ausbildung  der  Seitenflächen  hervorgebracht 
wird  (nach  de  l'Isle),  und  die  Unveränderlichkeit  der  Winkel  bezieht  sich  nur 
auf  die  primitive  Gestalt  des  Krystalles,  von  welcher  sich  aber  die  secundären 
Formen  durch  mannigfaltige  Umgestaltungen  ableiten  lassen  (1783).  Hauy  schreibt 
den  Molecules  inte'grantes,  aus  welchen  die  Körper  beständen,  die  Primitivform 
zu.  Hauy's  Ansicht,  dass  jede  wesentliche  Veränderung  in  der  Krystallgestalt 
eine  wesentliche  Verschiedenheit  in  der  Zusammensetzung  anzeige,    wurde   durch 


j^50  Zweites  Kapitel. 

Seele  seiucd  Vaters  aus  dem  Fegefeuer  zu  befreien.  Die  drei 
Keligioueu  Tao-Kiao  (der  Tao-sse),  You-Kiao  (der  Gelehrten)  und 
Chi-Kiao  (der  Buddhisten)  bilden  eine.  Die  Bayanos-Indianer 
haben  für  Gott  keinen  andern  Namen,  als  den  spanischen,  in 
Diose  entstellt.    Mit  dem  Dämon  *)  (Butara)  verkehren  die  Priester 


Mitscberlich's  Entdeckung  der  Isomorpbie  (1819)  widerlegt.  Im  Rothgültigerz  war 
bald  Arsenik,  bald  Antimon  als  wesentlicher  Bestandtheil  gefunden  (s.  Kopp). 
Die  einäugigen  Scbutzgeister  der  Häuser  (Tontut  aus  dem  Schwedischen)  können 
ein  Haus  arm  oder  reich  machen  (bei  den  finnischen  Ishoren).  Die  Flnssgeister 
(Nakki,  aus  dem  Schwedischen)  sind  weiblich,  der  Waldgeist  (Metsan  haltia)  männ- 
lich. Die  Steinhaufen  an  den  heiligen  Räumen  (die  der  lutherische  Geistliche 
umschlagen  Hess)  waren  (bis  dahin)  durch  die  am  Petritage  zugefügten  Steine  ver- 
grössert  (in  der  finnischen  Gemeinde  Serebetha).  Abou  Bekr-el-Mourouzi,  parlaut 
au  pere  d'Abd  Allah  des  avantages  des  clysteres,  lui  posa  cette  question :  .,Prendre 
iin  lavement  est  ce  rompre  le  jeüne  ou  non?'-  X  ce  sujet  les  jurisconsultes 
different  dopinion.  Le  premier  etre  animal  qui  pratiqua  le  lavement  fut  un 
oiseau  (s.  Perron). 

*)  Ertrunkene  oder  an  der  Wassersucht  Gestorbene  wurden  begraben  in 
Mexico ,  andere  dagegen  verbrannt  mit  einem  Haushund  (Techichi)  und  unter  Mit- 
geben von  Lebensmitteln  und  Geräthschaften  (Minutoli).  In  Aegypten  peitschten 
sich  die  Priester  zu  Ehren  der  Götter  (Her.),  legten  sich  (nach  Epiphanius) 
eiserne  Halsbänder  um  und  durchbohrten  die  Nase,  um  Ringe  daran  zu  hängen. 
Accordiug  to  Masudi,  the  population  of  Tibet  is  in  great  part  composed  of  Hi- 
myarites  mixt  with  some  descendants  of  Tobba.  Of  the  kings  of  Yemen,  Mal- 
kikarit  (son  of  Tobba  al  Akran)  overran  various  countries  of  the  East,  such  as 
Kherasan,  Tibet,  China  and  Sejestan.  Die  himyaritische  Inschrift  soll  die 
Gründung  Samarkand's  durch  den  Tobba  bezeugen.  The  kingdom  of  Cathay  has 
towards  the  north  the  desert  of  Belgian  (according  to  Hayton).  Die  Cathayer 
verehren  (nach  Hayton)  Götzen  oder  die  pflügenden  Ochsen,  oder  Bäume,  oder 
die  Gestirne  oder  Sonne  und  Mond.  The  Greeu-caps  (in  Bochara  und  Samar- 
cand)  flglit  with  the  Sofi  (in  Persia),  who  wear  red  caps  (nach  Hajji  Mahomed) 
bei  Ramusio  (s.  Yule).  Shah  Abbas  verlegte  die  Residenz  von  Sultaniah,  erbaut 
(1305)  durch  Oljaitu  (Sohn  Argon's)  nach  Ispahan.  Die  Magier  kamen  von  Ka- 
shan  (zwischen  Ispahan  und  Teheran  nach  Jerusalem.  Die  Kamschadalen  ver- 
ehrten ihre  Götter,  wenn  ihre  Wünsche  erfüllt  waren,  und  verhöhnten  sie  bei 
Fehlschlagen  derselben  (nach  Kotzebue).  Die  von  den  Missionären  auf  den  Fiji- 
Inseln  eingeführte  Druckerpresse  wurde  für  einen  Gott  erklärt.  Nach  den  Toupi- 
nambas  gingen  solche,  die  viele  Feinde  getödtet  und  gegessen,  zum  Himmel,  die 
Schwachen  zum  Teufel  (Aygnan),  der  sie  quälte  (s.  Freycinet).  Nach  Regnard 
zogen  die  Lappen  zur  Vermählung  ein  Mädchen  vor,  das  von  einem  Weissen  ge- 
schwängert war,  da  sie  geheime  Gaben  besonderer  Anziehung  besitzen  müsse, 
weil     eine    so     hoch     über    sie    erhabene    Person    ihr    Gunstbezeigungen    gegeben. 


Peking.  151 

(Lere)  oder  Eingeweihten  (s.  Wagner).     Der  in  Tunis   verehrte 
Heilig-e  *)  Ssayydy  bii  Ssayd  bekehrte  einen  christlichen  Capitän 


Nach  Gordon  ist  es  untt^r  deu  Kiiigebornen  des  Cap  eine  Ehre,  von  einem  Weissen 
ein  Kind  zu  haben  (für  die  Mädchen).  Einige  der  Afrilianer  hielten  du  Chaillu 
für  ein  höheres  Wesen,  Die  Südsee-Insulaner  verehrten  Cook  als  Gottheit.  Even 
when  they  had  killed  him  and  cut  him  into  small  pieces  the  inhabitants  of  Owhy- 
hee  fnlly  expected  him  to  reappear  and  freqneutly  asked,  -what  he  would  do  to 
them  on  his  return.  The  Ksquiniaux  tattoo  from  principle,  the  theory  being, 
that  the  lines  thus  made  will  he  regarded  in  the  next  world  as  a  sign  of  good- 
ness  (Hall).  Weil  sie  sonst  nicht  in  den  Himmel  einziehen  würden,  werden  die 
Frauen  auf  den  Fiji  tättowirt  an  den  Fingern,  Mundecken  und  den  vom  Liku  be- 
deckten Körpertheilen.  Das  Götzenbild  zu  Tiahuanaco  wurde  den  Indianern  als 
Gott  der  Diebe  (El  Santo  de  los  Ladroues)  verehrt  (s.  Tschudi.)  Die  Insel  Titi- 
caca  war  der  Sonne,  Coato  dem  Monde  geweiht. 

*)  Superstition  peoples  nearly  every  house  (in  Cochin)  with  ghosts  of  va- 
rious  forms  and  shapes.  Even  the  protestant  church  is  said  to  be  hauuted  by 
an  old  woman.  who  is  sometinies  seated  disconsolately  in  one  spot,  sometimes  in 
another,  but  niost  commouly  on  the  sides  of  the  old  well  close  by,  on  the  pa- 
rade  ground.  On  being  approached  she  is  said  to  assume  the  shape  of  a  pig, 
which  on  being  pursued,  disappears  in  the  form  of  a  number  of  small  grunters 
(s.  Day).  Die  Schriften  des  Badolema  in  der  arabischen  Uebersetzung  waren  im 
Mittelalter  viel  früher  bekannt,  als  die  griechischen  Originale  des  Ptolemäus. 
In  der  Gestalt  einer  feurigen  Lufterscheinung  (Ismeau  oder  Hismo)  begiebt  sich 
der  Teufel  durch  die  Rauchfänge  in  die  Häuser,  wo  sich  verliebte  Weibspersonen 
finden.  In  allen  Dörfern  kann  man  eine  Menge  Mädchen  nicht  nur,  sondern 
auch  betagte  Frauen  sehen,  die  sich  über  die  Besuche  beklagen  und  dabei  ganz 
mager,  erdfarben  und  närrisch  reden  (s.  Müller.)  The  flgure  of  the  Man,  Seir- 
Anpin  consists  of  247  numbers,  the  numerical  value  of  the  letters  in  the  name 
Abram,  signifying  the  different  Orders  in  the  celestial  hierarchy  (in  the  Kabala). 
The  original  was  taken  from  the  Hiudoo  flgure  of  Brahma  and  the  various  castes 
typifled  by  the  several  parts  of  his  body,  the  names  Abram  and  Brahma  being 
equivalent  in  numerical  value  (s.  King).  Er  (in  his  visiou)  compares  the  spheres 
to  a  set  of  the  hemispherical  bowls  used  by  jugglers,  fitting  loosely  one  within 
the  other  (b.  Plato).  Nach  Manes  erfand,  der  in  der  Welt  (znr  Erlösung  der 
Menschen)  geborne  Sohn  eine  aus  12  Gefässen  (Gadi)  zusammengesetzte  Ma- 
schine, die  (mit  den  Sphären  rotirend)  die  geretteten  Seelen  in  sich  zieht  (Ma- 
hayana).  The  only  period  during  which  the  laws  in  the  Senchus  Mor  were 
aknowledged  over  the  whole  of  Ireland  was  from  the  preparation  of  de  Code 
under  St.  Patrik's  auspices  in  the  V  Century,  until  the  invasion  (792  p.  d.)  of 
the  Pagan  Danes  (s.  Hancock).  About  sixty  years  ago,  theero  was  in  America  a 
universal  superstition  (not  an  euliglitened  belief)  that  the  world.  was  about  to 
close.     They  believed  that  the  world   was  abuut  to  end,  because  a  total  eclipse  of 


152  Zweites  Kapitel. 

durch  Schnüre,  die  gegen  Ertrinken  schützten  (s.  v.  Maltzan). 
Die  Bewohner  von  El  Mahdiya  führten  (nach  Edrisi)  ihre  Todten 
zur   See    nach    Mistyr.     Die    Chaitya-Fusstapfeu   (Buddha's)*) 


tbe  suu  took  place  at  noonday.  It  happenec^  that  tbe  Cougress  of  the  United 
States  was  asseiubled  at  this  hour,  Laif  tlie  membres  of  tbe  Congress  believed 
tbat  tlie  deuse  night  was  really  tbe  darkiiess  tbat  preceded  tbe  usberiiig  in  tbe 
jui  gement  and  anotber  State  and  world  (Cumming  1859).  L'Elglise  acrorde  des 
indulgences  applicables  aux  morts,  donc  eile  croit  que  les  morts  peuvent  etre  sou- 
lages  par  ce  moyen.  Cette  raison  seule  suffirait  pour  operer  eu  uous  une  en- 
tiere  couviction,  car  vouloir  contester  ce  que  l'Eglise  croit  ou  pratique  dans  l'üni- 
vers,  serait  le  comble  de  la  folie  (Bouvier,  tiveque  du  Mans)  1855.  Als  die 
Tscheremissen  den  Pogost  Turowetz  an  der  Dwina  angegriffen  (153ii)  und  das  von 
den  Recbtgläubigen  gegenübergestellte  Bild  der  Gottesmutter  mit  einem  Pfeile  am 
Auge  trafen,  so  dass  eine  Tbräne  floss,  wurden  sie  mit  Bliiidbeit  geschlagen,  bis 
sie  sieb  zum  Christentbum  bekrhrt.  Caspar  Gorrea  nannte  den  König  von  Benin 
oder  (nach  Barro)  seinen  nach  Portugal  kommenden  Gesandten  einen  Kaffer.  With 
the  early  Pörtuguese  Caffre  means  simply  a  negro,  tbey  took  the  uame  from  the 
Arabs  ou  tbe  Atlantic  coast  (s,  Stanley).  In  jedem  grösseren  Asyl  kann  man 
Frauen  finden,  die  glauben,  jede  Nacht  von  ihrem  Geliebten  besucht  oder  im 
Scblaf  geuotbzücbtigt  zu  werden,  und  bei  manchen  (wie  z.  B.  der  h.  Catbarina 
de  Sienna  oder  St.  Theresa)  ist  mit  diesen  wollüstigen  Wahnvorstellungen 
religiöse  Extase  verbunden  (s.  Maundsley). 

*)  You  deny,  that  there  is  an  atma,  that  tbe  being  possesses  a  seif,  yon  say 
that  tbe  flve  Khandas  are  auätma,  unreal,  without  a  seif,  wirft  (im  Amawatura) 
der  Tirtbaka  Sachaka  dem  Buddha  ein,  der  ihn  widerlegte,  as  Sachaka  was 
brought  to  confess  tbat  the  flve  Khandas  are  inipermanent,  connected  witli  sorrow, 
unreal,  not  the  seif  (s.  Hardy).  Thus  a  living  being  flows  on  (wird  Milinda 
von  Nagasena  erklärt),  one  is  conceived,  another  born,  anotber  dies,  flows  on  as 
being  neither  the  preceding  nor  the  succeeding,  it  is  not  the  same,  or  yet  ano- 
tber, and  so  proceeds  to  the  last  of  consciousness  (Gogerley).  Such  in  the  pro- 
cession  of  all  things  iiito  existence  from  awidya  or  delusion,  and  in  the  iuverse 
Order  to  that  of  their  procession,  tbey  retrograde  into  non-existence.  And  tbe 
egress  and  regress  are  botb  Karmas,  wherefore  tbis  system  is  called  Kärmika, 
erklärt  (nach  den  nepalesischen  Buddhisten)  Sakya  in  der  Kacha  Bhagavati 
(llodgsou).  Everything,  but  especially  tbe  human  soul.  depends  for  its  existeiu-e 
ou  tbe  causal  concatenation  (Körösi).  Upon  death  ensues  departure  to  another 
world  (in  the  brahminical  accounts  of  the  Buddhist  system).  That  is  followed 
by  return  to  this  world.  And  the  course  of  error,  with  its  train  of  conse- 
quences,  recommences  (s.  Colebrooke).  Die  Wände  des  Dolmen  (zwischen  Loc- 
moriaker  und  Bannes)  waren  mit  celtischen  Hieroglyphen  bedeckt  (Ringe  mit 
oder  ohne  Puucte,  Schlangenlinien,  kreuzende  Striche  u.  s.  w.).  Die  druidischeu 
Tempel  bei  Sligo    haben  einen    oder  mehr  Cromlecbs  (oder  Kristraius)    im  luneru 


Peking.  153 

werden  weder  durch  Tliiere,  Wind  noch  Regen  verwischt  (s.  Ro- 
gers),    Zur  Erlangung  der  Bodhi*)   werden    die,   welche   das 


(s.  Potrie).     The  main  characler  of  the   Menbir    seems    to    be  sepulcbral,   as  bu- 
raan  remains  have  been  frequently  fouud  at  the  foot  of  tbem  (Twiss). 

*)  All  niomeut  du  lever  de  l'aurore,  ä  l'iustaut,  oü  Ton  est  le  plus  eudoriui, 
et  comme  le  disent  les  Tibetains,  ä  l'instaut,  oü  l'ou  bat  le  tambour,  le  Boddhis- 
sattva,  s'etant  revetu  de  la  qualite  de  Bouddha  parfaitemeut  accomplie,  il  atteignit 
la  triple  science  (Barthelemy  St.  Hilaire).     Chacun  des  5  Bouddha    Celestes  regelt 
avec  sou  existence  les  vertus  du  Djnyana  et  du  Dhyaaa  pour   l'exercice  desquels 
par  Adl-bouddha,  il  est  redevable  ä  sou  existence    et  par  uue  pratique  seuiblable 
il  produit  un  Dhyani  Bodhisattva.     Ceux-ci  soiit  Tun   apres  l'autre  et   successive- 
meut  les  auteurs   actifs    et   tertiaires    de    creatious.     Celles-ci   sout    perissables    et 
depuis  le  commeucement  des  teiups  trois  out  passes.     Aiusi  le  preseut  uioude  est 
l'ouvrage  du  quatrietne  Bodhisattva,    qui    est   maintenaut    seigueur    de   la   marche 
des  choses  et  au  Nepal  ses  adorateurs  sont  accoutumes    ä  l'iuvestir    de   toutes  les 
forces  d'un  Dieu  supreme  et    uuique.     Dans  le  Samadhi   radja,    Sarvartha    siddha 
(Sbakya)  (interrogc  par  Maitreya   et  par  Vadjrapani  sur  la  maniere    dout  il  a  ob- 
teuu  le  Samadhi  djnyana)  commence,  dans    sa  re'ponse,    par   noninier    12Ü   Tatha- 
gata  qui  le  lui  out  euseigue  dans  ses  existences   prece'deuts.     Parmi   les  Bouddha 
de  nature    mortelle,    il    y   a  les    trois   d'^'gres    de    Pratyeka-bouddha,    de  Shravaka 
bouddha  et    de    Mahayanika  bouddha.     Les    tribus  de  Ta-tsiau-lou    habitent    dans 
des  tours  eu  briques    (tiao    leou).     II  y    fout   aussi  des    monceaux   de  pierres  qui 
representent  les  Bouddhas,    les   hommes    montent  et   descendent   sur    des    echelles 
et  les    defeiident.     En    rencontrant   uu    niagistrat,    les    peuples    de    Ng^eri    et   de 
Sartou  tüucheut  le  frout  et  disent  la  priere:    ,,Aum  maui    dje  san."     From   Awi- 
chi  tu  the  brahma-loka  called  Abhassara  the  whole  space  becomes  a  dark  void  in 
the  destructioü    called    Tejo-sangwartta  (s.  Hardy).     On    the    reproduction   of  the 
World,  for  the  most  part,  those  living  creatures    dyiug  in  the   Abhassara-brahma- 
loka,  return  to  this  world  (according  to  the  Agganna-Suttan,  addressed  by  Sakya  in 
Sawatthipura  to    the   descendants  of  the  brahman  Wasettho).     After    the    electiou 
(Sammato),    Maha-sanimato,  being   also    the    Lord    of   (Kettaui)    cultivated    lands, 
was  called  Khattiyo  and  as  rendering  (raugeti)  mankiud    happy,  was    called   raja. 
To  a  portion  of  the    people    the  thought    oceured,    that  theft,    degradation,    fraud, 
punishment,    expulsiou   haviug   appeared,  it  would  be    proper,    they    should    sup- 
press  (bhaheyana)  wicked  and  impious  acts  and  they  accordingly  did  it,  so  recei- 
ving  the  name  of  brabmana    (suppressers  or    eradicators).     The    Wissutakaminante 
(distiuguished  and  skilful  workmen    and  artiücers)    were   called    Wessa,    the    huu- 
ters    (ludda)    were    called    Sudda.     Sonie,    abaudouning    their   habitations,    becauie 
ascetics  or  priests    (Sumano).     Out    of  regard    for  ßarauasi,  Bhagawad    tarried  the 
flrst  year  at  the    Iripatanau,    an  ediflce,    near   which  no    liviug    creature    could  be 
deprived  of  live,  establishing  the  supreniacy  of  bis  faith  aud  administeriug  to  the 
18  Kotiyo  of  brahmaus    the   heaveuly  drought  (nibahau).     Kakusaudho,    aftur   ha^. 


154  Zweites  Kapitel. 

höchste  Verdienst  haben,  vollendete  Buddhas  werden,  die  näch- 
sten Pratyeka-Buddhas  und  die  anderen  Priester  werden.  Als 
wesentliche  Bedingung-en  des  Bodhi  sind  zu  unterscheiden  die 
37  begleitenden  Bedingungen  der  Bodhi  (Bodhi  pakschita  dharma), 
die  18  Bedingungen  der  Unabhängigkeit  (Avenika  dharma),  die 
vier   Vertrauen    oder    Unerschrockenheiten   (Vaigäradya) ,    zehn 


\ing  attained  the  wlsdom  of  tlie  teu  powers  (Buddhaliood)  nnder  tlie  udaaibaro 
tree  risiug  aloft  in  the  air,  descended  at  tlie  Isipatanan  near  Sudassano  (Be- 
nares) to  proclaiai  his  faith  (s.  ,,Tournour").  As  the  world  is  at  flrst  prodiioed  by 
the  power  of  tbe  united  merit  (punya  bala)  of  all  the  various  Orders  of  beings 
in  existence,  so  its  destruction  is  cansed  by  the  power  of  their  demerit  (papabala). 
Tho  power,  that  contracts  the  universe  is  Karma  (action),  consistiiig  in  Kusala 
and  Akiisala.  Whilst  Brahma  formerly,  in  the  beginning  of  the  Kalpa,  was  me- 
ditating  a  creation,  there  appeared  a  creation  beginning  with  ignorance  and  con- 
sisting  of  darkness.  From  the  great  being  appeared  flvcfold  ignorance  (aocordiug 
to  the  Vishnu-Purana.  In  the  honse,  pnt  up  by  the  Nats  west  from  the  Banyan-tree 
(at  Mayadee)  Gautama  (in  a  cross  legged  posture)  meditated  the  seven  Abedama- 
books.  While  he  was  considering  the  flrst  of  the  books,  the  six  glories  did 
not  emauate  from  his  body.  He  then  considered  the  book,  called  Weben  and 
after  that  the  Datubata,  then  the  Poga-lapegnyat,  then  the  book  of  merit,  then 
the  books  of  the  Dama  then  ganee,  after  all  which  the  six  rays  of  glory  went 
not  ypt  forth  from  his  body.  He  then  considered  the  most  excellent  Pa-dan,  in 
which  he  displayed  his  infinite  wisdom  (as  the  great  fishes  Temeya  and  Ta- 
beiuggala  find  room  to  sport  and  enjoy  tbemselves  only  in  the  great  ocean,  so 
the  Boodh  found  depth  for  his  mind  in  this  law)  while  he  was  considering,  the 
purple,  gold,  red,  brown,  glittering  and  white  rays  of  glory  proceeded  from  his 
divine  body,  peuetrating  the  earth,  the  water,  the  air  and  ascendiug  througb  the 
Nat-countries ,  the  Brahman-countries,  the  higher  Brahman-countries,  tili  (passing 
matter  and  spirit)  they  entered  vacuity,  snrpassing  sun,  moon,  stars  and  planets. 
This  great  glory  was  not  in  consequence  of  his  vowing,  nor  of  his  rigid  devotion 
to  conteniplation,  nor  was  it  in  consequence  of  his  meditation  of  the  law,  but 
it  was  in  consequence  of  the  clearness  and  pureness  of  his  blood,  spirit  and 
skin.  The  place,  where  he  spent  the  seven  days,  is  called  Yadanagara-pagoda 
(according  to  the  Malalengara-Woottoo).  When  at  the  place,  where  the  Bodhi- 
tree  has  to  appear,  the  Lotus  Springs  up,  the  ruler  of  de  Brahma  loka  called 
Awiha  desceuds  to  the  earth,  in  order  that  he  may  see,  whether  a  Buddho  will 
be  born  in  that  Kalpa  or  not.  Some  of  the  Brahmas  from  the  Loka  called  Ab- 
hassara  are  then  born  here  by  the  apparitioual  birth,  with  shining  bodies,  able 
to  pass  throngh  tbe  air  and  their  age  is  an  Asankhya.  At  the  destruction  by 
Are,  Sekra  and  the  rest  of  the  devas,  throngh  the  power  of  the  rite  called  Wa- 
yahasina,  are  born  in  llie  Parittarubha  and  other  Brahuia-lokas  (Uardy). 


Peking.  155 

Kräfte  des  Buddha  (Bala).*)  Die  Vadschra  Atchäriya,  die  jetzt 
in  Ne  paul  fiingirende  und  dominirende  Weltpriester  sind,  scheinen 
anfangs  nur  Upäsaka  (Laienbruder)  gewesen  zu  sein.  Als  der 
Atscharja  Nagardschuna  das  Madlijamika-Systeni**)  verbreitete; 


*)  Dem  Novizen  werden  bei  seiner  Aufnahme  vom  geistlichen  Vater  zehn 
Gebote  (Da^a^ila)  übergeben.  Die  zehn  Arten  von  Sünden  (Dugts-charitra  oder 
schlechte  Handlungen)  gehören  dem  Leibe,  der  Zunge  und  dem  Herzen  an.  Neben 
den  zehn  Tugenden  (Erfüllung  der  zehn  Gebote)  werden  die  fünf  Werke  (Paut- 
schaflla)  angeführt  Die  allgemeine  Wesenliebe  (Maitri)  ist  der  positive  Kern 
der  buddhistischen  Moral  (s.  Koeppen).  Nach  dem  Dhammapadam  (Fusstapfen 
des  Gesetzes)  ist  Wachsamkeit  der  Weg  der  Unsterblichkeit,  Trägheit  der  Weg 
des  Todes.  Bouchel  hörte  von  einem  Brahmanen,  que  c'etait  par  pure  malice  que 
les  singes  ne  voulaieut  point  parier,  weil  sie  fürchteten,  zur  Arbeit  gezwungen 
zu  werden.  A  la  vue  du  missionnaire  (P.  Saignes)  le  serpent  (d'une  pagode)  se 
dressa  de  la  hauteur  de  deux  coudees  en  poussant  d'affreux  sifflement  (dans 
rinde).  On  avait  coutume  de  lui  offrir  des  agneaux,  de  la  volaille  et  des 
oeufs  qu'il  devorait  ä  l'instant.  Nach  den  Esthen  können  die  Thiere  reden,  thun 
es  aber  nicht  wegen  der  Bösartigkeit  der  Menschen  (s.  Willigerod).  Die  Wasser- 
geister heissen  Nekkid  (in  Esthland). 

**)  Naga,  Stifter  der  Mahasanghika-Schule,  heisst  Lung  (Drache)  Siang-  (Ele- 
phant)  tschung,  als  Ta-ku-tschung  (Parthei  des  grossen  Königreichs)  bei  den  fünf 
Sätzen  (s.  Wassil.jew).  Ausser  dem  Sankhya-Lehrbuch  des  Kapila  übersetzte  Al- 
biruni  das  Yoga-System  des  Patandschali  in  das  Arabische.  Der  Cuflsmus  bildete 
sich  seit  dem  XH.  Jahrhdt.  aus  .Das  Symbolum  Athanasianum  ist  das  Symbolum 
Quicunque  (Quicuuque  vult  salvus  esse  in  Bayern)  der  dritten  ökumenischen 
Synode,  in  Gallien  (VH.  Jahrhdt.)  anerkannt.  Hitto  ist  ein  böses  Wesen  (bei  den 
Ishoren),  Knippana  Epithel  des  Waldgeistes,  Sämsa  ein  Genius,  der  Bäume 
pflanzt  (s.  Sjögren).  Der  böse  Geist  Para  (bjära  im  Schwedischen)  trägt  Milch 
im  Ueberfluss  zu  (bei  den  Finnen).  Die  Familien  Rosspik  stammen  aus  der 
Provinz  Roslagen  bei  Stockholm  in  Ingermanland  (s.  Sjögren).  Viele  finnische 
Bauern  tragen  shwedische  adlige  Familiennamen.  Ingria  in  päpstlicher  Bulle 
(Alexander's  IH.),  lugari  von  Ingaria  (b.  Heinr.  Lett.).  Tina  als  etruskischer  Ju- 
piter, schleudert  den  Blitz  (unter  den  Dii  fulgurales).  ^Juno  (der  Etrusker)  heisst 
(b.  Strabo)  Cupra  (Thilna).  Varro  leitet  die  etruskische  Minerva  von  den  Sa- 
binern.  Nerthus  (die  Erde)  war  (nach  Hofmann)  von  der  Rundung  genannt  (weil 
Nartus  auch  Wurm  und  Tänzer  bedeutet).  Parthivi,  als  Erdgöttin  (in  den  Vedas). 
Norci  (Noreja),  an  der  Niederung  gelegen,  stand  im  Gegensatz  zu  Torci  (Taurisci). 
Nach  Ilwof  kamen  die  uorischen  Tayrier  aus  der  Krim.  Noreja,  als  slavische 
Erdgöttin  (s.  Terstenjak),  Primut,  als  slavischer  Gott  (in  der  Knytlinga-Saga). 
Zu  Parva  (Berg,  sanscr.)  stimmt  das  slowen.  parm,  methatetisch  pram,  durch 
Lautschwächung  perm,  prem,  prim,  daher  die  slovenischen  Berg-  und  Höheunamen : 
Perm,    Prera,    Primsko,    Permut,    Primut,    Primska   gora    u.  s.  w.  (s.  Tersteujak). 


156  Zweites  Kapitel. 

erkannten  ihn  alle  Schulen  als  ihren  Herrn  an  (nach  Taranatha). 
Ausser  in  Ali  hat  sich  die  Gottheit  auch  in  einer  Reihe  von 
Ali's*)  Nachkommen  (den  i2  Imamen)  offenbart,  bevor  sie  sich, 


From  Asiah  the  soul  gets  tbe  Nephesch  or  seal  of  the  physical  appetlte,  froin 
Jezirah  the  Ruach  the  seal  of  the  passions,  from  Briah,  Neshamah  or  reason,  from 
Aziluth  it  obstaius  Chaiah,  the  principle  of  spiritual  life  (s.  King)  in  der  Ka- 
bala.,  Bei  den  Nen-Platouikern  bekleidet  sich  die  Seele  im  Herabsteigen  aus  den 
verschiedenen  Planeten.  Pliuius  unterscheidet  die  ältere  Schule  der  Chaldäer  oder 
Magier  (durch  Zoroaster  und  Osthanes  gestiftet)  von  der  jüngeren  des  Moses  und 
Jambres  [Imbramus,  der  theuthische  EFermes,  in  Brahma  und  Abram].  Die  Etrusker 
führen  die  weibliche  Linie  in  ihren  Inschriften  auf  (s.  Dennis).  Die  Lycier 
nannten  sich  (nach  Ilerod.)  mütterlicherseits  Lydius  ediderat  Tyrrhenae  gentis 
aruspex  (Cicero).  Feminae  cum  viris  cubantibus  sedentes  coeuitabaut  (und  so  in 
den  Lectisternien).  In  Etrurien  erwerben  sich  die  Mädchen  durch  ihre  Reize 
die  Mitgift  (Plautus).  Mit  dem  Zwölf-Städtebuud  nach  Erbauung  von  Tarqui- 
uium  durch  Tarchon  beginnt  die  Geschichte  Etruriens  (1044  a.  d.) 

*)  Mohamed  erlaubte  seinen  Anhängern,  Allah  auch  Rahman  (Barmherziger 
oder  Abraham,  als  Ab-Ram,  der  Vater  der  Höhe,  zu  nennen.  Nach  Sharistani 
folgten  alle  Könige  Persiens  der  Religion  Ibrahim's.  Der  früher  von  den  Frauen 
auf  dem  Wirbel  festgesteckte  Haarkuoten  hiess  (im  Westerwald)  Schnatz  (s.  Schmidt). 
Hott,  die  oberste  Schale  von  Nüssen  (auch  die  Nisse  in  den  Haaren),  dient  als 
Schimpfwort  (Läus-Hott).  Hottern  wird  von  den  reihenweis  wühlenden  Maulwürfen 
gebraucht  (auch  hotterig),  hotten  oder  vorwärts  gehen.  Tott  ist  ein  in  kegeliger 
Spitze  zusammengedrehtes  Papier  [wie  Hütten  der  Hottentotten],  totteln,  stottern 
oder  stammern  (L.  Schmidt).  Unter  den  niederen  Klassen  Ceylons  herrscht 
Vielmännerei.  Brahma  (zu  Pushkara  in  Rajputana  verehrt),  hatte  sich  als 
Schildkröte  und  Eber  incarnirt  (wie  später  Vishnu).  Fafnir  weissagt  sterbend. 
Nach  Oberleitner  ist  Schweden  über  dem  Mälar  der  eigentliche  Stammort  der 
Runensteine.  Nach  Pflzmaier  stammen  die  Runen  aus  dem  lateinischen  Alphabet. 
Nach  Krause  wird  das  ^d'og  jedes  Stammes,  jedes  Volkes  in  seiner  äusseren  Ge- 
stalt und  Erscheinung  durch  klimatische  Verhältnisse,  besondern  Charakter,  her- 
kömmliche Sitten ,  fromme  Gebräuche  bedingt.  Was  bei  dem  einen  Volke 
gegen  den  bestehenden  ro/«/<«  ist,  hat  bei  dem  andern  im  Bereiche  nationaler 
Sitten  seine  Stelle  gefunden.  Das  Verhältniss  des  Anax  zum  Demos  ist  im  All- 
gemeinen aristokratischer  Natur.  Menelaos  will  für  Odysseus  und  seine  Leute 
eine  Stadt  ausräumen.  Siebzehn  Tage  und  Nächte  beweinen  Sterbliche  und 
Unsterbli(;he  den  Tod  des  Peliden  (in  der  Odyssee).  Das  Bärengestirn  hiess  (nie- 
derländisch) Woenswagen  (Wodans-WageiO-  Von  der  günstigen  Vorbedeutung 
in  den  Auguren  wurde  besonders  der  Adler  in  den  römischen  Zeichen  bevorzugt 
bei  den  Legionen,  die  ausserdem  den  Eber,  Wolf,  Sphinx  und  andere  Thiere 
führten,  bis  zu  der  Zeit  des  C.  Marcius,  der  den  Adler  zum  alleinigen  Signum 
machte  (nach  Pliuiusj.     Die  Miijatschit  (vor  SchrecUea  siuulos    werden)  genannte 


Peking.  157 

in  einen  blauen  Mantel  gehüllt^  in  die  Sonne  zurückzog.  Die 
Seele  jedes  Nasairiers,  deren  Se'cte  (nach  Braun),  von  Karmat 
(Haupt  der  Karmaten)  gestiftet  wurde  (später  im  Gebirge  zwischen 
Mittelmeer  und  Orontes),  wird  (wenn  durch  Wiedergeburt  gereinigt 
in  der  Gemeinde)  zu  einem  Stern  am  Himmel.  Wie  die  Lotus- 
blume*)  durch  den  Stengel  das  Wasser  wieder  hinauf  einzieht, 


Aufregbarkeit  der  Jakuten  (und  Kamschadalen)  ist  durch  Versrhwägerung  und 
Vererbung  auch  auf  die  Russen  übergegangen  (s.  Erman).  Aehnlich  der  Scanto 
oder  Spodento  hei  den  sicilianischen  Hirten  (nach  Swinburue).  La  cere'monie 
du  de  Than  chü  (en  Aiinam)  doit  rattacher  l'äme  du  mort.  ä  la  famille  par  d'in- 
dissolubles  liens  (Bourchet).  Les  Thamou  dites  ou  Thamou  (des  Pharaons)  se 
sont  maintenus  meK-s  ä  leurs  congeneres  de  la  famille  berbere  (Aucapitaine). 

*)  Das  kleine  sündenlose  Haus  des  Höchsten,  die  Lotusblume,  mitten  im 
Leibe  weilend  (als  Herz),  darin  ist  ein  feiner,  schmerzeuloser  Aether,  was  in  dem 
wieder  ruhet,  das  ist  anzubeten,  nach  dem  schwarzen  Yajus-Veda  (s.  Weber). 
Padma  Karpo  (Lama  du  Bhoutau)  fixe  (XVL  siecle)  la  date  de  l'e'poque  oü 
naquit  Bouddha  ä  1058  a.  d.  Les  ecrivains  du  septieme  siecle  adoptaient  les 
dates  2420,  2146,  2133,  2137  a.  d.  pour  Bouddh,  mais  ä  present  on  adopte  ä 
Lassa  la  date  835  a.  d.  La  date  des  Chinois  se  rapporte  ä  un  plus  ancien 
Bouddha,  appele  Bouddhagan  tang  Khas-pa  (Bouddha  nn  ancien  et  sage  person- 
nage). Les  Mougoles  adopterent  (XIII.  siecle)  IV'criture  des  Oigours.  Perception 
is  defined  (in  the  Nyaya)  to  be  the  knowledge  derived  from  the  contact  of  the 
senses  with  their  objects.  To  attain  the  chief  end  of  mau  (paramapurushartha) 
deliverance  from  evil  can  be  reached  only  through  knowledge  of  the  truth  (accor- 
ding  to  Gotama's  Nyaya).  Accordiug  to  the  Nyaya  birth  is  a  calamity.  Zanma 
(birtii)  and  pravritti  (actiyity)  are  placed  among  evils.  According  to  the  orthodox 
Gotama  (of  the  Niyaya)  the  only  remedy  for  the  perils  of  life  is  apavarga  or  the 
complete  cessation  of  effort  and  activlty ,  and  Separation  from  body  aud  miud. 
Rama,  disgusted  with  the  evils  of  life,  pants  after  makti  or  emancipatiou.  In 
the  Yoga  vasishtha  (of  Valmiki)  the  buddhistical  terms  of  jara,  maranam,  trishna 
(for  old  age,  death  and  desire)  are  used.  By  Karma  or  the  merits  of  works  are 
living  creatures  born,  by  Karma  again  they  enter  into  dissolution.  Pleasure,  pain, 
fear,  bliss,  all  proceed  from  Karma  (according  to  the  Bhagavata).  D'apres  le 
Ma-teng-kia-king  le  mot  sanscrlt  weitho  (Vedas)  signifies  discours  de  science. 
Die  Vorträge  Buddha's  über  das  System  der  buddhistischen  Transceudeutal-Philo- 
sophie  (Pradschua  paramita)  sind  besonders  an  den  allersubtilsten  Doctor  'Subhuti 
gerichtet.  Als  Buddha  (zum  Unterricht  seiner  Mutter)  in  den  Himmel  der  33 
Götter  (Trayastrim^ats)  sich  erhoben,  Hess  Praseuadschit  (König  von  Kogala)  durch 
seine  wunderkräftigen  Jünger  ein  Bild  aus  dem  Ochsenkopf  (Go^'ircha)  genannten 
Sandelholz  schnitzen.  Ein  anderes  heiliges  Bild  wurde  für  König  Vatsa  üdäjana 
von  Kau^ämbi  angefertigt.     Bei  Buddha's  Rückkunft   er"hielt    es   die   Verheissung, 


j^58  Zweites  Kapitel. 

ebenso  ziehe  der  Yogin  in  den  Zustand  der  Andacht  versunken, 
die  Luft  (vayum)  ein  (heisst  es*  im  Dhyänavindu-Upanishad  des 
Atharvan).  Die  halbe  Matra  (des  Lautes  aum,  der  3'/2  Mäträ 
hat)  als  Seil  ausstreckend,  während  die  Lotusblume  (im  Nabel) 
der  Brunnen  ist,  ziehe  er  die  Luft  ein  mittelst  des  Stengels  und 
bringe  sie  zwischen  die  beiden  Augenbrauen  (an  der  Nasenwurzel) 
zur  Ruhe.  Zwischen  den  beiden  Brauen  aber  ist  die  Stirne,  in 
der  Nase  aber  an  der  Wurzel  erkenne  er  den  Sitz  des  Unsterb- 
lichen (Brahm),   den  grossen  Ruheort  des  Alls  (s.  Weber). 

Alle  empfindenden  Wesen  werden  von  ihrer  Geburt  an  durch 
das  Vergnügen  zufrieden  gestellt,  durch  den  Schmerz  in  ihrem 
Dasein  gestört  (nach  Epikur).*)     Die  höheren  Wesen  der  Götter 


dass  es  dem  Nordlande  Heil  brijgen  werde  (s.  Koeppen).  11  fit  sculpter  une 
tete  de  boeuf  eu  bois  de  saiital  (s.  Fabian).  Die  sechs  Irrlehrer  Tirthyas 
(die  Buddha  besiegte)  gehörten  dtn  Lokayatika,  sowie  den  Nirgranthas  an.  Die 
tibetischen  Kothmiitzen  werden  von  ihren  Gegnern  als  Bekeniier  Devadatta's  be- 
zeichnet. Nach  dem  Dabehurlik  Erdeni  that  der  erhabene  Devadatta  dem  wahrhaft 
erschienenen  Buddha  nur  darum  üebel  an,  um  ihn  desto  mehr  zu  verherrliclien. 
When  Fuen-Vic-Couil  (Fingall)  ate  the  flrst  piece  of  tlie  Salmon,  he  fried  for  the 
giant,  he  obtained  the  knowledge  of  future  events  (according  to  irish  lere). 
Brahma-roi ,  actuellement  dominatenr  des  cieux  de  la  deuxieme  conteniplation, 
devieudra,  ä  la  consommation  des  siecles,  que  doit  durer  son  existence  divine, 
seigueur  du  Savalokadhatou,  grand  Brahma-roi,  ä  la  tete  oruee  du  Sikhi  on 
tubercule  divin,  souverain  de  grand  chiliocosme. 

*)  Epikur  (dessen  indolentia  der  Nevritti  entspricht)  weist  der  in  der  Ruhe 
bestehenden  Lust  (xaraaTrjfiaTtHi]  ^Sovj]  ,  dra^a^ia  y.al  aTiovia)  den  Rang  des 
-höchsten  Gutes  an.  Aristipp  setzt  die  Lust  nur  in  die  Geoiüthsbeweguiigen. 
Nicol.  Dam.  sah  die  Selbstverbrennung  des  Brahmanen  Zamanos  Chegau  in  Bar- 
gosa  (Haroche).  Die  Preussen  wunderten  sich  anfangs  über  die  Massen,  wie 
Jemand  einem  Abwesenden  durch  Briefe  könne  seine  Meinung  zu  verstehen  geben 
(Duisburg).  Der  Vornehme  wird  es  (nach  den  Preussen)  auch  nach  der  Auf- 
erstehung sein,  und  die  deslialb  mit  ihm  (wie  mit  dem  Geringen  die  seinigen) 
verbrannten  Sachen  wieder  mit  ihm  auferstehen  und  wie  früher  dienen  (Duis- 
burg) 132(j.  Die  Preussen  entsagten  (1249)  dem  als  Gott  verehrten  Curche  und 
den  Visionären  (Tilnssonen  und  Linguschouen),  die  die  Todten  auf  seinem  Rosse 
mit  einem  verzierten  Degen  in  der  Hand  zum  Himmel  fahren  sahen.  Die  Russen 
heissen  bei  den  Letten  (in  Livland  und  Kurland)  Kreewi.  Die  Budlasa  (gericht- 
liche Vorladung)  geschah  (in  Schweden)  durch  den  Rotschaftsstab  (s.  Stiernhöck). 
Vor  der  Empörung  circulirte  (1609)  zwischen  Ostjäken  und  Wogulen  ein  Pfeil 
(mit  eingeschnittenem  Götzen).     Der  Cruwe  oder  (uacli  Grünau)  Cyrwaite    sandte 


Peking.  159 

leben  (mit  durchsichtigem  Scheiuleib  bekleidet)  in  dem  Zwischen- 
räume zwischen  den  Welten  in  ewig  vollkommener  Glückseligkeit 
und  Unthätigkeit.  Wer  sich  nicht  rächt^  ist  nicht  gerecht  (wird 
nicht  geheiligt),  heisst  es  im  Sprichwort  der  Morlakeu.*)  Im 
Illyrischen  bedeutet  Osveta  Rache  und  Heiligung  zugleich  (s.  Fortis). 


seinen  Stab  als  Botschaft.  The  soul  on  its  departure  from  the  body  liad  to  pass 
through  the  regions  of  the  Seven  Powers,  which  it  cannot  do  unless  fully  ini- 
pregnated  wilh  knowledge  (Guosis) ,  otherwise  it  is  seized  and  swallowed  up  by 
the  dragon  fornied  rnler  of  thls  world  and  is  voided  through  liis  tail  back  agaiii 
upon  earth,  whore  it  aniniates  a  swine  or  other  brnte,  and  repeats  it  career  once. 
more.  But  if  filled  with  knowledge  it  escapes  the  Seven  Powers ,  trauiples  upon 
the  head  of  Sabaoth  (of  whom  they  say  he  has  the  hair  of  a  woaiau)  and  ascends 
to  the  eight  heaven  the  abode  of  ßarbelo,  the  universal  Mother  (s.  King).  Nach 
dem  Evangelium  St.  Philip  hatte  der  Todte  den  Gewalten  zn  beweisen ,  dass  er 
sich  allseitig  gesammelt  hatte  (durch  völlige  Enthaltsamkeit),  oder  musste,  wenn 
Nachkommen  zurückgeblieben  waren,  warten,  bis  er  sie  wieder  angezogen  hatte. 
Elias  (obwohl  keusch)  wurde  im  Thor  des  Himmels  zurückgewiesen ,  da  eine 
Dämonin  aus  dem  ihm  entfallenen  Samen  Kinder  gebildet  hatte.  Die  Priester- 
schaft des  Belinus  oder  Tibelinus,  als  Tifel  (nach  Masius)  oder  böse  Gottheit, 
erbte  (nach  Ausonins)  in  einer  druidischen  Familie  fort.  Der  im  Schaum- 
burgischen von  den  Mähern  angerufene  Woold  (s.  Kreussler)  heisst  Häwenhüne 
(Himmelsriese).  Als  die  Pagoden  des  Abgottes  Hercules  bei  Jettenburg  zerstört 
(durch  Karl  M.),  verehrte  der  Graf  von  Arnum  (in  Arnd)  Sonne  und  Mond  (mit 
Schweine-Opfern).  Wenn  die  Bauern  nicht  gethan  haben,  was  man  ihnen  geboten, 
so  hat  man  den  Leuten  das  Feuer  ausgegossen,  oder  sie  gefänglich  eingezogen 
(im  Amt  Trittau)  1561.  Montaigne  sah  (15SU)  neben  der  (vor  100  Jahren  ent- 
weihten) Hostie  (als  Beweis  der  Transsubstantiation)  ein  fleischfarbenes  Stück 
(nn  lopin  de  rougeur  de  eher). 

*)  Die  morlakischen  Hexen  nehmen  den  Kühen  die  Milch  weg  und  essen 
gebratene  Herzen  (s.  Fortis).  Den  von  den  Zauberinnen  (Vjestizc)  angerichteten 
Schaden  heilen  (bei  den  Moriachen)  die  Bahornize.  Wer  zweifelt,  hat  es  mit 
Beiden  zu  thun.  Die  Morlaken  (Mohr-Ulassen)  nennen  sich  (na<-h  Fortis)  Ulassen 
(vom  Meer  her).  „Die  geographischen  Namen  der  lateinischen  Schriftsteller  zeigen, 
dass  schon  zur  Zeit  der  römischen  Republik  die  slavonische  Sprache  in  lUyrien 
galt  (Promona,  Stlupi,  Uscaua,  Carpatius,  Dardani,  Zagora,  Jadera  u.  s.  w.)."  Der 
Morlache  rechnet  den  Rest  der  Nation  in  die  Klasse  der  Bodolo  (Pudel),  be- 
sonders die  am  Kanal  von  Zara  und  auf  den  grösseren  Inseln  Wohnenden.  Die 
Freunde;  die  am  Altar  geweiht  werden,  nennen  sich  (bei  den  Morlachen)  Pro- 
batimi,  die  Freundinnen  Posestrime  (Halbbrüder  und  Halbschwestern),  ähnlich  den 
Fratelli  guirati  in  Italien.  Die  Moriachen  durchschneiden  dem  Vampyr  (Vudko- 
dlak)  die  Kniekehlen,  uud  ein  Sterbender  verlangt  es  oft  von  seinen  Erben,  weil 
er    die    Lust    voraussieht,    das    Blut    der  Kiuder    zu  saugen.     Die  früher   Varaler 


160  Zweites  Kapitel. 

Auf  die  Frage  des  Königs  von  Sägal  (wben  water  is  boiled, 
it  makes  a  uoise,  as  if  it  said  chicbita^  cliitichita,  is  this  on  ac- 
coimt  of  tbe  sufterings  endured  by  living  beings,  who  are  in 
tbe  water '?)  antwortete  Nägasena:  „Tbe  water  is  not  alive,  nor 
in  tbe  water  is  tbere  any  tbing  tbat  is  alive/^  und  auf  den  Ein- 
wand: „But  tbe  seeptics  say,  tbat  tbere  is  life*)   in  tbe  water, 


genannten  Ardejer,  die  am  Flusse  Maro  wohnten,  neben  Daorisier  und  Pleoejer, 
wurden  durch  die  Römer  vom  Meer  in's  Gebirge  getrieben  (Strabo).  Italiener- 
Treue  (Lanzmanzvaviro)  gilt  als  Bezeichnung  der  Unredlichkeit  bei  den  Moriachen. 
Paramutz  (bei  den  Slawen)  trug  ein  Gesicht  auf  der  Brust.  Memel,  als  Rupeda, 
■von  ruba  oder  Grenze  (lith).  In  Schamaitien  verehrte  man  serpentes  (s.  Psendo- 
Guagnini),  Givojitos  patria  lingua  dictos,  tanquam  Peuates.  Serpentem  quadru- 
pedem  siib  nomine  Givosit  divino  houore  prosequuutur  (Counor)  die  Lithauer. 
Protrimpos  oder  (nach  Strykorski)  Patrimpos  wurde  in  Romowe  verehrt.  Willebrod 
zerstörte  (in  Walchern)  die  Statue  Wodan's  (s.  Eyndius).  Mercury,  the  giaut,  that 
is  Woden,  the  god,  erfand  die  Buchstaben  (s.  Kemble).  Nach  dem  Siege  über  die 
Thüringer  opferten  die  Sachsen  einer  Gottheit  nomine  Martern  effigie  columpua- 
rum  imitantes  Ilerculem,  loco  Solem,  quem  Graeci  appellant  Appollinem  (Widu- 
kiud).  Die  angelsächsicheu  Priester  (zur  Heidenzeit)  durften  nur  Stuten  reiten 
und  keine  Waffe  führen  (Beda).  Gerion,  moustruo  de  tres  cuerpos  que  alimen- 
taba  sus  bueyes  cou  carne  humana,  ediflco  un  castillo  enfrente  de  Cadiz,  y  le 
dio  el  nombre  de  Gerondo,  despues  de  haber  subyugado  ä  los  Espanoles  (Chri- 
stobal.  Fernandez).  El  rey  Abides,  libertado  muchos  vezes  de  un  modo  prodigioso 
de  la  saiia  y  persecucion  de  su  äbuelo  Gargoris,  y  heredando  su  Corona,  se 
propuso  reuuir  ä  los  Espanoles  en  sociedad.  Darius  verlangte  von  den  Char- 
tbagern,  dass  sie,  die  Menschenopfer  unterlassend,  die  Todten  verbrennen,  statt 
sie  begraben  sollten  (s.  Justin).     Der  Erde  wurde  geopfert. 

*)  Karma  includes  both  Kusala  and  Aknsala  (merit  and  demerit),  It  is  that,  which 
Controls  the  destiny  of  all  sentient  beings,  nach  buddhistischer  Ontologie  (Hardy). 
The  reward  of  good  actions  is  received  by  the  deceased  parents,  but  the  reward 
of  evil  actions  is  not,  weil  (wie  Nägasena  erklärt)  the  reward  of  merit  may  be  di- 
vided  and  a  portion  of  It  imparted  to  another,  but  that  of  demerit  cannot.  Demerit 
nn  account  of  its  littleness  cannot  be  received  by  another,  whilst  merit,  because 
of  its  greatness,  admits  of  participation  (Hardy).  The  crime  is  committed  (nach  dem 
Sadharmmarat  nakara)  not  only,  when  life  is  actually  taken,  but  also  when  there  is 
the  iudulgence  of  hatred  or  anger  (s.  Hardy).  In  der  südlich  von  Herthum  lie- 
genden Holzung  Mahle  befand  sich  ehedem  eine  s.  g.  Hexenpfütze,  ein  alter  ge- 
grabener Brunnen,  zu  welchem  ein  Hexenpfad  genannter  Weg  führte  (J.H.Müller). 
Die  bei  Nordheim  gefundenen  Stirnzapfen  eines  Bos  priscus  scheint  (nach  von 
Seebach)  durch  Menschenhand  abgeschnitten.  Quaud  l'äme  est  uue  fois  tomb^e 
dans  raltcrnative   de  la  vie  et  de  la  mort,  st  eile  veut    obtenir   la   doctrine,    eile 


Peking.  161 

they  tlierefore  forago  tlie  use  of  cold  water  and  use  it  only, 
when  it  is  warni;"  weiter :  „It  is  an  account  of  the  fierceness  of 
tlie  fire  alone,  that  these  noises  are  heard"  (Hardy).  Die  Gottes- 
kiiider  genannten  Schwärmer  (in  Norwegen)  predigen  mit  lest 
znsammengepressten  Augenlidern,  lieisse  Zährenströme  ver- 
giessend,  unter  convulsivischen  Zuckungen  (s.  Etzel)  und  eigen- 
thümlichem  Klang  der  Stimme.  Den  Leib  in  die  Erde,  die  Welt 
ist  zu  schlimm  für  dich,  sangen  die  Tater  an  der  Grube,  worin 
sie   Alte   begraben   (s.   Etzel).*)     Nach    dem    Lütticher    Mönch 


doit  interrompre  l'amour  et  eteindre  et  snppriuier  les  passions  et  les  desirs,  nach 
den  chinesischen  Buddhisten  (Klaproth).  A  man  from  one  lamp's  lights  another 
lamp,  without  by  so  doing  to  exstinguish  the  light  of  the  first  lamp  (erklärt  Na- 
gasena).  In  like  manner  the  Kaya  (the  body,  put  as  a  synonyme  for  dtma- 
bhawa),  though  it  does  not  pass  away  from  the  place,  where  it  is,  is  neverthe- 
less  prodiiced  in  another  place  (Hardy).  The  wind  causes  fowls  to  conceive 
(nach  buddhistischer  Ontologie)  and  the  sotind  of  rain  has  the  same  eflfect  npon 
cranes  (Hardy).  According  to  the  Nyaya-system  the  distinct  sorts  of  body  are 
1)  ungenerated,  as  the  gods  and  demigods ;  '2)  uterine  or  viviparous;  3)  oviparous; 
4)  engendered  in  fllth,  as  Worms,  nits,  maggots  etc.;  5)  vegetative  or  germina- 
ting  (Colebrooke).  The  sceptics  thaught,  that  some  living  thiugs  are  generated 
from  fire,  as  the  cricket  of  the  hearth,  some  from  stagnant  water,  as  the  gnats, 
some  from  sour  wine,  as  scripes,  some  from  slime,  as  frogs,  some  from  mould, 
as  worms,  some  from  ashes,  as  beetles,  some  from  plants,  as  caterpillars,  some 
from  fruits,  as  maggots,  and  some  from  putrifled  flesh,  as  bees  from  cattle  and 
wasps  from  horses  (Hardy).  Wenn  der  Königsstuhl  (in  Corveischen  Feldgerichten) 
zu  messen  war,  wurde  von  den  Frohnboten  und  jedem  der  Freirichter  eine  Hand 
voll  Asche,  ein  Kolben  (Klump  Erde)  und  ein  Stück  Ziegelstein  geworfen.  Wurde 
ein  Freirifhter  von  dem  (bis  Heinrich  des  Löwen  Zeit  fortdauernden)  Feldgericht 
einer  schlechten  Handlung  überwiesen,  so  musste  er  vierfache  Strafe  zahlen. 
*)  Manius  (Mania,  als  Larenmutter  der  Etrurier),  qui  mane  natus  (Varro) 
von  manare  (Festus)  oder  (bei  Servius)  manum  (gut)  euphemistisch.  Kruup  unner, 
kruup  unner,  de  Welt  is  di  gram.  Waren  die  Warnungen  des  heimlichen  Gerichts 
(bei  Wölpe  im  Braunschweigischen)  vergeblich  gewesen,  so  mussten  Alle  unter 
dem  Himmel  erscheinen.  Dann  kamen  die  Richter  und  Schoppen  mit  ihren 
Stricken  zn  ihnen,  gingen  dreimal  im  Kreis  herum  und  sprachen:  Wer  ein 
frommer  Mann  ist.  der  sitze  still.  Wer  sich  nun  einer  Missethat  schuldig  ge- 
wusst,  der  hat  wohl  aufstehen  und  daven  gehen  mögen,  und  durfte  ihm  Niemand 
folgen;  dann  hat  er  aber  damit  sein  Gut  verwirkt;  bleibt  er  aber  sitzen  und 
Richter  oder  Schoppen  kommen  zum  dritten  Mal,  so  werfen  sie  ihm  den  Strick 
um  den  Hals  und  henken  ihn  an  dem  nächsten,  dazu  bestimmten  Baume.  Es 
weiss  aber  Niemand,  wer  unter  den  Schoppen  der  Nachrichter  ist,  darum  darf 
Bastian,  Reise.  VI.  11 


;l^ß2  Zweites  Kapitel. 

kamen  riesenhafte  Weiber  ans  Ungarn  nach  Deutschland  (1369), 
die  sich  entkleideten  und  mit  Ruthen  oder  scharfen  Geissein 
schlugen,   geistliche  Lieder  singend.*)    Die   siamesischen   Mön- 


und  kann  man  es  ancb  Niemand  aufrücken  und  zumessen.     Wie  die  Juristen  den 
Hexenprocess  veranlasst  haben  sollen,  so  das  Institut  der  Leibeigensehaft  (Ratjen). 
Die  Juristen  von  Mevius  und  Balthaser  wandten  einzelne  Stellen  des  römischen 
Rechts  über    die  Interdicte  auf  die  Leibeigenen  an,   indem  sie  diese,  als  an  den 
Boden  gefesselt,  zu   den  unbeweglichen  Sachen  rechneten.     Nicht  minder  folgerten 
sie  aus  dem  römischen  Colonat  auf  die  deutsche    Leibeigenschaft"  (Vorschlag  zur 
Ä.ufhebung  in  Schleswig  und  Holstein  (1656).     Jede  der  Töverschen  oder  Zaube- 
rinnen (Ordell  is    de    straffe    des  Vueres)    in    Heiligenhofen  (s.  Brinkmann)    hatte 
ihren  Abgott  (Bliff-dar-nicht ,    Caisches,  Lucifer,  Saturnus)  1578 — 1583.     Im    ger- 
manischen Krieg  durchbrach  Tiberius  die  Grenzwälle  (aperit  limites).     Die  Stein- 
wälle der  Oberlausitz  sind  an  vielen  Stellen  verglast  oder  verschlackt  (s.  Schuster). 
Der    Gratenberg  heisst    (XVI,  Jahrhdt.)    Teut   (Peucker).      Qnando    Saturni    Stella 
quam  Graeci  <Pau'ovra  quasi  lucidam,  ipsi  Nvy.rovQov  seu  noctis    custodem    ap- 
pellant,    in    Taurum    ingreditur,    quod    trigesimo    quoque  fit  anno,   wird  auf  der 
jenseits  des  cronischen  Meeres  von  Britannia  aus  (nach  den  Carthagern)  beschifften 
Gegenerde  von  denen ,    die    Hercules  und    neben   ihm    Saturn    verehren,    ein  Fest 
gefeiert  (s.  Plutarchj.     Wegen    des    gegenseitigen    Hasses    der    Götzen  kam  es  bei 
den  Wenden  selten  zum  Schwur,  da  wer  beim  Schwur  einen  Gott  anriefe,    damit 
einen  andern  abschwöre  (s.  Wigger).      Radigast   oder  Radihast    wird    (Mater  Ver- 
borum)  mit    Mercur    verglichen  (als  Zuasarici).     Gerowst  wurde   in   Wolgast  ver- 
ehrt,   Prowe    im  Oldenburger   Lande  (im  Eichenhaine),    dessen  Priester  mit  dem 
König   richteten.      Goderac    war    Gott    der    Kiziner    (in    Mecklenburg)    zu    Kessln. 
*)  In    honour    of   Anna    Perenna  (Dido's    sister)    who    had   placed    herseif  as 
Nymph  nnder    the   waters    of  the   river    Mumicius ,    the    Romans  celebrated  (with 
iudecent  dances)  festivals  for  long  life  (annare  et  perennare).     Anna   Purna    devi 
er  the  goddess  of  abundant  (purna)  food  (anna)    is  represented  (at  Benares)  with 
füll  breasts,  feeding  the  Infant  Seva  with  a  golden  ladle.     Of   the   three  Assoras, 
which  Soandu  Comaura  conquered,  the  eldest  divided  himself  into  two  parts  under 
two  different  shapes,  as  the  peacock,  serving  to  ride  on,    and    the   fowl,    forming 
bis  Standard.     In  Gerhwal  (in  Kumaon)  the  superstition  of  Bedh  Hona  (becoming 
a    mark    to)    exists,    as   where    a    new    house    becomes    a    prominent    object,    the 
houses  overlooked  are  Struck  (bedh  luga)  and  cause  their  inmates  to  sick  and  die. 
In  cases  of  flts,  the  devil  is  driven  out  (in  Kumaon)  either  by  flogging  the    pos- 
sessed  with  nettles  er  by  fumigation  with  some  horrible  odour  (s.  Trail).     Accor- 
ding  to  the  Irish  sneezing  is  caused  by  some  of  the   aerial   spirits   attempting  to 
effect  on  entrance  into   the  body,  which  can  ouly  be   prevented    by   pronouncing 
a  blessing  on  the    person  thus    affected.     The    scottish    Water-Kelpie   often    takes 
the  form  of  a  horse.     Some  of  the  Pretta  (spirits)  live  (according  to  the  Milinda) 
on  the  outskirts    of   the  country  of  Racha  Khalia  (Raja  Gahu)    and   other    in    the 


Peking.  163 

che*)  müssen  sich   messiDgener  (statt  eiserner)  Rasirmesser  be- 
dienen. 


Wide  ocean  (half  under  water).  The  third  kind  abide  in  the  submarine  palace 
of  Wimane  Kapret,  the  fourth  on  an  island  the  fifth  are  Devatas  (or  happy 
spirits)  while  the  moon  is  on  the  increase,  and  evil  spirits  on  the  waue,  the 
sixth  are  devils  during  the  increase  and  Devatas  during  the  wane ,  the  seveuth 
are  happy  duiing  the  day  aud  miserable  duriug  the  night.  Chalatahana  con- 
ceived  by  drinking  the  water,  which  was  used  by  the  holy  priests  Asucha  Pana 
or  Isi  Lengkha  Tapana  for  bis  absolutions.  A  cow  drinking  of  bis  urine  brought 
forth  a  raonstre  (resembling  the  Richis)  with  a  front  of  horns  (performing  wonder- 
ful  thiugs  among  mankind).  According  to  Fuh's  Instruction  to  the  disciple  Onan, 
the  male  childreu  turn  (in  the  9th  month),  to  the  left  (in  the  womb)  and  the  female 
children  turn  to  the  night.  Airi,  the  ghost  of  a  person  killed  in  hunting,  is  belie- 
ved  to  haunt  the  forests  (of  Kumaon),  in  which  the  accident  may  have  occurred 
and  is  heard  from  time  to  time  hallowing  to  its  dogs  (Trail).  The  Acheri  or 
fairy  (the  ghosts  of  young  children)  cast  their  spells  (Chaya)  to  make  children 
sick  (in  Kumaon).  The  word  brou,  which  in  Tibet,  corresponds  to  the  Marong 
of  the  Siamese  (in  the  Zodiacal  names  of  the  yearly  circles)  siegnifies  thunder, 
meaning  the  fabulous  animal,  which  causes  the  eclipses  of  the  sun  and  moon  by 
eating  parts  of  them. 

*)  When  Buddha  went  abroad  with  bis  attendant  Ananda  that  he  might 
bless  the  world,  he  appeared  like  the  füll  moon,  accompauied  by  the  planet 
(Jupiter)  Guru  (according  to  the  Sadharmmalankare).  Buddha  is  called  a  moon 
to  the  three  worlds.  Having  beeu  cursed  by  his  father-in-law ,  the  moon  was 
pardoned  on  the  intercession  of  his  wives.  But  not  being  able  to  recall  his 
words,  he  could  only  mitigate  the  sentence,  sayiug:  „Thou  shalt  not  die,  but 
shalt  alternately  increase  or  deerease  in  perpetual  rotation"  (in  India).  The 
fixed  Stars  are  styled  (in  the  Hindu-Shastras)  Nakshatraloka,  that  is,  a  race  of 
celestial  beings,  who  are  supposed  to  come  down,  and  be  born  again  in  human 
frames.  after  a  flxed  period  of  their  airy  residence.  By  the  breathing  of  Kurma 
Kaja  (the  king  of  tortoises)  on  whose  back  the  mountain  Mandara  was  supported 
at  the  churning  of  the  ocean,  the  water  began  to  flow  aud  ebb.  Buddha  is  the 
Participle  of  the  root  budh  (meaning:  sciens).  Bauddhya  (in  Guua)  is  the  noun 
(sciencia).  Bodhi  is  the  adjective,  joined  in  the  word  Bodhisattwa,  as  the  being 
kuowing  by  excellence.  Gautama's  golden  cup,  when  (being  thrown  in  the  river) 
Struck  the  golden  cups  of  the  last  three  Buddhas,  the  Naga  king  (hearing  the 
noise)  said :  „Yesterday  there  was  one  Boodh,  to-day  there  is  another"  and 
(arising  from  his  sleeping  place)  repeated  stauzas  in  graise  to  the  Boodh  (according 
to  the  Malalengara-Woattoo).  When  Maha-Nat  (on  the  Elephant  Goremaygala) 
with  his  army  of  warriors  approached  the  Banyan-tree,  the  Naga-kiug  disappeared 
in  the  earth  and  covering  his  face  with  both  hands  went  to  sleep,  the  king  of 
Tawadeingtha  (swinging  his  shell,  in  which  he  had  blown  the  praises,  of  Buddha, 

n* 


164  Zweites  Kapitel. 

Der  Urgrund  des  wirkliehen  Daseins  *)  ist  Sein  und  Thun, 
ruhender  Stoff  und  bewegende  Kraft   des  (durch  die  Erde  oder 


over  bis  Shoulder)  fled  to  the  edge  of  the  world,  the  Brahraan-king  (holding  the 
white  iimbrella  by  the  end  of  the  handle,  as  if  still  over  the  priest)  made  oflf 
directly  to  his  own  country  and  the  Nats  all  fled.  Buddha,  left  alone  arnied 
himself  with  the  ten  virtues  and  (the  earth  having  born  witness  to  the  ofiferings 
made  only  in  the  State  Wathandria)  defeated  the  army.  Then  the  Nats  shouted 
victory  to  the  Nagas,  the  Nagas  to  the  Galongs  and  the  Galongs  to  the  Brahmans 
and  all  assembled  to  sing  praises.  Under  a  Leuluntree,  Gautama  enjoyed  him- 
self with  the  prospect  of  annihilation.  Of  the  two  sons  (Gotama  and  Bhara- 
dhwaja)  of  Karna,  king  of  Potala,  Gotama,  accused  of  the  murder  of  a  harlot, 
was  unjustly  impaled,  and  Baradhwaja  followed  his  father  (according  to  the  Ka- 
gyur).  As  he  dies  without  issue ,  the  twoo  sons  of  Gotama  (born  in  a  preter- 
natnral  manner)  inherit  and  their  desrendants  are  called  by  different  names  (An- 
girasa,  Surya  Vansa,  Gautam;- ,  Jkshwaku).  When  Amba  gave  the  kingdom  of 
Benares  to  Santa  (the  son  of  a  low  cast  wife)  the  four  princes  of  the  ükkaka- 
race  emigrated  (with  their  sisters)  to  found  the  town  of  Kapilawastu  (Kim- 
bulwat). 

*)  Tschuhi  sucht  aus  der  Zweiheit  den  Handlungen  des  Sein,  eine  frühere 
Einheit  dadurch  zu  entwickeln,  dass  er  die  Urkraft  aus  der  nebengeordneten 
Stellung  zur  Urmaterie  höher  hinaufrückt  zu  einer  übergeordneten.  Zuerst  ist 
die  ürkraft,  dann,  aus  ihr,  der  ürstoff.  Das  Absolute  oder  Taiky  (die  Urkraft 
oder  Ly)  ward  bewegt,  und  es  entstand  das  bewegende  Princip  (Yang),  sie  ward 
ruhig,  und  es  ward  das  ruhende  Princip  (Yn).  Aus  dem  Taiky  (den  höchsten 
Spitze)  entstehen  alle  lebenden  Wesen ,  alle  leben  durch  dieselbe.  Das  ICins  ist 
der  Lebensgrund ,  das  Zwei  die  Ursache  des  Werdens.  Yn  (Zurückgehen  und 
Beginnen)  und  Yang  (Vorwärtschreiten  und  Vollenden),  durch  den  Gürtel  des 
Paiking  eingeschlossen,  bilden  die  Tao  (Ordnung).  Der  Himmel  Tien,  als  der 
vorzugsweise  göttliche  Urgrund,  wird  gewöhnlich  Schang-ti  (der  erhabene  Herrscher, 
der  höchste  Herr)  genannt.  Der  Begriff  der  Urkraft  kann  nicht  definirt  werden. 
Der  Himmel  ist  unbeschränkt  erkennend  (tsong-ming).  Die  Geister  der  Ahnen- 
halle sind  Zeugen  von  Allem.  Des  Menschen  Schicksale  hängen  nach  Confutse 
von  seinem  freien  Thun  ab.  Die  alten  Kaiser  schon  schrieben  die  Verehrung  der 
Geister  vor,  besonders  die  der  Ahnen,  und  stellten  besondere  Beamte  für  die 
Besorgung  des  Cultus  an.  Alle  Menschen  sind  von  Natur  durchaus  gut,  und 
Tugend  und  Frömmigkeit  entspringen  ans  der  menschlichen  Natur  ganz  von  selbst, 
ohne  Absicht  und  Anstrengung.  Der  Mensch  kann  nicht  anders,  als  das  Gute 
lieben.  Nach  Kongtse  hat  der  Mensch  freien  Willen  und  ist  verantwortlich.  Da 
die  Tugend,  nach  Meng-tse,  auf  dem  Bewusstsein  ruht,  und  die  Erkenntniss  des 
Wahren  manchem  Menschen  etwas  schwer  wird,  so  kann  er,  wenn  er  nicht  sorg- 
fältig ist,  irren,  und  die  irrende  Erkenntniss  bewirkt  dann  auch  die  irrende  That 
und    das    Bewusstsein    verwirrt   sich    inimerniehr.       Tschuhi    (dem    das    bewegende 


Peking.  165 

die  versinnlicliten)  Yn  (der  Urstoff,  das  ruhende,  passive  Sein), 
das  durch  die  gebrochene  und  schwarze  Linie  in  den  Kua  dar- 
gestellt wird,  und  des  (durch  den  Himmel  und  den  Vater  ver- 
sinnlichten)  Yang  (die  Urkraft,  das  bewegende,  active  Sein), 
das  durch  die  ungebrochene  und  weisse  Linie  dargestellt  wird. 
Nach  den  Saturnsdienern  im  Norden  stammt  die  ipvxr]  vom  Mond, 
der  vovg  von  der  Sonne.  Durch  Demeter  (mit  dem  irdischen 
Hermes)  vom  Körper  getrennt  steigt  die  gereinigte  Seele  (im 
Schatten  der  Erde)  während  der  Eclipsen  zum  Monde  auf, 
dessen  schreckliches  Gesicht  die  noch  Ungereinigten  zurück- 
scheucht. Die  im  Monde  weilenden  Guten  wachen  (in  dcui^iovsg 
verwandelt)  über  die  Menschenangelegenheiten  und  geben  Orakel, 
bis  sie  gänzlich  absorbirt  werden  (in  träumerischer  Existenz, 
aber  bei  Fehltritten  neu  eingekörpert).*)  Leidenschaftliche  Seelen 


Princip  das  Gute,  das  ruhende  das  Böse  ist)  .»^chliesst  die  Freiheit  des  mensch- 
lichen Willens  (den  er  nicht  von  den  Natiirdingen  unterscheidet)  aus.  Wenn  die 
Tugend  herrscht  (nach  Kitse  im  12.  Jahrhdt.  a.  d.),  so  kommt  der  Regen  zur 
rechten  Zeit,  wenn  gut  regiert  wird,  so  ist  das  Wetter  heiter;  wenn  die  Sünde 
herrscht,  so  regnet  es  ohne  Ende  oder  tritt  Dürre  ein.  Confutse  schweigt  über 
die  Unsterblichkeit,  aber  später  stellte  man  wenigstens  für  die  Tugendhaften  ein 
künftiges  Leben  als  einen  Lohn,  und  für  die  Kaiser  als  ein  Recht  hin.  Die 
Ahnen  sorgen  als  Schutzgeister,  für  die  Ihrigen  und  es  wird  mit  ihnen  durch  An- 
rufungen und  Spenden  ein  enger  Verkehr  unterhalten.  Wenn  ihr  meinem  Willen 
nicht  gehorcht  (sagt  ein  Kaiser  des  14.  Jahrhdt.  a.  d.),  so  wird  unser  alter  Herr 
(ein  früherer  Kaiser)  euch  strafen.  Eure  Vorfahren  werden  euch  verlassen.  In 
China  wird  durch  die  Sünde  nicht  eine  persönliche  Gottheit  beleidigt,  sondern 
die  allgemeine,  unpersönliche  Weltharmouie. 

*)  Die  Lamas  haben  den  Tag,  an  dem  die  heidnischen  Leptchas  dem  Geiste 
des  Kintschindschanga  opferten,  als  öffentlichen  Festtag  in  ganz  Sikkhim  aner- 
kannt. Kartikeya  (whose  germ  was  nourished  in  the  Ganges)  having  been 
nursed  by  6  females  (as  son  of  Siva),  slew  the  giant  Tarika.  According  to  Ba- 
nyezid  Ansauri  (Piri  Tawreek  or  apostle  of  darkness)  founder  of  the  Rosheniah 
or  lUuminati  (in  Afghanistan),  the  great  mauifestations  of  divinity  ar  Pirs  or 
religious  teachers,  who  are  forms  of  divinity  or  rather  the  deity  himself.  Als 
der  Mond,  von  den  Nakschatra  bei  Daksha  %  erklagt  (weil  er  nur  der  Rohini  oder 
Aldebaran  beiwohnte),  die  Schwindsucht  angeflucht  erhielt,  verdarben  mit  seinem 
Verschwinden  alle  Pflanzen  und  Thiere,  bis  er,  durch  Baden  in  Saraswati  für 
einen  halben  Monat  erfrischt,  sie  mit  neuer  Kraft  durchgoss.  Als  Indra,  nachdem 
er  wegen  des  Mordes  Wertra'a,  des  siegreichen  Asnren  (mit  dem  er  Frieden  ge- 
schlossen), geflohen  und  sich  in  einem  Lotosstengel    im  Wasser  verborgen,   durch 


166  Zweites  Kapitel. 


wandern  in   der  Zwischenzeit  in   den»  mittleren  Raum   und  (als 
Tityi  oder  Typhoues)  stören  die  Orakel  (wie  Typhon  in  Delphi). 


das  Pferdeopfer  der  Rishi  von  der  Blutschuld  gesühnt  war,  nahm  er  seinen  von 
König  Nahuscha,  der  zur  Schlange  verflucht  war,  becetzten  Thron  wieder  ein. 
Das  Feuer  ist  aus  Wasser  geboren,  wie  die  Kshatryer  von  Brahmaneru.  Die 
sieben  Hishi  sind  (im  Bären  oder  Rikscha)  am  Himmel  zu  sehen,  wo  sie  den 
Wagen  des  (als  Drache  herausstürzenden  Nahuscha  ziehen),  drei  an  der  Deichsel, 
zwei  auf  jeder  Seite  (s.  Holtzmatin).  The  Bhotans,  whose  inroads  into  Assum 
are  now  checked  by  the  Abors,  obey  one  temporal  and  oue  spiritual  chief  If  the 
Mismis  come  down  to  Assam  they  worship  the  large  Caoutschuk  trees.  The  good 
principle,  adored,  besides  the  bad  principle  or  Poetgoet,  in  Tana  Boemboe,  is 
called  Batara  and  lives  on  the  mountain  Haulau-Halau.  The  inhabitants  of  the 
Mentawei-islauds  adore  an  evil  spirit,  whom  they  call  Sinetoe.  The  inscription 
of  Patoe-tulis  refers  (955)  to  processions  of  the  Lord  of  the  kingdom  Pakoean 
Padjadjavan.  On  the  tombs  of  the  Batas  stand  figures  in  attitudes  of  guardians 
with  arms  in  their  hands.  The  people  of  Nyas  declare  the  rain  to  be  tears  of 
a  god  above,  who  in  thunder  is  angry  with  the  god  below.  The  regalia  of 
England  consist  of  1)  St.  Edwards  staff,  2)  the  Sceptre  with  the  dove,  3)  the 
Sceptre  with  the  cross,  4)  the  queen's  ivory  Sceptre,  5)  the  queens  Sceptre  with 
the  cross,  6)  a  pointless  sword  of  mercy,  7)  the  two  other  swords  of  State,  8)  the 
Supertuuica,  9)  the  inner-dress,  10)  the  Surcoat  of  Crimson  Satin,  11)  the  open 
Pall,  12)  the  AmpuUa  and  golden  Eagle,  13)  the  Orb  with  the  cross,  14)  the 
king's  golden  spurs,  15)  the  hose,  16)  the  Armilla  or  bracelets,  17)  the  Sandais, 
18)  the  Spoon  for  the  oil,  19)  the  queen's  Ring,  20)  the  king's  ring,  21)  St.  Ed- 
wards crown,  22)  the  queen's  crowu,  23)  Imperial  State  crown  of  Queen  Victoria, 
24)  the  queens  circle.  Madhava,  after  stating,  who  bis  father,  mother  and  brothers 
were,  what  Sakha  he  foUowed,  what  Sutra  he  had  adopted,  added  hat  bis  family  des- 
cended  from  Bharadvraya.  According  to  Asvalayana  mariage  takes  place  with  per- 
sons,  who  have  not  the  same  Pravara,  that  is,  who  do  not  invoke  the  same  Rishis, 
as  their  aucestors.  According  to  Apastamba  marriage  in  the  same  gotra  (family) 
are  forbidden.  The  name  of  Charana  applies  to  those  ideal  successions  or  fellow- 
ships,  to  which  all  belonged,  who  read  the  name  Säkhä.  Gotra  (or  Kula)  or  fa- 
milies  existed  among  Kshatryas  and  Vaisyas,  as  well  as  among  Brahmans.  Cha- 
ranas  were  couflued  to  the  priestley  caste.  Gotras  depeuded  on  a  real  or  ima- 
ginary  Community  of  blood  and  thus  correspond  to  families.  Charanas  depended 
on  a  Community  of  sacred  texts.  They  were  the  living  depositaries  of  the  most 
sacred  heir-looms  and  with  the  exstiuction  of  a  Charana,  the  words  which  were 
believed  to  be  the  breath  of  God,  would  have  been  lost  without  the  hope  of 
recovery.  Members  of  different  Gotras  might  belong  to  the  same  Charana.  Wben 
a  member  of  a  Gotra  became  the  founder  of  a  new  Charana,  the  new  Charana 
might  bear  the  name  of  its  founder  and  thus  became  synonymous,  but  not  iden- 
tical  with  a  Gotra.     All  Brahmanic  families,    who    keep  a  sacred  Are,    are  suppo- 


Peking.  167 

Da  die  theorematischeu  Träume  sogleich  iu  Erfüllimg*)  gehen, 
bedürfen  (nach  Artemidorus)  nur  die  allegorischen  einer  Aus- 
legung (Büschenschütz),  Sei  gegrüsst,  neuer  Mond,  dass  du  alt 
werdest  und  ich  jung  bleibe  (bei  den  Esthen),**)  als  Begrüssung 

sed  to  descend  from  the  Seven  Richis  (Bhrigu,  Angiras,  Visvamitbra,  Vasishtha, 
Kasyapa,  Atri,  Agasti).  The  real  ancestors  however  are  eight  (Janiadagni,  Gau- 
tama  and  Bharadvaja,  Visvamitbra,  Vasishtha,  Kasyapa,  Atri,  Agasti).  The  eight 
Gotras,  which  descend  from  the  Richis,  are  again  subdivised  into  49  Gotras  and 
tbese  branch  off  into  a  farther  number.  Die  Kounama  (ShanguUa  oder  Baza)  ver- 
ehren Anna  als  höchstes  Wesen  (Halevy).  Die  Seele  (Achilma)  geht  beim  Tode 
nach  dem  Sennaar. 

*)  Above  the  lunar  constellations  (according  to  the  Puranas  is  the  planet 
Budha  (Mercury).  Then  follows  Siikra  (Venus)  and  then  Mangola  or  Angaraka 
(Mars).  Still  above  is  Vrihaspati  (Jupiter),  the  flrst  of  gods,  and  farther  above 
Sani  (Saturn).  Above  is  Ursa  Major  (the  sphere  of  the  seven  Rishis)  and  still 
above  is  Dhruva  (the  polar-star).  Above  is  the  sphere  of  Mahar-loka  (where  they 
dwell  one  kalpa  or  day  of  Brahma)  then  follows  Jana-loka  (the  dwelling  of  the 
pureminded  sons  of  Brahma),  then  Tapo-loka  (the  sphere  of  penances  of  the 
Vaibhrajao,  inconsumable  by  Are)  and  then  follows  Satya-loka  (the  sphere  of 
truth,  whose  inhabitants  never  die).  Tempore  Gasnevidarum  regem  quendam 
Buddhae  addictum  ipsam  urbem  Benares  possedisse  docet  inscriptio  (1021  p.  d), 
regis  Gaudae  (Bhnpalae)  filios  Sthirapalam  et  Mandapalam  obeliscum  in  honore 
Buddhae  erexisse.  Selon  l'Abhinichkramana  sutra,  Rahula  (Als  de  Sakya)  <?tait  ainsi 
nommt?  parce  qu'il  etait  venu  au  monde  an  moment  d'une  eclipse  de  lune  (chef 
d'une  des  premieres  sectes  qui  se  formerent  des  la  mort  de  Sakyamuni).  In  the 
flrst  quarter  of  the  Treta  Yuga,  the  daughters  of  Daksha  were  born,  of  whom  he 
gave  27  to  the  moon,  who  became  the  27  lunar  Asterisms.  From  this  union 
were  born  the  4  planets,  Mercury  or  Rohiiii  (therefore  called  Rohineya),  Venus 
(Magheba)  or  Magha,  Mars  (Ashadhababa)  or  Ashadha,  Jupiter  (Purvaphalguni- 
baba)  or  Purvaphalguni.  Saturn  originated  from  the  shadow  of  the  earth  at  the 
time  of  the  churning  of  the  ocean  or  the  war  between  Gods  and  giants.  Accor- 
ding to  the  Vedas  the  sun  is  born  of  fire,  in  which  he  enters  at  setting  and  is 
reproduced  every  morning.  Dodnnaeum  Jovem  etiam  Bodonaeum  appelarunt 
(Steph.  Byz.).  Selon  Pausanias,  il  y  avait  un  autel  de  Baut^s  dans  l'antique 
sanctaaire  d'Erecht^e  ä  Athenes,  et  on  ne  sacrifiait  rien  de  vivants  sur  l'autel 
du  parvis  (du  grand  Jupiter).  Bauta  (!tait  un  hardi  navigateur,  qui  avait  voyag^ 
par  toute  la  terre.  Tsi-tien  (the  vomitor)  vomited  up  the,  statue  of  Buddha,  wan- 
ting  one  leg,  as  the  strength  of  vomiting  failed.  Kinling  or  Chang-yu  in  pain- 
ting  two  dragons  on  the  wall,  did  not  touch  the  centre  of  the  eye,  because  the 
dragon  would  live  and  destroy  the  world. 

**)  Die  Insel   Dagoe   hiess    von   den    heiligen    Hainen  (Hio)    Hio  Maa  (Hain- 
land).     Kou  murristab,  der    Altvater,    donnerte    (bei    den    Estheii).     Der   jüngste 


168  Zweites  Kapitel 

des  neuen  Mondes.     Bei  Mondfinsternissen*)  lärmen  die  Chinesen 
um  den  Drachen  zu  verscheuchen.   Nach  Tsing-lai  ist  der  Himmel 


Sohn  erhielt  die  liegenden  Gründe  (hei  den  Esthen).  Störkodr  war  ein 
Esthe  (nach  Saxo).  Als  während  des  Aufenthalts  des  Missionar  Dietrich  in 
Esthen  eine  Sonnenflnsterniss  stattfand,  wurde  er  beschuldigt,  die  Sonne  zu 
fressen,  und  seilte  geopfert  werden.  Die  königliche  Salbung  wurde  in  Con- 
stantiuopel  durch  die  Lateiner  eingeführt,  indem  Constantin  Manasses  von  der 
Carl  Martell's  als  einer  jüdisch  fremdartigen  und  sonderbaren  Ceremonie  spricht. 
The  Baboon,  Cynocephalus,  denotes  the  Moon,  because  he  has  a  certaiu  sym- 
pathy  with  that  himinary  and  during  her  dark  quarter  sits  without  eatiug, 
his  eyes  flxed  upon  the  ground,  as  though  mourning  for  her  loss.  Also  he 
denotes  the  priesthood,  beiug  by  nature  circumcised  and  abhorriug  fish  and 
fishermen  (nach  Horapollo).  Der  Mithra-  und  der  Serapisdienst  bildeten  de  Re- 
ligion des  römischen  Kaiserreiches.  Commodus  wurde  in  die  Mithraica  ein- 
geweiht (nach  Lampridlus).  Mithra,  als  Führer  der  Amschaspands  (mit  Ormuzd) 
in  der  Sonne.  Im  Anfang  des  XV'llI.  Jahrhdt.  war  unter  den  Hirten  der  Mor- 
laken  das  in  Venedig  mit  cyrillianisrh-bosnischeu  Characteren  gebrauchte  Buch 
Di'vkovich's  verbreitet;  da  sie  aber  oft  den  Pfarrer  unterbrachen,  wenn  er  eine 
biblische  Erzählung  am  Altar  verstümmelte,  so  wurden  alle  Exemplare  aufgesucht 
und  vernichtet.  Die  Brüder  der  Jagua  von  Temeswar  bieten  dem  Woywoden 
Janko  von  Sebigne  (zur  Zeit  Scanderbeg's)  die  Braut,  wenn  er  einen  auf  eine 
Stange  gesetzten  Apfel  durchschlesst,  verlangen  aber  sonst  sein  Haupt  (bei  den  Mor- 
iachen). Die  Handgemenge  der  Moriachen,  die  oft  bei  Hochzeiten  stattfinden,  sind 
auf  Grabsteinen  (z.  B.  zwischen  Liubusky  und  Vergoraz)  eingehauen.  Der  Braut 
wird  (vom  Bariactar)  ein  Apfel  auf  einer  Stange  vorgetragen,  unter  des  Ciajus' 
Gesang,  und  Breberi,  Davori,  Dobra,  Frichia,  Jara,  Pico,  als  alte  Schutzgötter  der 
Moriachen.  Die  Römer  erhielten  den  persischen  Adler  durch  die  Etrusker.  Ludi 
a  Lydis  (Tertull.).  Auf  die  von  den  Moriachen  zum  Anbinden  an  ihre  Mützen 
oder  Ochsenhörner  als  Amulette  gekauften  Zettelchen  (Zapize)  pflegen  die  Priester 
auf  eine  erkünstelte  Art  Namen  der  Heiligen  zu  schreiben,  oder  Copien  der  älteren 
mit  neuen  Erfindungen  (s.  Fortis).  Anständige  Familien  erlauben  ihren  uuver- 
heiratheten  Mädchen  keine  anderen  Schuhe  zu  tragen,  als  die  um  den  Fuss  ge- 
wundenen Opanken,  die  oben  über  den  Knöcheln  zuschliesen. 

*)  Die  Capeen  frassen  (nach  den  Tawasten)  den  Mond ,  bei  Finsternissen 
(Sigfrid  Aron).  Rongotheus  bescheerte  den  Carelen  den  Roggen,  Pelleupecko  die 
Gerste,  Wierankannos  den  Hafer,  Egres  Erbsen,  Bohnen,  Rüben ,  Kohl  und  Hanf 
(s.  Aron).  Weden  Ema  (Mutter  des  Wassers)  schützte  die  Fische  (bei  den 
Carelen).  Die  Esthen  suchten  den  Frass  der  Sonne  oder  des  Mondes  durch 
gewisse  Worte  und  Beschwörungen  zu  hindern  (Hiärn).  Der  Mond,  der  Sitz  der 
Gottheit  bei  brasilischen  Indianern  ist  den  Hottentotten  das  Symbol  des  Fort- 
lebens (wie  anderswo).  In  Finnland  wird  Käkne  angerufen  (nach  Güldenstlop). 
Die  Esthen  begleiten  alle  Neujahr    den    Struhgötzen    Metziko    (der    das    Vieh    vor 


Peking.  169 

aus   zehn    halbdurchsichtigen    und   concentrischen   Hohlscheiben 
gebildet;  von   denen   die   neunte  die    acht  ersten,   die  die  Ge- 


wilden  Thieren  bewahrt  und  die  Grenzen  hütet)  aus  dem  Dorfe  hinaus  und  setzen 
ihn  an  ihrer  Grenze  auf  den  nächsten  Baum.  Der  Finnen  Tontus  entspricht  dem 
Pertmes  oder  Kouken  (bei  den  Esthen),  dem  gedient  wird,  damit  er  durch  fleissiges 
Zutragen  von  fremden  Getreide  die  Kasten  füllen  möge  (s.  Hiäru).  Fatali  nunc 
igne,  Signum  coelestis  irae  datum,  et  possessionem  rerum  humanorum  Transalpinis 
gentibus  portendi,  superstitione  vana  Druidae  canebant  (Tacitus),  beim  Brande 
des  Capitols  (I.  Jahrhdt.).  Quare  autem  solis  sacriflcio  eligendns  esset  verres  ex 
Edda  cognosci  poterit.  Nempe,  ut  solls  currum  equis  trahi  aliis  gentibus  creditura, 
ita  Septentrionales  verrem  currui  ejus  junxisse,  nomine  GuUinbuste,  hoc  est, 
setarum  aurearum,  qui  ex  pelle  suilla  in  fornace  per  pigmeum  esset  fabrefactus, 
„Freyo  verrem  donavit  per  aera  et  aquam  nocteque  dieque  velocius  longiusque 
equo  cursuum,  nee  tantas  unquam  noctis  tenebras,  ut  eo  praesente  neu  rol- 
lustreutur  circumjecta,  tantus  Setarum  fulgor  erat."  Friggae,  itidem  quae  et 
Venus  et  Magna  Mater  sive  terra,  verrem  eam  ob  causam  immolatum  fuisse,  veri- 
simile  est,  quod  rostro  suo  arationem  montalibus  mostraverit.  Frigga  porro  desl- 
derabile  niortalibus  nomen  dlcta  est  a  Frigan,  h.  e.  amare,  deligere,  verbo 
apud  Ulphilam  usitatissimo,  cujus  contrarium  apud  eundem  Scriptorem  est  figan 
(odisse).  ünde  flgande,  hostis.  Dicta  est  Freja  sive  Fröja,  a  Frö,  h.  e.  semen 
sive  virtus  seminalis  et  proUflea,  rerum  quippe  viventium  haec  alma  parens, 
eodemque  nutrix,  ut  propterea  Odini  sive  solis  conjux  merita  credita  est(Verelius). 
In  tbe  islandes  of  Maluco  onlie  is  found  the  bird,  which  the  Portingales  call 
Passaros  de  Sol  that  is  fowle  of  the  sunne,  the  Italians  call  it  manu  codiatas 
and  the  Latinists  paradiseas  (van  Linschoten).  Bei  der  Eroberung  Oesels  wurde 
das  Bild  des  Tarapilla  (in  der  Gestalt  eines  Vogels  oder  Drachens)  zerstört.  Als 
Anno  von  Sangerhausen  zum  Ersatz  der  Memelburg  heranzog,  hatten  sich  die 
Samen  in  einem  Verhau  aus  dicken  Bäumen  (ein  vil  grozer  Hagen)  verschanzt 
(nach  Alnpeke).  Ottokar  von  Böhmen  zerstörte  (1255)  ein  zweites  Romowe  am 
Pregelfluss,  Hess  die  Eiche  mit  den  drei  Götzen  umhauen  und  zerstörte  die 
Wohnung  des  Kriwe  (Mangolo),  sowie  der  "Wadelotten.  Nach  der  päpstlichen 
Bulle  (1252)  wurden  alle  in  den  Bann  Gethanen  oder  sonst  Bestraften  von  Bann 
und  Strafe  erlöst,  wenn  sie  (zur  Bekehrung  der  Liven  und  Preussen)  in  den 
Orden  traten.  Der  Bluotekirl  (Blutkerl  oder  Priester)  der  Sameiten  warf  (vor 
dem  Kriege  gegen  Kurland)  das  Loos  (nach  Alnpeke).  Der  Landmeister  krönte 
den  getaufteu  Mindowe  zum  König  von  Lithauen  (1252).  Aleps,  der  letzte 
Kriwe,  wurde  in  Königsberg  getauft.  Der  Ritter  Licbenzell  rerstörte  (1294)  das 
Romowe  genannte  Heiligthum  der  Sameiten  (mit  heiligem  Walde).  Nach  seinen 
Eroberungen  in  Russland  baute  der  lithauische  König  Gedimin  in  einem  heiligen 
Walde  Wilna  zu  seiner  Hauptstadt  (1320).  Die  Lilhauer  verbrannten  (133(?)  die 
von  den  Heidenfahrern  belagerte  Burg  Pillene  (oder  Gunjan)  nach  gegenseitiger 
Ermordung.      Als   Jagello   (Wladislaus)   als   Hedwig's   Gemahl    König   von  Polen 


170  Zweites  Kapitel. 

stirue  *)  einschliessen,  umfasst,  und  im  zehnten  das  Weltlieer,  von 
Göttern  und  Weisen  umgeben,  in  ewiger  Ruhe  thront.  Als  glück- 
bringendes Vorzeichen  hängen  die  Chinesen  das  Bild  eines  Man- 
darin auf,  mit  einem  fächelnden  Knaben  hinter  sich,  der  im 
Siegel-Character  eine  Rolle  trägt,  mit  der  Inschrift :  „Der  Himmels- 
beamte (Tien-Kouan)  verbreitet  Glückseligkeit."**)  Das  Ver- 
nunftgeld (aus  Papier)  wurde  im  XIII.  Jahrhdt.  verbreitet. 


geworden,  wurden  alle  Lithauer  getauft  und  das  ewige  Feuer  zu  Wilna  aus- 
gelöscht (1386).  Das  Königreich  der  Quiches  in  Guatemala  wurde  (1054)  djarch 
Balam-quitze  gegründet  (s.  Ximenez),  der  den  Gebrauch  der  Menschenopfer  für 
den  Gott  Tohil  einführte.  Die  in  Palenque  zusammentreffenden  Nationen  sym- 
bolisirten  sich  als  Bäume,  woher  der  Name  Quiche  (viele  Bäume)  abgeleitet 
wurde.  Badhbh  is  an  Irish  name  for  any  bird  of  prey  particularly  the  raveu. 
It  is  also  a  name  for  a  witch  or  enchautress,  and  in  modern  times  it  has  been 
applied  to  a  scolding  woman  or  virago  (s.  Cury).  The  prohibited  Mondays  in 
the  year  (according  to  an  Irish  Manuscript) :  The  flrst  Monday  in  April  on  which 
day  Cain  was  borri  and  bis  brother  slain.  The  secoud  Monday  in  August,  ou 
which  day  Sodom  and  Gomorrha  were  destroyed.  The  thirteeuth  (the  third 
Monday  of)  December,  on  which  day  Judas  was  born,  that  destroyed  Christ. 
Erat  quoque  quidam  mos  apud  illos  per  edictum  omnibus  intimatus,  ut  quicumque 
in  cunctis  regionibus  sive  procul,  sive  juxta,  in  illa  nocte  incendisseut  ignem, 
ante  quam  in  domu  regia  id  est,  in  palatio  Temoriae,  surcenderetur,  periret 
anima  ejus  de  popnlo  suo,  berichtet  Mocutenius  aus  dem  Leben  des  heiligen 
Patrick.  Le  genie  (sticheion)  se  manifeste  (chez  les  Greco-Slaves)  de  diverses 
manieres  dans  les  lieux,  qu'il  prot^ge,  tantot  il  apparait  sous  la  forme  d'un  serpent, 
tautot  uu  Souffle  aerien,  une  lumiere  nocturne,  re'velent  sa  presence  (Robert). 
Les  figures  de  la  Romaika  (des  th^ories  helleniques)  rappellent  les  d^tours  du 
Labyrinthe.  Les  Slaves  ont  modifle,  sous  le  nom  de  Kolo,  cette  antique  danse 
athe'nienne  (s.  Robert). 

*)  Die  Geburt  Christi  wurde  wegen  des  gleichzeitigen  Festes  auf  den  Ge- 
burtstag der  Sonne  oder  Mithra's  gelegt  (nach  Chrysostomos),  als  erste  Emanation 
des  Ormuzd.  Vacca  beschreibt  einen  vierflügigen  Löwengott  (mit  Schlangen),  der 
St.  Vitale  gegenüber  gefunden  werde.  Hactenus  multi  villani,  velut  pagani,  hie 
latices  seu  ignes  colit,  iste  lucos  et  arbores  aut  lapides  adorat,  ille  montibus  sive 
collibus  litat  (Cosm.)  in  Böhmen.  Nach  Helmold  wurde  den  Wagriern  das 
Schwören  bei  Bäurfien,  Quellen  und  Steinen  untersagt.  Der  Brief  des  Bischof 
Johannes  wurde  dem  Radegast  dargebracht. 

**)  Die  Blindschleiche  heisst  Schiessotter  (im  Hessischen)  weil,  sie  ein  Blatt 
in's  Maul  nimmt  und  damit  nach  den  Menschen  schiesst,  sie  zu  tödten  (s.  Hoff- 
meister). Unter  den  (egyptischen)  Ruinen  von  Bembe  (südlich  von  Limpopo) 
fände  sich  ein  Thierkopf    in  Stein,    ans    dem   Wasser    fliesst,    in  den  Ruinen    der 


Peking.  171 

Die  Braut  schickt  einem  sie  nur  aus  den  Beschreibungen 
der  Kupplerin  kennenden  Geliebten  den  Schuh  des  verkrüppelten 
Fusses  als  Zeichen  der  Schönheit  (von  der  Kaiserin  Takya  ein- 
geführt). Von  den  Städten  Yongschewfu,  Suschewfu  und  Kiang- 
non  werden  die  dort  erzogenen  Schönheiten  überall  hin  verkauft. 
Die  Hosen  werden  über  dem  Knöchel  zusammengebunden,  wo- 
•gegen  die  langen  Aermel  die  Hände  (mit  vorstehenden  Nägeln)  be- 
decken. Ausser  falschem  Haar  (das  natürliche  zu  verlängern) 
tragen  die  Damen  die  Figur  des  Vogels  Fong-whang  als  Kopf- 
schmuck. Nach  Confucius'  Bestimmung  muss  die  Kleidung  der 
niederen  Stände  von  dunkler  Farbe  (in  Eoth  oder  Blau)  oder 
schwarz  sein.  Nach  Theodectes  tragen  die  Völker  in  der  Farbe 
die  Kleidung  der  von  ihnen  bewohnten  Erdgegenden.  Die  Aende- 
rung  des  Sommer-  und  Winter-CostUms*)  wird  durch  den  Vor- 
gang  des  Mandarinen  bestimmt.     Bei  der  vorwiegenden  Reis- 


stadt BuDJaai  (am  Salis-FUiss)  Pyramiden ,  Sphinxe,  Marmortafeln  mit  Hiero- 
glyphen, sowie  ein  unterirdischer  Gang.  Uie  umliegende  Gegend  ist  von 
den  Kwarri-Kwarri  bewohnt,  die  Entfernung  von  der  Station  Vitalatlolu  sechs 
Wochen.  Den  Unterthanen  Serabanes  war  es  bei  Todesstrafe  verboten,  Weisse  zu 
den  Ruinen  zu  führen,  vor  denen  sie  grosse  Furcht  haben  (Cape  and  Natal  News, 
2.  August  1865)  nach  dem  Eastern  Province  Herald  (wie  Rev.  M.  Dohme  bei 
Durban  von  einem  deutschen  Missionär  der  Berliner  Gesellschaft  hörte).  Thnla- 
Fluss  in  Ost-Afrika  (bei  den  Schamba).  Goldfelder  bei  Manica  zwischen  Limpopo 
und  Zambese.  Marappo  Berg  bei  Mosilikatse's  Reich.  In  Mani  fütterte  der 
Priester  Uxmals  die  Schlange  mit  Zwergen.  Um  eine  Mauer  aufzuführen,  muss 
man  hinabgraben,  bis  man  festen  Boden  findet,  und  dort  eine  sichere  Stütze 
gründen  (nach  Vitruv). 

*)  .,Ich  habe  gut  gewaschen"  bedeutet  in  Californien:  „ich  habe  gut  ver- 
dient,*' „ich  habe  kein  Scheu,''  „ich  habe  keine  Aussicht"  (s.  Whymper).  Hortu- 
lanus  (XI.  Jahrhdt.  p.  d.)  veröffentlichte  die  tabula  smaragdina  (des  Alchemisten 
Hermes).  Wie  Osthanes  (über  Alchemie)  richtete  Olympiodor  von  Theben 
(V.  Jahrhdt.  p.  d.)  einen  Brief  an  den  armenischen  König  Petasios.  Da  die 
Metallverwandlung  besonders  in  der  Färbung  beruhe ,  rieth  Synesius  das  Innere 
des  Metalls  wiederholt  herauszukehren,  und  sich  nicht  mit  oberflächlicher  Färbung 
zu  begnügen  (s.  Kopp).  Zink  giebt  dem  Kupfer  eine  goldgelbe,  Arsenik  eine 
silberweisse  Farbe.  Der  Stein  der  Weisen  wirkt  als  Ferment  zur  Gährung  in  den 
Metallen  (nach  Hortulanus).  Mare  tingerem  (würde  auch  in  Gold  verwandelt)  si 
Mercurius  esset,  sagt  Lullus,  indem  die  köstliche  Medicin  (des  Steins  der  Weisen, 
der  zugleich  als  Panace  der  Verjüngung  dient)  bei  forgehender  Verdauung  immer 
kräftiger  wirkt  [wie  die  Dosen  in  der  Homöopathie]. 


172  Zweites  Kapitel. 

Diät  g-ilt  Hautgout  in  den  Fleischspeisen  (oder  halbausgebrütete 
Eier)  meist  als  pikant.  Die  Rückenschaale  des  Lung--mai  (Drachen- 
pferd), das  dem  Fu-ki  sein  Kua  überbrachte,  erinnert  an  die 
(zum  Loosen  und  Wahrsagen  gebrauchte)  Schildkröte,*)  die  dem 


*)  Nacli  dem  Pentsao-kang-mu  ist  die  gewölbte  und  gefleckte  Rücken- 
schaale der  Schildkröte  das  Symbol  des  Himmels,  die  flache  und  gestreifte  Bauch-* 
schaale  das  der  Erde.  Wasserschildkröten  hiesseu  früher  (in  China)  shiu-kuei 
(göttlich).  Muni,  der  Beiname  Sakya's,  meint  den,  der  durch  Busse  und  Kasteiungen 
die  Welt  überwunden  hat,  wie  tub-pa  oder  Mächtiger  (im  Tibetischen).  Säkya- 
muni  heisst  Schi-schi  oder  aus  dem  Geschlecht  (schi'j  des  Schi  (Schi-kia  oder 
Shakya).  Die  über  die  Gebeine  der  heiligen  drei  Könige  gestrichenen  Zettelchen 
heilen  Krankheiten  (wie  darauf  gedruckt  ist)  bei  festem  Glauben.  Für  die  Wunder- 
kräfte eines  musulmanischen  Gebetes  ist  (nach  den  Türken)  fester  Glaube  noth- 
wendig  (emma  möhkim  iti  gad  gerekdir).  Buddha  kann  alle  Wesen  retten,  aber 
Keinen,  dem  der  Glaube  fehlt  (nach  den  Sutra).  Ausser  den  periodischen  Spen- 
den beim  Cultus  der  Vorväter  opferte  Kungtsee  (nach  altem  Brauch)  etwas  von 
jedem  Mahl.  Amitäbhä  bewohnt  eine  der  höchsten  Buddha-Sphären,  die  Sphäre 
der  Akanishta  (Nicht-Jüngster  oder  Aeltester),  genannten  Sukawati.  Les  Tolteques- 
Caraibes,  qni  (sous  le  chef  Cara)  s'emparerent  de  l'empire  des  Vitznahuas  ou 
Qquichuas  (qui,  conservant  les  traditions  de  la  civilisation  des  Chichimeques, 
avaient  fondee  la  ville  de  Tiahuanaco,  pres  du  lac  de  Titicaca)  et  fonderent  la 
ville  de  Tapacri  (pres  de  Cuzco),  introduisirent  les  rites  d'anthropophagie,  jusqu'ä 
la  revolution  de  l'Inca  Manco-Capac,  qui  restitua  en  part  les  croyances  solaires 
des  Chichimeques.  Die  Tananas  gleichen  (nach  Whymper)  den  amerikanischen 
Indianern  des  Ostens.  Die  Indianer  am  Chilchal-Fluss  (in  russisch  Amerika) 
wandern  bis  nach  dem  Jukon  (znm  Fort  Selkirk).  Die  Ratten-Indianer  am  Por- 
cupiue-Fluss)  verkehren  (durch  den  Mackenzie-Fluss)  mit  den  Küsteustämmen. 
Die  Natter-Indianer  besuchen  die  Eskimo  der  Seeküste.  Apres  que  Tamoui  avait 
enseigne  aux  Guarinis  du  Paraguay  la  culture  du  Mais,  il  remonta  ensuite  au 
ciel,  accompagne  de  legions  d'anges,  qui  frappaient  en  cadence  la  terre  de  lourds 
pilon  de  bois  (servant  dans  les  travaux  d'agriculture).  Die  von  der  Hitze  auf 
der  Schildkrötenschaale  entstehenden  Bilder  (im  Pu  befragt)  spiegeln  den  Natur- 
zastand  im  Himmel.  Der  weise  Einsiedler  Wifwämitras  hatte  (um  mit  Brahma 
zu  wetteifern)  versucht,  Menschen  zu  formen  und  zu  beseelen,  hatte  es  aber  nicht 
weiter,  als  bis  zu  einem  unförmlichen  Kopfe  gebracht,  aus  welchem  ein  Kokos 
(Kau^ikas)  ward.  Ramas  (Makhaträtä  oder  Opferbefreier)  tödtete  (in  der  Ein- 
siedelei des  Wi^wämitras)  die  Dämonen  Subähus  und  Maritschas ,  die  den  from- 
men Einsiedler  stets  belästigten,  indem  sie  denselben  bei  seinen  Gebeten  Tind 
Opfern  störten.  Kinderlosigkeit  wird  von  den  Indiern  als  das  grösste  Unglück 
betrachtet,  indem  durch  die  Kinder  die  Sünden  der  Eitern  getilgt  werden  können. 
Der  abgehauene  Kopf  des  Sainhikejas  (Sohn  der  Sinhika  und  Bharani,  eine  ver- 
körperte Coustellation)  oder    Rähus  heisst    Tamäs   oder  der  Dunkle   (Grahas  oder 


Peking.  173 

Erfinder  der  Schreibekimst  die  ersten  Schrift-Elemente  bi'achte. 
Die  peruanischen  Priester  weissagten  aus  sprechenden  Idolen, 
aus  Worten  der  Todten,  aus  Tabaksblättern,  aus  Cocoasamen, 
aus  Maiskörnern,  aus  Thierkoth,  aus  den  Zeichen  des  Rauches^ 
aus  dem  Verbrennen  der  Opfer,  aus  dem  Kriechen  der  Spinne, 
aus  Gesichtern  in  der  Trunkenheit,  aus  dem  Vögelfiug-,  aus  der 
Fallrichtung  der  Früchte  u.  s.  w.  (s.  Baiboa).*)     Sollte  Tatha- 


der Verschlinger)  oder  Dewatädas  (der  Götterquäler) ,  der  Schweif  oder  Körper 
heisst  Mundas  (der  Kahle)  oder  Ketus.  Wie  der  im  Kampfe  für  den  Islaiu 
sterbende  Gläubige  gehört  (nach  Djaber)  auch  die  im  Kindbette  sterbende  Frau 
zu  den  Märtyrern.  Mohamed  wollte  (nach  Asma)  den  Railah  (le  coi't  du  mari 
avec  sa  femme  enceinte  ou  nourrice)  verbieten,  als  er  hörte,  dass  die  Rumier  und 
Perser  ihn  ohne  Schaden  übten  (s.  Perron).  Mohamed  erlaubte  die  Beschwörungen, 
wenn  sie  (ohne  heidnische  Zuthaten)  dem  Koran  entnommen  seien.  Nach  den 
Arabern  zeigen  sich  die  männlichen  Geschlechtszeichen  im  Foetus  früher,  als  die 
weiblichen.  Und  her  satzite  de  krüzevart  üfife  sente  Marcus  tac.  Do  wart  ein 
engel  gesehen  üffe  der  Sorseuburg  mit  eime  blutigen  swerte  und  du  di  krüzevart 
getan  wart,  de  stiz  er  iz  in  und  für  enweg,  an  di  selben  stat  liz  sancte  Gregorins 
setzen  ein  bilde  von  eime  mermelsteine  alse  ein  engel  gehowen,  und  wer  daz 
ane  sihit  der  hat  hundert  tage  apläzis,  also  dicke  her  ize  ane  sihit  (Herman  von 
Fritslar). 

*)  Im  Stande  der  Aufregung  muss  der  indianische  Priester  in  den  Arm  des 
Begegnenden  beissen,  um  durch  Blut  befriedigt  zu  werden.  Few  ofthe  natives  arouud 
Milbank  Sound  are  without  the  sears,  the  result  of  this  custora  (Brinton).  Hex 
vomitoria  (cassina)  and  Iris  versicolor  waren  die  hauptsächlichsten  von  den  hei- 
ligen Pflanzen  der  Creek  (s.  Hawkins).  Tobacco,  the  maguey,  coca,  the  chucuaco 
(in  California),  the  snake  plant,  ollinhiqui  or  coaxihuitl  (among  the  Mexicans), 
the  cassire  yupon  and  iris  versicolor  (among  the  southern  tribes  of  the  Union) 
were  used,  as  intoxicating,  and  uarcotic  herbs  (s.  Brinton):  Die  Frauen  in  Nica- 
ragua, die  bestimmt  waren,  in  den  Crater  des  Vulcans  geworfen  zu  werden, 
hofften  dadurch  auf  Erlösung  (nach  Andagoya).  Die  Priester,  als  Gebete  spre- 
chend, heissen  (bei  Homer)  d^rjrrj^ES  (Schoemanu).  Bauchredner  werden  Pythone 
genannt  (bei  den  Griechen).  Als  Ali  unter  dem  Felsstein  des  Brunnen  Derwan 
das  Querholz  nebst  einer  Sehne  mit  elf  Knoten  gefunden,  wodurch  Mohamed 
(nach  Aussage  des  Engels)  von  dem  Juden  Lebid  ben  Elasam  behext  war,  so 
offenbarte  Gott  die  Zufluchts-Suren,  aus  elf  Versen  bestehend,  nach  der  Zahl  der 
Zauberknoten  (s.  Kazwini).  Unter  Zemzema  versteht  man  den  brummenden  Ton 
der  Parsen  beim  Recitiren  ihrer  Gebete  und  das  Beumreiben  ihrer  Speise;  und 
der  Brunnen  Zemzem  wird  so  genannt,  weil  der  persiche  König  Sapor,  als  er  nach 
der  Kaaba  gewallfartet,  von  oben  auf  ihn  niederschaute  und  in  ihn  hnieinbrummte 
(peupema).      Die    Rechtfertigung    Aischa's    hörend,     wurde    Moliamed    von    einer 


174  Zweites  Kapitel. 

gata  *j  Jemand  wie  seines  Gleichen   behandeln,   so   würde  ein 
Solcher  seineu  Kopf  verlieren   (s.  Gogerley).     Wenn  nicht  auf 


Ohnmacht  ergriffen,  die  den  Ofifenbarungen  vorherzugehen  pflegte.  Man  hüllte 
ihn  in  seinen  Mantel,  während  des  Schreckens  der  Eltern,  die  möglicherweise 
eine  Bestätigung  des  anf  ihre  Tochter  geworfenen  Verdachtes  fürchtete.  Als 
aber  der  Prophet  wieder  zu  sich  kam  (den  Schweiss  von  der  Stirne  wischend), 
tröstete  er  Aischa,  das  ihn  ihre  Unschuld  von  Oben  enthüllt  sei.  Ueber  die 
Wasservertheiluug  des  aufgefundeuen  Brunnens  Zemzem  (durch  Abdelmottalib) 
sollte  die  Cahina  (Sibylle)  der  Kinder  des  Sad,  Sohn  des  Hodhaym  (aus  der 
Rasse  Codhaa)  befragt  werden.  Cette  femme,  regardee  comme  inspiree,  habitait 
avec  ses  pareuts,  daus  une  des  bourgades  de  Syrie,  couiprises  sous  la  denomination 
de  Mechärif-el-chäm  (Caussin  de  Perceval).  Als  Abdelm(*tallib,  seinem  Schwur 
gemäss,  sich  verpflichtet  glaubte,  seinen  Sohn  Abdallah  vor  den  Idolen  Iijaf  und 
Naila  opfern  zu  müssen,  rieth  ihm  die  befragte  Walirsagerin  (Arrafa),  die  in 
Khaybar  Umgang  mit  einem  Geiste  führte,  Kameele  zu  subituiren.  Fridlevus 
(bei  Saxo)  vernimmt  Nachts  aus  der  huft  .,sonum  trium  olornm  superne  clangen- 
tium,"  die  ihm  weissagen  und  einen  Gürtel  mit  Runen  herabfallen  lassen.  Ei- 
nige der  Wahrsager  (in  Fez)  bedienen  sich  der  Geomantie  (Punctirkuust),  andere 
blicken  in  eine  Schüssel  mit  Oel  oder  Wasser  (die  sie  auch  einem  Kinde  in  die 
Hand  geben),  andere  reden  durch  in  sie  gefahrene  Teufel,  besonders  die  Sahakat 
(Fricatrices)  genannten  Frauen  (s.  Leo  Africanus).  Die  Muhazzimim  (Beschwörer) 
exorcisiren  Besessene.  Die  Einwohner  von  Gualata  (in  Nigritien)  verehren  das 
Feuer  (Leo).  Durch  ein  mit  Stechapfel  (der  durch  Zigeuner  aus  dem  nördlichen 
Hiudostan  nach  Deutschland  gebracht  wurde)  bereitetes  Rauschmittel  schien  es 
Kaempfer,  als  ob  er  mit  seinem  Pferde  durch  die  Wolken  flöge.  Die  (XV.  Jahrhdt.) 
verfolgten  Hexen  meinten  nach  Einreibung  mit  einer  Salbe  durch  die  Lnft  die 
Teufelsgelage  zu  besuchen.  Solaneengift  erzeuge  das  Gefühl  des  Fliegens  (s. 
Wuttke).  Die  Kischiiisi-Zauberer  sind  Dabre;  der  Kranke,  vor  dem  eine  Schaale 
steht  (in  deren  Wasser  sich  Beeren  bewegen),  antwortet:  Eh. 

*)  No  such  thiug,  as  an  immaterial  or  immortal  spirit  is  recognised  by  the 
Buddhists.  At  the  death  of  any  one  being,  the  Karma  or  influencing  fate  of 
that  being,  is  transferred  to  another,  then  produoed,  and  in  fact  caused  by  that 
Karma.  And  tili  nirvana  or  extinction  is  attained,  there  is  this  repeated  trausfer 
of  the  merit  and  demerit  accumulated  during  an  unknown  period  by  an  almost 
endless  succession  of  similar  beings,  all  distinct  from  each  other,  never  contem- 
poraneous,  but  all  bound  by  this  singular  law  of  prodnction  to  every  individual 
in  the  preceding  link  of  the  chain,  so  as  to  be  liable  to  suffer  for  their  crimes 
and  to  be  rewarded  for  their  virtues  (Hardy).  Anitya,  Dukha,  Anatta,  tran- 
sience,  pain,  unreality  (so  the  devout  Buddhist  mutters  as  he  teils  his  beads) 
these  are  the  characters  of  all  existence  and  the  ouly  true  good  is  exemption 
from  these  in  the  attainment  of  nirvana  (Yule).  Ipse  ego  (nam  memimi)  Tro- 
jani  tempore  belli  Pauthoides  Euphorbus  eram,  sagte  Ovid  von   Pythagoras.     Om- 


Peking.  175 


Tsongkapa's  Schüler  zurückgefUbrt;  ist  die  Incarnation  im  Dalai- 
Lama*)   der  geistige  Sohn  der  in  Rin-po-tchsse.    Der  Character 


nia  mutantur  nihil  interit,  lehrte  Pythagoras.  I  am  Gotomo  Buddho,  the  Saviour 
of  being  men,  sagte  Sakya  in  dem  Buddhavansonr  (Turno).  Le  roi  Chi-lo-y-to 
(Qiläditya),  levant  uiie  nonibreuse  armee,  chätia  les  rois  de  quatre  parties  de 
rinde  (sous  le  titre  de  roi  de  Mokietho  on  Magadha)  et  ayant  appris  par  le  le- 
ligienx  bouddhiste  Hiouenthsang  le  chant  guerrier  (pour  celebrer  les  couquetes 
de  Tennpereur  de  Thsiii)  il  eiivoya  iine  lettre  ä  l'empereur,  qui  ordoniia  a  Liaiig- 
houi-king  de  se  rendre  aupres  de  lui  et  de  l'inviter  ä  la  soumission.  ^iläditya 
fiit  rempli  d'etonnement:  depuis  l'antiquite  (demanda-t-il)  est-il  jamais  venu  ici  un 
ambassadeur  du  Moho  Miutan  (Mahatchinasthärä)  „Jamais,"  repondirent  ils  tous 
ensemble.  ^iläditya  viut  lui-raeme  ä  la  tete  de  ses  niinistres  et  re(;ut  le  decret 
imperial,  le  visage  tourue  vers  l'orieut.  11  ofifrit  de  nouveau  de  l'hotsi  (mica 
laminaire)  du  parfum  yokin  et  l'arbre  pou-ti-chou  (bodhi  droumas  on  l'arbre  de 
riutelligence).  Apres  la  mort  de  (^liläditya,  l'ambassadeur  Ouang-hiauen-tse 
(646  p.  d.)  combattit  l'usurpateur  Nafoti-a-la-na-chun  avec  les  troupes  des  rois 
de  Toufan  (Tibet)  et  du  Ni-polo  (Nepal).  Les  rois  des  5  Indes  presentaient  leur 
hommages  (663  p.  d.)  des  ambassadeurs  arriverent  (713 — 714)  de  l'Inde  centrale 
et  de  l'Inde  du  midi.  Ils  demandereut  des  troupes  pour  chätier  les  Ta-chi  (Tazi 
au  Arabes)  et  les  Tou-fan  (Tibetains).  La  Chine  ayant  perdu  le  pays  de  Ho- 
loDg  (668 — '670  p.  d.)  les  rois  de  l'Inde  cesserent  de  venir  ä  la  cour. 

*}  Le  Buddha  vivaut  de  Hlassa  est  une  incarnation  diviue  son  pere  est 
appel^  pere  de  Buddha,  sa  mere  mere  de  Buddha.  Les  Tibe'tains  ne  fönt  en 
brouze  que  les  flgures  des  Buddhas,  qui  ont  quitte  le  monde,  tandis  que  Celles 
des  Buddhas,  qui  vivent  eucore,  sont  en  tsanpalou  pate  de  fariue.  Ou  coupe 
un  petit  morceau  de  ce  drogue,  Tsul-mou  (mere  des  enfants)  et  ou  le  place 
dans  un  Ghadhak  (monchoir)  et  daus  l'espace  d'une  heure  il  grandit  peu  ä  peu 
et  forme  une  autre  Tsu-mou.  Pendant  ce  temps-lä  on  pense  au  Dalai-Lama  en 
recitant  interieurement  des  priores  mysterieuses-adresse'es  ä  Buddha  et  on  forme 
son  Image  en  päte  de  tsonpa.  Elle  devient  ainsi  saiute  et  miraculeux  (Hyacinthe). 
Dans  la  salle  occidentale  de  mouastere  de  Baläla  on  voit  sur  du  beurre  l'em- 
preinte  de  pieds  et  de  mains,  qu'on  dit  proveuir  de  Zzong  Khaba  fondateur  des 
lamas  de  la  secte  jaune.  Depuis  son  temps  ses  empreintes  ne  se  sont  pas  d^- 
truites.  On  y  conserve  aussi  des  armes  (epees  et  fusils)  des  grauds  arcs  et  de 
longues  fleches.  Le  tribus  Ko-lo  inhabite  le  pays  des  Klang  (Tubetains)  entre 
Nitheou  et  Linkheou.  Les  Lamas  ä  bonnet  rouge  (Siamar  djaba)  se  marient.  Le 
Dalai-Lama  descend  d'un  rayou  de  lumiere,  qui  c'est  detache  du  corps  du  graud 
maitre  Kouanguo  et  s'est  incarne  daus  la  personne  de  Srongbzzan  gambo,  qui 
^pousa  une  princesse  de  la  maison  de  Thang.  Im  Toledoth  Jeschu  wird  Christus, 
der  alles  Holz  beschworen  hat,  an  einen  Krautstengel  aus  Juda's  Garten  gehängt. 
Ohne  das  günstige  Omen  der  Eulenart  Bakeker  wird  auf  Celebes  nichts  vorge- 
nommen.     Gunputty     or     Sree    Ganesa    vouchsafed    to    appear   (in    a    vision     at 


176  Zweites  Kapitel. 

für  Wahrsager,*),  Wu,  bezeichnet  (nach  dem  Schue-wen)  die 
verdrehten  Geberden  oder  Gesticulationen  einer  "Wahrsagerin, 
durch  welche  sie  die  Geister  herabkommen  lässt.  Das  Wort  Wu 
mit  einem  andern  Character  geschrieben  heisst  auch  tanzen  und 
allerlei  Gesticulationen  dazu  machen.  Einen  Monat  nach  der 
Geburt  erhält  **)   der  Chinese  den  Jouming  (Milchnamen) ,   dann 


night)  to  the  pious  Bramin  (Mooraba  Gosseyu)  of  Paona  (1640  p.  d.)  at  Chiiich- 
oor.  desiring  him  to  arise  and  bathe  and  while  in  th«-  act  of  ablution  to  seize 
and  hold  sacred  to  the  godhead,  the  flrst  tangible  substance  that  his  band  encoun- 
tered.  The  God  covenanted  that  a  portion  of  his  holy  spirit  should  pervade 
the  person  thus  favoured  and  be  continued  as  far  as  the  seventh  generation  to 
his  seed,  who  were  to  become  surcessively  hereditay  guar  dian  of  the  sarred 
substance  (a  stone,  in  which  the  God  was  to  be  iinderstood  as  mystically  typifled). 
His  flrst  successor  (1650)  was  his  son  Ghinto  Miin  deo  (Moor).  At  the  yearly 
festival  the  deo  is  carried  in  a  palkee  and  the  Peschwa,  nieetiiig  hira,  at  Gun- 
niskunda  (between  Chiuchoor  and  Poona)  alights  from  his  elepliants  and  kisses 
his  feet  (after  prostrating  himself).  By  divine  impulse  the  deo  Orders  a  certain 
quantity  of  rice  to  be  cooked  and  if  it  sufflces  for  the  crowd  assembled,  the 
year  will  be  fertile.  Gabajee  deo  prophezied  (1800)  that  in  tlie  war  with  France 
in  6  months  England  woiild  be  the  Victor.  Elliu  Menschen  sint  verlorn,  sie 
werden  dristunt  geborn  (Vrid).  Wenn  die  Menschen  nicht  dreimal  geboren  sind, 
so  sind  sie  verloren.  Imp,  a  shoot  of  a  tree,  a  cutting,  freqnently  used  for 
yonng  offspring  (s.  Halliwell).  Lockbands,  binding-stones  in  masonry  (Halli- 
well).  Vane,  dwelling,  home.  Went  from  wende,  to  go.  X^vaovv  eSacpoe  (Ari- 
stides),    goldene    Binde    (Canopus).     Cauopus    heisst    ein    Amykläer. 

*)  An  der  Spitze  der  Geisterbeschwörer  steht  der  Ssewn  (nach  dem  Tscheu-li). 
Die  Nan-wii  genannten  Geisterbeschwörer  opfern  den  entfernten  Geistern  ,  um  sie  her- 
beiziehen und  durch  ihre  Ehrennamen,  oder  mit  langen  Büscheln  zu  rufen.  Die 
weiblichen  Geisterbeschwörer  (Niu-wu)  rufen  bei  Dürre  Regen  herbei  (s.  Plath). 
Bei  Verträgen,  denen  der  Sseyo  vorsteht,  haben  die  Eidesleistersich  mit  dem  Blut  des 
Opferthieres  die  läppen  zu  bestreichen.  In  der  Wurzel  Gen^eng  steckt  ein 
Menschenleben.  Die  Menschen  mit  Geduld  und  Milde  zu  belehren,  für  unver- 
ständiges Thiin  keine  Rache  zu  nehmen,  das  bildet  die  Tapferkeit  des  Südens, 
und  ist  die  Gewohnheit  Solcher,  denen  höhere  Tugend  beiwohnt.  In  den  Waffen 
zu  liegen  und  furchtlos  dem  Tode  entgegengehen,  das  ist  die  Tapferkeit  des 
Nordens  und  die  Eigenschaft  kühner  Männer  (nach  Confucius)  Fremde  (Kwei- 
tsi  oder  Teufel)  heisseu  Fran-kwei  (ausländische  Teufel)  im  Canton-Dialekt. 
Chang-pau-tsai,  der  Führer  der  den  Handel  unterbrechenden  Piraten  (1809),  er- 
hielt (1812)  eine  militärische  Mandarinenstelle  und  stellte  die  Ordnung  her. 

**)  Heissen  die  Kinder  Pandavas  (oder  Pandus),    so  mnss  die    Mutter  (Drau- 
padi,  als  Tochter    des    Königs    von    Paukala)    entsprechend    Paudaia    (Tochter    des 


Peking.  177 

den  Clioiiming  (Schulnamen),  bei  der  Verheiratlmng  den  (bürg-er- 
licben)  Tze,   nach    der  Examination  den   Kouanmiug,   nach  fH) 


Herakles)  genannt  werden  (s.  Bachofen).  Die  Perlen,  mit  denen  Herakles  seine 
Tochter  schmückte,  führen  auf  Taprobane  und  die  gegenüberliegende  Küste  des 
Dekkhan  (die  Perlenfischereien  im  Golf  von  Mauar  der  indischen  Kolchier).  Nach 
den  Babyloniern  fielen  die  Blitze  von  den  Planeten  Saturn,  Mars  und  Jupiter 
(s.  Plinius).  Das  Licht  ist  (nach  Aristoletes)  eine  Bewegung  (KivrjOis).  Nach 
Manilius  brachte  der  Adler  die  geschleuderten  Blitze  an  Jupiter  zurück.  Une 
aigrette  electrique  brille  quelqnefois  ä  la  pointe  du  bec  des  corbeaux  par  un 
temps  orageux  (s.  Martin).  Der  Prester  ist  ein  zündender  Blitz,  der  verbrennt. 
Nach  Michel  Atal.  hielten  die  Byzantiner  (XI.  Jahrdt.)  den  Blitz  für  einen  Drachen. 
Zur  Zeit  des  arrianischen  Periplus  beherrschte  der  König  Pandion  das  Reich  der 
Kolchier  in  Süddekkhan  [Gemahlin  des  Vyaya  in  Ceylon].  MoSov^a,  ßaailsior 
LlavSiovos  (Ptol).  Krishna  herrschte  in  Mathura  am  oberen  Ganges  [als  schwarzer, 
im  Gegensatz  zu  Arjuna,  als  glänzend  weissj.  Alexander  brachte  den  Reit-Ele- 
phanten  des  Porus  der  Sonne  dar ,  als  Sohn  des  Jupiter  [Suryavansa  in  Lahor]. 
Inde  moutes.  Daedalos  regnaque  Cleophidis  reginae  petit.  Quae  quum  se  de- 
disset  ei  concubitu,  redemptum  regnum  ab  Alexandre  recepit;  illecebris  coose- 
cuta  quod  virtute  non  potuerat,  flliumque  ab  eo  genitum  Alexandrum  nominavit, 
q\ii  postea  regno  Indorum  patitus  est.  Cleophjs  regina  propter  prostratam  pu- 
dicitiam  scortum  reginm  ab  Indis  appellata  est  (Justin).  [Sandracottus  oder  Is- 
hander-kol  aus  dem  Geschlecht  Alexanders,  mit  den  Hörnern  des  Mondes  in 
Dhulharneim  oder  Chandragupta].  The  head-dress  of  the  Persian  genius  at  Parsa- 
gadae  is  a  striped  cap,  closely  fittiug  the  head ;  overshadowed  by  an  elaborate 
Ornament,  of  a  character  purely  Egyptian.  First  there  rise  from  the  top  of  the 
cap  two  twisted  horns,  which  spreading  right  and  left,  become  a  sort  of  basis  for 
that  other  forms  to  rest  upon.  These  consist  of  two  grotesque,  human  headed 
flgures,  one  at  other  side,  and  of  a  complex  triple  ornameut  between  them 
(Acinlus)  Monstres  (representing  evil  spirits)  on  Persian  gems  or  cylinders.  Pan- 
dion-Kota  (Kesideuz  des  Pandioniden-Geschlechts)  liegt  in  der  Nähe  des  Tempels 
Kalliar-Koil  in  den  Wäldern  von  Sheva  Gonga.  Die  Pandae  wohnten  in  Guzerat 
(zu  Megasthene's  Zeit).  ITavSovoi  am  Hydaspes  (b.  Ptol.).  Oppidum  Panda  in 
Sogdiana.  Gens  Pandae,  sola  Indorum  regnata  feminis  (Plin.).  Ilm'Saia^  als 
Tochter  des  Herakles  (b.  Polyaen)  und  nach  Megasthenes  (b.  Arrian).  Pandaea 
gensa  feminis  regitur  (Solin.).  Pandaean  gentem  femiuae  tenent  (Mart.).  Die 
Gens  (quae  appellatur  Pandore)  wird  (b.  Klesia)  neben  die  Marobier  (nach  Aga- 
tharchides)  gesetzt  (s.  Plin.),  als  Mandorum  (Pandorum)  gens  in  Calinga.  Die 
Die  Stadt  Sikyon  oder  Mekone  (seit  Agamemnon  im  Besitz  der  Pelopiden)  war 
von  Sikyon  genannt,  Bruder  des  Metion  (Grossvater  der  Metiadusa,  die  dem 
Cecrops  den  von  den  Metioniden  oder  Söhnen  des  Metion  vertriebenen  Pandion 
gebar).  Die  Dorier  unter  den  Herakliden  stürzten  die  Pelopiden.  Auf  die  Prasier 
(Palibrothas)  folgten  die  Megaller,  Asanger,  Pander,  Horter  (zwischen  Guzerat 
Bastian,    Rii.vc  VI.  12 


178  Zweites  Kapitel 

Jahren  einen  Ehrennamen  und  beim  Tode  den  auf  den  Tafeln 
gebrauchten.  Mit  dem  zwölften  Lebensjahr  gehörten  die  ohne 
Untergewand,  nur  mit  dem  Mantel  bekleideten  Knaben  *)  (rauher 


und  dem  Abfall  der  Ghauts).  Die  Serer  (östlich  vom  Ganges)  hielten  (nach 
Strabo)  5000  Elephanten  kriegsbereit.  Polyandrie  in  Tibet  (Turner),  bei  den 
Bhotias,  in  Nepal.  Nach  Ritter  wird  durch  ganz  Koorg  in  Hoclidekhan  die  Sitte 
der  Polyandrie  und  sporadisch  auf  dem  Hochlande  Dekhaus  bis  gegen  Cap  Ko- 
morin  angetroffen  (sowie  bei  mongolischen  Stämmen).  Uxores  habeut  deni  duo- 
denique  inter  se  communes  (Caesar).  Ehenmischungen  in  Hibernien  (s.  Strabo), 
wie  im  Kaukasus  (nach  Megasthenes)  und  bei  Kalatiern.  Nach  Polyblus  wählten 
bei  den  Lacedämoniern  drei  oder  vier  Brüder  eine  Frau  [dorischer  Hercules  in 
Indien,  als  Panduj.  Ein  Nair  mag  sämmtliche  Schwester  eines  ihm  nicht  ver- 
wandten Hauses  heirathen  (wie  die  Irokesen).  Freyja  (Yandis  oder  nympha  Va- 
norum)  ist  Herrin  (Fraujo  oder  domina),  als  Tochter  des  Niörd ,  mit  Skades 
vermählt.  Als  der  Panis  (pani  oder  Kaufmann)  oder  Dämon  Bala  der  alten 
Priesterfamilie  Angirasidan  die  Kühe  gestohlen  und  in  einer  Höhle  verborgen 
habe,  findet  sie    Indra    durch    die  göttliche  Hündin  Sarama. 

*)  Durch  ihre  grössere  Gewandheit  in  der  Gymnastik  besiegten  die  Böotier 
(bei  Leuktra)  die  Spartaner,  bei  denen  alles  Künstliche  in  der  Gymnastik  (wie 
es  die  Böotier  verwandten)  ausgeschlossen  blieb.  Philopomen  verwarf  die  _reine 
Athletik  (und  damit  verbundenen  Ringkampf^ ,  weil  die  dafür  geforderte  Diät 
unheilsam  sei.  Die  grosse  Schule  zu  Mykalessos  'Wurde  von  den  Thraciern  (nach 
Thukydides)  zertört.  Themistocles  lernte  Persisch,  um  sieh  bei  dem  Perserkönig 
vorstellen  zu  können.  Dentes  tantum  invicti  sunt  ignibus,  nee  cremantur  cum 
reliquo  corpore  (Plinius).  Nach  Lucian  war  die  Seele  unsterblich  wie  alles 
Andere.  Die  deutsche  Jugend  verdirbt  transcendirend  (nach  Herder).  Nach 
Krause  ist  in  der  Erziehung  besonders  die  dyyjpoia  zu  berücksichtigen,  als  die 
augenblicklich  richtige  Erfassung  des  betrelfeudeu  Gegenstandes ,  die  rasche  Auf- 
r.issung  des  Gi-istes,  besonders  in  schwierigen,  momentan  sich  darbietenden  Ver- 
hältnissen, da  schnelle  Auffindung  des  rechten  Mittels  zum  Zweck,  überhaupt  die 
psychische  und  somatische  Eutrapelie,  mehr  als  bisher  zu  berücksichtigen  und 
zu  erstreben  sein.  Dans  les  auciens  monuments,  la  figure  du  ve'nerable  Fohi 
participe  autant  de  Celle  du  singe  que  de  celle  de  l'homme  in  Tschong-Koue 
(Tho)  ou  le  royaume  du  centre.  Nach  Mengtseu  erstand  früher  in  800  Jahren 
immer  ein  grosser  König  (Wong)  und  in  der  Zwischenzeit  gab  es  berühmte  Ge- 
schlechter (Ming-schi).  Nach  Plath  hat  man  bis  zum  ersten  Jahre  der  Regent- 
schaft Kuug-ho  (841  a.  d.)  eine  sichere  Chronologie  und  der  Anfang  der  dritten 
Dynastie  lä.sst  sich  (nach  Gaubil)  1111  a,  d.  einsetzen.  Hoang  fumi  setzt  vor 
Yao  die  Regierungen  Fuhi's,  Schinnung's,  Hoangti's  und  Schaohao  u.  s.  w.  Die 
(iuanchos  nannten  den  ersten  Niederlassungsort  (des  Sartorius  auf  Teneriffa)  Icod 
(Alxanxiquian  oder  Hacxerax)  oder  Abcana.  Später  wnrde  unter  dem  van- 
ilalischen  Könige  Abis    in  Betica  eine  Colonisation  auf  Palma  versucht.     Vor  den 


Peking.  179 

Lebensweise)  zu  einer  ßova  naidiov  (mit  mehreren  T/.ai)  unter  Auf- 
sicht eines  ßovccyog  (bis  zum  j  6.  Jahrhdt.,  wo  sie  Iiösvvai  wurden 
und   MekXsiQevTeg ,  als   Aelteste).    Bei   der   Vermählung*)  muss 


Römern  fliehende  Afrikaner  schifften  nai'h  Fuerteveutura  (s.  Minutoli).  Leicht 
gebogene  Nasenform  findet  sich  am  Golf  von  St.  Blas  und  unter  den  Indianern 
der  Provinz  Imbabura  (von  Quito).  Zu  Athen  wurden  die  Gesetze  des  Charondas 
bei  Trinkgelagen  abgesungen  (nach  Hermippus).  "Wie  auf  Kreta  (nach  Aelian) 
lernten  die  römischen  Kinder  die  Gesetze  im  Gesang.  In  Athen  waren  die  Eumol- 
piden  die  Wächter  des  religiösen  Elements  im  Staate,  während  die  Eupratiden 
das  politische  sich  aneigneten.  Nach  Plato  sollte  das  "Windeln  (aito^yavov)  der 
Kinder  zwei  Jahre  dauern.  War  der  Schuldner  ausser  Stande  zu  zahlen ,  so 
wurde  er  (in  Böhmen)  der  Gewalt  seines  Gläubigers  übergeben,  prodan  (s.  Jirecek). 
*)  Hatte  sich  das  Finnenmädchen  bei  dem  gemeinsamen  Bade  am  Sonnabend- 
Abend  des  aus  fünf  Birkenbäumen  gebundenen  Strausses  (durch  Zaubersprüche 
geweiht)  zum  Peitschen  ihres  Körpers  bedient,  so  konnte  sie  ihr  Jawort  nicht 
versagen,  und  der  Bräutigam  säete  Roggen,  um,  wenn  das  erste  Bier  daraus  ge- 
braut war,  die  Hochzeit  zu  halten.  Thomas  von  Westen  predigte  (1716)  den 
Lappen  (bei  Drontheim).  Der  Indianer  auf  Vancouver  schneidet  sich  aus  dem 
Bauche  des  Fisches  hervor,  der  ihn  mit  seinem  Canoe  verschlungen  (Whymper). 
Manche  der  Masken  der  Aht  (in  Vancouver)  sind  mit  Schnüren  versehen,  um  die 
Augen  aufzuschlagen,  den  Schnabel  zu  öffnen  u.  s.  w.  Die  den  Eskimo  ähnlichen 
Malemuten  oder  Kaveak-Indianer  reinigen  sich  mit  Urin  (Whymper).  Die  Co- 
Yukon-Indianer  bewahren  die  Thierknochen  in  Verstecken  auf  (s.  Whymper).  Ihr 
Dialekt  gleicht  dem  der  Ingelete.  Am  Inkon  sind  Kiuderstühle  aus  Birkenrinde 
im  Gebrauch.  Die  Tanana  bemalen  sich  das  Gesicht.  Die  Wolwerene  wird  von 
den  Indianern  in  dem  von  den  Kotch-a-Kutchin  umwohuten  Fort  am  Jukon  (wo 
die  Dentalia  als  Werthschätzung  im  Austausch  gilt)  besonders  geschätzt,  weil  sie 
selten  ist,  während  die  Pelze  im  Handel  (der  Hudsons-Compagnie)  sich  werthlos 
zeigen  (Whymper).  Der  Missionär  Macdonald  predigte  in  dem  Handel-Kauder- 
welsch. Die  Lieder  des  Gesanges  am  Jukon  sind  den  jetzigen  Indianern  unver- 
ständlich. Markham  lässt  die  Eskimo  aus  Asien  stammen.  Die  Kreisform  der 
Hostie  ist  (nach  Aphonsus  de  Spira)  ein  Bild  der  Sonne  und  derselben  als 
Opfer  gebracht.  Nach  den  Talmudisten  waren  Abraham  und  die  Propheten  vom 
Genius  des  Saturn  (gut  und  rein)  begeistert,  Jesus  dagegen  vom  böswilligen 
Mercur.  Bei  den  Macrosiern  liess  der  Magus  den  in  Farbe  veränderten  Wein 
sich  vermehren  (s.  Epiphanius).  Die  Perser  hatten  Venus  Urania  oder  Mylitta 
als  Mithra  aufgenommen  [Mitra  in  männlicher  Wandlung  tödtet  die  Ochsen,  wie 
Durga  in  weiblicher  die  Büffel].  Serapis  (mit  Proserpina)  wurde  für  Jupiter  Dis 
(Aidoneus)  gehalten.  Dem  Nicocreon  (König  von  Cypern)  erklärte  sich  Serapis 
als  das  All.  Im  Cultus  trugen  die  egyptischen  Priester  die  KakavTiy.u  genannte 
Kopfbedeckung  (Yama ,  als  Kal-antika  oder  Zeitzerstörer).  Mithras  (Pileatu.s) 
wurde    für    christlich    ausgegeben    (nach   August).     Nach  Hadrian  waren  die  Ver- 

12* 


^80  Zweites  Kapitel 

das  Brautpaar  (der  Skoier)  um  einen  Wachholderbuscli  laufen 
(in  Norwegen).  In  der  Sonne  ist  das  Antlitz  Gottes  oder  Krist- 
junilia's  (nach  den  Fanten  in  Norwegen).  Als  helfend,  und  mit 
Zaubermacht  begabt,  treten  die  Taterweiber  (in  Norwegen)  eher 
befehlend,  als  bettelnd  auf  (s.  Etzel).  Einem  Laga  war  unter 
den  Samojeden  nur  erlaubt,  aus  den  Geschlechtern  des  Wanajita- 
Stammes  zu  heirathen  und  umgekehrt.'"-') 


ehrer  des  Serapis  in  Alexandria  zugleich  Christen  (b.  Vopiscus).  The  proper 
title  (of  Isis)  Domina  (Isi  im  Sansrr.)  siirvives  in  the  modern  Madonna  (Mater- 
Domina.  By  a  singnlar  permutatiou  the  flower  borri  by  eaeh,  the  lotus,  ancient 
emblem  of  the  Sun  and  fecundity,  now  renamed  the  lily,  is  iuterpreted  as  signi- 
flcaut  of  the  opposite  quality  (s.  King).  The  crnx  ausata,  testifying  the  union 
of  the  Male  and  Female  principle  and  denoting  fecundity  and  abundance  (in  the 
god's  band  in  Egypt)  is  t.ansformed  by  a  simple  inversion  into  the  Orb  sur- 
mounted  by  a  cross  and  the  ensign  of  royality.  In  classicai  Greek  the  original 
Cneph  becomes  Canopus  and  the  Canopic  Vase  is  often  figured  cutt  two  serpents 
as  heraldic  supporters  (s.  King).  Nechepsos  war  (nach  Ausonius)  Erfinder  der 
Magie.  Die  Iberier  verehrten  die  Sonne  als  Balsamus  (Bai-Samen)  oder  Himmels- 
gott und  Barbelus  oder  Sohn  des  Herrn  (s.  Hieron.).  Abraxas  oder  Abrasax,  als 
höchster  Gott  der  Rasilides.  Die  Samaritaner  sprechen  den  heiligen  Namen  Jave 
aus,  die  Juden  als  Jao  (nach  Theodoret).  Mit  dem  Mond  (Aah  oder  Joh)  identi- 
flcirt  zeigt  Thoth  neben  dem  Ibis  (Joh)  den  Crescent.  Mercur  begleitet  den 
Mond,  wie  Herakles  die  Sonne  (s.  Plut.). 

*)  Some  females  (of  the  Nut.)  are  always  set  apart  for  regulär  mariage. 
They  are  not  thaught  Performances  of  any  kind,  but  their  duty  to  the  tribe  is 
to  bear  as  many  children  as  possible  (Kay).  Members  of  the  sanie  tribe  (aniong 
the  Arnaouts)  do  not  intermarry  (Mackenzie).  Die  Skythen  bezahlten  dem  (.tdin 
jährlich  eine  Kopfsteuer,  jeder  von  einem  Denar,  damit  er  sie  gegentheils  gegen 
ihre  Feinde  schützen  und  den  Dienst  ihrer  Götter  erhalten  mögen  (s.  Krenssler). 
Wigerns,  Bischof  von  Brandenburg,  zerstörte  das  wendische  Götzenbild  Triglav 
(1139  p.  d.).  Bischof  Burkhard  nahm  den  Wenden  in  der  Lausitz  (1068)  das 
weisse  Pferd,  das  ihnen  heilig  war.  Dem  Ostar  (Monde)  wurden  Ochsen  geopfert 
(Paulus),  als  Irun  mit  Hörnern.  Das  Juelschwein  (b.  Arnkiel)  war  der  Hertha 
geopfert.  Der  Freigraf  (des  Vehmgerichts)  richtet  unter  Kiinigs  Panne.  Itsif, 
Sohn  des  Kotbeddln  (Statthalter  der  persischen  Seldschukken  unter  Barkjarok  und 
Sandjar)  machte  sich  unabhängig  in  Chuaresm,  und  sein  Urenkel,  der  ihm  folgte, 
Alaeddin  Tekesch  (in  Kriegen  mit  den  persischen  Seldschukken  und  den  Herrschern 
von  Karachta)  pflanzte  den  Halbmond  auf  seine  Fahnen  und  Zelte  (s.  Hammer). 
In  der  blutrothen  Fahne  der  Jnni-Tscheri  strahlte  der  silberne  Halbmond  und 
das  zweigeschlizte  Schwert  Omar's.  Die  Kleiländer  oder  Nudejander  (unter  den 
Samojeden)    Leissen    Malozenieljskije    l.aptandery    (Laptiuuicr    oder    Bewohner    der 


Peking.  lyj 

In  China  wächst  die  Ehrfurcht  mit  dem  Alter,  und  Kieulung 
(1785)  bestimmte,  dass  Alle  über  60  Jahre  (der  „beschlossene 
Kreislaut",  wann  bei  den  Tolteken  das  Betrinken  erlaubt  war) 
fünf  Schetfel  Eeis  und  ein  Stück  Tuch,  über  80  („Eingerostetes 
Gesicht")  zehn  Schetiel  und  zwei  Stück,  über  90  („Hinschleppung") 
30  Scheffel  und  zwei  Stück  Seide,  über  100  („den  Alters  Ende") 
50  Schetfel  und  ein  feines  Stück  Seide  nebst  einem  andern  zu 
zahlen.  He  ordered  all  the  eiders  to  be  enumerated  who  were 
at  the  head  of  tive  generations,  of  whom  there  were  192  and  in 
„gratitude  to  Heaven"  summoned  5000  of  the  oldest  men  of  the 
empire  to  receive  Imperial  presents  (Bowring).  Das  Alter  von 
50  Jahren  ist  der  „erkannte  Irrthum",  von  40  „die  politische 
Geeignetheit",  von  30  „Stärke  und  Heirath",  doch  werden  Ehen  *) 


Kbenen).  Die  Samojeden  nennen  sich  (im  Osten)  Hasowa  (Mensch)  und  (im 
Westen)  Nenezj,  die  Russen  heissen  bei  ihnen  Lutze,  die  Ostjäken  aber  Habig. 
Kinen  sterbenden  Liven,  der  für  sich  beten  lassen  wollte,  taufte  Bruder  pietrich, 
und  dessen  Seele  sah  ein  anderer  Neubekehrter  (sieben  Meilen  davon)  von  Engeln 
in  den  Himmel  tragen  (s.  Gruber).  Abt  Berthold  sah  (1188)  die  Seelen  der  von 
den  Saracenen  ermordeten  Mönche  von  Engeln  nach  dem  Himmel  tragen.  Der 
jüngste  Sohn  ist  (in  der  Pfalz)  der  geborene  Erbe  des  bäuerlichen  Anwesens 
(s.  Brenner -Schaeffer).  Während  die  Thiere  des  Hauses  den  Neckereien  der  Hexen 
verfallen,  quält  der  Drude  den  menschlichen  Bewohner  (in  der  Pfalz).  Der  Pflälzer 
Bauer  uimmt  am  liebsten  ein  greifbares  Object  (Würmer  oder  Krebse)  als  P^nd- 
ursache  der  Krankheiten  an  (s.  Brenner-Schaeffer). 

*)  Die.  Verheirathung  und  Begattung  der  Australier  findet  meistens  während 
der  wurmen  Jahreszeit  statt,  wo  die  in  der  Natur  gebotene  Nahrung  in  reicher 
Fülle  vorhanden  und  der  Körper  zu  wollüstigen  Regungen  disponirt  ist.  Die 
Watschandies  feiern  während  der  Begattung  in  der  warmen  Jahreszeit  das  Fest 
Kaaro  (s.  F.  Müller).  Nach  den  Ehegesetzen  darf  ein  bestimmter  Mann  nur  eine 
bestimmte  Frau  heirathen,  und  zwar  nur  aus  einer  bestimmten  Kaste.  Die  ans 
der  Ehe  entsprungenen  Kinder  werden  in  eine  ebenso  bestimmte  Kaste  gesetzt 
(in  Australien).  Wenn  während  des  Schlafs  der  Novizen  in  der  Hütte  des 
ürossvaters  die  Glieder  sich  nach  einwärts  strecken,  wird  die  Weihe  vollzogen 
(in  Neuseeland).  Im  Süden  Neuseelands  besitzen  manche  Stämme  eigene  Stöcke, 
in  welche  von  Geschlecht  zu  Geschlecht  Einschnitte  gemacht  werden.  In  Java 
nennt  sich  der  Vater  nach  dem  Erstgeborenen,  wie  Papa  Ramu  (Pa  Rama), 
Vater  des  Rama.  Unechte  Kinder  heissen  (nach  Wilda)  ünflathkinder  oder 
Hurenkinder  (von  horan,  der  Sumpf).  Mit  Einführung  des  Christenthums  wurde 
der  heidnische  Gebrauch  der  Letten,  die  Braut  gewaltsam  zu  entführen,  bei 
Todesstrafe  verboten  (s.  Einhorn).     Nach  Valerius  Maximus  durfte  sich  der  Schwie- 


189  Zweites  Kapitel. 

meist    schon    bei    20    Jahren    („die   beendete   Jugend"   auf   die 
„öffnende  Stufe"  in  zehn  Jahren  folgend)  geschlossen  (zwischen 


gervater  nicht  mit  seinem  Schwiegersohne  baden,  sowie  nicht  mit  den  anderen 
Söhnen.  Die  Frauen  wurden  von  Männern  in  den  Bädern  bedient  (nach  Mar- 
tialis)  und  Juvenal  spricht  von  den  daraus  folgenden  Obscoenitäten :  ..Callidus  et 
cristae  digitos  impressit  aliptes,  Ad  summun»  domijiae  femur  exclamare  coegit.'* 
Am  Fest  des  Johann  von  Luz  waren  die  Opferkränze  der  Frauen  (1602)  au 
einem  Kuchen  in  Phallusgestalt  befestigt  (nach  De  Lancre).  Phallovitraboli,  als 
Flasche  in  Phallusgestalt.  Irony  was  cousidered  a  falschood  (on  Pitcairn).  They 
could  not  See  the  propriety  of  uttering  what  was  not  strictly  true  for  any  pur- 
pose  whatever.  (Beechey.  1825).  Als  Thierry  die  Pitcairn-Insulaner  mit  einer 
Stimmgabel  singen  lehrte,  zeigten  Alle  gutes  Gehör  (s.  Brodle).  Refibulavit  tur- 
gidum  faber  penem  (Mart.)  Cutis,  quae  super  glandem  est,  acu  filum  ducente 
transsuitur,  später  mit  Einfügung  eiues  Ringes  (nach  Celsus).  Juno  fuit  pro 
üanymede  Jovi  (Mart.).  Nach  den  Statuten  des  serbischen  Zaren  Duschau 
(1347  p.  d.)  konnte  ein  Reisender,  dem  Nachquartier  bei  einem  Grundbesitzer 
verweigert  war,  sich  Irgendwo  im  Dorfe  einlogiren,  und  etwaiger  Verlust  war 
dann  nicht  vom  Wirtb  zu  ersetzen,  sondern  von  dem,  der  die  Aufnahme  ver- 
weigert hatte.  Bei  den  britischen  Schriftstellern  des  Mittelalters  (Gildas,  Nan- 
nius,  Giraldus  u.  s.  w.)  wird  unter  sinistralis  der  Norden,  unter  dextralis  der 
Süden  verstanden  (s.  San  Marthe).  Der  Wassailer's  Song  wird  am  Neujahrs- 
abend in  Gloucestershire  gesungen  unter  Zutrinken  (s.  Talvj).  Pro  certo  autem 
novimus,  Saxones  his  regionibus  navibus  adventos,  et  loco  primum  applicnisse 
qui  usque  hodie  nuncupatnr  Hadolaun  (Widukind).  The  Oriental  naturalists 
universally  agree,  there  are  forty  days  of  winter,  during  which  all  Vegetation 
whatever  is  suspended.  This  period  commences  in  December  and  ends  in  Ja- 
nuary  and  is  called  Chehallet  or  .,the  Forty"  (Brydges)  The  celebration  of 
the  Nurooz  and  the  celebration  of  the  Passover  take  place  precisely  at  the  same 
period  (Brydges).  The  Belt  of  wampun,  delivered  by  the  Lenni  Lenape  Ga- 
cheins  to  Penn  (1662),  consisted  of  eighteen  strings  of  wampum  formed  of 
white  and  violet  beads  worked  upon  leather  thongs.  In  some  places  the  ani- 
mals  (of  Wisconsin)  are  represented  not  in  relief,  but  in  incaglio,  not  by  a  mound, 
but  by  an  excavation  (s.  Lapham).  Wie  denn  sie  ahnfangs  ohne  gelt,  so  dieser 
ohrt  noch  nicht  gewesen,  die  wahren  mit  einander  vorfahren,  auch  anstatt  ihrer 
Muutze  die  Oehrlein  an  dem  grawergk,  so  man  Rehen  nennet,  gebraucht,  haben 
derwegen  die  teutschen  kaufleute  mit  dieser  völker  nachlass  und  willen,  eine 
Capelle  oder  Kirchlein  (Kergkholm)  erbawet  (s.  Grefenthaln).  In  Kordofan  wird 
eisernes  Geld  gebraucht  (nach  Holroyd).  Nach  Castren  heirathen  die  Finnen 
nicht  innerhalb  desselben  Stammes,  sondern  nur  ans  fremden  Stämmen.  Nach 
Athanarit  lebten  die  in  Felle  gekleideten  Finnen  von  der  Jagd,  wie  nach  Diaconus 
die\Skride-Finnen  (die  auf  Schlittschuhen  das  Wild  verfolgten)  und  die  Rene- 
Finnen.     Die,^von  dem  höchsten  Gott  Wainämöinen  nach  der  Gestalt  des   Bären- 


Peking.  183 

20—16  Jahren).  Mandarinen  zalilen  gewöhnlich  60CK)  Taels  für 
eine  Frau  fs.  Osborn).  Arme  entnehmen  oft  ein  Mädchen  den 
Findelhäusern,  um  es  im  Hause  als  künftige  Ehefrau  des  Sohnes 
aufziehen  zu  lassen.  Confucius  spricht  das  Kind,  das  zum  Besten 
seiner  Eltern  eine  Lüge*)  sagt,  von  Sünde  frei.    Der  Sarg,  den 


gestirnes  gebildete  Geige  (Kaudele)  bezauberte  die  Waldthiere,  Vögel  und  Fische. 
Nach  den  Finnen  war  von  der  Seele  der  Thiere  nur  die  der  Bären  unsterblich. 
Die  Permier  oder  Barmeser  besassen  das  Heiligthum  des  Gottes  Jomali.  Die 
Sprachen  der  Ungarn  und  Türken  gehören  zum  finnischen  Stamm.  An  intelligent 
Kandyan  chief,  with  whoiQ  Mr.  Bailey  visited  tlie  Veddahs,  was  perfectly  scan- 
dalised  at  the  utter  barbarism  of  living  with  only  one  wife  and  never  partiug 
until  separated  by  death.  It  was,  he  said,  just  like  the  wanderoos  (monkeys). 
On  being  shown  a  large  coloured  engraving  of  an  aboriginal  New-HoUander,  one 
declared  it  to  be  a  ship,  another  a  kangaroo  and  so  on,  not  one  of  a  dozen 
identifying  the  portrait  or  having  any  connection  with  himself  (Oldfleld).  A 
Kafifer  ou  being  shown  a  well-execnted  portrait  of  a  man,  has  been  known  to 
assert,  that  it  was  a  llon  (s.  Wood).  Unter  dem  Volk  der  Kesam  in  dem  Pa- 
lembangschen  Oberlande  auf  Java  dürfen  Mitglieder  desselben  Stammes  nicht 
unter  einander  heirathen  (um  die  Poyang  oder  Schatten  der  Vorfahren  nicht  zu 
erzürnen).  Die  unter  der  Erde  im  mühseligen  Leben  weilende  Seele  nimmt  (bei 
den  Papuas)  zeitweilig  ihren  Aufenthalt  in  dem  Karoswar  (ein  missgestaltetes 
Ilolzbild).  Die  Manawen  (unteren  Geister)  verursachen  plötzliche  Todesfälle.  In 
Australien  gilt  Verwandtschaft  auf  weiblicher  Seite  als  Ehehlnderulss.  im  Central- 
Asien  und  China  auf  männlicher.  Was  immer  dem  Munde  der  Eltern  ehrfurchts- 
voll dargebracht  wird,  das  geniesst  Wishnn  selbst,  denn  Hari  nimmt  die  Gestalt 
der  A-hnen  an  (nach  der  Krijajogasaras).  Die  Nichtverehrung  der  Vorfahren  ist 
ein  schwereres  Verbrechen,  als  selbst  Brahmanen-Mord.  In  Brandenburg  muss  das 
Brautpaar  über  einen  auf  die  Schwelle  gelegten  Feuerscheit  treten. 

*)  It  is  said  by  the  bramans,  that  it  is  not  a  crime  to  teil  a  lie  on  behalf 
of  the  guru  or  on  account  of  cattle  or  to  save  the  person's  own  life  a  to  gaiu 
victory  in  any  contest.  but  this  is  contrary  to  the  precept.  From  the  time,  that 
Gotama  became  a  Budhisat,  through  all  his  births,  until  the  attainment  of  the 
Budhaship,  the  never  t'old  a  lie ;  and  it  were  easier  for  the  sakwala  to  be  blowu 
away  than  for  a  supreme  Budha  to  utter  an  untruth.  To  take  that,  wich  be- 
longs  to  the  associated  priesthood  or  to  to  supreme  Budha  is  (in  theft)  the  highest 
crime.  Scepticism  is  (nach  dem  Säleyya-nftra-sanne)  the  root  or  cause  of  succes- 
sive  existence,  there  is  no  release  for  the  sceptic,  he  can  not  enter  the  paths, 
neither  can  he  enter  a  dewa-loka  (Hardy).  Though  a  mau  be  ever  so  wise,  when 
he  drinks,  he  becomes  foolish  (nach  dem  Päjäwaliya)  and  like  an  idiot.  The- 
refore  it  is  the  greatest  crime  (Hardy).  The  idle  man  will  be  deprived  of  all  means 
of  existence.  It  is  right  (nach  den  Ethics  of  Budhism)  that  children  should  re- 
spect   their   parents    and   perform    all    kinds    of  officer    for    them    (Hardy).     Der 


|y4  Zweites  Kapitel. 

die  Cliiuesen  gewöhnlich  schon  bei  Lebzeiten  *)  kaufen  oder  sich 
schenken  lassen,  wird   in  der  Grube  nach  der  Compasslinie  ge- 


Mond war  (bei  den  Egyptern)  zweigeschlechtlich.  Im  mythischen  Sinne  ist  der 
Mond  bei  den  Egyptern  männlich  und  weiblich.  Das  jüdische  Fest  der  Laub- 
hütten wnrde  auf  den  Dionysos-Dienst  bezogen.  Eins  der  Füsse  des  Aunbis 
zeigt  den  Huf.  Zacharias  erschrak,  im  Tempel  eine  eselstöpflge  Gottheit  se- 
hend (nach  Epiphanius).  Die  Juden  verehrten  den  Esel,  weil  er  sie  in  der  Wüste 
zu  Wasser  geleitet  (nach  Paut).  Der  Esel  war  dem  Bacchus  heilig,  weil  deu  (bei 
Wein  nützlichen)  Fenchel  liebend,  der  anderen  Thieren  Gift  ist  (nach  Plinius). 
Das  böse  Auge  abzuwenden,  setzte  Pisistratus  die  Figur  einer  Heuschrecke  auf 
die  Akropolis  (nach  Hesychins).  Der  mit  Neid  auf  Schönheit  geworfene  Blick 
iuflcirt  die  Luft  und  zeugt  dann,  die  Knochen  durchdringend,  Krankheit  (s.  He- 
liodor).  Buddha  Avatar  trat  in  den  Leib  der  Mahamaya,  der  Gattin  des  Suntah 
Danua,  Raja  von  Kailas  (nach  der  Inschrift  in  Islamabad). 

*)  Die  Fastenzeit  (In  Lithauen)  zeigt  sich  nachtheilig,  da  in  ihr  die  meisten 
schwer  Kranken  vorkommen  und  kaum  vor  Reeidiven  der  Nachkrankheiten  zu 
bewahren  sind  (von  Beuningen.)  Pythagoras  nannte  den  transcendeutalen  Theil 
seiner  Lehren  Fvioais  riov  dvxcov  (nach  Diogi.  Laert).  Die  t«  TtsQieQya  verwendenden 
Convertiteu  in  Ephesus  verbrannten  ihre  Bücher  (als  Megabyzae  und  Essener).  Die 
langen  und  verwirrenden  Genealogien,  vor  denen  St.  Paul  warnt,  bezogen  sich  (nach 
Matter)  auf  guostische  Emanationen.  To  the  Godhead  or  Supreme  deity  (the  au- 
known  father)  the  Gnostus  attributed  the  creation  of  the  intellectual  world,  the 
Intelligences  Aeons  and  Angels,  whilst  to  the  Demiurgus  they  refered  merely 
the  creation  of  the  world  of  matter,  subject  to  imperfectiou  from  its  very  nature 
(s.  King).  The  religion  of  Zoroaster  was  a  reformed  version  of  the  aucient  doc- 
trines  held  by  the  inhabitants  of  Esitene.  The  Pharisee  (Pharsi  oder  Persiau) 
or  Interpreters  set  forth  their  doctrines  in  the  Kabala  (traditions).  Nach  Ammian 
traf  Julian  in  Persien  eine  ganz  von  Juden  bewohnte  Stadt.  The  king  of  Light 
(the  Ancient  of  il  days)  is  the  infinite  (Eusoph)  in  the  Kabala.  Dass  Gläubige 
sterben,  war  Paulus  ein  Räthsel,  und  er  kann  den  Grund  imr  in  einem  Mangel 
an  Energie  des  christlichen  Lebens  finden.  Er  selber  hofft  deshalb  nicht  erst 
sterben  zu  müssen,  sondern  „überkleidet"  zu  werden.  Wie  vom  Tod,  so  musste 
der  Gläubige,  für  welchen  Gott  „den,  der  von  keiner  Sürwie  wusste,  zur  Sünde 
gemacht  hat,"  auch  von  der  Sünde  frei  sein.  Aber  diese  Consequeuzen,  die  das 
Denken  zog,  scheiterten  zu  offenbar  an  der  Erfahrung.  Darum  muss  Paulus  das, 
was  der  Tod  Jesu  nicht  an  sich  leisten  konnte,  von  der  Wiederkunft  Jesu  er- 
warten, wo  dann  Sünde  und  Tod  realiter  überwunden  sein  werden  (s.  Lang). 
In  der  Opfer-  und  Satisfactionslehre  ist  der  Tod  (die  nothwendige  Folge  der 
Endlichkeit)  Folge  der  Sünde.  Meraßaipstv  eh  trs^of  aiöjua  im  pharisäischen 
Auferstehungsglaubcn  (nach  Josephus).  Jesus  kehrte,  auferstehend,  sx  rcöv  re- 
XQtJjv  zurück  beim  Einzüge  in  Jerusalem  hatten  die  Jünger  Jesu  ein  plötzliches 
Üffenbarwerden  des  Gottesreiches  erwartet.     Wenn  der   Mensch    die    Vollkommen- 


Peking.  185 

richtet.  Die  Trauernden  setzen  dann  Schüsseln  mit  Gerichten, 
sowie  Theenäpfe  in  zwei  Reihen  auf  das  Grab,  wie  später  vor 
die  Ahnentafel.  Sobald  ein  Todesfall  eintritt,  verlassen  die 
Lappen  die  Hütte  (weil  die  Reste  der  zurückbleibenden  Seele*) 

heit  der  Tugend  erreicht,  steht  er  höher,  als  die  Engel  selbst  (nach  dem  Talmud). 
Der  Talmud  gebraucht  das  Wort  Satan  (Sammael  oder  ürschlauge)  für  Leiden- 
schaft, die  reizt  (in  proteusartigen  Gestaltungen).  Der  Mensch  wurde  allein  er- 
schaffen, und  so  hat  jegliches  Individium  das  Recht,  zu  sagen,  die  Welt  ist  meinet- 
wegen erschaffen  (nach  dem  Talmnd).  Gottes  Name  ist  unaussprechlich  (nach  dem 
Talmud)  und  er  wird  deshalb  nach  seinen  Eigenschaften  als  der  Barmherzige  (Rachmau 
oder  Rahmau),  der  Heilige  u.  s.  w.  bezeichnet.  Die  Seele  am  Throne  Gottes  kennt 
Alles,  aber  in  der  Stunde,  wo  sie  im  menslichen  Körper  geboren  wird,  berührt 
ein  Engel  des  Kindes  Mund,  das  Alles  vergisst,  was  gewesen  ist  (nach  dem  Talmud). 
*)  Ad  augendam  autem  in  daemones  -vel  natnras  spirituales  auctoritatem, 
necesse  ducebatur  sacerdoti,  ut  insitum  sibi  spiritum  atque  animum  ad  summum 
eveheret  extaseos  Stadium  (tulla  intoon),  vel  potius  spiritis  suo  tutelari,  daemoue 
suo,  qui  quemvis  hominem  per  totam  vitam  credebatur  comitari  totus  caperetur, 
quod  tulla  haltioihin  appellabant  (Rein).  De  simulacris  de  pännis  factis,  von  den 
Alrunen  (auf  dem  Concil  zu  Lesdain).  Es  war  bei  den  heidnischen,  unver- 
heiratheten  Weibern  ein  Aberglaube,  dergleichen  Puppen  so  lange  zu  behalten, 
bis  sie  sich  verheiratheten,  worauf  sie  der  Venus  geopfert  wurden  (s.  Kreussler). 
De  ligneis  pedibns  vel  manibus  pagano  ritu.  Unde  stoketin  ere  Swert  in  di  erdiu, 
uude  swuriu  darauf  (XII.  Jahrhdt.),  als  Ludwig  der  Springer  sich  den  Warberg 
bei  Eisenach  zuschwor  (s,  Roth).  Nach  dem  Vorfest  (am  Montag)  begann  das 
Fest  (den  Aufgang  der  Sonne  am  Hain  zu  erwarten)  am  dritten  Wochentag,  der 
der  Erdtag  heisst  (bei  den  Sachsen).  Winnfried,  der  Angelsachse,  berichtet  vom 
Tütsfest  und  Versöhnungsfest  in  Rom ,  wo  1237  Fegefeuer  und  Seelenmesse  ein- 
geführt wurde  (in  Thüringen).  Of  the  18  Brahma  heavens  in  the  flrst  Dhyana 
(Shan)  are  three :  1)  Fan  Chung  (Brahma  Kagika),  2)  Fan  In  (Brahma  Parohita 
3)  Tai  Fan  (Maha  Brahma).  In  the  second  Dhyana  are  3:  1)  the  Shan  Kwong 
(Parittabha),  2)  Moleung  Kwong  (Apramanabha) ,  3)  Kwong  yin  (whose  glory  is 
as  it  were  a  voice.  The  third  Dhyana  has  three  heavens,  1)  Shan  Tsing  Paritta- 
subha),  2)  Moleung  Tsing  (Apramana  subha),  3)  Pien  Tsing  (Subhakritsna).  The 
fourth  Dhyana  has  9  heavens :  1)  Fuhsing  (Anabhraha  or  happy  birth),  2)  Fuh- 
ugai  (happy  love  or  Punyaprasava),  3)  Kwang  Kwo  (extensiv  reward  or  Vrihat- 
phala),  4)  Moseung  (absence  of  cares  or  Avriha),  5)  Mofau  (absence  of  trouble 
or  Atapa,  6)  Moh  Jeh  (absence  of  heat  or  Rudrisa),  7)  Shen-Iu  (virtuous  appea- 
rance  or  Suelassana),  8)  Shen  Kin  (virtuous  right  or  Sumukha),  9)  Shikankeng 
(termination  of  former  Akanishtha).  Bischof  Benno  traf  (1066)  in  Meissen  auf 
Abgötterei  unter  den  Wenden.  Wegen  der  Heiden  (1074)  wurde  das  Kloster  in 
Saalfeld  gestiftet.  Die  Böhmen  holten  ihre  Geistlichen  oft  aus  Magdeburg,  wo 
in  einem  Kloster  Wendiseh  gelehrt  ward.     Obwohl  der  heilige  Wald  des   Zutibuv 


|(Sf>  Zweites  Kapitel. 

schaden  könnten)  und  kehren  erst  später  zurück  (Acerbi).  Mo- 
liesin  (mit  breiter  Mütze)  ist  der  Gott  der  Kiudestug-cnd.  Soe- 
Koue  (die  drei  Brüder)  werden  durch  drei  Figuren  unter  einem 
Baume  dargestellt.  Tsang-ta-ti  (der  Gott  der  Schiffbrüchigen) 
hat  Schuppen  auf  der  Kleidung.  Koueti  (der  General)  sitzt 
zwischen  seinem  Sohn  zur  Linken  und  dem  Krieger  Tou-tsong 
zur  Rechten.  Tiefi  (Göttin  der  See)  wird  von  einem  Fisch  ge- 
tragen.   Yan-se-tea,  der  Todtenrichter,  *)   trägt   auf  seinem   Sitz 


umgehauen  war,  tau d  Bischof  Werner  noch  Götzendieust  bei  Merseburg  (1070  p.  d.). 
De  auguriis,  vel  avium,  vel  equornm  vel  boum,  stercone  vel  stermitatioue  wurde 
(743)  das  Wahrsagen  verboten  (s.  Kreussler).  De  simulacro  de  cousparsa  fariua 
(nach  dem  Concil  von  Lesdain),  wobei  die  am  Julfest  gebrachten  Hörner  oder 
Trinkgeschirre  in  den  Bretzeln  nachgeahmt  wurden,  oder  die  Hornaffen  des  närri- 
schen Monates  Februar. 

*)  Der  Bonze  wird  in  der  Sterbestunde  zugezogen,  da  sich  dann  die  Trans- 
mutation bestimmt.  Um  Falkenstein  nimmt  die  Seelnonne  während  des  Leichen- 
zuges das  Stroh,  worauf  die  Leiche  gelegen,  und  zündet  es  an  dem  Feuer  au, 
welches  in  einem  alten  Hafen  bereit  gehalten  wird,  damit  die  Seele  des  Ver- 
storbenen zur  Ruhe  komme  (Lammert).  Beim  Abholen  einer  Kindesleiche  wird 
im  Eichsfeld  ein  Eimer  Wasser  nachgegossen,  damit  nicht  noch  ein  anderes  Kind 
stirbt  (s.  Waldmann).  Nach  den  Falasha's  darf  Niemand  im  Hause  sterben,  weil 
sonst  die  Seele  nicht  frei  zum  Himmel  schweben  könnte  (Flad).  Nach  Wulflstau 
(900  p.  d.)  bleibt  der  Todte  (bei  den  Esthen)  unverbrannt  bei  den  Verwandten 
für  ein  bis  zwei  Monate  unter  Festgelagen  liegen,  und  wenn  man  ihn  znm 
Scheiterhaufen  bringt,  werden  seine  Habseligkeiten  beim  Wettreiten  den  Gewinnern 
auf  den  raschesten  Pferden  zuertheilt.  Die  Körper  der  Märtyrer  von  Lyon  wurden 
durch  die  Heiden  in  die  Rhone  geworfen,  damit  sie  nicht  wiederkehren  könnten 
(s.  Blant),  als  abgeschiedene  Seelen.  Unter  Peter  Simeonovic  (f  967  p.  d.)  lehrte 
der  Pope  Bogumil  die  Ketzerei  bei  den  Bulgaren  (nach  Kosmos)  und  diese 
dualistische  Ketzerei  der  Bogumiliten  nahm  bald  zu.  Armenien  war  im  IX.  Jahr- 
hundert der  Mittelpunkt  der  Anhänger  des  Manichäischen  Dualismus  bei  den 
Paulikianern  (mit  Massilianern  und  Euchitern).  Nach  Petrus  Siculus  trafen  die 
armenischen  Paulikianer  (864  p.  d.)  Vorbereitungen  zur  Absendung  von  Predigern 
nach  Bulgarien  (s.  Hilferding).  Zimischi  verpflanzte  gefangene  Paulikianer  oder 
Manichäer  aus  Kleinasieu  nach  Philippopolis.  Im  XII.  Jahrhdt.  bildeten  die 
Bogumilen  (mit  dem  die  abendländischen  Häretiker  der  Kathaner  oder  Keimen 
verwandt  waren)  die  Mehrheit  der  Bevölkerung  der  Eparchie,  wie  die  Moglen  im 
mittleren  Macedonien.  Aus  der  bulgarischen  und  dregovicischeu  Kirche  waren 
(nach  Sacconi)  auch  die  Albigenser  genannten  Katharer  entsprungen.  In  der 
bulgarischen  Kirche  herrschte  die  neue  Dualismustheorie  mit  der  Annahme  des 
einen  guten  Gottes  (und  seiner  ßöhne  Satanael  und  Christus),   in    der  dregovici- 


Peking  1  <S7 

eine  viereckige  Mütze.  Fou-^in  (Gott  der  Feucrsbriinst)  hält 
einen  Discus  an's  Feuer.  Tiehoe  (die  Scbutzgöttin  der  Matrosen) 
wird  auf  ihren  Wegen  von  zwei  Dämonen  begleitet.  Zinhonel, 
der  Alles  sieht,  und  Tschilghe,  der  Alles  hört.  Kuan-hong  (die 
Flussgöttin)  sitzt  auf  dem  Wasser.  Man-tse-ang  (unter  einer 
Fahne  sitzend)  schützt  die  Ackerbauer.  Yeu-the  (mit  Gorgonen- 
Kopf  und  Kleidung)  schützt  das  Geschick.  Houlousezin  (Gott 
des  Reichthums)  sitzt  mit  Spitzbart,  Lomwong  (Gott  des  Wassers) 
mit  einem  Stabe,  Fou-lou-se  (die  drei  Propheten)  stellen  drei 
Figuren  dar,  worunter  einer  weissbärtig.  Pie-chei  (die  acht 
Propheten)  stellen  acht  Figuren  dar,  auf  einer  Terrasse.  Hou- 
Jain  (die  fünf  Heiligen,  die  über  die  Dörfer  wachen)  sind  fünf 
Damen  in  einer  Halle.  Fouzin,  Gott  der  Blumen,  sitzt  vor  einem 
Busch.  Kin-won-zee  (Gott  der  Schätze,  steht  mit  den  Händen 
in  den  Aermeln.  Ze  Kouon  (die  Sonne)  wird  dargestellt  durch 
eine  Figur,  die  die  Sonne  im  Schoss  hat.  Tie  ist  eine  bärtige 
Figur  mit  Heiligenschein,  Di  (die  Erde)  eine  Figur  mit  Glorie. 
Peo-the  (die  Sterne  des  Nordens)  bilden  sieben  Figuren  in  einer 
Wolke,  die  Verstorbenen  regierend  (rechts).  Ne-the  (die  seclis 
Sterne  des  Mittags,  die  die  lebenden  Menschen  beherrschen)  sind 
sechs  Figuren  in  den  Wolken  (links).  Yeu-Kouon  (der  Mond) 
trägt  einen  Mond  auf  der  Mütze.  Zwischen  Gefährten  steht  Noue- 
tse  (Gott  der  Sklaven),  und  mit  Flachmütze  Koue-yin  (Gott  der 
Armen).  Koue-sin,  der  grosse  Weise  des  Alterthums  (dessen 
Bild  auf  den  Pavillon  des  Confucius  gesetzt  ward)  wird  dar- 
gestellt durch  einen  eine  Feder  haltenden  Dämon.  Ya-wong 
(Gott  der  Medicin)  zeigt  sich  dickbäuchig  *)  (unter  einem  Baum). 


sehen  aber  (bei  Thessalonich)  die  alte  Lehre  des  wirklichen  und  unendlich 
bösen  Wesens  neben  dem  guten  (s.  Schmidt).  The  islanders  of  Flanninan  (in  the 
Hebrides  were  wout  to  make  three  long  prayers  to  their  saint  naked  are  they 
started  in  their  fowling  expeditious  (Cooper  Dendy). 

*)  Le  Portrait  ideal,  qu'on  trace  du  fondateur  des  Saougatas  est  celui  d'uii 
liomme  d'un  embonpoint  considerable,  avec  nne  petita  tßte.  Selon  le  Chan-hai- 
king  (livre  des  mers  et  des  montagnes),  aux  extr^mitös  des  mers  de  l'orient  et 
du  midi,  et  an  milieu  du  Kanchoui  (fleuve  d'eau  douce),  il  y  a  le  royaunie  des 
Hi  et  Ho.  C'est  lä  qu'il  y  a  de  jeunes  filles,  nommees  Hi  et  Ho,  lesquelles  se 
baignent  dans  l'abime  de  l'eau  douce,   lorsque   les   soleil   est   brulant.     Hi  et  Ho 


188  Zweites  Kapitel. 

Se-vee-ve  (die  drei  Buddha)  begreifen  Zuleve  (auf  Lotus),  Zekave 
(links),  Me-ngi-ve  (rechts).  Tea-tsan-to-keun ,  ein  Greis  auf 
Felsen,  ist  der  Gott  religiöser  Lehren.  Theniou  (der  Krankheiten 
heilende  Gott)  sitzt  auf  einem  von  Schweinen  gezogenen  Wagen, 
achtarmig,  die  Sonne  und  den  Mond,  sowie  Waffen  tragend. 
Wong-lien-kue  (der  Feuergott)  führt  ein  Schwert.  Ti-seu  (Gott 
der  Jahre)  ist  eine  sitzende  Frau  (mit  Begleitmädchen)  in  Hoch- 
niütze.  \  ing-tsang  (Gott  der  Gelehrten)  sitzt  unter  einem  Baume 
mit  Aufwärtern,  deren  einer  eine  Pergamentrolle  trägt.  Con- 
futse  ist  von  zwei  Schülern  begleitet.  Tetsou  (Gott  des  Donners) 
mit  einem  in  einem  Lotus  endenden  Schwert.  Tora  hau  tea  ti 
sitzt  unter  einem  Baume,  die  Todten  und  Lebenden  zu  richten, 
und  über  ihn  wird  ein  Schirm  ausgebreitet.  Zou-ze  (Gott  der 
Vorrathshäuser)  ist  rotY  gekleidet,  Ly-ze  (Gott  der  Buden)  grün. 
Louthe  sind  sechs  Figuren,  die  essend  und  trinkend  um  einen 
Tisch  sitzen  und  Lebeusgenuss  gewähren.  Sein-kwon-pan  (Gott 
der  Schwätzer)  reitet  auf  einem  Pferde.  Zii-i,  Gott  der  Glück- 
lichen, hält  einen  Zweig.     Kin-Ien  (Gott  des  Goldes)  hat  seine 


sont  les  etres  qui,  au  commencement  du  oiel  et  de  la  terra,  ont  produit  le  soleil 
et  la  luue,  et  qui  les  gouverneut.  11s  demeurent  dans  le  ciel  de  Khioung  saug 
et  ä  l'extremitt^  des  huit  termes.  Ils  pr^sident  au  soleil  et  a  la  lune  et  ils 
prennent  soiu  que  ces  astres  se  levent  et  se  couchent  tour  ä  tour  pour  produire 
le  jour  et  la  nuit.  Si  l'on  observe  le  ciel  avec  attention,  on  remarquera  que  les 
enfants  de  Hi  et  Ho  sortent  de  la  vallee  lumineuse,  une  fois  le  matin  et  uue 
fois  le  soir,  C'est  ce  que  Yao  avait  observe,  lorsqu'il  institua  le  tribunal  Hi  et 
Ho  pour  presider  aux  quatre  Saisons.  Selon  le  Chin-i-tian  (traite  des  esprits  et 
des  merveilles)  Yan  ti  chin  noung  (predecesseur  de  Hoang  ti)  est  le  premier  qui 
a  sacrifle  au  soleil  levant,  en  elevant  des  collines  entonrees  de  murs.  Selon  le 
Lon  sse  de  Lopi ,  Ti  ko  kao  sin  chi  eleva  des  tertres  et  des  collines  aux  fron- 
tieres  meridionales  de  son  empire  pour  y  sacrifler  au  Cbang  ti,  au  soleil,  ä  la 
lune,  aux  etoiles  fixes  et  aux  planetes.  Parmi  les  sacriflces  faits  sur  le  Kiao, 
celui  d'aller  au-devant  du  soleil  etait  le  plus  conside'rable.  Selon  le  romau 
(georgienne)  de  Tariel,  le  Soleil  (Mze)  est  l'astre  des  rois,  Saturne  (Zwalou  Zohra) 
celui  des  afflige's,  Jupiter  (Mouchthari)  doune  les  lois  au  monde  (comme  astre 
des  juges).  Mars  (Marikhi)  pre'side  aux  combats  et  aux  veugeances,  Venus 
(Aspiroz  ou  Zohal)  est  l'astre  des  medicines,  Mercure  (Otbarid)  celui  des  öcri- 
vains,  la  lune  (Mthware)  celui  de  la  couiparsion  (protegeant  les  amants  malheureux 
la  litterature  classique  du  Tibet  est  comprise  en  deux  compilations,  le  Kah-gyur 
(tradutioü  des  commandements)  et  Stau-gyur  (traduction  des  Instructions). 


Peking.  189 

Hände  erhoben.  Tikokounia  ist  das  Mädchen^  das  sich  stets  im 
Hauswinkel  findet  uud  durch  eine  aufstehende  Kopftracht  be- 
merkt. Ting-zie  (Gott  der  Brunnen)  steht  vor'einem  Brunnen,  Pean- 
chie  (Gott  der  Districte)  ist  violett  gekleidet,  Pean-fou  (Gott  der 
Provinzen)  grün.  Tea-po  (Gott  der  Polizisten)  rennt  mit  einer 
Flagge  einher.  Zin-wong  (Gott  der  Dörfer)  schreitet  über  eine 
Brücke.  Houhe  (zwei  Prophetenkinder)  sitzen  lächelnd  da,  mit 
einem  Lotus  in  der  Hand.  Tso-ka  (Gott  der  Küche)  sitzt  auf 
einem  mit  Schüsseln  vollgestellten  Tragbrette,  Lo-zin  ist  Haus- 
gott. Tschang-sie  ider  Prophet,  der  die  Kinder  in  die  Welt 
setzt)  ist  stehend  dargestellt  mit  einem  Kind  zu  seiner  Seite. 
The-see  (Gott  der  Blattern)  ist  roth  gekleidet,  Tsan-tsin-tse  ist 
Gott  der  Teufel,*)  U-tse-kouon  und  Tsun-su-peo  sind  die  Götter 
der  Lastträger  (im  Laotse-Tempel). 


*)  In  allen  übrigen  Gliedern  wie  ein  Mensch  geformt,  verräth  den  Teufel 
Bocksohr,  Hörn,  Schwanz  oder  Pferdefuss.  Von  einem  Valant  heisst  es:  „ev 
hat  viel  der  Hende,  an  des  Libes  Ende  einen  vreisliohen  Zagel"  (s.  Grimm). 
Wie  der  slavische  Triglav  Ziegenhäupter  hatte,  erscheint  (in  deutschen  Mytheu) 
Huldra  geschwänzt,  Bertha  mit  dem  Gansfuss,  der  Nix  mit  geschlitztem  Ohr, 
die  Nixe  mit  nassem  Kleidzipfel,  der  Held  mit  den  .'«Nchwanflügelu  (wie  Hermes 
mit  geflügelten  Füssen),  die  Wasserfrau  mit  dem  Schweif  einer  Schlange  oder 
eines  Fisches.  „Selbst  den  Riesen  bleibt  ein  Finger  und  eine  Zehe  über  die  ge- 
wöhnliche Zahl  hinaus"  (in  Neuseeland  zu  wenig).  Der  Antichrist  wurde  sieben- 
häuptig  gebildet  mit  Pferdefuss  (s-  Jappert),  wie  Röpke  mit  sine  seveii  köpp. 
Der  teuflische  Pferdefuss  kann  (nach  Grimm)  an  die  halbrossigeii  CVntauren  und 
an  die  altn.  nennir  erinnern.  Der  Schwanritter  Hellas  kehrt  auf  dem  Schiff, 
dass  ihn  hergeführt,  wieder  zurück.  Die  Gestalt  der  Bergfrau  Hulla  oder  Huldra 
(in  Norwegen  und  Dänemark)  wird  durch  einen  Schwanz  enstellt,  den  sie 
sorgsam  zu  verbergen  trachtet  (als  Königin  des  Huldrefolks.  Nach  den  Eskimo 
haben  alle  lebenden  Wesen  die  ^Seelenbegabiing  (Tarrak),  besonders  aber  die 
Vögel  (s.  Sgede).  Wie  alle  Dinge  und  Thiere,  hat  auch  der  Mensch  (nach  von 
Karen)  sein  Kelah,  die  Nachts  den  Körper  verlassen  kann.  Gute  und  böse 
Handlungen  werden  der  Thah  zugeschrieben.  The  kelah  is  supposed  to  possess 
seven  separate  existences,  excits  of  white  seeks  the  destruction  of  the  person  to 
whom  they  belong  (seven  in  one).  The  first  seeks  to  render  the  person  insane 
or  mad,  the  second  produced  reckless  folly,  the  third  produces  shamelessness  and 
seem  to  be  the  origin  of  the  libidiuous  passions,  the  fourth  produces  anger  and 
the  passions,  like  which  result  in  cruelty  and  acts  of  violence,  murders  etc.  Die 
Kelah  hönnen  indess  keinen  Schaden  thun,  so  lange  der  Tso  seinen  Sitz  auf  dem 
Scheitel  des    Hauptes   bewahrte,    (s.    Gross),      unter   den    Druiden    erscheinen    die 


190  Zweites  Kapitel. 

Der   Verstorbene/-')  „der  die  Welt  gegrUsst  bat/'  wird,  mit 
seinen  besten  Gewändern  beiileidet,  in  dem  weiss  ausgescblagenen 


Senani  als  eine  besonders  erhabene  und  geweihte  Srhaar  oder  Institution  (auf 
den  Volksstamm  der  Senones  übergehend),  am  lieiligen  Sena-Flusse  (und  Sem- 
nonum  silva)  sitzend  (s.  Eckstein).  Im  irischen  Druidismus  und  Bardismus  wird 
der  Seannacha  oder  Kanuacha  als  der  Alte  aufgefasst.  Nach  Ktesias  hatten 
die  Pygmäen  Indiens  langes  Haar  und  grossen  Bart.  Die  21  Verwandlungen, 
die  der  Barde  in  dem  Mabinogi  aufzählt,  werden  von  Davies  für  den  Kreislauf, 
der  Seelenwanderung  oder  für  die  Stufen  der  Einweihung  gehalten.  Nach  Segura 
(XIII.  Jahrhdt.)  Hess  sich  Alexander  in  einen  Glaskasten  hinab,  um  die  Lebens- 
weise der  Fische  zu  erforschen.  Merddin,  Sohn  des  Morvryn.  oder  Merddin  der 
Wilde  (der  wälschen  Barden)  wird  identiflcirt  mit  Merddin  Emrys  odea  Merlin 
Ambrosius  (bei  Nennius  oder  Gottfried  von  Monmouth).  Merdin  Emrys  ercheint 
(480)  als  Knabe  zu  Vortigern  und  (57U)  Merddin  ab  Morvryn  am  Hofe  des 
Rhydderoh  Hael  als  alter  Mann,  Laloi  kan  (llallogan  oder  Zwilling  genannt. 
Wie  Merddin  seine  Schwester  Gwenddydd  berichtet,  sollen  nach  Kadwaladr's 
glänzender  Herrschaft  Kyndav  und  Katrav  kommen.  Dann  wird  der  Himmel 
auf  die  Erde  fallen,  es  wird  keine  Könige  mehr  geben  nnd  das  Ende  der  Welt 
ist  nahe  (nach  Llwyd).  Die  wunderbare  Geschichte  Arthurs  und  seiner  Tafel- 
runde wurden  (1077)  durch  die  Nachkommen  Howel  des  Guten  aus  der  Bre- 
tagne nach  Südwales  gebracht.  Kradwaladr's  Tod  wird  dem  Schlage  des  Barden 
Golydann  zugeschrieben.  Bei  Nimiki,  king  of  the  gods,  als  Titel  des  von  Sargina 
angerufenen  Gottes.  Nimiki  does  not  mean  the  gods  themselves,  but  their  divine 
and  mysterious  nature  (in  the  praises  of  Ashurbanipal).  The  gods  are  called 
Children  of  the  Abyss  (binut  tzuab).  Sar  tzuab  or  king  of  the  Abyss  (s.  Talbot). 
Abari,  the  celestials  (in  the  prayer  of  Sargina).  In  Hebrew  poetry  the  word 
Abari  signifled  the  deity.  Hias  of  Greka  oder  von  Rinzen  ist  der  Ilija  von  Murom 
der  russischen  Sage,  der  Hauptheld  unter  den  Wunderhelden  Wladimir's  des  Grossen. 
Der  alttestamentliche  Name  Elias  wurde  nur  im  Munde  der  Slaven,  nicht  der 
Deutschen,  zu  Ilija,  Hias,  und  der  grosse  Prophet  und  Kirchenheilige  Elias  ist 
nicht  nur  bei  den  Serben,  sondern  auch  bei  den  Russen  an  Stelle  des  Donner- 
gottes getreten,  der  Ilya  der  Heldensage  aber  scheint  nur  eine  epische  Umbildung 
des  nach  dem  Propheten  benannten  Gottes  zu  sein  (s.  Müllenhoff).  In  Oestereich 
neckt  man  einen  Tölpel,  der  den  Hut  tief  in  die  Stirne  drückt,  mit  dem  Zurufe 
Wut  (s.  Vernaleken). 

*)  From  its  resemblance  to  a  skeletou  (larva)  and  spectre-like  habits  and 
habitations,  the  locust  (employed  in  medecine  for  aflfections  of  the  genitals)  was 
accounted  a  powerful  charm  against  the  evil  eye  (s.  King).  Der  Frosch  diente 
den  Griechen  (und  später  den  Christen)  als  Symbol  der  Unsterblichkeit,  in  Folge 
der  von  ihnen  durchlaufenen  Umwandlungen.  Die  Säule,  auf  der  der  schwarze 
Kater  bei  den  Versaninilnufren  der  Waldenser  sitzt  (und  bei  den  Hexen)  ist 
(iiacli    Schreiber)    in    Menkir.      Als    die    Soess    (Selbst)    genannte    Diala    das   F'edre 


Peking.  191 

Saale  in  seinem  Sarge  ausgestellt  und  empfängt  die  Huldigungen 
aller  Verwandten,  ehe  man  ihn  zur  Grabstätte  begleitet.  In  den 
Provinzen  Kiang-uan  und  Tche-kiang  werden  die  Todten  (zur 
Aufbewahrung  der  Asche  in  Urnen)  verbrannt,  weil  (nach  Van 
Braam)  der  Boden  für  das  Begraben  zu  feucht  sei.  Wenn  der 
Mensch  stirbt,*)  heisst  er  Kuei  (Liki).    Das,  wodurch  die  Ver- 


fitte  (Pierre  fitte)  in  Unter-Engadin,  beim  Hiiiaufladeu  helfend,  mit  den  Bauern 
in  Streit  gerieth  und  mit  der  Heugabel  in's  Auge  gestossen  wurde,  meinten  auf 
ihr  Schreien  die  anderen  Dialas:  ,,Selbst  gethan,  selbst  gebüssf'  (s.  Schreiber). 
Von  Willelmus  deus  durus  wurde  der  Witteflew  (Vittefleur  oder  fluv.  Quiteflede) 
Dardent  genannt  (zur  Zeit  Kollo's).  Von  der  untergegangenen  Stadt  Durdent 
erscheinen  zuweilen  die  Knochen.  Die  Höhle  Gnipa  hütet  der  Höllenhuud 
Gnipa  oder  (nach  Stepb.  Byz.)  Germara  (Kerberos).  Pauli  bezieht  Jötnav  auf 
Japhetnav  (JsTphetsöhne)  Der  Alp  feish  also  (incubus  pedit).  Walhalla,  als 
aula  occisorum.  Im  pontischen  Zela  theilte  die  Göttin  Emoua  ihre  Verehrung 
mit  dem  Gotte  Amanus  oder  Omanus  Krak  (Gründer  von  Krakau),  dem  slavischen 
Sonnengott  (s.  Terstenjak).  Die  Wurzel  der  (slovenischen)  Liebesgöttin  Emona 
ist  (sanscr.)  kam,  amore  (nach  Davorius  Terstenjak).  Im  Niebeluugenliede  wett- 
eifern die  Königsbräute  vor  der  Hochzeit  durch  Wettläufe  (im  Brautlauf).  Berue 
bedeutet  Mutter  der  Gewässer  in  der  Sprache  der  Batta,  (den  Marghi  verwandt), 
Die  Sklaven  aus  Mafum  (in  Adamana)  nach  Alt-Calabar  (s.  Anderson),  ^leyvas 
(Sohn  des  Ares  und  der  Kryse),  der  auf  Eteokles  in  der  Herrschaft  über  Or- 
chomeuos  folgte,  wurde  von  Appollo,  dessen  Tempel  er  wegen  Schwängerung 
seiner  Tochter  Koronis  (Schwester  des  Ixion)  angezündet,  in  die  Unterwelt  ge- 
bannt (unter  einen  Einsturz  drohenden  Felsen).  Die  zu  den  Minyern  gehörenden 
Phlegyer  nahmen  (von  Orchomenos  aus)  Besitz  von  Phokis.  Auf  der  Pokis 
Stelle  von  Avh^eii  wurde  Phlegya  gegründet,  m  oia  itefaXt],  syxsfaXov  ovx  Mxec, 
sagt  der  Fuchs  (bei  Aesop.)  in  Mo^fcoXvxsiov  staminirend.  Nu  awerst  is  (ehrlich 
Kloster)  des  Düwels  Pinke  Panke  (der  Chanoiuessen  in  Itzehoe)  1602  (s.  Brink- 
mann). 

*)  Wenn  der  Mensch  geboren  wird,  hat  er  ein  Rhi,  hat  er  ein  Pe,  der  Khi 
ist  des  Geistes  (Shin)  Erfüllung  (Tsching).  Alle,  die  geboren  werden,  sterben 
gewiss.  Was  stirbt,  kehrt  zur  Erde  zurück,  das  heist  Kuei.  Der  Hoankhi  aber 
kehrt  zum  Himmel  zurück,  und  dieser  heisst  Schin.  Die  Vereinigung  des  Kuei 
mit  dem  Schin,  um  ihnen  zu  opfern,  ist  das  Höchste  des  Unterrichts.  Knochen 
und  Fleisch,  die  todt  niederfallen,  werden  in  Erde  verwandelt,  ihre  Lebenskraft 
(Khi)  aber  breitet  sich  nach  oben  aus,  und  das  ist  des  Geistes  (Shin)  Manifestation 
(Tschu),  sagt  Confucius.  Die  Geister  erkennen  Wen-wang,  als  König  (nacii  dem 
Schuking.  Wer  sich  gegen  den  Himmel  vergangen  hat,  ruft  vergebens  die 
Geister  (nach  Confucius).  Die  bösen  Geister  wurden  durch  die  Ceremonie  No 
vertrieben.     Nur   bei    reinem    Herzen  nehmen    die    Geister    Opfer    an    (nach    dem 


192  Zweites  Kapitel. 

änderungen  und  Umwandlungen  vollendet  werden,  sind  die  Knei- 
Schin  (nach  dem  Iking).  Auf  dem  Hausdache  wird  die  Seele 
des  Verstorbenen  eingeladen^  zurückzukehren  (nach  dem  Tscheuli). 
Was  den  thierischen  Stufengrad*)  anlangt,   der   dem   Menschen 


Schuking),  Po  (der  Dämon  der  Dürre)  wiithet  wie  Feuer  (in  Schiking),  als 
einäugiger  Zwerg  iu  Süden  (nach  dem  Schin-i-king).  Der  Director  der  Stutereien 
opfert  im  Winter  dem  Pu  (Mapn)  oder  dem  Geist,  der  den  Pferden  schadet,  der 
Ton  der  Erdtrommel  vertreibt  die  Tschong  (Wasserwürmer).  Beim  Tode  steigt 
der  Geist  (Hoan)  aufwärts,  die  Seele  (Pe)  abwärts  (nach  dem  Scholiast).  Die 
Lebenskraft  (Hoankhi)  kehrt  zum  Himmel,  die  Körperform  (Hing-Pe)  zur  Erde 
zurück  (nach  dem  Liki).  Der  Khi  (Lebensodem)  geht  überall  ein.  Wenn  der 
Hoan  zum  Himmel  aufsteigt,  heisst  es  Thsu,  wenn  der  Pe  zur  Erde  zurückkehrt, 
heist  es  Lo.  Den  Geistern,  deren  Aufenthalt  man  nicht  kennt)  wird  immer 
nur  ausserhalb  der  Pforte  geopfert.  Kein  Tugendhafter  stirbt  (nach  Confucius). 
Die  Ahnen  nehmen  die  Spenden  gern  entgegen  (nach  den  Schiking).  Tsenkung's 
Frage,  ob  die  Todteu  von  den  Lebenden  wüssten,  wich  Confucius  aus.  Die 
Ahnen  seien  gewiss  vernichtet  (wird  im  Schi-king  geklagt),  da  die  in  der  Dürre 
an  sie  gerichteten  Gebete  nichts  nützten.  Der  Sonne  wird  auf  einem  Altar,  dem 
Mond  in  einer  Grube  geopfert  (nach  dem  Xi-ki).  Die  Pa-tscha  (acht  Geister) 
nützen  oder  schaden  den  Erdengütern  (s.  Amiot).  Unter  den  vier  Schutzgeistern 
des  Hauses  (U-sse)  steht  der  des  Schlafgemaches  höher,  als  der  des  Heerdes. 
Der  Kaiser  verehrt  sieben  Generationen  (ausser  den  sechs  nächsten  auch  noch 
den  Stifter),  die  Fürsten  fünf,  die  Ta-fu  (Grossen)  drei  (unter  den  Tsu  der 
Ahnen), 

*)  Die  die  Geisteswelt  beständig  vor  Augen  haben  (und  nicht  nach  der 
Wonne  der  irdischen  Welt  begehren),  gehören  schon  zu  den  Gattungen  der 
Engel,  trotzdem  ihre  Geschlechtsgenossen  Menschenkinder  sind.  Thsongkhaba 
(geboren  in  Anido  13^1)  galt  für  eine  Verkilrperung  des  Dhjäni  Buddha  Ami- 
tabha  (des  Bodhisattwa  Mangu^ri  oder  Vajrapäni)  oder  des  Mahakala  (^'iva). 
Indem  Buddlia  nach  seiner  dreifachen  Natur  einen  dreifa(^hen  Körper  besitzt 
einen  des  Gesetzes,  in  der  höchsten  Herrlichkeit  und  Vollkommenheit  und  einen 
der  Verwandlungen),  geht  er  (bei  den  Verkörperungen)  mit  dem  Körper  der  Ver- 
wandlungen (s.  Prulpa  oder  Khubilghan)  in  den  menschlichen  Leib  über.  Der 
Dalai  Lama  ist  eine  Verkörperung  des  Dhjäni  Bodhisattwa  Avalokiteasvra  (Sohn 
des  Dhjäni  Budda  Amitabha),  der  (als  Beschützer  und  Patron  Tibets)  politiscl,e 
Bedeutung  verleiht,  wogegen  die  Pantschhen  Rin  po  tschhe  (der  Buddha  der 
Beschauung)  für  eine  Verkörperung  des  Dhjäni  Buddha  Amitabha  gilt.  Durch 
den  von  den  Mongolen  in  Tibet  gefangenen  Lama  Arik  (Aschik.  Lama)  wurde 
zur  Einführung  des  Buddhismus  eine  Versammlung  an  dem  am  Kukunoor  er- 
bauten Tempel  (1577  p.  d.)  gehalten.  Nach  der  Vai-Fabel  lässt  sich  die  Tod 
simulirende  Spinne  (bei  Hungersnoth)  von  ihrer  Frau  begraben,  um  in  einem 
reicheren    Lande    von    einer    wegen    Unfruchtbarkeit    Mediciu    wünschenden    Frau 


Peking.  193 

am  nächsteu  kommt,  so  sind  das  die  Aflfen.  Die  Form  ihres 
Leibes  kommt  der  des  Menschen  nahe,  und  ihre  Seele  ahmt  die 
Thätigkeiten  der  menschlichen  Seele  nach.  Ebenso  auch  die 
trefflichste  Pferdeart,  denn  diese  hat  Geistesschärfe,  treffliche 
Sitten  und  einen  edlen  Charakter,  und  bisweilen  mistet  ein  Pferd 
gar  nicht,  so  lange  ein  König  auf  ihm  reitet  oder  in  seiner 
Gegenwart.  Auch  besitzt  es  kühnen  Muth  im  Kampf  und  Aus- 
dauer in  Anstrengungen.  Ebenso  auch  der  Elephant,  denn  er 
versteht  die  Anrede,  und  ebenso  Befehl  und  Verbot,  gerade  wie 
der  verstandbegabte   Mensch  (Kazwini).    Der  Greis,*)  der  den 


mit  verbundenen  Augen  getrunken  und  von  ihr  geboren  zu  werden,  bis  das  Reh 
durch  Ruthenschläge  darthut,  dass  es  kein  Kind,  sondern  fein  Wechselbalg] 
die  Spinne  sei,  die  fortläuft,  aber  jetzt  von  der  Frau  nicht  erkannt  und  für 
einen  Betrüger  gehalten  wird.  Der  Tempel  von  13  Wadschras  (Diamanten)  ist 
(bei  den  Mongolen)  ein  buddbaischer  Tempel  (Tschaitja  in  Sanscrit),  über  welchen 
sich  ein  pyramidaler  Thurm  von  13  Abtheilungen  (die  13  ßhuwauas  oder  Götter- 
regionen der  zweiten  Welt  bis  zur  immateriellen  buddhaischen  Monas  bedeutend) 
erhebt.  Nach  Ssatiaug  Ssetsen  waren  in  der  Verwandschaft  des  Burchan  (Buddha) 
drei  Herrscher,  als  Jakä  Schagkia,  Schagkia  Lidsai  Ori  und  Schagkia  Agholana 
Bada  Jabuktschi,  welches  letzteren  Nachkomme  (Itagäl  Arnalan  Chaghan,  Sohn 
des  Mandagholuktschi  Chaghan)  Vater  des  von  einem  fremden  Barbarenheere 
besiegten  Königs  war,  dessen  jüngster  Sohn  (übadi)  sich  in  das  Schneegebirge 
flüchtete,  als  Satmmvater  der  tibetischen  Fürsten  von  Jarlung.  Der  dem  Orogho- 
lukschi  Chaghan  des  Volkes  Badssala  geborne  Knabe  wurde  wegen  böser  Augurien 
auf  dem  Sangastrom  ausgesetzt  und  gelangte  (von  einem  Ackermann  in  Waissali 
erzogen)  zum  Himmelslager,  wo  er,  dem  Debschin  Bonbo  des  Himmels  und  Jaug 
Bonbo  (Bonbo  der  Herr)  der  Erde  begegnend,  von  den  Hirten  als  der  Tägrisohn 
Maha  begrüsst  und  zum  König  erhoben  wurde.  Der  Dsanbo  Dharma  oder  Tamo 
suchte  (unter  Ausrottung  des  Buddhismus)  die  schwarze  Religion  in  Tibet  einzu- 
führen (X.  Jahrhdt.).  Der  allwissende  Lama  wird  mit  Schagkiamuni  und  der 
Chaghan  mit  Chormusda  (bei  den  Mongolen)  verglichen.  Est  enim  omnium 
Getliarum  (Jatwgeser)  communis  dementia,  exutas  corpore  animas  nascituris  denuo 
infundi  corporibus  (Kadlubek).  De  illis  quos  nostrates  appellant  beeldwit  et 
blinde  bellen  (Voetus).  Kiliaan  verklaart  Beelewitto  deor  Lamia.  „Bille-witte- 
wits  Wiens  goed  is  dal"  met  de  mythe  van  den  Pilwitz  in  de  naauwste  betrek- 
king  (Kist).  Pilwil  ist  ein  guter  Geist  (bei  den  Slawen).  Erka  oder  Herka 
(F.tzpl's  Gattin)  als  manu  fortis  Ospiria  (göttliche  Bärin).  Der  krainische  Ritter 
Pegam  (Beheim)  ist  Pogan  (Heide).  Neben  der  Göttin  Nehelennia  findet  sich  der 
Hund  Woden,  qui  Mercurius  dictus  (Alberich).  Paene  omnibus  barbaris  Gothi 
sapientiores  semper  exstiterunt,  Graecisque  paene  consimiles  (Jornandes). 

*)  Die  Caspier  tödteten  (nach  Strabo)  die  Siebziger  (bei  den  Massageten  die 
Bastian,  Reise.  VI.  13 


194  Zweites  Kapitel. 

Wanderungen  der  Horde  nicht  länger  folgen  konnte,  musste 
sich  bei  den  troglodytischen  Megabariern  erdrosseln  (nach  Diod. 
Sic).  Wenn  man  im  Ahnensaale  den  Vorfahren  Feierlichkeiten 
(durch  Waschungen  und  Fasten  vorbereitet)  anstellte,  wurde 
der  Hauptahn  durch  ein  lebendes  Kind,  als  Schi  (Verstorbener) 
oder  Kung   schi  (ehrwürdiger,*)  berühmter  Todter)  repräsentirt. 


Söhne  ihre  Eltern).  Tandis  qua  dans  le  Grece  et  l'Italie  antiques,  la  famille  est 
circonscrite  ä  certain  degres,  chez  les  Gaulois  o.orame  chez  les  Ecossais,  eile  se 
prolongeait  indeflniment  et  les  lieues  originaires  de  parentö  n'^taieut  jamais 
oublies,  de  lä  les  Clientes  et  les  Ambacti  existant  dans  la  Gaule  au  temps  de 
C^sar,  de  lä  les  clans  d'Ecosse.  Unter  gewissen  Einschränkungen  wurden  Fremde 
(wenn  sie  sich  der  Beschneidung  unterwarfen)  nationalisirt  und  erhielten  das 
israelitische  Bürgerrecht,  die  Edomiter  und  Aegypter  im  dritten  Gliede  (s.  Wiener). 
Harun-Al-Raschid's  Statthalter  Ibrahim  Ben  Aglab  stiftete  (908)  die  Dynastie  der 
Aglabiten  im  mittleren  Magrab,  und  sein  Nachfolger  verlegte  die  Residenz  von 
Kairwan  nach  Tunis.  Edris  ben  Edris  gründete  ein  eigenes  Reich  in  Fez  (788), 
das  bis  zur  Hälfte  des  zehnten  Jahrhunderts  bestand.  Die  Fatimiden  verdrängten 
die  Aglabiten  und  eroberten  (941)  Fez,  wo  sie  (980)  den  Zairiden  erlagen,  in 
Aegypten  die  Dynastie  Ikhschid's  stürzend  (1171).  Gegen  Ende  der  Herrschaft 
der  Muahedin  (1269)  erhob  sich  in  Magrab  das  Reich  der  Meriniden,  dann  die 
jüngere  Linie  der  Oalazen  (bis  Horuk  und  Schereddin  Barbarossa  den  Grund  zur 
türkischen  Herrschaft  legten).  In  Tunis  entstand  (1206)  die  Dynastie  der  Abu- 
hassier.  Nach  der  Eroberung  Karthago's  (429)  erlagen  die  Vandalen  (534  Justi- 
nian).  St.  Johannes  Minne  ward  in  ganz  Schwaben  getrunken  (Birlinger).  Ambra 
oder  Ambräsch  ist  (in  der  rheinischen  Volkssprache)  Getöse,  Lärm,  Uraschweif 
(s.  Kehrein).  Amer  (Aive)  oder  Ame  ist  Grossmutter.  Nach  Basilius  Valentinus 
begründete  die  Beimischung  edler  Metalle  in  einigen  unedlen  ,  wie  die  letzteren 
im  Handel  vorkommen,  die  Täuschung  vieler  falscher  Alchemisteu,  welche  daraus 
das  edle  Metall  nur  abscheiden  und  den  Process  dann  für  eine  Transmutation 
ausgeben  (s.  Kopp).  Das  äyiov  evayysliov  des  Scythiaiius  entspricht  den  evay- 
yeliov  y.ara  Ocofiär  der  Manichäer.  Die  Ehesitte  der  Nayren  in  Malabar  (nach 
dem  Mabharata)  wird  von  Strabo  im  glücklichen  Arabien  erwähnt.  Der  Indien 
erobernde  Jen-kao-tschin,  Sohn  des  Juetshi-Königs  Kieou-tsieou-kio  (Kanishka) 
machte  Asvagosha,  als  Geissei  der  Magadhaer,  zum  Gefangenen.  Buddha  guhja, 
von  Khri-srong-lde-btsan  nach  Tibet  eingeladen ,  wurde  unsichtbar  (Taranatha). 
Die  (buddhistischen)  Beschwörer  verwenden  besonders  mit  Frauenblut  befleckte 
Lappen,  da  die  Geister  nicht  über  etwas  Unreines  hinüberkommen  können  (s.  Was- 
siljew).  Unter  dem  Turushka-König  Mahasammata  (gleichzeitig  mit  Gambhira- 
pokscha  in  Pantschala)  bannten  die  das  Pradschnaparanuta  studirenden  Bhikschu 
die  Tathagata  herbei  (Taranatha). 

*)  Christenthum  ist  Tientschu  Kiao    (Lehre    des    Herrn    vom  Himmel).     Nur 


Peking  195 

Das  Kind  hielt  sich  unbeweglich,  während  man  ihm  Fleisch, 
Früchte  und  Speisen  darbrachte.  Nach  den  Worten,  die  ihm 
entschlüpften,  deutete  man  auf  Glück  oder  Unglück,  indem  die 
Verstorbenen  durch  seinen  Mund  redeten.  Später  wurden  die 
Tabletten  eingeführt,  statt  des  Kindes.  Als  Arjasanga  (Bruder 
des  Vasubandhu)  sich  Wadentleisch  abschnitt,  um  die  unten  von 
Würmern  angefressene  Hündin  zu  erleichtern,  ohne  die  Würmer  *) 


die  Mathematiker  durften  von  den  Europäern  zurückbleiben,  aber  weder  mit 
Mandsehu,  noch  Chinesen  verkehren  (1812).  In  Kautoner  Mundart  heisst  Kuh: 
Kuh  (wie  im  Deutschen  und  Sanscrit),  nicht  (wie  im  Hochchinesischen)  Nieu 
(Neu mann).  Nach  dem  speculativen  System  des  Fürsten  Hoai-nau-tse  werden  in 
einer  sumpfigen  Gegend  vorzüglich  Kinder  weiblichen,  in  einer  gebirgigen  männ- 
lichen Geschlechts  geboren.  Neben  den  San-Tsai  unterscheiden  die  Chinesen 
Schang,  höhere  Geister,  und  Hia,  niedere  Geister,  als  Schin,  dann  Thian ,  himm- 
lische (Sonne,  Mond,  Sterne,  Planeten),  Ti,  irdische  (Berge,  Wälder,  Hügel, 
Thäler,  Flüsse  u.  s.  w.),  Jin,  menschliche  (in  den  A.hnen),  und  alle  diese  bilden 
die  Peschin  (ICO  Geister)  oder  Küin-Schin  (Schaar  der  Geister),  denen  der  Kaiser 
(Tliian-tseu)  Uimmelssohn  opfert.  Die  Wahrsager  (ü  oder  Wu)  waren  erblich. 
Der  Yang  und  Yn  schafft.  Das  Ritual  ist  im  Liki  und  Tscheuli  bestimmt. 
Der  Menschengeist  steht  zwischen  Himmel  und  Erde.  Die  Geister  des  Himmels, 
der  Erde  und  des  Menschengeschlechts  bilden  die  drei  göttlichen  Gew  jlten  (San- 
Zai).  Das  Gleichgewicht  im  Leben  des  Menschen  und  Weltalls,  durch  sittliche 
Kraft  des  Mensclien  aufrecht  erhalten,  der  als  Weiser  (Sching-Jin)  in  seiner 
selbst  errungenen  Vollkommenheit  standhaft  ausharrt  in  der  rechten  Mitte  und 
den  Zustand  der  Vollkommenheit  auch  ausser  sich  verbreitet.  Gestört  wird  das 
Gleichgewicht  durch  die  Sünde  des  Menschen  und  seine  Abweichung  von  der 
rechten  Mitte.  Des  Himmels  Anordnung  (Ming)  ist  die  Natur  (Sing),  die  Natur 
herstellen,, das  ist  der  Weg  (Tao),  heisst  es  im  Tschung-yung.  Tod  und  Leben 
hat  seine  Bestimmung  (Yeu-ming),  sagt  Confucius.  Der  Yn  und  der  Yang  ist 
der  Geist  (Khi)  der  Bewegung,  das  Ordnende  darin  (Lhi)  nennt  man  Tao  (nach 
dem  Scholiasten  des  Iking).  Der  Himmel  redet  nicht,  sondern  giebt  sich  durch 
den  Hergang  der  Begebenheiten  zu  erkennen  (Mengtseu).  Des  Himmels  Weg 
(Thian  Thao)  bringt  dem  Guten  Glück,  dem  Lasterhaften  Unglück  (im  Schuking). 
Himmel  und  Erde  vereinigen  sich,  und  die  lOÜO  Dinge  sind  in  Bewegung  (nach 
dem  Ihking). 

*)  The  measles  (sweeping  large  numbers  into  the  grave)  were  brought  to 
Aueiteum  by  the  schooner  Hierondelle,  belonging  to  one  of  the  sandal-wood 
establishments  on  the  Island  (s.  Murray)  1H61.  Die  Syphilis  heisst  in  Indien 
Phirangiroga  (Franken-Krankheit).  Für  die  Aswins  wird  eine  Hymne  verfertigt, 
als  ein  Wagen,  wie  ihn  die  deshalb  "Wagenmacher  (bhrigus)  genannten  Bhrigus 
verfertigen   (nach    dem    Rigveda).      Hymnen    und    Gebete    werden    einem    Ruder- 

13* 


196  Zweites  Kapitel. 

ZU  tödten,  und  dann  den  ihm  erscheinenden  Maitreya  in  die 
Stadt  trug-,  wurde  er  am  Zipfel  seines  Gewandes  in  die  Tushita- 
Region  erhoben,  das  Mahajana-Gesetz  zu  hören,  und  besass  bei 
der  Rückkehr  das  Klarwissen  fremder  Gedanken.  Als  sich  im 
zweiten  Jahrhundert  in  natürlicher  Eutwickelung  ein  Majorats- 
Adel  bildete,  wurde  von  Kaiser  Wuti  die  Einrichtung  von 
Majoraten  verboten  und  dem  ältesten  Sohne  nur  die  Hälfte  des 
Vermögens  zugestanden.  Die  600  a.  d.  versuchte  Eintheilung 
in  vier  Kasten  misslang.    Als  es  200  a.  d.  erlaubt  (obwohl  später 


schiffe  gleich  gemacht.  Mag  das  Gebet  glänzend  aus  uns  hervorgehen,  wie  ein 
von  Rennern  gezogener  Wagen  (Rigveda).  We  coutemplate  that  Purusha  and  we 
meditate  Mahadeva,  may  tbat  Rudra  stimulate  us  (s.  Muir)  in  dem  Linga  Purana. 
We  have  drunk  the  soma,  we  have  become  immortal,  we  have  entered  iuto  liglit, 
we  have  known  the  gods  (Muir)  nach  den  Ath.  Ved.  Der  trunkene  Polypheni 
sieht  im  Drehen  der  Erde  und  des  Himmels  den  Thron  des  Zeus  und  den 
schauervolleu  Götterglanz  (b.  Euripid).  Hesiod  wurde  durch  die  olympischen 
Musen  (Zeus'  Töchter)  durch  einen  Lorbeerzweig  zum  Sänger  der  Zukunft  und 
der  Vergangenheit  begeistert.  In  der  Odysee  regt  die  Muse  die  Dichter  zum 
Sang  an.  The  gods  fearing  lest  the  sun  and  the  hea\en  should  fall  down,  tliey 
prorped  them  up  by  prayers  (Rigveda).  Atri  discovered  the  sun  (by  his  prayer) 
concealed  by  an  unholy  darkness  (Rigveda).  Belona  erfand  die  Nähnadel.  In 
the  condition  of  transcendental  knowledge  the  saint  has  then  no  relation  either 
to  merit  or  to  sin  (nach  dem  üpanishad)  s.  Muir.  Aqua  benedicta  ne  daeuioues, 
qul  multum  eam  timent,  ad  corpus  accedant,  solent  namque  desaevire  in  corpora 
mortuorum,  ut  quod  requiescunt  in  vita  saltem  post  mortem  agant  (Durande). 
Watlinga-Strät  wurde  oft  vertragsmässig  für  die  Grenze  zwischen  dem  dänischen 
und  angelsächsischen  Königreiche  anerkannt  (s.  Worsaae).  Unter  den  (angel- 
sächsischen und  dänischen)  Outlaws  in  den  Wäldern  Nordeuglauds  (zur  Zeit 
Wilhelm's  des  Eroberer)  schoso  Wilhelm  von  Cloudesley  seinem  Sohne  einen  Apfel 
vom  Kopfe.  Das  Getränk  für  den  König  und  seine  Rupack  stellte  (aus 
Holz)  einen  Vogel  vor,  dessen  Rücken  als  Deckel  abgenommen  wurde  (in  den 
Pelew-Inseln).  The  daggers  (made  of  the  sting  of  the  Rayfish,  which  is  jagged 
all  upwards  from  the  point)  were  (on  the  Pelew-islauds)  sheathed  in  a  bainboo. 
Tlie  best  knives  were  formed  of  a  piece  of  the  large  mother  of  pearl  oyster  shell, 
ground  narrow,  and  the  outward  side  a  little  polished.  The  sort  more  common 
was  made  of  a  piece  of  some  muscle  shell,  or  of  a  split  bamboo,  which  they 
sharpen  to  an  edge  (in  the  Pelew-islands).  The  blade  part  (of  their  liatchets) 
was  made  of  the  strengest  part  of  the  large  Kima-Cockle,  ground  to  a  sharp  edge 
(Keate).  They  had  also  another  kind  of  hatchet  which  was  formed  in  a  manner 
to  move  round  in  a  groove ,  that  the  edge  might  act  longitudinally  or  trans- 
versely,  by  which  it  would  serve  as  a  hatched  ur  an  adze,   as  occasion  required. 


Peking.  197 

wieder  verboten)  wurde ;  dass  Eltern  ihre  Kinder  verkauften, 
mehrte  sich  die  Zahl  der  Privatsclaven.  Im  XII.  Jahrhdt.  a.  d. 
kamen  zuerst  zu  den  Freien  Sclaven  hinzu,  als  verurtheilte 
Verbrecher,  dann  auch  Kriegsgefangene.  Die  Mongolenherrschaft 
markirte  die  Unterschiede  zwischen  Freien,  Fi'eidienenden  und 
Sclaven.  Unter  der  Song-Dynastie  (950  p.  d.)  wurde  das  Laternen- 
fest eingerichtet,  mit  Freiheit  für  Jeden,  Nachts  auf  den  Strassen 
zu  promeniren  (als  Sakäenbelustigung).  In  Dahomey  fällt  die 
Polizeistunde  bald  nach  Dunkelwerden.  Die  Besuche  der  Gräber 
sind  (in  China)  im  Frühjahr  und  Herbst  angeordnet.  Das 
Drachenfest  soll  dazu  dienen,  durch  die  in  Drachenform  auf- 
steigenden Papiere,  die  Luft  von  bösen  Geistern  zu  reinigen. 
I)ei  der  Vorbereitung  zum  Himmelsopfer  ist  der  Genuss  von 
Zwiebeln  und  Wein,  der  Besuch  von  Kranken,  das  Trauern  um 
Verstorbene  untersagt.  Nach  Beendigung  der  Ceremonie  liest 
der  Kaiser  seine  auf  Atlas  geschriebenen  Sünden  dem  Himmel  *) 
vor,  die  dann  unter  Weiuspenden  verbrannt  werden.  Der  erste 
Lehrsatz  der  geheimen  Wissenschaft,  der  Summipa  oder  Tater- 
frau (bei  den  weisen  Finnen  belehrt)  ist  der,  dass  jeder  Unglücks- 
fall, jede  Krankheit  des  Viehes  eine  übernatürliche  Ursache 
habe,  den  Einwirkungen  der  bösen  Mächte,  des  Neides,  der  Miss- 
gunst oder  des  bösen**)  Blickes  ihr  Entstehen  verdanke.  Ge- 
nügt (zur  Heilung)  nicht  die  Drabbescke-matki  (Gift-Büchse),  so 


*)  Being  set  above  the  iiine  Orders,  the  mother  of  Yay-soo  (Jesus)  became 
the  Koiprpss  of  heaven  and  earth  and  the  protectress  of  human  beings  (according 
to  Tseu).  The  Sect  of  Jews  at  Kaefungfoo  (in  Yunan)  is  called  Teaou-kia-keaou 
(the  sect,  which  plucks  out  the  sinews  from  all  the  meat  the  eat).  According 
to  Indrajia  (in  Malacra)  Jehovah  formed  the  earth  with  seven  stories. 

**)  In  der  Mark  wird  von  einem  krampfhaften  Kinde  gesagt,  dass  es  den 
Rock  (Bog)  habe,  und  an  der  Oder,  den  Zornebog  (Czemebog).  La  premiere 
classe  des  Samradiens,  dont  le  fondateur  Fartosh  est  cense  avoir  v6cu  sous  le 
regne  de  Zohak,  ne  regarde  comme  une  ide'e  ou  uue  Illusion  qne  ce  moude 
eJementaire,  tout  le  reste,  cieux,  substance  simples,  leur  parait  avoir  une  veri- 
table  existence.  La  se'conde  classe  (de  Farschid)  ne  regard  comme  reel  que  les 
substance  simples  et  compte  parmi  les  illusions  le  ciel  et  les  astres.  La  troisieme 
classe  (de  Fariradj)  abandonne  aussi  les  substances  simples,  telles  que  les  cieux 
et  les  pures  intelligeuces  et  ne  conserve  ä  la  re'alit^  que  les  attributs  necessaires 
de  dieu.     La  quatrieme  classe  (de  Faramand)  n'excepte  rien    de    l'idealisme,    pas 


198  Zweites  Kapitel. 

werden  Zaubersprüche  (Ragusta)  verwandt^  und  weiter  der  Bu- 
Stein  (Cong'lomerate  in  den  Eingeweiden  des  Viehes  oder  er- 
härtete Tangknospen  des  Golfstroms)  oder  das  Rückgrat  der 
weissen  Schlange  (Zahnreihe  des  Rachens),  indem  der  Tatare 
auf  blossen  Füssen  durch  das  zischende  Gewimmel  eines  Schlan- 


meme  les  attributs  divins.  Dien  est  tout  ce  qiii  est,  et  dien  n'est  qu'iine  id<^e 
(s.  Franck)  iianh  dem  Dabistan.  D'apres  le  niobed  Akbshi  (de  la  sectes  des  Ahk- 
scbiens)  dien  est  l'essence  de  tous  les  elements.  Sarakka  heisst  bei  den  Lappen  die 
Schöpferin  (von  sarel,  schaffen),  als  Glücksgöttin,  während  (bei  den  Finnen)  dem 
(alten)  Dunnergott  Ukko  seine  Frau  Akka  (die  Alte)  zur  Seite  steht.  Le  feu  et 
les  auimaux  ont  leiirs  feroners  (des  formes  divines,  les  types  immortels  des 
differents  etres),  comme  Thomme,  les  nations,  les  villes,  les  provinces  aussi  bien, 
que  les  individus.  II  y  a  des  ftirouers  des  aiiges,  de  la  loi ,  d'Ormnzd  et  du 
Verbe  d'Ormuz,  du  Honover  (s.  Franck).  Le  fe'rouer  est  la  re'union  de  toutes 
les  id^es,  qui  forment,  en  quelque  sorte,  sa  substance  intelligible.  Zoroaster  ver- 
bietet das  Fasten  und  Kasteinngen ,  als  körperlicher  und  geistiger  Gesundheit 
schädlich.  Les  Sipasiens  (adorateurs)  preunent  pour  base  de  leurs  croyances  le 
Desatir  et  les  propheties  des  Abad  (s.  Franck).  Le  premier  de  to